Kein Einlass für deine(n) Prota?

Foto: © Angela Parszyk / pixelio.de
Foto: © Angela Parszyk  / pixelio.de
Foto: © Angela Parszyk / pixelio.de

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Du kommst hier net rein!

Schreibe deine(n) Prota also in die Schlange vor dem Einlass einer Disko oder sonstigen geilen Veranstaltung. Warum Prota da steht? Keine Ahnung, ist ja nicht mein(e) Prota! Aber egal, ob Prota Partykönig(in) oder Heimchen ist, gib Prota die nötige Motivation, an diesem Abend unbedingt in diese Veranstaltung zu wollen. Gib Prota das Gefühl, sein oder ihr Leben hinge davon ab!

Aber irgendwas passt nicht. Sind es die Schuhe? Ist es die Hose? Die Frisur? Wirkt Prota vielleicht gar beschwipst? Jedenfalls lässt der Einlasser, der auch eine Einlasserin sein kann, Prota nicht … na? Richtig: ein!

Was wird Prota tun? Wird Prota ruhig bleiben? Gibt Prota auf? Welche Tricks hat Prota auf Lager? Wird Prota es schaffen oder am Ende weinend nach Hause fahren?

Anschließend hat Prota erst einmal Ruhe, es sei denn, dir fallen noch weitere Szenen für Prota ein. Demnächst geht es hier mit einer anderen Übung weiter. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  in den Kampf mit dem Einlasser zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

Entern: Kapitel oder Kapitulation?

Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern, Foto: Patryk Kosmider
© Patryk Kosmider

Viele Autoren – und nicht nur solche, die sich noch am Anfang ihrer Schreibkarriere sehen – haben mit diesem Kapitel der Schreiberei so ihre Schwierigkeiten. Die Frage, wo man die Entertaste drückt und eventuell sogar einen Seitenumbruch einfügt, um im Anschluss ein neues Kapitel zu starten, lässt so manchen unsicher werden, einige verzweifeln und diesen oder jene sogar kapitulieren. Kein Wunder, dass in eben dieser Frage so oft Rat gesucht wird, meist in der Hoffnung, es gäbe Regeln, die die Entscheidung erleichtern oder gar abnehmen. Diese Hoffnung muss ich dem werten Leser dieses Artikels leider gleich wieder nehmen. Regeln für die Kapiteleinteilung gibt es nicht (es sei denn, ein Auftraggeber gibt sie vor). Außer einer vielleicht – aber nein, auch das geht, wenn der Autor es so möchte:

Philipp schrieb …

KAPITEL 2

… das Kapitel zu Ende. Er ließ sich durch angebliche Regeln nicht verwirren.

Dem kreativen Autor sind also letztlich keine Grenzen gesetzt, was ja nichts Schlechtes ist. Was dieser Artikel leisten kann, ist, die Furcht, Fehler zu begehen, nehmen und einige Anregungen geben. Das werde ich hier ein wenig zusammenfassend tun, denn an anderer Stelle bin ich bereits ausführlicher darauf eingegangen.

Zunächst – das lässt sich eigentlich schon ableiten – ergeben sich Kapitel in aller Regel nicht notwendigerweise aus der Entfaltung der Geschichte, des Plots bzw. des Spannungsbogens. Soll heißen, anders als etwa Szenen sind Kapitel nicht grundlegender Bestandteil der Erzählstruktur, wir benötigen sie nicht bei der Planung einer Geschichte, und die Geschichte lässt sich auch ohne Kapitel erzählen. Anders gesagt, Kapitel sind im Grunde genommen nicht wichtig, richten sich lediglich nach dem Bedürfnis des Lesers, große Textmengen weiter zu unterteilen, ihnen eine zusätzliche Strukturierung aufzuerlegen, nicht zuletzt, um Atem holen und Lesepausen einlegen zu können. So wie wir uns auch besser zurechtfinden, wenn wie unsere Bücher, Kleidungsstücke, Lebensmittel, Dokumente usw. nicht einfach in riesigen Kisten lagern, sondern sie bestimmten Ordnungsprinzipien folgend in Regale, Schränke, Kühlschränke und Schubladen sortieren.

In unserem Falle der Kapitel ist es der Autor, der das Ordnungsprinzp vorgibt. Und da haben wir dann, wenn auch keine Regel, so zumindest eine Richtlinie: Wenn sich in der Wahl der Kapitelbegrenzung (wenigstens mit gutem Willen) eine absichtsvolle Struktur erkennen lässt, kann das zumindest nicht schaden.

Damit sollte auch klar sein, dass Aussagen über die Länge der Kapitel wie „etwa zwanzig Seiten, keinesfalls mehr als dreißig, mindestens aber zehn“ allesamt nicht haltbar sind. Bestimmend für die Länge jedes einzelnen Kapitels ist letztlich das vom Autor gewählte Prinzip, das der Strukturierung zugrunde liegt. Richtig ist, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt, was die Kapitellänge angeht und für diese kann ein Kapitel zu lang, zu kurz oder genau richtig sein. Wenn es die gewählte Struktur zulässt, kann man also darauf achten, eher ein gesundes Mittelmaß anzustreben. Ob dabei relativ gleich lange Kapitel herauskommen oder aber das eine zwei, das andere 75 Seiten hat, ist wiederum der gewählten Struktur zu verdanken.

