SchickLit von Anna

Anna Koschka: Naschmarkt

Anna Koschka: NaschmarktBevor du den Zeigefinger hebst und schimpfst, sage ich es gleich vorweg: Anna Koschka ist das Pseudonym meiner Freundin. Dieser Umstand wäre sicher ein guter Grund für dich, diese Rezension nicht allzu ernst zu nehmen. Denn natürlich lobe ich sie. Das macht man doch so – schon unter Freunden, erst recht in einer Beziehung. Ich bin also parteiisch. Trotzdem: Ich habe das Buch gelesen und sage meine Meinung darüber. Ich hätte es ja auch leichter haben können. Das Buch ist schließlich bereits seit fast einem Jahr auf dem Markt. Aus Zeitgründen habe ich es nur im Schneckentempo gelesen und schreibe die Rezension erst jetzt, da ich mir die eigene Meinung bilden konnte. Wenn dir das trotzdem nicht aussagekräftig genug ist, findest du ja etliche und überwiegend sehr positive Rezensionen anderer Leser im Netz. Denn das Buch ist mehr als einen Blick wert. Es ist sehr gut! Da kann ich ja nichts dafür!

„Naschmarkt“ gefällt mir also. Und das, obwohl ich gar nicht die Zielgruppe bin. Naschmarkt versteht sich nämlich als ein Frauenroman. Genauer: ein unterhaltsamer Frauenroman, ein ChickLit. Aber wie eng man auch immer eine Zielgruppe definieren möchte, das bedeutet zunächst nicht mehr, als dass der Roman auf jeden Fall solchen Lesern zusagen soll. Es schließt aber nicht aus, dass der Roman nicht auch außerhalb der fokussierten Klientel fischen darf. Und das tut er!

Zunächst bei Leserinnen, denen der typische ChickLit gelegentlich zu flach ist. Sie finden schon in Dotti eine Protagonistin, die gar nicht typisch irgendwas ist. Sie ist intelligent, gebildet, schlagfertig und gleichermaßen Literatur- wie Katzennerd. Und sie hat den Happy Ends abgeschworen, die mag sie schon in Büchern nicht.

Dass die Literaturjournalistin sich plötzlich (wenn auch in einem mehr oder weniger literarischen Umfeld) doch den Männern, dem Flirten und vor allem dem Daten zuwenden soll, passt ihr daher ganz und gar nicht. Wenn sie dabei wenigstens interessante Leute kennenlernen würde und nicht nur völlig abartige …

Aber Moment! Dotti tritt mit ihrer witzigen Frustkolummne nicht nur einen neuen Hype los, sondern kommt dadurch dann doch mit mindestens einem männlichen Vertreter ihrer Spezies in Berührung, der sie dann doch ein wenig in ihren Grundfesten erschüttert und dem Leser die Hoffnung auf das von der Figur vielleicht doch gar nicht so generell verhasste Happy End lässt.

Dem Leser? Ja, halte dich fest! Das Buch gefällt auch den Herren der Schöpfung, das hat es bereits mehrfach bewiesen. Es ist großartig geschrieben, der Humor beinahe universell und der Grundkonflikt keiner, der nur Frauen angehen würde. Darüber hinaus kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Nein, ein Krimi ist es nicht, aber Dotti muss mit kriminalistischem Gespür ein Rätsel aufklären, das einer hochkomplizierten Schnitzeljagd gleicht.

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Anna Koschka
Naschmarkt
Roman

Taschenbuch
Knaur TB 2012
ISBN: 978-3-426-51120-6

Verlagstext:

Dotti Wilcek hat der Männerwelt abgeschworen. Endgültig! Wer könnte weniger geeignet sein, eine Internetdatingagentur zu testen? Doch Dottis bissiger Blog über Männer, Mauerblümchen und Flirten für Anfänger spricht einer ganzen Generation von netzgeplagten Singles aus dem Herzen …

„Schon lange wollte ich nicht mehr so unbedingt in eine Geschichte hineinklettern wie in diese hier.“ Kerstin Gier

„Dotti ist das schärfste Mauerblümchen der Welt: charmant, klug und witzig.“ Gabriella Engelmann

„Sind wir nicht alle ein bisschen Dotti?“ Andrea Koßmann

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Der Tod lauert zwischen den Bäumen

Ursula Poznanski: SaeculumWieder ist es ein Spiel. Und wieder eines, das harmlos beginnt und böse endet. Doch diesmal lauert der Tod zwischen den Bäumen. Ursula Poznanskis „Saeculum“ ist noch mörderischer als ihr Megaerfolg „Erebos“.

Mit ihrem Jugendthriller „Erebos“ hat Ursula Poznanski einen Überraschungshit gelandet, der nicht nur Jung, sondern auch Älter und Alt in seinen Bann zog. Vollkommen zu Recht gewann sie dafür im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. In „Erebos“ geriet Nick in die Fänge eines heimtückischen Computerspiels, in „Saeculum“, vom Verlag in ein beeindruckendes Cover gehüllt, ist es Bastian, für den ein Spiel zur bitteren Realität wird. Seine neue Freundin lockt den angehenden Mediziner aus der biederen Enge des Studierzimmers zu einem Live-Rollenspiel in einem Waldstück fernab der Zivilisation. Doch dort wartet nicht nur Mittelalterromantik auf die Spieler, sondern auch der Tod. Ein Serienkiller? Oder doch der jahrhundertealte Fluch, der auf diesem Gebiet lasten soll? Bastian weiß schon bald nicht mehr, was er glauben soll. Zu allem Überfluss scheint es, als treibe auch seine Freundin ein falsches Spiel mit ihm.

