So weit die Falkenaugen reichen …

Petra Hartmann: Die letzte FalkinBei Arcanum Fantasy ist der dritte Teil von „Aegirs Flotte“ erschienen. Geschrieben hat ihn Geschichtenweberin Petra Hartmann. Der Reihe entsprechend führt der Heftroman mit dem Titel „Die letzte Falkin“ zurück in die Zeit germanischer Legenden.

Im Verlagstext heißt es:

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen.
Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus …

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Der Feuerstern

Eine Leseprobe aus meiner Gerschichte „Der Feuerstern“, die in der Geschichtenweber-Anthologie „Wildes Land“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Thoron möchte gern ein Held werden, um seine Doriel zu beeindrucken, ein Held wie Eodor, der Sohn des Fürsten. Und schneller, als er denkt, bekommt er die Gelegenheit dazu. Denn auf einem gemeinsamen Ausritt wird Doriel entführt. Nun begiebt sich der Möchtegern allein auf die Suche, die durch tückische Wälder und Sümpfe führt.

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Weit war er nicht gekommen. Er quälte sich bestimmt schon seit einer halben Stunde durch diesen Urwald, ohne wirklich voranzukommen. Nichts deutete auf einen Weg hin und die Füße sanken tief in den Morast. Die Gegend wirkte bedrohlich. Vielleicht entsprachen die Gerüchte über das Westufer des Rim ja doch der Wahrheit.

Er fühlte sich beobachtet. War da nicht ein Rascheln? Hörte er nicht Schritte hinter sich? Sah er dort nicht eine Gestalt hinter dem Gebüsch? Es wurde erstaunlich schnell dunkel, denn die Bäume waren hoch und das Licht der untergehenden Sonne erreichte den Waldboden kaum noch. Es war nicht mehr möglich, einen Weg zwischen Stämmen und Unterholz zu finden, geschweige denn, die Spuren weiterzuverfolgen, die nun erneut flussabwärts führten. Und wieder stand er vor einem der zahlreichen Bäche, die den Rim speisten. Hoffentlich kamen die Entführer auch nicht schneller voran.

Thoron war müde. Müde und hungrig. Und er fror. Getrockneter und nasser Schlamm verkrustete in dicken Schichten seine Stiefel und Unterschenkel. Aber nur gegen die Müdigkeit konnte er etwas unternehmen. Tastend suchte er sich eine dicke Baumwurzel, auf der er – halbwegs vor dem Morast geschützt – die Nacht verbringen wollte.

Trotzdem konnte er zunächst nicht einschlafen. Die Aufregungen des Tages hielten ihn wach. Und er hörte Geräusche: klagende Rufe und spitze Schreie, die er keinem ihm bekannten Tier oder anderen Wesen zuordnen konnte. Sicher hatte selbst Eodor bei seinen Taten nie solche Qualen durchleben müssen. Nein, der ging los und stach seinen Feinden das Schwert in die Brust. Oder er erlegte damit Drachen und befreite holde Jungfrauen. Was allerdings ihm hier zugemutet wurde …

Nun dachte er an seine Dor. Wieder sah er sie mit dem Feuerstern im Haar. Was würde er darum geben, sie schon jetzt wohlbehalten bei sich zu wissen?

Er zog die Beine an und kauerte sich dichter an den Stamm, an dem er lehnte. Dann holte er sein Schwert aus der Scheide und legte es griffbereit über seine Knie. Er versuchte sich auf die Entführer zu konzentrieren, wie immer sie auch aussahen, stellte sich vor, wie er unter ihnen wüten würde, um endlich Doriel wieder in seinen Armen zu halten, ihrer bewundernden Blicke und der Dankbarkeit ihres Vaters gewiss. Mit diesen Gedanken sank er schließlich in einen unruhigen Schlaf.

Er sah Doriel vor sich. Sie stand nicht weit von ihm entfernt. Thoron ließ den Wald hinter sich und lief auf sie zu. Der weiche Boden versuchte ihn aufzuhalten, gab mehr und mehr nach. Immer tiefer versanken die Füße, immer schwerer wurde es, sie aus dem Sumpf zu befreien. Jetzt steckte sein linkes Bein bis zur Hüfte im Morast. Thoron verlagerte sein Gewicht, stützte sich auf das andere Bein, doch auch hier gab der Boden nach. Schon spürte er die Feuchtigkeit sein Hemd aufweichen, der modrige Geruch kroch ihm in die Nase. Er rief Doriel um Hilfe an, aber er bekam nur Gelächter zur Antwort.

