Der Minitipp: Domino der Erzählens

Domino, Foto: pzAxe
Domino, Foto: pzAxe
© pzAxe

Wer sich nicht sicher ist, wie er seine Geschichte ins Rollen bringt, dem hilft es vielleicht, sich klarzumachen, dass die meisten Geschichten aus Ereignisketten bestehen, die man mit dem Dominospiel vergleichen kann.

Ein erstes Ereignis gibt den Anstoß und setzt die Kette in Gang. Doch anders als beim Domino braucht es zwischen den Ereignissen immer wieder ein Bindeglied: den Helden, der auf das eine Ereignis reagiert und damit das nächste auslöst.

Der Tod lauert zwischen den Bäumen

Ursula Poznanski: SaeculumWieder ist es ein Spiel. Und wieder eines, das harmlos beginnt und böse endet. Doch diesmal lauert der Tod zwischen den Bäumen. Ursula Poznanskis „Saeculum“ ist noch mörderischer als ihr Megaerfolg „Erebos“.

Mit ihrem Jugendthriller „Erebos“ hat Ursula Poznanski einen Überraschungshit gelandet, der nicht nur Jung, sondern auch Älter und Alt in seinen Bann zog. Vollkommen zu Recht gewann sie dafür im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. In „Erebos“ geriet Nick in die Fänge eines heimtückischen Computerspiels, in „Saeculum“, vom Verlag in ein beeindruckendes Cover gehüllt, ist es Bastian, für den ein Spiel zur bitteren Realität wird. Seine neue Freundin lockt den angehenden Mediziner aus der biederen Enge des Studierzimmers zu einem Live-Rollenspiel in einem Waldstück fernab der Zivilisation. Doch dort wartet nicht nur Mittelalterromantik auf die Spieler, sondern auch der Tod. Ein Serienkiller? Oder doch der jahrhundertealte Fluch, der auf diesem Gebiet lasten soll? Bastian weiß schon bald nicht mehr, was er glauben soll. Zu allem Überfluss scheint es, als treibe auch seine Freundin ein falsches Spiel mit ihm.

Erwartungen nicht enttäuscht

Nach einem Buch wie „Erebos“ kann es keiner Autorin leichtfallen, dem Erwartungsdruck, der sich ohne Zweifel für den Nachfolger aufbaut, standzuhalten. Tatsächlich ist „Saeculum“ ein anderes Buch, das den Leser zunächst sanfter an die Hand nimmt. Die Sogwirkung, die der Vorgänger von der ersten Seite an aufbaute, lässt im direkten Vergleich hier ein wenig auf sich warten. Das ist nicht verwunderlich, braucht die Geschichte doch einfach mehr Zeit, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und sie überhaupt erst an den Handlungsort zu bringen. Mit Iris gibt es außerdem eine zweite Perspektivträgerin, deren Sicht zusätzlichen Raum einnimmt. Dennoch zählt gerade diese zweite Perspektive zu den vielen gelungenen Kniffen der Autorin, die Spannungsschraube schnell anzuziehen. Denn Iris umgibt ein Geheimnis, das gleich weiteren offenen Fragen darauf drängt, gelüftet zu werden, wodurch der Leser auch bei diesem Thriller bald schon die Buchseiten zum Fliegen bringt.

Hat das Spiel erst begonnen, baut Ursula Poznanski meisterhaft eine Spannungskulisse auf, die den Wolkenbergen der immer wieder herannahenden Gewitter am Spielort ähnelt und an Bedrohlichkeit kaum zu überbieten ist. Meisterhaft auch deshalb, weil der Leser zunehmend geneigt ist, am Verstand des Protagonisten zu zweifeln, nicht etwa, weil dieser an einen Fluch glaubt, sondern gerade weil er sich so standhaft dagegen wehrt, das Übernatürliche als real zu akzeptieren. Wenn Tote aus ihren Gräbern steigen, Madenplagen die frischen Vorräte befallen und Schmerzensschreie durch die Nacht gellen, verliert selbst die Fantasie des Lesers den Boden unter den Füßen. Ganz abgesehen davon, dass ein Rollenspieler nach dem anderen verlustigt geht. Bis es schließlich nur noch eine letzte Hoffnung auf Rettung gibt. Für alle außer Bastian!

