Skriptkieker: Unheil

Skriptkieker: Foto: pixelparticle
Skriptkieker: Foto: pixelparticle
Skriptkieker
(Foto: © pixelparticle)

Aus einem Kurzgeschichtenmanuskript:

Emmerich atmete einige Male tief ein und aus. Ruhiger wurde er dadurch nicht. Dieser Zug brachte das Unheil mit sich. Tod und Zerstörung. Emmerich schaute sich auf der kleinen Bahnstation um. Ganz Bonny sollte hier stehen, um mit demselben Zug aus der Gegend zu verschwinden, der gerade im Begriff war, den Grund dafür zu liefern. Doch er sah nur einen jungen Mann etwa in seinem Alter, vielleicht auch schon in den Dreißigern. Ohne Gepäck. Wartend wie er selbst. Kaum jemand aus Bonny verließ je den Ort. Die Menschen hier waren träge. Trotz der Gerüchte.

Murder Train

Murder Train

Murder TrainWenn das nicht mal ein ganz besonders mörderisch tolles Erlebnis verspricht:

18. Oktober 2013 – 1 Event, 2 Lesungen, 3 Jahre Vorbereitungszeit, 5 Waggons, 7 Autoren

Endlich rollt der Murder Train!

Details gibt es dazu in Kürze auf den Seiten der dreimann Buchhandlung. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Herr Wulf Dorn mit auf die Reise geht.

LesBar: zeit

tränendes tropfen
in den abfluss
fließt dahin wo
im rauch sich
auflöst
der gehöhlte stein

schleichende schnecke im
rasen einem schnellzug
gleich der wenige halt
los strecke die
hände greifen ins
nichts fassbar

flatternden vogels
fliehendes fliehen halte
die käfigtür lockend
und schmeichelnd
schlüpft durch die stäbe
lässt sich nicht fangen

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Lust auf mehr Gedichte?

Ein Date für deine(n) Prota?

© auremar
© auremar

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Flirt in der Bahn

Schreibe deine(n) Prota also in eine Straßenbahn oder einen Zug. Wenn Prota bereits in einer Beziehung lebt und nicht der Typ für ein Abenteuer dieser Art ist (bist du dir da auch ganz sicher?), versetzte die Szene in eine Vergangenheit, in der Prota noch solo war. Vielleicht trifft er/sie ja in dieser Szene zum ersten Mal sene(n) Gegenwärtige(n). Muss aber nicht sein.

Prota sieht in der Bahn jemanden (zusteigen), der/die ihm/ihr den Atem raubt. Prota ist hin und weg! Sein/ihr Herz tanzt Samba mit den Schmetterlingen im Bauch. Doch er hat nur diese eine Chance! Vielleicht gehört es ja zu Protas leichtesten Übungen, Fremde kennenzulernen. Aber bleibt das so, wenn Prota überzeugt ist, gerade den/die zukünftige(n) Herrn/Frau Prota ins Auge gefasst zu haben? Reicht dieses Gefühl, mögliche Hemmungen zu überwinden? Was unternimmt Prota konkret? Wie versucht er/sie zu punkten? Wie stehen Protas Chancen? Wie wird es ausgehen? Und was geht danach in Prota vor?

Anschließend hat Prota erst einmal Ruhe, es sei denn, dir fallen noch weitere Szenen für ihn ein. Nächste Woche geht es hier mit einer anderen Übung weiter. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  ins Flirtabenteuer in der Straßenbahn zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

Klassiker vor Gericht

Der Mörderin fehlt scheinbar jedes Motiv. Ihr Opfer: ein ihr völlig fremder Mann. Des Rätsels Lösung findet sich erst durch eine weitere Frau. Die beiden haben sich bei einer Zugfahrt kennengelernt und sich ihr Leid geklagt. Beide waren ihrer Ehemänner überdrüssig und vereinbarten, jeweils den der anderen zu ermorden, um sich gegenseitig mit dem perfekten Mord ihrer Sorgen zu entledigen.

Ein junger Mann wird von einem reichen Herrn beauftragt, dessen Sohn nach Hause zurückzuholen, der sich auf Kosten des Vaters im Ausland amüsiert, statt sich seinen Verpflichtungen daheim zu stellen. Die Suche gestaltet sich erfolgreich, doch der Gesuchte überzeugt den jungen Mann, es sich gemeinsam mit ihm gut gehen zu lassen und die Jugend zu genießen. Fasziniert von Leben und Wohlstand des Berufssohns, versucht der Mann schließlich den Gesuchten zu ermorden und sich als er auszugeben.

Klar, weiß jeder sofort, von welchen beiden „Fällen“ ich spreche. Letzterer wurde von Fernsehrichter Alexander Holt verhandelt, ersterer ist schon etwas länger her und mein etwas löchriges Gedächtnis erinnert sich nicht mehr, ob auch Holt oder eine(r) seiner Kollegen/innen den Vorsitz hatte.

Wie, ein Roman? Ein Film? Na so was. Das wäre ja seltsam.

Da soll es doch Leute geben, die noch immer glauben, Sat.1 stelle ein paar Kameras in einen echten Gerichtssaal während einer echten Verhandlung. Und die Kameraleute seien zufällig auch immer dabei, wenn etwas Aufregendes im Flur, der Garage oder auf dem Klo passiert. Oder zumindest seien es echte Fälle, die von den Produzenten nachgestellt würden.

Nun müssen also selbst die, die zähneknirschend akzeptiert haben, dass die ach so authentischen Fälle aus der Feder von Skriptautoren stammen, die sich ihrerseits mit der meist diletantischen schauspielerischen Umsetzung ihrer Drehbücher abgefunden haben, mit dem Gedanken leben, dass eben diesen Autoren ihre Ideen manchmal auf seltsamen Kanälen zufliegen und sie sich nicht einmal die Mühe machen, dies nicht allzu offensichtlich werden zu lassen.

Nennt man das Inspiration? Nun ja, es reicht jedenfalls, um sich in der Mittagspause die Werbeunterbrechungen bei „Two and a Half Man“ auf ähnlich amüsante Weise zu vertreiben.

Bleibt nur die Frage, ob dieses Phänomen für den Realismus der Vorlagen spricht oder ob sich die Fernsehmacher um eben diesen Realismus einen Dreck scheren.