Schreibtisch voll

Regine Kölpin (Hg.): Muscheln Möwen, Morde
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

Im Moment stecke ich in einer Phase, in der ich vor allem als Lektor ziemlich gut beschäftigt bin. Eine Tatsache, die sich – und das ist höchst erfreulich – wohl auch so schnell nicht ändern wird.

Es zeichnet sich außerdem ab, dass auch mein Pseudonym Ben Philipp neuen Aufgaben entgegensieht.

Da bleibt wenig Luft für mein aktuelles Projekt. Ich habe mir dennoch vorgenommen, täglich wenigstens einen kleinen Fortschritt zu erzielen. Schließlich befindet es sich in der Endphase.

Sehr gespannt bin ich auf die von Regine Kölpin herausgegebene Krimianthologie „Muscheln, Möwen, Morde – Eine kriminelle Reise vom Darß bis Fehmarn„, die im September bei KBV erscheinen wird und in der ich mit der Geschichte „Fingerübung“ vertreten bin. Heute kann ich euch schon einmal das Cover zeigen:

Regine Kölpin (Hg.): Muscheln Möwen, Morde

Zwischenphase

Zwar bin ich bereits seit Montagabend wieder zu Hause, doch nur ganz langsam komme ich wieder in den Arbeitsalltag hinein. Denn obwohl ich mir Arbeit für unterwegs mitgenommen hatte, bleibt ja doch immer etwas liegen, was es nachzuholen gilt. Auch muss man sich auf den durchstrukturierten Tagesablauf erst wieder einstellen.

Die Aussicht, dass schon kommende Woche Donnerstag mit der Fahrt zur Buchmesse alles wieder über den Haufen geworfen wird, macht das nicht gerade leichter. Ich freue mich jedes Jahr auf diese beiden Termine, weiß also lange vorher, was auf mich zukommt. Trotzdem ist diese Zwischenphase stets beunruhigend und unbefriedigend.

PB-Plotten: 21-23 – Überarbeitung

Den letzten Schritt in der Manuskripterstellung stellt die Überarbeitungsphase dar. Wie viele Durchgänge man dafür benötigt, ist vom Autor, aber auch vom Text abhängig. In meinem Modell sind es drei Arbeitsgänge, was aber nur als Orientierung gelten soll.

Es mag Autoren geben, die schon nach zwei Überarbeitungsschritten ein verlagsreifes Manuskript erreichen, andere müssen sich dagegen deutlich mehr Zeit nehmen.

Wer sein Manuskript von Testlesern, sogenannten Betalesern, gegenlesen lässt, wird vor und nach deren Zuarbeit mehrere Überarbeitungsdurchgänge durchführen. Und natürlich wird mindestens ein weiterer Duchgang fällig, wenn das Manuskript mit den Anmerkungen des Lektorats zurückkommt.

Es gibt durchaus die Meinung, dass die Hauptarbeit des Autors erst mit der Überarbeitung beginnt. Manche Autoren nehmen sich mehr Zeit für die Überarbeitung als für den vorhergehenden Schreibprozess.

In jedem Fall steckt in der Überarbeitung weit mehr, als manch angehender Autor offenbar darin vermutet. Denn die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik macht dabei den kleinsten Teil aus.

Wer nicht stets einen Rundumschlag startet und alles, was ihm auffällt, sofort korrigiert, dem würde ich empfehlen, sich die Korrekturen für den Schluss aufzuheben. Schließlich ist es wenig sinnvoll, einen Abschnitt komplett zu korrigieren, der letztlich doch noch stark abgeändert oder gar ganz gestrichen wird.

