LesBar: dunkel

du suchst nun die ruhe
dunkel wohnt die nacht
aus schließt mich die truhe
du hast ausgelacht

war’n gestern noch auf schwingen
des tanzes lieder singen
der fröhlich stimmen höhe
war uns des windes böe

sturmeslust vergangen
freude nicht noch wut
bist von mir gegangen
dunkelt mir den mut

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© Ben Philipp

LesBar: Kampf mit dem Zwerg

Als er ihm gegenüberstand, beschlich ihn das Gefühl, er beginge eine große Dummheit. Der grimmige Ausdruck im Gesicht des Zwergs erinnerte ihn schmerzlich daran, dass dieses Volk als eines der kämpferischsten galt. Einen Moment lang geisterten ihm Rückzugsgedanken durchs Hirn. Dann jedoch rief er sich im Stillen selbst Mut zu: „Ardon, reiß dich zusammen! Du bist hier, um eine edle Dame aus ihrer Notlage zu befreien. Sei der Held, der du immer sein wolltest und stelle dich dem Kampf. Die vielen Lehrjahre sollen nicht umsonst gewesen sein!“
So trat er vor und zog seinen Beidhänder. Selbst der Tod wäre ehrenvoll, dachte er, dann führte er einen ersten Schlag.
Der Zwerg wich aus. „Ich werde dich lehren, was es heißt, den Kampf mit Rodin, Sohn des Robin, aufzunehmen!“, brüllte der kleine Kerl und schwang seine Axt so geschickt, dass Ardon in arge Bedrängnis geriet.
Immer schneller und heftiger wurden die Angriffe des Zwergs und Ardon hatte Mühe, sich der Ratschläge seines ritterlichen Lehrmeisters Turo zu erinnern. „Lass dich nicht von der Leidenschaft übermannen. Verlagere dein Gewicht. Werde eins mit deiner Klinge. Überrasche deinen Gegner.“
Letzteres zumindest schien ihm mit der Zeit zu gelingen. Der Zwerg hatte wohl nicht mit der Wendigkeit des Menschen gerechnet. Ardon sah ihm an, dass er langsam müde wurde. Jetzt könnte er seine Jugend ausspielen.
Nach und nach streute er Finten und kleine Gegenangriffe in seine Abwehr ein. Er nutzte Bäume und Sträucher, um seinen Feind zu verwirren. Dann täuschte er vor, seine Kräfte schwänden. Als der Zwerg gerade mit einem breiten Grinsen zum finalen Schlag ausholte, stieß Ardon zu und rammte sein Schwert tief in die Brust Rodins.
Der Getroffene schrie nicht. Sein Blick, auf Ardon gerichtet, war Verwunderung und Anklage zugleich. Die kurzen Beine knickten ihm ein. Sein Atem wurde zu einem Röcheln. Noch immer schaute er Ardon an.
Der stieß immer tiefer zu. Wie von Sinnen stemmte er sich gegen seine Waffe, bis das Röcheln verklang und Rodins Augen ihr Licht verloren.
Ardon sank auf die Knie. Er konnte noch gar nicht fassen, was er soeben vollbracht hatte. Fast überwältigte ihn seine Tat.
Schließlich half ihm nur der Gedanke an die Herrin auf die Beine. Er zückte sein Messer und schnitt mit einiger Überwindung den Bart vom Kinn des Zwergs. Sorgfältig verstaute er ihn in der Tasche, in der sich bereits das Horn eines unachtsamen Einhorns und das Herz einer müden Waldelfe befanden. Nun könnte der Hofmagier die verlangte Wundersalbe herstellen, mit der sich die Herrin von einem unschönen Schönheitsfleck befreien wollte.

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© Ben Philipp

Ein Nachbar für deine(n) Prota

© vishstudio
© vishstudio

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Party beim Nachbarn

Schreibe deine(n) Prota also in ein Mietshaus. Dort ist gerade ein neuer Nachbar eingezogen, den Prota noch nicht kennt. Doch an diesem Abend macht der Neuankömmling deutlich auf sich aufmerksam. Noch weit nach 22.00 Uhr leidet Prota unter dem Partylärm, der direkt aus der Wohnung gegenüber dröhnt und einen laufenden Presslufthammer in Protas eigener Mietunterkunft zum Nebengeräusch verkümmern lassen würde.

