Schlusskapitel ungeschriebener Romane

Die Geschichtenweber schreiben aus:

The End. Schlusskapitel ungeschriebener Romane

Das letzte Kapitel eines Buches ist das entscheidende. Gefällt es uns, bewerten wir den ganzen Roman wohlwollender und empfehlen ihn weiter. Ist es zu knapp, passt es nicht, so blicken wir nicht sehr glücklich darauf zurück.
Auf den letzten Seiten eines Romans erwarten wir das große Finale, den Spannungshöhepunkt, den Showdown, den Lohn für unsere Mühen, nachdem wir hunderte Seiten durchgehalten haben.
In einem guten Schlusskapitel geschieht deshalb sehr viel. Offene Fragen müssen geklärt, Zusammenhänge offenbart, Handlungsstränge zu einem Abschluss geführt werden. Trotzdem darf es nicht völlig vorhersehbar sein und nur längst Bekanntes wieder aufwärmen.
(Auch) am letzten Kapitel zeigt sich die Qualität eines Autors.

Die Idee:
Was passiert eigentlich, wenn eine Gruppe von Autoren auf die Idee kommt, die Schlusskapitel von Romanen zu verfassen, die es in Gänze niemals geben wird?
Dabei werden Texte entstehen, die einen Spagat schaffen zwischen einem typischen Ende einer Romangattung/eines Genres und einer eigenen Stimme, zwischen einem echten Schlusskapitel und einer eigenständigen Erzählung.

Gesucht werden:

  • Autoren und Konzepte, keine fertigen Texte.
  • Autoren, die sich in einem Genre bzw. einer Romangattung als Leser und/oder Autor gut auskennen und eine Leidenschaft für diese Sparte mitbringen.
  • Autoren, die als Teamspieler bereit sind, auch über ihren eigenen Text hinauszugucken.

Einer Bewerbung sollen beiliegen:

  • kurze Autorenvita
  • Leseprobe von einem aktuellen belletristischen Text
  • Konzept und Ideensammlung für ein Schlusskapitel. Orientierungsgröße für das Schlusskapitel sind 40.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen). Keine Fanfiction!

Kontaktadresse: felix.woitkowski (at) gmx.de

Einsendeschluss: 31.03.2011

Weitere Informationen:
– Die Anthologie wird im Verlag p.machinery (http://www.pmachinery.de) erscheinen; die Produktion (Druck, Bindung) erfolgt durch Books on Demand, Norderstedt.

  • Jeder beteiligte Autor erhält ein Belegexemplar.
  • Die Autoren können beliebig viele Zusatzexemplare zu einem (durch Rg.kopie) nachgewiesenen Einkaufspreis bestellen. Es gibt keine Mindestabnahmeverpflichtung. (Der Preis ist allerdings abhängig vom Buchumfang, so dass er erst später kalkuliert werden kann; er liegt allerdings unter dem offiziellen Ladenverkaufspreis.)

Kreatives Schreiben in Schreibschrift

Ich bin mal wieder auf ein Blog gestoßen, das ich euch nicht vorenthalten will. schreibschrift beschäftigt sich offenbar in vielfältiger Weise mit dem Thema Kreatives Schreiben.

Gleich vorweg: Ich kann und will schreibschrift nicht abschließend hinsichtlich seiner Nützlichkeit oder sonst irgendeiner Qualität beurteilen. Ich habe bestenfalls ein bisschen quergelesen, was einerseits an der mir fehlenden Zeit liegt, andererseits einfach daran, dass meine ganz persönliche Motivation zu schreiben sicherlich ein wenig von der Intention dieses Blogs abweicht.

Generell halte ich aber alle Blogs, die Schreibenden Anregungen geben, wie man sich auf unterschiedliche (kreative) Weise mit seinem Schreiben auseinandersetzen kann, für eine Bereicherung.

Ein wenig verwundert war ich bei einem Blog mit diesem Thema über die konsequente Abkehr von der Großschreibung, die möglicherweise eine kreative Interpretation des Blogtitels darstellt.

