Philvent – die neunte Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Er hätte nie geglaubt, dass er das noch einmal sagen würde. Erneut rief er es laut. „Es schneit!“ Natürlich war dieser Satz nicht neu. Auch für ihn nicht. Doch zum ersten Mal sprach er ihn in dieser Weise mit solch freudiger Inbrunst aus. Sein Leben lang hatte er Schnee gehasst. Nun aber wusste er seinen Fehler behoben. Das flockig dichte Weiß verdeckte, vertuschte, verwischte Spuren.

Sechser im Motto: Essstörung

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Aufgabe:
Suche dir bitte einen/eine Protagonisten/in aus deinen Werken aus. Er/sie hat riesigen Hunger und bereitet sich gerade eine Mahlzeit zu. Doch er/sie wird durch irgendetwas abgelenkt und das Essen verbrennt. Wie wird er/sie reagieren? Was wird er/sie sagen?

Kerstin Gier

Jeder weiß, dass man Raubtiere nicht beim Fressen stören darf. Nur jemand mit Todessehnsucht wäre so leichtsinnig, einem über eine Gazelle gebeugten Löwen einen Artikel über Frau Harkels Neffen, seine Frau und seine Milchkühe aus der Friesischen Bauernpostille ins Ohr zu brüllen und gleich danach das komplette Angebot von Tchibo runterzubeten. Allerdings würde der Löwe unter diesen Umständen auch nicht ans Telefon gehen. Und ich war wohl kein Raubtier, auch wenn ich Hunger hatte wie ein Bär und meine Mutter gerne angeknurrt hätte.
„…in grün und türkis. Und sehr praktische, emaillierte Töpfe in vier Größen und einen Toaster und Schals mit Blümchenmuster …“
Ein unangenehmer Geruch stach mir in die Nase, und ich stürzte zum Herd. Meine Gazelle! Bitte nicht!
„Mama, ich ruf dich später noch mal an, der Milchreis brennt an!“
„Der Milchreis brennt an?“, wiederholte meine Mutter unverkennbar beleidigt, und mir fiel zu spät ein, dass sie genau das immer sagte, wenn sie ein Gespräch mit Tante Friederike beenden wollte oder mit einem dieser bedauernswerten „Sie haben gewonnen!“-Anrufer.
Bevor ich ihr erklären konnte, dass ich WIRKLICH Milchreis kochte, hatte sie schon aufgelegt. Es würde Monate dauern, bis sie mir das verziehen hatte. Wenigstens war die obere Hälfte des Milchreises noch genießbar. Die untere würde ich mitsamt dem Topf nach dem Essen in die Mülltonne werfen. Und danach konnte ich ja bei Tchibo einen neuen Topf kaufen, einen von diesen praktischen, emaillierten.

Jürgen Seibold

Gottfried Froelich träumte das Rezept in Ruhe zu Ende, und als er wieder erwachte, hatte sich ein beißender Geruch in der Küche ausgebreitet. Auf den Herdplatten schmurgelte eine bräunliche Pampe, rund um den Soßentopf zischte und rauchte es eindrucksvoll. Gottfried tappte schlaftrunken hinüber, griff nach dem Topf, schleuderte ihn sofort fluchend zurück auf den Herd, schlurfte zur Spüle und ließ kaltes Wasser über seine schmerzenden Hände laufen. Während er seiner Haut dabei zusah, wie sie sich rötete und in Blasen warf, kam ihm die Idee: Müssten nicht die Hände den Täter überführen? Müsste der Mörder sich nicht die Finger verbrannt haben, als er den heißen Topf auf Roswitha schleuderte?

Claudia Siegmann

Das Leben an Bord brachte es mit sich, dass gute Manieren früher oder später gegen ein paar deftige Seemannsflüche eingetauscht wurden. Und Biba war schon lange Matrosin auf der Merry Mary May. So blickte also niemand verwundert auf, als die Kombüsentür aufschwang und mit dichtem, schwarzem Qualm auch eine Auswahl Bibas übelster Flüche hervorquoll.