Besser geht’s nicht

Es scheint kaum vorstellbar, dass einer Autorin gleich zweimal hintereinander der große Wurf gelingt. Der Wienerin Poznanski ist das gelungen. Wenn jemand zwei Bücher schreibt, von denen jedes für sich besser kaum vorstellbar ist, bleibt es schließlich dem persönlichen Geschmack des Lesers überlassen, einem von beiden den Vorzug zu geben. Glücklicherweise gibt es gar keinen Grund dafür, sich zu entscheiden.

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Ursula Poznanski
Saeculum
Jugendthriller

Klappenbroschur
Loewe 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Verlagsseite
Leseprobe
Homepage der Autorin

Entwicklungsresistent im Heftroman

Andrea Bottlinger hat letzte Woche die Belegexemplare zu ihrem Larry-Brent-Roman „Gargoyle“ erhalten. Auf ihrem Blog berichtet sie, was für sie den herausragenden Unterschied beim Schreiben dieses Heftromans im Vergleich zu sonstigen Romanen darstellt.

Ich fand das schon in einem Gespräch währende der Leipziger Buchmesse höchst interessant und kann daher nur empfehlen, diesen Blogeintrag zu lesen.

PB-Plotten: 21-23 – Überarbeitung

Den letzten Schritt in der Manuskripterstellung stellt die Überarbeitungsphase dar. Wie viele Durchgänge man dafür benötigt, ist vom Autor, aber auch vom Text abhängig. In meinem Modell sind es drei Arbeitsgänge, was aber nur als Orientierung gelten soll.

Es mag Autoren geben, die schon nach zwei Überarbeitungsschritten ein verlagsreifes Manuskript erreichen, andere müssen sich dagegen deutlich mehr Zeit nehmen.

Wer sein Manuskript von Testlesern, sogenannten Betalesern, gegenlesen lässt, wird vor und nach deren Zuarbeit mehrere Überarbeitungsdurchgänge durchführen. Und natürlich wird mindestens ein weiterer Duchgang fällig, wenn das Manuskript mit den Anmerkungen des Lektorats zurückkommt.

Es gibt durchaus die Meinung, dass die Hauptarbeit des Autors erst mit der Überarbeitung beginnt. Manche Autoren nehmen sich mehr Zeit für die Überarbeitung als für den vorhergehenden Schreibprozess.

In jedem Fall steckt in der Überarbeitung weit mehr, als manch angehender Autor offenbar darin vermutet. Denn die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik macht dabei den kleinsten Teil aus.

Wer nicht stets einen Rundumschlag startet und alles, was ihm auffällt, sofort korrigiert, dem würde ich empfehlen, sich die Korrekturen für den Schluss aufzuheben. Schließlich ist es wenig sinnvoll, einen Abschnitt komplett zu korrigieren, der letztlich doch noch stark abgeändert oder gar ganz gestrichen wird.

Eine Überarbeitungsreihenfolge, die zu meinem Modell passt, könnte etwa sein:

  1. Änderungen, die das Gesamtkonzept betreffen oder die sich durch die Abschlussrecherchen ergeben haben, dazu eine gründliche Prüfung auf innere logische Zusammenhänge und Schlüssigkeit. Dabei auch ein besonderes Augenmerk auf stimmige Figuren und eine stimmige Figurenentwicklung, die Entwicklung des Konflikts und die (hoffentlich) bewiesene Prämisse legen. Am Ende dieses Durchgangs sollten alle inhaltlichen Streichungen und Änderungen bezüglich des Plots abgeschlossen sein.
  2. Stilanalyse! Jetzt werden die Formulierungen abgeklopft, Wiederholungen, sofern sie keine Funktion erfüllen und sich sinnvoll (!!!) vermeiden lassen, umschifft, man sucht nach Stilbrüchen und Unsauberkeiten im Ausdruck. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Dialoge, die man schleifen muss. Sie lassen sich fast immer bei der Überarbeitung noch verbessern. Wo es dem Werk angemessen ist, wird auf eine bildhafte Sprache geachtet (Metaphern, Vergleiche, Wortschöpfungen, …). Am Ende dieses Durchgangs sollte  das Manuskript stilistisch nach bestem Wissen und Gewissen in Topform sein.
  3. Prüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik (die Korrekturprogramme inkl. Dudenkorrektor können hier immer nur Teilarbeit leisten, sind niemals ausreichend).

