Rollenverteilung

Premierenlesung "Naschmarkt"

Premierenlesung "Naschmarkt"Mal wieder Lust auf eine Übung? Nein, dieses mal ausnahmsweise keine Schreibübung, denn zum Autorendasein gehört ja mehr als schreiben. Lesen zum Beispiel. Vorlesen, um genau zu sein. Wie wäre es also mal mit einer Leseübung?

Gerade erst habe ich mich mit Claudia wieder über die Auswahl der richtigen Textstellen für eine Lesung unterhalten, und wir sind uns einig, dass es richtige und falsche gibt. Denn für die meisten Menschen ist die Aufnahmefähigkeit beim Zuhören geringer als beim Lesen. Daher sind vor allem solche Stellen empfehlenswert, die auf irgendeine Art besonders pointiert sind (und zwar in sich, nicht nur im Gesamtzusammenhang). Ja, du denkst jetzt ganz zu recht an Humor. Das ist mit Sicherheit die Nummer 1 unter den Lesungsgewinnern. Pointiert kann sich aber auch auf Spannungsmomente beziehen, oder solche, die in ihrer Tragik ganz besonders ans Herz gehen.

Klar, wenn wir solche pointierten Stellen aus unseren Geschichten vorlesen wollen, sollten wir sie vorher entsprechend geschrieben haben. Und das gilt auch für die, um die es jetzt gehen sollen: Dialoge! Es gibt wahrscheinlich kaum dankbarere Vortragstexte als pointierte und damit knackige Dialoge – wenn man es schafft, sie auch so vorzutragen.

Also, versuch es doch einmal! Such dir aus einer deiner Geschichten oder auch einem deiner Lieblingsbücher eine längere Dialogpassage und lies sie laut (nicht nur einmal, es ist ja eine Übung). In dieser Übung geht es vor allem darum, den Figuren unterschiedliche Stimmen zu geben. Am besten natürlich solche, die in deiner Vorstellung zu ihnen passen. Achte dabei auf Folgendes:

  • Optimal für diese Übung sind drei Gesprächspartner. Du kannst ja nach einer Weile aufstocken, indem du dir eine weitere Textpassage mit mehr Dialogteilnehmern suchst.
  • Die Stimmen, die du den Figuren gibst, sollten für einen Zuhörer klar unterscheidbar sein. Übertreib es ruhig und verteile ungewöhnliche, vielleicht sogar extreme Stimmen.
  • Beim Lautlesen liegt die Betonung auf laut, also lies auch laut! Selbst eine Figur, die flüstert, muss noch gut zu verstehen sein.
  • Weil du es ja laut und mir verschiedenen Stimmen vorliest, kannst du Dialogkommentare (Inquits) wie „sagte Linda“ weglassen. Auch „schrie Linda“ brauchst du nicht, wenn du die entsprechende Aussage schreist.
  • Beachte also auch die „Regieanweisungen“ im Text, die du in deinen Vortrag einbauen kannst (lachen, räuspern usw.). Aber halt! Bleib sitzen! Es sei denn, du willst gleich noch für deine Schauspielkarriere üben.

Ein bisschen Inspiration gefällig?

Weitere Schreibübungen

Sechser im Motto: Eine Rolle für den Autor

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Frage:
Wenn du zwei deiner Eigenschaften nennen solltest, eine, mit der du ein guter Anwärter für eine Rolle in einer deiner eigenen Geschichten wärest, und eine, die dir den Weg dorthin höchstwahrscheinlich verbauen würde, welche wären das und warum?

Christa S. Lotz

Einmal traf ich persönlich mit einem Lektor zusammen, der meinen Roman gelesen hatte. Irgendwie schaute er mich in einer Weise an, als würde er mich kennen. Seitdem habe ich den Verdacht, als würden Aspekte meiner Persönlichkeit durchaus in meine Figuren einfließen. Dabei finden die dann andere, ganz neue Lösungen ihrer Konflikte. Einer meiner letzten Romane (Die Hure und der Mönch) spielt im Florenz des Jahres 1497. Die weibliche Hauptfigur Angelina geht sehr neugierig und ausdauernd der Frage nach, wer ihren ungeliebten Verlobten Fredi erdolcht und die weiteren Morde in der Geschichte begangen hat. In dieser Ausdauer und Neugier würde ich ihr in nichts nachstehen. Meiner Hauptfigur bleibt nichts erspart. Sie erlebt Intrigen, Verrat, Gewalt, die Pest, Hinrichtungen und Morde, aber auch Liebe und Freundschaft. Was ich nicht hätte, ist der Mut, schließlich in die Höhle des Löwen zu gehen. Nach einer solchen Odyssee hätte ich die „Heldenreise“ wahrscheinlich abgebrochen und wäre in dem Kloster geblieben, in das sich Angelina für eine Zeit verkrochen hatte. Ich wäre also ausdauernd und neugierig, jedoch nicht mutig genug, mich der ganzen Wahrheit zu stellen. Das hat meine Hauptfigur im Endeffekt sehr gut für mich erledigt.

