LesBar: Der Rucksack des Herrn Sesshaft

Seine Nachbarin vergaß, ihn zu grüßen, als sie den Rucksack sah. „Was wollen Sie denn damit?“
„Was man nun einmal mit einem Rucksack will“, antwortete Sebald Sesshaft in rüdem Ton. Natürlich wusste er, worauf Frau Nebenan hinauswollte. In der ganzen langen Zeit, in der er nun Tür an Tür mit ihr wohnte, hatte er nicht eine einzige Reise unternommen. Nicht einmal einen Wochenendtrip. Abenteuer und andere Länder kannte er nur aus Büchern und den seltenen Stunden, in denen er vor dem Fernseher entspannte.

Doch genau erinnerte er sich an die Worte Susis. Sie sei ihm durchaus zugeneigt, doch gewünscht habe sie sich immer einen weltgewandten Mann, der von Reisen zu berichten wüsste, der bereit sei, Risiken einzugehen, und den Abenteuer nicht schreckten. Er dagegen sei seinen Lebtag nicht aus Winzstadt herausgekommen und habe noch nichts von der Welt gesehen.

Und so überraschte er nun nicht nur Frau Nebenan mit seinem neuen Rucksack, auch für ihn selbst war sein Tatendrang von novellistischer Natur.

Doch hielt er daran fest, gab Arbeit und Wohnung auf, um die Welt zu bereisen. Nur er und sein Rucksack. In asiatischen Steppen kämpfte er gegen den Durst, in afrikanischen Dschungeln gegen das Fieber und im amerikanischen Westen gegen Grizzlys. Keine Gefahr hielt ihn ab, wenn es auch meist eher das Glück war, das ihn am Leben hielt. Nur ein Gedanke trieb ihn voran, derselbe, der ihn schließlich wieder nach Hause führte. Der Gedanke an seine Susi Süßkind.

Doch der Heimkehrer fand ihren Namen nicht an der Tür, denn eine Susi Süßkind gab es nicht mehr: Susanne, die nun Suchnicht hieß, hatte nie auf ihn gewartet.

So blieb Sebald Sesshaft nur sein Rucksack.

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© Ben Philipp

André Wiesler: Verschrieben

Nein, „Verschrieben“ ist nicht der neue, lang erwartete Roman von André Wiesler. André hat sich (bei) der Anthologie „Der Fluch des Colorado River“ der Geschichtenweber verschrieben, der ebenfalls mit Spannung entgegengefiebert werden darf.

Welchen Horror es darstellen kann, wenn man Steampunk schreibt, dass offenbar auch ein erfahrener Autor wie André so seine Schwierigkeiten mit Ausschreibungstexten hat, warum er für dieses Buchprojekt zwei Geschichten schreiben musste und weshalb das in seinem Fall gar nicht schlimm/ein Segen für die Fans ist, könnt ihr in seinem Blogeintrag „Wiesler im Westen“ nachlesen.

Die Geschichtenweber am Colorado River bis 31.05.11

Tolle Ausschreibung bei den Geschichtenwebern:

Der Fluch des Colorado River (Western & Phantastik)

Im Jahr 1864, während des großen Colorado Gold Rush, geschah etwas, das die Geschichte des amerikanischen Westens für immer verändern sollte. Ein irischstämmiger Goldschürfer, der am South Platte River keinen Platz mehr zum Goldschürfen gefunden hatte, steckte seinen Claim in einer unwirtlichen Gegend westlich des „Grand Lake“ ab. Dabei stieß er eines Tages auf einen unterirdischen See, einen geheimen Ort der Ute-Indianer. Weil ihm Wasser zum Goldwaschen fehlte, wagte er es, entgegen der Warnungen eines alten Indianers, diesen heiligen See anzuzapfen. Er bekam nicht die Möglichkeit, die weitreichenden Folgen seiner Tat mit eigenen Augen zu sehen, für ihn beschränkten sie sich darauf, unter dem gnadenlosen Griff eines Wiedergängers sein Leben auszuhauchen. Denn in diesen See hatten die Ute seit Jahrhunderten böse Geister aller Art gebannt. Geister, die in der Lage waren, von allerlei Wesen Besitz zu ergreifen und sie zu verändern und die nun in den Colorado River entkommen konnten.
Seit diesem Zeitpunkt tauchten auf der gesamten Länge des 3200 Kilometer langen Flusses verschiedenste Schreckensgestalten und mysteriöse Erscheinungen auf.