Wie man strukturieren kann, hängt schließlich von der Geschichte ab, die man erzählt. Wie sollte es auch anders sein. Denn natürlich ist es wenig sinnvoll, eine Geschichte, deren Handlung keine oder nur wenige Ortswechsel beinhaltet, ortsgebunden zu strukturieren. Die folgenden Möglichkeiten der Kapiteleinteilung werden also jeweils nur zu bestimmten Geschichten passen, sind ohnehin nur eine naheliegende Auswahl und daher nur zur Anregung gedacht.

Vorher sei noch angemerkt: Manche dieser Einteilungen legen nahe, Kapitelüberschriften zu verwenden. Generell ist auch das Geschmackssache. Der (zumindest gefühlte) Trend zur einfachen Nummerierung dürfte vor allem dem Bestreben geschuldet sein, dem Leser auch nicht den geringsten Vorausblick auf den Kapitelinhalt zu gewähren.

  • Die Einteilung kann sich an der Dramaturgie orientieren, indem sie beispielsweise bestimmte wichtige Ereignisse in den Mittelpunkt jedes Kapitels stellt (das Kapitel, in dem der Mord geschieht, in dem der Protagonist seine alte Liebe wiedertrifft, in dem die Gefährten sich im Wald verirren, in dem das Heer des Königs in die Schlacht zieht, in dem die Konferenz stattfindet, in dem die Situation zwischen der Protagonistin und ihrem Partner eskaliert, …).
    Es geht dabei nicht darum, pro Kapitel nur ein Ereignis ablaufen zu lassen, es geht um ein zentrales Ereignis, auf das die Dramaturgie zuläuft (Kapitel 1 berichtet von allen Ereignissen, bis der Mord den Fall für den Protagonisten ins Rollen bringt, Kapitel 2 von all den Ereignissen, die folgen, bis dem Protagonisten erste Zweifel an der Schuld des bisherigen Verdächtigen kommen, …). Darin liegt nämlich häufig das Problem begründet, wenn Autoren das Gefühl bekommen, die eigene Dramaturgie gebe ihnen ausgesprochen kurze (und viele) Kapitel vor.
  • Hat man mehrere Handlungsstränge, ist eventuell eine Kapitelunterteilung möglich, die sich an diesen orientiert. Sind die Wechsel zwischen den (Haupt-) Handlungssträngen nicht zu häufig (sehr kurze Kapitel), kann jeder Wechsel ein neues Kapitel markieren. Denkbar ist aber auch, dass pro Kapitel alle Stränge einmal an der Reihe sind.
  • Spielt die Romanhandlung an mehreren verschiedenen Handlungsorten oder wechselt regelmäßig zwischen einigen Orten hin und her, kann auch das Anlass zum Kapitelwechsel sein.
  • Macht die Romanhandlung häufig Zeitsprünge oder spielt Zeit auf andere Art und Weise eine wichtige Rolle im Roman (etwa ein Countdown) kann natürlich auch die Kapiteleinteilung dieser zeitlichen Strukturierung folgen und sich etwa an Uhrzeiten, Wochentagen, Datumsangaben, Monaten, Jahreszeiten oder Jahreszahlen orientiern.

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Der Minitipp: Licht und Schatten

Licht und Schatten, Foto: Alexey Fursov
Licht und Schatten, Foto: Alexey Fursov
© Alexey Fursov

In einer Geschichte gilt: Ohne Schatten verblasst das Licht. Ohne das „Böse“ bekommt das „Gute“ nichts zu tun. Fehlt die antagonistische Kraft (wie immer die auch aussehen mag), ist der Held arbeitslos. Dann allerdings ist er es, der die Geschichte in Gang bringt und „am Laufen“ hält. Das gilt nicht weniger, wenn er eine Sie ist.

Sechser im Motto: Eine Rolle für den Autor

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Frage:
Wenn du zwei deiner Eigenschaften nennen solltest, eine, mit der du ein guter Anwärter für eine Rolle in einer deiner eigenen Geschichten wärest, und eine, die dir den Weg dorthin höchstwahrscheinlich verbauen würde, welche wären das und warum?