Gewundert habe ich mich auch über den Artikel schreibidee (203), der mich überhaupt zu dem Blog geführt hat. Ich habe den Ansatz einfach nicht verstanden, was aber an meiner beschränkten Auffassungsgabe liegen mag. Besonders schwer fiel es mir, die Bedeutung von „nachsetzen“ im Sinne von jagen,  verfolgen, mit der Bedeutung desselben Wortes im Sinne von (in einer Diskussion) noch einen draufsetzen, das letzte Wort haben in Gleichklang zu bringen, wie es der Artikel offenbar versucht. Aber für die Schreibübung ist das sicher nicht nötig.

Ohnehin halte ich die zwei Schreibaufgaben, die ich überflogen habe, für wichtig und gut ausgewählt. Eine hatte zum Inhalt, Tempo in das Geschriebene zu bringen, die andere beschäftigte sich mit den so wichtigen ersten Sätzen.

Daher kann ich Interessierten nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen. Vielleicht tauchen ja hier in den Kommentaren ein paar Erfahrungsberichte oder Hinweise auf ähnliche Seiten auf.

Gustav-Regler-Preis bis 31.12.10

GUSTAV-REGLER-PREIS der Kreisstadt Merzig
&
GUSTAV-REGLER-FÖRDERPREIS des Saarländischen Rundfunks (SR)

Die Kreisstadt Merzig verleiht gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk in Würdigung von Werk und Lebensgeschichte des Schriftstellers Gustav Regler, zur Anerkennung literarischer Verdienste um interkulturelle und internationale Verständigung sowie zur Förderung junger Autoren den Gustav-Regler-Preis der Kreisstadt Merzig und den Gustav-Regler-Förderpreis des SR. Diese Preise werden alle drei Jahre am Geburtstag Reglers in Merzig verliehen.

Der Hauptpreis der Kreisstadt Merzig ist mit 5.000 Euro, der Förderpreis des SR mit 2.500 Euro dotiert.

Mit dem Hauptpreis wird eine bereits erbrachte herausragende literarische Leistung prämiert. Beide Preise dürfen auch Übersetzer auszeichnen und Autoren, die sich reportageliterarischer oder essayistischer Formen bedienen. Das Schwergewicht bei der Beurteilung soll auf der literarischen Qualität liegen.

Eine mehrmalige Auszeichnung derselben Person mit dem selben Preis ist ausgeschlossen, ebenso eine Vergabe an juristische Personen oder Institutionen.

Der Gustav-Regler-Förderpreis des SR ist eine selbständige Auszeichnung im Rahmen des von der Kreisstadt Merzig verliehenen Gustav-Regler-Literaturpreises. Mit dem Förderpreis wird ein „junger“ Autor ausgezeichnet für einen deutschsprachigen Text von max. 20 Seiten Umfang (pro Seite 30 Zeilen à 60 Zeichen), der sich in literarisch überzeugender Weise
– mit dem Werk von Gustav Regler auseinandersetzt oder
– eine eigenständige Arbeit in der Nachfolge des saarländischen Autors und Weltbürgers darstellt.

Für die Nachfolge können thematische, biografische, interkulturelle oder regionalgeografische Kriterien heran gezogen werden. Unter „jung“ sind Autoren zu verstehen, die nicht mehr als drei eigenständige Veröffentlichungen vorweisen sollten.

Der SR hat das Recht, den Text des Förderpreisträgers einmalig zu senden. Autoren, die sich um den Förderpreis bewerben, schicken ihre Texte bis zum jeweiligen angegebenen Einsendetermin an die Stadtbibliothek Merzig, Stichwort „Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks“ (Adresse s. unten).

Über die Vergabe der Preise entscheidet eine Jury, die vom Oberbürgermeister berufen wird. Ein (nicht abstimmungsberechtigter) Moderator, der vom Oberbürgermeister bestimmt wird, leitet die Sitzung.