Denn es war nicht sein geliebtes Mädchen, das dort stand. Gelbe verfaulte Zähne steckten vereinzelt in einem breit grinsenden Mund ohne Lippen. Eine schiefe, verbeulte Nase bildete – einer knorrigen Wurzel gleich – nur annähernd die Mitte des vernarbten, ledrigen Gesichts. Zwei kleine, schmale Augen versteckten sich hinter den vollen Wangen und den buschigen Brauen, um sich dort über seine verzweifelte Lage zu belustigen. Dünne graubraune Haarsträhnen flüchteten aus dem viel zu großen Kopf, der auf einem schmächtigen, gekrümmten Körper mit kurzen Beinen saß, dessen hervorstechendstes Merkmal ein mächtiger Buckel war.

Thoron erschrak beim Anblick dieses merkwürdigen Wesens, und unter dessen höhnischem Gelächter versuchte er sich freizukämpfen. Doch da war noch etwas anderes. Er sah ein riesiges Maul auf sich zukommen und …

Er erwachte schreiend und sprang auf die Füße. Gerade rechtzeitig, bevor das Maul zuschnappen konnte. Im ersten Dämmerlicht des neuen Tages erblickte er die furchtbare Bestie, die sich in seinen Traum geschlichen hatte. Sie kroch langsam auf ihn zu und er musste rückwärts ausweichen. Der lang gestreckte Körper – Thoron schätzte ihn auf mindestens fünfzehn Fuß – war bis zur Schwanzspitze mit dicken Panzerplatten bedeckt und endete auf der ihm zugewandten Seite in diesem riesigen Maul, das mit unzähligen dolchartigen Zähnen bewaffnet war. Jetzt schob der Drache seinen mächtigen Leib über Thorons Klinge, die bei seinem Aufspringen im Schlamm gelandet war.

Wie oft hatte er davon geträumt, eines Tages einen Drachen zu töten und als Held in Doriels Arme heimzukehren oder seine Geliebte gar aus den Klauen einer solchen Bestie zu befreien. Aber die Wirklichkeit übertraf seine Vorstellungen bei weitem. Sicher, die Untiere seiner Träume waren viel größer gewesen. Schreckliche Gegner, aus deren Mäulern feuriger Atem und donnerndes Brüllen gekommen war. Doch obwohl das Tier, dem er sich jetzt gegenüber sah, keinen Ton von sich gab und keinerlei Anstalten machte, ihn mit brennendem Odem zu überziehen, war er sich sicher, seinem Ende entgegenzusehen. Die kalte Ruhe, mit der sich das Biest auf ihn zu bewegte, brachte eine tödliche Gewissheit mit sich.

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Wildes LandTimo Bader und Jürgen K. Brandner (Hrsg.)
Edition Geschichtenweber: Wildes Land

Paperback, 240 Seiten
Web-Site-Verlag, 2005

Klappentext:

Ein Krieger aus vergessenen Tagen zieht aus, um sich in den Wäldern seiner größten Herausforderung zu stellen … Auf Rügen droht ein Mädchen in einem Sumpfloch zu versinken, als ein Troll zu ihrer Rettung eilt … Eine Elfin muss in den Bergen eine schwere Prüfung bestehen und wagt sich in die Höhle des Drachen … Beim Meditieren auf einer Lichtung im Wald wird ein junger Mann von Nachtelfen in ihr dunkles Reich entführt … In einer Höhle im Sumpf lebt eine verstörte Frau, bis eines Tages ihr ein Spaziergänger begegnet …

Sümpfe, Höhlen, dunkle Wälder – an diesen drei geheimnisvollen Orten spielen die Geschichten der 14 Autorinnen und Autoren der Edition Geschichtenweber. Die Anthologie bietet eine bunte Vielfalt an verschiedenen Genres der Phantastik: von Fantasy bis Dark Fantasy, leichtem Grusel bis Horror, schillernde Geschichten der High- und Epic-Fantasy, düstere Thriller- und Mystery-Tales, romantischen Liebes-Geschichten bis hin zu knisternden Erotik-Storys – und vieles, vieles mehr!