Christa S. Lotz

Einmal traf ich persönlich mit einem Lektor zusammen, der meinen Roman gelesen hatte. Irgendwie schaute er mich in einer Weise an, als würde er mich kennen. Seitdem habe ich den Verdacht, als würden Aspekte meiner Persönlichkeit durchaus in meine Figuren einfließen. Dabei finden die dann andere, ganz neue Lösungen ihrer Konflikte. Einer meiner letzten Romane (Die Hure und der Mönch) spielt im Florenz des Jahres 1497. Die weibliche Hauptfigur Angelina geht sehr neugierig und ausdauernd der Frage nach, wer ihren ungeliebten Verlobten Fredi erdolcht und die weiteren Morde in der Geschichte begangen hat. In dieser Ausdauer und Neugier würde ich ihr in nichts nachstehen. Meiner Hauptfigur bleibt nichts erspart. Sie erlebt Intrigen, Verrat, Gewalt, die Pest, Hinrichtungen und Morde, aber auch Liebe und Freundschaft. Was ich nicht hätte, ist der Mut, schließlich in die Höhle des Löwen zu gehen. Nach einer solchen Odyssee hätte ich die „Heldenreise“ wahrscheinlich abgebrochen und wäre in dem Kloster geblieben, in das sich Angelina für eine Zeit verkrochen hatte. Ich wäre also ausdauernd und neugierig, jedoch nicht mutig genug, mich der ganzen Wahrheit zu stellen. Das hat meine Hauptfigur im Endeffekt sehr gut für mich erledigt.

Siegfried Langer

Interessante Frage.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei mir seltsame Charaktereigenschaften zusammenfallen. Zum Beispiel halte ich mich selbst für intelligent (ja, ich glaube, man darf sich selbst so einschätzen), andererseits bin ich aber auch naiv; ich glaube an das Gute im Menschen und daran, dass mir niemand etwas Böses will. Natürlich lernt man im Laufe des Lebens dazu, dennoch habe ich mir eine gewisse Naivität und Gutgläubigkeit bewahrt und glaube, dass ein gesundes Quantum auch gut ist.

Doch zurück zur eigentlichen Frage.
Ich bin ein Stratege. Ich arbeite sehr zielorientiert und versuche herauszufinden, auf welchem Wege ich am effektivsten meine gewünschten Ergebnisse erreiche.
Diese Eigenschaft ist sowohl für meine Täter als auch für meine Ermittler sinnvoll. Ich kann mich gut in beide hineinversetzen und dann analysieren, wie z. B. mein Antagonist den Mord möglichst perfekt begeht und wie mein Protagonist ihn anschließend aufklärt.
Dagegen spielt meine absolute Harmoniesucht. Ich habe immer das Bedürfnis, es allen Recht machen zu wollen, niemandem auf den Schlips zu treten. Alle sollen zufrieden und glücklich sein.
Eine Charaktereigenschaft, die zumindest für meine Täter alles andere als sinnvoll erscheint.

Lea Korte

Eine meiner dominierendsten Eigenschaften ist sicher die Leidenschaft, mit der ich alles betreibe, was mir wichtig ist, und dass ich mich mit all meiner Kraft dahinterklemme, mein Ziel auch zu erreichen – was ja auch für einen Romanhelden eine unabdingbare Eigenschaft ist. Eine andere ist „Erfindungsgabe“ – denn ohne gute Ideen kommt man auch nicht weit. 😉

Den Weg dorthin erschweren könnte mir, dass ich mich für viele Dinge begeistern kann und aufpassen muss, dass ich mich nicht „verzettele“ – was für einen Romanhelden eine katastrophale Kombination wäre. Denn der muss gerade auf sein großes Ziel zusteuern.

Martin Krist

Zielstrebig wie ich bin, würde ich als Held meiner eigenen Geschichte den bösen Burschen garantiert auf die Schliche kommen. Dummerweise bin ich manchmal auch etwas ungeduldig, so dass ich mir den einen oder anderen Weg verbauen würde.

Mara Lang

Ich bin eine recht gute Köchin. Jedenfalls hat noch nie jemand etwas Gegenteiliges behauptet und meines Wissens ist auch noch keiner an meinem Essen gestorben. Ich könnte mir also gut vorstellen, in einer meiner Geschichten eine Taverne zu führen. Da gäbe es dann Brathuhn mit Kürbis, Pflaumen und Maroni oder Lammragout mit getrockneten Tomaten, Knoblauch und Rosmarin. Und zum Nachtisch flüssigen Schokokuchen, Erdbeeren mit Schokosauce, Schokoladenfondue mit Früchten, Schokoladensoufflé, Mousse au Chocolat, Schoko-Birnen-Tarte … *duck* Wer hat hier mit der Sachertorte geworfen?

Vermutlich wäre ich eine lausige Kämpferin.
Das beginnt schon mal damit, dass ich keiner Fliege was zuleide tun kann. Ich fange sogar die Spinnen, die sich im Winter regelmäßig in mein Haus verirren, mit Hilfe von Glas und Zeitung ein, setze sie ins Freie und hoffe, dass sie nicht erfrieren.
Obendrein könnte ich niemals jemanden im Kampf schlagen. Als Kind hatte ich so meine Probleme beim Tennisspielen. Da flog nicht der Ball in hohem Bogen davon, sondern der Schläger. Somit fällt das Schwert schon mal weg. Zielen ist auch nicht so mein Ding, ich bin kurzsichtig und würde andauernd daneben schießen – Ausschlussgrund für Armbrust, Pfeil und Bogen und sonstige Schusswaffen.
Und überhaupt ist das Kämpfen doch viel zu mühsam! Wozu der Aufwand, wenn man die Sache auch bei einem gemütlichen Essen und einem Glas Wein bereden kann? Womit wir wieder bei der Taverne wären … 😉

Michael Bresser

2 Eigenschaften, die mich als Protagonist meiner Geschichte qualifizieren würden:

Meine Figuren sind oft Lebenskünstler, die kreativ den Herausforderungen des Lebens begegnen.