Der Jury gehören an:
– der vorherige Preisträger (im Vertretungsfall der Förderpreisträger)
– der Oberbürgermeister der Kreisstadt Merzig oder sein Beauftragter
– ein Vertreter des Saarländischen Rundfunks von SR2 Kultur-Radio
– ein Vertreter der Regler-Forschungsstelle der Universität des Saarlandes
– ein Vertreter der saarländischen Schriftstellerverbände
– ein Vertreter aus dem Bereich der Literatur von Elsass oder Lothringen
– ein Vertreter aus dem Bereich der Literatur aus Luxemburg
Die Jury tagt nichtöffentlich. Die Mitglieder der Jury sind zur Verschwiegenheit über den Verlauf der Beratungen verpflichtet. Die Auswahl der Preisträger ist schriftlich zu begründen. Ein Rechtsanspruch auf Verleihung der Preise besteht nicht. Ansprüche aus §§ 657-661 BGB sind nicht ableitbar.

Vorschlagsberechtigt ist jedermann, allerdings ist eine schriftliche Begründung erforderlich. Vorschläge für den Hauptpreis und Bewerbungen für den Förderpreis sind zu richten an die

Stadtbibliothek der Kreisstadt Merzig
Hochwaldstr. 47
66663 Merzig.

Eigenbewerbungen für den Hauptpreis sind ausgeschlossen.

Die Preisverleihungen finden im Rahmen einer Feierstunde statt. Den Förderpreis überreicht ein Vertreter des Saarländischen Rundfunks.

Einsendeschluss für Vorschläge und Bewerbungen ist der 31.12.2010 (Datum des Poststempels).

Die Personenbezeichnungen in männlicher Form gelten in der weiblichen Form entsprechend.

Für Rückfragen: StadtBibliothek Merzig, Hochwaldstr. 47, 66663 Merzig, Telefon: 06861/85394, stadtbibliothek@merzig.de

Quelle: Uschtrin

Leser machen Bücher

Ich muss zugeben, ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich zu dem Thema etwas poste. In Autorenkreisen wird heftig darüber diskutiert und zumindest die Erfahreneren unter ihnen sehen eine Entwicklung, wie sie sich andeutet, mit deutlicher Skepsis. Und mir geht es genauso. Allerdings gab es letztlich eine Aussage einer lieben Kollegin, die mich dazu bewogen hat, doch darüber zu berichten:

Ein Gutes kann man aber auf jeden Fall über so ein Projekt sagen: Es holt die potenziellen Kunden der DKZV von der Straße, jedenfalls für eine Weile.

Worum geht es also? Es geht um Verlage bzw. verlagsähnliche Unternehmen, wie sie sich wahrscheinlich manch ein noch unveröffentlichter Autor schon lange wünscht. Schließlich hört man immer wieder, die großen Verlage würden nur noch nach Kriterien der Verkäuflichkeit auswählen und dabei sowohl Qualität als auch Leserwünsche aus den Augen verlieren. Ein Punkt, dem ich so nicht zustimmen kann, aber das soll hier nicht das Thema sein.

Erst kürzlich berichtete ich über den neuen Weg, den Droemer Knaur mit Neobooks einschlagen will. Das Besondere ist hier, dass hinter dem Konzept ein klassischer Verlag steht. Die Grundidee, dass Leser in einer Vorauswahl bestimmen, welche Texte das Lektorat zur Veröffentlichung prüft, gab es aber schon vorher.

EPIDU hat es vorgemacht

Laut eigenen Angaben, kann sich bei EPIDU jeder anmelden und ein Manuskript hochladen. Ein Vorlektorat entscheidet, ob der Text die Mindestanforderungen an Lesbarkeit nicht unterschreitet und mit den AGB vereinbar ist. Alle Manuskripte, die diese kleine Hürde genommen haben, stehen in der Community allen Lesern zur Bewertung zur Verfügung. Innerhalb der Bewertungsphase (momentan jeweils zwei Monate) kristallisieren sich so die fünf beliebtesten Texte heraus. EPIDU verpflichtet sich, pro Bewertungsphase mindestens eines dieser fünf Manuskripte zu publizieren. Die Entscheidung darüber, welches der fünf ausgewählt wird, trifft wiederum das Verlagslektorat.

