Das sagt Zoë Beck

Befreundete Autoren, Foto: Hasloo Group Production Studio
Befreundete Autoren
(Foto: © Hasloo Group Production Studio)

Zoë Beck hat sich im Interview „Das sagt Zoë Beck“ auf der Plattform „Hilfe für Autoren“ meinen Fragen gestellt.

Die Autorin, die auch mit ihrem aktuellen Roman „Brixton Hill“ wieder Tausende von Lesern beeindruckt, erklärt unter anderem, dass ihr gerade Leute, die ihr vom Schreiben abgeraten haben, zur nötigen Motivation verholfen haben.

Zoe Beck: Brixton HillNeben dem hochinteressanten Interview findet ihr dort auch wieder das geradezu sensationelle Gewinnspiel:

Gewinne eine Einschätzung der Bestsellerautorin zu deinem Kurzexposé! Sie verspricht, dir in einigen Sätzen ihre ehrliche Meinung dazu abzugeben. Sicher, das kann hart werden, aber kompetente Kritik bringt dich schließlich weiter. Und vielleicht ist Zoë ja auch ganz begeistert, dann hast du eine Empfehlung aus mehr als berufenem Munde. Schwarz auf weiß! Eine, die vielleicht sogar Türen öffnen kann.

Kein Einlass für deine(n) Prota?

Foto: © Angela Parszyk / pixelio.de
Foto: © Angela Parszyk  / pixelio.de
Foto: © Angela Parszyk / pixelio.de

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Du kommst hier net rein!

Schreibe deine(n) Prota also in die Schlange vor dem Einlass einer Disko oder sonstigen geilen Veranstaltung. Warum Prota da steht? Keine Ahnung, ist ja nicht mein(e) Prota! Aber egal, ob Prota Partykönig(in) oder Heimchen ist, gib Prota die nötige Motivation, an diesem Abend unbedingt in diese Veranstaltung zu wollen. Gib Prota das Gefühl, sein oder ihr Leben hinge davon ab!

Aber irgendwas passt nicht. Sind es die Schuhe? Ist es die Hose? Die Frisur? Wirkt Prota vielleicht gar beschwipst? Jedenfalls lässt der Einlasser, der auch eine Einlasserin sein kann, Prota nicht … na? Richtig: ein!

Was wird Prota tun? Wird Prota ruhig bleiben? Gibt Prota auf? Welche Tricks hat Prota auf Lager? Wird Prota es schaffen oder am Ende weinend nach Hause fahren?

Anschließend hat Prota erst einmal Ruhe, es sei denn, dir fallen noch weitere Szenen für Prota ein. Demnächst geht es hier mit einer anderen Übung weiter. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  in den Kampf mit dem Einlasser zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

Beruf Erzähler: Die Qual der Wahl

Es ist der Autor, der sich überlegen muss, welcher Auftrag an den Erzähler für die Geschichte, die erzählt werden soll, der richtige ist. Eine Entscheidung, bei der er sich nur wenig Hilfe erhoffen kann. Denn obwohl sie eine so wichtige ist, ist sie keine, die unabdingbar zum Gelingen oder Scheitern führt.

Unterschiedliche Erzählsituationen können aus ein und derselben Grundidee, ja, sogar aus ein und demselben Plot zwei unterschiedliche Geschichten entstehen lassen, die sich gegenseitig in nichts nachstehen. Die Wahl der Erzählsituation ist von der Intention des Autors abhängig. Wie bei jedem anderen seiner sprachlichen und erzählerischen Stilmittel wird er also die Frage bewntworten müssen: Was will ich damit erreichen?

Die Erzählsituation, so wichtig sie ist, bleibt dabei eben nur ein Mittel von vielen, das der Autor mit allen anderen in Einklang bringen muss. Und es gibt keine einfachen Rezepte. Jede Erzählsituation hat ihre Vor- und ihre Nachteile.

Ich oder Er?

Ein Erzähler, der als Ich aus seiner eigenen Sicht erzählt, kommt der natürlichen Erzählsituation, in der wir uns auch in der realen Welt befinden, zweifelsfrei am nächsten. Ein guter Grund, ihn noch unerfahrenen Autoren als guten Einstieg zu empfehlen. Nahezu alle Besonderheiten solchen Erzählens ergeben sich bei ein wenig reflexivem Überdenken von selbst.

Die Risiken folgen auf dem Fuße. Ob handelndes oder erzählendes Ich – sich stets bewusst zu bleiben, dass es sich um eine Figur außerhalb unseres Selbst handelt, ist nicht immer leicht.

Für den Leser ist es angeblich nicht möglich, näher an eine Figur heranzukommen als an ein erzählendes Ich. Keine Erzählsituation sorge beim Leser für mehr Sympathie- und Indentifikationsvermögen.

Da ist sicher etwas Wahres dran. Letztlich ist das aber wohl auch vom jeweiligen Leser abhängig. Ziemlich sicher ist, dass ein Ich beim Leser für ein hohes Maß an Vertrauen in die Authentizität des Erzählers sorgt. Das Gefühl, die Geschichte aus erster Hand erzählt zu bekommen, spielt eine große Rolle, selbst dann, wenn der Leser sie als eindeutig fiktiv akzeptiert.

