Zurück zu Prosanova

Ich
Ich

Viele Jahre ist es nun her: Am 23. April 2004 hatte ich meine erste Begegnung mit Prosanova. Die Auftaktveranstaltung dieser neuen Reihe, erfunden und am Leben gehalten von Katinka Friese und Katharina Leppin, fand noch im Rostocker Momo statt.

Eine junge Lesebühne, die eine Literaturshow werden sollte. Erfolgreich lockte sie hunderte von Prosa- und Lyrikfreunden in den großen Saal, die auch damals schon von Stephan Langhans unkonventionell durch das Programm geführt wurden.
Mancher Prosanaut der ersten Stunde machte von da an regelmäßig Station bei Prosanova, um halbjährlich seine neuen Textkreationen am Publikum zu testen. Allen voran Jens Lippert, Fabian Lambeck und später auch Marcel Hintze.

Stephan Langhans
Stephan Langhans

Auch ich durfte mich von vol. 1 – 4 zu den Stammliteraten zählen. Nun also, zum 10. Jubiläum, bin ich zu den Rostocker Wortfestspielen zurückgekehrt.

Ein rundes Jubiläum, vor allem aber eine runde Sache, dieser Abend des 9. April. Längst ist Prosanova umgezogen, findet nun im Rostocker M.A.U.-Club statt. Ein bisschen kleiner, aber auch kultiger. Und zum Wiedersehen irgendwie sehr familiär.

Hinter der Bühne zumindest, denn davor hatte doch eine wahre Großfamilie von über 100 Zuschauern Platz genommen. Bevor ich die zu Gesicht bekam, freute ich mich aber erst einmal Backstage alte Bekannte wiederzutreffen und in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu graben. Schön zu sehen, dass eine erfahrene Organisationsexpertin wie Katinka auch beim 10. Prosanova noch die Aufregung packt.

Henrik Lauber
Henrik Lauber

Im Programm fand mein Vortrag einen schwierigen Platz: Gleich nach eingespielten und sehr bewegenden Bild- und Tondokumenten des kürzlich verstorbenen Klavki eröffnete ich den Live-Teil und versuchte mit meinem Text „Wen die Götter lieben“ einen würdigen Übergang zu schaffen.

Unterstützt vom moderierenden Stephan Langhans übergab ich dann den Stab an den Neuling auf der Prosanova-Bühne: Der Schüler Peter Thiers, ausgewählt in einer Aktion zur Prosanauten-Nachwuchsförderung, gewann das Publikum mit einem humorvollen Wochentagebuch und dem satirischen Beweis, dass Statistiken die besseren Argumente sind, für sich. Nicht nur lustig, sondern auch lehrreich, erfuhr man doch so, dass nur die wenigsten Frauen mit ihrem Arsch zufrieden sind. Und gern mit ihm verheiratet bleiben!

Henrik Lauber präsentierte in wohlbekanntem, aber deutlich gereiftem Stil seine pointierten Reime, die die Fröhlichkeit seiner Zuhörer auf hohem Niveau hielten und von Erste-Hilfe-Kästen über Freundschaftsbänder bis hin zu gleichermaßen sexwilligen wie -muffligen Faultieren einige Überraschungen verdichteten.

Fiete und Schiete
Fiete und Schiete

Im Anschluss wurde es zum ersten Mal musikalisch. Toby Tigerfood begleitete seine nur scheinbar naiven Liedtexte mit der Gitarre. Trotz seiner Aufregung hefteten sie sich in die Köpfe der Zuhörer, denen die Tiefe zwischen „Raff, raff, raff!“, „Deutschland fickt den Superstar“ und „Tralalala“ nicht entging.

Nach der Pause überzeugten Fiete und Schiete wie gewohnt spontan zum Thema Literatur in Mecklenburg. In einem Land, dessen Bewohner über einen Wortschatz verfügten, der sich im Wesentlichen auf verschiedene Formen des „Mhm“ beschränke, sei es wohl schwer, Romane zu füllen.
Die Aktualität der Schweinegrippe veranlasste sie schließlich zu einer lyrischen Zukunftsvision, die dem letzten Eisbein gewidmet war.

Jens Lippert
Jens Lippert

Gar vom Virus der Schweinepriestergrippe sangen danach die Rostocker Schreimöwen unter Anleitung von Stephan Langhans. Besonders beeindruckend die unter Gesichtsmasken versteckten Hitlerbärtchen zum Refrain: „Oink, oink!“

Obwohl einer der absoluten Stammleser bei Prosanova, zeigte Jens Lippert wieder sein übliches Lampenfieber bei seinem Auftritt. Er kramte in einem alten Tagebuch und förderte, verbunden durch kurzweilige Zwischentexte, allerlei gekonnt Poetisches hervor.