Der glückliche Autor erhält einen Normvertrag und EPIDU gibt an, dass der weitere Weg der Veröffentlichung und Vermarktung dem üblichen Verlagsmodell entspricht, dass demnach auch keinerlei Kosten auf den Autor zukommen.

euryclia: Alle Macht dem Leser

Die noch ganz neue Plattform euryclia radikalisiert diesen Weg noch. Hier liegt die Veröffentlichungsentscheidung letztlich vollkommen beim Leser. Wer hier sein Manuskript hochlädt, schließt laut Aussagen der Betreiber sofort einen hinsichtlich der Eigenheiten des Portals modifizierten Normvertrag ab. Dabei muss das Manuskript innerhalb eines halben Jahres 1000 Vorbestellungen seitens der Leser erhalten, damit es tatsächlich zu einer Veröffentlichung kommt. Sobald diese Zahl an Vorbestellungen erreicht ist, erhält der Text ein Lektorat und wird von euryclia ohne Kostenzuschüsse seitens des Autors publiziert.

Die Leser entscheiden sich dabei aufgrund der von den Autoren hochgeladenen Exposés und Leseproben für eine Bestellung, die natürlich nur dann auch zum Buchkauf führt, wenn sich mindestens 999 andere Leser ebenfalls dafür entscheiden. Sollte dem auch nach einem halben Jahr nicht so sein, wird das Manuskript von der Plattform gelöscht und damit für den Autor wieder freigegeben.

Vieles bleibt abzuwarten

euryclia befindet sich noch im Aufbau. Einige Fragen werden sicher noch zu klären sein. Ob der von den Betreibern versprochene faire Umgang mit den Autoren wirklich attestiert werden kann, wird sich noch zeigen müssen. Darauf, dass sich die Homepage zur Zeit zu Unrecht mit dem Fairlag-Logo schmückt, die Betreiber sich also ungerechtfertigt als Unterstützer der Initiative bezeichnen, wurden sie bereits hingewiesen, und haben angekündigt, das Logo baldmöglichst zu entfernen.

Ist euryclia nun eine echte Chance für unveröffentlichte Autoren? Meine Skepsis habe ich schon angedeutet, will aber zunächst das Türchen offenlassen für die Möglichkeit, wie das Projekt erfolgreich werden könnte.

Plattformen, die darauf zielen, Hobbyschreibern und Autoren die Möglichkeit zu geben, ihre Texte online in mehr oder weniger attraktiver Form Lesern zugänglich zu machen, sind in den letzen Jahren beinahe wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die erfolgreichsten unter ihnen werden von Nutzern und Texten geradezu überschwemmt. So tummeln sich etwa auf  BookRix derzeit mehr als 167.000 Nutzer und man kann dort mehr als 40.000 Online-Texte lesen.

Schreiber gibt es genug

Wer bis dahin noch nicht geglaubt hat, dass sich im Internet unzählige Schreibwütige herumtreiben, von denen wenigstens ein Teil durchaus den Traum der Printveröffentlichung träumen dürfte, den sollten diese Zahlen eines Besseren belehren. Warum sollten diese nicht auch das Angebot von euryclia annehmen? Ich denke, das werden sie tun.

Allerdings bedeutet das noch nicht viel. Auch auf BookRix kann man einen Text als gut bewerten. Der derzeit mit großem Abstand bestbewertete Text wurde am 25. April 2009 eingestellt und verfügt aktuell über 840 Sterne. Die 1000er-Marke hat also auch dieser nicht erreicht, schon gar nicht innerhalb eines halben Jahres.