Eine Überarbeitungsreihenfolge, die zu meinem Modell passt, könnte etwa sein:

  1. Änderungen, die das Gesamtkonzept betreffen oder die sich durch die Abschlussrecherchen ergeben haben, dazu eine gründliche Prüfung auf innere logische Zusammenhänge und Schlüssigkeit. Dabei auch ein besonderes Augenmerk auf stimmige Figuren und eine stimmige Figurenentwicklung, die Entwicklung des Konflikts und die (hoffentlich) bewiesene Prämisse legen. Am Ende dieses Durchgangs sollten alle inhaltlichen Streichungen und Änderungen bezüglich des Plots abgeschlossen sein.
  2. Stilanalyse! Jetzt werden die Formulierungen abgeklopft, Wiederholungen, sofern sie keine Funktion erfüllen und sich sinnvoll (!!!) vermeiden lassen, umschifft, man sucht nach Stilbrüchen und Unsauberkeiten im Ausdruck. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Dialoge, die man schleifen muss. Sie lassen sich fast immer bei der Überarbeitung noch verbessern. Wo es dem Werk angemessen ist, wird auf eine bildhafte Sprache geachtet (Metaphern, Vergleiche, Wortschöpfungen, …). Am Ende dieses Durchgangs sollte  das Manuskript stilistisch nach bestem Wissen und Gewissen in Topform sein.
  3. Prüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik (die Korrekturprogramme inkl. Dudenkorrektor können hier immer nur Teilarbeit leisten, sind niemals ausreichend).

Damit ist die Reihe PB-Plotten zu ihrem Ende gelangt. Ich hoffe, sie war ein bisschen hilfreich.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 2: Arbeitspitch

„Das Futter geht aus“ ist eine Art James Bond im Zootierreich. Leo Schnee, der Agent unter den Schneeleoparden des Rostocker Zoos, muss die Pläne des fiesen King Löw im Kampf um die Futterreserven vereiteln.

Unter den Schreibern sorgen die Begriffe Pitch, Log Line und Prämisse immer wieder für Verwirrung. Mal werden alle in einen Topf geworfen und möglicherweise noch mit weiteren vermischt, mal versucht man sie sauber zu trennen, obendrein definiert sie beinahe jeder ein bisschen anders.

Klar ist, dass alle drei Begriffe eine radikale Zusammenfassung dessen darstellen, was im Roman (oder dem Drehbuch/Film) passiert. Es würde zu weit und vom eigentlichen Thema wegführen, wollte ich nun jedem Begriff die möglichen Definitionen zukommen lassen, daher will ich versuchen, möglichst praktisch zu bleiben, denn schließlich geht es ja darum, dass sie uns beim Plotten helfen sollen.

Deshalb vergessen wir die Log Line einfach wieder. Wir fassen sie einfach als eine Unterart des Pitches auf, denn sie erfüllt dieselbe Funktion. Wir unterscheiden also nur zwischen Prämisse und Pitch.

Die wichtigste Unterscheidung ist dabei die, dass der Pitch ein Verkaufsargument, die Prämisse ein Werkzeug zur Schreibarbeit des Autors ist. Damit legen wir nun auch die Prämisse beiseite, bis sie in unserer Liste an der Reihe ist, und konzentrieren uns ganz auf den Pitch.

Der Pitch dient also dem Verkauf. Verkauft werden soll entweder ein Manuskript an einen Verlag oder eine Agentur oder aber das fertige Buch an den Leser. Der Pitch vereint dementsprechend Inhaltsangabe und Werbung.

Dabei soll auf das Manuskript oder das Buch mit wenigen Sätzen (ca. 1-3) neugierig gemacht werden. So wie das in dem Beispiel, das ich vorangestellt habe, geschieht.

Häufig nutzt man der Effiziens wegen beim Pitchen den Vergleich mit Bekanntem, in meinem Beispiel etwa mit James Bond. Wir kennen das von vielen Klappentexten, auf denen wir lesen, der Fantasyroman sei ein moderner „Herr der Ringe“, die Heldin des Kinderbuchs eine Pippi Langstrumpf in der Großstadt oder der Detektiv ein Sherlock Holmes des Computerzeitalters.

Der Vergleich ist aber nur eine Möglichkeit, denn im Prinzip geht es einfach darum, die Frage „Worum geht’s?“ so knapp wie möglich zu beantworten. Das ist die nüchterne Basis, die dann appetitlich angerichtet wird.

