Entern: Sprecher wechseln

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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© Patryk Kosmider

Kommen wir zum nächsten Kapitel in der Reihe, die sich mit dem Einsatz der Entertaste in der Literatur beschäftigt. Diesmal geht es, wie der Titel schon verrät, um Dialoge.

Eine generelle Regel, wie Dialoge formal auszusehen haben, gibt es nicht. Sie können theoretisch auch ganz ohne Entertaste auskommen:

„Wenn ich A bin, musst du wohl B sein“, sagte A. „Okay“, antwortete B. „Fein“, sagte A, „dann sag ich jetzt A.“ „Okay“, erwiderte B.

Weil das schnell unübersichtlich werden kann, kommt die Entertaste dann doch zum Einsatz. Und zwar trotz der fehlenden Regel relativ einheitlich. Man richtet sich nämlich nach dem Sprecherwechsel:

„Wenn ich A sage, musst du B sagen“, erklärte A.
„Wieso?“, fragte B.
„Es heißt doch: Wer A sagt, muss auch B sagen.“
„Dann müsstest du aber B sagen.“
„Jetzt, wo du es sagst …“
„Und?“
„B.“

Wir sehen schon, wo der Vorteil liegt: Jede Aussage eines Sprechers bekommt eine neue Zeile. Damit unterstützt die Form den Inhalt sogar so weit, dass man zumindest bei lediglich zwei Dialogpartnern, wurden diese einmal eingeführt, erkennen kann, welche Aussage A und welche B zuzuordnen ist. Damit lässt sich beispielsweise mancher Dialogkommentar (Inquit) einsparen. Natürlich hilft es, bei längeren Dialogpassagen das Gedächtnis des Lesers immer mal wieder aufzufrischen.

So weit zur Einheitlichkeit, jetzt das Relative. Denn natürlich sind Dialoge im Gesamttext eingebunden und damit nicht immer so freistehend wie im obigen Beispiel. Und dann ist man schnell ratlos, wie man das mit dem Sprecherwechsel nun umsetzen soll. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist es das Beste, den Sprecherwechsel weiterhin als oberstes Gebot zu betrachten, in Textpassagen, in denen Dialog dominiert, also zunächst zu schauen, dass der Sprecherwechsel eingehalten wird, was noch immer oft genug zu Unsicherheiten führen wird.

Ich will an einigen Beispielen zeigen, wie ich es handhaben würde:

Handlungen, die ein Dialogpartner während des Gesprächs ausführt, gehören zum Sprecherwechsel:

„Das hast du schön gesagt“, sagte B. Er setzte sich und lächelte zufrieden.
A kratzte sich am Kopf.
B goss sich Wein ein.
„Findest du nicht, du solltest auch etwas sagen?“
B schaute A verwundert an. „Aber ich habe doch schon ganz schön viel gesagt.“

Wenn also B etwas sagt und anschließend etwas tut, gehört das zusammen. Die Entertaste hält sich raus. Im Anschluss antwortet A nicht, indem er etwas sagt, seine Antwort besteht in einer Reaktion, er kratzt sich am Kopf. Da könnte auch stehen: A schwieg. As Reaktion entspricht also einem Sprecherwechsel, zack, Entertaste. Und so geht es weiter:

B tut etwas.
A fragt etwas.
B tut etwas. B sagt etwas.

Gleiches gilt natürlich für Gedanken (hier mal fett gekennzeichnet), auch die unterliegen dem Sprecherwechsel:

„Aber nichts Gewichtiges, so wie ich.“
B schaute immer noch verwundert.
Ist der blöd? Versteht der mich nicht?
„Ach, du meinst, A zu sagen und B folgen zu lassen, war etwas Gewichtiges?“
Na endlich! „Genau.“
B dachte einen Moment nach, lehnte sich zurück und sagte: „C.“

Das Ganze funktioniert so lange gut, solange der Erzähler die Sprecher so schön abwechselnd auf seine Sätze verteilt. Kommen beide Sprecher im selben Satz zu Wort oder zum Handeln, müssen wir wohl oder übel den Sprecherwechsel Sprecherwechsel sein lassen, denn innerhalb eines Satzes können wir (mit ganz wenigen Ausnahmen, die vor allem der Doppelpunkt herbeiführen kann, was aber hier nichts zur Sache tut) nicht die Entertaste drücken:

A schaute B an, der sich lächelnd in seinem Sessel räkelte.