Man darf aber auch nicht unterschätzen, dass das Ich für den Leser damit zu einem eindeutigen Du wird. Ein Gegenüber! Die Geschichte ist somit im besten Fall die eines guten Freundes.

Personales Erzählverhalten aus der Sicht einer dritten Person kann in dieser Hinsicht eventuell sogar mehr erreichen. Ein Erzähler, der sich selbst vollkommen zurücknimmt und in den Kopf der Figur schlüpft, nimmt im besten Fall den Leser mit sich. Wie könnte für diesen die ungebrochene Nähe, ja sogar die Identifikation mit der Figur größer ausfallen? Sicher ein guter Grund dafür, dass personalisierbare Romane (zumindest die, die ich kenne) eben nicht das erzählende Ich wählen.

Auktorial oder personal?

Wer die bisherigen Artikel dieser Reihe gelesen hat, ahnt es schon: Die Frage polarisiert, wo es eigentlich keine eindeutigen Pole gibt. Auktoriales Erzählen ist ein weites Feld. Es kann von einem Erzählverhalten reichen, das nur minimal von personalem abweicht, bis zu einem, das sich grundlegend von personalem Erzählen unterscheidet. Demzufolge können einen Autor ganz verschiedene Motive dazu bringen, seinen Erzähler zum auktorialen Erzählen zu veranlassen. Etwa, um den Fokus des Lesers auf die Gesamtzusammenhänge zu richten oder um das Erzählte ironisch zu brechen.

Und natürlich gilt wieder, dass das Erzählverhalten nur einen Weg zum Ziel darstellt, der bestenfalls eine grobe Richtung vorgibt und der durch Zuhilfenahme anderer Mittel geebnet, gekreuzt oder gar umgekehrt werden kann.

Daher sind die folgenden Punkte kaum mehr als blasse Wegmarkierungen auf verwitterten Steinen:

  • Personales Erzählverhalten gilt als das modernere. Es löst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das auktoriale immer mehr ab.
  • Personales Erzählen legt den Fokus auf die Figur (den jeweiligen Perspektivträger) und muss daher mit einer stark eingeschränkten, subjektiven Perspektive auskommen, auktoriales Erzählen ermöglicht den Blick auf das große Ganze (Gesellschaftsroman des 18. und 19. Jhs., Historischer Roman, Epische Fantasy).
  • Beim personalen Erzählen taucht der Erzähler hinter der Figur ab, beim auktorialen Erzählen ist der Erzähler für den Leser präsent.
  • Personales Erzählen ist so dicht wie möglich an der Figur, genauer: in der Figur, auktoriales Erzählen wahrt Distanz zur Figur.
  • Beim personalen Erzählen wird das Erzählte durch die subjektive Sicht der Figur bestimmt, ein auktorialer Erzähler kann das Erzählte durch seine Brille betrachten, vermitteln, kommentieren und werten.
  • Bezüge zwischen erzählter Zeit und Zeit des Erzählens kann nur der auktoriale Erzähler herstellen, der sogar in der Lage ist, sich direkt an den Leser zu wenden.

Das soll es vorerst von mir zum Beruf des Erzählers gewesen sein. Ich hoffe, ich konnte den einen oder anderen interessanten Einblick bieten.

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Die Statistik für Glaubwürdigkeit

© Semisatch
© Semisatch

Des Autors Pflicht ist es, auf die Glaubwürdigkeit seiner Figuren zu achten. Ich bin mit Sicherheit wenigstens der Vorvorletzte, der das bestreiten würde. Doch der Autor kann sich in dieser Hinsicht so viel Mühe geben, wie er will, bei manchen wird er dennoch auf die Schnauze fallen.

Ja, manchen Leser wird man nie und nimmer überzeugen (es sei denn man, schreibt eine neue Geschichte mit neuen Figuren).

Ein Beipiel las ich gerade auf einer Internetseite (die mir schon in anderer Hinsicht aufgefallen war). Dort wurde die Glaubwürdigkeit einer Figur bezweifelt, die sich diese Zweifel allein aufgrund der Tatsache zuzog, dass sie eine weibliche Serienmörderin war. Die Statistik beweise schließlich, dass nur einer von zehn Serienmördern eine Frau sei. Zudem ginge diese eine dann weniger brutal vor als ihre männlichen Berufskollegen, täte dies außerdem aus anderen Motiven.

Morden ist wie Fußball spielen

Die Statistik dürfte nicht einmal falsch sein. Wie auch eine Statistik, die belegt, dass deutlich weniger Frauen Fußball spielen als Männer. Eine Fußballerin als Protagonistin wird dadurch nicht unglaubwürdig, selbst dann nicht, wenn sie aus extrem ungewöhnlichen Motiven Fußball spielt. Entscheidend ist, dass für den Leser eben diese Motive nachvollziehbar sind, wenn er sich erst einmal darauf eingelassen hat, dass Fußball spielende Frauen keine vollkommene Unmöglichkeit darstellen.

Doch zurück zur Serienmörderin: Selbst wenn die Motive, die sie zu ihren Verbrechen trieben, nachgewiesenermaßen noch bei keiner Frau vorgekommen wären, ja, sogar dann, wenn Psychologen erklären würden, diese Motivation entspräche nicht dem realistischen Denken einer Täterin, bliebe der Gradmesser für die Glaubwürdigkeit dieser Figur einer, der sich nur innerhalb des von der Fiktion vorgegebenen Rahmens ansetzen ließe.