Um die mystischen und märchenhaften Schauplätze der Geschichten auch noch für unsere Nachkommen zu erhalten, spenden die Autoren und Künstler aus dem Erlös der Anthologie 2 EURO pro verkauftem Exemplar an den World Wide Fund For Nature (WWF). Der Schutz der letzten natürlichen Wälder ist eines der Hauptanliegen des WWF.

J.R. Kron: Der Wolf und der Geist
Irmgard Fliedner-Grandke: Albenkind
Jörg Olbrich: Ein Troll auf Rügen
Maike Schneider: Eine Herzenssache
Jürgen K. Brandner: Moordämonennacht
Mandy Schmidt: Das Lied der Weberin
Christine R. Förster: Die Prüfung
Martin Skerhut: Entführt in eine fremde Welt
Timo Bader: Der Fall der Jane J.
Sabrina Eberl: Das Geheimnis der Höhle
Philipp Bobrowski: Der Feuerstern
Nina Horvath: Das Ding in der Höhle
Birgit Käker: Jäger in der Dämmerung
Marion Charlotte Mainka: Das grüne Leuchten

Weitere Informationen, Leseproben und Rezensionen bei den Geschichtenwebern.
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Ich mache alles falsch!

Seit kurzem weiß ich das wenigstens. Denn glücklicherweise gibt es im Internet Experten, die so freundlich sind, ihr Wissen weiterzuvermitteln.

Was hätte ich nicht noch alles für schlimme und weitreichende Fehler gemacht, wäre ich nicht zufällig auf eine Seite im WWW gestoßen, die angehenden Autoren nicht nur Schreibtipps gibt, sondern über das ganze Drum und Dran des Schriftstellerdaseins aufklärt. Von Nogo`s (sic!) über Mutmacher bis hin zu den goldenen Regeln, erfährt man dort alles, was man wissen muss.

Nun hatte ich ja bereits verschiedentlich gehört, dass das Schriftstellerhandwerk nur die wenigsten reich macht, inzwischen weiß ich aber, dass ich es ganz aufgeben und stattdessen lieber Lotto spielen sollte, denn:

„Einen Bestceller zu schreiben ist zichmal schwerer, als einen 6ser im Lotto zu ergattern.“

Ich war sofort versucht, dieses ebenso originelle wie gewichtige Zitat als Zitat der Woche auf mein Blog zu stellen, aber ich fand noch so vieles, was sich sicher und völlig zu recht zurückgesetzt gefühlt hätte.

Jedenfalls kann ich mir also den Bestseller abschreiben. Und ganz entgegen meiner eigenen Erfahrung weiß ich jetzt, dass ich höchstwahrscheinlich nicht einmal ein, geschweige denn mehrere Brötchen mit meinem Beruf verdienen werde:

„- 1 bis 7 Prozent können wirklich ihre Brötchen damit verdienen.
– Der gesamte Rest verdient höchstens ein kleines Taschengeld. Die meisten jedoch verdienen daran gar nichts.
– Am aller seltensten wird ein Autor sogar fest angestellt und bekommt ein Autoren-Honorar.“

Nicht nur, dass ich nichts verdienen werde, ich werde wohl auch nie fest angestellt und muss mein Leben lang freier Autor bleiben. Wenn das meine Mutter wüsste …

Aber immerhin bietet mir die besagte Seite auch dafür eine Lösung. In den zehn goldenen Schreibregeln steht es. Und zwar mit unterschiedlicher Gewichtung in Regel 1-5, 9 und 10. Hier sei repräsentativ Nummer 9 zitiert, die es am deutlichsten auf den Punkt bringt:

„9. Schreibe nicht des Geldes wegen, sondern immer nur aus Spaß!“

Also, liebe angehenden Autoren, schreibt aus Spaß und verdient euer Geld mit Lottospielen, die Profis machen es vor.

