Kurzes 2010

Wie im vergangenen Jahr wird auch 2010 kaum ein Kurzprosatext oder Gedicht von mir das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Das gilt zumindest für den Printbereich und hat natürlich damit zu tun, dass meine Aufmerksamkeit sich seit 2008 hauptsächlich auf längere Texte richtet. Ausschreibungen, an denen ich mich vorher häufig beteiligt habe, sind aus Zeitgründen für mich jetzt weitestgehend tabu.

Immerhin stehen dieses Jahr noch wenigstens 1 – 2 Kurzgeschichtenveröffentlichungen an,  eine weitere bietet sich an. Langfristig hoffe ich, auch zukünftig immer mal wieder mit Kurzem zu überzeugen.

Grenzüberschreitungen im Tauland bis 01.08.10

Originaltext: http://tauland-verlag.de/?page_id=6

Der tauland-verlag lobt dieses Jahr einen literarischen Wettbewerb unter dem Titel GRENZ|ÜBERSCHREITUNGEN aus.

Willkommen sind Prosatexte von 10-25 Normseiten (30 Zeilen à 60 Anschlägen, ca. 1500 Zeichen pro Seite). Unter den Zusendungen werden sieben Texte von einer Jury ausgewählt. Die Mitglieder der Jury sind:

* Anna Kemper, Journalistin (Tagesspiegel, Berlin)
* Tina Gintrowski, Autorin (Auszeichnungen u.a.: Open Mike Preisträgerin 2007)
* Christoph Danne, Verleger
* Rodion Ebbighausen, Verleger

Alle sieben Texte werden gemeinsam in einem Buch veröffentlicht, wobei ein Text besonders ausgezeichnet wird. Der Gewinner/die Gewinnerin erhält ein Preisgeld von 250 Euro. Außerdem wird er zu einer vom tauland-verlag organisierten Lesung in Köln eingeladen. Anreise, Kost und Logis werden vom Verlag übernommen.

Die Manuskripte sind postalisch in dreifacher Ausfertigung an folgende Adresse zu übersenden:

tauland-verlag
Neusser Wall 4
50670 Köln

Stichwort: GRENZ|ÜBERSCHREITUNGEN

Die Manuskripte werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Bitte verwenden Sie das Formular für Manuskripteinsendungen (http://tauland-verlag.de/wp-content/uploads/2009/11/Formular-Manuskripte.pdf), um Ihre Adresse und Mail anzugeben. Eine Rückantwort, auch an die Gewinner, wird nur per Mail versendet.

Das Wichtigste für die Teilnehmer im Überblick:

Teilnahmebedingungen:
Der Literaturpreis des tauland-verlags wird in der Gattung Kurzgeschichten zum Thema GRENZ|ÜBERSCHREITUNGEN ausgeschrieben. Die Teilnahme steht allen Autorinnen und Autoren deutscher Sprache offen.

Form der Einreichung:
Jeder Teilnehmer darf nur einen Text einreichen. Der Text sollte 10-25 Normseiten (einseitig gedruckt, 30 Zeilen à 60 Anschlägen pro Zeile) umfassen. Der Text ist postalisch an o.g. Adresse unter dem Stichwort “GRENZ|ÜBERSCHREITUNGEN” zu senden. Die Beiträge müssen selbstverständlich selbst verfasst und in deutscher Sprache sein. Bitte fertigen Sie den Text in drei Kopien aus.

Einsendeschluss ist der 1. August 2010.

Juristisches:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versichern, ihre eingesandten Werke bis zum Tag der Preisverleihung in keiner Form zu veröffentlichen. Einmal eingereichte Werke können nicht vom Wettbewerb zurückgezogen werden. Ein Anspruch auf eine persönliche Bewertung der Texte besteht nicht.
Ferner besteht über die ausgelobten Preise hinaus kein Anspruch auf Vergütung. Die Teilnehmer versichern darüber hinaus, dass die eingesandten Werke keine Rechte Dritter verletzen. Sie ermächtigen – ohne Verletzung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten – die Veranstalter zur Veröffentlichung der Arbeiten und Kurzdarstellungen ihrer Person.
Mit der Teilnahme am Wettbewerb erkennen die Autorinnen und Autoren die oben genannten Wettbewerbsbedingungen an. Im Falle nicht ausreichender literarischer Qualität der eingegangenen Beiträge behält sich der Verlag das Recht vor, von der geplanten Publikation zurückzutreten.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Lektoratsfalle

Der letzte Blick. Nach unzähligen Überarbeitungsdurchgängen lässt man sein Manuskript endlich los. Auf geht’s ins Lektorat. Abgehakt.

