Entern: Absetzen

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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© Patryk Kosmider

Ein Absatz ist rein formal gesehen ein Abschnitt eines Textes, der durch Zeilenumbrüche eingegrenzt und damit optisch hervorgehoben wird. Er beginnt nach einem Zeilenumbruch und endet mit einem Zeilenumbruch. Er kann zusätzlich kenntlich gemacht werden, indem, wie in diesem Blog, vor und/oder nach einem Absatz (also mit dem einmaligen Betätigen der Entertaste) ein größerer Zeilenabstand erzeugt wird. Außerdem wird der Absatz häufig durch Einrückung der ersten Zeile zusätzlich markiert. Beide Formatierungen sind allerdings von den meisten Verlagen in Manuskripten nicht erwünscht.

Gut, das alles ist noch recht simpel. Schwierig wird es, wenn wir uns fragen, wann denn nun der Zeitpunkt gekommen ist, einen Absatz abzuschließen und einen neuen zu beginnen. Von der Szene wissen wir, dass sie (im Idealfall) einen eigenen Spannungsbogen besitzt, ist das beim Absatz auch so? Nein, von Spannungsbögen kann man bei solch kleinen Abschnitten wahrlich nicht sprechen. Eher von Sinneinheiten. Und die können nun mal recht unterschiedlich geprägt sein und sind obendrein individuell interpretierbar. Manchmal wird man sich dabei eher auf sein Gefühl verlassen. Feststehende Regeln gibt es nicht, weshalb ich einfach mal an einer Szene aus meinem Ben-Philipp-Roman „Kampf um jeden Meter“ ein paar Möglichkeiten demonstrieren will.

Er schüttelte Lucas die Hand.
„Danke, Sebastian. Tut mir leid für dich.“
„Ach was“, wehrte er ab. „Die Hauptsache ist doch, dass dir nichts weiter passiert ist.“ Er hoffte, dass es genauso glaubhaft klang wie Lucas’ Bedauern. Gerade noch rechtzeitig besann er sich. „Ich wünsch dir viel Glück in der Quali.“
Lucas bedankte sich und setzte den Helm auf. Er würde als einer der ersten auf die Strecke gehen.

Die Szene beginnt mit einem Dialog. Den Sprecherwechsel, den der nächste Artikel genauer behandelt, rechnen wir trotz Zeilenumbruch nicht als einzelne Absätze. Der gesamte Dialog bildet also einen Absatz. Das nach dem Dialog etwas Neues beginnt, was einen neuen Absatz nahelegt, ist, denke ich, recht nachvollziehbar.

Obwohl Sebastian noch immer enttäuscht war, spürte er ein Kribbeln, als sei er es selbst, der nun das Team in eine gute Startposition bringen musste. Es verstärkte sich noch, als der Motor aufheulte und Lucas den Wagen aus der Box fuhr.

Der zweite Absatz ist recht kurz, weshalb man überlegen könnte, ihn an den vorherigen anzubinden. Allerdings gibt es eben einen inhaltlichen Schnitt: Das Gespräch ist vorbei, Lucas fährt aus der Box, weshalb offenbar auch ein bisschen Zeit zwischen Absatz 1 und Absatz 2 vergangen sein muss, wenn auch nur einige Minuten. Eine deutliche inhaltliche Zäsur gibt es auch zum folgenden Absatz.

Sebastian schaute zur Box von Christian. Auch er machte sich bereit. Als eines der neuen Teams musste Virgo erst einmal eine sichere Zeit fahren, konnte sich das Risiko nicht leisten, erst am Ende des Turns auf die Strecke zu gehen.

Wieder ein kurzer Absatz, und wieder könnte man diskutieren, ob man ihn  nicht diesmal mit dem folgenden Absatz zusammenlegen will. Es spricht wenig dagegen. In beiden Absätzen schaut sich Sebastian in der Box um, allerdings fällt im folgenden Absatz der Blick auf die Frau, die im Spannungsbogen der gesamten Szene für den Konflikt sorgt, sie ist hier die Antagonistin. Daher habe ich mich entschieden, das mit einem neuen Absatz zu würdigen.

Im hinteren Teil von Christians Box sah er eine junge Frau. Die Bügel ihrer schwarzen Sonnenbrille verschwanden in den schulterlangen blonden Haaren. Bevor Sebastian richtig begriffen hatte, wen er da anstarrte, winkte sie ihm. Er konnte sich eben noch zurückhalten, schnell zu Boden zu sehen oder sich gar wegzudrehen. Er hob leicht die Hand und nickte Hanna zu. Warum konnte er sich jetzt nicht einfach abwenden?

Der Absatz endet, weil hier die zumindest theoretische Möglichkeit aufgezeigt wird, der drohenden Konfrontation noch zu entgehen. Der erste Satz des folgenden Absatzes macht genau diese Hoffnung zunichte. Die Teufelin kommt!

Sie kam auf ihn zu. Ihr lässig schwingender Gang in den engen Jeans verbreitete einen Hauch von Hollywood. Sie nahm die Sonnenbrille ab, und nun wurde sie zu einem frühreifen Mädchen, gerade neunzehn Jahre alt. Doch als sie vor ihm stand und ihn zwang, in ihre blaugrünen Augen zu schauen, wirkte sie so abgebrüht, als habe sie schon alles gesehen. So kannte er sie. So hatte sie ihn schon immer fasziniert. Obwohl er nun wusste, dass der Schein keineswegs trog.

Nun folgt der Absatz, der den zentralen Dialog der Szene enthält. Den Konflikt zwischen Sebastian, der nur Ersatzfahrer ist, und seiner Ex, die inzwischen mit Christian, dem Stammfahrer des Teams, zusammen ist. Der Absatz zieht sich bis zum Ende der Szene, ist also deutlich länger als die bisherigen, aber inhaltlich in  sich geschlossen. Wollt ihr ihn noch lesen? Na gut.