Alle Zitate von www.Hobby-Schreiber.de.
9. Schreibe nicht des Geldes wegen, sondern immer nur aus Spaß!

Feenreiches von den Zauberblumenwiesen

Im November letzten Jahres ist im MTM-Verlag die Fantasy-Geschichtensammlung „Zauberblumenwiesen“ des Geschichtenwebers Carsten Zehm erschienen. Wunderbar und kindgerecht illustriert wurde das Buch von Roselinde Dombach.

Die Zauberblumenwiesen sind das Reich, in dem Alabaster Katzenschreck und Topas Eichenblatt, zwei vorwitzige Feen-Schwestern, zu Hause sind. Eines Tages öffnen sie eine Tür zwischen ihrer Welt und der Welt der Menschen. Einhörner, Pegasusse, Zwerge und natürlich Feen sind begeistert.

Sie treffen Antonia und ihren Bruder Matthes. Das ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe spannender und irrwitziger Abenteuer…

Und was für Abenteuer! Antonia wird erst klein gezaubert, lernt dann schnellstens fliegen und kann nun mit Alabaster Katzenschreck das Reich der Feen und Zwerge erobern.

In acht Geschichten werden die Leser durch die verschiedensten Abenteuer geführt. So wird zum Beispiel Antonia von einem Minotaurus entführt und ihr Bruder muss sie retten. Grünfell, ein außergewöhnlich dussliger Drummel-Drache, löscht das Feenfeuer. Antonias Mutter muss auf einem Pegasus reiten und sich mit einer Brumm-Summse streiten. Der Vater der Kinder wird plötzlich aus unerfindlichen Gründen geschrumpft und von seinem Sohn wie ein Maikäfer in ein Marmeladenglas gesteckt.

„Autor Carsten Zehm hat mit den Geschichten von den Zauberblumenwiesen ein schönes und vor allem witziges Fantasy-Buch vorgelegt, das nicht nur Kinder sondern auch große Vorleser begeistern wird“, schreibt der Oranienburger Generalanzeiger.

Der Autor, der als Berufsschullehrer in Oranienburg lebt, hat bisher diverse Kurzgeschichten in Anthologien sowie ein Praktisches Lesebuch für den Deutschunterricht in Russland veröffentlicht.

Carsten Zehm
Zauberblumenwiesen
Taschenbuch, 156 Seiten
MTM-Verlag
ISBN: 978-3-940367-88-2

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MTM-Verlag
Homepage des Autors

Homepage der Illustratorin

Rette sich, wer kann

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Rette sich, wer kann“, die in der Geschichtenweberanthologie „Die Unterirdischen“ erschienen ist.

Kobolde sind schon ein eigenes Völkchen. Und Grant ist ein besonders hervorstechendes Exemplar. Oder besser: Ein Kobold, wie ein Kobold sein muss. Seiner Meinung nach.