Statistik ist also ein seltsamer Beweis für fehlende Glaubwürdigkeit. Kaum weniger seltsam als der, der das eigene Verhalten als Ansatzpunkt nimmt. Wenn Herr Schmidt dem Autor erklärt, er würde sich anders verhalten haben als die Figur, dann darf der Autor gern antworten, dass er das berücksichtigen würde, sobald er einmal das Bedürfnis hätte, eine Geschichte über Herrn Schmidt zu schreiben.

Kreatives Schreiben in Schreibschrift

Ich bin mal wieder auf ein Blog gestoßen, das ich euch nicht vorenthalten will. schreibschrift beschäftigt sich offenbar in vielfältiger Weise mit dem Thema Kreatives Schreiben.

Gleich vorweg: Ich kann und will schreibschrift nicht abschließend hinsichtlich seiner Nützlichkeit oder sonst irgendeiner Qualität beurteilen. Ich habe bestenfalls ein bisschen quergelesen, was einerseits an der mir fehlenden Zeit liegt, andererseits einfach daran, dass meine ganz persönliche Motivation zu schreiben sicherlich ein wenig von der Intention dieses Blogs abweicht.

Generell halte ich aber alle Blogs, die Schreibenden Anregungen geben, wie man sich auf unterschiedliche (kreative) Weise mit seinem Schreiben auseinandersetzen kann, für eine Bereicherung.

Ein wenig verwundert war ich bei einem Blog mit diesem Thema über die konsequente Abkehr von der Großschreibung, die möglicherweise eine kreative Interpretation des Blogtitels darstellt.

Gewundert habe ich mich auch über den Artikel schreibidee (203), der mich überhaupt zu dem Blog geführt hat. Ich habe den Ansatz einfach nicht verstanden, was aber an meiner beschränkten Auffassungsgabe liegen mag. Besonders schwer fiel es mir, die Bedeutung von „nachsetzen“ im Sinne von jagen,  verfolgen, mit der Bedeutung desselben Wortes im Sinne von (in einer Diskussion) noch einen draufsetzen, das letzte Wort haben in Gleichklang zu bringen, wie es der Artikel offenbar versucht. Aber für die Schreibübung ist das sicher nicht nötig.

Ohnehin halte ich die zwei Schreibaufgaben, die ich überflogen habe, für wichtig und gut ausgewählt. Eine hatte zum Inhalt, Tempo in das Geschriebene zu bringen, die andere beschäftigte sich mit den so wichtigen ersten Sätzen.

Daher kann ich Interessierten nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen. Vielleicht tauchen ja hier in den Kommentaren ein paar Erfahrungsberichte oder Hinweise auf ähnliche Seiten auf.

THEO kopfüber bis 15.01.11

Originaltext, siehe: www.schreibende-schueler.de/

Schreibwettbewerb 2011
„THEO – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“

Veranstalter: Schreibende Schüler e.V. & Börsenverein des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg

Schirmherrschaft:
Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister der Stadt Berlin &
Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg

THEO ist ein überregionaler [!] Literaturpreis für Kinder und Jugendliche zwischen neun und 19 Jahren. Er wird in drei Alterskategorien verliehen:

9-12 Jahre
13-15 Jahre
16-19 Jahre

Außerdem wird ein eigener THEO in der Kategorie Lyrik vergeben.

Das Thema des Wettbewerbs lautet „Kopfüber“.

Du stehst mit beiden Beinen fest auf dem Boden, die Welt ist wie sie sein sollte, läuft ruhig und überschaubar ab, bis … –
… dich auf einmal ein paar Jungs an den Beinen hochziehen, um dir dein Taschengeld zu klauen
… sich die Dinge überschlagen, du Hals über Kopf in ein Abenteuer stürzt, ohne genau zu wissen, warum oder wohin die Reise geht? Und was für Gestalten dir auf diesem Weg begegnen!
Oder ist es genau umgekehrt, du läufst mit beiden Händen fest durchs Leben, dass die Welt kopf steht, ist vollkommen normal für dich?

Erzähle uns, wie die Straßen und Gesichter von unten aussehen, was passiert, wenn du anfängst dich gegen den Kopfstand zu wehren und wie schwer es manchmal sein kann, den Kopf über Wasser zu halten

Ein paar Tipps: Nenne deinen Text nicht „Kopfüber“ Das Thema soll nur eine Anregung sein, keine Inhaltsvorgabe. Deiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Überrasche uns mit deinen Ideen. Je origineller, desto besser!

Einsendeschluss ist der 15. Januar 2011.