Erwartungen nicht enttäuscht

Nach einem Buch wie „Erebos“ kann es keiner Autorin leichtfallen, dem Erwartungsdruck, der sich ohne Zweifel für den Nachfolger aufbaut, standzuhalten. Tatsächlich ist „Saeculum“ ein anderes Buch, das den Leser zunächst sanfter an die Hand nimmt. Die Sogwirkung, die der Vorgänger von der ersten Seite an aufbaute, lässt im direkten Vergleich hier ein wenig auf sich warten. Das ist nicht verwunderlich, braucht die Geschichte doch einfach mehr Zeit, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und sie überhaupt erst an den Handlungsort zu bringen. Mit Iris gibt es außerdem eine zweite Perspektivträgerin, deren Sicht zusätzlichen Raum einnimmt. Dennoch zählt gerade diese zweite Perspektive zu den vielen gelungenen Kniffen der Autorin, die Spannungsschraube schnell anzuziehen. Denn Iris umgibt ein Geheimnis, das gleich weiteren offenen Fragen darauf drängt, gelüftet zu werden, wodurch der Leser auch bei diesem Thriller bald schon die Buchseiten zum Fliegen bringt.

Hat das Spiel erst begonnen, baut Ursula Poznanski meisterhaft eine Spannungskulisse auf, die den Wolkenbergen der immer wieder herannahenden Gewitter am Spielort ähnelt und an Bedrohlichkeit kaum zu überbieten ist. Meisterhaft auch deshalb, weil der Leser zunehmend geneigt ist, am Verstand des Protagonisten zu zweifeln, nicht etwa, weil dieser an einen Fluch glaubt, sondern gerade weil er sich so standhaft dagegen wehrt, das Übernatürliche als real zu akzeptieren. Wenn Tote aus ihren Gräbern steigen, Madenplagen die frischen Vorräte befallen und Schmerzensschreie durch die Nacht gellen, verliert selbst die Fantasie des Lesers den Boden unter den Füßen. Ganz abgesehen davon, dass ein Rollenspieler nach dem anderen verlustigt geht. Bis es schließlich nur noch eine letzte Hoffnung auf Rettung gibt. Für alle außer Bastian!

Besser geht’s nicht

Es scheint kaum vorstellbar, dass einer Autorin gleich zweimal hintereinander der große Wurf gelingt. Der Wienerin Poznanski ist das gelungen. Wenn jemand zwei Bücher schreibt, von denen jedes für sich besser kaum vorstellbar ist, bleibt es schließlich dem persönlichen Geschmack des Lesers überlassen, einem von beiden den Vorzug zu geben. Glücklicherweise gibt es gar keinen Grund dafür, sich zu entscheiden.

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Ursula Poznanski
Saeculum
Jugendthriller

Klappenbroschur
Loewe 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

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Bridget Jones und der böse Wolf

Cover JagdzeitGut möglich, dass dir dieses Buch nicht gefällt. Vielleicht ist es ja sowieso nichts für dich. Für wen genau ist Claudia Tomans Roman „Jagdzeit“ denn etwas?

Für Frauen, das scheint ziemlich sicher. Aber nicht nur, davon bin ich überzeugt! Für diejenigen, die es humorvoll mögen. Aber auch für jene, die es spannend lieben. Für Krimifreunde, Thrillerleser und Märchenliebhaber. Für Leser, die sich zu mysteriösen Fantasywesen hingezogen fühlen, aber auch solche, die von modernen Großstadtmenschen lesen wollen.

Begrenzende Vielfalt

Na, da sollte doch was passen! Ist doch für jeden etwas dabei. Tja, wenn es mal so einfach wäre. Aber leider – ja, das ist wirklich schade – lassen sich Zielgruppen nicht so einfach addieren. Ganz im Gegenteil. Ein Crossover wie dieses braucht Leser, die bereit sind, Grenzen zu überschreiten. Einen Krimileser, den der Sprung aus dem Realistischen nicht schreckt, einen Märchenfreund, der sich auch von spannender Ermittlungsarbeit verzaubern lässt, einen Thrillerfan, der sich für die herzig-humorvolle Chick-lit-Protagonistin erwärmen kann.

Hat ein solcher Leser zu „Jagdzeit“ gefunden, wird es sich prächtig amüsieren, voll Spannung die jeweils nächste Seite umblättern und sich sogar ein bisschen gruseln. Denn die Autorin macht alles richtig. Geradezu spielerisch verbindet sie Chick lit, Mystery, Krimi, Thriller und Märchen. Auf sprachlich hohem Niveau vollführt sie einen ebenso lockeren wie souveränen Tanz zwischen den Genres, verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen.

Olivia zwischen Liebesentzug, Abgabetermin und anderen Bedrohlichkeiten

Wie die Autorin überschreitet auch Protagonistin Olivia Grenzen. Oft die der Vernunft, des Anstands oder der Höflichkeit, vor allem aber ihre eigenen. Auf der schon etwas verzweifelt anmutenden Suche nach einem Liebesabenteuer erreicht die naturhassende und Sex-and-the-City-verrückte Großstädterin das abgelegene Bergdorf W. wie seinerzeit die Hobbits aus dem Auenland Bree. Wen wundert es da, dass sie im absonderlichen Dorfwirtshaus „Gifthütte“ auf Aragorn – Verzeihung, Streicher – Entschuldigung, Schnüffler trifft, der sie ausgerechnet an Brie, den Käseautor erinnert.

