LesBar: Dem Tod verfallen

LesBar, Foto: Anneka
LesBar, Foto: Anneka
LesBar
(Foto: © Anneka)

War es nicht gerade das Geheimnisvolle, das mich angezogen hatte? Dieser Blick aus den Augen einer Leopardin?
Vom ersten Moment an hatte ich mir gewünscht, ihr zum Opfer zu fallen. War ich nun, nachdem ich schon fast verzweifelt aufgegeben hatte, endlich dem Ziel dieser Wünsche näher gekommen?

Ohne Zweifel. Denn ich befand mich allein mit ihr in einem abgedunkelten Zimmer. Ihrem Zimmer. Nur das Licht einer Kerze ließ ihre Augen funkeln.
Ihr Blick verriet mir, dass ich hoffnungslos verloren war. Sie musste nicht heucheln. Ich hatte begriffen, was unbegreiflich war. Und ich sah keinen Grund, mich dagegen zu wehren.

Ihre Kleidung und was ich im Schein der Kerze von der Einrichtung erkennen konnte, versetzte mich in eine andere Zeit. Eine andere Welt, die nun betreten wurde von einem weiteren Wesen, nicht weniger fesselnd als meine Leopardin, doch das Haupt schwarz behaart. Ein Panther!

Stumm saß ich ihnen gegenüber, still maßen mich ihre Blicke.
Dann, ein Schnurren! Auf leisen Sohlen näherten sie sich, zum Sprung bereit.
Sie spielten ein Spiel, spielten mit ihrer Beute. Sanft strichen ihre Pfoten über meinen Leib, die Krallen verborgen. Verräterisch kitzelte das Haar der einen meine Brust, liebkoste die Nase der anderen meinen Bauchnabel.

Es war kein Sträuben, das alle Härchen an meinem Körper aufrichtete. Die Erregung schickte mir heiße und kalte Schauer. Und als meine Männlichkeit auferstand, fühlte ich den Betrug, den dieses Wort der Stärke in sich barg. Doch ich lächelte.

Lächelte noch, als sie die Zähne bleckten, die Krallen aus den Tatzen fuhren, aus dem Schnurren ein Fauchen wurde und ich, in diesem Moment höchsten Glücks, dem Tod entgegensah.

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© Ben Philipp

Thalia-Krimisommer

Tatort Thalia 1

Tatort Thalia 1Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, bietet sich mir die Möglichkeit, gleich wieder zu verreisen! Nach Paris! Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich mich wirklich schon wieder auf den Weg machen soll, daher will ich das Schicksal schalten und walten lassen, indem ich euch die exklusive Chance weiterreiche, in die Stadt der Liebenden zu gelangen. Und das ist nicht der einzige Preis, der auf euch wartet, wenn ihr beim Thalia-Krimisommer erfolgreich seid:

Tatort Thalia 2Der Thalia-Krimisommer steht vor der Tür! „Tatort-Thalia – Unter Verdacht“ heißt das spannende Facebook-Krimi-Spiel, und die Aufgabe ist dieses Jahr besonders knifflig:
„Du wachst in einer Thalia-Buchhandlung auf und hast dein Gedächtnis verloren. Ein mörderischer Verdacht lastet auf dir. Du musst Hinweise sammeln, um den Verdacht gegen dich zu entkräften.“

Vom 16.07. bis Ende August hast du die Möglichkeit auf der Thalia-Facebook-Seite (https://www.facebook.com/thalia.at) deine Unschuld zu beweisen.
Auch dieses Jahr warten wieder tolle Preise!
Neben wöchentlichen Buchpreisen (auch viele signierte Bücher dabei) gibt es phänomenale Hauptpreise, ganz nach dem Motto: „Auf geht’s: aus der Stadt der Diebe in die Stadt der Liebe!“

  1. Hauptpreis: 1 Reise für 2 Personen nach Paris (Flug und 2 Nächte inkl. Frühstück)
  2. Hauptpreis: 1 Sony Playstation Vita + 1 Game
  3. Hauptpreis/e: 10 Stk. Cybook Odyssey von BOOKEEN (eReader)

Also, ihr verliebten Kriminalisten (und alle anderen), Unschuld beweisen!

Tatort Thalia 3

Der Minitipp: Domino der Erzählens

Domino, Foto: pzAxe
Domino, Foto: pzAxe
© pzAxe

Wer sich nicht sicher ist, wie er seine Geschichte ins Rollen bringt, dem hilft es vielleicht, sich klarzumachen, dass die meisten Geschichten aus Ereignisketten bestehen, die man mit dem Dominospiel vergleichen kann.

Ein erstes Ereignis gibt den Anstoß und setzt die Kette in Gang. Doch anders als beim Domino braucht es zwischen den Ereignissen immer wieder ein Bindeglied: den Helden, der auf das eine Ereignis reagiert und damit das nächste auslöst.

Der Tod lauert zwischen den Bäumen

Ursula Poznanski: SaeculumWieder ist es ein Spiel. Und wieder eines, das harmlos beginnt und böse endet. Doch diesmal lauert der Tod zwischen den Bäumen. Ursula Poznanskis „Saeculum“ ist noch mörderischer als ihr Megaerfolg „Erebos“.