„Hi, Sebastian! Freut mich echt, dich zu sehen.“
„Hallo.“
„Wer hätte das gedacht, dass wir so bald schon wieder in einem Team sind.“ Sie lächelte.
Sebastian kam es vor wie das Grinsen des Teufels. „Sehr witzig!“
„Nein, mal im Ernst. Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Ein Jahr? Oder länger? Warst du nicht vor zwei Jahren bei Christians Meisterschaftsfeier? Kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen.“ Sie machte eine Pause, hielt ihn aber mit ihrem Blick gefangen. „Wie ist es dir nach dem Unfall ergangen? Alle Wunden verheilt?“
Sebastian wollte schreien. Sie anschreien. Vielleicht noch mehr. „Es geht mir gut!“ Es gelang ihm nicht einmal, den bestimmenden Tonfall, der das Gespräch hätte beenden sollen, in seine zitternde Stimme zu legen.
„Natürlich! Da fällt mir ein, dass ich dir noch gratulieren muss. Zu deinem Einstand in der Formel 1. Ich hätte ja nicht gedacht, dass du es noch so weit bringst.“
„Tja, da siehst du mal!“ In dem Moment, in dem er es sagte, fiel ihm auf, wie lächerlich das klang. Umso wütender fuhr er fort: „Und, wie ist es mit Christian? Dass du nach seiner verkackten Saison letztes Jahr noch bei ihm bist, wundert mich wirklich.“ Nach diesem Treffer wollte er sich besser fühlen.
Aber Hanna kannte keine Gnade. Keine Sekunde ließ sie ihn an einen Triumph glauben, grinste stattdessen nur noch breiter. „Das, mein Süßer, ist Liebe!“
„Wer soll dir das denn glauben?“, versuchte er zu kontern. „Und jetzt halte mich nicht von der Arbeit ab!“
Sie lachte. „Ja, sicher! Du kannst dich heute vor Arbeit wahrscheinlich kaum retten. Mit welchem Auto gehst du denn heute ins Qualifying? Oder brauchen die Streckenposten noch Hilfe?“
Er ballte die Fäuste. Steckte sie in die Taschen seines Overalls, um sie besser unter Kontrolle zu haben. Warum bohrte sie noch in der Wunde? Schlimmer noch: Warum ließ sie ihm nicht die geringste Chance für einen halbwegs würdevollen Abgang?
„Sebastian!“
Er drehte sich um. Es war Frank. Wahrscheinlich stand er da schon eine Weile.
„Kommst du mal? Wir haben da gleich noch einen Interviewtermin, hast du das vergessen?“
Obwohl er nichts von einem derartigen Termin wusste, nickte er. „Richtig. Weiß schon gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“ Er wandte sich an Hanna. „Tut mir leid, meine Liebe, aber du musst dir jetzt leider jemand anderen für ein nettes Gespräch suchen.“
„Natürlich, kein Problem“, antwortete sie mit einem Grinsen. „Grüß die interessierte Presse von mir.“ Sie winkte Frank und ließ Sebastian stehen.

Wir sehen, Absätze können unterschiedlich lang sein und aufgrund verschiedener Kriterien Sinneinheiten bilden, die obendrein der individuellen Interpretation und Wirkungsabsicht des Autors folgen. Dialoge, Erinnerungen, Gedankenmonologe, eine Reihe von miteinander verbundenen Handlungen, Landschafts-, Figuren- und andere Beschreibungen, Erzählerkommentare, … – das alles können Sinneinheiten sein, die in einem Absatz zusammengefasst werden. Theoretisch könnte man so jedem Absatz eine kleine Überschrift geben: A denkt über die nächsten Schritte nach. B unterhält sich mit C. D erinnert sich an seine Kindheit. E baut die Waffe zusammen. F betrachtet die Landschaft vor dem Fenster. G beobachtet den Neuankömmling. Der Erzähler spricht über Tante Berta.

Es empfiehlt sich außerdem, immer einen halben Blick auf die Länge der Absätze zu haben. Wenn gute Gründe dafür sprechen, ist ab und an ein sehr kurzer Absatz weniger schlimm als ein zu langer. Denn lange Absätze strengen den Leser an und wirken unübersichtlich. Viele kurze Absätze sorgen stattdessen für ein zerpflücktes, unruhiges Textbild. Keinesfalls ist aber die Länge das dominante Kriterium, um das ideale Ende für einen Absatz zu finden.

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Entern: In Szene setzen

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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© Patryk Kosmider

Ob wir unsere Geschichte nun in Kapitel unterteilt haben oder nicht, der nächstbeste Grund, die Entertaste zu betätigen, ist das Ende einer Szene. Denn in einem gut strukturierten Text werden Szenenwechsel der Übersicht wegen häufig mindestens durch eine Leerzeile sichtbar gemacht. Da ich zu Szenen unter anderm hier schon Artikel verfasst habe, versuche ich mich in diesem Blogbeitrag auf das Wesentliche zu beschränken (was nicht unbedingt meine Stärke ist).

Spricht man von einer Szene, kann man Verschiedenes meinen. Da dieser Beitrag vor allem die Frage behandelt, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, eine Szene mithilfe der Entertaste abzuschließen und eine neue zu beginnen, steht nicht nur die Szene im (str)engeren Sinne zur Debatte. Den Aspekt des szenischen Erzählens klammern wir hier demnach aus, betrachten stattdessen Textpassagen hinsichtlich der Merkmale, die sie zu einer in sich geschlossenen Einheit werden lassen.

Klassischerweise sind das vor allem drei:

  • Handlungsort
  • Handlungszeitraum
  • handelndes Personal

Diese drei Kriterien werden auch heute noch gern herangezogen, um einen Szenenwechsel zu identifizieren. Und in der Regel klappt das auch ganz gut. Vor allem Ort und Zeit sind sehr hilfreich, denn praktisch immer, wenn die Handlung von einem Ort zu einem anderen wechselt oder in der Zeit springt, kann man davon ausgehen, dass auch von einer in die andere Szene (hier ganz eindeutig auch im Sinne von Szenerie) gesprungen wird.

Stellen wir uns vor, wir wollen die Geschichte des Hobbits Bilbo Beutlin erzählen, der mit dem Zauberer Gandalf und 13 Zwergen aufbricht, den Drachen Smaug zu besiegen. Wir beginnen die Geschichte damit, dass Bilbo vor seiner Hobbithöhle von Gandalf in ein Gespräch verwickelt wird.

1. Szene:

  • Ort: Vor der Hobbithöhle
  • Zeit: Dienstagmorgen
  • Personal: Bilbo, Gandalf

Wenn die beiden ihr Gespräch abgeschlossen haben, geht Bilbo in seine Höhle (oder genauer: Bilbo beendet das Gespräch, indem er sich in die Höhle zurückzieht). Die nächste Szene könnte also direkt im Anschluss in der Höhle spielen.

