Helden-Haft

Helden-Haft
© Zoom Team

Romanfiguren sind uns Realo-Normalos in allem mindestens einen Schritt voraus. Sie sind konsequenter und kompromissloser, denken schneller, handeln zielstrebiger und ihre Charaktereigenschaften sind stärker ausgeprägt. Sie sind mutiger, schlagfertiger, trauriger, sportlicher, tollpatschiger, intelligenter, dümmer, liebenswerter, nerviger, verliebter, kämpferischer, liebevoller, hassender … Was auch immer sie beginnen, sie tun es bis zum bitteren (Happy) Ende.

Für diese Übung aber nehmen wir diese Helden in Haft. Jetzt darfst/musst du selber ran! So, wie du dich kennst (nicht so, wie du dich gern sehen würdest).

Schreib dich also in eine Szene, in der du in einen Banküberfall mit Geiselnahme gerätst. Gerade noch nichts Böses gedacht und plötzlich mittendrin statt nur dabei.

Gepflegte Langeweile

Sei ganz ehrlich! Lass dich als Figur nur so handeln, wie du glaubst, dass du dich in so einer Situation wirklich verhalten würdest. Wenn die Szene dadurch stinklangweilig wird, weil du dich die ganze Zeit so unauffällig wie möglich verhältst, dann ist das eben so (und das ist nun wirklich nicht unwahrscheinlich). Tatsächlich wirst du für die Szene Spannung und Action wahrscheinlich nicht gerade als oberstes Ziel ausschreiben können.

Andererseits sollst du dich auch nicht schonen. Wenn die Geiselnehmer jemandem die Waffe direkt an die Schläfe halten, warum dann nicht dir? Und wenn sie nicht gerade dich auswählen, um mit einem ersten Todesopfer ihre Forderungen zu unterstreichen, dann nur deshalb, weil sie sich deinen besten Freund, deine beste Freundin, deine(n) Lebenspartner(in) oder deine Mutter gegriffen haben.

Wenn du bei dieser Aufgabe wirklich ehrlich deine Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeiten deines Handelns einschätzt, wirst du am Ende deutlicher als je zuvor wissen, was eine Romanfigur zu einer guten, zu einem Helden macht.

Und wenn du die Nase von dir als Protagonisten noch nicht gestrichen voll hast, kannst du dich ja gern noch in die eine oder andere deiner Lieblingsszenen schreiben. Vielleicht stehst du plötzlich einer Horde Orks gegenüber, musst vor einem Militärgericht einem eitlen Colonel den Code Red aus der Nase ziehen oder „einfach“ deinem Traummann/deiner Traumfrau deine Liebe gestehen.

Weitere Schreibübungen

Hilfen für Autoren: Figurenblatt

Es kann nicht oft genug betont werden, dass Autoren die Figuren ihres (zu schreibenden) Romans bestens kennen sollten.
Sie müssen viel mehr über sie wissen, als sie jemals im Roman über sie sagen können.
Warum das?
Weil sie ihre Figuren glaubhaft handeln lassen wollen. Dazu sollten sie ihre Stärken kennen, ebenso ihre Schwächen. Sie müssen zumindest die wichtigsten Ereignisse ihrer Biographien kennen, wissen, welche Dinge die Figuren ängstigen, welche Wünsche sie haben und welchen Zielen sie nachjagen.

Wie man sich den Figuren nähert, bleibt dem Autor letztlich selbst überlassen, ebenso ob und wieviele Notizen man sich dazu macht.
Dem Romaneinsteiger mit noch wenig Erfahrung sei hier ein Figurenblatt empfohlen, das ich entwickelt habe und das dazu zwingen soll, sich wirklich umfänglich mit den Figuren zu beschäftigen.

Ihr könnt es euch hier herunterladen.

Viel Spaß damit und mit euren Figuren.