Carsten Steenbergen

Das Telefon klingelte, als die Putenbrust in der Pfanne längst einen karamellbraunen Farbton angenommen hatte. Angemer wischte sich seufzend die Hände an der Schürze sauber.
„Angemer.“
Eine Stimme am anderen Ende der Leitung gab eine Anweisung durch. Er lauschte, ohne zu unterbrechen.
„Verstehe. Treffpunkt Java Eiland. Ich bin in zehn Minuten da.“
Der Duft von Verbranntem, vermischt mit dem aromatisch stechenden Aroma der Lauchzwiebeln, zog durch die Küche. Der Kommissar legte auf und warf einen Blick auf das geschwärzte Fleisch. Nach dem verhinderten Attentat an der Amstel am frühen Abend hatte er gehofft, ein wenig Ruhe zu bekommen. Eine Ruhe, die bitter nötig war. Er spülte den Speichel in seinem Mund mit einem Schluck Bordeaux herunter. Die Flamme unter der Pfanne erlosch.
„Verdammter Job. Irgendwann holen sie mich sogar vom Klo herunter.“
Anscheinend war das große Spiel nicht vorüber. Der Agent vom AIVD, Willem van den Dragt, hatte so etwas angedeutet. Amsterdam sah einem Wirbelsturm entgegen. Und ihm, gottverflucht noch mal, war nicht einmal der stille Moment in dessen Auge vergönnt.

Helene Luise Köppel

Ich stand auf und schlich in die Küche, um mir Milch warm zu machen. Die Standuhr schlug vier. Da kam mir plötzlich ein irrwitziger Gedanke – es fällt mir schwer, genau zu erklären, was in diesem Augenblick in mir vorging: Ich folgte einem inneren Drang, der keinen Aufschub zuließ, eilte in den Keller und suchte den Stapel mit Altpapier, den Henri vor unserer Abfahrt nach Collioure dort deponiert hatte.

Als ich zurückkam, war die Milch übergelaufen. Es stank fürchterlich. Rasch schaltete ich den Herd aus, packte mit bloßen Händen den Topf am Stiel und stellte ihn in den Ausguss, wobei ich mir die Finger verbrannte. Wütend über meine Nachlässigkeit und Dummheit riss ich das Fenster auf …

Imre Török

Der Nomade Traminer reitet allein seit Tagen, ist unterwegs nach Vorderhinterasien, um dort die Prinzessin Gewürzlands zu besuchen und sie zu heilen.
Abends bereitet er am Lagerfeuer, was er tagsüber geangelt hat.
Durch den Duft des gebratenen Fisches wird ein Bär angelockt. Der Nomade hat alle Mühe, mit dem angriffslustigen Tier fertigzuwerden. Als der Kampf vorüber ist, stecken an den Stöcken über der Glut nur noch verkohlte Gräten.
Statt dessen gibt es nun als Nachtmahl in der Glut gebackene Bärentatzen. Gut gesättigt kann er sich wieder jenen zarten und feinsinnigen Geschichten zuwenden, mit denen er die kranke Prinzessin wird heilen wollen.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Rattenfänger und mehr bis 15.01.12

Dreimal Mitte Januar:

Bridget Jones und der böse Wolf

Cover JagdzeitGut möglich, dass dir dieses Buch nicht gefällt. Vielleicht ist es ja sowieso nichts für dich. Für wen genau ist Claudia Tomans Roman „Jagdzeit“ denn etwas?

Für Frauen, das scheint ziemlich sicher. Aber nicht nur, davon bin ich überzeugt! Für diejenigen, die es humorvoll mögen. Aber auch für jene, die es spannend lieben. Für Krimifreunde, Thrillerleser und Märchenliebhaber. Für Leser, die sich zu mysteriösen Fantasywesen hingezogen fühlen, aber auch solche, die von modernen Großstadtmenschen lesen wollen.

Begrenzende Vielfalt

Na, da sollte doch was passen! Ist doch für jeden etwas dabei. Tja, wenn es mal so einfach wäre. Aber leider – ja, das ist wirklich schade – lassen sich Zielgruppen nicht so einfach addieren. Ganz im Gegenteil. Ein Crossover wie dieses braucht Leser, die bereit sind, Grenzen zu überschreiten. Einen Krimileser, den der Sprung aus dem Realistischen nicht schreckt, einen Märchenfreund, der sich auch von spannender Ermittlungsarbeit verzaubern lässt, einen Thrillerfan, der sich für die herzig-humorvolle Chick-lit-Protagonistin erwärmen kann.

Hat ein solcher Leser zu „Jagdzeit“ gefunden, wird es sich prächtig amüsieren, voll Spannung die jeweils nächste Seite umblättern und sich sogar ein bisschen gruseln. Denn die Autorin macht alles richtig. Geradezu spielerisch verbindet sie Chick lit, Mystery, Krimi, Thriller und Märchen. Auf sprachlich hohem Niveau vollführt sie einen ebenso lockeren wie souveränen Tanz zwischen den Genres, verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen.