Ausgerechnet heute kommt das Prota besonders ungelegen. Je nachdem, was so seine/ihre Berufung ist, hat Prota noch wichtige Arbeiten zu erledigen, die Konzentration und Ruhe benötigen, oder braucht ausreichend Schlaf für den nächsten Tag. In jedem Fall fühlt er sich durch Nachbars Party empfindlich gestört, wenn nicht gar terrorisiert.

Sollte Prota sich trotz allem letztlich nicht aufraffen können, etwas zu unternehmen, prüfe, ob sich daran etwas ändert, wenn Prota Besuch, vielleicht gar ein Date hat. Möglicherweise will Prota vor dem Besuch nicht als Schwächling erscheinen oder sein/ihr Mut steigt, wenn er/sie sich nicht alleine fühlt. Vielleicht muss Prota auch nur dem Besuch hinterher, um das Schlimmste zu verhindern.

Bleibt Prota trotzdem untätig, dann ist seine/ihre Mission hier beendet und es bleibt zu hoffen, dass Protas eigene Geschichte die richtige für ihn/sie ist.

Party mit dem Nachbarn

Wenn Prota sich aufmacht, den Nachbarn zu bitten, etwas mehr Rücksicht zu nehmen, oder ihm gleich ordentlich die Leviten zu lesen, wird es abenteuerlich. Prota klingelt und es öffnet ein Kerl, der in etwa so aussieht wie der Mann auf obigem Foto. Ja, meine Damen (und Herren), ich habe das Foto zur Inspiration heute extra etwas größer eingebunden. Sollte das noch nicht reichen, hilft ein Klick auf das Bild.

Dummerweise macht der Herr mit dem freien Oberkörper auf Prota alles andere als den Eindruck, es würde ihm wenig ausmachen, seine Party abzubrechen oder wenigstens in stark gedrosselter Lautstärke fortzuführen. Eine echte Bewährungsprobe für Prota!

Wird Prota hart bleiben oder sich herauswinden? Lässt er/sie sich von einem solchen Muskelprotz möglicherweise gar nicht beeindrucken oder wird Prota nahezu handlungsunfähig? Verhält sich Prota in der Situation (todes-) mutig, besonders trickreich, feige, kreativ, …? Und wie wird das Ganze ausgehen?

Anschließend darf sich dein(e) Prota von dieser Tortur gern ein bisschen erholen und sei es in dem ihm/ihr von dir zugedachten Abenteuer. Nächste Woche kannst du ihn/sie dann hier in eine neue Prüfung schicken. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren mit dem Ungeheuer von nebenan zu konfrontieren.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

 

Pippi Langstrumpf beleben

Achtung, auch wenn es der Titel vermuten lässt, es geht in der folgenden Ausschreibung nicht darum, Pippi auferstehen zu lassen, sondern einfach um anspruchsvolle Kindergeschichten:

erostepost-Literaturpreis 2010

Einsendeschluss: 30.12.09

1989 zerlegten wir den Namen „erostepost“ in seine Bestandteile und vergaben jährlich einen Literaturpreis zu den Themen eros, rost, step, epos, post, euro, stop und pest. Nach einer mehrjährigen Pause haben wir den erostepost-Literaturpreis wieder ins Leben gerufen. Seit 2002 werden jedoch keine Themen, sondern Genres ausgeschrieben. Dieses Mal:

p – wie pippi langstrumpf, Geschichten für Kinder.

Wir wollen keine lieblichen und belehrenden Texte, sondern erwarten literarisch anspruchsvolle Texte, die Kindern Mut machen, stark zu sein und mit Optimismus durchs Leben zu gehen. Die Beiträge sollen für Kinder von etwa 6 bis 12 Jahren passend sein und Erwachsene ebenfalls begeistern können. Es sind sowohl Prosa als auch Lyrik erlaubt.

Der Gesamtumfang pro Einsendung sollte 20.000 Zeichen nicht überschreiten. Mindestens müssen die Beiträge für ein Bilderbuch reichen, für einen illustrierten Kindergedichteband oder 10.000 Zeichen umfassen.

Das Preisgeld beträgt 1.500 Euro.

Einreichungen bitte in dreifacher Ausfertigung und anonym mit Kennwort (persönliche Daten in einem geschlossenen Kuvert mit gleichem Kennwort) an: erostepost im Literaturhaus, Strubergasse 23, A – 5020 Salzburg, Österreich