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Grant wurde erwartet.
Drine stand im Eingang zur Wohnhöhle. Als sie ihn kommen sah, schüttelte sie den plärrenden Kinderhaufen ab und wieselte ihm entgegen. „Und, und, und?“
„Nichts!“ Grant drängte sich an seiner Frau vorbei in die Wohnhöhle. „Schaff die Gören weg!“ Die konnte er nun gerade noch ertragen. Durfte ein Koboldvater nicht ein bisschen Ruhe erwarten, wenn er von einer derart deprimierenden Mission zurückkehrte?
„Ab in die Aufzuchthöhle!“, befahl Drine den Bälgern.
Einer der Großen kam ihr zu Hilfe und trieb die Jährlinge vor sich her. Grant stieß einen tiefen Seufzer aus, als er sich auf die Strohmatten plumpsen ließ. Drine brachte ihm einen Wurzeltee.
„Mit Schuss?“, fragte Grant.
„Natürlich. Ich kenn dich doch.“ Sie setzte sich ihm gegenüber und wartete, bis er gewillt war zu sprechen.
Grant versuchte sie unter gesenkten Augenlidern hervor zu beobachten. War sie wirklich so geduldig oder unterdrückte sie ihre Neugier nur? Er fand keine Antwort. Beinahe war er geneigt, sich darüber zu ärgern, dass er sich so selten darin versucht hatte, in Drines Gesichtszügen zu lesen. Aber es gab für einen richtigen Kobold schließlich Wichtigeres, als die Frauen zu verstehen.
Er nahm noch einen tiefen Schluck. Der Rum gab ihm ein wohliges Gefühl. Wie lange würde es in seiner Höhle noch diese wichtigste Zutat für seinen Wurzeltee geben?
„Es gibt keinen Weg nach oben.“
Drine stöhnte. „Bist du sicher?“
„Was denkst du denn? Glaubst du, ich bin die letzten Tage aus reinem Vergnügen durch die Gegend gekrochen?“
Drine blickte zu Boden. „Entschuldige. Ich meine ja nur, ob du dich auch in der Nachbarschaft umgehört hast.“
„Ich hab es nicht gern getan, das kannst du mir glauben.“ Allein der Gedanke an die Nachbarn verleitete Grant zu einem verächtlichen Schnauben. „Aber was blieb mir übrig?“
„Niemand hat einen Weg nach oben gefunden?“
„Niemand!“
„Auch Ernt nicht?“
„Was willst du immer mit Ernt?“, brüllte Grant. Er schlug sich mit der Faust auf die Brust. „Ich habe nichts gefunden! Niemand hat etwas gefunden!“
Drine duckte sich. „Ich dachte ja nur, weil seine Höhle die größte ist. Er lebt schon so lange hier, vielleicht …“
„Sicher“, unterbrach er sie, „der alte Sack hat die größte Höhle. Aber das wird nicht immer so sein! Und dann steh ich bereit!“
Drine sprang auf und stampfte mit dem Fuß auf. Grant zuckte erschrocken zurück. So hatte er seine Frau noch nie …
„Natürlich! Dieser verdammte Teufelssturm schneidet uns von der Oberfläche ab, wir sehen dem Hungertod ins Auge, und der feine Herr Grant weiß nichts Besseres, als sich über die Nachbarschaft aufzuregen, ganz besonders über seinen eigenen Vater!“
Grant überlegte, ob diese Frechheit nicht heftiger Widerworte und einer Klarstellung der Machtverhältnisse bedurfte, aber als er Drine in die Augen schaute, entschied er sich dagegen. „Ich weiß doch auch nicht, was zu tun ist.“ Er hob kraftlos die Schultern, um sie gleich darauf mit einem weiteren tiefen Seufzer wieder fallen zu lassen.
„Aber wir müssen etwas tun!“, sagte Drine und wendete sich einem Gewaltmarsch durch die kleine Wohnhöhle zu.
Grant schaute wie gebannt auf ihren Zeigefinger, der bei jedem ihrer Worte die Luft im Raum in ein Links und ein Rechts zerschnitt.
„Unsere Vorratshöhlen sind bald leer! Unsere Kinder müssen essen, wir müssen essen. Wenn es keinen Weg nach oben gibt …“
„Es gibt keinen.“ Grant war unwohl bei dem Gedanken, sich das Heft völlig aus der Hand nehmen zu lassen.
„… dann muss es eben einen nach unten geben!“
„Waaas?“ Grant sprang auf und lief seiner Frau hinterher, die nicht müde wurde, den Raum mit großen Schritten zu durchmessen. „Nach unten? Bin ich lebensmüde? Da hausen Monster, Elfen, Trolle und was weiß ich noch für grausame Kreaturen. Wir Kobolde taten immer gut daran, denen nicht in die Quere zu kommen!“
Drine machte auf der Ferse kehrt, und Grant konnte nicht rechtzeitig stoppen. Doch seine Frau stand wie eine Eiche.
„Willst du uns verhungern lassen?“
Selbst wenn Grant ein Ja hätte irgendwie als vernünftige Antwort werten können, er hätte sich nicht getraut, es auszusprechen.