2. Szene:

  • Ort: In der Hobbithöhle
  • Zeit: Dienstagmorgen
  • Personal: Bilbo

Tatsächlich passiert aber für unsere Geschichte am Dienstagmorgen nichts wirklich Wichtiges mehr. Wir lassen daher Bilbo lieber den Rest des Tages und die Nacht über allein und schauen erst am nächsten Tag wieder bei ihm vorbei, wenn etwas geschieht, das unsere Geschichte voranbringt, die Ankunft der 13 Zwerge nämlich.

2. Szene:

  • Ort: In der Hobbithöhle
  • Zeit: Mittwochnachmittag (zum Tee)
  • Personal: Bilbo, 13 Zwerge, Gandalf

Der Wechsel von der ersten zur zweiten Szene ist also gekennzeichnet durch Orts-, Zeit- und Personalwechsel. Die Szenerie ändert sich nun für eine ganze Weile nicht, denn die ganze große Gemeinschaft bleibt bis zum Abend in Bilbos Höhle. Natürlich läuft die Zeit weiter, aber einen Zeitsprung gibt es nicht. Den markiert dann erst die Nachtruhe, wenn sich alle zu Bett begeben, und die Geschichte erst wieder am folgenden Vormittag aufgegriffen wird. Zwar bleiben wir vorerst in der Hobbithöhle, aber neben der Zeit hat sich auch die Personalsituation geändert.

3. Szene:

  • Ort: In der Hobbithöhle
  • Zeit: Donnerstagmorgen
  • Personal: Bilbo

Ich denke, das Prinzip ist klar. Mindestens eines der genannten Kriterien ändert sich (wobei in der Regel nur deutliche Veränderungen von Bedeutung sind) und wir erkennen einen Szenenwechsel.

Wer die Geschichte kennt, merkt aber vielleicht schon, dass zumindest die Personalsituation nicht immer so deutlich ist. Wären wir streng, müssten wir die zweite Szene in viele bedeutend kürzere aufteilen, denn Bilbos Besucher kommen nicht alle auf einmal, sondern in kleinen Grüppchen. Auch beginnt die Szene natürlich nicht unmittelbar mit dem Eintreffen der Zwerge. Und wer Bilbos Geschichte nicht nur aus dem Kino kennt, weiß außerdem, dass sich in der Buchvorlage die Personalsituation in der von mir so benannten 3. Szene schnell ändert, weil Gandalf den Hobbit schon nach weniger als einer Buchseite wieder aufsucht. Ganz abgesehen von den einleitenden Worten, die unserer 1. Szene vorangehen. Ganz so einfach ist es also doch nicht.

Halten wir erst einmal fest, dass Orts-, Zeit- und Personalwechsel eher eine grobe Orientierung darstellen. Zum einen, weil es Ein- und Überleitungen gibt, die Szenen in einen Kontext stellen, also dafür sorgen, dass es keine Brüche vor, nach und zwischen den Szenen gibt, die den Leser möglicherweise verwirren könnten. Zum anderen, weil diese Szeneriemerkmale eher als Hilfsmittel anzusehen sind.

Wir könnten uns eine – zugegebenermaßen ungewöhnliche – Geschichte vorstellen, in der immer dieselben Figuren anwesend sind, in der es keine Zeitsprünge gibt und der Handlungsort nicht wechselt. Etwa eine Art Kammerspiel mit einem Ehepaar, das ausschließlich in der Küche der beiden spielt und in einem Zeitrahmen von drei Stunden abläuft. Besteht die Geschichte dann nur aus einer Szene? Oder werden dann einfach beispielsweise sehr kurze Zeitsprünge bedeutsam? Sie lassen sich sicher finden und können Anhaltspunkte sein. Vor allem wird aber nun deutlich, wie sich Szenen tatsächlich voneinander abgrenzen.

Schauen wir uns noch einmal Bilbos Geschichte an. Was passiert da eigentlich inhaltlich, also auf der Handlungsebene? In der ersten Szene wird Bilbo von Gandalf in ein Gespräch verwickelt, in dem der Zauberer ihm erklärt, er wolle zu einem Abenteuer aufbrechen und den Hobbit mitnehmen. Bilbo wird von Gandalf in seiner Ruhe gestört und sogar dazu aufgefordert, diese Ruhe für lange Zeit, vielleicht für immer aufzugeben. Bilbo will davon nichts wissen und den Zauberer loswerden. Er ficht einen Konflikt aus, den er schließlich beendet, indem er in seine Höhle verschwindet, so schnell es die Höflichkeit eben erlaubt. Damit ist auch die Szene zu Ende.

Die Szene beginnt also mit einer Ausganssituation, in die ein Ereignis hereinbricht (Gandalf taucht auf und quatscht den Hobbit zu), das einen Konflikt auslöst. Und die Szene endet, wenn der Konflikt zumindest vorläufig gelöst wird (nicht selten wird hier ein Konflikt zum Schwelen beiseite geschoben). Das bedeutet, die Szene besitzt einen Spannungsbogen. Das wiederum bedeutet, die Szene stellt einen in sich geschlossenen Handlungsabschnitt dar.

Auch die zweite Szene besitzt einen Spannungsbogen: Bilbo, schon im Glauben, er könne den Vorfall des Vortags vergessen, wird erneut überfallen. Und diesmal drängen die noch aufdringlicheren Zwerge auf eine Entscheidung. In Bilbo beginnt eine Stimme lauter zu werden, die sich doch nach einem Abenteuer sehnt. Er fällt schließlich tatsächlich eine Entscheidung (die in Film und Buch unterschiedlich ausfällt). Das Ende der Szene bestärkt dem Eindruck, diese Entscheidung sei endgültig.

Szenen sind also in sich geschlossene Handlungsabschnitte, die im Idealfall dem Prinzip eines Spannungsbogens folgen. Das gilt ganz besonders für solche Szenen, die tatsächlich auch szenisch inszeniert sind. Aber auch narrative Szenen und solche Abschnitte, die eher eine zusammenfassende Überleitung darstellen (etwa eine weitgehend ereignislose Reise von einem Handlungsort zum nächsten) haben häufig einen Spannungsbogen, wenn auch möglicherweise einen recht flachen (Konflikt: Der Protagonist muss von A nach B kommen; Lösung: Der Protagonist hat B erreicht).

Dass sich der Szenenwechsel häufig an Ort, Zeit und Personal ablesen lässt, hängt einfach damit zusammen, dass die Szenenkonflikte, die die Szenenspannungsbögen bestimmen, von jeweils ganz bestimmten Figuren ausgetragen werden, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufhalten. Rückt eine neue Szene einen neuen (oder wieder aufgeneommenen) Konflikt in den Fokus, ändern sich dementsprechend auch die konfliktbestimmten Parameter.