Olivia zwischen Liebesentzug, Abgabetermin und anderen Bedrohlichkeiten

Wie die Autorin überschreitet auch Protagonistin Olivia Grenzen. Oft die der Vernunft, des Anstands oder der Höflichkeit, vor allem aber ihre eigenen. Auf der schon etwas verzweifelt anmutenden Suche nach einem Liebesabenteuer erreicht die naturhassende und Sex-and-the-City-verrückte Großstädterin das abgelegene Bergdorf W. wie seinerzeit die Hobbits aus dem Auenland Bree. Wen wundert es da, dass sie im absonderlichen Dorfwirtshaus „Gifthütte“ auf Aragorn – Verzeihung, Streicher – Entschuldigung, Schnüffler trifft, der sie ausgerechnet an Brie, den Käseautor erinnert.

Von Schnüffler, den schrulligen Dorfbewohnern und nicht zuletzt dem vorzeitig gescheiterten Liebesabenteuer mehr oder weniger aus der Fassung gebracht begibt sich Rotjäckchen Olivia, ihres Zeichens Schriftstellerin auf der Suche nach der Inspiration für ihren zweiten Roman, mit neuem Ziel in eine Welt, genauer gesagt einen Wald der Märchen und Sagen. Nun hofft sie, statt des stets verhinderten Blind Dates eine magische Quelle zu finden, die ihr den Wunsch nach ewig fließender Inspiration erfüllen soll, und ganz nebenbei das Material zu sammeln, das sie vor dem Überschreiten des drohenden Manuskript-Abgabetermins bewahren kann.

Ein Buch von dreien

„Jagdzeit“ ist nicht nur der zweite Roman der Autorin, sondern auch die zweite Geschichte um Olivia, die mit „Hexendreimaldrei“ ihren Anfang nahm und in „Goldprinz“ ihren Fortgang findet. Der Mittelteil der Trilogie lässt sich allerdings problemlos ohne die Kenntnis des Vorgängers lesen. „Jagdzeit“ funktioniert bestens als alleinstehender Roman, der für den, der es nicht weiß, gar nicht die Idee aufkommen lässt, es gäbe bereits ein Abenteuer von Olivia.

Claudia Toman ist ein wundervoller Roman gelungen, ein vielseitiger Roman für vielseitige Leser.

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Claudia Toman
Jagdzeit
Roman

Taschenbuch
Diana 2010
ISBN: 978-3-453-35399-2

Klappentext:

„Tief im Wald wirst Du finden, was Du suchst!“

Wünschen kostet nichts? Je weiter Olivia in den Wald vordringt auf der Suche nach jener magischen Quelle, die angeblich jeden Wunsch erfüllt, desto größer wird ihre Angst. Denn der Wald birgt dunkle Geheimnisse. Etwas lauert zwischen den Bäumen, verfolgt ihre Spur, nimmt ihre Fährte auf. Ein gefährliches Spiel um Leben und Tod beginnt. Doch ein Zurück gibt es nicht. Denn Magie hat nicht nur ihren Preis – sie ist auch unwiderstehlich!

Neu und fantastisch: märchenhafte Mystery mit Magie, Witz und dunkler Spannung.

Verlagsseite
Leseprobe
Blog der Autorin

Gedanken zur Inquitformel

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, sagte sie.
„Warum nicht?“, fragte er.
Sie schlug auf den Tisch und sagte: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, fragt er.
„Das sagen alle“, sagte sie.

„sagte sie, sagte er, fragte sie, …“ sind die sogenannten Inquitformeln, Einschübe in den Dialog, die so genannt werden nach dem lateinischen inquit, er sagt, er sagte.

Und viele werden der Sie in dem Beispieldialog sofort recht geben, wenn sie fordert, nicht ständig das „sagte“ zu wiederholen.

Nun haben Inquitformeln vor allem eine Funktion: Sie kennzeichnen im Dialog, welcher Figur welche Dialogzeilen zuzuordnen sind. Denn leider können wir ja nicht mit verstellten Stimmen schreiben. Oder doch? Vielleicht zum Teil.

Indem wir den Figuren durch Wortwahl, Stil und Sprechweise eigene Stimmen geben, können wir manche Inquitformel vermeiden. Auch das Gesagte selbst kann idealerweise deutlich machen, von wem es stammt.

Und doch werden wir immer wieder, vor allem dann, wenn mehrere Figuren am Dialog beteiligt sind, mit Inquits eindeutig machen müssen, wer der jeweilige Sprecher ist.

Nun kommt die Zeit der Synonyme, denn schließlich ist eine der ersten vielbeschworenen Regeln für angehende Autoren, man solle unbedingt Wiederholungen vermeiden. Man sollte diese wie jede andere Schreibregel schon allgemein mit Vorsicht betrachten, aber wie sieht es speziell bei den Inquits aus?