Aber wie nun weiter? Der Letzte, der in diesem Satz etwas getan hat, war B. Wenn A nun etwas tut oder sagt, gehört er dann in die nächste Zeile? Andererseits war A in seinem Hauptsatz derjenige, auf dessen Handlung die Betonung lag, dass B sich räkelte, wurde nur ergänzend im Nebensatz beigefügt.

Hier wird es also kompliziert. Natürlich hat es der Autor erst einmal in der Hand, solche Schwierigkeiten einfach zu vermeiden.

A schaute B an.
Der räkelte sich lächelnd in seinem Sessel.

Problem gelöst. Aber die Aussagen entsprechen in der Gewichtung jetzt nicht mehr dem, was der Autor ursprünglich wollte. Geht also nicht immer. Wäre ja auch noch schöner, wenn wir uns unsere Sätze von der möglichst übersichtlichen Darstellung des Sprecherwechsels diktieren lassen würden. Ich sage es so deutlich, wie es ist: Spätestens in solchen Fällen wird die Entscheidung letztlich eine Geschmacksfrage sein. Empfehlenswert ist nur, es möglichst einheitlich zu tun. So mache ich es:

A schaute B an, der sich lächelnd in seinem Sessel räkelte. Der überlegene Ausdruck in seinen Augen ging ihm mächtig auf den Keks. „Wer C sagt, muss auch D sagen.“
„Davon habe ich ja noch nie gehört.“
„Da kann ich doch nichts dafür.“ A lief im Zimmer auf und ab.
B richtete sich ein wenig auf, schüttelte den Kopf und sagte: „Okay. Wenn es dir so wichtig ist: D!“
„Geht doch.“ A setzte sich in den zweiten Sessel, aber B erhob sich und verließ das Zimmer. „Blödmann!“

Während ich also hier:

A schaute B an, der sich lächelnd in seinem Sessel räkelte. Der überlegene Ausdruck in seinen Augen ging ihm mächtig auf den Keks. „Wer C sagt, muss auch D sagen“,

keinen Sprecherwechsel annehme (A schaut, A geht etwas auf den Keks, A sagt etwas), weil B in seinem Nebensatz (B lächelt und räkelt) das Zepter nicht wirklich an sich reißen kann, gehe ich hier:

„Geht doch.“ A setzte sich in den zweiten Sessel, aber B erhob sich und verließ das Zimmer. „Blödmann!“,

durchaus von einem Sprecherwechsel aus. A sagt etwas und setzt sich, dann aber geht der Fokus auf B über, der mit seinen zwei Hauptsätzen (B erhebt sich, B verlässt das Zimmer) nun das Zepter für sich beansprucht, weshalb er fortan den Dialogpart für sich beanspruchen kann. Zum Vergleich:

„Geht doch.“ A setzte sich in den zweiten Sessel.
Aber B erhob sich und verließ das Zimmer. „Blödmann!“

„Geht doch.“ A setzte sich in den zweiten Sessel, worauf B sich erhob.
B verließ das Zimmer. „Blödmann!“

Wie gesagt, eine eindeutige Lösung gibt es nicht. Ganz ähnlich sieht es beim Übergang in einen Dialogpart aus, ebenso beim Übergang von einem Dialogpart in Erzählerkommentar. Das liegt letztlich daran, dass hier die eben geschilderten Probleme auch auftreten. Denn im normalen Text bekommt eben nicht jede Figur ihren eigenen Absatz. Das folgende und abschließende Beispiel wechselt mehrfach zwischen Erzählerkommentar und Dialogabschnitten, wobei es sich dabei nach meinen bis hierhin gemachten Empfehlungen richtet:

A stand auf und folgte B. Der stand in der Küche und schmierte sich einen Toast. A beobachtete ihn dabei. Mehrfach wollte er etwas sagen, wusste aber nicht, was. B setzte sich an den Küchentisch und biss in den Toast. A blieb neben der Spüle stehen. „Bist du sauer?“
„Würdest du mir mein Weinglas aus dem Wohnzimmer holen?“
A nickte. Einen Moment überlegte er noch, dann setzte er sich in Bewegung. Als er mit dem Wein zurückkam, schmierte B bereits ein weiteres Toast. A reichte ihm den Wein.
„Danke“, sagte B.
„Tut mir leid. Du darfst natürlich sagen, was du willst.“
B lächelte A an. Gar nicht sauer. Eher ein freundliches Grinsen. „CD“, sagte er und lachte.
A stimmte ein, und sie schmierten noch mehr Brote, setzten sich wieder ins Wohnzimmer, aßen und tranken Wein bei ihren Lieblings-CDs.