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Entern: Kapitel oder Kapitulation?

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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Viele Autoren – und nicht nur solche, die sich noch am Anfang ihrer Schreibkarriere sehen – haben mit diesem Kapitel der Schreiberei so ihre Schwierigkeiten. Die Frage, wo man die Entertaste drückt und eventuell sogar einen Seitenumbruch einfügt, um im Anschluss ein neues Kapitel zu starten, lässt so manchen unsicher werden, einige verzweifeln und diesen oder jene sogar kapitulieren. Kein Wunder, dass in eben dieser Frage so oft Rat gesucht wird, meist in der Hoffnung, es gäbe Regeln, die die Entscheidung erleichtern oder gar abnehmen. Diese Hoffnung muss ich dem werten Leser dieses Artikels leider gleich wieder nehmen. Regeln für die Kapiteleinteilung gibt es nicht (es sei denn, ein Auftraggeber gibt sie vor). Außer einer vielleicht – aber nein, auch das geht, wenn der Autor es so möchte:

Philipp schrieb …

KAPITEL 2

… das Kapitel zu Ende. Er ließ sich durch angebliche Regeln nicht verwirren.

Dem kreativen Autor sind also letztlich keine Grenzen gesetzt, was ja nichts Schlechtes ist. Was dieser Artikel leisten kann, ist, die Furcht, Fehler zu begehen, nehmen und einige Anregungen geben. Das werde ich hier ein wenig zusammenfassend tun, denn an anderer Stelle bin ich bereits ausführlicher darauf eingegangen.

Zunächst – das lässt sich eigentlich schon ableiten – ergeben sich Kapitel in aller Regel nicht notwendigerweise aus der Entfaltung der Geschichte, des Plots bzw. des Spannungsbogens. Soll heißen, anders als etwa Szenen sind Kapitel nicht grundlegender Bestandteil der Erzählstruktur, wir benötigen sie nicht bei der Planung einer Geschichte, und die Geschichte lässt sich auch ohne Kapitel erzählen. Anders gesagt, Kapitel sind im Grunde genommen nicht wichtig, richten sich lediglich nach dem Bedürfnis des Lesers, große Textmengen weiter zu unterteilen, ihnen eine zusätzliche Strukturierung aufzuerlegen, nicht zuletzt, um Atem holen und Lesepausen einlegen zu können. So wie wir uns auch besser zurechtfinden, wenn wie unsere Bücher, Kleidungsstücke, Lebensmittel, Dokumente usw. nicht einfach in riesigen Kisten lagern, sondern sie bestimmten Ordnungsprinzipien folgend in Regale, Schränke, Kühlschränke und Schubladen sortieren.

In unserem Falle der Kapitel ist es der Autor, der das Ordnungsprinzp vorgibt. Und da haben wir dann, wenn auch keine Regel, so zumindest eine Richtlinie: Wenn sich in der Wahl der Kapitelbegrenzung (wenigstens mit gutem Willen) eine absichtsvolle Struktur erkennen lässt, kann das zumindest nicht schaden.

Damit sollte auch klar sein, dass Aussagen über die Länge der Kapitel wie „etwa zwanzig Seiten, keinesfalls mehr als dreißig, mindestens aber zehn“ allesamt nicht haltbar sind. Bestimmend für die Länge jedes einzelnen Kapitels ist letztlich das vom Autor gewählte Prinzip, das der Strukturierung zugrunde liegt. Richtig ist, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt, was die Kapitellänge angeht und für diese kann ein Kapitel zu lang, zu kurz oder genau richtig sein. Wenn es die gewählte Struktur zulässt, kann man also darauf achten, eher ein gesundes Mittelmaß anzustreben. Ob dabei relativ gleich lange Kapitel herauskommen oder aber das eine zwei, das andere 75 Seiten hat, ist wiederum der gewählten Struktur zu verdanken.

Wie man strukturieren kann, hängt schließlich von der Geschichte ab, die man erzählt. Wie sollte es auch anders sein. Denn natürlich ist es wenig sinnvoll, eine Geschichte, deren Handlung keine oder nur wenige Ortswechsel beinhaltet, ortsgebunden zu strukturieren. Die folgenden Möglichkeiten der Kapiteleinteilung werden also jeweils nur zu bestimmten Geschichten passen, sind ohnehin nur eine naheliegende Auswahl und daher nur zur Anregung gedacht.

Vorher sei noch angemerkt: Manche dieser Einteilungen legen nahe, Kapitelüberschriften zu verwenden. Generell ist auch das Geschmackssache. Der (zumindest gefühlte) Trend zur einfachen Nummerierung dürfte vor allem dem Bestreben geschuldet sein, dem Leser auch nicht den geringsten Vorausblick auf den Kapitelinhalt zu gewähren.

  • Die Einteilung kann sich an der Dramaturgie orientieren, indem sie beispielsweise bestimmte wichtige Ereignisse in den Mittelpunkt jedes Kapitels stellt (das Kapitel, in dem der Mord geschieht, in dem der Protagonist seine alte Liebe wiedertrifft, in dem die Gefährten sich im Wald verirren, in dem das Heer des Königs in die Schlacht zieht, in dem die Konferenz stattfindet, in dem die Situation zwischen der Protagonistin und ihrem Partner eskaliert, …).
    Es geht dabei nicht darum, pro Kapitel nur ein Ereignis ablaufen zu lassen, es geht um ein zentrales Ereignis, auf das die Dramaturgie zuläuft (Kapitel 1 berichtet von allen Ereignissen, bis der Mord den Fall für den Protagonisten ins Rollen bringt, Kapitel 2 von all den Ereignissen, die folgen, bis dem Protagonisten erste Zweifel an der Schuld des bisherigen Verdächtigen kommen, …). Darin liegt nämlich häufig das Problem begründet, wenn Autoren das Gefühl bekommen, die eigene Dramaturgie gebe ihnen ausgesprochen kurze (und viele) Kapitel vor.
  • Hat man mehrere Handlungsstränge, ist eventuell eine Kapitelunterteilung möglich, die sich an diesen orientiert. Sind die Wechsel zwischen den (Haupt-) Handlungssträngen nicht zu häufig (sehr kurze Kapitel), kann jeder Wechsel ein neues Kapitel markieren. Denkbar ist aber auch, dass pro Kapitel alle Stränge einmal an der Reihe sind.
  • Spielt die Romanhandlung an mehreren verschiedenen Handlungsorten oder wechselt regelmäßig zwischen einigen Orten hin und her, kann auch das Anlass zum Kapitelwechsel sein.
  • Macht die Romanhandlung häufig Zeitsprünge oder spielt Zeit auf andere Art und Weise eine wichtige Rolle im Roman (etwa ein Countdown) kann natürlich auch die Kapiteleinteilung dieser zeitlichen Strukturierung folgen und sich etwa an Uhrzeiten, Wochentagen, Datumsangaben, Monaten, Jahreszeiten oder Jahreszahlen orientiern.