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, sagte sie.
„Warum nicht?“, fragte er.
Sie schlug auf den Tisch und antwortete: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, wollte er wissen.
„Das sagen alle“, entgegenete sie.

Na also, geht doch. Keine der Inquitformeln wiederholt sich. Allerdings ist dieser Dialog auch recht kurz. Was, wenn wir eine lange Dialogpassage haben? Finden wir dann noch genug Synonyme?

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, forderte sie.
„Warum nicht?“, staunte er.
Sie schlug auf den Tisch und schrie: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, wiederholte er.
„Das sagen alle“, beharrte sie.

Man muss eben kreativ sein. Die beiden könnten auch etwas meinen, klarstellen, betonen, rufen, flüstern, …

Aber halt, ganz so einfach ist es nicht. Und mancher Lektor beginnt hier vielleicht schon, skeptisch eine Augenbraue zu heben. Die Meinungen darüber, was man als Inquitformel verwenden kann, soll und darf, gehen weit auseinander. Aber wo liegt das Problem?

„sagen“ und „fragen“ sind sehr neutrale Inquits, die kaum mit  Nebenbedeutungen belastet sind. Ähnlich sieht es mit „entgegnen“ und „antworten“ aus.

„rufen“, „schreien“, „flüstern“, whispern“ und ähnliche Verben sagen zusätzlich etwas aus zur Intensität, mit der der Sprecher etwas sagt. Wenn es passt, okay. Aber nur, um „sagte er“ nicht zu wiederholen, sollte man sicher nicht jeden Dialog zu Flüstern und Schreien werden lassen.

Wirklich kritisch wird es aber mit solchen Inquits, die in der Bedeutung weit über das einfache Ausprechen der Worte hinausgehen. Um den Artikel nicht ausufern zu lassen, will ich hier mal ein paar Problemfälle deutlich machen, die, wie ich hoffe, das Problem insgesamt deutlich machen:

„Was mich mal total interessiert: Hast du ein Auto?“, wollte sie wissen.
„Nein, habe ich nicht“, verneinte er.

Natürlich erfüllen diese Inquitformeln noch immer die Grundfunktion, nämlich die Sprecher zu kennzeichnen. Aber darüber hinaus liefern sie weitere Informationen. Und diese sind vollkommen redundant!  Dass sie etwas wissen will, weiß der Leser bereits, wenn er ihre Frage liest. Dass er verneint, wird ebenfalls aus dem Gesagten selbst deutlich. Die Informationen sind überflüssig und haben damit im Text nichts zu suchen.

Es stellt sich also die Frage, ob man, wenn man nur noch solche mit Redundanz belasteten Inquits als Synonyme zur Verfügung hat, nicht doch lieber wiederholt.

„Das war ein guter Witz“, lachte sie.
„Fand ich auch“, prustete er.

Inquitformeln, die man immer wieder liest. Was sie aber in manchen Augen nicht unbedingt besser macht. Denn ich bin sicher, den Wenigsten wird es gelingen, einen Satz zu lachen oder zu prusten. Man kann den Satz aussprechen und danach lachen. Oder davor. Gern auch beides. Man kann zwischen den Worten lachen. Gleiches gilt für das Prusten. Aber man kann sich nicht lachend artikulieren. Und falls es Leute gibt, die es doch können, müsste das Gegenüber mit Sicherheit antworten: „Ich habe kein Wort verstanden.“

Korrekt wäre also entweder „sagte sie und lachte“ oder bestenfalls „sagte sie lachend“.

Während diese beiden Formeln dennoch von den meisten Lektoren (vielleicht nicht immer lachend) akzeptiert werden dürften, treibt gerade diese problematische Form schnell seltsame Blüten:

„Was für ein schöner Morgen“, öffnete sie das Fenster.
„Ich muss los!“, rannte sie aus dem Haus.
„Entschuldige bitte“, staubsaugte sie direkt vor seinen Füßen.

Meine Empfehlungen lauten daher:

  1. Verwende Inquitformeln sparsam, wenn du sie mithilfe der kennzeichnenden Figurenrede und durch inhaltliche Klarheit vermeiden kannst, ohne dass der Leser raten muss, wer gerade spricht.
  2. Scheue nicht die einfachen Formen, etwa sagen, fragen, antworten, entgegnen. Das Problem der Wiederholung wird hier oft überschätzt, weil der Leser (sofern er nicht selbst schreibt und „regelkundig“ ist) solche Inquits gewohnt ist, sie praktisch überliest und als Information nur herauszieht, wer spricht.
  3. Wo du doch glaubst, Wiederholung vermeiden zu müssen, suche nach solchen Verben, die von der Bedeutung her nicht überladen sind, die treffend sind und die sich mit dem Akt des Sprechens vereinbaren lassen.
  4. Vermeide Redundanz.
  5. Versuche nicht, Verben als Inquitformel zu verwenden, die eigentlich Tätigkeiten bezeichnen, die während des Sprechens (nebenher) ausgeführt werden.