Mit ihrem Jugendthriller „Erebos“ hat Ursula Poznanski einen Überraschungshit gelandet, der nicht nur Jung, sondern auch Älter und Alt in seinen Bann zog. Vollkommen zu Recht gewann sie dafür im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. In „Erebos“ geriet Nick in die Fänge eines heimtückischen Computerspiels, in „Saeculum“, vom Verlag in ein beeindruckendes Cover gehüllt, ist es Bastian, für den ein Spiel zur bitteren Realität wird. Seine neue Freundin lockt den angehenden Mediziner aus der biederen Enge des Studierzimmers zu einem Live-Rollenspiel in einem Waldstück fernab der Zivilisation. Doch dort wartet nicht nur Mittelalterromantik auf die Spieler, sondern auch der Tod. Ein Serienkiller? Oder doch der jahrhundertealte Fluch, der auf diesem Gebiet lasten soll? Bastian weiß schon bald nicht mehr, was er glauben soll. Zu allem Überfluss scheint es, als treibe auch seine Freundin ein falsches Spiel mit ihm.

Erwartungen nicht enttäuscht

Nach einem Buch wie „Erebos“ kann es keiner Autorin leichtfallen, dem Erwartungsdruck, der sich ohne Zweifel für den Nachfolger aufbaut, standzuhalten. Tatsächlich ist „Saeculum“ ein anderes Buch, das den Leser zunächst sanfter an die Hand nimmt. Die Sogwirkung, die der Vorgänger von der ersten Seite an aufbaute, lässt im direkten Vergleich hier ein wenig auf sich warten. Das ist nicht verwunderlich, braucht die Geschichte doch einfach mehr Zeit, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und sie überhaupt erst an den Handlungsort zu bringen. Mit Iris gibt es außerdem eine zweite Perspektivträgerin, deren Sicht zusätzlichen Raum einnimmt. Dennoch zählt gerade diese zweite Perspektive zu den vielen gelungenen Kniffen der Autorin, die Spannungsschraube schnell anzuziehen. Denn Iris umgibt ein Geheimnis, das gleich weiteren offenen Fragen darauf drängt, gelüftet zu werden, wodurch der Leser auch bei diesem Thriller bald schon die Buchseiten zum Fliegen bringt.

Hat das Spiel erst begonnen, baut Ursula Poznanski meisterhaft eine Spannungskulisse auf, die den Wolkenbergen der immer wieder herannahenden Gewitter am Spielort ähnelt und an Bedrohlichkeit kaum zu überbieten ist. Meisterhaft auch deshalb, weil der Leser zunehmend geneigt ist, am Verstand des Protagonisten zu zweifeln, nicht etwa, weil dieser an einen Fluch glaubt, sondern gerade weil er sich so standhaft dagegen wehrt, das Übernatürliche als real zu akzeptieren. Wenn Tote aus ihren Gräbern steigen, Madenplagen die frischen Vorräte befallen und Schmerzensschreie durch die Nacht gellen, verliert selbst die Fantasie des Lesers den Boden unter den Füßen. Ganz abgesehen davon, dass ein Rollenspieler nach dem anderen verlustigt geht. Bis es schließlich nur noch eine letzte Hoffnung auf Rettung gibt. Für alle außer Bastian!

Besser geht’s nicht

Es scheint kaum vorstellbar, dass einer Autorin gleich zweimal hintereinander der große Wurf gelingt. Der Wienerin Poznanski ist das gelungen. Wenn jemand zwei Bücher schreibt, von denen jedes für sich besser kaum vorstellbar ist, bleibt es schließlich dem persönlichen Geschmack des Lesers überlassen, einem von beiden den Vorzug zu geben. Glücklicherweise gibt es gar keinen Grund dafür, sich zu entscheiden.

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Ursula Poznanski
Saeculum
Jugendthriller

Klappenbroschur
Loewe 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Verlagsseite
Leseprobe
Homepage der Autorin

Im Sog von „Erebos“

Ursula Poznanski: Erebos
Ursula Poznanski: Erebos

Ursula Poznanski erhielt auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt für ihren Debütroman „Erebos“ den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 der Jugendjury. Und das, wie ich finde, vollkommen zu Recht.

Das Buch erzählt die Geschichte des sechzehnjährigen Nick, der in den Sog eines Computerspiels gerät, das an seiner Londoner Schule mit viel Geheimniskrämerei herumgereicht wird. Erebos aber ist kein Spiel wie jedes andere. Die Regeln sind streng, die Aufgaben schwer und sie finden zum Teil in der Realität statt. Was Nick noch nicht weiß: Das Spiel verfolgt ein Ziel. Ein böses Ziel!

Der Leser und Nick

Dem Leser, ja, ich bin sicher, nahezu jedem, der das Buch zu lesen beginnt, geht es nicht anders als Nick: Er gerät in einen unnachgiebigen Sog. „Erebos“ entwickelt als Buch dasselbe Suchtpotential wie das Spiel, von dem es erzählt. Das gelingt Ursula Poznanski durch einen ebenso einfachen wie genialen Trick: Sie lässt den Leser ganz und ausschließlich mit Nick miterleben.

Dabei ist Nick ein ganz gewöhnlicher Junge. Er wird uns weder als in irgendeiner Weise besonders heldenhaft vorgestellt noch braucht er unser Mitleid. Er ist bei weitem kein Heiliger. Wenn da auch hin und wieder ein Gespür für Ungerechtigkeiten aufblitzt, ein aktiver „Gutmensch“ ist Nick nicht. Auch leidet er nicht, kann mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden sein, ist in keinster Weise einer der Außenseiter, die dem Leser schon allein deshalb ans Herz gehen, weil er ihnen wünscht, sich im Laufe der Geschichte aus dieser unterprivilegierten Rolle herauszukämpfen. Nein, Nick ist sicherlich ganz sympathisch, aber auch nicht mehr.

