Pseudo-Ich, Pseudo-Du, Pseudo-Er, Pseudo-Sie

Vor einigen Tagen bin ich beim Stöbern mal wieder auf der Seite von Julia Kröhn gelandet. Und promt war ich von schreibenden Kolleginnen umzingelt. Neben Julia tummeln sich dort auch Leah Cohn, Carla Federico und Katharina Till. Während Julia Mittelalterromane schreibt, widmet sich Leah der Fantasy, Carla schreibt über deutsche Auswanderer in Chile und Katharina hat einen Kunstkrimi verfasst.

Natürlich sind alle vier in Wirklichkeit eine Person, nämlich Julia Kröhn, die ganz offiziell und ohne Versteckspiel zusätzlich unter drei Pseudonymen veröffentlicht. Und möglicherweise werden es mit der Zeit noch mehr werden.

Ist das nicht etwas seltsam? Wozu der Aufwand, sich ein Pseudonym zuzulegen, wenn man dann doch jedem erzählt, wer in Wirklichkeit dahintersteckt? Und dann gleich mehrere! Und Julia ist ja bei weitem nicht die einzige Autorin, die so verfährt.

Die Frage, ob man sich besser ein Pseudonym zulegen oder doch lieber unter seinem wahren Namen schreiben sollte, geistert auch immer wieder durch Autorenforen. Dabei sieht mancher dein einzigen Sinn in einem Pseudonym, seine wahre Identität vor was oder wem auch immer zu schützen. Tatsächlich dürfte das der Ursprung des Pseudonyms sein.

Andererseits dürfte die Bedeutung des Pseudonyms als Identitätsschutz längst nicht mehr der häufigste Grund für die Wahl eines Pseudonyms sein. Denn es gibt viele verschiedene Gründe, sich ein Pseudonym zuzulegen, einige davon werden z.B. bei Wikipedia genannt.

Allerdings fehlt dort ein Grund, der sicherlich inzwischen zu den häufigsten gehört, zu einem Pseudonym zu greifen: der Leser.

Wie ist das zu verstehen? Gerade Experten im Literaturbetrieb weisen Autoren immer wieder darauf hin, dass Vielseitigkeit, so positiv sie für die handwerkliche Entwicklung des Autors sein mag, marktstrategisch durchaus von Nachteil sein kann. Leser greifen gern immer wieder zu den Büchern ihrer Lieblingsautoren. Damit wird der Autor zur Marke. Was draußen draufsteht, möchte sich doch bitte innen wiederfinden.

Ein Leser oder eine Leserin, der / die sich in Julia Kröhns Historische Romane verliebt hat und sich hoffnungsfroh auf „Der Kuss des Morgenlichts“ stürzen  würde, wäre vielleicht enttäuscht, weil er / sie Fantasy so gar nicht mag. Daher steht auf Julias Fantasyromanen Leah Cohn als Autorenname.

Autoren, die sich wie Julia nicht auf ein oder wenige nah verwandte Genres spezialisieren wollen, nutzen also, nicht selten auf Anraten von Verlag oder Agenten, Pseudonyme. Dabei geht es nicht so sehr um reine Genreschubladen, sondern eher um die Leser- Zielgruppe.

Stellen wir uns die gutgläubige Oma vor, die für ihre Enkelkind das neueste Werk von Kinderbuchautor A kaufen will und versehentlich zu dessen neuem Horrorthriller greift. So extrem muss es gar nicht kommen. Autor B schreibt erfolgreich spannungsreiche Krimis, die den Leser fesseln, ohne ihn intellektuell allzu sehr zu fordern. Unterhaltung ist sein Metier. Denkste! Denn die Leidenschaft von B sind hochkomplizierte und kritische Wirtschaftsthriller, bei denen der Leser jeden Satz zweimal lesen muss. Autor C schreibt eine Romanreihe mit immer derselben Protagonistin. Damit es ihm nicht eines Tages so geht wie Paul Sheldon in „Misery“ legt er sich für Bücher außerhalb der Reihe ein Pseudonym zu.