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Entern: Absetzen

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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Ein Absatz ist rein formal gesehen ein Abschnitt eines Textes, der durch Zeilenumbrüche eingegrenzt und damit optisch hervorgehoben wird. Er beginnt nach einem Zeilenumbruch und endet mit einem Zeilenumbruch. Er kann zusätzlich kenntlich gemacht werden, indem, wie in diesem Blog, vor und/oder nach einem Absatz (also mit dem einmaligen Betätigen der Entertaste) ein größerer Zeilenabstand erzeugt wird. Außerdem wird der Absatz häufig durch Einrückung der ersten Zeile zusätzlich markiert. Beide Formatierungen sind allerdings von den meisten Verlagen in Manuskripten nicht erwünscht.

Gut, das alles ist noch recht simpel. Schwierig wird es, wenn wir uns fragen, wann denn nun der Zeitpunkt gekommen ist, einen Absatz abzuschließen und einen neuen zu beginnen. Von der Szene wissen wir, dass sie (im Idealfall) einen eigenen Spannungsbogen besitzt, ist das beim Absatz auch so? Nein, von Spannungsbögen kann man bei solch kleinen Abschnitten wahrlich nicht sprechen. Eher von Sinneinheiten. Und die können nun mal recht unterschiedlich geprägt sein und sind obendrein individuell interpretierbar. Manchmal wird man sich dabei eher auf sein Gefühl verlassen. Feststehende Regeln gibt es nicht, weshalb ich einfach mal an einer Szene aus meinem Ben-Philipp-Roman „Kampf um jeden Meter“ ein paar Möglichkeiten demonstrieren will.

Er schüttelte Lucas die Hand.
„Danke, Sebastian. Tut mir leid für dich.“
„Ach was“, wehrte er ab. „Die Hauptsache ist doch, dass dir nichts weiter passiert ist.“ Er hoffte, dass es genauso glaubhaft klang wie Lucas’ Bedauern. Gerade noch rechtzeitig besann er sich. „Ich wünsch dir viel Glück in der Quali.“
Lucas bedankte sich und setzte den Helm auf. Er würde als einer der ersten auf die Strecke gehen.

Die Szene beginnt mit einem Dialog. Den Sprecherwechsel, den der nächste Artikel genauer behandelt, rechnen wir trotz Zeilenumbruch nicht als einzelne Absätze. Der gesamte Dialog bildet also einen Absatz. Das nach dem Dialog etwas Neues beginnt, was einen neuen Absatz nahelegt, ist, denke ich, recht nachvollziehbar.

Obwohl Sebastian noch immer enttäuscht war, spürte er ein Kribbeln, als sei er es selbst, der nun das Team in eine gute Startposition bringen musste. Es verstärkte sich noch, als der Motor aufheulte und Lucas den Wagen aus der Box fuhr.

Der zweite Absatz ist recht kurz, weshalb man überlegen könnte, ihn an den vorherigen anzubinden. Allerdings gibt es eben einen inhaltlichen Schnitt: Das Gespräch ist vorbei, Lucas fährt aus der Box, weshalb offenbar auch ein bisschen Zeit zwischen Absatz 1 und Absatz 2 vergangen sein muss, wenn auch nur einige Minuten. Eine deutliche inhaltliche Zäsur gibt es auch zum folgenden Absatz.

Sebastian schaute zur Box von Christian. Auch er machte sich bereit. Als eines der neuen Teams musste Virgo erst einmal eine sichere Zeit fahren, konnte sich das Risiko nicht leisten, erst am Ende des Turns auf die Strecke zu gehen.