Rätsel und Bedrohung

Dass dieser Protagonist den Leser dennoch sofort ganz bei sich hat, liegt an dem Unwissen, das beide, Nick und der Leser, gleich zu Beginn der Geschichte teilen. Irgendetwas stimmt nicht. Vor allem mit Colin, einem guten Freund Nicks, der sich seltsam verhält, was offenbar mit merkwürdigen Päckchen zu tun hat, die an der Schule verteilt werden, über die aber niemand etwas verraten will. Und Nick hat noch keines dieser Päckchen, womit er in dieser Hinsicht doch zu einem Ausgeschlossenen wird, der das Rätsel um seine eingeweihten Mitschüler unbedingt lösen will.

Auch im Fortgang der Handlung trägt das Rätselhafte rund um Erebos ganz entscheidend zum rasanten Spannungsbogen bei. Denn Erebos zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Interaktion mit dem Spieler aus, kann wahrlich als intelligentes Spiel bezeichnet werden, weiß alles und lässt sich nicht täuschen, weder im Spiel noch in der Realität. So kommt zum Rätselhaften noch die stets präsente Bedrohung, die den Leser durch die Seiten preschen lässt, um zu einem originellen und überraschenden Ende zu gelangen.

Ein Buch für jeden

Nicht nur versierte Computerspieler werden mit Nick mitfiebern, froh darüber, dass die Autorin zu keiner Zeit einen moralischen Zeigefinger in die Höhe hebt, „Erebos“ kann Leser weit über die anvisierte Zielgruppe hinaus in seinen Bann ziehen. Das gilt auch für das Alter. Dieser Jugendthriller ist im besten Sinne des Wortes all age.

Viel Lob für ein Buch, das mir die Luft für Detailkritik genommen hat. Sie wäre ohnehin nur Erbsenzählerei.

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Ursula Poznanski
Erebos
Jugendthriller

Taschenbuch
Loewe 2010
ISBN: 978-3-7855-7361-7

Klappentext:

In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht – Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten.

Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden.

Auch Nick ist süchtig nach Erebos – bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen …

Auszeichnungen:

  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2011 (Jugendjury)
  • Ulmer Unke 2010
  • Buch des Monats März 2010 (Jubu-Crew Göttingen)

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Leseprobe
Pressestimmen
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Auf der Suche nach dem OYO

Es ist ganz eindeutig: E-Books sind im Aufwind! Wie sonst ließe sich erklären, dass der Buchhandelskette Thalia ein Lesegerät für ebensolche elektronischen Bücher entwendet wurde, das auf den kafkaesken Namen OYO hört?

Die verzweifelten Buchverkäufer haben aus diesem Grund einen Aufruf gestartet und wenden sich damit an all jene, die glauben, mittels logischer Schlüsse den Tätern auf die Spur kommen zu können.

Game Start

Ab Freitag dürft ihr euch als Top-Ermittler erweisen und gleichzeitig auf eine hohe Belohnung hoffen:

Thalia Krimisommer

Der Sommer wird spannend:
Thalia präsentiert auf Facebook ein Krimirätsel, dessen Lösung nur mit Hilfe der User möglich ist.

Mission:
Bei Thalia wurde ein OYO gestohlen, die Facebook-­‐Fans begeben sich auf Verbrecherjagd. Knifflige Fragen warten darauf, richtig beantwortet zu werden. Wer sich behauptet und viele Punkte einsammeln kann, hat die Chance auf den Wochensieg und eine kleine Überraschung. Gespielt werden kann auf den Facebook-­‐Seiten von Thalia Österreich, Deutschland und Schweiz.

Auf der Spur:
Insgesamt 6 Wochen lang wird der Krimisommer dauern und durch ebenso viele Levels führen. Jeden Freitag startet das neue Level, los geht‘s am Freitag, 15. Juli.

Geschafft:
Am Ende jeden Levels winken tolle Preise! Wer bis zum Ende des gesamten Krimisommers die meisten Fragen richtig beantwortet und viele Punkte eingeheimst hat, kann eine Reise gewinnen – in die Krimihauptstadt London!

Zum Spiel:
Österreich: http://www.facebook.com/thalia.at
Deutschland: http://www.facebook.com/thalia.de
Schweiz: http://www.facebook.com/thalia.ch

Level 6

Feuer und Dampf beim Phantastikpreis?

In den Juli-News der Geschichtenweber heißt es:

„Von Feuer und Dampf“ findet sich in der Vorschlagsliste der Jury für den Deutschen Phantastik Preis 2011 wieder. Das bedeutet zwar noch keine automatische Nominierung für die Top 5, ist aber doch ein Zeichen dafür, dass die Anthologie bereits einigen Leuten bestens in Erinnerung geblieben ist. Wir werden gespannt verfolgen, ob es das Werk in die Endrunde der besten 5 schafft.

Na, da hoffe ich doch mal, dass nicht nur wir Autoren mitfiebern und Daumen drücken!

