Impressionen für den Ausdruck

Ich habe die Impression für mich entdeckt. Jetzt erst! Tatsächlich wollte ich lange Zeit nichts von ihr wissen. Als Leser nicht und nicht als Autor. Zu subjektiv, zu ich-bezogen. Eine Impression weist wohl kaum einmal über sich hinaus und weiß auch nicht wirklich zu unterhalten.

Dazu kommt noch, dass es mir bisher alles andere als ein Bedürfnis war, meine persönlichen Eindrücke zu notieren, vielleicht noch über sie zu sinnieren. Was ich dann doch für mein Schreiben brauchte, rief ich aus dem Speicher ab.

Aber nun hatte ich mir vorgenommen, alle Formen der Kurzprosa, wie sie Eleonore Wittke in Kurzprosa schreiben aufzählt, einmal zu versuchen. Also ging ich auf den Balkon …

Nun bin ich nicht etwa in dem Sinne geläutert, dass ich die Impression plötzlich als ein rundum verehrenswertes Goldstück empfände. Aber sie kann durchaus Spaß machen. Und sie ist eine gute Schule, weil man auf kreativem Wege versucht, persönliche Eindrücke und das, was sie auslösen, in passender und ansprechender Weise aufs Papier zu bringen. So bietet sie eine tolle Möglichkeit, mit dem Ausdruck (im Sinne von sich ausdrücken, bitteschön!) zu experimentieren.

Bei mir war der Wind in den Baumwipfeln der Auslöser für ein täglich erlebtes Klischee, an das sich erst beim Schreiben persönliche Erinnerungen knüpften. Und das kam dabei raus.

werliestwannwo

werliestwannwoÜber einen neuen Facebook-Kontakt bin ich auf eine interessante Seite gestoßen:

werliestwannwo.

Im Untertitel nennt sich die Seite „Das Lesungsportal für Deutschland“. Und genau das will sie sein.

Interessierte können hier Lesungstermine quer durch die Rebublik finden. Dazu können sie auch einen monatlichen Newsletter abonnieren.

Autoren und Veranstalter sind aufgefordert, kostenlos ihre Lesungen oder andere literarische Veranstaltungen über ein Formular oder per E-Mail einzutragen.

Die Seite ist noch jung, wird aber mit zunehmendem Bekanntheitsgrad sicherlich schnell wachsen. Für Autoren und Veranstalter eine gute Möglichkeit, auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen.

Mit der zusätzlichen (und vom Veranstaltungskalender unabhängigen) Lesungsvermittlung zwischen Autoren und Veranstaltern will die Seite obendrein einen weiteren Service bieten, der durch vorerst ehrenamtliche Lesungsagenten realisiert wird. Dabei wird für die Vermittlung, wie ich durch Nachfrage erfuhr, entweder eine prozentuale Beteiligung an eventuellen Einnahmen oder eine Festvergütung von 25 – 50 Euro fällig.

Gerade diese Vermittlung ist eine schöne Idee, die allerdings einen kleinen Haken hat. Zwar steht es dem Autor frei, sich nur gegen ein angemessenes Lesungshonorar vermitteln zu lassen, Sandra Vogel, die Gründerin der Seite, gibt allerdings zu bedenken, dass die Vermittlung dadurch extrem erschwert werde, da die wenigsten der Veranstalter ein Honorar zahlen würden:

Im Grunde soll es ein gegenseitiges Entgegenkommen sein. Ein kleiner unbekannter Autor „darf“ lesen, erhält dafür aber kein Honorar. Ein Veranstalter „lässt“ lesen und muss dafür auch nichts bezahlen. Einnahmen durch die Lesung teilen sich Autor und Veranstalter. Wie genau, müssen sie untereinander ausmachen.

Daraus lässt sich ablesen, dass bisher vor allem unbekanntere Autoren diesen Service nutzen. Nicht ganz unverständlich, haben gestandene Autoren doch in der Regel Verlag und/oder Agentur, die sich um Lesungspräsenz kümmern.

Andererseits sind Lesungsagenten dennoch sehr gefragt, damit meist ausgelastet und für neue Autoren kaum noch zu erreichen. Es bliebe also abzuwarten und auszutesten, ob Veranstalter bei bekannteren Namen sich dann doch zu einem Honorar durchringen können.

Die Diskussion bezüglich honorarfreier Lesungen dürfte hinlänglich bekannt sein und ich will sie hier lediglich streifen. Ich selbst lese im Regelfall nur gegen Honorar und möchte daher auch empfehlen, auf ein solches zu bestehen. Allein schon deshalb, weil es den Kollegen gegenüber, die zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts mit dem Schreiben und durch Lesungen bestreiten, unfair wäre. Der VS empfiehlt ein Regelhonorar von 250 Euro pro Lesung.