Wieder ein kurzer Absatz, und wieder könnte man diskutieren, ob man ihn  nicht diesmal mit dem folgenden Absatz zusammenlegen will. Es spricht wenig dagegen. In beiden Absätzen schaut sich Sebastian in der Box um, allerdings fällt im folgenden Absatz der Blick auf die Frau, die im Spannungsbogen der gesamten Szene für den Konflikt sorgt, sie ist hier die Antagonistin. Daher habe ich mich entschieden, das mit einem neuen Absatz zu würdigen.

Im hinteren Teil von Christians Box sah er eine junge Frau. Die Bügel ihrer schwarzen Sonnenbrille verschwanden in den schulterlangen blonden Haaren. Bevor Sebastian richtig begriffen hatte, wen er da anstarrte, winkte sie ihm. Er konnte sich eben noch zurückhalten, schnell zu Boden zu sehen oder sich gar wegzudrehen. Er hob leicht die Hand und nickte Hanna zu. Warum konnte er sich jetzt nicht einfach abwenden?

Der Absatz endet, weil hier die zumindest theoretische Möglichkeit aufgezeigt wird, der drohenden Konfrontation noch zu entgehen. Der erste Satz des folgenden Absatzes macht genau diese Hoffnung zunichte. Die Teufelin kommt!

Sie kam auf ihn zu. Ihr lässig schwingender Gang in den engen Jeans verbreitete einen Hauch von Hollywood. Sie nahm die Sonnenbrille ab, und nun wurde sie zu einem frühreifen Mädchen, gerade neunzehn Jahre alt. Doch als sie vor ihm stand und ihn zwang, in ihre blaugrünen Augen zu schauen, wirkte sie so abgebrüht, als habe sie schon alles gesehen. So kannte er sie. So hatte sie ihn schon immer fasziniert. Obwohl er nun wusste, dass der Schein keineswegs trog.

Nun folgt der Absatz, der den zentralen Dialog der Szene enthält. Den Konflikt zwischen Sebastian, der nur Ersatzfahrer ist, und seiner Ex, die inzwischen mit Christian, dem Stammfahrer des Teams, zusammen ist. Der Absatz zieht sich bis zum Ende der Szene, ist also deutlich länger als die bisherigen, aber inhaltlich in  sich geschlossen. Wollt ihr ihn noch lesen? Na gut.

„Hi, Sebastian! Freut mich echt, dich zu sehen.“
„Hallo.“
„Wer hätte das gedacht, dass wir so bald schon wieder in einem Team sind.“ Sie lächelte.
Sebastian kam es vor wie das Grinsen des Teufels. „Sehr witzig!“
„Nein, mal im Ernst. Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Ein Jahr? Oder länger? Warst du nicht vor zwei Jahren bei Christians Meisterschaftsfeier? Kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen.“ Sie machte eine Pause, hielt ihn aber mit ihrem Blick gefangen. „Wie ist es dir nach dem Unfall ergangen? Alle Wunden verheilt?“
Sebastian wollte schreien. Sie anschreien. Vielleicht noch mehr. „Es geht mir gut!“ Es gelang ihm nicht einmal, den bestimmenden Tonfall, der das Gespräch hätte beenden sollen, in seine zitternde Stimme zu legen.
„Natürlich! Da fällt mir ein, dass ich dir noch gratulieren muss. Zu deinem Einstand in der Formel 1. Ich hätte ja nicht gedacht, dass du es noch so weit bringst.“
„Tja, da siehst du mal!“ In dem Moment, in dem er es sagte, fiel ihm auf, wie lächerlich das klang. Umso wütender fuhr er fort: „Und, wie ist es mit Christian? Dass du nach seiner verkackten Saison letztes Jahr noch bei ihm bist, wundert mich wirklich.“ Nach diesem Treffer wollte er sich besser fühlen.
Aber Hanna kannte keine Gnade. Keine Sekunde ließ sie ihn an einen Triumph glauben, grinste stattdessen nur noch breiter. „Das, mein Süßer, ist Liebe!“
„Wer soll dir das denn glauben?“, versuchte er zu kontern. „Und jetzt halte mich nicht von der Arbeit ab!“
Sie lachte. „Ja, sicher! Du kannst dich heute vor Arbeit wahrscheinlich kaum retten. Mit welchem Auto gehst du denn heute ins Qualifying? Oder brauchen die Streckenposten noch Hilfe?“
Er ballte die Fäuste. Steckte sie in die Taschen seines Overalls, um sie besser unter Kontrolle zu haben. Warum bohrte sie noch in der Wunde? Schlimmer noch: Warum ließ sie ihm nicht die geringste Chance für einen halbwegs würdevollen Abgang?
„Sebastian!“
Er drehte sich um. Es war Frank. Wahrscheinlich stand er da schon eine Weile.
„Kommst du mal? Wir haben da gleich noch einen Interviewtermin, hast du das vergessen?“
Obwohl er nichts von einem derartigen Termin wusste, nickte er. „Richtig. Weiß schon gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“ Er wandte sich an Hanna. „Tut mir leid, meine Liebe, aber du musst dir jetzt leider jemand anderen für ein nettes Gespräch suchen.“
„Natürlich, kein Problem“, antwortete sie mit einem Grinsen. „Grüß die interessierte Presse von mir.“ Sie winkte Frank und ließ Sebastian stehen.