Dabei weiß man es doch genau: Es kommt wieder zurück. Mal mehr, mal weniger bunt und umfangreich kommentiert. Kein Problem, denn nun soll man doch eigentlich nur die Anmerkungen des Lektorats umsetzen.

Dann fängt man doch wieder an, den gesamten Text zu lesen. Findet hier etwas und da etwas … Dinge, die das Lektorat gar nicht stören, aber den eigenen Ehrgeiz.

Dennoch heißt es kühlen Kopf bewahren und es besser mit Kleinigkeiten bewenden lassen. Sonst geht ja das Ganze wieder von vorne los …

Ich habe mich zusammengerissen.

Kinder und Jugend bis 06.07.10

Peter-Härtling-Preis für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Weinheim

Originaltext, siehe: www.beltz.de/haertling

Ausschreibung zum 15. Peter-Härtling-Preis

Der Verlag BELTZ & Gelberg und die Stadt Weinheim laden auch in diesem Jahr wieder Autorinnen und Autoren ein, sich mit einem bisher unveröffentlichten Text um den Peter-Härtling-Preis 2011 zu bewerben.

Gesucht werden Manuskripte für ein Kinder- oder Jugendbuch in deutscher Sprache für LeserInnen im Alter von 10 bis 15 Jahren. Eingereicht werden können Prosatexte, die sich erzählend, unterhaltend, poetisch und phantasievoll an der Wirklichkeit der Kinder oder Jugendlichen orientieren. Bilderbuchtexte, Gedichte und ähnliche Kurztexte können nicht berücksichtigt werden.

Die seit 1984 alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung wird von der Stadt Weinheim gestiftet und gemeinsam mit BELTZ & Gelberg verliehen.

Der Peter-Härtling-Preis ist mit 5.555 Euro dotiert. Der Verlag BELTZ & Gelberg hat eine Option auf die Erstveröffentlichung und bietet an, das prämierte Manuskript als Buch herauszubringen.

Die Jury setzt sich zusammen aus:

* Peter Härtling, Autor
* Barbara Gelberg, Lektorin Beltz & Gelberg
* Dr. Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung
* Prof. Susanne Krüger, Hochschule der Medien Stuttgart
* Dietmar Pfennigschmidt, Stadt Weinheim
* NN, BuchhändlerIn

Einsendeschluss ist der 6. Juli 2010.

Eine Jury entscheidet im Herbst 2010 über den Preisträger. Die Preisvergabe erfolgt im Mai 2011.

Teilnahmebedingungen:

  • Bewerben können sich Autorinnen und Autoren mit einem Prosamanuskript in deutscher Sprache, das sich an Leserinnen und Leser von 10-15 Jahren richtet. Der Roman/die Erzählung muss bisher unveröffentlicht sein und darf noch nicht unter Vertrag stehen.
  • Eingereicht werden können Prosatexte, die sich erzählend, unterhaltend, poetisch und phantasievoll an der Wirklichkeit der Kinder oder Jugendlichen orientieren.
  • Das Manuskript muss einen Mindestumfang von 80 DIN-A4-Normseiten (60 Anschläge x 30 Zeilen) haben und darf den Höchstumfang von 200 Seiten nicht überschreiten. Berücksichtigt werden ausschließlich ausgedruckte Seiten; Einreichungen in Form von Disketten, CDs oder als Datei per Mail sind für den Preis nicht zugelassen.
  • Wichtiger Hinweis: Um die Neutralität der Bewertung sicherzustellen, darf das Manuskript nicht mit Namen und Adresse des Autors gekennzeichnet sein, sondern nur durch ein Stichwort. Name und Absenderangabe sind in einem verschlossenen Umschlag beizufügen, der außen mit dem gleichen Stichwort versehen ist.
  • Einsendeschluss ist der 6. Juli 2010 (Datum des Poststempels)
  • Einsendungen können ab sofort an folgende Adresse geschickt werden:

Peter-Härtling-Preis für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Weinheim
z. Hd. Frau Susanne Härtel
Kellerstr. 9
81667 München

  • Manuskripte, die den Teilnahmebedingungen nicht entsprechen, können für den Preis nicht berücksichtigt werden. Die Benachrichtigung der Teilnehmer erfolgt in jedem Fall, voraussichtlich im Oktober/November. Bitte sehen Sie von Rückfragen ab, über den Preisverlauf können keine Auskünfte erteilt werden.
  • Die Jury entscheidet im Herbst 2010 über den Preisträger. Die Preisvergabe erfolgt im Mai 2011.
  • Die Jury behält sich vor, den Preis gegebenenfalls zu teilen oder nicht zu vergeben, wenn keines der eingereichten Manuskripte als preiswürdig anerkannt wird.
  • Die Entscheidung der Jury ist auf dem Rechtsweg nicht anfechtbar; Korrespondenz über den Wettbewerb kann nicht geführt werden. Wir bitten um Verständnis, dass eingereichte Manuskripte aus Kostengründen nicht zurück geschickt werden. Der Autor, die Autorin können jedoch, wie im Verlagswesen üblich, eine Manuskript-Kopie für sich behalten. Der Verlag trägt Sorge dafür, dass die Manuskripte nicht in falsche Hände kommen.
  • Der preisgekrönte Text erscheint als Buch im Verlagsprogramm von BELTZ & Gelberg. Mit der Einreichung gewährt der Autor dem Verlag das Recht, das Manuskript zu den üblichen Vertragsbedingungen zu veröffentlichen.
  • Mit dem Einreichen des Textes erkennt der Autor, die Autorin die hier genannten Bedingungen an.

Mein Keller

Heute soll es nach langer Zeit mal wieder eine kurze Leseprobe von mir geben. „Mein Keller“ ist neben anderen Texten von mir und weiteren Autoren in der Anthologie „Rostocker Auslese – Lesebühne 2004“ erschienen.

Online kann man den gesamten Text auch bei BookRix lesen.

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Mein Keller ist mein Keller. Niemand außer mir hat das Recht, ihn zu betreten. Nicht jeder möchte es. Viele haben es schon versucht. Manche erhaschen einen kurzen Blick. Doch den wenigsten gewähre ich einen tieferen Einblick.

Selbst ich kenne nicht all seine verwinkelten Ecken und unergründlichen Tiefen, werde wohl nie jeden Winkel aufspüren können. Denn er ist groß und er reicht weit hinab. So bleibt er immer offen für neue Überraschungen und verschließt sich dem suchenden Blick.

Ja, verschlossen ist er, mein Keller, gut verschlossen. Nur ich habe den Schlüssel, der nicht immer passt und den ich oft nicht finde. Habe ich ihn bei mir, bin ich nicht immer sicher, ihn zu benutzen. Will ich ihn benutzen, fehlt mir hin und wieder die Sicherheit im Umgang mit ihm. Die Handhabung ist kompliziert.

Gelingt es mir, den Schlüssel im Schloss in der richtigen Weise zu betätigen, zögere ich meist, den ersten Schritt zu tun. Mal einen kurzen Moment, mal eine ganze Weile stehe ich dann vor der aufgeschlossenen Tür, bevor ich langsam die Klinke hinunterdrücke und die Tür so weit öffne, dass ich durch den entstandenen Spalt schlüpfen kann.

Nie weiß ich dann genau, was mich erwartet. Mal stehe ich einfach vor einer Wand, mal vor einer weiteren Tür, mal in einer dunklen Kammer, dann wieder in einem weiten Saal, den ich trotz seines trügerisch hellen Lichts kaum überblicken kann. Es kommt vor, dass ich nichts finde als einen absolut leeren Raum. Hier kann ich vieles hineinstellen, doch ob es dauerhaft dort bleibt und ob ich es je wiederfinde, wage ich nie vorauszusehen. Manchmal stürzen tausende von Dingen auf mich ein, die es mir unmöglich machen, sie zu ordnen. Selten finde ich mich zurecht.