Teilnahmebedingungen:

  • SchülerInnen aller Altersklassen
  • Höchstens 3 A4-Seiten (Times New Roman, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5, Seitenrand 2,5 cm)
  • Keine Gruppeneinsendungen und Klassensätze
  • Name, Alter und Adresse (wenn vorhanden auch die E-Mail mit angeben) auf EXTRA-Blatt

Einsendungen:

  • per Mail (als Anhang) an: wettbewerb@schreibende-schueler.de
  • per Post (in 3-facher Ausfertigung) an: Schreibende Schüler e.V., c/o Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Lützowstr. 33, 10785 Berlin

Ablauf:

  • ALLE EinsenderInnen erhalten Gelegenheit, an einer Veranstaltung der Schreibenden Schüler teilzunehmen (Zirkel, Schreibnachmittage, Wochenendwerkstätten, Lesungen …).
  • 35 EinsenderInnen erhalten eine Einladung zur Literaturwoche der Schreibenden Schüler im Sommer 2011.
  • Die elf Nominierten der Altersklassen sowie 3 Nominierte für den „Lyrik-Theo“ nehmen vom 26. – 27. März 2011 am Nominiertentreffen teil. Hier können sie einander kennen lernen, über ihre Texte reden und sich unter professioneller Anleitung auf die öffentliche Lesung am 17.04.2011 vorbereiten.
  • Am 17. April 2011 findet eine große Festveranstaltung statt, anlässlich derer die 14 Nominierten ihre Texte der Öffentlichkeit vorstellten. Anschließend verleiht die Jury den „Theo“ – Preis für Junge Literatur in Berlin und Brandenburg 2011 in 3 Altersgruppen sowie in der Kategorie Lyrik. Erneut werden auch die Gewinner des Vorjahres in der Jury sitzen. Die 4 PreisträgerInnen erhalten eine Theo-Statue, Büchergutscheine und die kostenfreie Teilnahme an der Sommer-Literaturwoche der Schreibenden Schüler.

„Der THEO ist eine großartige Möglichkeit schreibbegeisterten Jugendlichen Gehör zu verschaffen und andere, die bisher keinen Anlass zum Schreiben hatten, zu motivieren auch kreativ zu werden. Unser neues Thema KOPFÜBER soll alle Altersgruppen ansprechen, die Welt aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten. Das Thema soll zu Abenteuergeschichten genauso anregen, wie zur literarischen Auseinandersetzung mit unserem Alltag“, erklärt Tim Fahrendorff, Pressesprecher der Schreibenden Schüler.

Der THEO, benannt nach dem Schriftsteller Theodor Fontane, möchte Kinder und Jugendliche für die Literatur, das Schreiben und die Kreativität begeistern. 2011 findet der Wettbewerb zum vierten Mal statt.

Quelle: Uschtrin

Tagesziel

Seit ich meine Schreibprojekte gründlicher plane und besser organisiere, setze ich mir Tagesziele. Nicht jeden Tag neu, sondern gleichbleibend für die geplante Dauer des Schreibprojekts.

yWriter ist da sehr hilfreich. Man kann dort den Umfang (Anzahl der Wörter) des geplanten Manuskripts eingeben, dazu den geplanten Schreibzeitraum, das Programm errechnet, welche Wortanzahl man dementsprechend pro Tag bewältigen muss.

Natürlich berechnet das Programm in Abhängikeit des bereits Geschriebenen stetig neu. Ist man also den Zielvorgaben voraus, nimmt die täglich zu schreibende Wortanzahl ab, hängt man hinterher, nimmt sie zu.

Nebenbei zeigt yWriter dem Autor einen Fortschrittsbalken, die Anzahl der insgesamt bereits geschriebenen Wörter, die Anzahl der noch zu schreibenden Wörter und die Anzahl der Tage, die einem dazu noch zur Verfügung stehen. Aber das nur am Rande.

Worum es mir eigentlich geht, ist die persönliche Motivation. Es dürfte jedem klar sein, dass ein großes Projekt, sicher nicht nur, aber eben auch für einen Autor jede Menge tägliche Motivation erfordert. Gerade am Anfang scheint die zu bewältigende Arbeit riesig, der Fortschritt mäßig. Sich kleine, schrittweise Ziele zu setzen, ist nun wirklich kein Rat, der neu erfunden werden müsste.

Was mir aber interessant erscheint, ist die Wahl solcher Tagesziele hinsichtlich des Umfangs. Wenn mein Projekt nicht durch einen Abgabetermin begrenzt ist, der mir klar einen Zeitrahmen und damit auch das notwendige tägliche Arbeitsziel vorgibt, mag ich es lieber, wenn ich mir kleinere Ziele stecken kann, denen ich vorauseilen will. Ich weiß von anderen, dass sie mehr Motivation daraus schöpfen, wenn sie sich selbst drängeln müssen.

Soll heißen, wenn ich die Wahl habe und weiß ich könnte auf die Woche gesehen pro Tag beispielsweise 1000 Wörter schreiben, wenn ich die Schreibarbeit nicht durch Recherchen oder ähnliches unterbrechen muss, würde ich mir lieber ein Tagesziel von 800 Wörtern oder weniger vornehmen und jeden Tag als Erfolg feiern, an dem ich dieses Ziel übertrumpfe.

Wenn ich dagegen des Öfteren mein Tagesziel nicht erreiche (wieder vorausgesetzt, es drückt kein Abgabetermin), dann verliere ich schnell die Motivation.

Mir erscheint das auch vollkommen logisch, aber es gibt eben auch diejenigen, bei denen es sich genau umgekehrt verhält. Wie sieht es bei euch aus?

