Schon überarbeitet? Wie lang denn noch?

Foto: © grafvision
Foto: © grafvision
Schon überarbeitet?
Foto: © grafvision

Ich fühle mich fast schon wie George R. R. Martin, so lange wie ihr jetzt schon auf den zweiten Teil der Reihe „Schon überarbeitet?“ warten musstet. Aber adeln wir mich nicht unnötig, sondern legen lieber gleich los, schließlich ist Zeit knapp. Und genau darum soll es in diesem Teil gehen, um Zeit, also darum, wie lange man sein (doch eigentlich schon fertiges) Werk überarbeiten sollte.

Dass eine Überarbeitung mehr ist als eine Fehlerkorrektur, hat der seltsame Schultertipper im ersten Teil schon behauptet, als er Autorin Tippi zur Seite stand. Dann hat er lauter Dinge heruntergerasselt, bis Tippi fürchtete, sie werde ihren Roman länger überarbeiten, als sie überhaupt daran geschrieben hat. Tja, was glaubt ihr, hat da der Schultertipper geantwortet? Er hat mit den Schultern gezuckt. Wohlgemerkt mit seinen eigenen. „Kann passieren“, hat er noch gesagt, und dass alles davon abhänge, welcher der unendlich vielen Autorentypen sie sei, und welche Arbeitsweise sie bevorzuge.

Es gäbe da diejenigen, die keinen Satz schreiben könnten, ohne ihn nicht zwanzigmal im Kopf hin und her gewendet zu haben, bis sie zufrieden seien. Die wären zwar beim Schreiben nicht besonders schnell, aber das, was dann auf dem Papier stünde, sei bereits so perfekt, dass vielleicht schon ein einmaliges Drüberlesen ausreiche, mehr um sicherzugehen. Die akribischen Planer leisteten oft eine so gute Vorarbeit, dass sie am Ende wenigstens vor gröberen Schnitzern gefeit seien. Vielleicht wäre sie aber auch eine derjenigen, die sich beim Schreiben eher treiben lassen und in einer entsprechend längeren Überarbeitungsphase überhaupt erst einmal schauen müssen, was dabei eigentlich herausgekommen ist. Schließlich führte er noch – ohne dabei auch nur im Geringsten die Nase zu rümpfen – diejenigen an, die von vorneherein und ganz bewusst in der Schreibphase jeden inneren Zensor/Lektor ausschalteten und quasi gezielt auf eine zu überarbeitende Rohfassung hinschrieben.

Eine Überarbeitung am Ende, so der Schultertipper, werde man kaum umgehen können, aber wie umfangreich die ausfalle, hänge eben unter anderem von der Überarbeitung ab, die man bereits beim Schreiben vollzogen, und der Vorbereitung, die man schon vor dem Schreibprozess geleistet habe. Am Ende gleiche sich das wahrscheinlich mehr oder weniger aus. Und letztlich zähle sowieso nur das Ergebnis.

Tippi nickte, war aber doch nicht ganz zufrieden, sehnte sich nach Anhaltspunkten. „Überarbeite dein Manuskript in mindestens drei Durchgängen“, sagte der Schultertipper. „Wenn du die Zeit hast, lass es zwischendurch ein paar Wochen liegen. Wenn du nach der letzten Überarbeitung nicht mehr weißt, was du noch besser machen könntest, gib dein Werk an Testleser, damit du es später hinsichtlich ihrer Anmerkungen erneut überarbeiten kannst. Und vergiss, während du diese Punkte abarbeitest, nie, dass nur das Ergebnis zählt!“

„Okay, nur eines noch“, sagte Tippi. „Womit soll ich beginnen?“ Der Schultertipper seufzte und vertröstete sie auf das nächste Mal.

Übersicht

Mach eine Szene zum 30.07.11

Das ist doch mal eine Ausschreibung. Es geht nur um eine spannende Szene! Kein Roman, keine Erzählung, nicht einmal eine Kurzgeschichte. Nur eine Szene.

Klingt nach Schreibaufgabe für zwischendurch? Ich bin sicher, manch einer wird schnell merken, dass es nicht so einfach ist, mit nur einer Szene zu überzeugen. Vor allem, wenn die Aufgabe heißt: „Erzeugen Sie in der kurzen Szene so viel Spannung wie möglich bei den Lesern.“

Spannungsforschung „Die Gefahr“ – Schreibwettbewerb

Ausschreibung Schreibwettbewerb

Sie sind KrimiautorIn? Sie wissen, wie Sie Ihre Leser in Bann schlagen können und ihren Herzschlag beschleunigen? Dann könnte Sie die folgende Ausschreibung interessieren:

Der Spannung auf der Spur:

  • Schreiben Sie eine für das Genre Krimi typische Szene mit mindestens 4.000 bis maximal 4.500 Anschlägen.
  • Erzeugen Sie in der kurzen Szene so viel Spannung wie möglich bei den Lesern.
  • Ihr Text wird später von Testlesern bewertet. Sieger ist, wer bei den Lesern am meisten Spannung erzeugen konnte.
  • Als SiegerIn winkt Ihnen ein Preisgeld von 500 Euro. Für die Plätze zwei und drei gibt es immerhin noch 200 Euro bzw. 100 Euro.

