Biografische Unterstützung in Dialogen

Heute geht es um einen eher speziellen Fall, mit dem ich selbst gerade zu tun hatte, der aber möglicherweise vielen Schreibenden schon untergekommen ist.

Stellen wir uns vor, wir brüten gerade über einer Szene, die eigentlich ein klares Ziel hat und zu der uns dennoch nicht so richtig etwas einfallen will. Das Problem ist der Dialog.

Ein ganz konkretes Beispiel: Sagen wir, wir haben einen Prota, der vor einiger Zeit von seiner Freundin verlassen wurde. Nun hat er ein Date mit einer anderen.

Wir wollen im Verlauf der Szene zeigen, dass der Prota allen guten Vorsätzen zum Trotz noch immer an seiner Ex hängt. Etwa indem er seine Datepartnerin ständig mit ihr vergleicht, im Gespräch immer wieder an vergangene Situationen mit der Ex denken muss usw.

Schön und gut. Klar ist, das Ziel, das wir mit der Szene verfolgen, ist vollkommen losgelöst vom Dialog, den die beiden führen werden. Denn in der Regel wird sich der Prota mit seinem Date nicht über seine Ex unterhalten. Schon gar nicht mit dem Ziel, gemeinsam Klarheit über seine Gefühle zu erhalten. Dieses Ziel ist ein unterschwelliges, das an den Leser gerichtet ist.

Worüber aber werden sich die beiden unterhalten? Da sitzt man als Autor dann manchmal, will einen pointierten Dialog schreiben, überlegt, worüber man sich selbst denn so bei ersten Dates unterhalten hat, sucht nach Möglichkeiten, dabei das Ziel der Szene nicht aus den Augen zu verlieren usw.

Der Leser soll sich ja nicht bei irgendeinem belanglosem Flirtgeplänkel langweilen.

Hier (und in anderen Szenen, bei denen man dasselbe Problem hat) ist die Biografie der Figuren ein guter Schlüssel zum Erfolg. Ob es die berufliche Karriere, besondere Erlebnisse, die Familie oder Wünsche und Vorhaben sind – solche Dinge eignen sich hervorragend für ein Gesprächsthema.

Natürlich wählt man solche Dinge aus, die auch für den Leser neu und hoffentlich von Interesse sind. Gut lassen sich hier Infos streuen, die später noch von Bedeutung sind.

Allerdings muss man dennoch vorsichtig sein. Es droht der Infodump! Ein solcher Dialog muss mit viel Fingerspitzengefühl gestaltet werden, damit er einerseits den Anschein der Natürlichkeit wahrt, andererseits im Sinne des Szenenziels von Bedeutung bleibt.

Also immer das eigentliche Ziel im Hinterkopf haben und so weit als möglich mit jedem Satz, jedem Wortwechsel auf dieses Ziel hinarbeiten. Anders gesagt, die Entwicklung des Szenenkonflikts hat weiter absolute Priorität.