Siegfried Langer

Interessante Frage.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei mir seltsame Charaktereigenschaften zusammenfallen. Zum Beispiel halte ich mich selbst für intelligent (ja, ich glaube, man darf sich selbst so einschätzen), andererseits bin ich aber auch naiv; ich glaube an das Gute im Menschen und daran, dass mir niemand etwas Böses will. Natürlich lernt man im Laufe des Lebens dazu, dennoch habe ich mir eine gewisse Naivität und Gutgläubigkeit bewahrt und glaube, dass ein gesundes Quantum auch gut ist.

Doch zurück zur eigentlichen Frage.
Ich bin ein Stratege. Ich arbeite sehr zielorientiert und versuche herauszufinden, auf welchem Wege ich am effektivsten meine gewünschten Ergebnisse erreiche.
Diese Eigenschaft ist sowohl für meine Täter als auch für meine Ermittler sinnvoll. Ich kann mich gut in beide hineinversetzen und dann analysieren, wie z. B. mein Antagonist den Mord möglichst perfekt begeht und wie mein Protagonist ihn anschließend aufklärt.
Dagegen spielt meine absolute Harmoniesucht. Ich habe immer das Bedürfnis, es allen Recht machen zu wollen, niemandem auf den Schlips zu treten. Alle sollen zufrieden und glücklich sein.
Eine Charaktereigenschaft, die zumindest für meine Täter alles andere als sinnvoll erscheint.

Lea Korte

Eine meiner dominierendsten Eigenschaften ist sicher die Leidenschaft, mit der ich alles betreibe, was mir wichtig ist, und dass ich mich mit all meiner Kraft dahinterklemme, mein Ziel auch zu erreichen – was ja auch für einen Romanhelden eine unabdingbare Eigenschaft ist. Eine andere ist „Erfindungsgabe“ – denn ohne gute Ideen kommt man auch nicht weit. 😉

Den Weg dorthin erschweren könnte mir, dass ich mich für viele Dinge begeistern kann und aufpassen muss, dass ich mich nicht „verzettele“ – was für einen Romanhelden eine katastrophale Kombination wäre. Denn der muss gerade auf sein großes Ziel zusteuern.

Martin Krist

Zielstrebig wie ich bin, würde ich als Held meiner eigenen Geschichte den bösen Burschen garantiert auf die Schliche kommen. Dummerweise bin ich manchmal auch etwas ungeduldig, so dass ich mir den einen oder anderen Weg verbauen würde.

Mara Lang

Ich bin eine recht gute Köchin. Jedenfalls hat noch nie jemand etwas Gegenteiliges behauptet und meines Wissens ist auch noch keiner an meinem Essen gestorben. Ich könnte mir also gut vorstellen, in einer meiner Geschichten eine Taverne zu führen. Da gäbe es dann Brathuhn mit Kürbis, Pflaumen und Maroni oder Lammragout mit getrockneten Tomaten, Knoblauch und Rosmarin. Und zum Nachtisch flüssigen Schokokuchen, Erdbeeren mit Schokosauce, Schokoladenfondue mit Früchten, Schokoladensoufflé, Mousse au Chocolat, Schoko-Birnen-Tarte … *duck* Wer hat hier mit der Sachertorte geworfen?

Vermutlich wäre ich eine lausige Kämpferin.
Das beginnt schon mal damit, dass ich keiner Fliege was zuleide tun kann. Ich fange sogar die Spinnen, die sich im Winter regelmäßig in mein Haus verirren, mit Hilfe von Glas und Zeitung ein, setze sie ins Freie und hoffe, dass sie nicht erfrieren.
Obendrein könnte ich niemals jemanden im Kampf schlagen. Als Kind hatte ich so meine Probleme beim Tennisspielen. Da flog nicht der Ball in hohem Bogen davon, sondern der Schläger. Somit fällt das Schwert schon mal weg. Zielen ist auch nicht so mein Ding, ich bin kurzsichtig und würde andauernd daneben schießen – Ausschlussgrund für Armbrust, Pfeil und Bogen und sonstige Schusswaffen.
Und überhaupt ist das Kämpfen doch viel zu mühsam! Wozu der Aufwand, wenn man die Sache auch bei einem gemütlichen Essen und einem Glas Wein bereden kann? Womit wir wieder bei der Taverne wären … 😉

Michael Bresser

2 Eigenschaften, die mich als Protagonist meiner Geschichte qualifizieren würden:

Meine Figuren sind oft Lebenskünstler, die kreativ den Herausforderungen des Lebens begegnen.