PB-Plotten 3: Hauptkonflikt

Möglicherweise habt ihr bei der Entwicklung des Arbeitspitches auch den Hauptkonflikt bereits erarbeitet. Andernfalls sollte das jetzt geschehen.

Auch der Hauptkonflikt ist ein wichtiges Hilfsmittel, um die Strukturen des eigenen Werks zu erkennen und im Auge zu behalten.

Der Hauptkonflikt ist immer der Konflikt des Protagonisten, also der Figur, die absolut im Mittelpunkt des Romans steht. In Ausnahmefällen können das auch zwei oder mehr Figuren sein, die als Gruppe agieren, in der Regel sollte man aber auch dort einen Top-Protagonisten herausfiltern können.

Bei mehreren gleichwertigen Erzählsträngen mit entsprechend vielen Handlungsträgern ist es natürlich möglich, zu jedem einen Konflikt zu notieren. Hier solltet ihr euch aber fragen, ob diese Konflikte tatsächlich für den gesamten Roman gleichwertig bestimmend sind oder ob nicht doch ein Hauptkonflikt letztlich alle Stränge zusammenführt.

Wie schon beim Arbeitspitch angedeutet, setzt sich ein Konflikt folgendermaßen zusammen:

Ein Handlungsträger verfolgt ein Ziel, dem etwas oder jemand im Wege steht.

Letzteres kann ein klassischer Antagonist sein, eine Naturgewalt, die Umstände oder auch bestimmte Eigenschaften des Protagonisten selbst (innerer Konflikt). Ein paar einfache Beispiele:

(1) Peter will den Mount Everest besteigen, aber Thomas will das verhindern.

(2) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er gerät in einen Sturm.

(3) Peter will den Mount Everest besteigen, aber ihm fehlt das Geld, sich die Ausrüstung zu kaufen.

(4) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er hat von Kindesbeinen an Höhenangst.

Wer sich diese vier einfachen Konflikte ansieht, die sich doch alle im Ziel des Protagonisten gleichen, wird feststellen, dass sie zu vier ganz unterschiedlichen Geschichten führen würden. So bietet sich beispielsweise der Sturm-Konflikt für eine Abenteuergeschichte an, die fast ausschließlich auf den Hängen des Mount Everest spielt. Der Kampf gegen die eigene Höhenangst könnte sich dagegen praktisch ausschließlich weit entfernt des Berges zutragen, wenn Peter Schritt für Schritt seine Angst besiegen will, um schließlich doch noch den Berg zu besteigen (was dann bereits das Ende der Geschichte wäre).

Damit will ich deutlich machen, wie wichtig es ist, sich sehr eindringlich Gedanken über den Konflikt zu machen und ihn ganz exakt zu formulieren. Hier ist sozusagen Schluss mit rumeiern. Spätestens hier wird der Kurs festgelegt.

Was ist also wirklich das Ziel des Protagonisten, das, was er letztlich erreichen will? In unserem Beispiel ist es der Berg. Es mag nicht für jeden nachvollziehbar sein, aber es gibt Menschen, die sich derartige Ziele setzen und denen das so wichtig ist, dass sie alles tun, um sie zu erreichen. Den Mount Everest zu besteigen, die Welt zu umsegeln, die Arktis zu Fuß zu durchwandern (was, wie ich mir habe sagen lassen, mit jedem Jahr leichter wird).

Aber seien wir ehrlich, dieses Ziel eignet sich fast ausschließlich für die Konflikte in den Beispielen 2 – 4. Zwar ist es denkbar, dass Thomas aus Beispiel 1 ein Konkurrent von Peter ist, der ihm den Erfolg nicht gönnt, aber diese Motivation für einen leibhaftigen Antagonisten, Peters Erfolg zu verhindern, muss man schon gut erklären, um sie glaubhaft wirken zu lassen.

Auch ginge es dann schon nicht mehr in erster Linie um die Besteigung des Berges, sondern wir hätten eine etwas andere Sichtweise, nämlich die auf den Erfolg, auf Ruhm und Ehre. Den Berg zu besteigen wäre dann schon eher Mittel zum Zweck. Und darauf will ich hinaus.

Welches Ziel Peter tatsächlich erreichen will, gilt es gründlich zu prüfen. Will er Ruhm und Ehre erlangen, einen Rekord brechen, jemanden (vielleicht die große Liebe) beeindrucken (und die große Liebe für sich gewinnen), eine Wette gewinnen, es allen beweisen oder gar einen auf dem Berg vermuteten Schatz finden?

All diese Ziele bieten deutlich mehr Ansatzpunkte für einen Antagonisten als der einfache Wunsch eines Träumers, einmal vom Mount Everest herunterzuschauen.

So könnte dann also ein solcher Konflikt lauten:

(5) Peter will Lisa für sich gewinnen, aber Thomas will sie auch.

Ein sehr klassischer Konflikt, aber übrigens auch ein sehr schöner, weil er zeigt, dass Protagonist und Antagonist oft (natürlich nicht immer) ein ganz ähnliches oder sogar dasselbe Ziel haben, womit sich sich dann gegenseitig im Wege stehen. Und er zeigt damit auch, dass die Ziele des Antagonisten durchaus nachvollziehbar und sogar berechtigt sein können. Aber ich schweife ab.