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Entern: Band für Band

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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Ehrlich gesagt, jetzt, da dieser Artikel an der Reihe ist, frage ich mich selbst, was ich dazu schreiben soll. Na, wir werden sehen, ob möglicherweise sogar etwas Brauchbares zusammenkommt.

Über Reihen und Serien haben wir schon gesprochen, weshalb ich sie hier ausklammern will, obwohl man natürlich auch hier bei den einzelnen Teilen von Bänden spricht, sofern wir uns auf verschriftlichte Werke beziehen.

Gleichwohl trennt man gewöhnlich Romane, die als Mehrteiler erscheinen (man nennt sie auch Romanzyklen), deutlich von Reihen oder Serien. Wie sinnvoll das ist, mag jeder selbst entscheiden, denn in Wahrheit lässt sich kaum ein ausschließliches Kriterium finden, das das eine deutlich vom anderen abgrenzt. So gilt auch für die folgende Liste, dass keines ihrer Elemente automatisch bedeutet, wir hätten es mit einem Zyklus zu tun, keinesfalls mit einer Reihe oder Serie (beides könnte man auch einfach als Oberbegriff betrachten). Ebensowenig ist garantiert, ein Werk, das als Zyklus bezeichnet wird, weise all diese Eigenschaften auf.

Als mehr oder weniger typisch für mehrteilige Romane (wie sie uns allen voran die Fantasyliteratur beschert) im Vergleich zu Serien/Reihen kann immerhin betrachtet werden:

  • Romanzyklen stammen in der Regel aus der Feder eines Autors/einer Autorin,
  • Romanzyklen umfassen in der Regel wenige Teile (Zweiteiler [selten: Dilogie], Trilogie, Tetralogie, Pentalogie, …),
  • die einzelnen Teile entsprechen im Umfang vollständigen Romanen.

Wer einen Romanzyklus verfassen will, kann sich ansonsten durchaus an dem orientieren, was ich zur Serie geschrieben habe: Mehrteiler erzählen meist eine fortlaufende Geschichte. Ein Spannungsbogen verläuft also vom Beginn des ersten Teils bis zum Ende des letzten. Je nach Konzept ist jeder einzelne Teil außerdem mehr, weniger oder gar nicht in sich abgeschlossen.

Es kommt allerdings durchaus vor, dass Mehrteiler eher einem Reihenkonzept ähneln. Hier sind es dann nur bestimmte Rahmenbedingungen, die den Zusammenhang der einzelnen Teile begründen, etwa lokale oder personale Übereinstimmngen, während das Erzählte ansonsten vollkommen für sich steht.

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Entern: In Serie

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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Nach dem vorhergehenden Artikel dürfte es keine große Überraschung mehr sein: Will man zwischen Reihe und Serie unterscheiden, ist letztere wohl eher diejenige, die über die einzelnen Episoden hinaus eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Mal mehr, mal weniger kann das so weit gehen, dass der Leser oder Zuschauer, der nicht von Beginn an dabei ist oder einzelne Folgen verpasst, Schwierigkeiten bekommt, den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Im Idealfall folgt eine solche Serie also einem übergeordneten Spannungsbogen, der durch einen Konflikt entsteht, der erst mit dem Abschluss der Serie gelöst wird. Jede einzelne Folge stellt einen Schritt auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen, dar, ist also ein Teilstück der großen Spannungsbogens.

Darüber hinaus kann es sein, dass jede Episode außerdem ihre eigene Geschichte erzählt. Ein Konzept, das mir persönlich besonders gut gefällt und für das es ein exzellentes Beispiel gibt: Raumschiff Voyager!

Die Crew, gestrandet in einer fremden Galaxie weit entfernt von der Heimat, folgt in jeder Episode dem großen Ziel, zur Erde zurückzukehren. Dazu kommt der jeweilige Episodenkonflikt, der mit dem übergeordneten Konflikt in direktem Zusammenhang steht (also auch diesen voranbringt), in der Regel Inhalt einer einzelnen Folge ist, sich aber auch hin und wieder über zwei oder drei Folgen entwickeln kann. Auch die Episodenkonflikte können Auswirkungen auf spätere Serienfolgen haben oder sogar erneut aufgenommen werden.

Schließlich fokussiert jede Folge auf einzelne Crewmitglieder, deren individuellen Konflikte somit als Nebenkonflikte wirken. Auch diese können Nebenstränge bilden, die sich über mehrere Episoden entwickeln und/oder wiederaufgenommen werden können.

Ein reizvolles Konzept also, das dem Schreibenden zahlreiche Möglichkeiten bietet, den Konsumenten bestens bei Laune halten kann.

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Entern: In Reihe

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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Ob eine Reihe eine Serie ist oder eine Serie eine Reihe, ist eine Frage, die unterschiedlich beantwortet werden kann. Ob sich beides überhaupt unterscheidet, auch darüber kann gestritten werden. Aber zum Streiten sind wir ja nicht hier, daher werde ich mich einfach daran halten, was meiner Meinung nach dem landläufigen Verständnis entspricht, sofern man beide Begriffe nicht ohnehin synonym verwendet. Anders gesagt: Das hier ist mein Blog, daher werde ich hier einfach meine Auffassung darlegen!

Dieser entsprechend stehen beide Begriffe zumindest in einem engeren Verständnis nebeneinander. Ob man in einem weiteren Verständnis außerdem einen der beiden als Oberbegriff des anderen ansehen will, ist mir relativ schnurz. Entweder ist also die Reihe im engeren Sinn eine besondere Art der Serie im weiteren Sinn oder umgekehrt. Beide Begriffe sind jedenfalls auch im engeren Sinn nicht eindeutig und fließen obendrein an ihren Grenzen ineinander.

Was aber macht nun in diesem meinen (engeren) Verständnis eine Reihe aus? Dass den einzelnen Teilen einer Reihe ein gemeinsames Konzept zugrunde liegt, jeder Teil aber im Unterschied zur Serie (nahezu) vollständig in sich abgeschlossen ist. Die Reihe erzählt also keine fortlaufende Geschichte.