Von Schnüffler, den schrulligen Dorfbewohnern und nicht zuletzt dem vorzeitig gescheiterten Liebesabenteuer mehr oder weniger aus der Fassung gebracht begibt sich Rotjäckchen Olivia, ihres Zeichens Schriftstellerin auf der Suche nach der Inspiration für ihren zweiten Roman, mit neuem Ziel in eine Welt, genauer gesagt einen Wald der Märchen und Sagen. Nun hofft sie, statt des stets verhinderten Blind Dates eine magische Quelle zu finden, die ihr den Wunsch nach ewig fließender Inspiration erfüllen soll, und ganz nebenbei das Material zu sammeln, das sie vor dem Überschreiten des drohenden Manuskript-Abgabetermins bewahren kann.

Ein Buch von dreien

„Jagdzeit“ ist nicht nur der zweite Roman der Autorin, sondern auch die zweite Geschichte um Olivia, die mit „Hexendreimaldrei“ ihren Anfang nahm und in „Goldprinz“ ihren Fortgang findet. Der Mittelteil der Trilogie lässt sich allerdings problemlos ohne die Kenntnis des Vorgängers lesen. „Jagdzeit“ funktioniert bestens als alleinstehender Roman, der für den, der es nicht weiß, gar nicht die Idee aufkommen lässt, es gäbe bereits ein Abenteuer von Olivia.

Claudia Toman ist ein wundervoller Roman gelungen, ein vielseitiger Roman für vielseitige Leser.

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Claudia Toman
Jagdzeit
Roman

Taschenbuch
Diana 2010
ISBN: 978-3-453-35399-2

Klappentext:

„Tief im Wald wirst Du finden, was Du suchst!“

Wünschen kostet nichts? Je weiter Olivia in den Wald vordringt auf der Suche nach jener magischen Quelle, die angeblich jeden Wunsch erfüllt, desto größer wird ihre Angst. Denn der Wald birgt dunkle Geheimnisse. Etwas lauert zwischen den Bäumen, verfolgt ihre Spur, nimmt ihre Fährte auf. Ein gefährliches Spiel um Leben und Tod beginnt. Doch ein Zurück gibt es nicht. Denn Magie hat nicht nur ihren Preis – sie ist auch unwiderstehlich!

Neu und fantastisch: märchenhafte Mystery mit Magie, Witz und dunkler Spannung.

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Im Sog von „Erebos“

Ursula Poznanski: Erebos
Ursula Poznanski: Erebos

Ursula Poznanski erhielt auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt für ihren Debütroman „Erebos“ den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 der Jugendjury. Und das, wie ich finde, vollkommen zu Recht.

Das Buch erzählt die Geschichte des sechzehnjährigen Nick, der in den Sog eines Computerspiels gerät, das an seiner Londoner Schule mit viel Geheimniskrämerei herumgereicht wird. Erebos aber ist kein Spiel wie jedes andere. Die Regeln sind streng, die Aufgaben schwer und sie finden zum Teil in der Realität statt. Was Nick noch nicht weiß: Das Spiel verfolgt ein Ziel. Ein böses Ziel!

Der Leser und Nick

Dem Leser, ja, ich bin sicher, nahezu jedem, der das Buch zu lesen beginnt, geht es nicht anders als Nick: Er gerät in einen unnachgiebigen Sog. „Erebos“ entwickelt als Buch dasselbe Suchtpotential wie das Spiel, von dem es erzählt. Das gelingt Ursula Poznanski durch einen ebenso einfachen wie genialen Trick: Sie lässt den Leser ganz und ausschließlich mit Nick miterleben.

Dabei ist Nick ein ganz gewöhnlicher Junge. Er wird uns weder als in irgendeiner Weise besonders heldenhaft vorgestellt noch braucht er unser Mitleid. Er ist bei weitem kein Heiliger. Wenn da auch hin und wieder ein Gespür für Ungerechtigkeiten aufblitzt, ein aktiver „Gutmensch“ ist Nick nicht. Auch leidet er nicht, kann mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden sein, ist in keinster Weise einer der Außenseiter, die dem Leser schon allein deshalb ans Herz gehen, weil er ihnen wünscht, sich im Laufe der Geschichte aus dieser unterprivilegierten Rolle herauszukämpfen. Nein, Nick ist sicherlich ganz sympathisch, aber auch nicht mehr.

Rätsel und Bedrohung

Dass dieser Protagonist den Leser dennoch sofort ganz bei sich hat, liegt an dem Unwissen, das beide, Nick und der Leser, gleich zu Beginn der Geschichte teilen. Irgendetwas stimmt nicht. Vor allem mit Colin, einem guten Freund Nicks, der sich seltsam verhält, was offenbar mit merkwürdigen Päckchen zu tun hat, die an der Schule verteilt werden, über die aber niemand etwas verraten will. Und Nick hat noch keines dieser Päckchen, womit er in dieser Hinsicht doch zu einem Ausgeschlossenen wird, der das Rätsel um seine eingeweihten Mitschüler unbedingt lösen will.

Auch im Fortgang der Handlung trägt das Rätselhafte rund um Erebos ganz entscheidend zum rasanten Spannungsbogen bei. Denn Erebos zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Interaktion mit dem Spieler aus, kann wahrlich als intelligentes Spiel bezeichnet werden, weiß alles und lässt sich nicht täuschen, weder im Spiel noch in der Realität. So kommt zum Rätselhaften noch die stets präsente Bedrohung, die den Leser durch die Seiten preschen lässt, um zu einem originellen und überraschenden Ende zu gelangen.