Endlich war Grant wieder der Mann in der Höhle. Mit all seiner Erfahrung hatte er den Platz ausfindig gemacht, der ihm für eine Grabung in die Tiefe am erfolgversprechendsten schien. Schließlich hatte er die Gänge und Räume erschaffen, in denen er nun mit seiner Frau und dem dritten und vierten Wurf lebte. Und hier, einige wenige Schritte vor der fünften Beutekammer, dem tiefsten Punkt ihres Höhlensystems, hatte er den Gang nach unten befestigen müssen, weil er damals beim Graben an einer Stelle durchgebrochen war. Eine schweißtreibende Arbeit, die ihn viele Tage beschäftigt hatte. Getreu der Koboldweisheit: „Wer zu tief gräbt, schaufelt sich sein Grab“, war er sehr gründlich gewesen, als er das Loch zugeschüttet hatte.
Und jetzt zerstörten er und die Jungen aus seinem dritten Wurf dieses Schutzwerk, indem sie sich mit Schaufeln und Hacken einen Weg ins Dunkel kämpften. Drine hielt sich mit den Mädchen und den Jährlingen im Hintergrund. Solange sie bei der Arbeit nicht störten, sollten sie ruhig sehen, welch tüchtigen und mutigen Vater sie hatten, und wie sicher er die Jungs anleitete.
Er legte sich mächtig ins Zeug. Die Anstrengung tat gut und verdrängte die Gedanken an das, was ihm noch bevorstand. Jetzt, wo er wieder das Kommando übernommen hatte, erschien es ihm auch weit weniger bedrohlich. Er, der große Grant, hatte sich schließlich nicht umsonst den Ruf als draufgängerischer Beutejäger erworben. Kein Hof der Menschen auf der Oberfläche war vor ihm sicher gewesen, und nie gab es eine Zeit, in der seine Vorratskammern nicht gut gefüllt waren, bis vor zehn Tagen dieses seltsame Sturmgetöse aus der Oberwelt alles verändert hatte.

Grant taumelte. Beinahe wäre er seiner Schaufel hinterhergefallen, die vom Prasseln der rutschenden Erde mitgerissen wurde und in der Tiefe verschwand. Für den Bruchteil einer Sekunde klammerte er sich an einem seiner Söhne fest, dann stand er wieder aufrecht.
„Wir sind durch!“, sagte er. „Jetzt eine kleine Stärkung, ein bisschen Ruhe, dann mache ich mich auf den Weg.“
„Allein?“, fragte Drine.
Grant war sich nicht sicher, aber er glaubte Sorge in ihrer Stimme zu spüren. Vielleicht war es der Ton, den er auch gehört hatte, als sie ihn bei seinen ersten Beutezügen verabschiedet hatte. Aber was machte er sich bloß für seltsame Gedanken? „Natürlich allein. Bevor ich mich nicht auskenne, brauche ich niemanden, der mir im Weg rumsteht.“
„Nimm einen der Jungs mit. Nur zur Sicherheit.“
„Sicherheit, Sicherheit. Darum geht es ja.“
„Ein paar haben dich doch schon an die Oberfläche begleitet. Such denjenigen aus, der sich am besten gemacht hat.“ Drine wartete keine Antwort ab, wählte zielsicher drei aus dem Haufen der Älteren aus und schob sie Grant entgegen.
Wie viele Kinder hatte er eigentlich? Zwanzig, dreißig? Waren es in den vorangegangenen Jahren auch schon so viele gewesen? Er betrachtete die drei Burschen, die vor ihm standen. Zwei von ihnen hielten die Köpfe gesenkt, der dritte, ein dreister Kerl mit einem fast schon braunen Kopfpelz, der für einen ordentlichen Kobold aber gerade noch dunkel genug war, funkelte ihn aus großen Augen an. Trotzdem kam er Grant nicht bekannter vor, als die anderen beiden, die ihm obendrein mit ihrer demütigen Haltung weit mehr zusagten.
Nur, für welchen der beiden sollte er sich entscheiden? Er begann im Stillen einen Abzählvers aufzusagen. Er verhaspelte sich, begann von Neuem. Aber Moment. So schön das mit der Demut auch war: Half ihm das dort unten wirklich weiter? Grant betrachtete erneut den Braunhaarigen. Möglicherweise war er ihm doch schon aufgefallen. Grant fühlte eine gewisse Neugier, strengte sein Gedächtnis an. Vielleicht der, an dem er sich vorhin kurz hatte abstützen müssen, um nicht ins Loch zu fallen? Oder der, der Drine geholfen hatte, die Bälger aus der Wohnhöhle zu treiben? Möglicherweise beides? Er war sich nicht sicher. Aber seine Entscheidung stand fest.
Er räusperte sich und zeigte mit dem Finger auf den Braunhaarigen. „Wie heißt du?“
„Blad.“
„Also gut, Blad. Wenn du etwas gegessen hast, suchst du nach zwei großen Buckelsäcken für uns. Bring außerdem Fackeln, Messer und Schleudern. Vergiss die Steine nicht und lass dir von deiner Mutter Proviant einpacken. Dann wartest du hier auf mich.“
Noch während Blad sich bedankte, verschwand er in der Beutekammer. Offenbar schien ihm das wichtiger zu sein, als erst einmal zu essen. Konnte man das schon als Befehlsverweigerung werten? Grant wollte mal nicht so sein. Er schaute zu Drine.
Ihre Lippen kräuselten sich zu einem geheimnisvollen Lächeln. „Eine sehr weise Entscheidung, die du da getroffen hast, mein kluger Ehemann. Sehr weise.“