Dabei handelt es sich auf dem Literaturportal überwiegend um kurze, aber vollständige Texte, Leseproben von Romanen werden kaum bewertet. Allerdings gibt es natürlich auch keine Aufforderung an die Leser (die im Übrigen zum größten Teil einfach selbst schreibende Nutzer sind), ihre Lieblingstexte zu Printpublikationen zu machen.

Nicht nur Insider beobachten auf derartigen Literaturportalen hinsichtlich der Bewertung eine mehr oder weniger ausgeprägte Klüngelwirtschaft, die sich praktisch nicht vollkommen ausschalten lässt.

Der Erfolg derartiger Portale scheint also nur auf den ersten Blick eine gute Ausgangslage für euryclia zu sein. Schaut man genauer hin, entdeckt man, dass viele potentielle Autoren noch lange nicht die 1000 voll machen.

Bestellungen ins Blaue

Und bei euryclia geht es ja nicht einfach um Bewertungen. Es geht für den Leser darum, ein Buch zu bestellen. Von einem Autor, dessen  Manuskript er nur aus einem unlektorierten Exposé und einer ebensolchen Leseprobe kennt. Das könnte in manchen Fällen zu spendenbereiter Hilfsbereitschaft führen, wird aber wohl kaum das Gros der Leser verführen. Zumal es höchst unwahrscheinlich ist, dass der Leser für diesen Aufwand je das Bestellte in der Hand halten wird. Immerhin kann er dann nach einem halben Jahr sein gespartes Geld nehmen und im nächsten Buchladen in den Regalen nach Ersatz von bekannten Autoren stöbern. Nur ausgesprochene Idealisten dürften es dagegen für einen weiteren euryclia-Autor aufsparen.

Bei diesen Ausgangsbedingungen werden vermutlich auch die meisten teilnehmenden Autoren bald enttäuscht feststellen, dass sich ihre realistischen Chancen auf eine Publikation im Vergleich zum klassischen Lektoratsauswahlverfahren nicht wesentlich gesteigert haben. Dass möglicherweise eine große Anzahl an Lesern auf dem direkten Weg nicht allzu viel leichter zu erreichen ist als über die filternden Verlagslektorate.

Immerhin wäre das unter Erfahrung zu verbuchen. Und wie schon von meiner Kollegin bemerkt, ist es eben eine Erfahrung, die den Autor nichts kostet und auch ansonsten auf einer (hoffentlich) fairen Basis zu erlangen ist. Und möglicherweise gibt es ja hinsichtlich der benötigten Anzahl der notwendigen Vorbestellung noch Nachbesserungen, die den hoffnungsvollen Autoren entgegenkommen.

Wenn der Verlag die Hände in den Schoß legt

Denen dürfte wahrscheinlich der folgende Aspekt leider nicht als der Wichtigste gelten. Selbst wenn euryclia ansonsten den fairen Umgang mit den Autoren gewährleistet, entzieht man sich doch der Hauptfunktion des Verlegers, nämlich nach verlegerischen Kriterien Werke für die Veröffentlichung auszuwählen und in verlegerischer Verantwortung zu vermarkten. Allen Unkenrufen zum Trotz ist ein Verleger nämlich normalerweise jemand, der für die von ihm verlegten Werke einstehen kann.

Dass bei euryclia, wenn überhaupt, tatsächlich immer Werke die Hürde zur Veröffentlichung überspringen, die die Verleger auch nach eigenem Ermessen als veröffentlichungswürdig erachten, ist unter diesen Voraussetzungen zumindest nicht als gegeben anzunehmen. Auch bleibt abzuwarten, wie die Vermarktungsstrategien über die 1000 Vorbestellungen hinaus angedacht und erfolgreich sind.

Unter dem Strich bleibt es aus meiner Sicht eine mit Skepsis zu betrachtende Alternative, aber immerhin eine Alternative. Und hoffentlich eine Alternative, die dem klassischen Verlagswesen nicht den Rang streitig macht. Denn diejenigen, die diesem Orientierung am Massengeschmack vorwerfen, sollten erkennen, dass die hier gebotene Alternative, sollte sie tatsächlich erfolgreich funktionieren, diesem Kritikpunkt noch viel weniger entgegenwirken kann.