Ich für meinen Teil nutze hin und wieder eine weitere Gruppe von Verben, die möglicherweise nicht jeder gelten lassen würde. Sie stelle ebenfalls einen Grenzbereich dar:

„Welch großartiges Bauwerk“, schwärmte er.
„Das ist mein Lieblingsessen!“, frohlockte sie.
„Er war ein treuer Partner“, trauerte sie.
„Ich bin angenommen“, freute er sich.

Keines dieser Verben ist strenggenommen ein Verb des Sprechens. Wer jedoch schwärmt, tut das meist, indem er spricht. Anders gesagt, ist der Sprechakt Teil des Schwärmens, Frohlockens, Trauerns oder Freuens. Das, was die Figur sagt, ist Ausdruck ihres Schwärmens, …

„freute er sich“ fällt für mich ein bisschen aus dieser Reihe heraus und ich persönlich würde es eher nicht nutzen. Vermutlich, weil es doch eher die Assoziation des Zusätzlichen als des Übergeordnenten zulässt:

„Welch großartiges Bauwerk“, sagte er und schwärmte.
„Ich bin angenommen“, sagte er und freute sich.

Der erste Satz will nicht so richtig funktionieren. Wir können das Schwärmen von der Aussage nicht loseisen. Mit dem Freuen geht das problemlos.

Inquitformeln sind also letztlich weitgehend auch eine Geschmackssache. Wie weit man gehen kann, wird möglicherweise letztendlich vom jeweiligen Lektor bestimmt. Mit etwas Glück ist der kompromissbereit. Wer auf dieses Glück nicht bauen will, sollte sich hinsichtlich der Formeln vielleicht schon frühzeitig etwas zügeln.

In den Winter mit Thomas Finn

Tom Finn: Weißer Schrecken
Tom Finn: Weißer Schrecken

Der Winter ist gekommen. Was kann es da für Freunde der Phantastik Schöneres geben, als mit Thomas Finns aktuellem Roman gemütlich in die Mythen um Knecht Ruprecht einzutauchen?

Zugegeben: Mit der Gemütlichkeit kann es schnell vorbei sein. Das verrät schon der Titel „Weißer Schrecken“. Und Herr Finn hat, wie man ihn kennt, so tief in den Mythen, Sagen und Legenden gegraben, bis die dunkle Seite des Nikolausbegleiters zum Vorschein kam.

Wer jetzt noch nicht auf dem Weg zum Buchladen ist, dem seien die Rezension zum Buch und das informative Interview mit dem stets gut gelaunten Autor auf Feenfeuer empfohlen.

Sagengestalten oder Aprilscherz?

Normalerweise präsentiere ich auf meinem Blog nur ausgewählte Ausschreibungen, bei denen ich mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass sie für die teilnehmenden Autoren keinerlei Tücken bereithalten (abgesehen davon, dass der eingesandte Text nicht als preis- bzw. veröffentlichungswürdig betrachtet werden könnte).

Dieses Mal ist das ein klein wenig anders. Denn ich habe bestenfalls ein gutes Gefühl bei der Ausschreibung, die ich über Feenfeuer entdeckt habe. Das liegt einfach daran, dass der ausschreibende Verlag noch ganz neu im Geschäft ist. Mondwolf aus Österreich wurde erst am 1. April dieses Jahres gegründet, will bereits im Herbst die ersten Bücher auf den Markt bringen und wirbt auf der Webseite offen um neue Autoren.

Drei Fakten, die eigentlich gegen eine Empfehlung sprechen. Denn natürlich ist die Sicherheit für den Autor bei einem etablierten Verlag größer, zum einen, weil er sich so auf die Erfahrungswerte anderer Autoren stützen kann, zum anderen, weil die Gefahr geringer ist, dass der Verlag nach einem halben Jahr seine gerade erst aufgestoßenen Türen wieder schließen muss.

Auch mag ich es lieber, wenn ein Kleinverlag, sei er neu oder bereits länger auf dem Markt, seine Planungen langsam, dafür aber realistisch angeht. Schnell auf den Markt geworfene Bücher leiden oft an mangelnder Qualität, sowohl hinsichtlich der Textauswahl wie auch hinsichtlich der äußeren Präsentation.