Mehr Geschichtenweber-News (unter anderem zum neuen Geschichtenweberspiel)

Weil heute Montag ist

WortbeflüglerMontag, das Wochenende ist vorbei, das Fleisch ist willig, nur der Geist noch nicht wach?

Dann nützt es vielleicht, ein bisschen die eigene Kreativität anzukurbeln. Aber etwas Anregung kann sicher nicht schaden. Da hilft mein Alter-Ego Valentiner. Jeden Montag stellt er mit dem Wortbeflügler einen Spruch, ein Gedicht oder ein kurzes Stück Prosa bereit, dass ihr auf jede erdenkliche Weise beflügeln könnt.

Ob ihr mit dem Text in einen schriftlichen Dialog tretet, ihn zeichnender- oder fotografierenderweise illustriert, ihn rezensierend in den Boden stampft, ihn variiert oder fortführt, ob ihr ein Lied dazu schreibt oder singt, ein Video dreht oder was auch immer, alles gilt als rechtlich und moralisch sauber beflügelt.

Wie die genauen Spielregeln lauten (denn mehr als ein Spiel will es nicht sein), könnt ihr hier nachlesen.

Leichtes Spiel mit den Drachen

Als der Drache ihn sah, brüllte er fürchterlich und spuckte heißes, rotes Feuer. Da rutschte Arnlf das Herz in die Hose und er hatte Angst. Verzweifelt überlegte er sich eine List, mit der er den Drachen austricksen konnte. Aber er hatte keine Zeit mehr. Also lief er erst mal weg. Der Drache, der vor dem kleinen Jungen keine Angst hatte, brüllte und spuckte noch mehr und breitete seine Flügel aus und wollte sich in die Luft heben. Doch er hatte den Baum nicht gesehen, der da im Weg stand. Und so stieß er sich den Kopf und plumpste zu Boden und war tot.

Der Ausschnitt stammt aus der Geschichte „Arnlf und der Drache“. Geschrieben wurde sie von mir. Nicht etwa in jungen Jahren, wie man hoffentlich vermuten kann, sondern vor ein paar Jahren als Wettbewerbsbeitrag für die Nacht der schlechten Texte. Ohne Erfolg übrigens, aber darum geht es heute nicht.

Es gibt sicher einiges, was man an dem Textausschnitt bemängeln könnte, aber eines fehlt ihm nicht: ein echter Konflikt. Was soll man auch anderes erwarten, wenn ein junger Bursche einem Drachen gegenübersteht. Drachen sind schließlich allgemein bekannt dafür, Konflikte zu verursachen.

Arnlf hat also ein handfestes Problem und wie es sich für einen Protagonisten gehört, versucht er es zu lösen. Aus Zeitmangel entscheidet er sich allerdings zunächst für eine Fluchtstrategie. Dass er damit keine endgültige Konfliktlösung herbeiführt, dürfte jedem einleuchten, der schon einmal Streit mit einem Drachen hatte.

Doch die Lösung naht – oder besser: wartet – in Gestalt eines Baumes. Glück gehabt! Der Leser kann aufatmen und sich für einen Moment zufrieden zurücklehnen.

Deus ex machina

Oder doch nicht? Natürlich nicht, das leuchtet jedem ein. Dass Arnlf mit dem Leben davonkommt, verdankt er nur einem dummen Zufall. Deus ex machina (Gott aus der Maschine) nennt man das. Und das geziemt sich für einen Helden oder sonstwie gearteten Protagonisten eben bestenfalls, wenn er Teil einer parodistisch, satirisch oder komödiantisch angelegten Geschichte ist. Andernfalls hat er gefälligst seine Konflikte selbst zu lösen und glückliche Zufälle ebenso wie andere Götter, ob sie nun aus einer Maschine oder einem Marmeladenglas kommen, zu meiden wie der Elefant das Mauseloch.

Gut, das heißt also, unser Drache darf nicht durch den Baum sterben. Falsch! Darf er doch, aber nicht, ohne dass Arnlf das so geplant hat. Wenn unser kleiner Held den Baum in seinen genialen Drachentöterplan einbezogen hat, wenn er den Drachen vielleicht sogar erst unter diese Mordwaffe gelockt und ihn dann derart zur Raserei gebracht hat, dass der Lindwurm dieses kleine Detail bei den überstürzten Startvorbereitungen übersieht, dann wird der Leser wohlwollend Arnlf den heldenhaften Sieg zuerkennen. Schließlich hat das beim tapferen Schneiderlein auch schon funktioniert.

Na, ist doch gar nicht so schwer, wird sich der Autor jetzt denken. Wieder falsch. Aus dem von mir hier angebrachten plumpen Beispiel lässt sich nämlich leider noch nicht ablesen, dass es der Autor leider oft viel schwerer hat, der zuschnappenden Zu-Falle zu entgehen.

Begrifflich ist nicht ganz eindeutig, wann etwas noch als Deus ex machina bezeichnet werden kann und wann nicht mehr. Nehmen wir an, im Originalbeispiel würde der Drache durch den Baumschlag nur betäubt. Arnlf fasst sich ein Herz, nimmt sein Schwert und rammt es dem Untier ins Herz. Er hat nun immerhin seinen Teil zur Konfliktlösung beigetragen, wenn auch mit „göttlicher“ Hilfe. Ob man das noch als Deus usw. bezeichnen will oder nicht, bleibt sich für den Leser aber letztlich gleich.