Ich selber habe auch schon alles Mögliche gemacht: war Osterhase bei Karstadt, habe Schamanismus in der Sahara studiert und im Callcenter ziemlich erfolglos Produkte verscherbelt, die die Welt nicht braucht.

Die meisten meiner Figuren glauben an sich, auch wenn sie anecken. Diese Eigenart teile ich auch. Ein – wie ich fand – sehr skurriler Vorgesetzter meinte mal: „Sie sind eckig, nicht rund.“ Aha.

Was mich als Figur meiner Bücher disqualifiziert:

Meine Figuren genießen das Leben meistens aus vollen Zügen: Sex, Drugs, Rock ’n‘ Roll. Ich selbst bin mit Anfang 40 ruhiger geworden und würde ihr Tempo nicht mehr mithalten können. Schade auch.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto: Essstörung

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Aufgabe:
Suche dir bitte einen/eine Protagonisten/in aus deinen Werken aus. Er/sie hat riesigen Hunger und bereitet sich gerade eine Mahlzeit zu. Doch er/sie wird durch irgendetwas abgelenkt und das Essen verbrennt. Wie wird er/sie reagieren? Was wird er/sie sagen?

Kerstin Gier

Jeder weiß, dass man Raubtiere nicht beim Fressen stören darf. Nur jemand mit Todessehnsucht wäre so leichtsinnig, einem über eine Gazelle gebeugten Löwen einen Artikel über Frau Harkels Neffen, seine Frau und seine Milchkühe aus der Friesischen Bauernpostille ins Ohr zu brüllen und gleich danach das komplette Angebot von Tchibo runterzubeten. Allerdings würde der Löwe unter diesen Umständen auch nicht ans Telefon gehen. Und ich war wohl kein Raubtier, auch wenn ich Hunger hatte wie ein Bär und meine Mutter gerne angeknurrt hätte.
„…in grün und türkis. Und sehr praktische, emaillierte Töpfe in vier Größen und einen Toaster und Schals mit Blümchenmuster …“
Ein unangenehmer Geruch stach mir in die Nase, und ich stürzte zum Herd. Meine Gazelle! Bitte nicht!
„Mama, ich ruf dich später noch mal an, der Milchreis brennt an!“
„Der Milchreis brennt an?“, wiederholte meine Mutter unverkennbar beleidigt, und mir fiel zu spät ein, dass sie genau das immer sagte, wenn sie ein Gespräch mit Tante Friederike beenden wollte oder mit einem dieser bedauernswerten „Sie haben gewonnen!“-Anrufer.
Bevor ich ihr erklären konnte, dass ich WIRKLICH Milchreis kochte, hatte sie schon aufgelegt. Es würde Monate dauern, bis sie mir das verziehen hatte. Wenigstens war die obere Hälfte des Milchreises noch genießbar. Die untere würde ich mitsamt dem Topf nach dem Essen in die Mülltonne werfen. Und danach konnte ich ja bei Tchibo einen neuen Topf kaufen, einen von diesen praktischen, emaillierten.

Jürgen Seibold

Gottfried Froelich träumte das Rezept in Ruhe zu Ende, und als er wieder erwachte, hatte sich ein beißender Geruch in der Küche ausgebreitet. Auf den Herdplatten schmurgelte eine bräunliche Pampe, rund um den Soßentopf zischte und rauchte es eindrucksvoll. Gottfried tappte schlaftrunken hinüber, griff nach dem Topf, schleuderte ihn sofort fluchend zurück auf den Herd, schlurfte zur Spüle und ließ kaltes Wasser über seine schmerzenden Hände laufen. Während er seiner Haut dabei zusah, wie sie sich rötete und in Blasen warf, kam ihm die Idee: Müssten nicht die Hände den Täter überführen? Müsste der Mörder sich nicht die Finger verbrannt haben, als er den heißen Topf auf Roswitha schleuderte?

Claudia Siegmann

Das Leben an Bord brachte es mit sich, dass gute Manieren früher oder später gegen ein paar deftige Seemannsflüche eingetauscht wurden. Und Biba war schon lange Matrosin auf der Merry Mary May. So blickte also niemand verwundert auf, als die Kombüsentür aufschwang und mit dichtem, schwarzem Qualm auch eine Auswahl Bibas übelster Flüche hervorquoll.