Damit ist die Reihe PB-Plotten zu ihrem Ende gelangt. Ich hoffe, sie war ein bisschen hilfreich.

(PB-Plotten: Die Liste)

TeVeRo: Ein Test zum Spaß

Ich habe heute ein kleines Spaßprojekt begonnen. Nichts, was mich Arbeitszeit kostet. Dennoch ist es gleich in zweierlei Hinsicht sinnvoll. Zum einen Sinn will ich nichts sagen, ist auch eher privat, zum anderen erprobe ich damit die Autorensoftware TeVeRo und will davon hin und wieder auf diesem Blog berichten.

TeVeRo ist Freeware für Windows und lässt sich zum Beispiel hier und hier kostenlos herunterladen. Leider wartet das Programm gleich mit einem großen Manko auf, das sich im TeVeRo-Forum von kurzgeschichten.de nachlesen lässt. Dort schreibt Entwickler Matthias Kahlow am 17.01.2009:

Die Entwicklung ist momentan eingestellt, ja. Liegt zum Einen daran, dass ich kaum Zeit dafür habe, und zum Anderen, dass mir der Quellcode bei einem Festplattencrash flöten gegangen ist.

Wer sich dennoch für dieses Programm entscheidet, muss also wissen, dass er mit eventuellen Schwächen und Bugs vorraussichtlich langfristig leben muss. Aber möglicherweise überwiegen ja die Stärken.

Auf mich machte das Programm aber heute gleich einen guten Eindruck. Ob sich der bestätigt, werden wir sehen. Ein erster Versuch nach der Installation, in einem neu angelegten Projekt einen Charakter anzulegen, scheiterte leider. War aber kein Problem. Nach der Installation lässt sich das Programm zwar gleich starten, doch ein Windows-Neustart ist empfehlenswert. Danach ging alles glatt.

Anders als yWriter und Storybook ist TeVeRo ein recht schlankes Programm. Das betrifft nicht nur den Speicherbedarf (da unterbietet es yWriter nur unwesentlich), sondern vor allem die Funktionen.

Das mag nach Kritik klingen, ist aber nicht so gemeint.
Zum einen wird mancher Autor die Übersichtlichkeit schätzen. TeVeRo unterscheidet sich in der Ansicht kaum von der gewohnten Textverarbeitung. Die Textverarbeitung stellt auch das Herzstück des Programms dar.
Zum anderen baut TeVeRo im Unterschied zu den genannten Kontrahenten nicht auf Szenen- und Kapitelplanung auf, was je nach Geschmack als Vor- oder Nachteil empfunden werden kann.

 

TeVeRo
TeVeRo Screenshot: Klick für großes Bild

Zum normalen Texteditorfenster gesellt sich auf der rechten Seite einfach eines von vier möglichen Aufgabenfenstern:

  1. zum Ablauf, das neben der Möglichkeit, eine Prämisse zu formulieren, das Plotten und die Übersicht durch frei wählbare Handlungspunkte möglich macht (s. Screenshot), die sich über Lesezeichen mit Textstellen im Manuskript verknüpfen lassen,
  2. zu den Figuren, die in frei wählbare Gruppen aufgeteilt werden können (etwa Hauptfiguren, Nebenfiguren, Familie von Hannah, die Bluthundgang usw.) und deren Charakterblätter man frei ausfüllen kann,
  3. zu den Schauplätzen, die ebenso frei beschrieben werden können und
  4. als Zettelkasten, in dem man alle möglichen Notizen ablegen kann.