Ich selber habe auch schon alles Mögliche gemacht: war Osterhase bei Karstadt, habe Schamanismus in der Sahara studiert und im Callcenter ziemlich erfolglos Produkte verscherbelt, die die Welt nicht braucht.

Die meisten meiner Figuren glauben an sich, auch wenn sie anecken. Diese Eigenart teile ich auch. Ein – wie ich fand – sehr skurriler Vorgesetzter meinte mal: „Sie sind eckig, nicht rund.“ Aha.

Was mich als Figur meiner Bücher disqualifiziert:

Meine Figuren genießen das Leben meistens aus vollen Zügen: Sex, Drugs, Rock ’n‘ Roll. Ich selbst bin mit Anfang 40 ruhiger geworden und würde ihr Tempo nicht mehr mithalten können. Schade auch.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Lenny Kravitz reist nach Panem

Wie unter anderem die TV Spielfilm berichtet, wird Lenny Kravitz die Rolle des Stylisten Cinna in der Science-Fiction-Verfilmung von Suzanne Collins‘ Romantrilogie „The Hunger Games“ („Die Tribute von Panem“) übernehmen. Der Film soll unter der Regie von Gary Ross im März 2012 in die Kinos kommen (deutscher Kinostart ist voraussichtlich der 5. April).

PB-Plotten: 14 – Nebenfiguren

Die Nebenfiguren sind ein weites Feld. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn je nach Roman können wirklich etliche davon vorkommen.

Allerdings unterteilt man Nebenfiguren noch einmal in die eigentlichen Nebenfiguren und in Randfiguren. Eine solche Unterteilung bleibt letztlich relativ willkürlich, zumindest gibt es keine scharfen Grenzen. Und wer will dem Autor vorschreiben, ob er diese oder jene Figur als Neben- oder Randfigur betrachtet, eine andere dafür noch zu den Hauptfiguren rechnet?

Die folgende Einteilung kann daher nur als Orientierung dienen:

  1. Protagonist(en): die zentrale Figur, selten mehr als einer, Handlungsträger der Haupthandlung, trägt den zentralen Konflikt aus, ist in der Regel auch Perspektivträger,
  2. Hauptfiguren: sind in der Regel am zentralen Konflikt beteiligt, können Handlungsträger (also auch Perspektivträger) eines eigenen Handlungsstrangs sein und/oder den Protagonisten über weite Strecken des Plots begleiten, möglich sind auch solche Figuren, die zwar nicht dauerhaft physisch anwesend sind, aber für den Protagonisten und/oder den zentralen Konflikt eine tragende Rolle spielen, verfolgen oft für den Plot wichtige Ziele und tragen entsprechende Konflikte aus,
  3. Nebenfiguren: fasst ein Spektrum an Figuren zusammen, unter denen einige noch so wichtig für die Handlung sind, dass sie in ihrer Bedeutung den Hauptfiguren nahekommen, bis zu solchen, die beinahe schon Randfiguren sind, oft sind sie nur für einen gewissen Zeitraum am zentralen oder einem Nebenkonflikt beteiligt, sie können allerdings auch Handlungsträger (Perspektivträger) in einem Nebenstrang sein,
  4. Randfiguren: in der Regel haben Randfiguren einen oder einige wenige Auftritte im Roman, sie erfüllen ihre Funktion und treten wieder ab, als Charaktere sind sie daher meist austauschbar, können aber zum Flair der Szene beitragen.

Gerade die Anzahl der notwendigen Randfiguren wird man zu diesem Zeitpunkt  nicht immer schon vollständig übersehen können, aber wer jede Szene geplottet hat, sollte schon einen ordentlichen Haufen beisammen haben.

Falls noch nicht geschehen, ist es sicher ratsam, eine Datei, einen Notizblock oder ähnliches anzulegen, in der/dem alle Figurennamen aufgelistet sind. Dabei sollte man auch diejenigen Figuren nicht vergessen, die nur benannt werden, etwa Verwandte, von denen eine Figur gerne spricht.

Um sie zuordnen zu können, wird für jede mindestens eine kleine Notiz notwendig sein, um wen es sich dabei handelt.

Mit zunehmender Wichtigkeit der Figuren werden weitere Maßnahmen nötig, die letztlich in mehr oder weniger abgeschwächtem Umfang denen bei den Hauptfiguren entsprechen.