Carsten Steenbergen

Das Telefon klingelte, als die Putenbrust in der Pfanne längst einen karamellbraunen Farbton angenommen hatte. Angemer wischte sich seufzend die Hände an der Schürze sauber.
„Angemer.“
Eine Stimme am anderen Ende der Leitung gab eine Anweisung durch. Er lauschte, ohne zu unterbrechen.
„Verstehe. Treffpunkt Java Eiland. Ich bin in zehn Minuten da.“
Der Duft von Verbranntem, vermischt mit dem aromatisch stechenden Aroma der Lauchzwiebeln, zog durch die Küche. Der Kommissar legte auf und warf einen Blick auf das geschwärzte Fleisch. Nach dem verhinderten Attentat an der Amstel am frühen Abend hatte er gehofft, ein wenig Ruhe zu bekommen. Eine Ruhe, die bitter nötig war. Er spülte den Speichel in seinem Mund mit einem Schluck Bordeaux herunter. Die Flamme unter der Pfanne erlosch.
„Verdammter Job. Irgendwann holen sie mich sogar vom Klo herunter.“
Anscheinend war das große Spiel nicht vorüber. Der Agent vom AIVD, Willem van den Dragt, hatte so etwas angedeutet. Amsterdam sah einem Wirbelsturm entgegen. Und ihm, gottverflucht noch mal, war nicht einmal der stille Moment in dessen Auge vergönnt.

Helene Luise Köppel

Ich stand auf und schlich in die Küche, um mir Milch warm zu machen. Die Standuhr schlug vier. Da kam mir plötzlich ein irrwitziger Gedanke – es fällt mir schwer, genau zu erklären, was in diesem Augenblick in mir vorging: Ich folgte einem inneren Drang, der keinen Aufschub zuließ, eilte in den Keller und suchte den Stapel mit Altpapier, den Henri vor unserer Abfahrt nach Collioure dort deponiert hatte.

Als ich zurückkam, war die Milch übergelaufen. Es stank fürchterlich. Rasch schaltete ich den Herd aus, packte mit bloßen Händen den Topf am Stiel und stellte ihn in den Ausguss, wobei ich mir die Finger verbrannte. Wütend über meine Nachlässigkeit und Dummheit riss ich das Fenster auf …

Imre Török

Der Nomade Traminer reitet allein seit Tagen, ist unterwegs nach Vorderhinterasien, um dort die Prinzessin Gewürzlands zu besuchen und sie zu heilen.
Abends bereitet er am Lagerfeuer, was er tagsüber geangelt hat.
Durch den Duft des gebratenen Fisches wird ein Bär angelockt. Der Nomade hat alle Mühe, mit dem angriffslustigen Tier fertigzuwerden. Als der Kampf vorüber ist, stecken an den Stöcken über der Glut nur noch verkohlte Gräten.
Statt dessen gibt es nun als Nachtmahl in der Glut gebackene Bärentatzen. Gut gesättigt kann er sich wieder jenen zarten und feinsinnigen Geschichten zuwenden, mit denen er die kranke Prinzessin wird heilen wollen.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Konflikte im Alltag: Hunger

© corepics
© corepics
© corepics

Lust, aus einem scheinbar nichtigen Konflikt eine kleine Geschichte zu basteln? Wie wäre es mit diesem hier?

Dein Protagonist oder deine Protagonistin liegt faul auf der Couch und schaut einen spannenden Film ohne Werbeunterbrechung. Da meldet sich ein kleines Hungergefühl, das rasch zu einem gewaltigen Hunger heranwächst.

Versuche daraus eine interessante, lustige oder sogar spannende Geschichte zu basteln.

Variante 1: Erzähle die Geschichte des inneren Kampfes der Hauptfigur, die den quälenden Hunger am liebsten ignorieren würde. Wird sie bis zum Ende des Films aushalten? Versucht sie das Problem durch ein Telefonat zu lösen? Hofft sie, sich mit den Krümeln vom Frühstück über Wasser zu halten?

Variante 2: Deine Hauptfigur hat dem Hunger schnell nachgegeben. Doch bis zum Sättigungsgefühl ist es noch weit. Denk dir eine Geschichte aus, in der so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Lass dir einfach ein paar schöne Hindernisse einfallen.

Weitere Schreibübungen

Eine Reise zur Buchmesse?

Hilfe für Autoren, Foto: Jakub Krechowicz
Hilfe für Autoren, Foto: Jakub Krechowicz
© Jakub Krechowicz

Bei „Hilfe für Autoren“ sind meine neuen Artikel online.

Im einen dreht es sich kurz vor der Leipziger Messe darum, welche Möglichkeiten sich einem veröffentlichungswilligen Autor auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig bieten:

Muss ich auf die Buchmesse?

Der zweite Artikel ist der zweite Teil der Reihe, die sich um den Aufbau einer spannenden Geschichte dreht:

Zwei Helden in den Startlöchern.