Das Konzept, auf dem eine Reihe beruht, kann sehr verschiedenartig sein. So entspricht etwa der Tatort als Ganzes einer Reihe, deren Konzept letztlich nur folgende Kriterien umfasst: Krimis, deren Handlungsschwerpunkte im deutschsprachigen Raum liegen, und die von ARD, ORF oder SF produziert oder in Auftrag gegeben werden. Tatort München stellt letztlich eine Reihe innerhalb dieser Reihe dar, deren Konzept zusätzlich beinhaltet, dass das Ermittlerteam aus München stammt.

Ähnlich verhält es sich mit der Reihe Ostseekrimi aus dem Hinstorff Verlag. Innerhalb dieser stellen die Krimis von Frank Goyke eine eigene Reihe dar, weil sie (bisher jedenfalls) Fälle desselben Ermittlerteams behandeln.

Das Konzept der Reihe stellt die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Teilen her. Diese können etwa das Genre betreffen, den Handlungsort, die Figuren, die  historischen Zusammenhänge und vieles mehr. Und sie können mehr oder weniger lose sein.

Je enger und häufiger die Verknüpfungen werden, je zentraler eine Entwicklung einzelner Faktoren über den Rahmen der einzelnen Teile hinaus eine Rolle spielt und je mehr sich diese Entwicklung einem übergeordneten Spannungsbogen nähert, desto mehr nähert sich die Reihe einem Serienkonzept.

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Der Minitipp: Den Bogen spannen

Minitipp, Foto: Diego Barbieri / Shutterstock.com
Minitipp, Foto: Diego Barbieri / Shutterstock.com
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Wir beobachten die Schützin. Plötzlich spannt sie den Bogen! Und auch wir sind gespannt, was geschieht, wenn sie die Sehne loslässt. Doch noch erfüllt sich unsere Erwartung nicht. Mögen wir geglaubt haben, die Sehne sei schon zum Zerreißen gespannt, die Schützin zieht sie noch ein weiteres Stück an.

Gerade, als wir sicher sind, nun werde sie den Pfeil davonschnellen lassen, lockert sie ihren Griff noch einmal ein wenig. Wieder spannt sie den Bogen. Jetzt noch straffer als zuvor. Noch mehr. Und noch mehr. Die Anspannung presst uns den Schweiß auf die Stirn, die Erwartung lässt uns zittern. Es scheinen Jahre zu vergehen, dann endlich geschieht, was wir von Beginn an erwartet haben: Die Spannung löst sich, der Pfeil springt von der Sehne, um das endgültige Ergebnis zu dokumentieren.

Ein Spannungsbogen, wie er (hoffentlich) im Buche steht.

Tolles Wochenende

Während ich hoffe, das Halloween von mir weitgehend unbemerkt vorbeiziehen wird, blicke ich auf ein schönes Wochenende zurück.

Am Samstag kam Axel zu Besuch und aus unserem Arbeitstreffen zum Schreibworkshop, den wir am Donnerstag gemeinsam abhalten werden, entwickelte sich ein sehr anregendes Gespräch über das Schreiben, was im auch mit Autoren vergleichsweise dünn besidelten Mecklenburg-Vorpommern leider eine Seltenheit ist. Immerhin haben wir uns vorgenommen, einen (erneuten) Versuch zu unternehmen, daran etwas zu ändern. Möglicherweise kann ich euch also demnächst berichten, dass ich mich zum neuen M-V-Autorenstammtisch aufmache.

Bis dahin habe ich die Zeit gut genutzt. Am Sonntag tat ich, was ich mir vorgenommen hatte: Ich habe mit dem Plotten für „Die Tränen der Gräfin“ begonnen, womit der Arbeitstitel meines nächsten Romans aus Laindor gelüftet ist. Die drei Stunden, die ich mir dafür Zeit genommen habe, vergingen wie im Flug, am Ende war ich aber deutlich weiter vorangeschritten, als ich es mir auch nur erträumt hätte. Der Rahmen ist aufgezogen, der Spannungsbogen entwickelt, die Wege der beiden Hauptcharaktere in groben Zügen vorgezeichnet.

Nun hoffe ich, dass ich in den nächsten Wochen so weitermachen kann, bis „Die Gräfin“ ihren Platz als Hauptprojekt einnehmen darf.

PB-Plotten 13: Kapitelplanung

Manchem Autor fällt es erstaunlich schwer, den eigenen Roman in Kapitel einzuteilen. Eine Autorin hat mir mal erzählt, sie habe das längst aufgegeben und überlasse die Kapiteleinteilung dem Lektorat.

Ich selbst habe dabei wenig Probleme. Meist habe ich schon vorher in etwa im Kopf, wo ein neues Kapitel beginnt. Gewalt muss ich dem Text dafür nicht antun, möglicherweise habe ich ein recht gutes Gefühl für kleinere und größere Spannungsbögen.

Dennoch habe ich mich beispielsweise bei „Das Lächeln der Kriegerin“ im Schreibprozess noch umentschieden und aus relativ kurzen Kapiteln zwölf längere gemacht, die sich gleichmäßig auf die beiden Teile „Die Botschaft“ und „Der Bote“ verteilen. Ich dachte dabei einfach an den übersichtlicheren und schöneren Eindruck im Inhaltsverzeichnis, setzte aber die neuen Kapitelenden natürlich dennoch nicht einfach willkürlich, sondern inhaltlich begründet.

Wie er seine Kapiteleinteilung begründet, bleibt dem Autor selbst überlassen. Es gibt, allen in Schreibforen auftauchenden Nachfragen zum Trotz, keine Vorgaben oder Regeln. Auch nicht hinsichtlich der Länge oder der Frage, ob man den Kapiteln Überschriften verpasst oder sie einfach durchnummeriert.

Ausnahmen sind vor allem bei Auftragswerken oder Titeln innerhalb einer Reihe oder Serie mögliche Verlagsvorgaben. Auch kann es durchaus sein, dass ein Verlagslektorat die Kapiteleinteilung als zu willkürlich bemängelt.

Hier sollte also der erste Anspruch des Autors liegen: die Kapitel nach einem eigenen, aber nachvollziehbaren Prinzip zu wählen. Am besten ist es oft, wenn jedes Kaptitel einem eigenen Spannungsbogen folgt. Es wird dabei vom Autor abhängen, ob er, um dies optimal zu erreichen, die Kapitelplanung der Szenenplanung vorzieht oder ob er besser fährt, wenn er bereits alle Szenen übersichtlich geplottet hat.