Und so hat auch Ben Philipp das Licht der Welt erblickt. Anfangs eigentlich nur, um sich als Texter und Auftragsschreiber von Philipp Bobrowski abzusetzen, später mit dem Hang sich als Autor von Spannung und Unterhaltung zu etablieren. Und jüngst hat sich eher aus einer Laune heraus BennoP hinzugesellt, der sich seitdem vorerst nur im Internet an etwas seltsamen literarischen Kurztexten versucht (und nebenbei ganz gerne fotografiert).

Leserunde mit Wiebke Lorenz

Auf www.herzgedanke.de sind Leserunden alles andere als eine Seltenheit. Dennoch ist diese für die schöne Literaturseite  etwas Besonderes. Nach mehreren Historischen Romanen soll nun wieder mal ein anderes Genre gelesen und diskutiert werden.

Für Juli ist eine Leserunde mit der Autorin Wiebke Lorenz und ihrem Buch „Allerliebste Schwester“ geplant. Am prominentesten ist sie sicher unter dem Pseudonym Anne Hertz, unter dem sie gemeinsam mit ihrer Schwester Frauke Scheunemann fröhliche Frauenromane schreibt.

Anmelden kann man sich für die Leserunde bereits jetzt auf dem Literaturnotiz-Blog.

Versuchs doch mal trivial

Den wenigsten Schreibern wird beim Träumen von einer erfolgreichen Autorenkarriere dieser Weg überhaupt in den Sinn kommen. Dabei ist er nicht nur auf seine Art sehr erfolgversprechend, sondern der Bedarf an neuen Autoren ist sogar enorm hoch.

Die Rede ist vom Heftroman. Ja genau, von jenen Liebesromanheftchen, die man im Zeitschriftenhandel findet. Ich gebe zu, mir ist durchaus bewusst, dass die meisten jetzt sicher sofort die Nase rümpfen.

Aber stellen wir uns einmal vor, gerade du würdest jetzt denken: „Mensch, warum bin ich da nicht früher draufgekommen? Die Zeit hätte ich, das Geld bitter nötig!“ Also setzt du dich sofort an deinen Rechner, tippst einhundert romantische Seiten in das Teil rein und schickst sie an Cora. Wenn sie doch so dringend Autoren suchen, werden sie dich bestimmt mir Kusshand nehmen.

Nicht enttäuscht sein, wenn mehr oder weniger schnell die Ablehnung ins Haus flattert. Es ist nämlich schwieriger, einen Heftroman zu schreiben, als man gemeinhin denken mag. Sei es, dass man am Handwerklichen scheitert, sei es, dass man an der Zielgruppe oder den Genrevorgaben (oder beidem) vorbeischreibt, sei es, dass man kein ordentliches Exposé hinbekommt.

Wer es aber schafft, wird viel zu tun bekommen. Zwei bis vier Romane im Monat sind keine Seltenheit. Natürlich unter Pseudonym. Und meist ohne viel Aufsehen zu erregen. Dafür aber mit einem regelmäßigen Einkommen bei hohen Auflagen, das einen als Schreiber unabhängig von weiteren Einkünften macht.

Wer jetzt tatsächlich darüber nachdenkt, ob das nicht ein Weg sein könnte, dem bietet nun der Autorenhaus-Verlag den Ratgeber „Heftromane schreiben & veröffentlichen“ von Anna Basener, die sich ihr Studium mit dem Schreiben von Heftromanen finanziert hat und inzwischen in der „Heftromanredaktion des größten deutschen Heftromanverlags in Köln“ arbeitet.

Aber auch für diejenigen, die noch unschlüssig sind oder die gar nicht in Erwägung ziehen, einen derartigen Weg zu gehen, könnte es zumindest interessant sein, in den Fürstenroman der Autorin hineinzuschnuppern, der als kostenloses 92-seitiges PDF vorliegt.

Charlotte Thomas im Interview

Eigentlich heißt sie Eva Völler und schreibt heitere Frauenliteratur. Und es ist fraglich, ob es ihr selbst gelingen würde, alle Romane aufzuzählen, die unter diesem Namen veröffentlicht wurden, ohne nicht mindestens einen zu vergessen.

