Der Minitipp: Angst

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Der Minitipp, Foto: Pixabay
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Wenn du dir nicht sicher bist, wie sich deine Figur verhalten wird, frage sie nach ihren Ängsten.

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Schon überarbeitet? Pausen machen

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Schon überarbeitet?
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Tippi, die ihr vielleicht noch aus früheren „Schon überarbeitet?“-Artikeln kennt, hat im Unterschied zu mir keine Zeit vergehen lassen. Als der ebenfalls bekannte Herr Schultertipper ihr von den möglichen drei Überarbeitungsschritten erzählt hatte, in denen sie sich nacheinander um Inhaltliches, Stilistisches und Grammatikalisches kümmern könnte, wollte sie sich sofort an die Arbeit machen.

„Stopp!“, rief da der Schultertipper. „Warum so eilig?“
Tippi aber wunderte sich, was der Kerl gegen ihren Arbeitseifer haben könnte. Der wiederum erklärte ihr, sie müsse zunächst einmal eine Pause einlegen, den Text, den sie doch gerade erst geschrieben habe, ruhen lassen, Abstand gewinnen. So viel wie möglich (wenigstens ein paar Tage, besser ein paar Monate), falls nicht viel Zwingenderes als die eigene Ungeduld dem im Wege stünde.

Es ginge darum, dem Text mit so fremdem Blick wie nur möglich wiederzubegegnen, damit sie nicht mehr lese, was sie schreibend gemeint habe, sondern nur, was dort tatsächlich stehe. Dieser Schritt, die Pause für den Text, sei wichtiger Bestandteil der Überarbeitung und auf keinen Fall zu vernachlässigen. Tatsächlich könne man ihn im weiteren Verlauf gern noch einige Male wiederholen, etwa vor jedem weiteren Überarbeitungsschritt.

Ihre Ungeduld, sagte er Tippi, als er die Enttäuschung in ihren Augen sah, könne sie am besten dadurch zügeln, indem sie sich inzwischen einem anderen Text widme: einem, der noch geplant, geschrieben oder nach seiner Pause nun überarbeitet werden müsse.

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Schon überarbeitet? Die drei Durchgänge

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Schon überarbeitet?
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Man nimmt sich ja immer so viel vor. Und dann bleibt beinahe noch mehr liegen. So wie die Artikelreihe zum Überarbeiten, deren letzter Artikel vor fast einem Jahr erschienen ist. Immerhin, wie lang her auch immer, ich versuche meist, die Dinge zu Ende zu bringen. Und damit steht hier der dritte Teil der Reihe „Schon überarbeitet?“ an.

In den bisherigen Teilen hatte ich euch Schreiberline Tippi vorgestellt, die sich von dem wunderlichen Herrn Schultertipper einiges hatte sagen lassen müssen, was die abschließende Überarbeitung ihres Manuskriptes anging. Seufzend hatte sie zur Kenntnis genommen, dass es wohl mit ein paar Korrekturen nicht getan wäre, drängte dann aber darauf, zu erfahren, womit sie denn also beginnen solle.

Herr Schultertipper verwies nun darauf, er habe ja bereits einmal von mindestens drei Überarbeitungsdurchgängen gesprochen. Und das aus gutem Grund, ginge es doch im Wesentlichen um drei Aspekte, die bei der Überarbeitung zu prüfen seien:

  1. inhaltliche,
  2. stilistische und
  3. grammatikalische.

Schultertipper schlug vor, sich zuerst um alles Inhaltliche zu kümmern. Erst, wenn es dort nichts mehr zu tun gebe, könne Tippi sich damit beschäftigen, den bestmöglichen Ausdruck dafür zu finden, um schließlich zu kontrollieren, dass dieser fehlerfrei umgesetzt sei. Jeder der drei Aspekte fördere meist noch einiges an Arbeit zutage, weshalb die Bearbeitung möglichst gründlich und in Ruhe durchzuführen sei.

Und dennoch, so wandte er selbst ein, könne sein Rat im besten Falle Richtlinie sein. Und er wiederholte, dass jeder Autor und jede Autorin anders sei. Manchen ginge es etwa besser damit, bei jeder Überarbeitung auf alle Aspekte gleichzeitig zu achten, und sei es nur, weil es ihnen nicht gelänge, einen davon auszuklammern. Auch, ob jemand weniger oder mehr Durchgänge brauche, sei nicht nur von Autor*in zu Autor*in verschieden, sondern hänge natürlich auch von den Erfordernissen des jeweiligen Werkes ab.