Und hier kommt IHR ins Spiel. Erzählt uns Geschichten, in denen klassische Westernelemente auf übernatürliche und geradezu phantastische Erscheinungen treffen.
Ob es sich nun um Geistererscheinungen, Flussmonster, Wiedergänger oder modernere Schreckensgestalten wie Werwölfe oder Vampire handelt – lasst Eure Phantasie spielen oder greift indianische und amerikanische Sagen und Legenden auf!
Es steht euch frei, reale Begebenheiten und historische Persönlichkeiten aus der Zeit um 1864 und den folgenden Jahren zu bedienen.

Allgemeine Bedingungen:
– Die Geschichten müssen in die damalige Zeit passen. Berücksichtigt den damaligen Stand der Technik und vermeidet Anachronismen.
– Jede Geschichte muss mit dem Colorado River und den in ihn entkommenen Geistern in Verbindung stehen.
– Phantastik ist für uns nicht gleichbedeutend mit Fantasy. Verzichtet bitte auf Elfen, Orks, Zwerge und ähnliches.
– Jeder Autor darf nur eine Geschichte einreichen.
– Der eingesandte Beitrag muss selbst verfasst sein und darf keine Rechte Dritter verletzen.
– Die Einsendungen dürfen bisher nicht veröffentlicht worden sein (weder in Printmedien noch online).
– der Teilnehmer erklärt sich damit einverstanden, dass sein Beitrag in der Anthologie (und gegebenenfalls auszugsweise zu Werbezwecken) veröffentlicht wird. Ansonsten verbleiben alle Rechte beim Autor.
– Die besten von einer Jury bewerteten Einsendungen erscheinen 2011 in einer Anthologie im Verlag Torsten Low.

Formale Bedingungen:
– Eure Geschichten dürfen maximal 25.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen laut Word-Zählung) lang sein.
– Die Einsendungen müssen in einheitlicher Rechtschreibung verfasst sein (alte oder neue) und als .doc (MS Word) oder .rtf (Rich Text Format) gespeichert sein. Erscheinen wird das Buch allerdings in neuer deutscher Rechtschreibung.
– Verwendung von nur einer Schriftart und Schriftgröße innerhalb des Textes. Kursive Formatierung innerhalb des Textes ist zulässig.
– Die Geschichte muss den Titel des Beitrags und den Namen des Autors enthalten
– Sendet uns bitte ebenfalls eine Kurzbiographie sowie eure Kontaktdaten (Realname, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail).

Einsendung bis zum 31.05.2011 an western@edition-geschichtenweber.de.
Anfragen und Rückfragen zum Ausschreibungstext beantworten wir ebenfalls unter dieser E-Mail-Adresse.

Honorar:
Sowohl die Teilnahme an der Ausschreibung als auch die Veröffentlichung in der Anthologie sind kostenlos. Auch sonst entstehen keinerlei Verpflichtungen.
Es wird für jedes verkaufte Buch ein Gesamthonorar von 5 % vom Verkaufspreis ausgezahlt. Dieses Honorar wird nach einem Seitenschlüssel auf alle veröffentlichten Autoren aufgeteilt.
Des Weiteren erhält jeder angenommene Autor ein Freiexemplar und kann die Anthologie bei Veröffentlichung des eingesandten Beitrags zum Autorenrabatt erwerben (30% Rabatt auf den Einkaufspreis).
Der Autor ist weder zur Abnahme von Büchern noch zur Vermarktung verpflichtet.

Rechtliches:
Mit Einreichung seiner Geschichte erklärt sich der Teilnehmer mit den Bedingungen dieser Ausschreibung in allen Punkten einverstanden.
Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Kriterium für eine Veröffentlichung ist die Qualität des Textes.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.