Dabei sind die Krimis und Thriller von Anne Sievers, die Historischen und Romantic Thriller von Francesca Santini, die heitere Reiseliteratur von Sybille Keller und die Bücher von Paula Renzi noch gar nicht aufgezählt. Denn auch diese Pseudonyme gehören zu der Bestsellerautorin.

Ganz zu schweigen von Charlotte Thomas, die allen Freunden der dicken Wälzer aus dem Genre der Historischen Romane ein Begriff sein dürfte.

Diesen und allen anderen kann ich nur empfehlen, sich das Interview auf dem Literaturnotiz-Blog nicht entgehen zu lassen, das Ricarda Ohligschläger mit der Autorin über ihr Schreiben, über Venedig und ihren aktuellen Roman „Der König der Komödianten“ geführt hat.

Der König der Komödianten

Berger und Berger

Berta Berger: Der Augenschneider
Berta Berger: Der Augenschneider

Im August 2010 erscheint ihr Thriller bei Piper. Valentina Berger hat es geschafft! Nach zehn Jahren fleißiger Schreibarbeit bekam sie gleich eine Zweibuch-Vertrag für Thriller, die vermutlich das Zeug zum Bestseller haben.

Hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Geschichtenweberin Berta Berger, die nach dem Märchenbuch „Die Prinzessin, die von der Liebe nichts wissen wollte“ 2008 und dem Kinderbuch „Kunigund Kugelrund“ in diesem Jahr (beide im Autumnus Verlag) nun also auch im Erwachsenen-Bereich beim großen Publikumsverlag debütiert.

In der Programmvorschau von Piper und seit Kurzem auch auf der Webseite des Verlags wird der Psychothriller „Der Augenschneider“ breits angekündigt. Selbst der Verlagstext hält schon, was der Titel verspricht:

Ich brauche dein Augenlicht.

Er schneidet ihnen bei lebendigem Leib die Augen heraus: jungen, schönen Frauen. Denn er braucht ihr Augenlicht…

Heinz Martin, Gerichtsmediziner in Wien, ist einem Serienkiller auf der Spur. Zwei Frauen hat er schon gefoltert und grausam verstümmelt. Beide Opfer waren attraktiv, schlank und hochgewachsen. Dann verschwindet auch Martins bildschöne Schwester spurlos, und kurz darauf schickt ihm der Killer eine Nachricht, die keinen Zweifel daran lässt, was er mit ihr vorhat …

Eva Maria Nielson hat nun zwei Interviews mit der Wienerin geführt, die ihr unter folgendne Links findet:

Im Gespräch mit der Autorin Berta Berger

Interview mit der Autorin Berta Berger

Hier geht es zur Webseite der Autorin.

Die Prinzessin, die
von der Liebe
nichts wissen wollte

Harte Woche

Das alljährliche Jubiläum des Studentenkellers hat mir eine erwartungsgemäß harte Woche beschert, in der ich verhältnismäßig wenig zum Schreiben gekommen bin. Allerdings ist eben alles relativ, denn im Vergleich zu den vergangenen Jahren bin ich doch ziemlich gut vorangekommen.

Was den Krimi betrifft, hatte ich ein paar gute Ideen zu meinen Figuren, habe ein bisschen weitergeschrieben, ein bisschen den Plot verfeinert und ein bisschen überarbeitet.

Ansonsten kam letzte Woche das Märchenbuch „Zauberhafte Herzen“ vom Sperling-Verlag und eine Absage für das Rostock-Stipendium.

Die neue Woche begann mit der freudigen Botschaft, dass der Debütroman meines Pseudonyms Ben Philipp, „Die Magiera“, seit heute bestellbar ist (mehr dazu). Das motiviert doch und hilft über die kleine (ebenso erwartungsgemäße) Erkältung.

Keine Zeit zu feiern

Dennoch wenigstens einmal tief durchatmen. Das Rohmanuskript meines aktuellen Romans (Pseudonym Ben Philipp) ist fertig. Bis zum 16.09. hab ich noch Zeit für die Überarbeitung, dann geht es ins Lektorat.
Und dann wartet ein Krimi darauf, geschrieben zu werden.