Ein Buch für jeden

Nicht nur versierte Computerspieler werden mit Nick mitfiebern, froh darüber, dass die Autorin zu keiner Zeit einen moralischen Zeigefinger in die Höhe hebt, „Erebos“ kann Leser weit über die anvisierte Zielgruppe hinaus in seinen Bann ziehen. Das gilt auch für das Alter. Dieser Jugendthriller ist im besten Sinne des Wortes all age.

Viel Lob für ein Buch, das mir die Luft für Detailkritik genommen hat. Sie wäre ohnehin nur Erbsenzählerei.

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Ursula Poznanski
Erebos
Jugendthriller

Taschenbuch
Loewe 2010
ISBN: 978-3-7855-7361-7

Klappentext:

In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht – Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten.

Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden.

Auch Nick ist süchtig nach Erebos – bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen …

Auszeichnungen:

  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2011 (Jugendjury)
  • Ulmer Unke 2010
  • Buch des Monats März 2010 (Jubu-Crew Göttingen)

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Von Arsen bis Zielfahndung

So heißt „Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige“ (Untertitel) von Manfred Büttner und Christine Lehmann, das im Argument Verlag erschienen ist. Mit dem Untetitel ist die Zielgruppe dieses Buchs auch ebensogut umrissen, wie sie sich begeistert zeigen dürfte.

Begeistert, weil sich dieser Leitfaden durch das literarische, filmische und natürlich reale Verbrechen spannend liest und dabei überaus informativ ist. Ob man einfach mal prüfen will, wieviel Realitätsnähe der letzte gelesene oder gesehene Krimi mit sich brachte, oder ob man die Rechercheanforderungen für das eigene Werk bündeln will, mit diesem Handbuch ist man gut beraten.

Gefunden haben sich für dieses Buch mit Manfred Büttner ein Steuerfahnder, der unter anderem als Dozent an der Hochschule der Polizei des Landes Baden-Würtemberg tätig ist, und mit Christine Lehmann eine Politikredakteurin beim SWR, die neben verschiedenen Essays auch hochgelobte Kriminalromane und -hörspiele (Lisa-Nerz-Krimis) geschrieben hat.

„Keineswegs fordern wir, dass Autorinnen sich nun stets von der Wahrscheinlichkeit des Realistischen gängeln lassen und jegliche Fantastik im menschlichen Verhalten aus unseren Krimis verbannt sein muss. Wir denken nur: Die dichterische Freiheit endet dort, wo der Rechtsstaat beginnt, vor allem dann, wenn wir über Unrecht schreiben.“

In diesem Sinne ist es dem Buch wichtig, vor allem dort Unsinn zu deklarieren, wo in der Fiktion gern mal die persönlichen Freiheitsrechte des Einzelnen großzügig ausgelegt oder gar übersehen werden (z.B. in der oft fälschlich als Verhör bezeichneten Vernehmung).

Aber auch sonst lässt es kein Thema aus. Vom Mordmotiv bis zum Mord selbst, von der Leiche bis zu den Ermittlern, von den Ermittlungen bis zur Festnahme wird alles Wichtige angesprochen. Auch die obligatorische Giftkunde fehlt nicht.

Natürlich kann das Buch allein eine gründliche Recherche nicht ersetzen, aber zum einen gibt es dem Autor manchen Hinweis, worauf überhaupt zu achten ist, zum anderen ist es die optimale Basis, um sich ein Grundwissen aufzubauen, von dem man sich bestens spezialisieren kann. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Literaturhinweisen am Ende des Buches.

Ich kann das Buch also jedem empfehlen, der sich als Einsteiger in der Kriminalliteratur versuchen will, aber auch jedem, der seine Krimis möglicherweise zukünftig realitätsnäher gestalten will. Und natürlich bleibt auch nach dem Genuss des Buches Luft für die künstlerische Freiheit.

Von Arsen bis ZielfahndungManfred Büttner und Christine Lehmann
Von Arsen bis Ziehlfahndung
Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
Ariadne[Leit]faden
Argument Verlag, 2009
ISBN 978-3-88619-720-0

Klappentext:

Leichen, Kripo, Asservate …

Wie genau verläuft eigentlich eine Obduktion? Wer stellt Haftbefehle aus? Wofür ist eine Staatsanwältin zuständig? Welches Gift wirkt wie?

Antworten auf solche und viele weitere Fragen liefert dieses aktuelle Handbuch für Schreibende und Wissbegierige. Es enthält unverzichtbares Arbeitsmaterial für Autorinnen und solche, die es werden wollen. Und für Fans morbider Einzelheiten ergibt sich ein spannender Streifzug durch die ermittlerische Wirklichkeit, der keine Neugier ungestillt lässt.

Lisa-Nerz-Schöpferin Christine Lehmann und Fahnder Manfred Büttner vermitteln Sachverstand im kriminalistischen Detail. Von der korrekten Art, Funksprüche abzusetzen, über eine Auflis­tung, welche Abteilung wann am Tatort eintrifft, bis zur Besoldung der einzelnen Dienstränge stellen sie ein einmaliges Arsenal an Fakten zur Verfügung, das den Sinn fürs Realistische gründlich schärft und dabei noch unterhält: Mit Witz und Verve befreien sie die Krimiwelt von Unfug, Märchen und Vorurteilen. Ihr Handbuch bietet zuverlässig recherchierte, griffig aufbereitete Fakten, übersichtlich präsentiert und garniert mit Beispielen aus Buch und Film.