Wichtig sei vor allem, offen zu sein. Wer von vornherein die Erwartung mitbringt, es würden sicher nur ein paar Kleinigkeiten auszubessern sein, verschließt seinen Blick womöglich vor dickeren Patzern. Und solche könnten uns schon im nächsten Teil begegnen.

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Schon überarbeitet? Wie lang denn noch?

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Schon überarbeitet?
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Ich fühle mich fast schon wie George R. R. Martin, so lange wie ihr jetzt schon auf den zweiten Teil der Reihe „Schon überarbeitet?“ warten musstet. Aber adeln wir mich nicht unnötig, sondern legen lieber gleich los, schließlich ist Zeit knapp. Und genau darum soll es in diesem Teil gehen, um Zeit, also darum, wie lange man sein (doch eigentlich schon fertiges) Werk überarbeiten sollte.

Dass eine Überarbeitung mehr ist als eine Fehlerkorrektur, hat der seltsame Schultertipper im ersten Teil schon behauptet, als er Autorin Tippi zur Seite stand. Dann hat er lauter Dinge heruntergerasselt, bis Tippi fürchtete, sie werde ihren Roman länger überarbeiten, als sie überhaupt daran geschrieben hat. Tja, was glaubt ihr, hat da der Schultertipper geantwortet? Er hat mit den Schultern gezuckt. Wohlgemerkt mit seinen eigenen. „Kann passieren“, hat er noch gesagt, und dass alles davon abhänge, welcher der unendlich vielen Autorentypen sie sei, und welche Arbeitsweise sie bevorzuge.

Es gäbe da diejenigen, die keinen Satz schreiben könnten, ohne ihn nicht zwanzigmal im Kopf hin und her gewendet zu haben, bis sie zufrieden seien. Die wären zwar beim Schreiben nicht besonders schnell, aber das, was dann auf dem Papier stünde, sei bereits so perfekt, dass vielleicht schon ein einmaliges Drüberlesen ausreiche, mehr um sicherzugehen. Die akribischen Planer leisteten oft eine so gute Vorarbeit, dass sie am Ende wenigstens vor gröberen Schnitzern gefeit seien. Vielleicht wäre sie aber auch eine derjenigen, die sich beim Schreiben eher treiben lassen und in einer entsprechend längeren Überarbeitungsphase überhaupt erst einmal schauen müssen, was dabei eigentlich herausgekommen ist. Schließlich führte er noch – ohne dabei auch nur im Geringsten die Nase zu rümpfen – diejenigen an, die von vorneherein und ganz bewusst in der Schreibphase jeden inneren Zensor/Lektor ausschalteten und quasi gezielt auf eine zu überarbeitende Rohfassung hinschrieben.

Eine Überarbeitung am Ende, so der Schultertipper, werde man kaum umgehen können, aber wie umfangreich die ausfalle, hänge eben unter anderem von der Überarbeitung ab, die man bereits beim Schreiben vollzogen, und der Vorbereitung, die man schon vor dem Schreibprozess geleistet habe. Am Ende gleiche sich das wahrscheinlich mehr oder weniger aus. Und letztlich zähle sowieso nur das Ergebnis.

Tippi nickte, war aber doch nicht ganz zufrieden, sehnte sich nach Anhaltspunkten. „Überarbeite dein Manuskript in mindestens drei Durchgängen“, sagte der Schultertipper. „Wenn du die Zeit hast, lass es zwischendurch ein paar Wochen liegen. Wenn du nach der letzten Überarbeitung nicht mehr weißt, was du noch besser machen könntest, gib dein Werk an Testleser, damit du es später hinsichtlich ihrer Anmerkungen erneut überarbeiten kannst. Und vergiss, während du diese Punkte abarbeitest, nie, dass nur das Ergebnis zählt!“

„Okay, nur eines noch“, sagte Tippi. „Womit soll ich beginnen?“ Der Schultertipper seufzte und vertröstete sie auf das nächste Mal.

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Schon überarbeitet? Worum geht’s?

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Schon überarbeitet?
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Im ersten Teil der Reihe „Schon überarbeitet?“ soll es darum gehen, was es denn überhaupt so zu überarbeiten gibt, wenn der Roman (oder auch die Kurzgeschichte, die Biografie, der Ratgeber) erst einmal geschrieben ist. Schließlich sind nicht wenige der fleißigen Schreiber und (wie in diesem fiktiven Fall) Schreiberinnen der Meinung, sie hätten sich mit dem Erdenken und Verfassen der Geschichte schon genug überarbeitet. Was soll da also jetzt noch kommen?