Wir sehen, Absätze können unterschiedlich lang sein und aufgrund verschiedener Kriterien Sinneinheiten bilden, die obendrein der individuellen Interpretation und Wirkungsabsicht des Autors folgen. Dialoge, Erinnerungen, Gedankenmonologe, eine Reihe von miteinander verbundenen Handlungen, Landschafts-, Figuren- und andere Beschreibungen, Erzählerkommentare, … – das alles können Sinneinheiten sein, die in einem Absatz zusammengefasst werden. Theoretisch könnte man so jedem Absatz eine kleine Überschrift geben: A denkt über die nächsten Schritte nach. B unterhält sich mit C. D erinnert sich an seine Kindheit. E baut die Waffe zusammen. F betrachtet die Landschaft vor dem Fenster. G beobachtet den Neuankömmling. Der Erzähler spricht über Tante Berta.

Es empfiehlt sich außerdem, immer einen halben Blick auf die Länge der Absätze zu haben. Wenn gute Gründe dafür sprechen, ist ab und an ein sehr kurzer Absatz weniger schlimm als ein zu langer. Denn lange Absätze strengen den Leser an und wirken unübersichtlich. Viele kurze Absätze sorgen stattdessen für ein zerpflücktes, unruhiges Textbild. Keinesfalls ist aber die Länge das dominante Kriterium, um das ideale Ende für einen Absatz zu finden.

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Entern

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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© Patryk Kosmider

Nein, in dieser neuen Reihe geht es nicht um Piraten. Weder die, die die Gesetze umschiffen, noch die, die  … na ja, sagen wir, die Segel setzen. Stattdessen gibt das Artikelbild einen – zugegeben vagen – Hinweis, worum es geht: Um die verschiedenen Situationen, in denen der Autor die Entertaste nutzen wird. Ums Entern eben. Oder anders ausgedrückt, um strukturelle Unterbrechungen des Leseflusses im Werk des Autors.

Absätze fallen da als Erstes ein. Und sie sind es letztlich auch, die den Anlass zu dieser Reihe gaben, denn immer wieder entdecke ich Fragen zur Absatzgestaltung. Aber auch die richtige Kapitellänge ist regelmäßig Thema.

Ich habe mich entschieden, vom Großen zum Kleinen vorzugehen, weshalb das (vorläufige) Inhaltsverzeichnis zu dieser Reihe folgendermaßen aussieht:

  1. In Reihe
  2. In Serie
  3. Band für Band
  4. Bücher im Buch
  5. Kapitel oder Kapitulation?
  6. In Szene setzen
  7. Absetzen
  8. Sprecher wechseln
  9. Strophilieren
  10. Zeilen dichten

Ja, ich bin selbst gespannt, was mir dazu einfallt. Wir werden sehen. Demnächst auf diesem Schiff!

Der Minitipp: Sprecherwechsel

Damit der Leser im Dialog die Übersicht behält, sollte man den Sprecherwechsel kenntlich machen: neuer Sprecher – neue Zeile.

Das gilt übrigens auch, wenn der Sprecher gar nicht spricht, sondern nur schweigt oder sich am Kopf kratzt.