Ich will andererseits auch zugeben, dass ich verstehen kann, wenn angehende Autoren froh sind, überhaupt ihre Werke in einer Öffentlichkeit präsentieren zu können. Mir ging es da anfangs nicht anders.

Der Vermittlungsservice von werliestwannwo ist also sicherlich uneingeschränkt für solche Autoren zu empfehlen, die erst noch Fuß fassen wollen. Diejenigen, die wie ich nur honoriert lesen wollen (bzw. müssen), können hoffen, dass zunehmend auch Veranstalter gefunden werden (bzw. die Seite finden), die bereit sind, die Arbeit des Autors zu vergüten.

Bevor jemand falsche Schlüsse zieht, sei noch darauf hingewiesen, dass die Initiatorin von werliestwannwo außerdem seit kurzem verlegerisch tätig ist. Sie betreibt den im April 2010 gegründeten Piepmatz Verlag, der auch auf der werliestwannwo-Seite genannt und verlinkt ist.

Ganz offen bekennt sich der Verlag auf seiner Homepage dazu, ein DKZ-Modell anwenden zu müssen. Abgesehen von der Benennung (Verlag) werden den Autoren dabei keine falschen Tatsachen vorgetäuscht oder Bestsellerversprechungen gemacht. Auch hofft Verlegerin Sandra Vogel, wie sie in einem verlinkten Interview angibt, so bald wie möglich von diesem Geschäftsmodell abrücken zu können.

Dies nur, damit niemand überrascht und erschreckt die Finger von werliestwannwo lässt, denn dieser Umstand ändert natürlich nichts am sehr lobenswerten Konzept der Seite, die dementsprechend von namhaften Link-Partnern verlinkt wird.

Auf direktem Weg zur Figur

Wer Autorensoftware benutzt, wird es wahrscheinlich unter anderem deshalb tun, weil sie die Möglichkeit bietet, Notizen übersichtlich und kompakt zu verwalten und sie bei Bedarf mit wenigen Klicks hervorzaubern zu können.

So bot yWriter bisher immer die Möglichkeit, etwa einen Figurennamen im Text anzuklicken und damit das entsprechende Figurenblatt aufzurufen. Manchmal war das auch nervig, so wenn man beispielsweise den Satzbau ändern wollte, einen Doppelklick auf den Namen ausführte und erst das Figurenblatt wegklicken musste.

Mit einem Update war diese Funktion plötzlich verschwunden, was ich als noch unangenehmer empfand, weil es nun nötig war, die Figurenblätter wieder umständlich über das Menü oder die Registerkarten aufzurufen.

Allerdings (und manch einer wird mich längst als Blindfisch bezeichnen) habe ich einfach den Fortschritt übersehen. Denn es lässt sich nun einstellen, ob man bei einem Doppelklick direkt zu den Notizen gelangt oder ob man damit einfach nur den Namen markiert.

Öffnet man ein Szenefenster, lässt sich dort im Menüpunkt „Einstellungen“ die Funktion „Bekannte Figuren markieren“ aufrufen. Hat man sie mit einem Häkchen versehen, werden im Text (nicht nur in dieser einen Szene) alle Figurennamen, die dem Programm bekannt sind (für die man also ein Figurenblatt erstellt hat) farblich hinterlegt. Mit einem Doppelklick auf den Namen öffnet sich nun wieder das Figurenblatt.

Gleiches gilt für die Funktionen „Bekannte Schauplätze markieren“ und „Bekannte Gegenstände markieren“.

Gewusst wie, sage ich nur.

PB-Plotten: 19 – Rohmanuskript

Tja, ob man nun viel oder wenig Aufwand mit dem Plotten betrieben hat, die eigentliche Schreibarbeit hat man erst noch vor sich. Und deren Ergebnis kann immer nur eine erste Fassung sein, ein Rohmanuskript, das von der Endfassung noch den einen oder anderen Überarbeitungsschritt entfernt ist.

Auch wird die umfangreichste Vorausplanung nicht vollständig davor schützen, beim Schreiben nicht doch noch Lücken, Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.

Wie man damit umgehen sollte, ist schwerlich in einen allgemeinen Empfehlung auszudrücken. So gibt es Autoren, die es schaffen, sich während der Niederschrift der Rohversion von allen perfektionistischen Korrekturteufeln freizumachen. Sie schreiben den Text herunter, ohne sich schon um den optimalen Ausdruck zu scheren, merken Lücken und Schwächen im Manuskript bestenfalls an und schieben die Beseitigung aller Unklarheiten bis zur Überarbeitungsphase auf.

Auf der anderen Seite stehen die, die kaum einen einzelnen Satz zu Papier bringen, ehe sie nicht davon überzeugt sind, dass der vorherige sein bestmögliches Outfit angelegt hat, die nicht weiterkommen, wenn sie nicht auch noch das letzte Detail, das ihnen den Weg versperrt hat, in Grund und Boden recherchiert haben, die keine neue Szene beginnen können, wenn sie in der vorhegehenden noch eine klitzekleine logische Schwäche vermuten.

Letztere Spezies, zu der ich mich auch rechne, hat den Vorteil, mit der ersten Fassung der Finalversion schon recht nahe zu kommen. Dafür allerdings hat sie größere Schwierigkeiten, täglich eine gleichbleibend hohe Schreibleistung zu erzielen. Kleinigkeiten sorgen für Unterbrechung und können hin und wieder zur Verzweiflung führen.

Wer es kann, der sollte durchaus versuchen, die Rohversion quasi in einem Rutsch zu erstellen. Wer umfangreich plottet, sollte auch dann in der Überarbeitungsphase keine allzu großen Schwierigkeiten mit grundlegenden und/oder sehr umfangreichen Nachbesserungen und Änderungen bekommen.

Wo allerdings etwas grundsätzlich nicht funktioniert, sollte man darauf achten, dass man nicht sinnlos weiterschreibt.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 13: Kapitelplanung

Manchem Autor fällt es erstaunlich schwer, den eigenen Roman in Kapitel einzuteilen. Eine Autorin hat mir mal erzählt, sie habe das längst aufgegeben und überlasse die Kapiteleinteilung dem Lektorat.

Ich selbst habe dabei wenig Probleme. Meist habe ich schon vorher in etwa im Kopf, wo ein neues Kapitel beginnt. Gewalt muss ich dem Text dafür nicht antun, möglicherweise habe ich ein recht gutes Gefühl für kleinere und größere Spannungsbögen.

Dennoch habe ich mich beispielsweise bei „Das Lächeln der Kriegerin“ im Schreibprozess noch umentschieden und aus relativ kurzen Kapiteln zwölf längere gemacht, die sich gleichmäßig auf die beiden Teile „Die Botschaft“ und „Der Bote“ verteilen. Ich dachte dabei einfach an den übersichtlicheren und schöneren Eindruck im Inhaltsverzeichnis, setzte aber die neuen Kapitelenden natürlich dennoch nicht einfach willkürlich, sondern inhaltlich begründet.

Wie er seine Kapiteleinteilung begründet, bleibt dem Autor selbst überlassen. Es gibt, allen in Schreibforen auftauchenden Nachfragen zum Trotz, keine Vorgaben oder Regeln. Auch nicht hinsichtlich der Länge oder der Frage, ob man den Kapiteln Überschriften verpasst oder sie einfach durchnummeriert.

Ausnahmen sind vor allem bei Auftragswerken oder Titeln innerhalb einer Reihe oder Serie mögliche Verlagsvorgaben. Auch kann es durchaus sein, dass ein Verlagslektorat die Kapiteleinteilung als zu willkürlich bemängelt.

Hier sollte also der erste Anspruch des Autors liegen: die Kapitel nach einem eigenen, aber nachvollziehbaren Prinzip zu wählen. Am besten ist es oft, wenn jedes Kaptitel einem eigenen Spannungsbogen folgt. Es wird dabei vom Autor abhängen, ob er, um dies optimal zu erreichen, die Kapitelplanung der Szenenplanung vorzieht oder ob er besser fährt, wenn er bereits alle Szenen übersichtlich geplottet hat.

Weitere Kriterien könnten je nach Geschichte zeitliche Faktoren (Montag, Dienstag, …; 1985, 1985, …) oder die Handlungsorte sein (Hamburg, Berlin, Müchen, Wien). Bei Romanen mit mehreren Handlungssträngen werden diese gern streng in Kapitel unterschieden, was dem Leser auch erleichtert, die Wechsel zu erkennen.

Es bleibt also letztlich eine Frage des Geschmacks, aber eine, die man gut begründen können sollte. Und eine, bei der auch Möglichkeiten und Anforderungen der jeweiligen Geschichte geprüft sein wollen.

(PB-Plotten: Die Liste)