Sechser im Motto: Mein liebstes Hobby: Schreiben

Sechser im Motto, Foto: javarman
Bleistift auf Block
Pixabay

Aufgabe:
Schreibe einen Text von maximal 250 Worten, zum Thema „Mein liebstes Hobby: Schreiben“. Im Text muss jeder der folgenden Sätze mindestens einmal vorkommen: 1. Ich finde es echt zum Kotzen! 2. Ich könnte „Scheiße!“ schreien!

Claudia Toman (Anna Koschka)

Wenn ich am Computer sitze, vergesse ich alles um mich herum. Die Welt konzentriert sich auf den Bildschirm und das Eingabefenster vor mir. Ich bin so etwas wie Gott, nur mit Touchpad und in Pantoffeln.
Weltabschaffung auf einen Klick.
Enter.
Geil.
Zum Beispiel hier, ganz oben, Kapitel nullkommaneunzigtausend. Ich finde es echt zum Kotzen, dass sich Frau G. schon wieder wichtig macht. Dank Frau K. Was für eine Verschwendung von Speicherkapazitäten. Kann man nicht einfach beide löschen? Aus dem Zusammenhang reißen und gnadenlos verthesaurussen? Bis nichts als ein Platzhalter bleibt? Quasi recyceln.
Delete und weiter.
Nach unten gescrollt. Ein missglücktes Date, ein dreckiges Kind und fünfundvierzig Mal das Wort „Hitze.“ Auf einer Seite.
Wo ist der Korrektor, verdammt?
Ich könnte „Scheiße!“ schreien, jedes Mal, wenn ich an die Geschichte mit dem Mann im Supermarkt denke. Wer kauft auch sämtliche Ü-Eier auf und wundert sich über braunen Dreck aus dem Maul? Nein, Moment, das war der rechtsrechte Parteichef mit dem smarten Look.
Ich bin zu schnell.
Meine göttliche Mission droht zu scheitern. Also lösche ich sie alle. Die Mutter mit den Bastelhühnern, Frau A. im Strandkorb, den Burger King, den Autorvornamenachname, die Modeltussi, den Samstagabendmoderator und wie sie heißen. Erledigt. Gefeuert, das ganze Personal.
Befreiung 2.0 im Garten Eden.
So! Wo waren wir stehengeblieben?
Ach ja, schreiben.
Ich klicke Facebook weg.

Falko Löffler

Schreiben? Als Hobby? Ich könnte „Scheiße schreien! Denn, nein, verdammt, es ist schon lange kein Hobby mehr. Ich lebe davon. Der Bäcker backt ja auch nicht als Hobby. Gut, vielleicht hat er mal so angefangen. Hey, ich backe mal ein kleines Brötchen. Und, bumm, gefühlt drei Tage später steht er nachts um drei vor seiner Teigmasse und brüllt in die Nacht: „Ich finde es echt zum Kotzen! Hätte ich doch was anderes gemacht! Ich habe kein einziges Hobby mehr, sondern verdiene meine Bröt-, äh, mein Geld damit!“ Wer weiß, irgendwann, wenn ich groß bin, vielleicht lebe ich dann meinen Traum und mache meinen Beruf zum Hobby.

