Krimi vs. Thriller

Erst vor ein paar Tagen wurde in einem Forum wieder die Frage gestellt, wie man Krimi und Thriller auseinanderhält. Ich habe mir dazu schon vor längerer Zeit Gedanken gemacht und sie in einer entsprechenden Antwort niedergeschrieben, die ich jetzt, etwas aufbereitet, auch im Blog posten will:

Schon der Krimi an sich ist ein weit gefächertes Genre, dessen bekanntester Vertreter, die Detektivgeschichte, gleichzeitig am häufigsten auftritt, weshalb man sie gern auch als den klassischen Krimi bezeichnet. In ihr geht es um die Aufklärung eines Verbrechens. Das Verbrechen ist dabei in der Regel der Ausgangspunkt, am Ende wird der Täter überführt.

Eine Definition, die sich aber nur an dieser einen Vertreterin orientiert, greift zwangsläufig zu kurz. So ist durchaus auch diejenige Geschichte ein Krimi, in der der Leser den Protagonisten bei der Planung eines Verbrechens verfolgt, das demzufolge eher am Ende der Handlung auftaucht. Oder eine Geschichte, die die Ursachen untersucht, die zur Entstehung eines Verbrechens beigetragen haben. In manchen Krimis, in denen das Verbrechen am Anfang steht, interessiert nicht die Aufklärung desselben, sondern es geht um die Folgen für das Opfer oder den Täter.

Tatsächlich gilt als anerkannte Definition für das gesamte Krimigenre nur, dass ein Verbrechen im Mittelpunkt der Handlung steht. Ob es dabei um die Aufklärung, die Umstände, die Folgen oder was sonst noch geht, bestimmt nur noch das Untergenre.

Was aber steht beim Thriller im Mittelpunkt? Jedenfalls nicht das Verbrechen. Tatsächlich muss es im Thriller gar kein Verbrechen geben. Oder es gibt (was sicherlich häufiger ist) viel mehr als eines.

Ich möchte behaupten, es ist die Bedrohung, die im Thriller im Mittelpunkt steht. Ich glaube, es gibt keinen Thriller, in dem nicht irgendjemand oder irgendetwas einer Bedrohung ausgesetzt ist. Und es ist genau diese Bedrohung, die den gesamten Plot bestimmt.

Bedroht werden Personen, Personengruppen, Dörfer, Städte, die Welt, Natur und Umwelt, Tiere und gelegentlich (meist nur in Verbindung mit Menschenleben) Gebäude oder Sachgegenstände. Die Bedrohung kann in Gestalt von Serienkillern, Psychopathen, Organisationen, Regierungen, Umwelt- und anderen Katastrophen, Tieren, Aliens, Dinosauriern, Wesen, Geistern, Zombies etc. auftreten.

Wieder werden durch solche Unterschiede bestenfalls Untergenres bzw. Genre-Crossover generiert.

Nehmen wir zum Vergleich eine Geschichte um einen Polizisten, der mit der Aufklärung eines Mordes beschäftigt ist. Damit die Geschichte als Krimi funktioniert, muss der Kommissar zu keiner Zeit einer Bedrohung ausgesetzt sein. Möglicherweise besteht nicht einmal die unmittelbare Gefahr, dass der Mörder sein Handwerk fortsetzt und damit eine Bedrohung für weitere Menschenleben abgewendet werden muss.

Natürlich kann eine Bedrohung (meist durch den Mörder) hinzukommen, etwa gegen den Kommissar selbst oder gegen seine Familie. Im Krimi ist die aber nicht bestimmend. In der Detektivgeschichte etwa wird weiterhin die Aufklärung im Vordergrund stehen, die dann meist auch entscheidendes Mittel ist, um die Bedrohung abzuwenden.

Im Thriller aber wird die Situation schon bald und zunehmend bedrohlich. Die Drohkulisse wird immer gewaltiger. Das Hauptaugenmerk des Lesers liegt auf der Frage, ob und wie es dem Kommissar gelingt, dieser Bedrohung zu entkommen bzw. sie abzuwenden. Das gilt auch dann, wenn die Bedrohung nicht den Kommissar selbst betrifft, sondern etwa die Familie, eine Person, für die er verantwortlich ist, oder die Stadt.  Der Kommissar hat also vor allem die Bedrohung abzuwenden, das ursprüngliche Verbrechen rückt in den Hintergrund.

Natürlich gibt es fließende Übergänge, aber das Pendel schlägt meist entweder mehr zur Krimi- oder mehr zur Thrillerseite aus.

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