Zurück zu unserem Berg. Wo ist der nun geblieben? Der hat in unserem Hauptkonflikt streng genommen nichts mehr zu suchen. Vermutlich haben wir ihn im Pitch erwähnt, womit wir ihn nicht vergessen können („Mount Everest“ erzählt von dem Studenten Peter, der, um seine große Liebe Lisa zu gewinnen, einen Gipfel erklimmen und sich  gegen Thomas behaupten muss).

Der Berg wird damit nicht nur zum Mittel zum Zweck, sondern auch zum Nebenkonflikt, schließlich wird er ja nicht plötzlich zum einfachen Nachmittagsspaziergang. Wir können ihn uns also für Listenpunkt 10 aufheben.

Da wir uns ja aber um Hilfsmittel für die Schreibarbeit bemühen, gibt es natürlich keine Regel, die besagt, dass wir unseren Konflikt literaturwissenschaftlich exakt formulieren müssen. Wenn also der Berg die zentrale Rolle im Konfliktkampf zwischen Peter und Thomas spielt und nicht nur eine kleine von vielen, und wenn uns bewusst bleibt, worum es eigentlich geht, können wir den Berg natürlich wieder in unsere Formulierung aufnehmen:

(6) Peter will Lisa für sich gewinnen, indem er den Mount Everest besteigt, aber Thomas, der Lisa ebenfalls begehrt, will das verhindern.

Es ist sicher Geschmackssache, aber je mehr wir in die Formulierung des Hauptkonflikts übernehmen, desto schwieriger lässt er sich mit einem Blick erfassen. Im Prinzip haben wir stattdessen mit Beispiel 6 wieder einen schönen Pitch.

Zum Abschluss will ich an Beispiel 4 ein weiteres Mal verdeutlichen, wie wichtig ein sauber herausgearbeiteter Konflikt ist. Damit ihr nicht ständig scrollen müsst, hole ich das Beispiel mal nach unten:

(4) Peter will den Mount Everest besteigen, aber er hat von Kindesbeinen an Höhenangst.

Wir haben es hier mit einem inneren Konflikt als Hauptkonflikt zu tun. Die Geschichte ist schnell umrissen: Peter liebt das Abenteuer und die Herausforderung. Er hat schon einiges erlebt, die Arktis zu Fuß durchquert, allein durch die Wildnis der Masuren gepaddelt, Sibirien mit dem Fahrrad erobert, … Sein größter Traum ist es aber, den Mount Everest zu besteigen. Und er geht es an, obwohl ihm dabei ein Gegner im Weg steht, den er mehr fürchtet als alles andere: seine Höhenangst!

Alles klar, schöne Geschichte. Kommen wir aber jetzt zu einem anderen Peter:

(4a) Peter will seine Höhenangst besiegen, darum beschließt er, den Mount Everest zu besteigen.

In Beispiel 4 war den Berg zu überwinden das Ziel, die Höhenangst der Gegner. Jetzt ist es umgekehrt, die Höhenangst zu überwinden ist das Ziel, der Berg steht im Weg.

Es ist nicht so ganz leicht, sich das klar zu machen, weil uns der Berg weniger als Gegner erscheinen mag als als Mittel zum Zweck, was er ja ebenfalls ist. Aber Peter nimmt, um sein Ziel zu erreichen, den Kampf mit dem Berg auf sich. Verliert er diesen, scheitert er auch an seinem Ziel.

Peter 2 ist also jemand, dem seine Höhenangst schon sein Leben lang zu schaffen macht (während Peter 1 möglicherweise bis zum Beginn der Geschichte gar keine Probleme damit hatte). Er hat es mit diversen Therapien versucht, hat sich die unterschiedlichsten Belohnungen erdacht, um sich zu motivieren, aber nichts hat geholfen. Nun denkt er sich: Ganz oder gar nicht. Und er hofft, dass der Aufstieg am Berg zu einem solch reizvollen Erlebnis wird, dass er darüber die Höhenangst überwinden kann.

Weil wir es hier mit einem inneren Konflikt zu tun haben, auch noch ein paar Worte dazu. Mindestens einen inneren Konflikt gibt es praktisch in jeder besseren Geschichte. Oft als Nebenkonflikt, manchmal direkt mit dem Hauptkonflikt verbunden oder eben direkt als Hauptkonflikt.

Wenn also ein innerer und ein äußerer Konflikt Hand in Hand gehen, ist es für den Autor sehr nützlich, sich klar zu machen, auf welchen der beiden er sich fokussiert, welches also der Haupt- und welches der Nebenkonflikt ist. Häufig macht das in der Praxis nur Nuancen im fertigen Text aus, es ist eher eine Frage der Gewichtung innerhalb einer Geschichte, nicht so sehr die Unterscheidung in zwei sehr unterschiedliche Geschichten (was aber möglich ist).

So oder so, trifft man die Entscheidung nicht, wirkt ein Text schnell unentschlossen, weil mal eine Weile auf dem inneren Konflikt herumgeritten wird, er dann aber wieder dem äußeren weichen muss usw.

In unseren Beispielen haben wir die Überwindung der Höhenangst jeweils als inneren Konflikt, in Beispiel 4 als Hauptkonflikt, in Beispiel 4a als Nebenkonflikt. Aber Moment mal, ist es nicht umgekehrt?