Rückblende: Freitag

In drei kleinen Artikeln will ich das Montsegur-Autorentreffen dieses Jahres Revue passieren lassn, das vom 28. bis 30. August im Parkhotel am Taunus in Oberursel stattfand und Anlass und Auftakt meiner kleinen Urlaubsreise war.

Wie jedes Jahr gab es auch diesmal wieder einen grandiosen Beginn: den großen Leseabend am Freitag. Und wie schon im letzten Jahr musste ich mich aus anreisetechnischen Gründen leicht verspätet in den großen Saal hineinschleichen.

So habe ich leider die allseits hochgelobte Lesung von Titus Müller verpasst, der aus seinem Roman „Das Mysterium“ gelesen hat. Und ich musste hoffen, das André Wiesler, der gerade aus seinem phantastischen Roman „Wolfsfluch“ las, sich von meinem verspäteten Eindringen nicht allzu sehr gestört fühlte. Jedenfalls hat er sich hinterher nicht bei mir beschwert, was wahrscheinlich seinem nachsichtigem Wesen anzurechnen war.

Der Zuschauerraum war voll und von der gekonnten Performance von André sichtlich angetan. Auch mir gelang es kaum einmal, den Blick abzuwenden und durch die Publikumsreihen wandern zu lassen, um erste bekannte Gesichter auszumachen. Iny und Elmar Lorentz saßen da und begrüßten mich mit einem stillen Winker. Direkt hinter ihnen entdeckte ich Susanne Ruitenberg, zwei Reihen vor ihnen wenig später Ursula Poznanski.
So mischte sich unter das Vergnügen, dem Lesenden zuzuhören, bereits die Vorfreude auf ein vielfaches Wiedersehen mit lieben Montsegurkollegen.

André reichte das Mikrofon weiter an Eva Völler, die an diesem Abend unter einem ihrer vielen erfolgreichen Pseudonymen auftrat und als Charlotte Thomas aus ihrem Historischen Roman „Die Liebenden von San Marco“ las, der im Venedig von 1510 spielt.

Die anschließende Pause nutzte ich, um weiteren Bekannten die Hände zu schütteln. Mehr als achtzig Autoren waren angereist, darunter auch viele neue Gesichter und solche, die einem in Erinnerung riefen, dass schon das Wochenende im letzten Jahr nicht ausgereicht hatte, jeden persönlich kennenzulernen.

Besonders erfreulich, auch ein paar Geschichtenweber wiederzutreffen. Melanie Metzenthin  und Claudia Hornung zum Beispiel. Auch Barbara Peters wiederzusehen war eine große Freude, kannte ich die Hamburger Kinderbuch-Autorin doch schon von diversen Lesebühnen in Rostock.

Nach der Pause dann waren alle gespannt auf Sebastian Fitzek, der die Lesung aus seinem Thriller „Splitter“ mit allerhand anekdötelnden Splittern aus seinem Leben (und dem seiner Freunde) garnierte und so ein rundum schmackhaftes Mahl mit mehr als einer Prise Witz servierte.

Den Schluss der „Leserunde“ bildete Katerina Timm mit der Lesung aus ihrem zweiten Roman „Hexenschwester“, der Endes September in die Buchhandlungen kommen soll.

Ein rundum gelungener Abend also, der seinen Ausklang im gemütlichen Beisammensein in der Hotelbar fand, wo ich die Begrüßungen fortführen und vertiefen konnte und meinem Laster folgend schließlich im Kreis der qualmenden Autoren endete.

Zurück

Melde mich zurück aus fernen, aber nicht fremden Gefilden.
Das Autorentreffen war klasse, dazu werde ich mich noch äußern.
Bei meiner Oma (jetzt ist es raus) habe ich fleißig weitergearbeitet, ohne die enkelnden Verpflichtungen zu vernachlässigen und bei der Freundin wurde ich nach allen Regeln der Kunst verwöhnt und von der Muse geküsst, sodass mein Pseudonym kein schlechtes Gewissen haben muss, denn es liegt weiterhin hervorragend im Plan!!!