Wer dabei sehr genau vorgehen will, versucht in seinem Pitch die 6 Ws zu beantworten: wer, was, wann, wo, wie und warum. Nicht immer ist allerdings das Wann, Wo und Wie für die Vorstellung der Geschichte wirklich so bedeutend. Bliebe folgendes übrig: Wer macht was und warum?

Auch müssen die Fragen nun nicht stoisch beantwortet werden, wie ja  unser Beispiel zeigt, in dem es schließlich auch heißen könnte: Leo Schnee bekämpft King Löw, weil der die Futterreserven an sich bringen will.

Alternativ kann man sich auch folgende Fragen stellen:

  1. Wer ist die Hauptfigur?
  2. Welches Ziel verfolgt sie?
  3. Wer oder was steht ihr dabei im Weg?
  4. Was macht diese Geschichte zu etwas Besonderem?

 

In diesem Fall zielen die ersten drei Fragen deutlicher auf den Hauptkonflikt, die vierte sucht nach dem, was neugierig macht, im Idealfall nach dem Alleinstellungsmerkmal. Unser Beispiel beantwortet auch diese Fragen:

  1. Leo Schnee.
  2. Die Zootiere vor King Löws Terrorplänen zu schützen.
  3. King Löw
  4. Es ist eine Agentengeschichte á la James Bond mit tierischen Protagonisten.

Wir sehen nun, dass das Beispiel auch das Genre verrät (in diesem Fall durch den Vergleich mit James Bond). Das ist zwar keine Pflicht, aber es beitet sich in der Regel an.

Gerade als Appetitmacher ist die Frage 4 enorm wichtig, denn der Pitch soll ja Interesse wecken. Würde unser Pitch lediglich von einem Agenten erzählen, der die Welt vor einem Bösewicht retten will, wäre da noch nicht viel Interessantes dabei. Erst das Setting im Zoo und die Tiere als Figuren machen das Besondere aus.

Gleiches gilt auch für den Vergleich. „‚Das Futter geht aus‘ ist eine Art James Bond“, macht noch nicht viel her.

Nun dürften sich die meisten fragen, was denn jetzt eigentlich dieses Werbeinstrument Pitch in der Planungsphase, auch noch ganz am Anfang dieser zu suchen hat. Er soll hier eben nicht Verkaufs-, sondern Arbeitspitch sein.

Als solcher erfüllt er im Wesentlichen zwei Funktionen:

  1. Am Anfang der Planungsphase soll er den Autor zwingen, sich bewusst mit der Essenz seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Der Autor soll sich selbst die Frage stellen, worum es geht. Wer das, speziell bei seinem eigenen Werk, schon einmal versucht hat, wird wissen, dass das schwieriger ist, als man annehmen möchte. Mit dem Arbeitspitch legt man die wichtigten Eckpunkte fest, eben mindestens wer, was und warum. Und ganz gewiss nicht zuletzt prüft man damit schon ein allererstes Mal, ob man überhaupt eine interessante, eine besondere Geschichte erzählen wird. Denn natürlich ist das Alleinstellungsmerkmal nicht immer so offensichtlich wie in meinem Beispiel.
  2. Im weiteren Verlauf der Planung und im späteren Schreibprozess dient der Pitch als Richtschnur, damit man sich nicht verläuft. Jetzt weiß man, worum es eigentlich geht, und wird immer abgleichen können, ob man auch noch richtig geht oder ob man sich verläuft.

Hat man den Pitch erst einmal, ist es durchaus nicht die schlechteste Idee, ihn ein bisschen bei Verwandten und Freunden auszutesten. Wenn er auch diese neugierig macht, ist man wahrscheinlich auf dem richtigen Weg und kann sich das Ding am besten an den Bildschirm pappen.