Dazu lassen sich jeweils Objekte wie etwa Grafiken oder Fotos einfügen.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung wird von Word eingebunden, was also installiert sein muss. Andernfalls muss man den Text extern mit einer anderen Textverarbeitung prüfen.

Für die Kontrolle des Arbeitspensums gibt man ein tägliches Arbeitsziel in Zeichen ein und kann dann über die Statistik abrufen, ob man noch im Plan liegt. Langfristigere Zielvorgaben (etwa die Eingabe von Abgabeterminen oder des geplanten Gesamtumfangs des Manuskripts) wie zum Beispiel bei yWriter sind nicht möglich.

Ob die zusätzlichen Gimmicks zum Vergleichen zweier Charaktere oder gar der Exposéassistent wirklich hilfreich sind, kann ich noch nicht einschätzen, habe da so meine Zweifel.

Dennoch, wenn das Programm hält, was es verspricht, dürfte es vor allem für diejenigen, die entweder weniger umfangreich plotten (denen also die Möglichkeiten der anderen Programme schon zu viel und zu verwirrend sind) oder deren Planung sich nicht an Kapiteln und Szenen orientiert, hilfreich sein.

Damit bietet es sich gerade denjenigen an, die die Möglichkeit zu sehr individueller Planung schätzen. Schließlich steht es jedem völlig frei, nach welchen Kriterien er etwa die Handlungspunkte festlegt (es könnten eben auch Szenen oder Kapitel sein).

Auch Bauchschreiber sind mit dem Programm gut bedient, weil sie die Aufgabenfenster unabhängig vom Fortschritt des Manuskripts für ihre Notizen nutzen können.

Schließlich hilft es auch denjenigen, die ein Manuskript erarbeiten, das ohne Kapiteleinteilung auskommt, etwa kürzere Texte wie Erzählungen und Kurzgeschichten.

Damit dürfte dann auch schon fast alles zu dem kleinen Programm gesagt sein. Nur, ob es sich bewährt, muss ich noch herausfinden.

PB-Plotten 2: Arbeitspitch

„Das Futter geht aus“ ist eine Art James Bond im Zootierreich. Leo Schnee, der Agent unter den Schneeleoparden des Rostocker Zoos, muss die Pläne des fiesen King Löw im Kampf um die Futterreserven vereiteln.

Unter den Schreibern sorgen die Begriffe Pitch, Log Line und Prämisse immer wieder für Verwirrung. Mal werden alle in einen Topf geworfen und möglicherweise noch mit weiteren vermischt, mal versucht man sie sauber zu trennen, obendrein definiert sie beinahe jeder ein bisschen anders.

Klar ist, dass alle drei Begriffe eine radikale Zusammenfassung dessen darstellen, was im Roman (oder dem Drehbuch/Film) passiert. Es würde zu weit und vom eigentlichen Thema wegführen, wollte ich nun jedem Begriff die möglichen Definitionen zukommen lassen, daher will ich versuchen, möglichst praktisch zu bleiben, denn schließlich geht es ja darum, dass sie uns beim Plotten helfen sollen.

Deshalb vergessen wir die Log Line einfach wieder. Wir fassen sie einfach als eine Unterart des Pitches auf, denn sie erfüllt dieselbe Funktion. Wir unterscheiden also nur zwischen Prämisse und Pitch.

Die wichtigste Unterscheidung ist dabei die, dass der Pitch ein Verkaufsargument, die Prämisse ein Werkzeug zur Schreibarbeit des Autors ist. Damit legen wir nun auch die Prämisse beiseite, bis sie in unserer Liste an der Reihe ist, und konzentrieren uns ganz auf den Pitch.

Der Pitch dient also dem Verkauf. Verkauft werden soll entweder ein Manuskript an einen Verlag oder eine Agentur oder aber das fertige Buch an den Leser. Der Pitch vereint dementsprechend Inhaltsangabe und Werbung.

Dabei soll auf das Manuskript oder das Buch mit wenigen Sätzen (ca. 1-3) neugierig gemacht werden. So wie das in dem Beispiel, das ich vorangestellt habe, geschieht.