Eigenbeteiligung reicht nicht, Leistung zählt

Das erste Problem ist also, dass es nicht reicht, den Protagonisten wenigstens ein bisschen zu beteiligen, wenn er schon Hilfe von oben bekommt. Dem Ermittler, dem nur deshalb ein Licht aufgeht, weil dem Täter die Leiche direkt vor des Kommissarios Füße fällt, wird kaum mehr Achtung zuteil, weil er die Tote erst aus einem Kartoffelsack wickeln muss.

Es macht also der Autor alles richtig, der es seinem Protagonisten so schwer wie möglich macht. Leider trifft das dann auch auf den Autor selbst zu. Scheinbar ausweglose Situationen haben es nun mal an sich, dass sich scheinbar kein Ausweg aus ihnen finden lässt.

Doch genau das ist sie Aufgabe des Autors: Eine Lösung zu finden, die einerseits im Rahmen der Möglichkeiten der Figur bleibt, diese aber andererseits auch voll ausschöpft. Und eine, die im Rahmen der Geschichte bleibt, ohne plötzlich die Welt auf den Kopf zu stellen.

Wenn es also von unserem Drachen heißt, er lebe in einem felsigen Tal, das von seinem feurigen Atem schwarz gefärbt sei und in dem keine Pflanze mehr wächst, fällt der Baum als Arnlfs Lebensretter schon mal weg, wie clever sein Plan damit auch immer gewesen wäre. Wenn Arnlf, um überhaupt in das Tal zu gelangen, eine viele, viele Meter hohe Steilwand herunterkraxeln musste, sind auch seine Fluchtmöglichkeiten mehr als begrenzt.

Der Autor wird also vermutlich kaum weniger ins Schwitzen kommen als sein Protagonist. Sollte ihm übrigens selbst nach Wochen ausgiebigen Grübelns keine praktikable Lösung einfallen, darf er sich natürlich gern in seinem Manuskript zurückbewegen und mit den notwendigen und entsprechend mehr oder weniger umfangreichen Änderungen dem Drachen eine (ein ganz klein bisschen!) drachentöterfreundlichere Behausung zaubern.

Von Problemlösungen, Supermännern und Ich-AGs

Die wichtigsten Punkte, damit der Leser dem problemlösenden Protagonisten wohlgesonnen bleibt, sind also:

  • der Protagonist sollte im Verlauf der Geschichte überhaupt erst einmal das eine oder das andere Problem bekommen, wobei sich seine Geschichte sowieso nur durch seine Beschäftigung mit dem einen, dem zentralen Problem entwickelt,
  • er sollte bei der Lösung des Problems auf eine eigene Leistung angewiesen sein,
  • je größer diese Leistung, desto besser,
  • um die Glaubhaftigkeit zu bewahren, muss die Lösung im Rahmen der potenziellen Möglichkeiten der Figur und der Vorgaben der Geschichte bleiben

Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich darf der Protagonist jederzeit Hilfe haben. Wie langweilig wäre ein Held, der alles kann und alles weiß. Selbst Superman holt gern einmal den Rat von Experten ein. Mehr noch: Er gerät gar nicht einmal selten in Situationen, in denen er auf einen Lebensretter angewiesen ist (und die in der Regel mit Kryptonit zu tun haben). Nur hilft ihm das letztlich nicht, sein Problem zu lösen. Der Superschurke (wie wäre es mit Lex Luthor) ist mindestens genauso mächtig wie zuvor und will noch immer Böses tun. Und da muss Superman weiterhin selbst ran.

Der Protagonist muss also die entscheidenden Schritte tun auf dem Weg zur Lösung des zentralen Konflikts, aber nicht zu reinen Ich-AG werden.

Der mucCon stellt sich vor

mucCon? Was ist das denn? Hier die Antwort:

Was?
Der mucCON ist ein Literatur-Con mit Schwerpunkt Fantastik und findet im Jahr 2011 zum ersten Mal statt.

Wann?
6. November 2011 von 10:00 bis 20:00 Uhr.

Wer?
Autoren, Referenten, Künstler, Aussteller, Verleger, … – und natürlich Bücherfreunde und Literaturliebhaber jeden Alters.

Wo?
Oberangertheater, Oberanger 38, 80331 München.

Warum?
In München und um München herum existiert noch kein vergleichbares Angebot. Natürlich gibt es die eine oder andere Büchermesse, das eine oder andere Literaturfest. Dort triffst du aber immer nur die mittleren und großen Verlage, nicht die Kleinverleger, deren Bücher in deinem Regal stehen. Wir wollen Literatur zum Anfassen! Auf dem mucCON triffst du alte und neue Freunde, kannst im reichhaltigen Bücherangebot stöbern, hier ein Spiel ausprobieren, dort ein Fan-T-Shirt oder ein fantastisches Schmuckstück kaufen.

Bei uns findest du ein vielfältiges Angebot an garantiert nicht alltäglichen Produkten rund ums Buch und obendrauf ein fantastisch-literarisches Zusatzprogramm. Du hast direkten Kontakt zu den Verlegern und lernst unsere Autoren und Künstler persönlich kennen.

Mehr erfährst du unter http://www.muc-con.de

Multiple Persönlichkeit zwischen Berg, Goethe und Kafka

Nicht, dass ich glaubte, ihr würdet euch langweilen, nur weil ich mal eine Woche nicht da bin (Buchmesse). Zumal ich ja möglicherweise den ein oder anderen Blogeintrag vom Netbook aus beisteuern werde.

