Ein Nachbar für deine(n) Prota

© vishstudio
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Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Party beim Nachbarn

Schreibe deine(n) Prota also in ein Mietshaus. Dort ist gerade ein neuer Nachbar eingezogen, den Prota noch nicht kennt. Doch an diesem Abend macht der Neuankömmling deutlich auf sich aufmerksam. Noch weit nach 22.00 Uhr leidet Prota unter dem Partylärm, der direkt aus der Wohnung gegenüber dröhnt und einen laufenden Presslufthammer in Protas eigener Mietunterkunft zum Nebengeräusch verkümmern lassen würde.

Ausgerechnet heute kommt das Prota besonders ungelegen. Je nachdem, was so seine/ihre Berufung ist, hat Prota noch wichtige Arbeiten zu erledigen, die Konzentration und Ruhe benötigen, oder braucht ausreichend Schlaf für den nächsten Tag. In jedem Fall fühlt er sich durch Nachbars Party empfindlich gestört, wenn nicht gar terrorisiert.

Sollte Prota sich trotz allem letztlich nicht aufraffen können, etwas zu unternehmen, prüfe, ob sich daran etwas ändert, wenn Prota Besuch, vielleicht gar ein Date hat. Möglicherweise will Prota vor dem Besuch nicht als Schwächling erscheinen oder sein/ihr Mut steigt, wenn er/sie sich nicht alleine fühlt. Vielleicht muss Prota auch nur dem Besuch hinterher, um das Schlimmste zu verhindern.

Bleibt Prota trotzdem untätig, dann ist seine/ihre Mission hier beendet und es bleibt zu hoffen, dass Protas eigene Geschichte die richtige für ihn/sie ist.

Party mit dem Nachbarn

Wenn Prota sich aufmacht, den Nachbarn zu bitten, etwas mehr Rücksicht zu nehmen, oder ihm gleich ordentlich die Leviten zu lesen, wird es abenteuerlich. Prota klingelt und es öffnet ein Kerl, der in etwa so aussieht wie der Mann auf obigem Foto. Ja, meine Damen (und Herren), ich habe das Foto zur Inspiration heute extra etwas größer eingebunden. Sollte das noch nicht reichen, hilft ein Klick auf das Bild.

Dummerweise macht der Herr mit dem freien Oberkörper auf Prota alles andere als den Eindruck, es würde ihm wenig ausmachen, seine Party abzubrechen oder wenigstens in stark gedrosselter Lautstärke fortzuführen. Eine echte Bewährungsprobe für Prota!

Wird Prota hart bleiben oder sich herauswinden? Lässt er/sie sich von einem solchen Muskelprotz möglicherweise gar nicht beeindrucken oder wird Prota nahezu handlungsunfähig? Verhält sich Prota in der Situation (todes-) mutig, besonders trickreich, feige, kreativ, …? Und wie wird das Ganze ausgehen?

Anschließend darf sich dein(e) Prota von dieser Tortur gern ein bisschen erholen und sei es in dem ihm/ihr von dir zugedachten Abenteuer. Nächste Woche kannst du ihn/sie dann hier in eine neue Prüfung schicken. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren mit dem Ungeheuer von nebenan zu konfrontieren.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

 

Fenster

Wenn ich manchmal so dasitze und überlege, wie es mit dem nächsten Satz weitergehen soll, dann schaue ich gern ein bisschen aus dem Fenster. Da passiert nicht viel mehr, als dass sich ein paar Bäume im Wind wiegen. Ab und zu verirrt sich ein Vogel in die Nähe. Oder der Nachbar stapft um sein Haus.

Dennoch hilft es oft, für ein paar Minuten abzuschalten und hinauszusehen. Allerdings müsst ich das Fenster mal wieder putzen.

Der / die / das Nächste bis 25.05.10

Essaywettbewerb – der/die/das Nächste bitte?!

Originalausschreibung: http://www.br-online.de/bayern2/nachtstudio/essaywettbewerb-derdiedas-naechste-bitte-ausschreibung-ID1264003233829.xml

und http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2010/01/20/cumulus/BR-online-Publikation-ab-01-2010–28658-20100125143255.pdf

Die Suchmaschine findet: nächster Bäcker – 22.800 Einträge, nächster Vollmond – 39.800, nächstes Länderspiel – 228.000, nächstes Thema – 11.800.000, das nächste Mal – 19.600.000 Einträge. Wer oder was ist der/die/das Nächste bitte?