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Spannung ohne Sicherheiten oder A Dorn is Born

In Wulf Dorns Debütroman „Trigger“ treffen wir an der Seite der Psychiaterin Ellen Roth auf einen außergewöhnlichen Fall: Eine geschundene und verwahrloste Frau, die sich vom Schwarzen Mann verfolgt fühlt. Mag dies in einer Psychiatrie nicht mehr als ein besonders interessanter Fall sein, wird er in der Folge für Ellen mehr als bedrohlich. Auf unerklärliche Weise verschwindet die Patientin und der Schwarze Mann fordert die Psychiaterin zu einem grausamen Psychospiel.

Dieser Roman bringt alles mit, was ein Psychothriller mitbringen muss und Wulf Dorn wird den Vorschusslorbeeren, die dem Leser auf dem Buchumschlag von den renommierten Kollegen Sebastian Fitzek, Andreas Eschbach und Thomas Thiemeyer entgegenspringen, vollauf gerecht.

Angesiedelt im fiktiven Fahlenberg in Deutschland könnte der Roman dennoch kaum ein exotischeres Setting bieten, denn für die meisten Leser dürfte das Umfeld einer psychiatrischen Klinik allein schon höchst Interessantes und Ungewöhnliches zu bieten haben.

Dabei versteht der Autor sein Handwerk. Er lässt die Orte und Gegebenheiten vor dem inneren Auge des Lesers als Bilder entstehen und zeichnet Figuren, angefangen von der Protagonistin bis hin zu den Nebendarstellern, die für den Leser lebendig werden.

Insgesamt ist die Geschichte stilsicher und routiniert erzählt in einer Sprache, die zum Thriller im Allgemeinen und zu diesem im Besonderen bestens passt. Nur hier und da wünschte sich der Liebhaber eine andere Formulierung oder eine leichte Verknappung.

Genial aber ist die Spannungskurve dieses Thrillers und all die Elemente, die zu dieser beitragen.

Von Beginn an werden Fragen aufgeworfen, die den Leser bei der Stange halten. Schnell nimmt die Geschichte, die sich vermeintlich eng an den Grundkonflikt schmiegt, Fahrt auf und bietet, obgleich scheinbar geradlinig erzählt, einen wendungsreichen Plot.

Allein der Grundkonflikt, der sich dem Leser im ersten Teil präsentiert, ist zwar sicherlich nicht einzigartig, an Spannung und Bedrohlichkeit jedoch kaum zu überbieten: Ein hochintelligenter Psychopath, der es direkt auf die Protagonistin abgesehen hat, ihr immer einen Schritt voraus ist und ihr sowohl physisch als auch psychisch auflauert.

Dabei spielt es kaum eine Rolle, wie dicht die Vorahnungen des Lesers an die tatsächliche Entwicklung in der Geschichte heranreichen, denn in jedem Fall bleibt die spannendste Frage die nach dem Motiv und den genaueren Umständen, also die nach dem Warum und dem Wie.

Und wenn die Realitäten immer mehr verschwimmen, taucht die Erzählung in die tiefsten Abgründe menschlicher Psyche hinab.

Fazit:

Wulf Dorns Debüt hält, was andere versprechen. Ein Psychothriller, der zu fesseln weiß, der gleichermaßen echte Spannung und Bedrohung bietet, wie er den Leser in surreale Albträume schickt.

Wulf Dorn: Trigger
Wulf Dorn: Trigger

Wulf Dorn
Trigger
Psychothriller

Taschenbuch
Heyne, 2009
ISBN: 978-3-453-43402-8

Klappentext:

Der Fall einer misshandelten Patientin wird für die Psychiaterin Ellen Roth zum Alptraum: Die Frau behauptet, vom Schwarzen Mann verfolgt zu werden. Kurz darauf verschwindet sie spurlos. Bei ihren Nachforschungen wird auch Ellen zum Ziel des Unbekannten. Er zwingt sie zu einer makaberen Schnitzeljagd um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia. Und das Ultimatum läuft …

Ein nervenzerrender Psychothriller, der seine Leser schonungslos in die Abgründe der menschlichen Psyche zieht.

„Als ob David Lynch einen Roman von Stephen King verfilmt hätte. Großartig!“ (Thomas Thiemeyer)

„Mit Wulf Dorn betritt ein Autor die Bühne, den man einmal einen großen Erzähler nennen wird. Lesen Sie dieses Buch, und Sie werden später einmal sagen können, dass Sie von Anfang an dabei gewesen sind.“ (Andreas Eschbach)

„Ein perfekt recherchiertes Psychothrillerdebüt: Dorn weiß, wie man den Leser an die schweißnasse Hand nimmt und ihn zu den Abgründen der menschlichen Seele entführt. (Sebastian Fitzek)

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Das Buch ist auch als gekürzte, vom Autor gelesene Hörbuchfassung erhältlich.

Wulf Dorn:

copyright by Frank Riederle
copyright by Frank Riederle

Wulf Dorn, Jahrgang 1969, schreibt seit seinem zwölften Lebensjahr. Seine Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Zeitschriften und wurden mehrfach ausgezeichnet. Seit 1994 ist er in einer psychiatrischen Klinik tätig, wo er in der beruflichen Rehabilitation psychisch kranke Menschen beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben unterstützt. Mit seiner Frau und einer Glückskatze lebt er in der Nähe von Ulm.

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Mögen Sie Tee?