Zuletzt will ich noch einmal darauf hinweisen, dass das Pitchen alles andere als eine leichte Angelegenheit ist. Es wird manchem nicht auf Anhieb gelingen und braucht durchaus ein bisschen Übung. Daher noch ein paar kleine Hilfestellungen:

Am schwersten dürfte es den meisten fallen, ihre Geschichte (bzw. die Idee davon) auf wenige bis zu einem einzigen Satz einzudampfen. Man kann sich aber nach und nach dahinarbeiten. Vielleicht kommt man zu Beginn noch auf eine halbe Seite. Die lässt man dann ein, zwei Tage ruhen und nimmt sie als Ausgangsbasis um weiter zu streichen. So lange bis am Ende die Essenz in  ein bis maximal drei Sätzen steht.

Ein guter (und weitverbreiteter) Rat ist, sich vorzustellen, man stünde einem Agenten, Lektor oder Verleger gegenüber und müsse ihn in wenigen Sekunden davon überzeugen, sich das Exposé des Romans anzuschauen. Dann bleibt einem nämlich nur die Möglichkeit, zu pitchen.

Üben kann man das auch in realen Situationen, wenn man zum Beispiel einem Freund auf die Frage, worum es in einem Film oder einem Buch geht, antwortet. Natürlich ebenfalls in aller Kürze.

Beispiele findet man bei den Profis. Oft wird dabei auf Klappentexte verwiesen, allerdings beanspruchen viele davon eben deutlich mehr als ein bis drei Sätze. Dennoch findet man nicht selten einen Einleitungspitch oder einen zusammenfassenden Pitch am Ende des Klappentextes.

Besonders zu empfehlen sind aber Fernsehzeitschriften. Die kurzen (!!!) Texte zu  den Filmen (vorzugsweise zu solchen, die die Zeitschrift als empfehlenswert erachtet) erfüllen in der Regel die Ansprüche an einen guten Pitch zumindest teilweise. Beispiele gefällig (TV Spielfilm 19/10):

„Rennschwein Rudi Rüssel“: Ferkel Rudi stürzt das Leben der Familie Gützkow ins Chaos…

„Abenteuer in Kenia“: Das amerikanische Geschwisterpaar Ted und Susan erleben [sic!] in Afrika tierische Abenteuer mit einem Geparden.

„Barbie und ‚Die drei Musketiere'“: Provinzgöre (Barbie) träumt davon, Musketier am französischen Königshof zu werden…

„Marfouz und die Frauen“: Als der Friseur Marfouz mit einer Braut nach Toulouse zurückkehrt, schwören seine Geliebte Djamila und ihre Freundinnen Rache. – Dieser […] Film schildert satirisch die Konflikte von Einwanderern aus islamischen Ländern.

„Jurassic Park“: Geklonte Dinos laufen auf einer Vergnügungsinsel Amok.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 1: Recherche 0

Warum habe ich den ersten Punkt auf meiner Liste zum Plotten „Recherche 0“ genannt? Weil es sich im engeren Sinne gar nicht oder zumindest nicht nur um Recherche handelt.

Zu diesem Zeitpunkt hat man ein paar Ideen zu seinem Projekt, eine wirklich zielgerichtete Recherche ist oft noch gar nicht möglich.

Stattdessen geht es eher darum, sich erst einmal alle bereits vorhandenen Ideen zu notieren und zu sortieren das Umfeld für die Arbeit am Projekt zu schaffen (z.B. Dateien anzulegen, das Projekt in der Autorensoftware einzurichten oder sich Zettelkästen anzulegen), eventuell einen Zeitplan zu erstellen (vor allem, wenn man eine Deadline hat) usw.

Von nun an gilt für die gesamte Planungsphase, dass man bereits konkretere Ideen nicht zurückhalten sollte. Alles, was man zu Figuren, Szenen, der Handlung oder sonstigem bereits im Kopf hat, wird, falls nicht schon geschehen, notiert und natürlich so abgespeichert, dass man es schnell wiederfindet.

Wo Recherche schon Sinn macht, kann man sie ebenfalls gleich erledigen. Möglicherweise weiß man schon sicher, welche Handlungsorte man bereisen wird, welchen Beruf der Protagonist ausübt oder welche historischen Ereignisse von Bedeutung sind. Vielleicht muss man sich Kartenmaterial besorgen oder selbst erstellen.