Letztlich gilt auch hier: Je mehr man über eine Figur weiß, desto glaubhafter wird man sie handeln lassen können. Wer allerdings auch dem Postboten, der nur mal eben einen Brief vorbeibringt, eine seitenlange Biographie spendiert, wird sich noch lange gedulden müssen, bis das erste Wort des Manuskripts geschrieben ist.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 3: Hauptkonflikt

Möglicherweise habt ihr bei der Entwicklung des Arbeitspitches auch den Hauptkonflikt bereits erarbeitet. Andernfalls sollte das jetzt geschehen.

Auch der Hauptkonflikt ist ein wichtiges Hilfsmittel, um die Strukturen des eigenen Werks zu erkennen und im Auge zu behalten.

Der Hauptkonflikt ist immer der Konflikt des Protagonisten, also der Figur, die absolut im Mittelpunkt des Romans steht. In Ausnahmefällen können das auch zwei oder mehr Figuren sein, die als Gruppe agieren, in der Regel sollte man aber auch dort einen Top-Protagonisten herausfiltern können.

Bei mehreren gleichwertigen Erzählsträngen mit entsprechend vielen Handlungsträgern ist es natürlich möglich, zu jedem einen Konflikt zu notieren. Hier solltet ihr euch aber fragen, ob diese Konflikte tatsächlich für den gesamten Roman gleichwertig bestimmend sind oder ob nicht doch ein Hauptkonflikt letztlich alle Stränge zusammenführt.

Wie schon beim Arbeitspitch angedeutet, setzt sich ein Konflikt folgendermaßen zusammen:

Ein Handlungsträger verfolgt ein Ziel, dem etwas oder jemand im Wege steht.

Letzteres kann ein klassischer Antagonist sein, eine Naturgewalt, die Umstände oder auch bestimmte Eigenschaften des Protagonisten selbst (innerer Konflikt). Ein paar einfache Beispiele:

(1) Peter will den Mount Everest besteigen, aber Thomas will das verhindern.

(2) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er gerät in einen Sturm.

(3) Peter will den Mount Everest besteigen, aber ihm fehlt das Geld, sich die Ausrüstung zu kaufen.

(4) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er hat von Kindesbeinen an Höhenangst.

Wer sich diese vier einfachen Konflikte ansieht, die sich doch alle im Ziel des Protagonisten gleichen, wird feststellen, dass sie zu vier ganz unterschiedlichen Geschichten führen würden. So bietet sich beispielsweise der Sturm-Konflikt für eine Abenteuergeschichte an, die fast ausschließlich auf den Hängen des Mount Everest spielt. Der Kampf gegen die eigene Höhenangst könnte sich dagegen praktisch ausschließlich weit entfernt des Berges zutragen, wenn Peter Schritt für Schritt seine Angst besiegen will, um schließlich doch noch den Berg zu besteigen (was dann bereits das Ende der Geschichte wäre).

Damit will ich deutlich machen, wie wichtig es ist, sich sehr eindringlich Gedanken über den Konflikt zu machen und ihn ganz exakt zu formulieren. Hier ist sozusagen Schluss mit rumeiern. Spätestens hier wird der Kurs festgelegt.

Was ist also wirklich das Ziel des Protagonisten, das, was er letztlich erreichen will? In unserem Beispiel ist es der Berg. Es mag nicht für jeden nachvollziehbar sein, aber es gibt Menschen, die sich derartige Ziele setzen und denen das so wichtig ist, dass sie alles tun, um sie zu erreichen. Den Mount Everest zu besteigen, die Welt zu umsegeln, die Arktis zu Fuß zu durchwandern (was, wie ich mir habe sagen lassen, mit jedem Jahr leichter wird).

Aber seien wir ehrlich, dieses Ziel eignet sich fast ausschließlich für die Konflikte in den Beispielen 2 – 4. Zwar ist es denkbar, dass Thomas aus Beispiel 1 ein Konkurrent von Peter ist, der ihm den Erfolg nicht gönnt, aber diese Motivation für einen leibhaftigen Antagonisten, Peters Erfolg zu verhindern, muss man schon gut erklären, um sie glaubhaft wirken zu lassen.

Auch ginge es dann schon nicht mehr in erster Linie um die Besteigung des Berges, sondern wir hätten eine etwas andere Sichtweise, nämlich die auf den Erfolg, auf Ruhm und Ehre. Den Berg zu besteigen wäre dann schon eher Mittel zum Zweck. Und darauf will ich hinaus.