„Fehler korrigieren“, werden einige einwerfen, um gleich darauf anzufügen, dass man da ja immer noch was findet. Und die Autorin wird, wenn sie sich denn fit genug in der Rechtschreibung und Zeichensetzung fühlt und solch niederes Handwerk nicht von vornherein der (ebenso fiktiven) Lektorin überlässt, verstehen und froh sein, dass sie jetzt weiß, was zu tun ist.

Doch gerade hat sie sich (erneut) ans Werk gemacht, da tippt ihr ein anderer auf die Schulter und fragt, ob eben dieses Werk denn schon so weit sei, dass der letzte Schritt getan werden könne. Der letzte Schritt? Klar, es ist geschrieben, nun wird es überarbeitet. Aber die Korrektur sei doch nur der letzte Schritt der Überarbeitung, behauptet der Schultertipper, was die Schultergetippte ein bisschen aus der Fassung bringt, da sie jetzt wieder nicht weiß, was zu tun ist.

Der Schultertipper trommelt inzwischen ungeduldig mit den Fingern auf der Getippten (nennen wir sie fortan Tippi) Schreibtisch herum und fragt, ob sie sich denn sicher sei, dass inhaltlich alles passe.  Dass logisch alles nachvollziehbar sei, die Handlung gleichermaßen stringent und spannend. Ob die Figuren sich entwickelten und dabei glaubhaft agierten. Ob dabei ein Ziel verfolgt und nicht aus den Augen verloren werde. Ob Tippi überprüft habe, wo sie eventuell mehr als nötig oder weniger als notwendig geschrieben habe. Und ob ihr jemand vorwerfen könne, sie habe hier und dort nicht gründlich genug recherchiert. Ob der von ihr eingesetzte Erzähler alles richtig mache. Ob die Dialoge stimmig und die Figurenstimmen passend seien. Ob die Sprache reich an Variation und arm an Wiederholung sei. Ob die Formulierungen immer ideal, anschaulich, effizient, passend, unmissverständlich und frei von Stilblüten seien. Ob …

Der Schultertipper fragt weiter und weiter, bis Tippi sich die Ohren zuhält. Wie lang soll denn das dauern? Das, so der Schultertipper, der seinen wahren Namen nicht verrät, soll Thema des nächsten Teils der Reihe sein. Bis dahin sei es nicht verkehrt, mindestens einmal tief durchzuatmen.

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Der Minitipp: Reisebüro

© RainerSturm / pixelio.de
© RainerSturm  / pixelio.de
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Wenn du eine Geschichte schreibst, schickst du deine Leser auf eine (Abenteuer-) Reise. Dabei ist der Weg das Ziel. Aber: Art und Richtung der Reise legst du schon auf den ersten Seiten fest. Auch sollten die Leser bald wenigstens ungefähr wissen, wo die Reise hinführt. Und was erreicht werden muss, damit die Reise ein Ende hat. Damit bekommen sie auch ein Gespür dafür, wenn du ihnen kein guter Reiseführer bist und oft vom Wege abkommst, die Reise unnötig verzögerst oder eine ganz andere Richtung einschlägst. Also plane die Reise gut. Du musst dich auskennen, um die Mitreisenden nicht zu enttäuschen.

Schon überarbeitet?

Foto: © grafvision
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Schon überarbeitet?
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Eines dürfte weitestgehend unstrittig sein (wenn es sich auch noch nicht bis zu jedem rumgesprochen zu haben scheint): Ein Manuskript ist noch nicht fertig, wenn man das letzte Wort geschrieben hat. Es muss überarbeitet werden, was nicht selten den Schwierigkeitsgrad des Niederschreibens noch übertrifft. Aber wie macht man es richtig? Und gibt es überhaupt ein Richtig und ein Falsch? Sicher gibt es ein Zuwenig, aber auch ein Zuviel?

Mit diesen und ähnlichen Fragen soll sich die Reihe „Schon überarbeitet?“ befassen, die ich vorhabe, demnächst in diesem Blogtheater starten zu lassen. Wie immer bin ich selbst gespannt, was dabei hinter dem Vorhang hervorkommt.

  1. Worum geht’s?
  2. Wie lang denn noch?
  3. Die drei Durchgänge
  4. Pausen machen

Der Minitipp: Getrieben

© Thomas Max Müller / pixelio.de
© Thomas Max Müller  / pixelio.de
© Thomas Max Müller / pixelio.de

Während der Plot einer Geschichte von der ständigen Suche nach der Antwort auf die Frage „Was wäre, wenn …?“ getrieben ist, suchen die Figuren innerhalb dieses Plots stets aufs Neue die Frage „Was tätest du, wenn …?“ zu beantworten.