Dennoch will ich euch eine lustige Spielerei offenbaren, auf die ich meinerseits durch einen Eintrag im Forum von Literatopia gestoßen bin (danke, Lars!). Na ja, wenn ich es recht bedenke, ist es keine Spielerei, sondern für jeden Autor die Antwort auf die lang ersehnte Frage (oder umgekehrt): „Von wem habe ich eigentlich meinen Schreibstil geklaut?“

Wenn das mal keine ernste Sache ist! Bevor ihr nun sofort auf einen Link klicken wollt, um zu erfahren, welche(n) bekannten Autor(en) ihr mehr oder weniger erfolgreich kopiert, will ich euch noch offenbaren, was der digitale Experte der FAZ zu einigen meiner Werke sagt:

Nun seid ihr sicher schon ganz aufgeregt, daher nun endlich euer Weg zur Lösung oder zum Beginn all eurer Probleme:

FAZ.NET: Ich schreibe wie …

Das Über-Ich

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Das Über-Ich“, die in der Geschichtenweber-Anthologie „Optatio Onyx – Wünsche des Verderbens“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Adrian fehlen vor allem zwei Dinge: Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft. Darüber hinaus glänzt er nur durch Schüchternheit. Als er sich durch ein Kaufhaus in Frankfurt schleicht, um die Bedürfnisse seiner geschenksüchtigen Frau zu befriedigen, wird er fast von einem Mann überrannt, der vor einer Rockerbande flüchtet.
Adrian findet einen geheimnisvollen Armreif, den vermutlich der Verfolgte verloren hat. Von nun an wird sich sein Leben gründlich ändern.

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Adrian begann den Haufen nutzlosen Krams zu durchsuchen, der sich zu Schleuderpreisen vor ihm auftürmte: bunte Kämme, grüne und rote Plastikbecher, Haarspangen in allen Farben … Nichts davon taugte auch nur annähernd für den erwarteten Liebesbeweis. Dann sah er diesen schwarzen Stein zwischen der Billigware glänzen. Er griff danach und zog einen Armreif hervor. Das war es wohl, was dem armen Mann vom Handgelenk gefallen war. Er sah ein wenig zu wertvoll aus für einen Wühltisch: ein schwarzer halbmondförmiger Stein mit weißen Verzierungen. Adrian kannte sich mit Schmuck nicht aus und hatte keine Ahnung, um welche Art Stein es sich handeln könnte. Nur wusste er, dass er ihn eigentlich seinem Besitzer zurückbringen müsste. Als er an den Verfolgten dachte, fröstelte ihn.

Er strich mit dem Finger über den Reif und ein leichtes Kribbeln breitete sich in seiner Hand und dann in seinem Arm aus. Vielleicht sollte er erst einmal sicher gehen, ob der Armreif nicht doch schon hier gelegen hatte. Er ging zur nächstgelegenen Kasse und stellte sich ans Ende der Schlange.

»Entschuldigung?«
Die Kassiererin hatte sich, als er an der Reihe war, zu einer Kollegin umgedreht und begonnen über ein Telefonat mit ihrem Liebsten zu erzählen. Jetzt drehte sie sich zu ihm um und musterte ihn genervt.
»Entschuldigen Sie bitte, ich will wirklich nicht lange stören. Ich wollte nur fragen, ob dies hier«, er zeigte den Armreif vor, »zu Ihrem Sortiment gehört.«
»Wo haben Sie es denn gefunden?«
»Dort auf dem Wühltisch.«
Die Kassiererin zögerte einen Moment, ließ den Blick ihrer rehbraunen Augen noch einmal an Adrian heruntergleiten, strich dann ihr blond gefärbtes Haar zurück und sagte: »Natürlich gehört das zu unserem Sortiment.«
»Es ist nur, weil kein Preisschild dran war.« Seine Stimme wurde immer leiser. Er fingerte am Gestell seiner Brille herum. »Und dann war da dieser Mann, der …«
»29,99.«
»Wie bitte?«
»Es kostet neunundzwanzig Euro und neunundneunzig Cent.«
Die Kollegin der Kassiererin versuchte ein Kichern zu unterdrücken.
»Sind Sie sicher?«
»Wollen Sie es nun kaufen oder nicht?« Die Verkäuferin machte Anstalten, sich wieder umzudrehen.
»Hier wollen auch noch andere Leute einkaufen«, hörte Adrian eine keifende Stimme hinter sich. Er drehte sich gar nicht erst nach ihrer Besitzerin um, kramte das Portemonnaie aus der Innentasche und zählte dreißig Euro auf den Kassentisch. »Stimmt so, vielen Dank.«

Warum war er nur immer so ein Weichei? Er wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als wenigstens ein bisschen selbstbewusster zu sein. Er blieb stehen, drehte sich um, ging zurück. Diesmal stellte er sich nicht an. Und er sprach so laut, dass es die gesamte untere Etage hören musste.
»Wissen Sie, Sie können das Geld behalten. Kaufen Sie sich etwas Schönes dafür. Aber denken Sie nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass Sie mich verarscht haben. Was sind Sie nur für eine erbärmliche Kreatur. Glücklicherweise komme ich nicht aus Frankfurt, denn bei Ihnen wollte ich sicher nicht noch einmal einkaufen!«

Er fühlte sich gut, fühlte sich … so hatte er sich noch nie gefühlt. Sicher, irgendwie. Stark, ein bisschen. Er störte sich nicht daran, was die Kaufhausangestellte jetzt von ihm dachte. Ihn störten auch die Blicke der anderen Kunden nicht, die ja nicht wissen konnten, warum er gerade so laut geworden war. Ja, er war laut geworden. Wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben. Und er konnte sich gar nicht erklären, warum.