Weitere Kriterien könnten je nach Geschichte zeitliche Faktoren (Montag, Dienstag, …; 1985, 1985, …) oder die Handlungsorte sein (Hamburg, Berlin, Müchen, Wien). Bei Romanen mit mehreren Handlungssträngen werden diese gern streng in Kapitel unterschieden, was dem Leser auch erleichtert, die Wechsel zu erkennen.

Es bleibt also letztlich eine Frage des Geschmacks, aber eine, die man gut begründen können sollte. Und eine, bei der auch Möglichkeiten und Anforderungen der jeweiligen Geschichte geprüft sein wollen.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 12: Szenenplanung/Zeittafel

Mit diesem Schritt schließen wir die eigentliche Plotarbeit im Prinzip ab. Soll heißen, dass am Ende der Szenenplanung jede Szene, die im späteren Manuskript auftaucht, geplant ist. Und zwar auch hinsichtlich der endgültigen Reihenfolge der Szenen, also entsprechend dem beabsichtigten Spannungsbogen und mit allen Handlungssträngen des Romans.

„Endgültig“ bedeutet, dass wir am Ende der Szenenplanung davon überzeugt sein sollten, der Roman werde genau in dieser Form funktionieren. Ob wir später dennoch Korrekturen vornehmen müssen, wird sich schließlich erst später herausstellen. Und natürlich zählt auch hier: Wer sich gern noch einiges offen lässt, soll das tun.

Ob man die Szenen zu diesem Zeitpunkt schon Kapiteln zuordnen kann, ob man die Kapitel möglicherweise vorziehen will oder sie, wie in meinem Modell, bestimmt, wenn alle Szenen geplant sind, bleibt ebenso jedem selbst überlassen.

Der Szenenplanung (Storyboard) kann, wenn nötig, eine Zeittafel zugefügt werden, die sich am besten gemeinsam mit dem Storyboard entwickeln lässt. Je nach Roman kann sich beides entsprechen.

Der Unterschied liegt aber normalerweise darin, dass die Zeittafel sich streng an die chronologische Abfolge der Ereignisse hält. Da sie dem Autor dazu dient, die Übersicht über alle Abläufe zu behalten, kann sie auch solche Ereignisse aufnehmen, die im Roman gar nicht oder nur angedeutet vorkommen. So kann sie etwa die Bewegungen feindlicher Truppen datieren, die Unternehmungen des Mörders oder eines Assistenten des Ermittlers festhalten oder historische Ereignisse verzeichnen.

Das Storyboard hält sich stattdessen, wie schon gesagt, genau an die Dramaturgie des Romans.

Ebenso wie bei den Schlüsselszenen, die natürlich im Szenenplan erneut auftauchen, reicht dem einen ein prägnanter Satz pro Szene, der andere spendiert jeder Szene ein Exposé. Hier spielt auch die Übersichtlichkeit eine Rolle. Wer keine Autorensoftware benutzt, kann sich mit Tabellen oder Links in HTML-Dokumenten weiterhelfen. So könnte etwa eine verlinkte Szenenüberschrift zu den Details der Szene führen.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 11: Schlüsselszenen

Zunächst mal steht wieder die Frage nach der Reihenfolge. Wäre es nicht sinnvoller, sich nach den Nebenkonflikten mit den Nebenfiguren zu beschäftigen? Da spricht nichts dagegen.

Der Grund, warum ich es anders halte, ist der, dass ich nicht Gefahr laufen möchte, mich bei der Entwicklung des Plots zu sehr von Nebenfiguren beeinflussen zu lassen. Bauchschreiber können ein Lied davon singen, dass Figuren jedweder Art gerne mal ein Eigenleben entwickeln. Und auch die eifrigsten Planer sind dagegen nicht völlig gefeit.

Habe ich noch keinen gefestigten Plot und entwickle nun akribisch meine Nebenfiguren, kann es durchaus passieren, dass eine, die mich besonders fasziniert, über sich hinauswächst und mir im wahrsten Sinne des Wortes meine Pläne durchkreuzt. Mein Plot soll aber von den Hauptfiguren getragen, von den Neben- und Randfiguren bestenfalls gestützt werden.

Ich lasse also die Nebenfiguren zunächst einmal links liegen und stürze mich auf die Schlüsselszenen. Das sind all jene Szenen, die entscheidend zur Entwicklung des Konflikts beitragen. Mit „entscheidend“ meine ich, dass sie entweder einen Wendepunkt in der Konfliktentwicklung oder einen sprunghaften Fort- oder Rückschritt darstellen. Auch solche gehören dazu, in denen sich die Bedingungen für den Konflikt grundlegend ändern. Ebenso die, in denen der Protagonist sich in wichtigen Entscheidungssituationen befindet. Und natürlich die Szene, in der sich der Konflikt herausbildet und jene, in der er aufgelöst wird.

In der Regel haben wir wenig Probleme damit, die Schlüsselszenen ausfindig zu machen, zumindest dann nicht, wenn es sich um die Werke anderer handelt. Es sind diejenigen Szenen, an denen wir uns bei der Nacherzählung eines Films oder Buchs entlanghangeln. Ich darf das mal in etwa am Beginn meines Romans „Das Lächeln der Kriegerin“ demonstrieren, ohne allzu viel zu verraten:

  • Lothiels Vater wird in einem Kampf mit Wegelagerern schwer verletzt,
  • Lothiel trifft auf den schwer verletzten Boten Rochon, der die Nachricht vom Überfall auf die Grenzfeste zur Königin bringen soll,
  • Lothiel will die Aufgabe des reituntauglichen Boten übernehmen, doch ihr ebenso hilfloser Vater entscheidet, dass sie nur nach Waldruh reiten darf, um dort einen neuen Boten zu finden,
  • Lothiel muss erkennen, dass der Feind bereits Waldruh eingenommen hat und sieht ihre Aufgabe als gescheitert an,
  • Lothiel ist fast wieder zu Hause, als sie beschließt, die Anweisungen ihres Vaters zu missachten und sich auf den Weg zur Königin zu begeben,
  • in Iden glaubt Lothiel, doch noch den Auftrag loswerden und heimkehren zu können, doch auch der Feind hat Iden erreicht – Lothiel muss ihren Weg fortsetzen,
  • Lothiel gerät mit einem Vorposten des Feindes aneinander und tötet die Männer, was ihr fortan schwer zu schaffen macht,
  • Lothiel erreicht die Königsstadt und kann die Nachricht vom Angriff überbringen; sie hofft, so schnell wie möglich zu ihren Eltern zurückkehren zu können.