Welches Ziel Peter tatsächlich erreichen will, gilt es gründlich zu prüfen. Will er Ruhm und Ehre erlangen, einen Rekord brechen, jemanden (vielleicht die große Liebe) beeindrucken (und die große Liebe für sich gewinnen), eine Wette gewinnen, es allen beweisen oder gar einen auf dem Berg vermuteten Schatz finden?

All diese Ziele bieten deutlich mehr Ansatzpunkte für einen Antagonisten als der einfache Wunsch eines Träumers, einmal vom Mount Everest herunterzuschauen.

So könnte dann also ein solcher Konflikt lauten:

(5) Peter will Lisa für sich gewinnen, aber Thomas will sie auch.

Ein sehr klassischer Konflikt, aber übrigens auch ein sehr schöner, weil er zeigt, dass Protagonist und Antagonist oft (natürlich nicht immer) ein ganz ähnliches oder sogar dasselbe Ziel haben, womit sich sich dann gegenseitig im Wege stehen. Und er zeigt damit auch, dass die Ziele des Antagonisten durchaus nachvollziehbar und sogar berechtigt sein können. Aber ich schweife ab.

Zurück zu unserem Berg. Wo ist der nun geblieben? Der hat in unserem Hauptkonflikt streng genommen nichts mehr zu suchen. Vermutlich haben wir ihn im Pitch erwähnt, womit wir ihn nicht vergessen können („Mount Everest“ erzählt von dem Studenten Peter, der, um seine große Liebe Lisa zu gewinnen, einen Gipfel erklimmen und sich  gegen Thomas behaupten muss).

Der Berg wird damit nicht nur zum Mittel zum Zweck, sondern auch zum Nebenkonflikt, schließlich wird er ja nicht plötzlich zum einfachen Nachmittagsspaziergang. Wir können ihn uns also für Listenpunkt 10 aufheben.

Da wir uns ja aber um Hilfsmittel für die Schreibarbeit bemühen, gibt es natürlich keine Regel, die besagt, dass wir unseren Konflikt literaturwissenschaftlich exakt formulieren müssen. Wenn also der Berg die zentrale Rolle im Konfliktkampf zwischen Peter und Thomas spielt und nicht nur eine kleine von vielen, und wenn uns bewusst bleibt, worum es eigentlich geht, können wir den Berg natürlich wieder in unsere Formulierung aufnehmen:

(6) Peter will Lisa für sich gewinnen, indem er den Mount Everest besteigt, aber Thomas, der Lisa ebenfalls begehrt, will das verhindern.

Es ist sicher Geschmackssache, aber je mehr wir in die Formulierung des Hauptkonflikts übernehmen, desto schwieriger lässt er sich mit einem Blick erfassen. Im Prinzip haben wir stattdessen mit Beispiel 6 wieder einen schönen Pitch.

Zum Abschluss will ich an Beispiel 4 ein weiteres Mal verdeutlichen, wie wichtig ein sauber herausgearbeiteter Konflikt ist. Damit ihr nicht ständig scrollen müsst, hole ich das Beispiel mal nach unten:

(4) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er hat von Kindesbeinen an Höhenangst.

Wir haben es hier mit einem inneren Konflikt als Hauptkonflikt zu tun. Die Geschichte ist schnell umrissen: Peter liebt das Abenteuer und die Herausforderung. Er hat schon einiges erlebt, die Arktis zu Fuß durchquert, allein durch die Wildnis der Masuren gepaddelt, Sibirien mit dem Fahrrad erobert, … Sein größter Traum ist es aber, den Mount Everest zu besteigen. Und er geht es an, obwohl ihm dabei ein Gegner im Weg steht, den er mehr fürchtet als alles andere: seine Höhenangst!

Alles klar, schöne Geschichte. Kommen wir aber jetzt zu einem anderen Peter:

(4a) Peter will seine Höhenangst besiegen, darum beschließt er, den Mount Everest zu besteigen.

In Beispiel 4 war den Berg zu überwinden das Ziel, die Höhenangst der Gegner. Jetzt ist es umgekehrt, die Höhenangst zu überwinden ist das Ziel, der Berg steht im Weg.

Es ist nicht so ganz leicht, sich das klar zu machen, weil uns der Berg weniger als Gegner erscheinen mag als als Mittel zum Zweck, was er ja ebenfalls ist. Aber Peter nimmt, um sein Ziel zu erreichen, den Kampf mit dem Berg auf sich. Verliert er diesen, scheitert er auch an seinem Ziel.

