LesBar: das versprechen

LesBar, Foto: Anneka
LesBar, Foto: Anneka
LesBar
(Foto: © Anneka)

ich
habe den hahn aufgedreht
sehe mit einem grinsen
den ersten tropfen
dem folgt ein strahl
spült mir die grinsenden lippen
aus dem nassen gesicht
der strom reißt mich fort
höre meine lippen aus der ferne
schreien
hilfe
wehre mich
rudere zurück
um atem ringend
finde meine lippen
verstummt
verräterisch
es war nur ein versprecher

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LesBar: hoffnung

LesBar, Foto: Anneka
LesBar, Foto: Anneka
LesBar
(Foto: © Anneka)

die füße bis zum hals im wasser
tropft der kragen nass
die augen geradeaus noch besser
ein stückchen aufwärts klar

die sicht nach vorn und oben
klammert sich mit macht
und streben an die glitzerspitze
des eisbergs der geschmolzen ist

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LesBar: Küstrinchen bei Nacht

Durch dunkle Stille kräuselt leise
und schimmerlos der seichte Bach,
geheimnisvoll auf diese Weise
steigt Nebel in das Blätterdach.

So undurchdringlich, schwarz und finster
erschien mir nirgends sonst die Nacht,
schon spinnt das Dunkel mir Gespinster
und ungesehn ein Steinkauz lacht.

„Kuwitt, komm mit, auf dunst’gen Wegen!“
Küstrinchens Bach, der lädt mich ein,
zu folgen seinem Lauf entlegen,
die Düsternis schluckt Mondes Schein.

Und doch, ich hör das Blesshuhn bellen
und schreie schweigend es hinaus:
die Dunkelheit kann nur erhellen,
solch Zauber fehlt der Stadt zu Haus.

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LesBar: zeit

tränendes tropfen
in den abfluss
fließt dahin wo
im rauch sich
auflöst
der gehöhlte stein

schleichende schnecke im
rasen einem schnellzug
gleich der wenige halt
los strecke die
hände greifen ins
nichts fassbar

flatternden vogels
fliehendes fliehen halte
die käfigtür lockend
und schmeichelnd
schlüpft durch die stäbe
lässt sich nicht fangen

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LesBar: gestrüpp

frei von plänen gefangen im gestrüpp der
straßen treibe ich endlos und kopflos
watend im nebel der toten gesichter
suchend im meer auf den lippen das wer

rettet mich der ich schleiche und gehalten
werde von ketten mit trauernden gliedern
schlepp ich mich ziellos bereisend die nächte
dunkeln die stadt des betons und der alten

frei von hoffnung im schimmer ich sehe
reckt zum himmel sich letzte laterne
einsam verlässt mich mein fliehender schatten
sehnsucht verfolgt ihn und aufwärts erspähe

ich aphrodite ihr strahlend gesicht
ich winde und strecke mich zu ihrem licht
mit scharfen dornen ihr grausames lachen
freudig erwachendes leben ersticht

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Verdichtet

Nachdem es nun schon eine Weile umgezogen ist, sei mir erlaubt, an dieser Stelle auf mein Gedichte-Blog „Der Verdichter“ hinzuweisen.

Dort poste ich in unregelmäßigen Abständen meine hin und wieder bebilderten mehr oder weniger lyrischen Versuche. Vielleicht gefällt euch ja der eine oder andere davon.