Nein! Die Unterscheidung zwischen innerem und äußeren Konflikt ist vom Antagonisten abhängig. Wenn ich einen Konflikt mit mir selbst (bzw. einer bestimmten Eigenschaft/Schwäche von mir) austrage ist es ein innerer Konflikt, wenn mein Gegner jemand oder etwas anderes ist, ist es ein äußerer Konflikt.

In Beispiel 4 ist der Gegner die eigene Höhenangst, daher haben  wir einen inneren Konflikt als Hauptkonflikt. In Beispiel 4a kämpft Peter im Hauptkonflikt aber gegen den Berg, was einen äußeren Konflikt darstellt, während der innere Konflikt, der ja nicht verschwindet, zum Nebenkonflikt wird.

Dass uns der innere Konflikt auch in Beispiel 4a so präsent erscheint, liegt daran, dass seine Überwindung in diesem Fall gleichzeitig Ziel des Hauptkonflikts ist.

Verlassen wir an dieser Stelle mal die Peter-Beispiele und wenden uns einem zu, bei dem wir diese Verschmelzung nicht haben.

(7) Klaus will Marianne erobern, aber sie interessiert sich nicht für ihn.

(8) Klaus will Marianne erobern, aber er ist sehr schüchtern.

In Beispiel 7 haben wir einen klassischen äußeren Konflikt als Hauptkonflikt, in dem Mariannes Desinteresse als Antagonist wirkt, den es zu überwinden gilt.

In Beispiel 8 haben wir einen klassischen inneren Konflikt als Hauptkonflikt, in dem Klaus‘ Schüchternheit als Antagonist wirkt.

Es braucht in beiden Fällen keinen weiteren Konflikt. Der Klaus aus Beispiel 7 kann ein Draufgänger sein, der Hauptkonflikt bleibt bestehen. Die Marianne aus Beispiel 8 könnte durchaus Gefallen an Klaus finden, aber ob seiner Schüchternheit wird sie gar nicht auf ihn aufmerksam. Der Hauptkonflikt bleibt bestehen.

Es ist aber eben auch möglich, dass beide Konflikte gleichzeitig wirken. Klaus ist schüchtern und Marianne desinteressiert. Wenn das der Fall ist, können sich die Geschichten 7 und 8 sehr ähneln. Allerdings sind eben Fokus und Gewichtung jeweils verschoben.

In Beispiel 7 kämpft Klaus gegen Mariannes Desinteresse, was durch seine Schüchternheit erschwert wird. In Beispiel 8 kämpft Klaus gegen seine Schüchternheit, und Mariannes Desinteresse ist dabei alles andere als hilfreich.

Noch wichtiger ist aber jeweils das Ende der Geschichte. In beiden Fällen hat Klaus sein Ziel erreicht, wenn er Marianne erobert hat.

Wenn er dabei seine Schüchternheit nicht überwunden hat, ist er in Beispiel 7 nur in einem Nebenkonflikt gescheitert. Der Hauptkonflikt ist zufriedenstellend gelöst. Happy End! Mehr noch: Im ungelösten Nebenkonflikt schwingt die Botschaft mit, dass es auch der Schüchterne schaffen kann, dass Schüchternheit nicht unbedingt etwas Schlechtes ist.

In Beispiel 8 wäre allerdings der Hauptkonflikt trotz Erreichen des Ziels nicht zufriedenstellend gelöst, wenn Klaus noch weiterhin schüchtern ist. Ganz im Gegenteil könnte man dem Autor vorwerfen eine deus ex machina angewendet zu haben, denn die Lösung des Konflikts wurde nicht herbeigeführt, indem der Prota in seinem Kampf gegen seine Schüchternheit erfolgreich war, sondern weil Marianne auf wundersame Weise einfach ihr Desinteresse verloren hat. Das Happy End wäre also entstanden, weil der Autor den Hauptkonflikt nicht im Griff hatte.

Gleiches gilt natürlich umgekehrt. Wenn Klaus am Ende seine Schüchternheit überwunden hat und Marianne sich mit ihm auf eine Beziehung einlässt, ist nicht unbedingt alles gut. Denn falls Marianne das nicht aus Liebe getan hat, sondern zum Beispiel, weil es ihr sonst irgendwie nützlich ist, sie also an Klaus ansonsten immer noch desinteressiert ist, hat nur der Klaus aus Beispiel 8 seinen Kampf gewonnen, während der aus Beispiel 7 nur scheinbar besser dasteht als zu Beginn. Proklamiert der Autor dies als Happy End, schreit der Kritiker: „Thema verfehlt!“

Um nicht in eine dieser Fallen zu laufen, sollte man sich also klar machen, wo man die Akzente setzt.

Zwischenstopp

Nun haben wir also Ideen und Material gesammelt, unseren Roman gepitcht und den Hauptkonflikt herausgearbeitet. Diese Schritte zumindest würde ich auch ausgesprochenen Bauchschreibern empfehlen. Diese können an dieser Stelle aussteigen, sich den Pitch und den Konflikt über den Bildschirm pappen und losschreiben.

Die anderen lassen den Konflikt, wo er ist, also am besten in der Nähe, denn er ist der Ausgangspunkt für unsere Prämisse.