Und dass der Satz, „Wir suchen Autoren“, den Skeptischen oder einfach Vorsichtigen sofort an die schwarzen Schafe der Branche denken lässt, sollte einem Verlagsgründer eigentlich bewusst sein.

Auch Sätze wie die, die in der Verlagsbeschreibung stehen, klingen ein bisschen nach den Lockangeboten eines Zuschussverlags:

In vielen Schubladen schlummern gute Manuskripte, die wegen starrer Programme, des Überangebotes aus dem amerikanischen und englischsprachigen Raum und Mindestauflagen keine Chance bekommen. Diese Schätze wollen wir finden und den Lesern zugänglich machen.

Aber wahrscheinlich handelt es sich dabei wirklich eher um eine etwas unbedachte Herangehensweise des Verlags, denn auf der Seite betont der Verlag ausdrücklich, kein Zuschussverlag zu sein, wenn auch wiederum mit einer etwas seltsamen Begründung:

In der Zusammenarbeit mit unseren Autoren legen wir großen Wert auf gute Kommunikation und ein faires Miteinander. Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag.

Sei es drum. Nehmen wir den Verlag, der sich die Förderung der deutschsprachigen Fantasy auf die Fahnen geschrieben hat, beim Wort. Denn an anderer Stelle auf der Homepage drückt er sich klarer und treffender aus:

Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag. Unsere Autoren erhalten umfassende Betreuung, der Verlag kümmert sich um alle Verlagsaufgaben vom Lektorat bis zum Marketing. Aktive Unterstützung seitens der Autoren begrüßen und schätzen wir!

Und eines bleibt festzuhalten: Die erste Ausschreibung, mit der Mondwolf in den Literaturbetrieb startet, lässt sich im Vergleich mit manch anderer Anthologieausschreibung durchaus sehen. Nicht nur das eigentliche obligatorische Belegexemplar gibt es für die ausgewählten Autoren, sondern auch ein vertraglich zugesicherten Preisgeld in Höhe von 40 Euro, das man somit als Garantie- bzw. Pauschalhonorar verstehen kann. Um über Tantiemen ein solches Honorar in einer Kleinverlagsanthologie zu erreichen, wird man in den meisten Fällen einiges an Geduld aufbringen müssen. Mancher Jungautor dürfte sich überhaupt über die erste finanzielle Vergütung seiner Schreibarbeit freuen.

Bis zum 15. August kann man sich mit einer oder mehreren Fantasy-Geschichten, die sich um eine oder mehrere Sagengestalten drehen sollen, beteiligen. Die genauen Ausschreibungsbedingungen findet ihr auf der Homepage des Verlags oder in diesem PDF.

Bleibt zu hoffen, dass Mondwolf sich als Kleinverlag im Sinne von Fairlag etabliert und in diesem Sinne seine Ziele verwirklichen kann.

Auf der KulturHöhe bis 15.04.10

KulturHöhe Nidderau – Hof Buchwald (www.kulturhoehe-nidderau.de)

Die KulturHöhe sucht kreative Autoren und Autorinnen mit Sinn fürs „Kriminelle“.

Im Rahmen des KunstMais 2010 der KulturHöhe Hof Buchwald in Nidderau suchen wir spannende, sinnlich prickelnde, originelle und außergewöhnliche Krimigeschichten oder Krimi-Gedichte, die das Motto LEBENSRÄUME UND METAMORPHOSEN beinhalten.

Das Thema des Literaturwettbewerbs lautet: Lebensräume und Metamorphosen. Die beiden Begriffe können im Zusammenhang oder auch einzeln als Inspiration dienen. Es ist auch möglich, sich durch das Bild des Labyrinthes im Mais oder durch die dazu gehörenden Sagen und Mythen inspirieren zu lassen. Schicken Sie uns einen Kurzkrimi oder ein Krimi-Gedicht, in dem die Umsetzung dieses Themas so erfinderisch und abwegig wie möglich umgesetzt wird!

Beiträge mit rein brutalen, Gewalt verherrlichenden Inhalten oder pornographische Texte sind unerwünscht und werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Sinnlich hingegen dürfen sie sein, witzig dürfen sie sein … und möglichst kriminell und mordsmäßig gut.

Der Beitrag darf  2-3 Normseiten (30 Zeilen à 60 Zeichen) umfassen. Pro Person ist lediglich die Einsendung eines Beitrages zulässig. Wird die Form des Krimi-Gedichts gewählt, können zwei Krimi-Gedichte eingereicht werden. Alle Beiträge müssen in deutscher Sprache und per E-Mail eingereicht werden.