Wie auch bei der nachfolgenden Szenenplanung ist es jedem selbst überlassen, wie intensiv er jede einzelne Szene vorplant. Manchem reicht es, jede Szene wie im obigen Beispiel in ein bis zwei aussagekräftigen Sätzen zusammenzufassen oder ihr gar nur einen Titel zu verpassen, es gibt aber auch durchaus diejenigen, die zu jeder Szene eine Art Klappentext oder gar ein Szenenexposé entwickeln.

Autorenprogramme bauen meist auf der Szenenplanung auf und bieten die Möglichkeit, jede Szene einzeln zu betiteln, ihr Stichwörter, Figuren, Werte wie Spannung, Humor, Information usw., Uhrzeit- und Datumsangaben, Inhaltsangaben und vieles mehr beizufügen.

Gleich wie sparsam oder umfangreich man nun die Szenen vorplant, vergessen sollte man nicht, dass auch jede Szene optimalerweise konfliktbasiert ist und einen eigenen Spannungsbogen aufweist. Ein paar Notizen dazu können keinesfalls schaden.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 6: Arbeitsexposé

Exposés zu schreiben ist für viele Autoren ein Graus. Das dürfte nur zu einem vergleichsweise geringen Anteil an der so häufig gestellten Frage liegen, was denn nun eigentlich in ein Exposé gehört. Viel schwieriger erscheint es,  den Inhalt eines Wälzers von vielleicht 600 Seiten Umfang in eine Form zu quetschen, die einen Umfang von zwei oder drei Seiten haben soll.

Glücklicherweise haben wir unseren Roman ja bereits gepitcht, den Konflikt herausgearbeitet und eine Prämisse erstellt. Wir sind also schon mit viel weniger Worten ausgekommen, als es uns das Exposé abverlangt.

Außerdem sind wir ja beim Arbeitsexposé, und niemand verlangt von uns, dass wir uns dabei an irgendwelche Vorgaben und Richtlinien halten. Auch hier gilt letztendlich wieder der Grundsatz, dass jeder seine Arbeitswerkzeuge einsetzen kann, wie es sich für ihn richtig anfühlt.

Allerdings ist es sicher kein schlechter Rat, das Arbeitsexposé bereits als gute Übung und gleichzeitig als Ausgangsbasis für das Präsentationsexposé anzusehen, mit dem wir unser Werk dann dem Verlag oder der Agentur vorstellen. Und da spielen die Vorgaben dann wieder eine große Rolle.

Diejenigen, die sich gern intensiver mit dem Exposé auseinandersetzen möchten, verweise ich an dieser Stelle auf Hans Peter Roentgens „Drei Seiten für ein Exposé„. Dass ich das Buch reinen Gewissens empfehlen kann, obwohl ich es selbst noch nicht gelesen habe, liegt nicht nur daran, dass es von so vielen anderen berufenen Mündern empfohlen wird, sondern auch daran, dass ich den Autor unter anderem aus verschiedenen Workshops kenne und dass ich sein „Vier Seiten für ein Halleluja“ gelesen habe.

Das Wichtigste und Grundlegendste, was man sich für das Exposé jedoch einprägen sollte, ist, dass es sich ganz und ausschließlich an der Entwicklung des zentralen Konflikts orientiert. Dabei verfolgt es natürlich nicht jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt, sondern behandelt nur die wichtigsten Eckpunkte dieser Entwicklung. Nebenhandlungen versucht man so weit wie möglich auszuklammern. Sie finden bestenfalls Erwähnung im Exposé, wenn sie zur Erklärung einer wichtigen Entwicklung im Haupthandlungsstrang notwendig sind.

Daraus ergibt sich auch, dass sich das Exposé so weit wie möglich auf die zentralen Figuren beschränkt und dabei den Fokus auf dem Protagonisten behält.

Hält man sich an diese Vorgaben, sollten die meisten Probleme bei der Exposé-Erstellung bereits umgangen sein. Viele Autoren versuchen nämlich, einfach ihre gesamte Romanhandlung in kürzeren Worten nachzuerzählen und verfransen sich dann im Unwesentlichen. Auch wird das Exposé dadurch vollkommen unübersichtlich, was durch eine hohe Anzahl an Figuren zusätzlich gefördert wird.

Nun wird vielleicht schon deutlich, warum ich das Arbeitsexposé an diese Stelle der Liste gesetzt habe:
Wir haben uns gerade intensiv mit unserem Hauptkonflikt beschäftigt, wir kennen mit der Prämisse den Anfang und das Ende der Geschichte. Davon, wie sich der Plot vom einen zum anderen Ende entwickeln soll, haben wir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nur eine grobe Ahnung, die wichtigsten Eckpunkte wollen wir jetzt mit dem Exposé festlegen.

Nebenhandlungen und Nebenfiguren sind uns bisher noch gar nicht in die Quere gekommen, können uns also auch nicht vom Wesentlichen ablenken. Und selbst zum Protagonisten haben wir vorerst allenfalls eine lockere Beziehung, weshalb wir uns auch bei ihm auf die für den Konflikt wesentlichen Eigenschaften konzentrieren können.

Das Arbeitsexposé erstellen wir demnach auch nicht einfach so aus der hohlen Hand. Punkt 5 umfasst also unser erstes intensiveres Brainstorming, in dem wir die Lücke, die uns unsere Prämisse zwischen Anfangs- und Endpunkt unserer Geschichte lässt, sinnvoll füllen wollen. Das kann im Kopf geschehen, ich empfehle aber, es schriftlich zu tun.

Wir entwickeln also unser Arbeitsexposé, indem wir die Entwicklung des Hauptkonflikts bis zu seiner Lösung hin formulieren. Ist die erste Fassung  des Exposés niedergeschrieben, überprüfen wir sie daraufhin, ob sie sich logisch entwickelt, ob sie dem Ursache-Wirkung-Prinzip entspricht, ob sie Spannung aufbaut, ob sie den Anspruch an einen Spannungsbogen erfüllt und ob sie die Prämisse beweist (was letztlich die Zusammenfassung der vorherigen Punkte ist).

Wenn nötig, überarbeiten wir das Exposé so lange, bis wir damit zufrieden sind. Dann kann es mit den nächsten Schritten weitergehen.

(PB-Plotten: Die Liste)