Peter 2 ist also jemand, dem seine Höhenangst schon sein Leben lang zu schaffen macht (während Peter 1 möglicherweise bis zum Beginn der Geschichte gar keine Probleme damit hatte). Er hat es mit diversen Therapien versucht, hat sich die unterschiedlichsten Belohnungen erdacht, um sich zu motivieren, aber nichts hat geholfen. Nun denkt er sich: Ganz oder gar nicht. Und er hofft, dass der Aufstieg am Berg zu einem solch reizvollen Erlebnis wird, dass er darüber die Höhenangst überwinden kann.

Weil wir es hier mit einem inneren Konflikt zu tun haben, auch noch ein paar Worte dazu. Mindestens einen inneren Konflikt gibt es praktisch in jeder besseren Geschichte. Oft als Nebenkonflikt, manchmal direkt mit dem Hauptkonflikt verbunden oder eben direkt als Hauptkonflikt.

Wenn also ein innerer und ein äußerer Konflikt Hand in Hand gehen, ist es für den Autor sehr nützlich, sich klar zu machen, auf welchen der beiden er sich fokussiert, welches also der Haupt- und welches der Nebenkonflikt ist. Häufig macht das in der Praxis nur Nuancen im fertigen Text aus, es ist eher eine Frage der Gewichtung innerhalb einer Geschichte, nicht so sehr die Unterscheidung in zwei sehr unterschiedliche Geschichten (was aber möglich ist).

So oder so, trifft man die Entscheidung nicht, wirkt ein Text schnell unentschlossen, weil mal eine Weile auf dem inneren Konflikt herumgeritten wird, er dann aber wieder dem äußeren weichen muss usw.

In unseren Beispielen haben wir die Überwindung der Höhenangst jeweils als inneren Konflikt, in Beispiel 4 als Hauptkonflikt, in Beispiel 4a als Nebenkonflikt. Aber Moment mal, ist es nicht umgekehrt?

Nein! Die Unterscheidung zwischen innerem und äußeren Konflikt ist vom Antagonisten abhängig. Wenn ich einen Konflikt mit mir selbst (bzw. einer bestimmten Eigenschaft/Schwäche von mir) austrage ist es ein innerer Konflikt, wenn mein Gegner jemand oder etwas anderes ist, ist es ein äußerer Konflikt.

In Beispiel 4 ist der Gegner die eigene Höhenangst, daher haben  wir einen inneren Konflikt als Hauptkonflikt. In Beispiel 4a kämpft Peter im Hauptkonflikt aber gegen den Berg, was einen äußeren Konflikt darstellt, während der innere Konflikt, der ja nicht verschwindet, zum Nebenkonflikt wird.

Dass uns der innere Konflikt auch in Beispiel 4a so präsent erscheint, liegt daran, dass seine Überwindung in diesem Fall gleichzeitig Ziel des Hauptkonflikts ist.

Verlassen wir an dieser Stelle mal die Peter-Beispiele und wenden uns einem zu, bei dem wir diese Verschmelzung nicht haben.

(7) Klaus will Marianne erobern, aber sie interessiert sich nicht für ihn.

(8) Klaus will Marianne erobern, aber er ist sehr schüchtern.

In Beispiel 7 haben wir einen klassischen äußeren Konflikt als Hauptkonflikt, in dem Mariannes Desinteresse als Antagonist wirkt, den es zu überwinden gilt.

In Beispiel 8 haben wir einen klassischen inneren Konflikt als Hauptkonflikt, in dem Klaus‘ Schüchternheit als Antagonist wirkt.

Es braucht in beiden Fällen keinen weiteren Konflikt. Der Klaus aus Beispiel 7 kann ein Draufgänger sein, der Hauptkonflikt bleibt bestehen. Die Marianne aus Beispiel 8 könnte durchaus Gefallen an Klaus finden, aber ob seiner Schüchternheit wird sie gar nicht auf ihn aufmerksam. Der Hauptkonflikt bleibt bestehen.

Es ist aber eben auch möglich, dass beide Konflikte gleichzeitig wirken. Klaus ist schüchtern und Marianne desinteressiert. Wenn das der Fall ist, können sich die Geschichten 7 und 8 sehr ähneln. Allerdings sind eben Fokus und Gewichtung jeweils verschoben.

In Beispiel 7 kämpft Klaus gegen Mariannes Desinteresse, was durch seine Schüchternheit erschwert wird. In Beispiel 8 kämpft Klaus gegen seine Schüchternheit, und Mariannes Desinteresse ist dabei alles andere als hilfreich.

Noch wichtiger ist aber jeweils das Ende der Geschichte. In beiden Fällen hat Klaus sein Ziel erreicht, wenn er Marianne erobert hat.