Anni Bürkl: Schwarztee
Anni Bürkl: Schwarztee

Ich bin eigentlich alles andere als ein Teetrinker. Das allein muss nicht heißen, ein Buch mit dem Titel „Schwarztee“ könne mir nicht gefallen. Aber schon ein überfliegendes Blättern in Anni Bürkls Roman macht klar: Hier bestimmt Tee nicht nur den Titel, hier begibt man sich in eine spezialisierte Teehandlung. Im doppelten Wortsinn.

Dennoch dürfte das auch für krimiliebende Teehasser nur eine kleine Hürde sein. Immerhin steht schon im Untertitel, dass es sich um einen Krimi handelt. Einen Salzkammergut-Krimi. Regional also. Ich komme aus Rostock. Aber gut, jeder Krimi muss irgendwo spielen, warum also nicht im ländlichen Österreich?

Aufschlagen, lesen! Und feststellen, die Wiener Autorin macht es einem wirklich nicht leicht. Sprache und Erzählstil sind so gar nicht krimilike. Krimilike? Anglizismen? Ja, sie begegnen uns vom ersten Absatz an, scheinbar wahllos eingestreut und keineswegs sanft eingefügt. Die Erzählerin, die uns Frau Bürkl präsentiert, liebt verkürzte Sätze, eingestreute Rückblenden und Gedankensprünge. Und sie ist geschwätzig, als habe sie übersehen, dass sie einen Krimi und nicht einen heiteren Frauenroman erzählt, in dem nur der Humor etwas zu kurz kommt.

Und die Hauptfigur erst, die uns nun ihrerseits Frau Bürkls Erzählerin präsentiert … Berenike Roither! Geprägt durch ritualisiertes Teetrinken und esoterische Spiritualität, den schon erwähnten Hang zu Anglizismen, Gedankenverirrungen und eine seltsame allgegenwärtig sexuelle Sehnsucht, die sich vor allem in ihrem Schoß abspielt. Auch hier scheint einiges nicht zu passen. Man ist geneigt, die Figur als unglaubwürdig abzustempeln. Zumindest als ebenso gewöhnungsbedürftig, wie es der Erzählstil ist.

Also schlagen wir das Buch wieder zu und überziehen die Autorin mit Vorwürfen, was sie alles falsch gemacht hat, wie man einen ordentlichen Krimi … Aber halt! So sind wir doch nicht, lieber Leser. Du und ich, wir suchen doch mit ein bisschen mehr Geduld nach der Intention der Autorin. Und bei aller anfänglichen Kritik hat uns das Buch doch längst und auf seine etwas ungewöhnliche Art in seinen Bann gezogen.

Nicht nur der Mord an dem unbequemen Journalisten Robert Rabenstein, der den Ausgangspunkt darstellt und nicht der einzige bleiben soll, wirft Fragen auf, viel mehr noch ist es die geheimnisvolle Vergangenheit der Protagonistin, die den Leser zum Weiterlesen zwingt. Wir beginnen zu ahnen, dass Berenike früher ein ganz anderes Leben geführt hat, als das nur äußerlich beschauliche in Altaussee, wo sie darum bemüht ist, mit ihrem neu eröffneten Teesalon Fuß zu fassen. Dass ihre Spiritualität, ja die Ruhe, die ihr beim Zubereiten und Genießen der unterschiedlichsten Teesorten widerfährt, Folgen eines traumatischen Erlebnisses sind, die als Abwehrmechanismen ihr neues Leben im Zaum halten sollen. Und dass die scheinbaren Unstimmigkeiten, die Anglizismen und die präsente Gier nach Sexualität, Relikte ihres vergangenen Lebens sind. Kurz: Wir haben es hier mit einer außergewöhnlichen Protagonistin zu tun, die auf außergewöhnliche und geradezu geniale Art und Weise beschrieben und völlig zu Recht absolut in den Mittelpunkt des Romans gerückt wird.

Die zunächst gerügte Erzählerin hat einen gehörigen Anteil daran, denn sie geht in ihrer Art völlig in der Hauptfigur auf. Obwohl sie in der dritten Person erzählt, ist sie dichter an der Protagonistin als so mancher Ich-Erzähler. Sie ist Berenike! Mit einer sturen Beharrlichkeit hat sie uns ihren Tee zubereitet. Mit Erfolg! Aus dem vorsichtigen Nippen ist ein Verstehen und schließlich ein Genießen in vollen Zügen geworden.

Nun folgen wir Berenike, die, nicht zuletzt, da sie selbst in Verdacht gerät, im ersten und allen folgenden Mordfällen auf ihre eigene kleine Faust ermittelt. Selbst wenn das Geheimnis ihrer Vergangenheit auch für den Leser immer klarer zutage tritt, bleibt die Faszination an der Figur erhalten. Gleichzeitig nimmt beinahe unmerklich die Spannungskurve in der eigentlichen Krimihandlung zu, die Berenike immer stärker ins Zentrum der Bedrohung rückt. Eine Bedrohung, die sich bald als eine historisch und politisch motivierte entpuppt.

Sicher, actionverwöhnten Lesern kommt „Schwarztee“ nur mit einigen wenigen Szenen entgegen, aber der Untertitel heißt ja auch nicht „Ein Salzkammergut-Thriller“. Dafür spitzt sich die Spannungskurve gegen Ende noch einmal deutlich zu und nach der Lösung gibt es ein nahezu klassisches Aufrollen des Falls, wie man es aus Detektivgeschichten kennt – natürlich weiterhin im unkonventionellen Erzählstil des Buches.