Bedrohlicher Perspektivwechsel

Anhalterin
Anhalterin
© Tupungato

Stell dir vor, du schreibst einen spannenden Roman, in dem deine Protagonistin in der nächsten Szene als Anhalterin von A nach B kommen will. Wäre an sich nicht besonders spannend, wenn der Fahrer, zu dem sie ins Auto steigen wird, nicht ein Vergewaltiger wäre. Deine Protagonistin weiß das natürlich nicht. Und da der Handlungsstrang aus ihrer personalen Sicht geschrieben ist, wird die Szene auch für den ebenso ahnungslosen Leser nicht besonders aufregend, solange sich der Vergewaltiger nicht offenbart.

Aber das kannst du ja ändern! Schreib eine Szene, die vor der Anhalterszene spielt und aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben ist. Vielleicht ist es der Vergewaltiger selbst. Oder ein Polizist, der ihm auf der Spur ist. Ein früheres Opfer, das entkommen ist und ihn an einer Raststätte wiedertrifft. Die Mutter, bei der der Mann noch wohnt und die längst Verdacht geschöpft hat.

Vielleicht fällt dir noch etwas ganz anderes ein. Wichtig ist, dass der Leser, wenn er später die Anhalterszene liest, weiß oder mindestens ahnt, mit wem es die Protagonistin hier zu tun bekommt. Und zwar ohne dass es ihm ein allwissender Erzähler verrät. Demnach muss auch die Szene der anderen Figur aus ihrer personalen Sicht heraus geschrieben werden.

Tja, und wenn du schon dabei bist, schreib doch die Anhalterszene auch noch. 😉

Weitere Schreibübungen

Der Tod lauert zwischen den Bäumen

Ursula Poznanski: SaeculumWieder ist es ein Spiel. Und wieder eines, das harmlos beginnt und böse endet. Doch diesmal lauert der Tod zwischen den Bäumen. Ursula Poznanskis „Saeculum“ ist noch mörderischer als ihr Megaerfolg „Erebos“.

Mit ihrem Jugendthriller „Erebos“ hat Ursula Poznanski einen Überraschungshit gelandet, der nicht nur Jung, sondern auch Älter und Alt in seinen Bann zog. Vollkommen zu Recht gewann sie dafür im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. In „Erebos“ geriet Nick in die Fänge eines heimtückischen Computerspiels, in „Saeculum“, vom Verlag in ein beeindruckendes Cover gehüllt, ist es Bastian, für den ein Spiel zur bitteren Realität wird. Seine neue Freundin lockt den angehenden Mediziner aus der biederen Enge des Studierzimmers zu einem Live-Rollenspiel in einem Waldstück fernab der Zivilisation. Doch dort wartet nicht nur Mittelalterromantik auf die Spieler, sondern auch der Tod. Ein Serienkiller? Oder doch der jahrhundertealte Fluch, der auf diesem Gebiet lasten soll? Bastian weiß schon bald nicht mehr, was er glauben soll. Zu allem Überfluss scheint es, als treibe auch seine Freundin ein falsches Spiel mit ihm.

Erwartungen nicht enttäuscht

Nach einem Buch wie „Erebos“ kann es keiner Autorin leichtfallen, dem Erwartungsdruck, der sich ohne Zweifel für den Nachfolger aufbaut, standzuhalten. Tatsächlich ist „Saeculum“ ein anderes Buch, das den Leser zunächst sanfter an die Hand nimmt. Die Sogwirkung, die der Vorgänger von der ersten Seite an aufbaute, lässt im direkten Vergleich hier ein wenig auf sich warten. Das ist nicht verwunderlich, braucht die Geschichte doch einfach mehr Zeit, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und sie überhaupt erst an den Handlungsort zu bringen. Mit Iris gibt es außerdem eine zweite Perspektivträgerin, deren Sicht zusätzlichen Raum einnimmt. Dennoch zählt gerade diese zweite Perspektive zu den vielen gelungenen Kniffen der Autorin, die Spannungsschraube schnell anzuziehen. Denn Iris umgibt ein Geheimnis, das gleich weiteren offenen Fragen darauf drängt, gelüftet zu werden, wodurch der Leser auch bei diesem Thriller bald schon die Buchseiten zum Fliegen bringt.

Hat das Spiel erst begonnen, baut Ursula Poznanski meisterhaft eine Spannungskulisse auf, die den Wolkenbergen der immer wieder herannahenden Gewitter am Spielort ähnelt und an Bedrohlichkeit kaum zu überbieten ist. Meisterhaft auch deshalb, weil der Leser zunehmend geneigt ist, am Verstand des Protagonisten zu zweifeln, nicht etwa, weil dieser an einen Fluch glaubt, sondern gerade weil er sich so standhaft dagegen wehrt, das Übernatürliche als real zu akzeptieren. Wenn Tote aus ihren Gräbern steigen, Madenplagen die frischen Vorräte befallen und Schmerzensschreie durch die Nacht gellen, verliert selbst die Fantasie des Lesers den Boden unter den Füßen. Ganz abgesehen davon, dass ein Rollenspieler nach dem anderen verlustigt geht. Bis es schließlich nur noch eine letzte Hoffnung auf Rettung gibt. Für alle außer Bastian!