Wenn er dabei seine Schüchternheit nicht überwunden hat, ist er in Beispiel 7 nur in einem Nebenkonflikt gescheitert. Der Hauptkonflikt ist zufriedenstellend gelöst. Happy End! Mehr noch: Im ungelösten Nebenkonflikt schwingt die Botschaft mit, dass es auch der Schüchterne schaffen kann, dass Schüchternheit nicht unbedingt etwas Schlechtes ist.

In Beispiel 8 wäre allerdings der Hauptkonflikt trotz Erreichen des Ziels nicht zufriedenstellend gelöst, wenn Klaus noch weiterhin schüchtern ist. Ganz im Gegenteil könnte man dem Autor vorwerfen eine deus ex machina angewendet zu haben, denn die Lösung des Konflikts wurde nicht herbeigeführt, indem der Prota in seinem Kampf gegen seine Schüchternheit erfolgreich war, sondern weil Marianne auf wundersame Weise einfach ihr Desinteresse verloren hat. Das Happy End wäre also entstanden, weil der Autor den Hauptkonflikt nicht im Griff hatte.

Gleiches gilt natürlich umgekehrt. Wenn Klaus am Ende seine Schüchternheit überwunden hat und Marianne sich mit ihm auf eine Beziehung einlässt, ist nicht unbedingt alles gut. Denn falls Marianne das nicht aus Liebe getan hat, sondern zum Beispiel, weil es ihr sonst irgendwie nützlich ist, sie also an Klaus ansonsten immer noch desinteressiert ist, hat nur der Klaus aus Beispiel 8 seinen Kampf gewonnen, während der aus Beispiel 7 nur scheinbar besser dasteht als zu Beginn. Proklamiert der Autor dies als Happy End, schreit der Kritiker: „Thema verfehlt!“

Um nicht in eine dieser Fallen zu laufen, sollte man sich also klar machen, wo man die Akzente setzt.

Zwischenstopp

Nun haben wir also Ideen und Material gesammelt, unseren Roman gepitcht und den Hauptkonflikt herausgearbeitet. Diese Schritte zumindest würde ich auch ausgesprochenen Bauchschreibern empfehlen. Diese können an dieser Stelle aussteigen, sich den Pitch und den Konflikt über den Bildschirm pappen und losschreiben.

Die anderen lassen den Konflikt, wo er ist, also am besten in der Nähe, denn er ist der Ausgangspunkt für unsere Prämisse.

(PB-Plotten: Die Liste)

Heute neu im Kino

Filmplakat "Sherlock Holmes"
© Warner Bros. Pictures

Die Filmstarts: „Sherlock Holmes“ erwacht zu neuem Leben, Liebeserklärungen in „New York, I Love You“, Kristin Scott Thomas hat „Die Affäre“, Krieg und Frieden herrscht in „Ein russischer Sommer“ und „Die Frau mit den 5 Elefanten“ kommt ganz ohne Dickhäuter aus.

„Sherlock Holmes“ ist zurück und hat sich neu erfunden. Besser gesagt, Regisseur Guy Ritchie (ja, der Ex von Madonna) hat ihn neu erfunden. Wer den alten Sherlock kannte, wird ihn in diesem Actionkrimi, bei dem die Betonung eben auf Action liegt, nicht wiedererkennen.

Aus dem traditionellen Holmes ist ein Verschnitt aus James Bond und Indiana Jones geworden. Was den Puristen abschrecken mag, wird dem Freund actionreichen, schnellen und ironischen Abenteuerkinos durchaus entgegenkommen.

Holmes zeigt Muskeln

Im London von 1890 scheint ein Killer aus dem Jenseits sein mörderisches Unwesen zu treiben. Der hingerichtete Lord Blackwood (Mark Strong) ist von den Toten auferstanden. Einzig Holmes (Robert Downey Jr.) glaubt nicht an Übernatürliches. Klar, dass ihn auf der Suche nach des Rätsels Lösung sein Freund Watson (Jude Law) unterstützt. Dabei müssen beide, anders als im Original, des Öfteren auch die Muskeln spielen lassen, was gerade dem weiblichen Kinopublikum gefallen dürfte.

„Mag die Story manchmal so holprig sein wie das Londoner Straßenpflaster, der flotte Actionkrimi macht Spaß …“ (TV Spielfilm). Und oppulent ausgestattet ist er obendrein.

Überraschend, skurril und anrührend

„Paris, je t‘ aime“ wird fortgesetzt, origineller und charmanter, wie Kritiker behaupten, und diesmal in New York. Im Episodenfilm „New York, I Love You“ erklären elf Regisseure aus aller Welt, darunter Brett Ratner („Rush Hour“), Allen Hughes („From Hell“) und der Deutsche Fatih Akin („Gegen die Wand“), New York die Liebe.