Fazit: „Schwarztee“ ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen, der neuartiger und ungewöhnlicher Krimiliteratur gegenüber aufgeschlossen ist und  sich durch den besonderen Erzählstil und die möglicherweise gewöhnungsbedürftige Protagonistin eher herausgefordert denn abgeschreckt sieht. Teeliebhaber werden dem Roman zusätzlich einen besonderen Reiz abgewinnen, der sich beinah durch jede Zeile des Buches zieht. Aber auch denjenigen, die sich nicht zu diesen rechnen, dürfte der Krimi schmecken. Und manch einer wird sich sogar für „Berenikes Kleines Teebrevier“ im Anhang aufgeschlossen fühlen und mit den Tipps der Protagonistin zur Zubereitung der verschiedensten Teesorten eine neue Leidenschaft entdecken.

Klappentext:

Das beschauliche Altaussee im Salzkammergut. In Berenike Roithers neu eröffnetem Teesalon trifft man sich zur Lesung des skandalumwitterten Autors Sieghard Lahn. Doch ein Besucher steht zur Pause nicht mehr auf und schnell ist klar: Der Journalist Robert Rabenstein wurde ermordet.

Kein guter Auftakt für Berenikes beruflichen Neuanfang. Aber als Frau der Tat beschließt sie, selbst Licht ins Dunkel zu bringen – auch wenn sie sich dazu im fernen Wien der eigenen Vergangenheit stellen muss …

Die Autorin:

Anni Bürkl

Anni Bürkl, Jahrgang 1970, lebt seit Abschluss ihres Studiums der Publizistik im Jahr 2001 als freie Journalistin und Autorin in Wien. Im Ausseerland, wo sie sich im Sommer gerne aufhält, schreibt sie am liebsten. 2003 erhielt sie den Theodor-Körner-Förderungspreis. Sie ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern“ und der „IG Autorinnen Autoren“. Der Kriminalroman „Schwarztee“ ist ihre erste Veröffentlichung im Gmeiner-Verlag.

Webseite der Autorin

Anni Bürkl
Schwarztee
Gmeiner Verlag, 2009
323 Seiten
ISBN 978-3-8392-1023-9
EUR 11,90

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Nicht nur ein süßer Hintern

Im Frühjahr hatte ich euch bereits ihren „Mords-Hintern“ , der eigentlich der ihrer Protagonistin Bärbel ist, vorgestellt.

Aber bei Hannah Hanszen gibt es weit mehr zu entdecken. Ihre Stories findet man bei BookRix und auf ihrem sehr lebendigen Blog. Und auch ihre Geschichten sind lebendig, meist gewürzt mit viel Skurrilität und dennoch vor allem authentisch. Dabei weist sie einen ganz eigenen, trockenen Erzählstil auf, der das Erzählte noch viel bekömmlicher macht.

Aber lest selbst.

Bist du ’n Checker?

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„Voll gecheckt“ von Bea Boehrs, 18 Jahre alt, ist die Geschichte des Lehrers Fischer, der dem Sprachverfall, der mit dem neuen Schüler Jason an seiner Schule Einzug hält, mit eigenen Methoden Einhalt gebieten will.

Diese glänzende Satire geht viel tiefer, als man zunächst bemerkt!

Sie ist außergewöhnlich geschrieben, in zweierlei Hinsicht:
1. Sie zeigt, dass Bea Boehrs sprachlich manchem (warum nicht auch den eigenen Lehrern) noch einiges beibringen könnte. Diese Sprachgewandheit befähigt sie überhaupt erst dazu, ein solches Thema derart aufzugreifen und abzuhandeln, ohne sich selbst angreifbar zu machen.

2. Sie ist außergewöhnlich konstruiert.
Die satirische Überspitzung treibt sie an allen Fronten.
Sie wehrt sich sogar dagegen, ihren Figuren echten Lebensraum zu gewähren, auch nur eine von ihnen moralisch zu positionieren.
Sie sind so plastisch, dass man sich gar nicht vorstellen kann, einen solchen Lehrer könne es wirklich geben, geschweige denn seine Schüler. Sie sind jeweils ein Widerspruch in sich.
Ja, darüber bin ich zunächst gestolpert, aber es ist genial!
Damit werden sie zu reinen Stellvertretern, lenken die Aufmerksamkeit weg vom Persönlichen, hin zum allgemeinen Kern der Geschichte.

Diese Sprachkritik an der Sprachkritik, von einem in seiner Neutralität geradezu sarkastischen Erzähler vorgetragen, offenbart sich nur leise im volltönenden Humor.
Dieses Leise der moralischen Konsequenz, am Schluss geradezu dialektisch auf den Punkt gebracht, beeindruckt mich an dieser Geschichte am meisten.

Balzgesang

„Wenn ich in meiner Flunderhaltung den Kopf hebe, sehe ich Trockensavanne, die durch intensive Sonnenbestrahlung ausgedörrt ist. Durch das Areal streifen kleine Tiger – unsere Katzen – und am Rand liegt eine riesige, tote Schlange: der Gartenschlauch, der leider ein Loch hat … „

Ein kleines, absolut lesenswertes Stück Prosa, das uns die Autorin mit dem geschichtsträchtigen Usernamen Schiller auf BookRix zur Verfügung stellt.
Ein Pfeifen vom Nachbargrundstück ist es, das die Protagonistin ins Träumen bringt. Genauer gesagt, das Pfeifen der Titelmelodie von „Wickie und die starken Männer“.
Die Wege, die diese Träumereien einschlagen, sind ebenso verschlungen wie amüsant. Und sie kehren immer wieder zu dem unbekannten Pfeifer zurück, schließen ihn ein und machen aus ihm den Mittelpunkt der eigentlich vergleichsweise bescheidenen Sehnsüchte der Träumerin.