Claudia Brendler

Seit er sein neues Hobby entdeckt hatte, hockte er nur noch am Laptop und tippte.
Sie saugte Staub. Um seinen Schreibtisch herum.
„Muss das jetzt sein?“ Wie genervt es klang. Es reichte. Endgültig. Sie stellte den Staubsauger ab.
„Hör mal, ich finde es echt zum Kotzen, dass du …“
„Was?“
Okay, ihre Wortwahl war vielleicht etwas drastisch, aber sie entsprach ihrem momentanen Gefühlszustand.
„Ich sagte, ich finde es echt zum Kotzen, dass du mich …“
„Oh! Ja! Das muss Darius antworten! Danke, Schatz.“
Er tippte, murmelte vor sich hin: „‚Ich finde es echt zum Kotzen‘, sagte Darius mit peitschendem Schwanz.“
„Was … äh … schreibst du da?“
„Darius ist ein Drache.“
Sie trat einen Schritt näher an den Tisch heran. Vielleicht sollte sie einfach mehr Interesse an seinem Hobby zeigen.
„Sag mal, Bärchen, können Drachen überhaupt kotzen? Speien die nicht Feuer oder so?“
„Was soll das jetzt?“ Sein Blick. Als wäre sie der Drache.
Was das soll? Du bemerkst nicht, dass ich meinen neuen Ledermini trage. Du überlässt mir den gesamten Haushalt und wir hatten seit mindestens einem Monat keinen Sex mehr. Ich … verdammt, ich könnte Scheiße schreien!
All das sagte sie nicht. Auch nicht das, was ihr als Nächstes in den Sinn kam.
Die einen schreien Scheiße, die anderen schreiben …
Oh Gott, nein. Sie liebte ihn doch.
Sie stellte den Staubsauger wieder an.

Sven Koch

Ich finde es echt zum Kotzen! Und zwar vollkommen und immer wieder gerne von Herzen. Was ich damit meine? Nun, das ist ganz einfach, aber trotzdem total kompliziert und schlecht nachvollziehbar. Ich meine damit: Wenn beim Schreiben Dinge passieren, die im Vorfeld nicht absehbar waren und dann hinten auf einmal anders sind als vorne, weswegen dann meist auch in der Mitte etwas nicht funktioniert und sich auf später auswirkt, denn dann muss man wieder am Anfang herumschrauben und stellt hernach fest: Jetzt geht etwas anderes auf einmal nicht, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat. Das ist wie mit dem Schmetterling und dem Sack Reis, der in China umfällt – solche Dinge geschehen wirklich, und zwar dauernd. Tausende Säcke Reis fallen täglich um, wenn die Drecks-Schmetterlinge fliegen. Kapieren Sie nicht, oder? Ist auch schwer zu verstehen, weil es dafür kein Wort gibt.  Man könnte es zum Beispiel zusammenfassend einfach „Fuck“ nennen – und jeder wüsste sofort Bescheid.  Wenn ich gefragt werde, was los ist, könnte ich einfach sagen: „Fucking Fuck ist los.“ Und alles wäre klar. Weil es aber keine Bezeichnung für „Fuck“ gibt und der „Fuck“ so schwer zu erklären ist, lässt man es einfach und sagt halt: „Ach, weiß ich auch nicht.“ Weil es besser so ist, denn: Den „Fuck“ im Detail zu erklären – nee, da wird man wieder wahnsinnig und regt sich noch mehr auf. Jedenfalls: Ich könnte „Scheiße!“ schreien, wenn dieser „Fuck“ passiert.

Britt Reißmann

Für jemanden, dessen liebstes Hobby das Schreiben ist, ist es ein Klacks, einen Text von 250 Wörtern zu verfassen, in dem die Sätze „Ich finde es echt zum Kotzen!“ und „Ich könnte Scheiße schreien!“ vorkommen. Ich bin so jemand. Nicht, dass diese Begriffe zu meinem täglichen Wortschatz gehören würden. Gott behüte, nicht in meinen aggressivsten Träumen kämen mir solche Ausdrücke in den Sinn. Aber was wäre ich für eine Autorin, wenn ich mich nicht auch in ordinäre Protagonisten hineinversetzen könnte?

Also frisch ans Werk. Vorher vielleicht noch einen kleinen Prosecco zur Motivation. Ich trinke ihn langsam und genussvoll, während ich nach einer Idee suche. Fülle das Glas erneut und beobachte die nächsten zehn Minuten, wie die Kohlensäureperlen an der Oberfläche zerplatzen. Die besten Ideen kommen mir immer beim Rauchen. Also raus auf den Balkon und eine Fluppe ins Gesicht. Nach dem dritten Sargnagel lässt der Geistesblitz noch immer auf sich warten. Ich habe das Bedürfnis, laut „Scheiße!“ zu schreien und tue es. Meine Nachbarin, die im Garten buddelt, fragt, ob alles in Ordnung ist. Ich murmele etwas von Recherche am lebenden Objekt.