Im zweiten Teil der Reihe „Cities of Love“ buhlen unter anderem zwei Taschendiebe (Hayden Christensen, Andy Garcia) um die Hand einer schönen Frau (Rachel Bilson), ein Inder (Irrfan Khan) und eine Jüdin (Natalie Portman) tragen einen religiösen Streit aus und zwei Raucher (Chris Cooper, Robin Wright Penn) treffen sich zu einem erotischen Smalltalk vor einem Restaurant.

„Wenn der Film nach 100 Minuten endet, haben die beteiligten Filmemacher etwas geschafft, was im Kino selten gelingt: Diesem Liebesreigen hätte man noch stundenlang zuschauen können.“ (TV Spielfilm)

Verhängnisvolle Affäre ohne Kompromisse

Im Drama „Die Affäre“ verliebt sich Suzanne (Kristin Scott Thomas) in einen Arbeiter, der bereits vorbestraft ist. Obwohl sie mit einem Arzt verheiratet ist, will sie die Affäre mit allen Mitteln durchziehen – koste es, was es wolle. Für die Liason mit dem mittellosen Spanier ist sie sogar bereit, ihr komfortables Leben aufzugeben.

Das scheint nicht sehr lebensnah, doch Kristin Scott Thomas spielt ihre Rolle mit einer Verletzlichkeit, die ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlt. „Intensiv gelpielt, aber nicht besonders glaubwürdig“, urteilt TV Spielfilm.

Kampf um Tolstois Erbe

Die großartige Helen Mirren spielt Sofia, die Ehefrau des gefeierten Autors Leo Tolstoi („Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“). Sie streitet nach dem Tod ihres Mannes mit dem intriganten Tschertkow (Paul Giamatti) um die Rechte am Werk ihres Gatten. Beide Widersacher versuchen dabei Tolstois jungen Sekretär (James Mc Avoy) für ihre Zwecke einzuspannen.

„Michael Hoffman („Tage wie dieser …“) ist es glungen, sein relativ biederes Drehbuch in ein bewegendes Drama über die komplexen und bittersüßen Eigenheiten der Liebe zu verwandeln. Was er vor allem seinen großartigen Schauspielern zu verdanken hat.“ (TV Spielfilm)

Noch mehr Literatur in Form von Elefanten

In „Die Frau mit den 5 Elefanten“ geht es nicht wirklich um Dickhäuter, wohl aber um leicht angegraute Riesen. Die großen Romane des russischen Literaten Dostojewski („Der Idiot“, „Schuld und Sühne“) nämlich. Ins Deutsche übertragen wurden diese von Swetlana Geier. Der Dokumentarfilm von Vadim Jendreyko begleitet die Übersetzerin, die heute 86 Jahre alt ist, auf einer Reise in ihre ukrainische Heimat.

Während Geiers Vater den Säuberungen Stalins zum Opfer fiel, wurde ihre beste Freundin von der SS ermordet.

Ungewohnter Beginn

Normalerweise beginne ich anders. Klar, zuerst ist da eine Idee. Meist ist die bei mir direkt mit einer Intention verbunden, mit einer Vorstellung, was ich mit dem Leser anstellen will. Das Ganze bildet schnell einen Rahmen, der zumindest aus Anfang und Ende der Geschichte besteht. Dann plotte ich dementsprechend (oft zuerst oder auch ausschließlich im Kopf). Figuren und Lokalitäten werden dem Plot entsprechend entwickelt. Ebenso ergibt sich die Notwendigkeit zur Recherche aus dem Plot.

Diesmal ist es fast anders herum. Natürlich steht auch zum Beginn meines Regionalkrimis die Idee. Auch eine Vorstellung darüber, was ich mit dem Leser anstellen will, habe ich schon. Aber ich habe noch keinen Rahmen und erst recht keinen Plot.
Klar, bei einem Regionalkrimi weiß ich schon, wo er spielt, in und um Rostock natürlich. Mehr noch: Zu meiner Idee gehört, dass ich weiß, in welchen Berufskreisen sich die Protagonisten bewegen sollen.
Aber um wirklich einen Plot erarbeiten zu können, muss ich erst in eben diesen Kreisen recherchieren. Und mein erster Recherchetermin liegt erst auf dem kommenden Samstag.
Was mache ich also? Ich beschäftige mich zum ersten Mal schon plotunabhängig mit den Figuren. Auch mal sehr interessant, wenn man noch nicht einmal weiß, höchstens ahnt, welche Rolle die später spielen könnten.
Aufregend, aufregend!