Häufig nutzt man der Effiziens wegen beim Pitchen den Vergleich mit Bekanntem, in meinem Beispiel etwa mit James Bond. Wir kennen das von vielen Klappentexten, auf denen wir lesen, der Fantasyroman sei ein moderner „Herr der Ringe“, die Heldin des Kinderbuchs eine Pippi Langstrumpf in der Großstadt oder der Detektiv ein Sherlock Holmes des Computerzeitalters.

Der Vergleich ist aber nur eine Möglichkeit, denn im Prinzip geht es einfach darum, die Frage „Worum geht’s?“ so knapp wie möglich zu beantworten. Das ist die nüchterne Basis, die dann appetitlich angerichtet wird.

Wer dabei sehr genau vorgehen will, versucht in seinem Pitch die 6 Ws zu beantworten: wer, was, wann, wo, wie und warum. Nicht immer ist allerdings das Wann, Wo und Wie für die Vorstellung der Geschichte wirklich so bedeutend. Bliebe folgendes übrig: Wer macht was und warum?

Auch müssen die Fragen nun nicht stoisch beantwortet werden, wie ja  unser Beispiel zeigt, in dem es schließlich auch heißen könnte: Leo Schnee bekämpft King Löw, weil der die Futterreserven an sich bringen will.

Alternativ kann man sich auch folgende Fragen stellen:

  1. Wer ist die Hauptfigur?
  2. Welches Ziel verfolgt sie?
  3. Wer oder was steht ihr dabei im Weg?
  4. Was macht diese Geschichte zu etwas Besonderem?

 

In diesem Fall zielen die ersten drei Fragen deutlicher auf den Hauptkonflikt, die vierte sucht nach dem, was neugierig macht, im Idealfall nach dem Alleinstellungsmerkmal. Unser Beispiel beantwortet auch diese Fragen:

  1. Leo Schnee.
  2. Die Zootiere vor King Löws Terrorplänen zu schützen.
  3. King Löw
  4. Es ist eine Agentengeschichte á la James Bond mit tierischen Protagonisten.

Wir sehen nun, dass das Beispiel auch das Genre verrät (in diesem Fall durch den Vergleich mit James Bond). Das ist zwar keine Pflicht, aber es beitet sich in der Regel an.

Gerade als Appetitmacher ist die Frage 4 enorm wichtig, denn der Pitch soll ja Interesse wecken. Würde unser Pitch lediglich von einem Agenten erzählen, der die Welt vor einem Bösewicht retten will, wäre da noch nicht viel Interessantes dabei. Erst das Setting im Zoo und die Tiere als Figuren machen das Besondere aus.

Gleiches gilt auch für den Vergleich. „‚Das Futter geht aus‘ ist eine Art James Bond“, macht noch nicht viel her.

Nun dürften sich die meisten fragen, was denn jetzt eigentlich dieses Werbeinstrument Pitch in der Planungsphase, auch noch ganz am Anfang dieser zu suchen hat. Er soll hier eben nicht Verkaufs-, sondern Arbeitspitch sein.

Als solcher erfüllt er im Wesentlichen zwei Funktionen:

  1. Am Anfang der Planungsphase soll er den Autor zwingen, sich bewusst mit der Essenz seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Der Autor soll sich selbst die Frage stellen, worum es geht. Wer das, speziell bei seinem eigenen Werk, schon einmal versucht hat, wird wissen, dass das schwieriger ist, als man annehmen möchte. Mit dem Arbeitspitch legt man die wichtigten Eckpunkte fest, eben mindestens wer, was und warum. Und ganz gewiss nicht zuletzt prüft man damit schon ein allererstes Mal, ob man überhaupt eine interessante, eine besondere Geschichte erzählen wird. Denn natürlich ist das Alleinstellungsmerkmal nicht immer so offensichtlich wie in meinem Beispiel.
  2. Im weiteren Verlauf der Planung und im späteren Schreibprozess dient der Pitch als Richtschnur, damit man sich nicht verläuft. Jetzt weiß man, worum es eigentlich geht, und wird immer abgleichen können, ob man auch noch richtig geht oder ob man sich verläuft.

Hat man den Pitch erst einmal, ist es durchaus nicht die schlechteste Idee, ihn ein bisschen bei Verwandten und Freunden auszutesten. Wenn er auch diese neugierig macht, ist man wahrscheinlich auf dem richtigen Weg und kann sich das Ding am besten an den Bildschirm pappen.

Zuletzt will ich noch einmal darauf hinweisen, dass das Pitchen alles andere als eine leichte Angelegenheit ist. Es wird manchem nicht auf Anhieb gelingen und braucht durchaus ein bisschen Übung. Daher noch ein paar kleine Hilfestellungen:

Am schwersten dürfte es den meisten fallen, ihre Geschichte (bzw. die Idee davon) auf wenige bis zu einem einzigen Satz einzudampfen. Man kann sich aber nach und nach dahinarbeiten. Vielleicht kommt man zu Beginn noch auf eine halbe Seite. Die lässt man dann ein, zwei Tage ruhen und nimmt sie als Ausgangsbasis um weiter zu streichen. So lange bis am Ende die Essenz in  ein bis maximal drei Sätzen steht.

Ein guter (und weitverbreiteter) Rat ist, sich vorzustellen, man stünde einem Agenten, Lektor oder Verleger gegenüber und müsse ihn in wenigen Sekunden davon überzeugen, sich das Exposé des Romans anzuschauen. Dann bleibt einem nämlich nur die Möglichkeit, zu pitchen.

Üben kann man das auch in realen Situationen, wenn man zum Beispiel einem Freund auf die Frage, worum es in einem Film oder einem Buch geht, antwortet. Natürlich ebenfalls in aller Kürze.

Beispiele findet man bei den Profis. Oft wird dabei auf Klappentexte verwiesen, allerdings beanspruchen viele davon eben deutlich mehr als ein bis drei Sätze. Dennoch findet man nicht selten einen Einleitungspitch oder einen zusammenfassenden Pitch am Ende des Klappentextes.

Besonders zu empfehlen sind aber Fernsehzeitschriften. Die kurzen (!!!) Texte zu  den Filmen (vorzugsweise zu solchen, die die Zeitschrift als empfehlenswert erachtet) erfüllen in der Regel die Ansprüche an einen guten Pitch zumindest teilweise. Beispiele gefällig (TV Spielfilm 19/10):

„Rennschwein Rudi Rüssel“: Ferkel Rudi stürzt das Leben der Familie Gützkow ins Chaos…

„Abenteuer in Kenia“: Das amerikanische Geschwisterpaar Ted und Susan erleben [sic!] in Afrika tierische Abenteuer mit einem Geparden.

„Barbie und ‚Die drei Musketiere'“: Provinzgöre (Barbie) träumt davon, Musketier am französischen Königshof zu werden…

„Marfouz und die Frauen“: Als der Friseur Marfouz mit einer Braut nach Toulouse zurückkehrt, schwören seine Geliebte Djamila und ihre Freundinnen Rache. – Dieser […] Film schildert satirisch die Konflikte von Einwanderern aus islamischen Ländern.

„Jurassic Park“: Geklonte Dinos laufen auf einer Vergnügungsinsel Amok.

(PB-Plotten: Die Liste)

Genial gepitcht

Vor einiger Zeit habe ich ein tolles Beispiel gefunden, wie man potentiellen Lesern seine Geschichte schmackhaft machen kann. Ich habe es umgehend auf meinem Lektorenblog vorgestellt, will es aber natürlich auch meinen Newsblog-Lesern nicht vorenthalten:

In einem Interview mit dem Geisterspiegel hat der Autor Andreas Zwengel auf eine Frage hin eine kurze Zusammenfassung seiner Kurzgeschichte „Blackout“ gegeben. Da es sich um eine Kurzgeschichte handelt, kann man sie schon fast als Exposé werten, aber mit deutlichen Elementen des Pitchens.

Es ist jedenfalls in meinen Augen ein überaus gelungenes Beispiel, wie man seine Geschichte überzeugend anbieten kann, denn sie ist auf den Punkt  gebracht und macht sofort neugierig. Natürlich präsentiert sie auch eine überaus originelle Idee, aber die Kunst ist es eben, diese Originalität auch in die Präsentation zu transportieren.

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas, darf ich euch dieses geniale Beispiel hier präsentieren:

Sie handelt von dem genialen wie chaotischen Detektiv Hauser, einer Mischung aus Monk und Dude Lebowski, der einen Fahndungserfolg so ausgiebig feiert, dass er bei der Pressekonferenz den Namen des Täters vergessen hat und den Fall vor laufenden Kameras noch einmal lösen muss.

Was heißt „in den Buchhandel“?

Meines Wissens zum zweiten Mal kooperiert Tchibo mit BOD. Auch das aktuelle Angebot ist eigentlich eine nette Sache.

Der Tchibo-Kunde kann für 39,90 Euro einen Gutschein erwerben, mit dem er sein eigenes Buch bei BOD in Auftrag geben kann.
Vielleicht um endlich mal die gesammelten eigenen Rezepte in eine ansprechende Form bringen zu können, um sie zu verschenken. Oder um eine gedruckte Familienchronik anzulegen. Schön wäre es auch, die eigenen Gedichte endlich mal zwischen echten Buchdeckeln wiederzufinden. Und möglicherweise freut sich die Familie auch über einen Krimi oder eine Fantasygeschichte, die man sich ausgedacht hat.

Ja, wenn alles gut geht, springt vielleicht sogar ein neuer Bestseller dabei raus, der die Ladentische in den Buchhandlungen neu befüllt! Nicht nur, dass Tchibo das ausdrücklich als Möglichkeit einschließt, sie erklären sogar, wie das funktioniert. In dem Angebot heißt es nämlich:

„Wir bringen Ihr Buch in den Buchhandel!
Nach der Freigabe Ihres Titels sorgen wir dafür, dass er flächendeckend im deutschsprachigen Buchhandel mittels einer ISBN-Nummer erhältlich ist.“

Mehr noch:

„Ihr Bucherfolg mit null Abwicklungsaufwand! Wir bringen Ihr Buch zum Leser, indem wir die Abwicklung mit dem Buchhandel erledigen. Sie erhalten dann für jedes verkaufte Exemplar das volle Honorar.“

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Mit diesen Zitaten ist rechtlich alles in Ordnung. Der Kunde bekommt nicht weniger (und nicht mehr) als auf der Verpackung draufsteht.

Allerdings wird hier beim eher unbedarften Kunden eine Hoffnung geschürt, die eben doch zumindest realitätsfern ist. Der dürfte nämlich schnell mal „Buchhandel“ mit „in den Buchläden“ verwechseln und „erhältlich“ mit vorrätig“.

Tatsächlich ist ein Buch, sobald es eine ISBN besitzt, überall im Land und im Internet bestellbar, aber damit es bestellt wird, müssen die Leser erst einmal davon wissen.
Ein lieber Kollege brachte in etwa den folgenden Vergleich: Es wäre dasselbe, wenn ich dir anbieten würde, dass jeder, der mich von sich aus deswegen anruft, deinen Müll bei mir kaufen könnte, und behauptete, ich hätte damit deinen Müll in den Handel gebracht.

Ein bisschen drastisch sicher der Vergleich, aber Übertreibung macht ja bekanntlich anschaulich.

Nun sagte ich zu Beginn, es sei doch eigentlich ein nettes Angebot. Und das meine ich auch so, denn für jeden, der keine weitergehenden Ambitionen hat oder zumindest das Angebot, seinen Nutzen und seine Schwächen genau einschätzen kann, entspricht es im Wesentlichen BOD Classic (ebenfalls 39,90) und ist damit ein faires Angebot.

Schade ist nur, dass BOD, bisher eigentlich als fairer Dienstleister, der mit offenen Karten spielt, geltend, durch derartige Werbestrategien in ein Licht gerückt wird, in dem auch die schwarzen Schafe der Branche, die Pseudoverlage stehen. Das hätte man dort eigentlich nicht nötig.