Aber man sollte eines beachten: Zwar gilt auf der einen Seite, dass man besser viel zu viel als auch nur ein bisschen zu wenig über das weiß, was im Roman irgendwie eine Rolle spielt, aber wer noch gar nicht genau weiß, wo es hingeht, der recherchiert ins Blaue hinein. Da kann es schnell passieren, dass man sich eher von dem weg bewegt, was man später braucht, als darauf zu.

Wichtig auch: Wo Experten gefragt sind, sollte man sie nicht zu früh zu Rate ziehen! Je weniger man, wenn es soweit ist, über dessen Fachgebiet weiß, je weniger man außerdem darüber weiß, in welcher Form man dieses Wissen für den Roman braucht, desto weniger gezielt kann man Fragen stellen. Man wird sich ärgern, wenn man während des Gesprächs (oder auch erst später) feststellt, dass man mit seinen Fragen bestenfalls an der Oberfläche kratzt, weil man noch zu wenig Einblick hat.

Gerade für diesen ersten Schritt gilt also eher, sich einen Überblick zu verschaffen und sich dem Thema bestenfalls anzunähern.

Zum Abschluss dieses ersten Schritts sollte man all seine bisherigen Ideen und Notizen übersichtlich und griffbereit vorliegen haben.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten: Einführung

Wie letzte Woche angekündigt, starte ich heute eine kleine Serie zum Thema „Plotten“.

Was ist das überhaupt? Beim Plotten plant der Autor die Handlung seines Romans vor. Dabei berücksichtigt er alle Faktoren, die für den Fortgang der Handlung wichtig sind, allen voran die Entwicklung der Konflikte, der Figuren und des Spannungsbogens.

Ob man plottet und wie man es tut, ist natürlich nicht irgendwo in Form eines ehernen Gesetzes niedergeschrieben, denn außer dem Autor selbst, dem es ein Hilfsmittel bei der Arbeit sein soll, interessiert sich niemand dafür. Weder Verlage noch Agenturen verlangen vom Autor, dass er plottet, geschweige denn, dass er entsprechende Unterlagen zufügt. Und die Leser kaufen einfach das fertige Buch, fragen bei einer Lesung eher nach der Idee als nach der Ausarbeitung dieser.

Allerdngs kann das vernichtende Urteil eines Kritikers, Lektors oder Agenten lauten, ein Roman sei nicht gut durchgeplottet. Aber auch dann ist dem Kritiker egal, ob das Plotten vor, während oder nach dem Schreiben versäumt wurde.

Der Autor meint mit dem Plotten allerdings in der Regel die planende Vorarbeit, die vor dem eigentlichen Niederschreiben erfolgt. Plotten als eigenständige und vom Schreiben unabhängige Phase der Manuskriptentwicklung, die den späteren Schreibprozess unterstützen und vereinfachen soll.

Denn natürlich entsteht und entwickelt sich ein Plot auch bei dem Schreiber, der ihn nicht vorher plant. Und nicht immer wird er dann zum rein zufälligen Gebilde. In Abhängigkeit vom Erfahrungsschatz des Autors besteht allerdings die Gefahr.

Damit sind wir bei den Vorteilen des Plottens. Die kann man im Prinzip damit zusammenfassen, dass sich der Autor beim Plotten dazu zwingt, intensiv über seinen Roman nachzudenken, bevor er ihn in die Tastatur klopft. Er zwingt sich, einen roten Faden zu entwickeln und zu befolgen, zu strukturieren, logische Verknüpfungen zu erstellen und die richtigen Figuren für den Plot zu entwickeln bzw. den Plot seinen Figuren entsprechend zu gestalten.

Durchs Plotten schafft sich der Autor eine Übersicht auf das Ganze, auf die er stets zurückgreifen kann. Auch deckt er so frühzeitig Schwachstellen und Probleme auf, die es zu beseitigen oder zu lösen gilt.