Bedingungen:

Der Text darf weder als Ganzes noch in Teilen an anderer Stelle publiziert worden sein. Letzter Abgabetermin für den Text ist der 30. Juli 2011. Alle Rechte für den Text bleiben bei Ihnen. Wir behalten uns jedoch das Recht vor, den Text zu Forschungszwecken zu verwenden.

Handlungsrahmen:

Die Vorgaben für die Szene sind recht grob – alles Weitere bleibt Ihrer Fantasie überlassen:

Die Szene beginnt mit einer Frau (Mitte 30), die sich bedroht fühlt. Sie (die Hauptfigur der Szene) hat Angst vor einer Gefahr und versucht dieser zu entkommen. Andere Personen sollten nur als Statisten vorkommen bzw. als „die Gefahr“, vor der sich die Hauptfigur fürchtet. Der Ausgang dieser Situation soll offen bleiben. Die Szene soll in der heutigen Zeit und im deutschsprachigen Raum spielen.

Ihre Aufgabe ist es, bei den Lesern Spannung zu erzeugen. Die Leser werden später zu ihrem Spannungserleben befragt. Sieger ist, wer bei dieser Befragung die höchsten Bewertungen bekommt.

Hintergrund der Ausschreibung

Die Ausschreibung ist Teil des internationalen Forschungsprojekts Readers‘ Perception of Suspence. An Intercultural Research und die Texte werden später in einer Umfrage verwendet. Ziel der Forschung ist es, narrativ erzeugte Spannung interkulturell zu vergleichen, d.h. wie wird Spannung in verschiedenen Kulturkreisen erzeugt und wie wird sie von den Lesern erlebt. Ähnliche Forschungen sind daher auch in anderen Ländern, wie Japan oder England, vorgesehen. Das Forschungsprojekt wird finanziell von dem Japanischen Ministerium für Bildung und Kultur (MEXT) unterstützt.
Verantwortlich für das Projekt ist Dr. Jan Auracher, Doshisha Universität Kyoto, Japan. (jaurache@mail.doshisha.ac.jp)

Ergebnisse der Forschung werden nur in zusammengefasster Form als Durchschnittswerte veröffentlicht. Antworten zu einzelnen Texten werden nicht bekannt gegeben oder nur in anonymer Form (ohne Angaben zu Namen des Autors / der Autorin oder Titel des Textes).

Auf Wunsch der Autoren / Autorinnen besteht eventuell die Möglichkeit, die Texte später in einem Sammelband herauszugeben. Da diese Entscheidung von Anzahl und Qualität der eingegangenen Texte abhängt, kann darüber erst nach dem Ende des Projekts entschieden werden.

Teilnahme

Um an der Ausschreibung teilzunehmen, senden Sie Ihren Text einfach als Attachment an folgende E-Mailadresse:

perceptionofsuspence@gmail.com – Stichwort: Krimi-Szene. 

Die Texte sollten als Word-Dokument (*.doc) oder im Rich-Text-Format (*.rtf) eingereicht werden. Die Sieger werden von uns per E-Mail benachrichtigt.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Hilde Bosch oder Jan Auracher unter perceptionofsuspence@gmail.com.

Falls Sie andere möglicherweise interessierte Autoren oder Autorinnen kennen, würden wir uns freuen, wenn Sie sie auf diese Ausschreibung aufmerksam machen.

 Jetzt wünschen wir Ihnen noch viel Spaß beim Schreiben,

Jan Auracher und Hilde Bosch

Quelle: Uschtrin

Bloggen statt plotten

Da hat doch ein Mitglied eines Schreibforums so ganz nebenbei erzählt, dass er seinen Roman mit WordPress entwickelt. Natürlich gab es gleich Bedenken, weil er damit seine Ideen und Daten im unsicheren Internet aufbewahrt. Obendrein wollte er einzelne Textpassagen, Arbeitsschritte und Ideen durchaus auch für seine Blogbesucher öffentlich machen und diskutieren lassen.