Im Schein der Fackeln folgten sie dem Gang, der sich langsam, aber stetig in die Tiefe senkte. Seine Wände waren grob, aber kundig bearbeitet, alt und nicht beständig gepflegt wie die in einer Koboldhöhle, ja nicht einmal zu vergleichen mit den weit verzweigten unterirdischen Gängen im Koboldreich, nahe der Oberfläche. Doch es schien, dass irgendjemand oder irgendetwas diesen Weg in die Tiefe – oder aus ihr herauf – wenigstens hin und wieder zu nutzen schien. Grant hätte sogar fast darum gewettet: Es konnte noch nicht allzu lange her sein, dass jemand hier herumgekrochen war. Er musste auf der Hut sein. Er tastete nach dem Messer in seinem Gürtel. Es war die beste Klinge, die er je erbeutet hatte. Sie stammte aus der Werkstatt eines Schmieds, der in der Menschensiedlung unweit von Grants Höhle lebte und ihn daher lange Zeit unfreiwillig mit Waffen, Werkzeugen und sonstigen Gerätschaften versorgte, bis er sich – es war kaum zwanzig Tage her – zwei scharfe Wachhunde zulegte. Wie es dort oben jetzt wohl aussah? Grant konnte sich kaum vorstellen, dass bei diesem Stürmen, Poltern und Krachen, das von der Oberwelt bis in ihre Höhlen gedrungen war, auch nur ein Stein auf dem anderen geblieben war.
„Es riecht muffig hier.“ Blad rümpfte die Nase.
Eigentlich war Grant doch froh, dass er seinen Sohn bei sich hatte. Aber das wollte er natürlich nicht zeigen, daher brummte er nur. Außerdem sollte einem richtigen Kobold der Geruch nichts ausmachen. Immerhin hielt sich der Junge zurück. Er trottete weitgehend stumm hinter ihm her und belästigte ihn nicht übermäßig. Die klare Rangordnung gab Grant auch das letzte Stück Selbstsicherheit zurück, an der Drines ungewöhnliches und ungebührliches Auftreten gekratzt hatte.

Schließlich erwachte in Grant der Lehrmeister. „Was fällt dir an diesem Gang auf?“
Blad schien überrascht. „Meinst du mich, Vater?“
„Wen sollte ich sonst meinen, du Dummkriecher?“
„Er führt immer nach unten, macht nur selten eine Wendung, und es gibt keine Höhlen und nur wenige Seitengänge.“
Blad musste bereits darüber nachgedacht haben, seine Antwort kam jedenfalls sehr schnell. Grant wollte ihn weiter prüfen. „Warum nehmen wir dann keinen der Seitengänge?“
„Ich schätze, weil dieser der breiteste ist. Er führt nach unten, wir wollen nach unten.“
„Was bist du nur für ein Klugschwätzer?“ Grant ärgerte sich. Der Junge war wirklich gut. „Es ist vor allem das System. Wenn du dich gar nicht auskennst, musst du einen Weg nach dem anderen testen, bevor du dich verläufst. Still jetzt! Ich habe etwas gehört.“ Grant blieb stehen, lauschte und leuchtete mit der Fackel das Dunkel aus.
Ein paar Schritte weiter sah er eine Öffnung in der Wand. Wahrscheinlich ein weiterer Seitengang. Wieder ein kratzendes Geräusch. Gleichzeitig ein Schaben. So als würde jemand einen Mantel aus grobem Leder tragen, während er einen scharfen Gegenstand am Stein wetzte. Jemand sehr großes. Jetzt roch es auch nach Gefahr!