(PB-Plotten: Die Liste)

Literarisches Handeln im Internet

Literarisches Handeln im InternetGesine Boesken, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur II an der Universität Köln, hat sich mit Literaturplattformen und ihren Usern im Internet beschäftigt. Unter anderem untersuchte sie „Autorenecke“, „Geschichtenweber“, „Kurzgeschichten.de“, „Die Kurzgeschichten-Welt“, „Leselupe“, „Lyrik-Forum“, „Schreibrunde“ und „WebStories“.

Ihre interessanten Ergebnisse sind in dem Buch „Literarisches Handeln im Internet – Schreib- und Leseräume auf Literaturplattformen“ zusammengefasst, das bei UVK erschienen ist.

Im Verlagstext heißt es:

Im Internet wird Literatur zum ›Breitensport‹: Literaturplattformen dienen zehntausenden von Nutzern als Treffpunkt, Ausstellungsraum und Werkstatt. Literarisches Handeln etabliert sich hier im Spannungsfeld von Dokumentation und Flüchtigkeit, Anonymität und (virtueller) Identität, Öffentlichkeit und Privatheit.

In ihrer literatursoziologischen, empirisch angelegten Studie untersucht die Autorin dieses Phänomen des aktuellen literarischen Lebens: Sie analysiert die den Plattformen zugrunde liegenden Strukturen und Mechanismen, beleuchtet die Motivation der Nutzer und zeigt Kriterien des Gelingens und Scheiterns.

Die Autorin promovierte mit dieser Arbeit 2009 an der Universität zu Köln.

Für Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Studierende der Fächer ist die Publikation eine interessante Lektüre, aber auch interessierte Laien oder Personen, die selbst in diesen Foren tätig sind, werden Freude an dem Buch haben. (merz, 04/2010)

Für die, die mal ins Buch hineinschnüffeln möchten, gibt es eine Leseprobe (Einleitung) und das Inhaltsverzeichnis, beides als PDF. Außerdem kann man auch bei amazon einen Blick ins Buch werfen.

Gesine Boesken
Literarisches Handeln im Internet
Schreib- und Leseräume auf Literaturplattformen

1. Auflage
2010, 290 Seiten, br.
ISBN 978-3-86764-236-1
Euro (D) 29,00 / Euro (A) 29,90 / SFr 42,90

Verlagsseite

Rückblende: Samstag

Der zweite Tag des Montsegur-Autorentreffens.

Pünktlich um 9.00 Uhr ging es los. Die Autorenschaft teilte sich in Workshop- und Vortragsbesucher. Da ich mich für einen Workshop am Sonntag eingetragen hatte, musste ich auf die samstäglichen von Hans Peter Roentgen („Exposee und Pitch“) und Andrea Schacht („Figurenbaukasten“) verzichten. Entschädigt wurde ich aber durch die tollen Vorträge.

Es begann psychologisch mit meiner Geschichtenweberkollegin Melanie Metzenthin, die uns als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit ihrem Vortrag „Von unheilbaren Psychopathen und liebenswerten Schurken – Was zeichnet einen Bösewicht aus?“ die fachlich korrekten Fakten über unsere Antihelden näherbrachte.

Ebenso ein Fachmann auf seinem Gebiet ist Joachim Jessen von der Agentur Schlück, der in humorvoller Weise über die „Zusammenarbeit Autor – Agent – Verlag“ dozierte und dabei mit eigenen Erfahrungen nicht hinterm Berg hielt.

Jessen war auch Teilnehmer der anschließenden hoch interessanten Podiumsdiskussion „Wie die Jungfrau zum Kind … oder Warum werden Bücher Bestseller?“, in der neben ihm auch der Leiter des Bereichs Internet Communication bei Droemer Knaur, Domimik Huber, Juliane Korelski, Autorin und ehemalige Buchhändlerin, sowie die Bestsellerautorinnen Andrea Schacht und Eva Völler Interessantes zum Thema beizutregen hatten, wohl geführt und moderiert durch Jürgen Bräunlein.

Nach dem Mittagessen führte Dominik Huber dann seine Thesen, Erfahrungen und die Erfahrungen von Untersuchungen bezüglich „Autoren(selbst)marketing, neue Medien + virale Effekte“ aus. Gerade der Einfluss, den laut seinen Ausführungen das Internet auf die Karriere von Sebastian Fitzek hatte, war für die meisten Zuhörer sicher eine ganz neue Komponente.

Allen bekannt dürfte dagegen das Grundproblem gewesen sein, über das Titus Müller im Anschluss sprach. „Leben als Autor (Selbstzweifel, Motivation, Rituale)“. Man merkte es den belustigten Reaktionen des Publikums an, dass nicht nur ich meine Probleme und Problemchen in dem Vortrag wiederfand.

„Ein multimediales Event“ nannte André Wiesler seinen anschließenden Beitrag „Von Blutsaugern, Hexen und Menschenfressern“. Und schaurig schön ging es dann auch zu. So ein bisschen Grusel vor dem Abendbrot hat sicher keinem geschadet.

Nach dem leckeren Abendessen ging es dann wieder in die Hotelbar, wo es wieder sehr gemütlich bis beschwingt zuging.