Etwas kurios finde ich in diesem Zusammenhang, dass euryclia offenbar auch Literaturagenturen kontaktet. Was sollen die aber machen? Ihre Provision verdienen, indem sie ihre Autoren an eine Onlineplattform vermitteln, auf der dann die Leser letztlich eine völlig unabhängige Entscheidung treffen? Dazu braucht der Autor wohl keine Agentur. Wahrscheinlicher ist da doch, dass mancher Agent statt eines unbequemen Ablehnungsschreibens eine Empfehlung für euryclia verschickt.

Sagengestalten oder Aprilscherz?

Normalerweise präsentiere ich auf meinem Blog nur ausgewählte Ausschreibungen, bei denen ich mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass sie für die teilnehmenden Autoren keinerlei Tücken bereithalten (abgesehen davon, dass der eingesandte Text nicht als preis- bzw. veröffentlichungswürdig betrachtet werden könnte).

Dieses Mal ist das ein klein wenig anders. Denn ich habe bestenfalls ein gutes Gefühl bei der Ausschreibung, die ich über Feenfeuer entdeckt habe. Das liegt einfach daran, dass der ausschreibende Verlag noch ganz neu im Geschäft ist. Mondwolf aus Österreich wurde erst am 1. April dieses Jahres gegründet, will bereits im Herbst die ersten Bücher auf den Markt bringen und wirbt auf der Webseite offen um neue Autoren.

Drei Fakten, die eigentlich gegen eine Empfehlung sprechen. Denn natürlich ist die Sicherheit für den Autor bei einem etablierten Verlag größer, zum einen, weil er sich so auf die Erfahrungswerte anderer Autoren stützen kann, zum anderen, weil die Gefahr geringer ist, dass der Verlag nach einem halben Jahr seine gerade erst aufgestoßenen Türen wieder schließen muss.

Auch mag ich es lieber, wenn ein Kleinverlag, sei er neu oder bereits länger auf dem Markt, seine Planungen langsam, dafür aber realistisch angeht. Schnell auf den Markt geworfene Bücher leiden oft an mangelnder Qualität, sowohl hinsichtlich der Textauswahl wie auch hinsichtlich der äußeren Präsentation.

Und dass der Satz, „Wir suchen Autoren“, den Skeptischen oder einfach Vorsichtigen sofort an die schwarzen Schafe der Branche denken lässt, sollte einem Verlagsgründer eigentlich bewusst sein.

Auch Sätze wie die, die in der Verlagsbeschreibung stehen, klingen ein bisschen nach den Lockangeboten eines Zuschussverlags:

In vielen Schubladen schlummern gute Manuskripte, die wegen starrer Programme, des Überangebotes aus dem amerikanischen und englischsprachigen Raum und Mindestauflagen keine Chance bekommen. Diese Schätze wollen wir finden und den Lesern zugänglich machen.

Aber wahrscheinlich handelt es sich dabei wirklich eher um eine etwas unbedachte Herangehensweise des Verlags, denn auf der Seite betont der Verlag ausdrücklich, kein Zuschussverlag zu sein, wenn auch wiederum mit einer etwas seltsamen Begründung:

In der Zusammenarbeit mit unseren Autoren legen wir großen Wert auf gute Kommunikation und ein faires Miteinander. Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag.

Sei es drum. Nehmen wir den Verlag, der sich die Förderung der deutschsprachigen Fantasy auf die Fahnen geschrieben hat, beim Wort. Denn an anderer Stelle auf der Homepage drückt er sich klarer und treffender aus:

Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag. Unsere Autoren erhalten umfassende Betreuung, der Verlag kümmert sich um alle Verlagsaufgaben vom Lektorat bis zum Marketing. Aktive Unterstützung seitens der Autoren begrüßen und schätzen wir!