Jedenfalls hatte er jetzt die richtige Kleinigkeit für Isabell. Natürlich wusste er, dass der Armreif eigentlich dem armen Verfolgten gehören musste. Doch selbst um den wollte er sich jetzt nicht weiter kümmern. Was ging ihn das Leid des Fremden an? Adrian hatte keine Lust, weiter durch Frankfurts Einkaufszentren zu latschen. Außerdem war er gerade dreißig Euro für den Armreif des Mannes losgeworden. Er hatte ihn also rechtmäßig erworben. Und er musste zum Bahnhof.

Er hatte eine Platzkarte für einen Sitz im Nichtraucherabteil am Fenster in Fahrtrichtung. Es war nicht ungewöhnlich, dass es Menschen gab, die darauf keine Rücksicht nahmen. Schon auf der Hinfahrt am Freitag hatte er seinen Platz einer dicken Frau überlassen müssen, weil er es einfach nicht übers Herz gebracht hatte, seinen Anspruch geltend zu machen. Diesmal saß ihm ein junger Mann etwa in seinem Alter im Weg und rauchte. Alle anderen Plätze waren noch frei, schließlich fuhr der Zug erst in knapp zwanzig Minuten.
»Guten Tag. Sie sitzen auf meinem Platz.«
Der Raucher blickte ihn amüsiert an. »Das tut mir leid. Aber vielleicht könnten Sie sich woanders hinsetzen? Es ist ja alles frei. Und mir wird schlecht, wenn ich nicht am Fenster sitzen kann«, sagte er, und als er dem Blick Adrians zum zweiten Fensterplatz folgte, fügte er noch hinzu: »In Fahrtrichtung.«
Adrian war ganz ruhig. »Sehen Sie, guter Mann: Eigentlich ist es mir scheißegal, ob Ihnen von Ihrem Platz oder Ihrer Zigarette schlecht wird. Solange es nicht auf dem Platz geschieht, den ich reserviert habe. Da sitze nämlich ich. Sie dürfen also aufstehen, das Fenster öffnen, Ihren Glimmstängel dort hinauswerfen, Ihre Sachen packen und sich einen anderen Fensterplatz in Fahrtrichtung suchen.«
Sein Gegenüber öffnete den Mund, fragte dann aber nicht einmal nach dem Beweis für die Reservierung und tat – in der vorgegebenen Reihenfolge – wie ihm geheißen.
Adrian war selbst verwundert über seine Worte. Doch er fühlte sich dabei sehr wohl. Wie schön wäre es, dachte er, wenn ich das Abteil bis Marburg für mich hätte.

Das war freilich sehr unwahrscheinlich, denn an der Reservierungstafel konnte er ablesen, dass auch die anderen fünf Plätze ab Frankfurt belegt waren. Immerhin schienen das auch die Fahrgäste zu akzeptieren, die sich nun in immer kürzeren Abständen an der Abteiltür vorbeischleppten. Doch als der Zug endlich anruckte, selbst als er den Frankfurter Bahnhof schon eine Weile verlassen hatte, waren die anderen Plätze noch immer nicht besetzt. Vielleicht sind meine Mitreisenden krank geworden, mutmaßte Adrian. Oder verstorben. Das nenne ich Glück. So lässt es sich reisen.

Tatsächlich blieb er bis Marburg allein. So ließ es sich auch verschmerzen, dass er überhaupt mit dem Zug fahren musste. Isabell hatte das Auto gebraucht, weil sie gestern Abend ihre Freundin Marla in Cölbe besuchen wollte. Cölbe! Dahin hätte sie auch zu Fuß gehen können. Während er zur Weiterbildung nach Frankfurt in den überfüllten Zug steigen musste, reiste sie die paar Kilometer in seinem Passat. Aber er ließ ihr ja immer ihren Willen, riss sich den Arsch auf für Madame. Doch damit sollte jetzt Schluss sein.

Bisher hatte er sich eingeredet, er könne froh sein, überhaupt eine solche Traumfrau geehelicht zu haben, und müsse ihr, allein um sie zu halten, jeden Wunsch von den Augen ablesen. Er war aus allen Wolken gefallen, als sie ihm – wenn auch ein bisschen beschwipst – vor genau zwei Jahren und zweihunderteinundzwanzig Tagen ihre Liebe eingestanden hatte, war er doch noch einen Tag zuvor im Glauben gewesen, er sei in der Herrenboutique des Lebens der Ladenhüter schlechthin.

Jetzt war er sich sicher, dass er sich bis heute eindeutig unter Wert verkauft hatte. War nicht Isabell der beste Beweis dafür, dass er gar nicht so ein unattraktiver Kerl sein konnte? Musste sie nicht eigentlich froh sein, jemanden wie ihn ergattert zu haben?