Wer ist teilnahmeberechtigt?

Alle Menschen, die Freude am Schreiben haben, sind eingeladen. Wir freuen uns auch auf Beiträge junger Menschen. Wir haben einen Jugendpreis für den 1. Platz in Höhe von 200,- Euro ausgelobt.

Einsendeschluss ist der 15. April 2010 (Datum des Poststempels).

Eine unabhängige Jury wählt  aus allen Einsendungen aus.

Die Jury wird bei der Auswahl folgende Kriterien berücksichtigen:

Der Beitrag soll deutschsprachig sein.
Der Beitrag soll eine Neuerscheinung sein, bereits publizierte Veröffentlichungen sind vom Wettbewerb ausgeschlossen.
Es sind Kurzgeschichten oder Gedichte einzusenden.
Bei Gedichten können maximal zwei Beiträge eingereicht werden. Bei Kurzgeschichten nur eine.
Das Manuskript sollte nicht mehr als drei getippte DIN-A4-Seiten umfassen.
Handschriftliche Manuskripte werden nicht entgegengenommen.
Dem Manuskript ist eine Kurzbiographie von maximal 5 Zeilen beizufügen.

Es besteht keine Altersbegrenzung.
Die Altersgrenze für den Jugendpreis ist mit der Vollendung des 18. Lebensjahres festgelegt.

Das Manuskript soll per Mail mit Kurzbiographie als Doc- oder pdf-Datei an folgende Adresse gesendet werden:
Anja F. Drescher-Parré, anjafriedadrescher@web.de
oder: Heike Lasch, familie.lasch@t-online.de

Mit der Einsendung der Beiträge akzeptiert der Autor/die Autorin automatisch die Teilnahmebedingungen und erklärt sich mit einer unentgeltlichen Veröffentlichung des Beitrags unter Nennung des Verfassers/der Verfasserin während KunstMais einverstanden. Davon, dass alle darüber hinaus gehenden Rechte beim Autor liegen, gehen wir aus.

Was passiert, wenn die Auswahl getroffen wurde?

Wir informieren alle Gewinnerinnen und Gewinner Mitte Juni 2010 umgehend über das Ergebnis der Jurysitzung. Außerdem werden die Namen und Beiträge auf der Internetseite der KulturHöhe ab Mitte 2010 veröffentlicht. (www.kulturhoehe-nidderau.de)

Die ersten zehn Plätze werden mit Geld- und Sachpreisen prämiert. (1. Preis: 150,- Euro / 2. Preis: 100,- Euro / 3. Preis: 50,- Euro / 4. bis 10. Preis je eine Eintrittskarte für die Nacht im Labyrinth und ein Buch). Für den ersten Jugendpreis gibt es 200,- Euro, für den 2. Jugendpreis 50 Euro, für den 3. Jugendpreis 25 Euro für weitere Jugendpreise eine Eintrittskarte für die Nacht im Labyrinth und ein Buch. Jeder der ausgewählten Beiträge soll während KunstMais 2010 im Rahmen einer Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Form der Veranstaltung, mit der wir die Beiträge feiern wollen, wird derzeit detailliert geplant. Geplant sind eine Preisverleihung und verschiedene Begleitveranstaltungen.

Für die Dauer von KunstMais 2010 (17.07. bis 28.08.) werden die Beiträge im Maislabyrinth unter Nennung des Namens aufgestellt werden. Es werden in den KunstMais-Wochen wieder ca. 4.000 Besucher erwartet.

Gibt es noch Fragen?

Weitere Informationen zum „2. KulturHöhe. Nidderau – Literaturwettbewerb“ erteilt Ihnen per E-Mail:

Anja F. Drescher-Parré
Sancto Petrolio
anjafriedadrescher@web.de
www.sanctopetrolio.de

Freundeskreis Hof Buchwald e.V. Kontakt und V.i.S.d.P.:
familie.lasch@t-online.de
www.kulturhoehe-nidderau.de

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Zusatzinformationen

Der Freundeskreis Hof Buchwald e.V. und sein Projekt KulturHöhe Nidderau

Das Projekt KulturHöhe Nidderau nutzt den bewirtschafteten Hof Buchwald als Ort, an dem sich Menschen, Dinge und Aktionen treffen, um Kultur zu erleben und zu schaffen.

Hier können Neubürger kulturelle und nachbarschaftliche Kontakte knüpfen und Alteingesessene sich treffen und austauschen.

Kontinuierlich finden pädagogische und ökologische Angebote statt, z.B. Lernort Bauernhof oder die öffentliche Gemarkungswanderung.