Entern: Zeilen dichten

Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern
(Foto: © Patryk Kosmider)

Mit diesem Beitrag schließe ich die Reihe „Entern“ ab. Noch einmal zur Erinnerung, es ging einfach um die verschiedenen Anlässe, in einem Prosa- oder Lyriktext die Entertaste zu drücken.

Und die nutzt man natürlich auch, wenn man am Ende einer Gedichtzeile angekommen ist. Allerdings – wer den Artikel „Strophilieren“ gelesen hat, weiß es bereits – nicht allein. Zumindest dann nicht, wenn man die für ein Gedicht empfehlenswerten Einstellungen des Textprogramms verwendet, um nicht jede einzelne Zeile zu einem eigenen Absatz werden zu lassen.

Dazu stellt man in der Absatzformatierung ein, dass nach einem Absatz ein gewisser (sichtbarer) Abstand folgt. Idealerweise entspricht der in etwa einer Zeile (also bei einer 12-Punkt-Schriftgröße 12 Punkt), gern auch weniger, besser nicht mehr. Betätigt man nun einmal die Entertaste, springt der Cursor um den entsprechenden Abstand weiter, sodass man am Ende eines Strophe nur einmal „entern“ muss.

Um eben diesen Abstand zwischen zwei Zeilen innerhalb einer Stophe zu vermeiden, hält man am Ende einer Zeile beim „Entern“ die Umschalttaste gedrückt.

Übrigens gilt das auch oft im Internet, etwa beim Texteditor von WordPress:

Wer mit WordPress dichten will
achte auf die Zeilen,
drückt beim Entern leis und still
Umschalt, dann nicht eilen,

neue Strophe, lass sie weg,
nur die Entertaste,
die erfüllt dann ihren Zweck,
und ’nen Abstand haste.

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Der Minitipp: Worum gehts?

Ex-Posé

Ex-PoséWer ein gutes Exposé schreiben will, legt am besten als Erstes die Frage „Was passiert?“ ganz weit weg. Er greift sie überhaupt nur und erst dann wieder auf, wenn er damit der Antwort auf die eigentlich entscheidende Frage „Worum geht es?“ noch zusätzliches Leben einhauchen kann.

Entern: Strophilieren

Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern, Foto: Patryk Kosmider
© Patryk Kosmider

Mann, Mann, Mann! Was hab ich mir denn da wieder gedacht? In der Entern-Reihe das Thema „Strophe“ aufzunehmen? Jeder weiß doch, was eine Strophe ist, ob nun im Lied oder im Gedicht. Und weil der Dichter frei ist, eine klassische Stophenform zu wählen oder eigene Regeln zur Unterteilung seines lyrischen Textes in eine oder mehrere Strophen anzuwenden, bleibt letztlich nicht viel mehr zu sagen, als dass es sich bei einer Strophe um eine metrische Einheit oberhalb des Verses handelt. Mehrere Verszeilen (mindestens zwei) werden zu einer Strophe zusammengefasst und auf diese Weise, so es sich nicht um einen einstrophigen Text handelt, von weiteren Strophen unterschieden.

Auch ist klar – schon der Begriff „Einheit“ legt es nahe –, dass Strophen idealerweise Regelmäßigkeiten aufweisen in Metrum, Reim, Versart, Verszahl und/oder Verslänge, häufig verbunden mit der inhaltlichen Struktur des Textes. Ob man dort, wo auch in dieser Hinsicht vollkommen frei gedichtet wird, noch von Strophen sprechen will, sei hier mal nicht diskutiert.

Bleibt also nur noch der Ordnung halber und im Bezug auf den Reihentitel festzuhalten, dass der Dichter, der ins Textprogramm tippt, am Ende einer Strophe natürlich die Entertaste drückt. Empfehlenswerter Weise nur einmal (so keine anderen Vorgaben diese Empfehlung außer Kraft setzen). Dazu stellt man im Programm eine Absatzformatierung ein, die nach einem Absatz einen sichtbaren Abstand lässt. Drückt man nun einmal die Entertaste, wird dieser Abstand automatisch gesetzt. Die Verszeilen, die ja keine eigenen Absätze darstellen, beendet man, um eben den Abstand zu vermeiden, nun mit einem Zeilenumbruch, indem man die Umschalttaste gedrückt hält, wenn man die Entertaste drückt.

Mehr gibt es in dieser Rubrik dann wirklich nicht zur Strophe zu sagen. Strophiliert schön.

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