Sicherlich bleibt auch ein Restrisiko, wenn man das gesamte Blog oder wenigstens diejenigen Daten, die schützenswert sind, nicht öffentlich macht. Und auf jeden Fall sollte man seine Daten immer n0ch auf dem eigenen Rechner sichern.

Dennoch finde ich den Ansatz interessant, denn mit WordPress oder einer anderen Blogplattform kann man sich etwas ähnliches wie ein Projektwiki anlegen. Man denke nur an die Möglichkeiten der Verlinkung, Vernetzung und Kategorisierung.

Je nach Bedarf lassen sich Seiten oder Artikel anlegen, Charakterbögen, Plotskizzen und Rechercheergebnisse miteinander verbinden sowie Bilder, Karten oder andere externe Materialien einbinden.

Mithilfe der Kategorien kann man auch verschiedene Projekte innerhalb eines Blogs voneinander trennen. Und wählt man ein Theme wie etwa „P2“ kann man auch außerhalb des Dashboards direkt im Blog Notizen, Artikel und Links erstellen oder bearbeiten.

Für besondere Fälle erleichtert das Blog sogar die Teamarbeit, etwa bei einem Gemeinschaftsprojekt von mehreren Autoren oder in der Zusammenarbeit mit Testlesern.

Für denjenigen, der noch nicht die richtige Autorensoftware für sich entdeckt hat, wäre es jedenfalls eine interessante (und kostenlose) Alternative.

PB-Plotten: 21-23 – Überarbeitung

Den letzten Schritt in der Manuskripterstellung stellt die Überarbeitungsphase dar. Wie viele Durchgänge man dafür benötigt, ist vom Autor, aber auch vom Text abhängig. In meinem Modell sind es drei Arbeitsgänge, was aber nur als Orientierung gelten soll.

Es mag Autoren geben, die schon nach zwei Überarbeitungsschritten ein verlagsreifes Manuskript erreichen, andere müssen sich dagegen deutlich mehr Zeit nehmen.

Wer sein Manuskript von Testlesern, sogenannten Betalesern, gegenlesen lässt, wird vor und nach deren Zuarbeit mehrere Überarbeitungsdurchgänge durchführen. Und natürlich wird mindestens ein weiterer Duchgang fällig, wenn das Manuskript mit den Anmerkungen des Lektorats zurückkommt.

Es gibt durchaus die Meinung, dass die Hauptarbeit des Autors erst mit der Überarbeitung beginnt. Manche Autoren nehmen sich mehr Zeit für die Überarbeitung als für den vorhergehenden Schreibprozess.

In jedem Fall steckt in der Überarbeitung weit mehr, als manch angehender Autor offenbar darin vermutet. Denn die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik macht dabei den kleinsten Teil aus.

Wer nicht stets einen Rundumschlag startet und alles, was ihm auffällt, sofort korrigiert, dem würde ich empfehlen, sich die Korrekturen für den Schluss aufzuheben. Schließlich ist es wenig sinnvoll, einen Abschnitt komplett zu korrigieren, der letztlich doch noch stark abgeändert oder gar ganz gestrichen wird.

Eine Überarbeitungsreihenfolge, die zu meinem Modell passt, könnte etwa sein:

  1. Änderungen, die das Gesamtkonzept betreffen oder die sich durch die Abschlussrecherchen ergeben haben, dazu eine gründliche Prüfung auf innere logische Zusammenhänge und Schlüssigkeit. Dabei auch ein besonderes Augenmerk auf stimmige Figuren und eine stimmige Figurenentwicklung, die Entwicklung des Konflikts und die (hoffentlich) bewiesene Prämisse legen. Am Ende dieses Durchgangs sollten alle inhaltlichen Streichungen und Änderungen bezüglich des Plots abgeschlossen sein.
  2. Stilanalyse! Jetzt werden die Formulierungen abgeklopft, Wiederholungen, sofern sie keine Funktion erfüllen und sich sinnvoll (!!!) vermeiden lassen, umschifft, man sucht nach Stilbrüchen und Unsauberkeiten im Ausdruck. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Dialoge, die man schleifen muss. Sie lassen sich fast immer bei der Überarbeitung noch verbessern. Wo es dem Werk angemessen ist, wird auf eine bildhafte Sprache geachtet (Metaphern, Vergleiche, Wortschöpfungen, …). Am Ende dieses Durchgangs sollte  das Manuskript stilistisch nach bestem Wissen und Gewissen in Topform sein.
  3. Prüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik (die Korrekturprogramme inkl. Dudenkorrektor können hier immer nur Teilarbeit leisten, sind niemals ausreichend).

Damit ist die Reihe PB-Plotten zu ihrem Ende gelangt. Ich hoffe, sie war ein bisschen hilfreich.

(PB-Plotten: Die Liste)