Zurück zum Schreibtisch. Ich sollte allmählich anfangen. Doch die Kreativität ist anderswo unterwegs. Meine Muse geht fremd und küsst wohl gerade jemand anderen. Welcher Teufel hat mich geritten, diesen Auftrag anzunehmen? Die Seite ist so leer wie mein Hirn. Kann ein Cursor hämisch blinken? Ich bin sicher, er kann. Welcher Idiot hat sich eigentlich dieses bekloppte Thema ausgedacht? Ich finde es echt zum Kotzen. Ich könnte „Scheiße!“ schreien!

Wolfgang Schroeder

Gelegentlich würde ich am liebsten „Ich finde es echt zum Kotzen!“ erwidern, wenn mir mal wieder jemand breit lächelnd erklärt: Ach, Sie schreiben Geschichten? Ich könnte das ja nicht, diese ganzen Wörter und so … Aber das ist schon okay, jeder sollte ein Hobby haben. Ich zum Beispiel finde ja Brieföffner wunderschön, die sammel ich schon mein ganzes Leben.“
Dummerweise hat der Mann recht, also nicht mit den Brieföffnern, aber mit dem Rest.
Was mich unweigerlich zu der Frage führt, die ich mir in letzter Zeit öfter stelle: Ist das Schreiben eigentlich immer noch nur ein Hobby für mich oder ist es schon mehr? Und wenn ja, was … ultimative Selbstbestätigung oder gar der Versuch, unsterblich zu werden?

Nun, zumindest ist es weder Job noch sonst irgendwie gewinnbringend. Inzwischen reichen die Tantiemen zwar wenigstens dafür, die Liebste beim Italiener um die Ecke zur Pizza einzuladen. Aber spätestens wenn wieder die Bemerkung kommt: „Warum schreibst du denn nicht mal so etwas wie Harry Potter oder die Tribute von Panem? Dann würdest du wenigstens jede Menge Geld verdienen und könntest mich anständig ausführen!“, sind das die Momente, in denen ich „Scheiße“ schreien könnte. Wenn auch nur ganz leise.

Doch unabhängig davon, ob Hobby oder doch schon mehr, eines weiß ich mit Sicherheit: Das Schreiben und auch das Herausgeben von Büchern macht mir Spaß, und ich hoffe, dass die Ergebnisse auch meinen Lesern Spaß bereiten. Und wenn das irgendwann mal nicht mehr so sein sollte … dann bleiben mir immer noch die Brieföffner.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto: Richter, Drache, Nudeln, Mustang, Villa

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Aufgabe:
Bring bitte die folgenden fünf Wörter in irgendeiner Weise logisch in einem einzigen Satz unter: Richter, Drache, Nudeln, Mustang, Villa. Die Länge des Satzes ist dabei ganz allein dir überlassen.

Jeanine Krock

Als der Drache sah, wie Richter den Mustang mit Nudeln fütterte, ließ er kurzerhand die Villa in Flammen aufgehen.

Ungläubig schüttelte Richter Yates den Kopf, als er hörte, wie H. Drache (46) versucht hatte, den Mustang unter einer Tonne italienischer Nudeln in der Garage seiner Villa in Littleshaw zu verstecken.