Und letztlich ist es in der Regel so, dass Zeit und Aufwand, die man sich in der Planungsphase spart, im Schreib- und Überarbeitungsprozess auf einen zurückfallen.

Es gibt nun Autoren, die tatsächlich mehr Spaß in der Planungsphase haben als beim eigentlichen Schreiben. Allerdings gibt es eben auch die andere Seite der Fahnenstange, jene, die sich aus unterschiedlichen Gründen mit dem Plotten schwertun. Den einen liegt die gründliche Planung an sich nicht, dem anderen nimmt sie die Kreativität beim Schreibprozess.

Manche können eine Geschichte einfach nicht planend entwerfen, sie müssen sozusagen live dabei sein, während sie entsteht. Auch in diesem Fall gibt es Möglichkeiten, sich ein bisschen auszutricksen, indem man das Plotten wie einen Schreibprozess angeht, aber das soll in dieser Serie nicht das Thema sein.

Klar ist, nicht jeder wird das Plotten lieben, es eignet sich auch nicht für jeden und mancher muss sich deswegen gar keine Sorgen machen, weil er seinen roten Faden auch beim Schreiben nicht verliert.

Meiner Erfahrung nach ist es aber besonders für unerfahrene Autoren eine große Hilfe, nicht zuletzt, weil es hilft, die Komplexität eines Romans und der Arbeit daran sichtbar zu machen.

Auf der anderen Seite geht meiner Meinung nach vieles, was durch das Plotten bewusst gemacht wird, mit zunehmender Erfahrung ins Blut (oder besser ins Handwerk) über, sodass der Autor auch ohne viel Vorarbeit im Schreibprozess einen logischen, effizienten und spannungsreichen Plot konstruieren könnte.

Dass dennoch das Plotten unter erfahrenen Autoren wesentlich verbreiteter ist als bei noch unerfahreneren, liegt sicherlich vor allem daran, dass Letzteren die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Plottens oft gar nicht bewusst sind, während es Ersteren zur (ritualisierten) Gewohnheit geworden ist, die Sicherheit gibt.

Wie schon gesagt, einen Masterplan zum richtigen Plotten gibt es nicht. Demnach kann dem auch mein Modell nicht standhalten. Wie generell beim Plotten gilt hier, gerade für die, die sich nicht für die großen Planer halten, Mut zur Lücke.

Das bedeutet einerseits, dass man sich aus den vielen von mir angebotenen Planungsschritten einige wenige heraussuchen kann, mit denen man gut arbeiten kann. Natürlich ist auch jede Form der Abwandlung und Anpassung möglich. Andererseits bedeutet der Mut zur Lücke durchaus auch, sich eventuelle kreative und die (eigene) Spannung fördernde „Löcher“ beim Plotten zu lassen, denen man sich erst im Schreibprozess widmet.

Vielleicht behält man sich beispielsweise die Lösung eines schwerwiegenden Problems noch offen oder schreibt sich einen ganzen Strauß von Lösungsmöglichkeiten in den Plotplan, von denen man die beste erst findet, wenn man schreibend bis zur entsprechenden Stelle vorgedrungen ist.

Generell ist man selbst der Herr (oder die Herrin) darüber, wie detailliert man plant und wie viel man sich für die kreative Schreibphase offen lässt.

Wenn also mein Modell für den einen oder anderen den Eindruck erweckt, es würde das spätere Schreiberlebnis hemmen oder gar unterdrücken, dann ist das eine Täuschung. Es kann je nach Anpassung sowohl demjenigen das enge Korsett bieten, der gern bereits alles geklärt hat, bevor er mit dem Schreiben beginnt, wie es demjenigen den freien Raum lassen kann, der sich am liebsten beim Drauflosschreiben entfaltet.

Beispielsweise kann es durchaus reichen, sich vor dem Schreiben nur mit den ersten Punkten des Modells auseinanderzusetzen, also etwa seine Ideen zu sammeln und sich einmal ganz deutlich zu machen, wohin man mit diesen Ideen will. Aber dazu später mehr.

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