Und eines bleibt festzuhalten: Die erste Ausschreibung, mit der Mondwolf in den Literaturbetrieb startet, lässt sich im Vergleich mit manch anderer Anthologieausschreibung durchaus sehen. Nicht nur das eigentliche obligatorische Belegexemplar gibt es für die ausgewählten Autoren, sondern auch ein vertraglich zugesicherten Preisgeld in Höhe von 40 Euro, das man somit als Garantie- bzw. Pauschalhonorar verstehen kann. Um über Tantiemen ein solches Honorar in einer Kleinverlagsanthologie zu erreichen, wird man in den meisten Fällen einiges an Geduld aufbringen müssen. Mancher Jungautor dürfte sich überhaupt über die erste finanzielle Vergütung seiner Schreibarbeit freuen.

Bis zum 15. August kann man sich mit einer oder mehreren Fantasy-Geschichten, die sich um eine oder mehrere Sagengestalten drehen sollen, beteiligen. Die genauen Ausschreibungsbedingungen findet ihr auf der Homepage des Verlags oder in diesem PDF.

Bleibt zu hoffen, dass Mondwolf sich als Kleinverlag im Sinne von Fairlag etabliert und in diesem Sinne seine Ziele verwirklichen kann.

Frage nicht den Lektor

Mir fallen auf Anhieb nur drei Gründe ein, warum ein Autor einen freien Lektor für das Lektorat eines Romans beauftragen und bezahlen sollte:

1. Er will nicht oder glaubt nicht, dass sein Roman eines Tages in einem Publikumsverlag erscheint (der ja dann für das Lektorat verantwortlich wäre), will ihn aber im Eigenverlag oder über einen Dienstleister publizieren, wobei er sich wünscht, dass das Manuskript im Wesentlichen so bleibt, wie es ist, aber in diesem Rahmen so gut als möglich verbessert wird.

2. Er hofft, mithilfe des freien Lektors sein Manuskript derart aufzubessern, dass die Chancen, einen Agentur- oder Verlagsvertrag zu ergattern, steigen.

3. Sein Fokus liegt nicht so sehr auf dem aktuellen Text, sondern er sieht es eher als eine langfristige Investition, eine Art Schreibkurs am eigenen Text, wobei hier möglicherweise von vorneherein die Manuskriptbetreung durch den Lektor die bessere Wahl wäre.

In allen drei Fällen wird es noch immer sehr abweichende Auffassungen geben, ob das Lektorat hier eine sinnvolle Investition im Vergleich zu den Alternativen darstellt. Und in allen drei Fällen sollte sich der Autor klarmachen, dass der finanzielle Aufwand vergleichsweise hoch ist.

Und vor allem der erste Fall ist es, um den es mir hier geht. Selbst wenn ich nicht auch als freier Lektor arbeiten würde, der schließlich damit Geld verdienen kann, würde ich es zunächst einmal begrüßen, wenn jemand auch für die Alternative zum Publikumsverlag zu der Erkenntnis kommt, dass er dem potentiellen Leser nicht seine Rohfassung um die Ohren hauen will. Allerdings sehe ich es auch als meine ethische Pflicht dem potentiellen Kunden gegenüber an, ihm vor der Auftragsannahme eine ehrliche Einschätzung seines Werkes und dessen Möglichkeiten zu geben.

Und die kann im Grunde genommen wieder nur auf drei Arten ausfallen:

1. Ich schätze das Werk für so gut ein, dass der Kunde noch einmal darüber nachdenken sollte, ob er es nicht doch bei einer Agentur oder einem Pubklikumsverlag versucht. Kurz gesagt, ich mache ihm klar, dass er mich eigentlich nicht braucht.

2. Ich schätze den Roman so ein, dass es einiger Überarbeitung bedarf, um ein überzeugendes Ergebnis zu liefern, mit dem der Kunde dann entweder einen guten Roman im Eigenverlag oder beim Dienstleister veröffentlicht (ich weise immer auf die Nachteile eines solchen Vorgehens hin) oder es aber doch auf dem klassischen Verlagsweg versucht.