Marcel Hintze
Marcel Hintze

Die Zwischentexte sind wohl auch eine der Hauptattraktionen des gar nicht mehr so heimlichen Starprosanauten Marcel Hintze. Vor und nach seinen natürlich nicht weniger interessanten Songs zur Gitarre gab es (hinter-) sinnige Anekdoten und gewagte Überleitungen („Und so heißt auch das nächste Lied“), die manchen Humorartisten neidisch machen dürften. Mitgebracht hatte er diesmal eine rückblickende Mischung aus bereits prosaunten Hits und noch unvorgetragenen.

Den entspannenden Abschluss bildete schließlich die Feuershow Arne Feuerschlunds, der schon in der Vorshow seiner Show die eigenen Weltrekorde purzeln ließ.

Arne Feuerschlund
Arne Feuerschlund

Man kann sagen, es geht den Prosanauten wie ihrer Lesebühne: Sie sind älter geworden, was sie (und ihre Texte) reifer gemacht hat.
So war es eine rundum gelungene Literaturshow. Darin waren sich alle einig.
Ich bin gern zurückgekehrt und kehre gerne wieder.

www.prosanova.de

Prosanova: Die Literaturshow

PROSANOVA Vol. 10

Sa, 09.05.2009 um 20 Uhr im M.A.U. Club

DIE LITERATURSHOW IN ROSTOCK

Die Literaturshow verspricht zum Jubiläum einen Abend mit Poeten, Singern & Songwritern, DJs und Feuerkünstlern

Marcel Hintze
Marcel Hintze

Zum Jubiläum lassen die PROSANAUTEN in die Tiefen des poetischen Weltalls blicken und präsentieren ihre druckfrischen Texte. Neben dem bühnenerfahrenen Soziologen MARCEL HINTZE (mit seiner Gitarre) wagt sich diesmal auch ein Nachwuchs-Prosanaut in die unendliche Galaxie der Dichtkunst: PETER THIERS, entdeckt über die Talentsuche in den Rostocker Oberstufen. Das Publikum darf weiter gespannt sein auf die satirisch-melancholischen Texte der Autoren HENRIK LAUBER, PHILIPP BOBROWSKI und JENS LIPPERT. Traditionell, doch nicht konventionell führt der Berliner Entertainer STEPHAN LANGHANS als Moderator und Liedermacher durch den Abend.

Stephan Langhans
Stephan Langhans

Zum Jubiläum kündigen sich noch viele weitere Ehrengäste an. Es gratulieren zum 10. Mal Prosanova: das Kabarett-Duo FIETE & SCHIETE, der Musiker TOBY TIGERFOOT (Planet ohne F), der Spontan-Chor DIE ROSTOCKER SCHREIMÖWEN und der Feuerkünstler ARNE FEUERSCHLUND.

Die Weltversteher „Fiete & Schiete“ wandeln auf den Spuren unserer großen Norddeutschen Dichter und versetzen die Lachmuskeln der Weltraumtouristen in Vibration. Toby Tigerfoot (auch bekannt als Sänger und Schlagzeuger der Rostocker Band „Planet ohne F“) wird seine Ohrwürmer wie ein begnadeter Singer & Songwriter an das Publikum weitergeben. Und auch diesmal unterhält der Spontan-Chor „Die Rostocker Schreimöwen“ unter Einsatz seines gesamten Stimmvolumens das Publikum mit einer nach Weltruhm schreienden Hit-Single.

Im Anschluss läutet die Feuershow mit Arne Feuerschlund den ersten „Klub der jungen Mütter“ mit DJ Indie-Papst und Mischka McLovin (LOHRO TanzTee vs. LOHRO Salon) ein. Zu älterer und neuer Beatmusik darf getanzt und das Prosanova-Jubiläum und die Junge-Mütter-Premiere gefeiert werden.

Termin: Samstag, 9. Mai 2009
Einlass: 19.00 UhrBeginn: 20.00 Uhr
Ort: MAU-Club Rostock, Warnowufer 56, 18057 Rostock
Eintritt: 5,00 €

Eine Veranstaltung des Literaturhauses Rostock in Kooperation mit dem MAU-Club Rostock.

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