Kulturelles Glanzlicht ist alle zwei Jahre die regionale Sommerkunstwerkstatt SoKuWe mit dem Maislabyrinth „KunstMais“ und Auftritten des Feuertheaters Sancto Petrolio, das hier seine Heimat hat.

Die KulturHöhe bietet ein Forum für Diskussionen und Workshops, für Spiele und ökumenische Gottesdienste, für Genuss und Engagement. Dieses Forum für alle zu öffnen und zu gestalten ist Aufgabe des Vereins.

KunstMais und andere Genüsse

Alle zwei Jahre entsteht auf der KulturHöhe ein Maislabyrinth der besonderen ART: der KunstMais.

Auf seinem Weg durch das Pflanzendickicht trifft der Besucher auf verborgene Kunststationen mit Werken Kunstschaffender, die überwiegend in unserer Region leben und arbeiten. Der KunstMais lädt Familien, Gruppen und Einzelpersonen zu neuen sinnlichen Erlebnissen ein – und das zu erschwinglichen Preisen. Es gibt Führungen und Künstlergespräche, einen Kunstmarktplatz und Workshops in der SommerKunstWerkstatt: Malen, Töpfern, Lehmofenbau, Schreiben usw.

Das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Feuertheater Sancto Petrolio hat hier seine Wurzeln. Alle Premieren von Sancto Petrolio finden auf der KulturHöhe statt, bevor die Artisten aus Nidderau und Gründau auf Tournee gehen.

Schließlich die Feldkapelle FundOrt. Die Anlage versammelt alte Steine aus allen fünf Nidderauer Ortsteilen. Hier können Menschen innehalten, zur Mitte finden, Gottesdienst feiern.

Lernort Bauernhof

Kinder „wissen“ heutzutage: Die Milch kommt aus dem Tetrapack, Fleisch von McDonald’s, aus dem Döner oder von Bifi – und Gemüse schmeckt sowieso nicht.

Gemeinsam mit der Evangelischen Tageseinrichtung für Kinder Heldenbergen unterstützt die KulturHöhe den Bauernhof-Kindergarten, der die Kinder mit den Wachstumsprozessen in der Natur, mit Kulturtechniken und nicht zuletzt mit dem Wetter vertraut macht. Kindergruppen und Schulklassen aus Nidderau und dem Umland  können gegen geringe Gebühr ebenfalls an dem Projekt teilnehmen.
Weitere Angebote wie Lehrerfortbildungen werden entwickelt.

Natur erfahren und erhalten

Alle Projekte der KulturHöhe beziehen sich zentral auf das Verständnis und den Schutz unserer Umwelt. Um ökologisches Bewusstsein zu schärfen und insbesondere junge Menschen an die Natur heranzuführen, arbeitet die KulturHöhe an konkreten Projekten (mit) wie:
„Offenland-Programm“, Bioenergie, Wasserpfad, Erhalt bedrohter Haustierrassen und einer Pflanzenkläranlage auf Hof Buchwald.
Kulturland ist Kultur-Land. Aber hallo!

Heimat als Schnittpunkt

Wir leben in einer einzigartigen, Jahrtausende alten Kulturlandschaft, geschaffen von zahllosen Generationen. Heute leben hier so viele Menschen wie nie zuvor – Alteingesessene und Neubürger, Landwirte und Banker, Junge und Alte. Gemeinsam ist uns das Erleben dieser gestalteten Landschaft. Wir spüren, dass sich hier Lebensräume und Lebenslinien treffen und wichtig werden können.

Nicht nur die Landschaft hat sich verändert. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ist die Beziehung von Natur und Kultur brüchig geworden. Die Zersiedelung bedroht nicht nur unsere Ortschaften, sondern auch unser Selbstempfinden und unsere regionale Identität. Die KulturHöhe Nidderau  will ein Gegenort sein – ein lebendiges kommunikatives Zentrum, an dem aktuelle Themen diskutiert und neue Erfahrungen gemacht werden können. Hier kommen Menschen ins Gespräch: Bürger/innen, Kommunen und die in der Landwirtschaft Tätigen. Und Künstler/innen. „Agri-Kultur“ bekommt auf Hof Buchwald einen neuen Sinn.

Zur Kultur gehören Riten und Feste. Über die Jahrtausende hinweg haben hier Menschen ihren je eigenen Gottesglauben entwickelt und gelebt; der Keltenfürst von Glauburg wohnte um die Ecke, und  Bonifatius‘ letzter Weg berührte den Hof Buchwald. Projekte wie Aufführungen des Feuertheaters Sancto Petrolio und die ökumenischen Gottesdienste in der Feldkapelle FundOrt sehen sich in dieser Tradition.