Besser geht’s nicht

Es scheint kaum vorstellbar, dass einer Autorin gleich zweimal hintereinander der große Wurf gelingt. Der Wienerin Poznanski ist das gelungen. Wenn jemand zwei Bücher schreibt, von denen jedes für sich besser kaum vorstellbar ist, bleibt es schließlich dem persönlichen Geschmack des Lesers überlassen, einem von beiden den Vorzug zu geben. Glücklicherweise gibt es gar keinen Grund dafür, sich zu entscheiden.

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Ursula Poznanski
Saeculum
Jugendthriller

Klappenbroschur
Loewe 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Verlagsseite
Leseprobe
Homepage der Autorin

Helden-Haft

Helden-Haft
© Zoom Team

Romanfiguren sind uns Realo-Normalos in allem mindestens einen Schritt voraus. Sie sind konsequenter und kompromissloser, denken schneller, handeln zielstrebiger und ihre Charaktereigenschaften sind stärker ausgeprägt. Sie sind mutiger, schlagfertiger, trauriger, sportlicher, tollpatschiger, intelligenter, dümmer, liebenswerter, nerviger, verliebter, kämpferischer, liebevoller, hassender … Was auch immer sie beginnen, sie tun es bis zum bitteren (Happy) Ende.

Für diese Übung aber nehmen wir diese Helden in Haft. Jetzt darfst/musst du selber ran! So, wie du dich kennst (nicht so, wie du dich gern sehen würdest).

Schreib dich also in eine Szene, in der du in einen Banküberfall mit Geiselnahme gerätst. Gerade noch nichts Böses gedacht und plötzlich mittendrin statt nur dabei.

Gepflegte Langeweile

Sei ganz ehrlich! Lass dich als Figur nur so handeln, wie du glaubst, dass du dich in so einer Situation wirklich verhalten würdest. Wenn die Szene dadurch stinklangweilig wird, weil du dich die ganze Zeit so unauffällig wie möglich verhältst, dann ist das eben so (und das ist nun wirklich nicht unwahrscheinlich). Tatsächlich wirst du für die Szene Spannung und Action wahrscheinlich nicht gerade als oberstes Ziel ausschreiben können.

Andererseits sollst du dich auch nicht schonen. Wenn die Geiselnehmer jemandem die Waffe direkt an die Schläfe halten, warum dann nicht dir? Und wenn sie nicht gerade dich auswählen, um mit einem ersten Todesopfer ihre Forderungen zu unterstreichen, dann nur deshalb, weil sie sich deinen besten Freund, deine beste Freundin, deine(n) Lebenspartner(in) oder deine Mutter gegriffen haben.

Wenn du bei dieser Aufgabe wirklich ehrlich deine Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeiten deines Handelns einschätzt, wirst du am Ende deutlicher als je zuvor wissen, was eine Romanfigur zu einer guten, zu einem Helden macht.

Und wenn du die Nase von dir als Protagonisten noch nicht gestrichen voll hast, kannst du dich ja gern noch in die eine oder andere deiner Lieblingsszenen schreiben. Vielleicht stehst du plötzlich einer Horde Orks gegenüber, musst vor einem Militärgericht einem eitlen Colonel den Code Red aus der Nase ziehen oder „einfach“ deinem Traummann/deiner Traumfrau deine Liebe gestehen.

Weitere Schreibübungen

Sprichwortgeschichten

Ob du nur mal eben ein bisschen Abwechslung brauchst oder tatsächlich auf der Suche nach der Idee für deine nächsten Geschichte bist, Sprichwörter können helfen. Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Daraus kann eine Szene, eine Kurzgeschichte oder ein ganzer Roman entstehen. Und zwar in jedem Genre.

Und natürlich könnte man genauso gut erzählen, wie der Grubengräber sich ins absolute Glück schaufelt. Oder wie wäre es mit den folgenden Sprichwörtern?

  • Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
  • Aus Schaden wird man klug.
  • Blinder Eifer schadet nur.
  • Das Gerücht ist immer größer als die Wahrheit.
  • Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln.
  • Ehrlich währt am längsten.
  • Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Natürlich gibt es weit mehr passende Sprichwörter, die dem Suchenden mit netten Ideen auf die Sprünge helfen können. Einige liefern beispielsweise Ideen für ein Thema, eine Grundstimmung, einen Nebenkonflikt oder eine Figur (alte Liebe rostet nicht, Alter schützt vor Torheit nicht), andere, wie die in den Beispielen oben, versorgen uns mit einer kompletten Geschichte.