Sven Koch

„Du hältst dich für einen Richter, der den Drachen zur Strecke bringen will“, sagte Jurij, schob den Teller mit den Nudeln zur Seite und nahm dem wehrlosen Rico die .44er aus der Hand, um sie ihm auf die gebrochene Nase zu pressen, „aber du bist nur ein Holzkopf, der glaubt, seinen Mustang ungestraft vor meiner Villa parken zu dürfen.“

Adriana Channah Stern

Jetzt stell dir doch bloß mal einen Richter vor, wie er nichtsahnend in seiner Villa sitzt, allein, denn für Beziehungen hat er keine Zeit, schließlich muss er die Gesetzbücher studieren, um keine falschen Entscheidungen zu treffen, und dort in seiner Villa muss er leider Tag für Tag Nudeln mampfen, weil er nie kochen gelernt hat, denn er muss ja fortwährend die Gesetzbücher studieren, um im Gerichtsaal neben all seiner Sachkenntnis auch noch eine möglichst gute Figur zu machen, und da hat er natürlich keine Zeit für ein solch schnödes und banales Hobby, und Zeit, eine vernünftige Köchin zu suchen hat er auch nicht, denn er muss ja die Gesetzbücher … na, ihr wisst schon … aber immerhin steht ein wunderschöner Mustang in seinem verwilderten Garten, allzeit bereit, den Richter nach dem Essen umgehend und auf dem schnellsten Wege im Galopp zum Gericht zu bringen, wäre da bloß nicht dieser Drache gewesen, ihr wisst schon, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, von dem nur so selten die Rede ist, und der ausgerechnet an jenem Tag beschlossen hat, sein Exil aufzugeben und die Menschen aufzusuchen, aber davon ahnte der Richter natürlich nichts, obwohl er als Kind so unglaublich gern der wunderschönen Stimme seiner Mutter gelauscht hatte, als sie ihm die gesammelten Märchen der Gebrüder Grimm vorlas, aber davon einmal ganz abgesehen steckte ja seine Nase jetzt schon seit Jahrzehnten fortwährend in den allzu dicken Wälzern, die kaum ein Mensch verstehen kann, und darüber hatte er die Märchenfiguren sowieso so gut wie vollkommen vergessen, so dass er seinem Mustang auch an diesem Tag, wie an allen anderen zuvor, nicht genügend Aufmerksamkeit schenken konnte, um die Angst in den Augen des Tieres wahrzunehmen, das das Nahen des Drachen schon von Weitem roch, und so kam es, dass der Mustang ganz anders als sonst wie versteinert im Garten stehenblieb und sich keinen Millimeter von der Stelle rührte, und der Richter demzufolge nach so vielen, vielen Jahren, am Tage der Wiederkehr des Drachen nicht bei Gericht erschien und zum ersten Mal in seinem Leben auch keinen Schuldspruch sprechen konnte, aber dafür begann er an diesem denkwürdigen Tag sein treues Pferd zu lieben und wieder an Drachen zu glauben und das, so lässt sich vielleicht sagen, könnte ja letztendlich auch weit wichtiger sein als alles andere.

Marc-Oliver Bischoff

Der Richter schloss die Augen und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel, während er seine müde Stimme an den Mann auf der Anklagebank richtete: „Herr Gierich, Sie wollen mir also allen Ernstes weismachen, dass ihnen die heißen Wok-Nudeln während der Fahrt auf den Schoß kippten, woraufhin ihr Ford Mustang von der Fahrbahn abkam und ihre Erbtante Berta Drache direkt vor der Haustür ihrer Zehlendorfer Villa überrollte?“

Ruth Löbner

„Und so was schimpft sich Richter!“, schnaubte der Drache verächtlich, und es war ihm völlig egal, dass die Reporter reihenweise in Hörweite standen, denn die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die dem Mustang nicht nur die halbe Villa, sondern auch noch den kompletten Bestand an Nudeln aus Onkel Andantes Pastamuseum zugestand, entband ihn in seinen Augen von der Schweigepflicht, die vor der Gerichtsverhandlung vereinbart worden war.

Klaus Seibel

Als Richter Kruse in seinem Ford Mustang mit quietschenden Reifen um die Ecke der Villa schoss, erschrak sich Boticelli, der Hausdrache, so sehr, dass er seinen Schwanz aufrollte wie eine italienische Spiralnudel.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!