Der Zug fuhr auf dem Marburger Bahnhof ein. Adrian wartete nicht wie üblich, bis sich alle anderen Fahrgäste, die hier aussteigen wollten, an seinem Abteil vorbeigedrängt hatten. Als er seine Sachen beisammen hatte, öffnete er die Tür zum Gang und schob sich direkt vor einer älteren Dame hinaus.
»Müssen Sie so drängeln, junger Mann? Haben Sie denn keine Achtung vor dem Alter?«
»Apropos Alter«, antwortete Adrian. »Wo wollen Sie denn in Ihrem Alter noch so eilig hin? Die Endstation erreichen Sie doch noch früh genug.«
Das ungläubige Kopfschütteln der Oma brachte ihn zum Lachen. Überhaupt fühlte er sich prächtig. Er war ein ganz neuer Mensch, seit … ja, seit er diesen merkwürdigen Armreif gekauft hatte.

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Optatio OnyxTimo Bader (Hrsg.)
Geschichtenweber: Optatio Onyx – Wünsche des Verderbens
Hardcover, 240 Seiten
Web-Site-Verlag, 2005

Klappentext:

Ein Armreif aus Onyx, beseelt von einer bösen Macht …

Ruhelos, von einem dunklen Fluch vorangetrieben, wandert er durch die Welt. Weder die Tiefen des Meeres noch der raue Wind in den Bergen werden ihn jemals aufhalten können, einen Träger zu finden, der seinem Bann erliegen wird. Wenn sein dunkler, geheimnisvoller Glanz ruft, kann niemand an ihm vorüber gehen.

Vor vielen Jahrhunderten gerieten Worte in Vergessenheit, die unsere Urahnen einst in ihrem Herzen trugen:

»Sei gewarnt, Fremder, ihn an dich zu nehmen und mit einem unbedachten Wunsch zum Leben zu erwecken! Denn dann beginnt das finstere Spiel … Plötzlich wird das Undenkbare Wirklichkeit, und kein Verlangen ist zu bizarr, als dass du es vor ihm verbergen könntest … Prüfe deinen Wunsch, Unglücksseliger, denn er könnte in Erfüllung gehen! Verflucht ist er und verflucht sei deine Arroganz, ihn für ein Geschenk der Erde zu halten – den Stein der Egoisten. Verlasse dich nicht auf das Glück, das er dir schenken wird – hast du doch ebenso das Unglück heraufbeschworen …«

Dunkel ist der Fluch, den der Armreif birgt. Jeder Wunsch erfährt eine schreckliche Entstellung. Und jeder Traum, den er erfüllt, führt den Träumenden einen Schritt näher zum Abgrund …

Timo Bader: Das Erbe des Schlangenkönigs
Philipp Bobrowski: Das Über-Ich
Marion Charlotte Mainka: Und kein Makel ist an ihr
Claudia Hornung: Im Zeichen des dunklen Herrschers
Joachim Ranc: Die Zeit der schwarzen Tränen
Mandy Schmidt: Im Reich der Tukona
Claudia Donno: Der perfekte Mann
Ruth Borcherding-Witzke: Sisyphus
Marlies Eifert: Till, der Maler
Jörg Olbrich: Der Dicke und das Biest

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Vor den Kulissen

Der Vorhang ging auf und der Blick wurde frei auf prächtig gestaltete Kulissen. Sie strahlten in allen erdenklichen Farben und wie um es zu betonen, geschah eine ganze Weile nichts anderes, als dass sie von den Bühnenscheinwerfern mal auf die eine, mal auf die andere Art beleuchtet wurden.

Mir erging es zunächst nicht anders als den anderen Theatergästen: Ich saß und staunte, welche Mühe auf die Kulissen verwendet worden war, die mit Recht und Stolz in dieses und jenes rechte Licht gerückt wurden.

Dann begann das Schauspiel. Die Darsteller traten auf, sprachen ihren Text und handelten danach. Doch konnte ich meinen Blick kaum von den Kulissen lösen. Die Mimen und ihr Spiel waren im Vergleich zu dem bunten Hintergrund nur in blasse Farben gewandet. Ihre Sätze sprachen sie nur leise, um den Eindruck der Kulissen nicht zu gefährden.

Aber mit der Zeit wurde mir das Bunt zu grell und zu aufdringlich. So zwang ich mich, dem Spiel zu folgen, das ja eigentlich im Vordergrund ablief. Ich blendete die Kulissen völlig aus und stellte erschreckt fest, dass nicht viel übrig blieb. Einige der Schauspieler sprachen gar nur über den so großartigen Bühnenaufbau. Und mir ging auf, es handelte sich bei dem dargestellten Spiel nur um die Kulisse der Kulisse.

Ich schaute durch die Reihen im Publikum und sah ein paar, denen dies in ähnlicher Weise Unbehagen bereitete wie mir. Andere aber starrten weiter gebannt und mit offenen Mündern auf das Farbenspiel.

Ich entschloss mich, das Theater frühzeitig zu verlassen. Und während ich mich von meinem Sitz erhob, fühlte ich mich an so manchen Historischen oder Fantasyroman erinnert.

Maikes Rätselseiten

Eine wunderschöne Homepage kann dennoch Rätsel aufgeben. So zum Beispiel die der Autorin und Geschichtenweberin Maike Schneider.

Wie in einem Abenteuerspiel muss man erst die Gegenstände finden, die einem die Türen zu Maikes Reich öffnen. Hat man sie erst gefunden, gibt es so einiges zu entdecken. Kurz: Spiel – Spannung – Maike Schneider.

Viel Spaß beim Suchen