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Rostocker AusleseJohanna Michallik (Hrsg.)
Rostocker Auslese – Lesebühne 2004
Taschenbuch, 239 Seiten
BS-Verlag, 2005
ISBN: 978-3899541274

Mit einem Vorwort von Philipp Bobrowski

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erstlingsWerk

Ich finde es immer schön, wenn ich von jemandem lese, der sich im Romanschreiben versucht. Besonders toll finde ich es, wenn sich dieser Jemand vorher und währenddessen ausgiebig Gedanken darum macht.

So bin ich heute auf das Blog „erstlingsWerk“ gestoßen. Lukas Klint schreibt dort Tagebuch über seinen Versuch, den ersten Roman zu schreiben. Ich kenne Lukas nicht, weiß auch nicht, ob er tatsächlich so heißt, aber es macht Spaß, ihm über die Schulter zu sehen.

Täglich, in der Regel von 9-12 Uhr, wandert Lukas mit seinem Laptop ins St. Oberholz – inzwischen hat man ihn dort in die Stammkundschaft aufgenommen – und werkelt an seinem Agentenbuch/Krimi/Thriller, wie er es nennt. Sowohl die Probleme als auch die kleinen Erfolgsmomente, die er dabei erlebt, dürften jedem Autor, ob noch in derselben Phase oder längst darüber hinaus, wohl bekannt sein.

Ich wünsche Lukas jedenfalls auch an dieser Stelle Durchhaltewillen und Erfolg. Außerdem viele Leser, zunächst für sein Blog, später vielleicht für seinen Roman.

Uferbefestigungen im Lionsclub bis 31.03.10

Förderpreis Lionsclub Hamburg-Moorweide

Der LC Lions Club Moorweide lobt zum fünften Mal einen Leser-Förderpreis für Autoren aus, die bislang nicht oder kaum veröffentlicht haben. Der Preis besteht aus 1.500 Euro und kann unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden, sowie Sachleistungen (Reise nach Hamburg zu einer Lesung, Übernachtung/Aufenthalt in Hamburg). Er wird vergeben für eine unveröffentlichte Kurzgeschichte zum Thema „Uferbefestigungen“.

Einsendeschluss ist  der 31. März 2010.

Der Text darf 11 Normseiten (30 Zeilen à 60 Anschläge) nicht überschreiten. Texte, die dieses  Kriterium nicht erfüllen, werden nicht berücksichtigt. Wir bitten um  Einsendung ausschließlich als Word Datei (Anhang zur E-mail) an die E-Mail-Adresse lc.moorweide@googlemail.com zusammen mit einer maximal vierzeiligen Vita. Wir bitten die Autorinnen und Autoren außerdem, dafür Sorge zu tragen, die E-Mail-Adresse während des Laufs der Ausschreibung auch weiterhin zur Verfügung zu halten. Wenn die Entscheidung gefallen ist, werden alle teilnehmenden Autoren und Autorinnen unterrichtet. Im Hinblick auf die sehr zahlreichen Einsendungen haben mehrfache E-Mail-Adresswechsel in der Vergangenheit zu einem erheblichen Verwaltungsmehraufwand geführt.

Und jetzt kommt  eine „Warnung“ an die Autoren und Autorinnen: Wir sind eine Jury aus beruflich sehr eingespannten Lesern und Leserinnen. Die vergangenen Ausschreibungen haben gezeigt, dass die Auswertung immer länger gedauert hat, als wir dies wollten. Wir lesen sorgfältig und besprechen das Gelesene in Gruppen und am Ende im Gesamtplenum. Beim letzten Mal – fast 500 Eingänge – hat der Entscheidungsprozess sich über fast ein Jahr hingezogen. Wir bitten also um Geduld und auch darum, von Rückfragen abzusehen. Wir können und werden sie nicht beantworten.

Unter den Einsendern werden möglicherweise weitere Beiträge für eine Anthologie ausgewählt. Jedenfalls haben wir bei den vier früheren Ausschreibungen mit ausgewählten Texten jeweils ein Buch veröffentlicht. Mit der Einsendung  erklären sich die Teilnehmer mit einer Veröffentlichung einverstanden. Die Rechte verbleiben selbstverständlich bei den Autorinnen und Autoren. Ein Honorar für die Veröffentlichung können wir nicht zahlen, aber jeder Autor/jede Autorin erhält ein Belegexemplar.

Wende nicht die Redewendung

Redewendungen kennen wir alle. Und sie gehören zu den sprachlichen Bausteinen, die von angehenden Autoren besonders gern benutzt werden, so jedenfalls meine Erfahrung aus dem Lektorat.

Hin und wieder könnte man darüber streiten, ob es eine besonders kreative Leistung ist, seinen Text mit altbekannten Wendungen zu spicken, aber das soll nicht Thema dieses Beitrags sein.

Viele dieser Redewendungen sind mehr oder weniger feststehend, daher lassen sie sich nicht beliebig verwenden und verwandeln. Tut man das, läuft man zumindest Gefahr, dass die übertragene Bedeutung, die eine Redensart in sich trägt, verlorengeht. Die Folge sind im Allgemeinen die so gefürchteten Stilblüten.

So will Peter eben nicht in Franks Haut stecken. Weder will er hinter seiner Haut stecken noch hinter seinem Gesicht. Möglicherweise will er nicht in seiner Kleidung stecken, dann aber im wörtlichen Sinn, weil sie ihm nicht gefällt.

Wer etwas unter den Tisch kehrt, will etwas verheimlichen, wer dagegen etwas unter dem Tisch kehrt, macht dort sauber, wenn auch nicht besonders gründlich. Man kann allerdings auch etwas unter den Teppich kehren, wer nun wiederum etwas unter den Schrank, den Stuhl oder den Schreibtisch kehrt, wird sicher nicht als Reinigungskraft eingestellt.

Wenn jemandem das Herz aufgeht, muss er nicht gleich auf den Operationstisch. Dabei sollte man es dann auch belassen, statt ihm sein Herz eingehen zu lassen, ihm verschiedene andere Dinge anzutun oder diverse andere Körperteile aufgehen zu lassen.

Kurz: Auch hier heißt es wieder: Mach dir bewusst, was du schreibst. Schlag die Redewendung lieber noch einmal nach. Das geht auch bequem im Netz, zum Beispiel auf redensarten-index.de.

Vor den Kulissen

Der Vorhang ging auf und der Blick wurde frei auf prächtig gestaltete Kulissen. Sie strahlten in allen erdenklichen Farben und wie um es zu betonen, geschah eine ganze Weile nichts anderes, als dass sie von den Bühnenscheinwerfern mal auf die eine, mal auf die andere Art beleuchtet wurden.

Mir erging es zunächst nicht anders als den anderen Theatergästen: Ich saß und staunte, welche Mühe auf die Kulissen verwendet worden war, die mit Recht und Stolz in dieses und jenes rechte Licht gerückt wurden.

Dann begann das Schauspiel. Die Darsteller traten auf, sprachen ihren Text und handelten danach. Doch konnte ich meinen Blick kaum von den Kulissen lösen. Die Mimen und ihr Spiel waren im Vergleich zu dem bunten Hintergrund nur in blasse Farben gewandet. Ihre Sätze sprachen sie nur leise, um den Eindruck der Kulissen nicht zu gefährden.

Aber mit der Zeit wurde mir das Bunt zu grell und zu aufdringlich. So zwang ich mich, dem Spiel zu folgen, das ja eigentlich im Vordergrund ablief. Ich blendete die Kulissen völlig aus und stellte erschreckt fest, dass nicht viel übrig blieb. Einige der Schauspieler sprachen gar nur über den so großartigen Bühnenaufbau. Und mir ging auf, es handelte sich bei dem dargestellten Spiel nur um die Kulisse der Kulisse.

Ich schaute durch die Reihen im Publikum und sah ein paar, denen dies in ähnlicher Weise Unbehagen bereitete wie mir. Andere aber starrten weiter gebannt und mit offenen Mündern auf das Farbenspiel.

Ich entschloss mich, das Theater frühzeitig zu verlassen. Und während ich mich von meinem Sitz erhob, fühlte ich mich an so manchen Historischen oder Fantasyroman erinnert.

Wie wird man eigentlich Lektor?

Im Prinzip ist das nicht schwieriger, als Autor zu werden.
Man geht herum und erzählt es jedem.
Kommt man dabei zufällig beim Finanzamt vorbei, erzählt man es dort auch, meldet sich als Freiberufler an und bekommt eine Steuernummer.

Was sagt uns das? Um Lektor zu werden braucht es keine Ausbildung. Die gibt es in diesem Sinne auch gar nicht. Und die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.

Will man nun mehr, als nur mit diesem schmucken Titel herumlaufen, muss man als nächstes andere davon überzeugen, dass hinter dem Titel mehr steckt, dass man ihn auch verdient.
Genau genommen hat man es als angehender Lektor da noch leichter als der Autor. Der muss immerhin mal einen Text verfassen, besser noch, ihn auch veröffentlichen.
Ist man gewitzt und vor allem dreist genug, schaut sich ein bisschen in einschlägigen Foren im Internet um, stehen die Chancen als noch unbeleckter Lektor gar nicht schlecht, jemanden von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und einen ersten Job an Land zu ziehen, ganz allein durch rhetorische Überredungskünste.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird es für denjenigen, der möglicherweise längerfristig als Lektor Geld verdienen möchte, allerdings wichtig, wenigstens ein bisschen sprachliche und literarische Kompetenz aufzuweisen. Je mehr, desto besser.

Wie und wo er sich die erworben hat, ist eigentlich egal. Allerdings führt das Fehlen einer direkten Lektorenausbildung eben gerade dazu, dass Referenzen sehr gefragt sind.
Da der Neuling die schwerlich bereits haben kann, macht es sich zumindest gut, wenn er die Liste mit einem Studium der Sprach- und / oder Literaturwissenschaft beginnen kann. Natürlich helfen auch andere Tätigkeiten, die eine Kompetenz im Umgang mit Texten nahelegen.
Und obwohl es gar nicht unbedingt gegeben ist, dass ein Autor auch gut lektorieren kann (wie es auch Lektoren gibt, die bei eigenen Texten eher untalentiert sind), trägt auch eine Veröffentlichungsliste zur Referenz bei.

(Der Beitrag stammt ursprünglich von meinem Lektorenblog)

Komplizierte Sätze

Ich sinniere seit gestern Abend (wenn gerade Zeit ist) über ein Posting in einem Autorenforum. Ein User hatte einen Satz aus seinem aktuellen Projekt gepostet, in dem er sich bei einer grammatischen Frage nicht sicher war. Die Frage selbst war schnell zu klären, doch gab es eine ganze Reihe Anmerkungen, wie man den Satz einerseits übersichtlicher (also verständlicher), andererseits überhaupt sinnvoller gestalten könne.

Tatsächlich war es ein recht langer Satz, der viele Informationen gleichzeitig enthielt und auf jeden Fall den Leser, möglicherweise auch den Autor mit schwierig herstellbaren Bezügen der Satzteile untereinander überforderte.

Nun kenne ich Ähnliches aus meiner Lektoratstätigkeit. Besonder „junge“ Autoren neigen dazu, viel zu wenig Punkte zu setzen, den einzelnen Satz mit Informationen zu überfrachten und Satzstrukturen zu erschaffen, mit denen sie selbst dann nicht mehr klarkommen. Das ist nichts Verwerfliches, aber vielleicht etwas Vermeidbares.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ein Schreibstil, der mit kunstvoll zusammengezauberten Sätzen jongliert, ist etwas Feines, solange er zum Text passt und von seinem Autor beherrscht wird. Es ist aber auch wahr, dass eine spannend erzählte Geschichte auch in einer straffen, einfachen Sprache wirken kann, vor allem dann, wenn sie sich weder Ausrutscher in die eine noch in die andere Richtung erlaubt.

Warum brachte mich nun dieses Posting zum Grübeln? Weil es mir erstmals einen noch etwas vernebelten Weg aufzeigt, wie man Autoren raten könnte, die mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Ich muss noch ein bisschen darüber nachdenken, dann wird das sicherlich ein Thema für mein Lektorenblog. Tipps von eurer Seite nehme ich dabei gern entgegen.