3. Meiner Einschätzung nach bedürfte es weit mehr als eines Lektorats, um aus dem vorliegenden Manuskript ein veröffentlichungsreifes zu machen.

Der Titel des Artikels bezieht sich auf Kunden, denen ich im Vorhinein diese dritte Einschätzung gebe, wobei ich, sofern ich es für eingermaßen aussichtsreich halte, auf die Möglichkeit einer Manuskriptbetreuung hinweise.

Es ist nun einmal so: Mit einem normalen Lektorat (keine Manuskriptbetreuung, kein Ghostwriting) lässt sich aus einem solchen Manuskript im besten Fall ein etwas besserer Roman, aber kein Wunderwerk zaubern. Ein guter Lektor mag einen großen Anteil an der Qualität des Endprodukts haben, aber viel entscheidender ist die Qualität des Ausgangsprodukts. Ist der Wurm im Holz, reicht eine Politur nicht aus.

Wenn sich nun ein Autor trotz einer solchen Vorabeinschätzung dennoch für ein Lektorat entscheidet (und ich rate eher ab), tut er gut daran, sich nach dem Lektorat nicht neuerlich nach der Einschätzung des Lektors zu erkundigen, denn die wird sich nicht wesentlich geändert haben.

Ihm bleibt jedoch als Trost, dass auch ein Lektor nicht frei von Subjektivität und damit fehlbar ist.

Hosentaschengeschichten

Diese Geschichten sind nicht etwa für den Ar…, nein, sie sind für die Hosentasche. Besser noch, man kann sie aus dieser hervorholen und lesen.
Möglich macht das ein neuer Verlag, der sogenannte Hosentaschenverlag aus Hannover.

Auf der Webseite wird erklärt, was man sich hier unter Hosentaschengeschichten vorstellt:

„HOSENTASCHENGESCHICHTEN sind Geschichten für die Hosentasche. Zum Einstecken, Lesen, Weitersagen. Jede Hosentaschengeschichte wird aus einem großen Bogen Papier gefaltet und liebevoll einzeln versiegelt. Alle drei Monate erscheinen jeweils sechs von ihnen.

HOSENTASCHENGESCHICHTEN sind Kurzgeschichten – sozusagen Romane für unterwegs. Ein kleines Stück Literatur, das den Leser für eine gute halbe Stunde in eine andere Welt entführt – romantische, süße, gruselige, abartige oder spannende Unterhaltung für unterwegs. Sie versüßen Zugfahrten, Wartezeiten und Kaffeepausen. Sie lauern an Orten, zu denen Bücher bis heute nicht vorgedrungen sind und haben keine Scheu, den Leser dort zu überfallen.

HOSENTASCHENGESCHICHTEN gibt es nur auf Papier.
Sie sind völlig analog und flimmerfrei.

HOSENTASCHENGESCHICHTEN sind klein, bunt und kosten weniger als ein Latte Macchiato. Sie wecken die Neugier des bummelnden Stöberers, die Kauflust des Novitätenjägers und den Selbstbelohnungstrieb des großen Mädchens. Und sie sind ein charmantes Geschenk, eine kleine Aufmerksamkeit, für die es keines Anlasses bedarf. Sie kommen in einem eigenen Aufsteller daher, der wenig Platz einnimmt und doch neugierige Blicke auf sich zieht. Bei der Textauswahl stehen sowohl literarische Qualität als auch Unterhaltsamkeit im Vordergrund.

HOSENTASCHENGESCHICHTEN werden von bekannten Autoren, aber auch von jungen Talenten verfasst. Damit locken sie zum einen die Presse an, zum anderen bleiben sie immer wandlungsfähig und überraschend.“

Quelle

Eine interessante Sache, wie ich finde, sowohl für Autoren als auch für Leser. Ich jedenfalls werde mich bemühen, demnächst mal in unbekannten Hosentaschen zu landen. Ist bestimmt gemütlich.