Spontaner Roman in Häppchen

Blogromane gibt es nicht erst seit gestern. Ob bereits erfolgreiche Schriftsteller neue Wege versuchen oder bis dahin unveröffentliche Autoren auf diese Art auf Leser hoffen.

Nun beginnt auch auf Ben Philipps Schreibwelt eine spannungsgeladene Reise, von der selbst der Autor nicht weiß, wo sie hinführt.

Der Blogroman beginnt
Der Blogroman beginnt

Spannungsgeladen deshalb, weil der Roman, der voraussichtlich wöchentlich in kleinen Häppchen serviert wird, in den wenigen Zeilen immer wieder gespannt auf die Fortsetzung machen soll.
Dabei dürfte auch interessant sein, dass die Geschichte sich vorerst nicht auf ein Genre festlegt: Ob es also kriminalistischen Spürsinn braucht oder Magie ins Spiel kommt, weiß man zunächst nicht. Vielleicht ist auch beides gefragt.

Ihr findet entweder über den Feed hier auf der rechten Seite zum Blogroman oder über folgende Direktlinks:

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Auch der Tod hat einmal Verspätung

Dieser kleine Online-Text von Silvia Beyen hat es in sich. Hinter dem harmlos wirkenden und nicht ganz passenden Cover verbirgt sich eine Ehehölle.

Gekonnt lässt die Erzählung dem Leser zum Einstieg noch einen Moment des Atemholens, bis die alltägliche  Gewalt, die die Protagonistin erfährt, das ruhige Bild zerbricht. Die Betroffenheit, die den Leser packt, steht nicht geschrieben, der Erzählstil ist nüchtern und auf den Punkt.
Und der kurze Text hält Wendungen bereit, bietet am Schluss sogar eine Überraschung.

Die Geschichte ist meiner Meinung nach so gut erzählt, dass ein paar sprachliche Feinheiten kaum ins Gewicht fallen.

Also, macht euch auf einiges gefasst.

Die Kinder der Feuersäule

Melanie Metzenthin: Die Kinder der Feuersäule
Melanie Metzenthin: Die Kinder der Feuersäule

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, das schon im letzten Jahr, nahezu gleichzeitig mit meinem Roman „Das Lächeln der Kriegerin“ erschienen ist.

Das Debüt der aufstrebenden Autorin Melanie Metzenthin ist ein aufregender Jugendroman um die junge Tanita, die ein Kind der großen Göttin ist.
Als solches hat sie die Fähigkeit, durch die Feuersäule zu reisen und sich in einen Drachen zu verwandeln Doch für sie ist das nicht etwa reines Vergnügen. Ganz im Gegenteil: Die Gesetze des Tempels, denen sie in ihrer Drachengestalt unterliegt, bringen sie in einen ernsthaften Gewissenskonflikt.

Dennoch muss Tanita ihre Drachengestalt annehmen, als ihr Elternhaus niedergebrannt wird. Nur so kann sie den Kampf gegen die anderen Drachen aufnehmen und sich auf die Suche nach der großen Göttin machen.

Die Geschichtenweberin Melanie Metzenthin legt ein rasantes Tempo vor, das den Leser mit sich reißt in eine abenteuerliche Welt. Fast möchte man meinen, hier und da sei ein längeres Verweilen wünschenswert gewesen.

Doch unerbittlich geht es vorwärts. Und denoch wird es nie oberflächlich. Der Leser bleibt gefangen zwischen plötzlichen Wendungen, konfliktreichen Charakteren und andauernder Spannung.
Und neben der ganz eigenen Interpretation des Drachengeschlechts darf er sich auf einen ebenso witzigen wie geheimnisvollen Gesellen freuen.

„Mit der Gestaltwandlerin Tanita erschuf Melanie Metzenthin ein gefühlsstarkes, zwölfjähriges Mädchen. Sie muss sich in einer fremden Welt durchsetzen, mit viel Verständnis der kleinen, fast rechtlosen Bauern, Reisenden und Handwerker.“ (Erik Schreiber für buchtipps.net)

„Die Intrige passt wie Puzzleteile zusammen und das Buch ist so spannend, das es schwer fällt, es wegzulegen. In einer klaren Sprache mit lebendigen, flüssig zu lesenden Dialogen geschrieben, ist es ein kurzweiliges Lesevergnügen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, mit teilweise skurrilen Eigenarten, die sie unverwechselbar machen.“ (Susanne Ruitenberg für schreiblust.de)

„… Melanie Metzenthins Roman ist sehr eigenständig und überzeugt mit ungewöhnlichen Ideen. Hinzu kommt, dass die Autorin gut schreibt und den Leser mitzureißen vermag.“ (Rupert Schwarz für fictionfantasy.de)

Melanie Metzenthin
Die Kinder der Feuersäule
(Jugend)Roman/Fantasy
Paperback, 189 S.
ISBN 978-3-938065-31-0

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Der Verdichter

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Wer hin und wieder die Lust auf ein Gedicht verspürt, wird nun auch auf einem neuen Blog von mir fündig:

Auf „Der Verdichter“ will ich nach und nach einige meiner lyrischen Ergüsse präsentieren.

Fühlt euch also eingeladen, mal vorbeizuschauen.