Im Diskurs über die gegenwärtige Gesellschaft ist oft vom Individuum die Rede. Das – zugespitzt – „unternehmerische Selbst“ ist Ausdruck der Subjektivierung unserer Gesellschaft. Die sozialen Netzwerke im Internet verstärken diesen Prozess. Die mediale Vielfalt schafft Unterhaltung und Kommunikation und gleichzeitig Vereinzelung. Ein Widerspruch?

Wir sind auf der Suche nach der heute gültigen Philosophie der nächsten Dinge. Müssen wir – frei nach Nietzsche – „wieder gute Nachbarn der nächsten Dinge“ werden? Sind Nachbar und Nachbarland tatsächlich näher als die Facebook-Freunde oder die globalisierte Ferne?

Schicken Sie uns Ihren Essay. Über das nächste Jahrzehnt, das nächste Ziel, den nächsten Sommer. Über die Nächstenliebe oder die nächste Liebe.
Oder über der/die/das Nächste bitte!

Abgabe 25. Mai 2010

Eine Jury wählt aus den Einreichungen die drei besten Essays aus.

1. Preis 3000.- Euro*
2. Preis 2000.- Euro*
3. Preis 1000.- Euro*

*Die Vergütung setzt sich aus den Sendehonoraren der beteiligten Rundfunkanstalten zusammen.

Der Essaywettbewerb wird veranstaltet von Bayern 2 gemeinsam mit SWR 2 und nordwestradio.

Die Gewinner-Essays werden ab Juli 2010 im Bayern 2-Nachtstudio, im SWR 2-Essay und in der Sendung Religion und Gesellschaft beim nordwestradio (Radio Bremen) präsentiert.

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Forum Essay 2010 im Bayerischen Rundfunk
Vorträge, Diskussion, Preisverleihung des Essaywettbewerbs „der/die/das Nächste bitte?!“

1. Juli 2010, 10.00 – 22.00 Uhr
Funkhaus des Bayerischen Rundfunks
Arnulfstrasse 42/44
80335 München

Themen

  • Chancen des Radioessays
    (Barbara Schäfer, Nachtstudio / Bayern 2)
  • Rückkehr des Essays online
  • New American Essay – eine Erfolgsgeschichte
  • Der Essay als Zufall
  • Filmessay / Essayfilm im Zeitalter der Blockbuster
  • Süchtig nach der wirklichen Welt – Essay, Dokument, Literatur
  • Verlagsecho

Forum Essay Diskussion: Sprache in den Medien – zwischen Künstlichkeit und Authentizität

Mit
Sybille Krämer, FU Berlin
Stephan Krass, Essay SWR
Volker Panzer, nachtstudio ZDF
Johannes Ullmaier, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Information und Anmeldung:

Bayerischer Rundfunk
Nachtstudio/Bayern 2
Rundfunkplatz 1
80335 München

Tel: 089-5900-2301
E-Mail: nachtstudio@bayern2.de

Balzgesang

„Wenn ich in meiner Flunderhaltung den Kopf hebe, sehe ich Trockensavanne, die durch intensive Sonnenbestrahlung ausgedörrt ist. Durch das Areal streifen kleine Tiger – unsere Katzen – und am Rand liegt eine riesige, tote Schlange: der Gartenschlauch, der leider ein Loch hat … „

Ein kleines, absolut lesenswertes Stück Prosa, das uns die Autorin mit dem geschichtsträchtigen Usernamen Schiller auf BookRix zur Verfügung stellt.
Ein Pfeifen vom Nachbargrundstück ist es, das die Protagonistin ins Träumen bringt. Genauer gesagt, das Pfeifen der Titelmelodie von „Wickie und die starken Männer“.
Die Wege, die diese Träumereien einschlagen, sind ebenso verschlungen wie amüsant. Und sie kehren immer wieder zu dem unbekannten Pfeifer zurück, schließen ihn ein und machen aus ihm den Mittelpunkt der eigentlich vergleichsweise bescheidenen Sehnsüchte der Träumerin.