Skriptkieker: Sorgen

Skriptkieker: Foto: pixelparticle
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Skriptkieker
(Foto: © pixelparticle)

Aus einem Romanmanuskript:

Er hörte sie hereinkommen, und sein Lächeln kehrte zurück. Er blieb an seinem Platz, wartete, bis sich ihre Arme um seine Taille legten und ihr warmer Körper sich an seinen Rücken schmiegte.
„Du sorgst dich.“

Philvent – die siebzehnte Tür (nachgereicht)

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

„Haben Sie eine dicke Suppe? Ich habe hier bisher nur Kaffee getrunken. Aber heute hätte ich gern eine dicke Suppe.“
„Wir haben Avocado oder Tomate.“
„Avocado, ist die nicht mit Chili?“
„Ja.“
„Also scharf. Dann Tomate.“
„Irgendwas dazu?“
„Ja, ich hätte dazu gern ne Kleinigkeit gegessen.“
„Äh, zur Suppe gibt es ohnehin Baguette.“
„Bieten Sie nicht zum Frühstück Brötchen an? Eines mit Lachs hätte ich gern.“
„Ich schaue mal, ob wir jetzt am Nachmittag noch Brötchen haben.“
„Achso, na dann nehme ich zusätzlich noch ein Käsebrötchen. Und könnten Sie noch ein bisschen Holz im Kamin nachlegen? Es ist kalt im Winter.“
„Nein, tut mir leid, das ist nur ein Bildschirm.“

Philvent – die sechzehnte Tür

© Ramona Heim
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Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Sonntag, 3. Advent. Nur eine der Kranzkerzen flackert nicht. Die drei anderen verkünden das baldige Weihnachtsfest. Der Anblick pflanzt erste Sorgen in mein Hirn. Wie viel Zeit bleibt mir noch? Wenig. Das ist sicher. Ist es schon so weit? Heute? Oder doch erst morgen? Gibt es keinen Ausweg? Wer kann mir sagen, wann man mich ins Haus holt? Noch eine Kerze? Sicher? Dann bleibt mir noch eine Woche. Eine Woche Angst.

Philvent – die zweite Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Wie schon seit vielen Jahren gab es auch an diesem 1. Advent niemanden, der ihr den Tag zu einem schönen machte. Doch ihre roten Lippen lachten die Freude darüber hinaus, diesmal dafür gesorgt zu haben, dass es auch niemand mehr könnte.

Klassiker vor Gericht

Der Mörderin fehlt scheinbar jedes Motiv. Ihr Opfer: ein ihr völlig fremder Mann. Des Rätsels Lösung findet sich erst durch eine weitere Frau. Die beiden haben sich bei einer Zugfahrt kennengelernt und sich ihr Leid geklagt. Beide waren ihrer Ehemänner überdrüssig und vereinbarten, jeweils den der anderen zu ermorden, um sich gegenseitig mit dem perfekten Mord ihrer Sorgen zu entledigen.

Ein junger Mann wird von einem reichen Herrn beauftragt, dessen Sohn nach Hause zurückzuholen, der sich auf Kosten des Vaters im Ausland amüsiert, statt sich seinen Verpflichtungen daheim zu stellen. Die Suche gestaltet sich erfolgreich, doch der Gesuchte überzeugt den jungen Mann, es sich gemeinsam mit ihm gut gehen zu lassen und die Jugend zu genießen. Fasziniert von Leben und Wohlstand des Berufssohns, versucht der Mann schließlich den Gesuchten zu ermorden und sich als er auszugeben.

Klar, weiß jeder sofort, von welchen beiden „Fällen“ ich spreche. Letzterer wurde von Fernsehrichter Alexander Holt verhandelt, ersterer ist schon etwas länger her und mein etwas löchriges Gedächtnis erinnert sich nicht mehr, ob auch Holt oder eine(r) seiner Kollegen/innen den Vorsitz hatte.

Wie, ein Roman? Ein Film? Na so was. Das wäre ja seltsam.

Da soll es doch Leute geben, die noch immer glauben, Sat.1 stelle ein paar Kameras in einen echten Gerichtssaal während einer echten Verhandlung. Und die Kameraleute seien zufällig auch immer dabei, wenn etwas Aufregendes im Flur, der Garage oder auf dem Klo passiert. Oder zumindest seien es echte Fälle, die von den Produzenten nachgestellt würden.

Nun müssen also selbst die, die zähneknirschend akzeptiert haben, dass die ach so authentischen Fälle aus der Feder von Skriptautoren stammen, die sich ihrerseits mit der meist diletantischen schauspielerischen Umsetzung ihrer Drehbücher abgefunden haben, mit dem Gedanken leben, dass eben diesen Autoren ihre Ideen manchmal auf seltsamen Kanälen zufliegen und sie sich nicht einmal die Mühe machen, dies nicht allzu offensichtlich werden zu lassen.

Nennt man das Inspiration? Nun ja, es reicht jedenfalls, um sich in der Mittagspause die Werbeunterbrechungen bei „Two and a Half Man“ auf ähnlich amüsante Weise zu vertreiben.

Bleibt nur die Frage, ob dieses Phänomen für den Realismus der Vorlagen spricht oder ob sich die Fernsehmacher um eben diesen Realismus einen Dreck scheren.