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Es herrscht Frieden im Reich Onryn. Nach vier Jahrzehnten blutiger Kriege unterliegt das Imperium den Rebellen. Die neuen Machthaber führen die Bewohner des Reiches in eine goldene Zukunft.

Doch unter der Erde brennt das Feuer des Krieges ewig. In der dunklen und geheimnisvollen Welt der Finsternis leben und leiden sie: Erdwichte, Goblins, Kobolde, die Stämme der Menschen, Dunkelelfen, Zwerge, Trolle, Schwarzorks, Dämonen und die Wartenden. Bis aufs Blut verfeindet, in Jahrtausende alten Fehden um Ehre und Land, Liebe und Besitz, Stolz und Rache verstrickt, liefern sich die Völker der Unterwelt heiße Schlachten.

Nachdem eine furchtbare Naturkatastrophe die Reiche der Unterirdischen verwüstet und von der Erdoberfläche abschneidet, überschlagen sich die Ereignisse. Neue Helden werden geboren und uralte Gesetze gebrochen.

Dies ist die Geschichte der Unterirdischen.

Timo Bader, Jörg Olbrich (Hrsg.)
Die Unterirdischen
Eine Anthologie der Geschichtenweber
Wurdack Verlag
ISBN: 978-3-938065-43-5

www.die-unterirdischen.de

Maikes Rätselseiten

Eine wunderschöne Homepage kann dennoch Rätsel aufgeben. So zum Beispiel die der Autorin und Geschichtenweberin Maike Schneider.

Wie in einem Abenteuerspiel muss man erst die Gegenstände finden, die einem die Türen zu Maikes Reich öffnen. Hat man sie erst gefunden, gibt es so einiges zu entdecken. Kurz: Spiel – Spannung – Maike Schneider.

Viel Spaß beim Suchen

Tanz mit Spannung

Judith Le Hurray: Tanz mit Spannung
Judith Le Hurray: Tanz mit Spannung

Am 1. Oktober ist das neue Jugendbuch der Geschichtenweberin Judith Le Hurray erschienen. „Tanz mit Spannung“ gliedert sich in die SMS-Reihe des Schenk Verlags. Es ist also eine Starke-Mädchen-Story.
Schon die ersten Sätze machen das auf, wie ich finde, geniale Weise deutlich:

Du wärst gerne reich? Kein Problem. Du kannst meine Mutter haben. Geschenkt. Die ist reich. Und deshalb meint sie, die Welt gehöre ihr.

Und die Mutter ist nicht das einzige Problem:

Die dreizehnjährige Deborah hat große Probleme mit ihrer herrschsüchtigen Mutter. Die darf auch auf keinen Fall erfahren, dass ihre Tochter außer Ballett noch Jazztanz und Hip Hop macht. In Deborahs Jazzgruppe sind zwei Jungs: der hübsche Marco und der unscheinbare Florian. Wer darf mit Marco bei der Vorführung tanzen? Der Pas de deux mit dem Mädchenschwarm führt zu Stress mit Freundin Sarah. Dann taucht auch noch Deborahs Mutter während der Hip Hop-Stunde im Tanzstudio auf. Auch hübsche, reiche Mädchen haben Probleme und sind manchmal arm dran. Darf Deborah bei der Aufführung mittanzen? Kann sie ihre nervige Mutter ändern? Und wird das was mit der ersten Liebe?

Also unbedingt mal in die Leseprobe (1. Kapitel) schnuppern.

Judith Le Huray
Tanz mit Spannung
Schenk Verlag
ISBN 978-3-939337-68-3
176 Seiten, Softcover, 12 x 18,5 cm
SMS-Buch, Band 11.