Konflikt und Lösung

Letztere  beschreiben meist schon einen Konflikt und das Endergebnis desselben. Jemand gräbt einem anderen eine Grube, und fällt am Ende selbst hinein.  Jemand ist ein blindes Huhn, findet am Ende aber trotzdem (oder noch besser: gerade deshalb) auch mal ein Korn. Jemand hat einen Schaden (im Sinne von „ihm wird geschadet, ihm geschieht etwas Schlechtes“ – obwohl …), wird am Ende der Geschichte aber eben deshalb zu einem klügeren Menschen.

In manchen Sprichwörtern treten Konflikt und Lösung nicht so deutlich hervor. So könnte in „das Gerücht ist immer größer als die Wahrheit“ die tragische Geschichte eines Protagonisten stecken, der verzweifelt gegen eine Intrige ankämpft, um am Ende den böswillig gestreuten Gerüchten doch zu unterliegen.*

Zur sprichwörtlichen Geschichte

Sprichwörter, die Konflikt und Lösung enthalten, entsprechen im Grunde der Prämisse (im schreiberischen Sinn). Sie beschreiben die wesentlichsten Punkte, die man für den Plot einer Geschichte braucht. Nun musst du „nur“ noch den Jemand besetzen und ihn vom Ausgangspunkt des Konfliktes bis zur Lösung führen.

Damit sind wir schon bei unserer Übung: Nimm dir ein Sprichwort deiner Wahl, das Konflikt und Lösung enthält, und denke dir dazu die Handlung einer Szene, Kurzgeschichte und/oder eines Romans aus. Anschließend kannst du die Lösung umkehren oder anders variieren (aus Schaden wird man bekloppt, aus Schaden wird man reich) und dir entsprechend eine neue Handlung erdenken. Vielleicht willst du die Szene, Kurzgeschichte und/oder den Roman sogar schreiben. Wird bestimmt ein Hit!

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*Das Sprichwort ist ein gutes Beispiel dafür, dass man manchmal auch anderes als Konflikt oder Lösung aus dem Sprichwort extrahieren kann. So könnte man auch die humorvolle Geschichte eines Protas erzählen, der seinen Gegner mithilfe eines Gerüchts zu Fall bringt. Dann steckt in dem Sprichwort eben nicht der Konflikt, sondern die Strategie des Protas.

Weitere Schreibübungen

Ein Date für deine(n) Prota?

© auremar
© auremar

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Flirt in der Bahn

Schreibe deine(n) Prota also in eine Straßenbahn oder einen Zug. Wenn Prota bereits in einer Beziehung lebt und nicht der Typ für ein Abenteuer dieser Art ist (bist du dir da auch ganz sicher?), versetzte die Szene in eine Vergangenheit, in der Prota noch solo war. Vielleicht trifft er/sie ja in dieser Szene zum ersten Mal sene(n) Gegenwärtige(n). Muss aber nicht sein.

Prota sieht in der Bahn jemanden (zusteigen), der/die ihm/ihr den Atem raubt. Prota ist hin und weg! Sein/ihr Herz tanzt Samba mit den Schmetterlingen im Bauch. Doch er hat nur diese eine Chance! Vielleicht gehört es ja zu Protas leichtesten Übungen, Fremde kennenzulernen. Aber bleibt das so, wenn Prota überzeugt ist, gerade den/die zukünftige(n) Herrn/Frau Prota ins Auge gefasst zu haben? Reicht dieses Gefühl, mögliche Hemmungen zu überwinden? Was unternimmt Prota konkret? Wie versucht er/sie zu punkten? Wie stehen Protas Chancen? Wie wird es ausgehen? Und was geht danach in Prota vor?

Anschließend hat Prota erst einmal Ruhe, es sei denn, dir fallen noch weitere Szenen für ihn ein. Nächste Woche geht es hier mit einer anderen Übung weiter. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  ins Flirtabenteuer in der Straßenbahn zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

Prügel für deine(n) Prota?

© Franz Pfluegl
© Franz Pfluegl

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Abenteuer in der Straßenbahn

Schreibe deine(n) Prota also in eine Straßenbahn. Es ist schon spät am Abend und die Bahn fast leer. Außer Prota sitzt nur eine Gruppe angetrunkener Jugendlicher im hinteren Teil des Wagens. Dann steigt noch ein junger Mann von etwa sechzehn Jahren zu.

Prota beobachtet, wie die Jugendlichen den Zugestiegenen anpöbeln und ihn schließlich bedrängen. Die Situation eskaliert, die Angetrunkenen beginnen ihr Opfer körperlich zu drangsalieren. Wird Prota eingreifen? Direkt oder wendet er/sie sich an den Straßenbahnfahrer? Vielleicht ruft Prota mit dem Handy den Notruf. Oder steigt er/sie einfach an der nächsten Haltestelle aus? Wie fühlt Prota sich dabei?

Anschließend darf sich dein(e) Prota von dieser Tortur gern ein bisschen erholen und sei es in dem ihm/ihr von dir zugedachten Abenteuer. Nächste Woche kannst du ihn/sie dann hier in eine neue Prüfung schicken. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  ins Abenteuer in der Straßenbahn zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota