SchickLit von Anna

Anna Koschka: Naschmarkt

Anna Koschka: NaschmarktBevor du den Zeigefinger hebst und schimpfst, sage ich es gleich vorweg: Anna Koschka ist das Pseudonym meiner Freundin. Dieser Umstand wäre sicher ein guter Grund für dich, diese Rezension nicht allzu ernst zu nehmen. Denn natürlich lobe ich sie. Das macht man doch so – schon unter Freunden, erst recht in einer Beziehung. Ich bin also parteiisch. Trotzdem: Ich habe das Buch gelesen und sage meine Meinung darüber. Ich hätte es ja auch leichter haben können. Das Buch ist schließlich bereits seit fast einem Jahr auf dem Markt. Aus Zeitgründen habe ich es nur im Schneckentempo gelesen und schreibe die Rezension erst jetzt, da ich mir die eigene Meinung bilden konnte. Wenn dir das trotzdem nicht aussagekräftig genug ist, findest du ja etliche und überwiegend sehr positive Rezensionen anderer Leser im Netz. Denn das Buch ist mehr als einen Blick wert. Es ist sehr gut! Da kann ich ja nichts dafür!

„Naschmarkt“ gefällt mir also. Und das, obwohl ich gar nicht die Zielgruppe bin. Naschmarkt versteht sich nämlich als ein Frauenroman. Genauer: ein unterhaltsamer Frauenroman, ein ChickLit. Aber wie eng man auch immer eine Zielgruppe definieren möchte, das bedeutet zunächst nicht mehr, als dass der Roman auf jeden Fall solchen Lesern zusagen soll. Es schließt aber nicht aus, dass der Roman nicht auch außerhalb der fokussierten Klientel fischen darf. Und das tut er!

Zunächst bei Leserinnen, denen der typische ChickLit gelegentlich zu flach ist. Sie finden schon in Dotti eine Protagonistin, die gar nicht typisch irgendwas ist. Sie ist intelligent, gebildet, schlagfertig und gleichermaßen Literatur- wie Katzennerd. Und sie hat den Happy Ends abgeschworen, die mag sie schon in Büchern nicht.

Dass die Literaturjournalistin sich plötzlich (wenn auch in einem mehr oder weniger literarischen Umfeld) doch den Männern, dem Flirten und vor allem dem Daten zuwenden soll, passt ihr daher ganz und gar nicht. Wenn sie dabei wenigstens interessante Leute kennenlernen würde und nicht nur völlig abartige …

Aber Moment! Dotti tritt mit ihrer witzigen Frustkolummne nicht nur einen neuen Hype los, sondern kommt dadurch dann doch mit mindestens einem männlichen Vertreter ihrer Spezies in Berührung, der sie dann doch ein wenig in ihren Grundfesten erschüttert und dem Leser die Hoffnung auf das von der Figur vielleicht doch gar nicht so generell verhasste Happy End lässt.

Dem Leser? Ja, halte dich fest! Das Buch gefällt auch den Herren der Schöpfung, das hat es bereits mehrfach bewiesen. Es ist großartig geschrieben, der Humor beinahe universell und der Grundkonflikt keiner, der nur Frauen angehen würde. Darüber hinaus kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Nein, ein Krimi ist es nicht, aber Dotti muss mit kriminalistischem Gespür ein Rätsel aufklären, das einer hochkomplizierten Schnitzeljagd gleicht.

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Anna Koschka
Naschmarkt
Roman

Taschenbuch
Knaur TB 2012
ISBN: 978-3-426-51120-6

Verlagstext:

Dotti Wilcek hat der Männerwelt abgeschworen. Endgültig! Wer könnte weniger geeignet sein, eine Internetdatingagentur zu testen? Doch Dottis bissiger Blog über Männer, Mauerblümchen und Flirten für Anfänger spricht einer ganzen Generation von netzgeplagten Singles aus dem Herzen …

„Schon lange wollte ich nicht mehr so unbedingt in eine Geschichte hineinklettern wie in diese hier.“ Kerstin Gier

„Dotti ist das schärfste Mauerblümchen der Welt: charmant, klug und witzig.“ Gabriella Engelmann

„Sind wir nicht alle ein bisschen Dotti?“ Andrea Koßmann

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Leseprobe
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Anna Koschka kommt!

Anna Koschka: Naschmarkt

Anna Koschka: NaschmarktNur noch ein knapper Monat vergeht bis zum offiziellen Erscheinungstermin (03.08.2012)! Dann kommt er endlich in die Läden – seien sie nun vorort oder virtuell –, der lang erwartete Erstling von Anna Koschka: „Naschmarkt„.

Lang erwartet? Das Debüt einer Autorin? Kauft man da nicht die Koschka im Sack?

Nun, zunächst einmal muss ich eingestehen — manchem wird es nicht entgangen sein –, dass ich auch privat eine gewisse Zuneigung zu dieser reizenden Dame empfinde, was aber hier nicht das Thema sein soll. Immerhin ließe sich dadurch eine ebenso gewisse Voreingenommenheit ableiten, die ich auch gar nicht abstreiten will.

Glücklicheweise muss sich niemand allein auf mein Urteil verlassen (obgleich es sich durchaus durch Vorablesen gebildet hat). Da wäre zunächst die Tatsache, dass Anna Koschka bereits mit einer entzückenden Kurzgeschichte in der Anne-Hertz-Anthologie „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ auf sich aufmerksam gemacht hat. Ihren Beitrag „Ein Mann für griechische Stunden“ können E-Book-Leser übrigens auch einzeln erstehen.

Nicht zu vergessen, dass „Naschmarkt“ zwar der erste Roman Anna Koschkas ist, die Autorin aber bereits auf drei veröffentlichte Romane zurückblicken kann, die unter ihrem Realnamen Claudia Toman veröffentlicht wurden. Ihren zweiten habe ich sogar hier auf dem Blog besprochen.

Wer sich darüber hinaus die Ankündigung auf der Verlagshomepage ansieht, stößt unweigerlich auf die Meinungen dreier namhafter Kolleginnen, die dort ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen: Kerstin Gier, Gabriella Engelmann und Andrea Koßmann. Dort heißt es über „Naschmarkt“:

Dotti Wilcek hat der Männerwelt abgeschworen. Endgültig! Wer könnte weniger geeignet sein, eine Internetdatingagentur zu testen? Doch Dottis bissiger Blog über Männer, Mauerblümchen und Flirten für Anfänger spricht einer ganzen Generation von netzgeplagten Singles aus dem Herzen …

„Schon lange wollte ich nicht mehr so unbedingt in eine Geschichte hineinklettern wie in diese hier.“ Kerstin Gier

„Dotti ist das schärfste Mauerblümchen der Welt: charmant, klug und witzig.“ Gabriella Engelmann

„Sind wir nicht alle ein bisschen Dotti?“ Andrea Koßmann

Schließlich dürfte das schlagendste Argument die Leseprobe sein. Also, lest doch mal rein!

Die verkannte Novelle

Hartnäckig hat sich die Auffassung durchgesetzt, eine Novelle sei eine Erzählform, die im wesentlichen durch ihre Länge bestimmt wird. Sie sei eben ein Zwischending, das zwischen Roman und Kurzgeschichte angesiedelt ist.

Nun liegt man ja so falsch damit nicht, denn tatsächlich ist die Novelle in der Regel weniger umfangreich als ein Roman, doch eben auch länger als die durchschnittliche Kurzgeschichte. Damit überschneidet sie sich mit der Erzählung im engeren Sinn (also nicht als übergeordneter Begriff).

Im ursprünglichen Sinn zeichnet sich die Novelle aber durch eben die namensgebende Neuigkeit aus, die nicht besonders dramatisch sein muss, aber den Protagonisten aus seinem gewohnten Lebensumfeld zieht und eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt.

Während Kurzgeschichten und Romane auf einem zentralen Konflikt basieren und dem Ziel, diesen Konflikt zu lösen, ist die Neuigkeit in der Novelle eher ein Aufhänger, der Anlass für den Prota, an seinem bisherigen Leben etwas zu ändern. Einen echten zentralen Konflikt muss es nicht geben, die Novelle strebt nicht auf eine Lösung zu, sondern von einem Ausgangspunkt weg.

So könnte ein Gespräch mit einem Weltenbummler einen eher sesshaft veranlagten Protagonisten zum Träumen bringen. Immer deutlicher fühlt er in seiner Heimat ein Unwohlsein, bis er schließliche einfach seine Koffer packt, um eine Weltreise zu unternehmen.

Für die Novelle ist also wichtiger, wie das auslösende Ereignis auf den Prota wirkt und welche Folgen es nach sich zieht, als die Frage, ob und wie er ein essentielles Ziel erreicht.

Wenn Peter von seiner Frau verlassen wird, kann das einen Konflikt in ihm auslösen. Er will nicht einsam sein und sie zurückerobern. Die Kurzgeschichte oder der Roman erzählen, wie Peter versucht, diesen Konflikt zu lösen, wie er also seine Frau zurückgewinnen will und ob und wie das funktioniert. Am Ende hat Peter seine Frau entweder zurückerobert oder hat sie endgültig verloren.

In der Novelle aber würde diese Neuigkeit in Peters Leben ihn zum Nachdenken über sein bisheriges Leben anregen und Konsequenzen nach sich ziehen. Er würde sich kein Ziel stellen, sondern einfach etwas verändern. Zum Beispiel all die Träume verwirklichen wollen, die er bisher zugunsten der Ehe nie in Erwägung gezogen hat. Vielleicht kauft er sich endlich das Modellflugzeug, das er immer nur im Geschäft bewundert hat. Je häufiger er damit spielt, desto mehr wünscht er sich, einen echten Flieger zu pilotieren. Er nimmt Flugstunden …

Eine typische Ausgangslage für eine Novelle finden wir recht häufig in Filmen: Der Protagonist erfährt von heute auf morgen, dass er unheilbar an einer tödlichen Krankheit erkrankt ist. Natürlich ist das an sich ein dramatischer Konflikt, aber keiner, der sich als zentraler Konflikt, den es zu lösen gilt, anbietet. Der Tod des Protas ist vorgezeichnet. Die Nachricht davon eignet sich also gerade deshalb sehr gut für eine Novelle.

Besonders fein gesponnen sind meiner Meinung nach aber die Novellen, deren Neuigkeit eine scheinbar unbedeutende ist und bei der die Veränderungen, die sie bewirkt, sich schleichend einstellen.

Gedanken zur Inquitformel

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, sagte sie.
„Warum nicht?“, fragte er.
Sie schlug auf den Tisch und sagte: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, fragt er.
„Das sagen alle“, sagte sie.

„sagte sie, sagte er, fragte sie, …“ sind die sogenannten Inquitformeln, Einschübe in den Dialog, die so genannt werden nach dem lateinischen inquit, er sagt, er sagte.

Und viele werden der Sie in dem Beispieldialog sofort recht geben, wenn sie fordert, nicht ständig das „sagte“ zu wiederholen.

Nun haben Inquitformeln vor allem eine Funktion: Sie kennzeichnen im Dialog, welcher Figur welche Dialogzeilen zuzuordnen sind. Denn leider können wir ja nicht mit verstellten Stimmen schreiben. Oder doch? Vielleicht zum Teil.

Indem wir den Figuren durch Wortwahl, Stil und Sprechweise eigene Stimmen geben, können wir manche Inquitformel vermeiden. Auch das Gesagte selbst kann idealerweise deutlich machen, von wem es stammt.

Und doch werden wir immer wieder, vor allem dann, wenn mehrere Figuren am Dialog beteiligt sind, mit Inquits eindeutig machen müssen, wer der jeweilige Sprecher ist.

Nun kommt die Zeit der Synonyme, denn schließlich ist eine der ersten vielbeschworenen Regeln für angehende Autoren, man solle unbedingt Wiederholungen vermeiden. Man sollte diese wie jede andere Schreibregel schon allgemein mit Vorsicht betrachten, aber wie sieht es speziell bei den Inquits aus?

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, sagte sie.
„Warum nicht?“, fragte er.
Sie schlug auf den Tisch und antwortete: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, wollte er wissen.
„Das sagen alle“, entgegenete sie.

Na also, geht doch. Keine der Inquitformeln wiederholt sich. Allerdings ist dieser Dialog auch recht kurz. Was, wenn wir eine lange Dialogpassage haben? Finden wir dann noch genug Synonyme?

„Du sollst nicht so oft ’sagte‘ schreiben!“, forderte sie.
„Warum nicht?“, staunte er.
Sie schlug auf den Tisch und schrie: „Weil sich das nicht gehört!“
„Warum nicht?“, wiederholte er.
„Das sagen alle“, beharrte sie.

Man muss eben kreativ sein. Die beiden könnten auch etwas meinen, klarstellen, betonen, rufen, flüstern, …

Aber halt, ganz so einfach ist es nicht. Und mancher Lektor beginnt hier vielleicht schon, skeptisch eine Augenbraue zu heben. Die Meinungen darüber, was man als Inquitformel verwenden kann, soll und darf, gehen weit auseinander. Aber wo liegt das Problem?

„sagen“ und „fragen“ sind sehr neutrale Inquits, die kaum mit  Nebenbedeutungen belastet sind. Ähnlich sieht es mit „entgegnen“ und „antworten“ aus.

„rufen“, „schreien“, „flüstern“, whispern“ und ähnliche Verben sagen zusätzlich etwas aus zur Intensität, mit der der Sprecher etwas sagt. Wenn es passt, okay. Aber nur, um „sagte er“ nicht zu wiederholen, sollte man sicher nicht jeden Dialog zu Flüstern und Schreien werden lassen.

Wirklich kritisch wird es aber mit solchen Inquits, die in der Bedeutung weit über das einfache Ausprechen der Worte hinausgehen. Um den Artikel nicht ausufern zu lassen, will ich hier mal ein paar Problemfälle deutlich machen, die, wie ich hoffe, das Problem insgesamt deutlich machen:

„Was mich mal total interessiert: Hast du ein Auto?“, wollte sie wissen.
„Nein, habe ich nicht“, verneinte er.

Natürlich erfüllen diese Inquitformeln noch immer die Grundfunktion, nämlich die Sprecher zu kennzeichnen. Aber darüber hinaus liefern sie weitere Informationen. Und diese sind vollkommen redundant!  Dass sie etwas wissen will, weiß der Leser bereits, wenn er ihre Frage liest. Dass er verneint, wird ebenfalls aus dem Gesagten selbst deutlich. Die Informationen sind überflüssig und haben damit im Text nichts zu suchen.

Es stellt sich also die Frage, ob man, wenn man nur noch solche mit Redundanz belasteten Inquits als Synonyme zur Verfügung hat, nicht doch lieber wiederholt.

„Das war ein guter Witz“, lachte sie.
„Fand ich auch“, prustete er.

Inquitformeln, die man immer wieder liest. Was sie aber in manchen Augen nicht unbedingt besser macht. Denn ich bin sicher, den Wenigsten wird es gelingen, einen Satz zu lachen oder zu prusten. Man kann den Satz aussprechen und danach lachen. Oder davor. Gern auch beides. Man kann zwischen den Worten lachen. Gleiches gilt für das Prusten. Aber man kann sich nicht lachend artikulieren. Und falls es Leute gibt, die es doch können, müsste das Gegenüber mit Sicherheit antworten: „Ich habe kein Wort verstanden.“

Korrekt wäre also entweder „sagte sie und lachte“ oder bestenfalls „sagte sie lachend“.

Während diese beiden Formeln dennoch von den meisten Lektoren (vielleicht nicht immer lachend) akzeptiert werden dürften, treibt gerade diese problematische Form schnell seltsame Blüten:

„Was für ein schöner Morgen“, öffnete sie das Fenster.
„Ich muss los!“, rannte sie aus dem Haus.
„Entschuldige bitte“, staubsaugte sie direkt vor seinen Füßen.

Meine Empfehlungen lauten daher:

  1. Verwende Inquitformeln sparsam, wenn du sie mithilfe der kennzeichnenden Figurenrede und durch inhaltliche Klarheit vermeiden kannst, ohne dass der Leser raten muss, wer gerade spricht.
  2. Scheue nicht die einfachen Formen, etwa sagen, fragen, antworten, entgegnen. Das Problem der Wiederholung wird hier oft überschätzt, weil der Leser (sofern er nicht selbst schreibt und „regelkundig“ ist) solche Inquits gewohnt ist, sie praktisch überliest und als Information nur herauszieht, wer spricht.
  3. Wo du doch glaubst, Wiederholung vermeiden zu müssen, suche nach solchen Verben, die von der Bedeutung her nicht überladen sind, die treffend sind und die sich mit dem Akt des Sprechens vereinbaren lassen.
  4. Vermeide Redundanz.
  5. Versuche nicht, Verben als Inquitformel zu verwenden, die eigentlich Tätigkeiten bezeichnen, die während des Sprechens (nebenher) ausgeführt werden.

Ich für meinen Teil nutze hin und wieder eine weitere Gruppe von Verben, die möglicherweise nicht jeder gelten lassen würde. Sie stelle ebenfalls einen Grenzbereich dar:

„Welch großartiges Bauwerk“, schwärmte er.
„Das ist mein Lieblingsessen!“, frohlockte sie.
„Er war ein treuer Partner“, trauerte sie.
„Ich bin angenommen“, freute er sich.

Keines dieser Verben ist strenggenommen ein Verb des Sprechens. Wer jedoch schwärmt, tut das meist, indem er spricht. Anders gesagt, ist der Sprechakt Teil des Schwärmens, Frohlockens, Trauerns oder Freuens. Das, was die Figur sagt, ist Ausdruck ihres Schwärmens, …

„freute er sich“ fällt für mich ein bisschen aus dieser Reihe heraus und ich persönlich würde es eher nicht nutzen. Vermutlich, weil es doch eher die Assoziation des Zusätzlichen als des Übergeordnenten zulässt:

„Welch großartiges Bauwerk“, sagte er und schwärmte.
„Ich bin angenommen“, sagte er und freute sich.

Der erste Satz will nicht so richtig funktionieren. Wir können das Schwärmen von der Aussage nicht loseisen. Mit dem Freuen geht das problemlos.

Inquitformeln sind also letztlich weitgehend auch eine Geschmackssache. Wie weit man gehen kann, wird möglicherweise letztendlich vom jeweiligen Lektor bestimmt. Mit etwas Glück ist der kompromissbereit. Wer auf dieses Glück nicht bauen will, sollte sich hinsichtlich der Formeln vielleicht schon frühzeitig etwas zügeln.

Panik um den Jugendschutz

Ich muss zugeben, ich habe bisher noch gar nicht allzu viel von den Diskussionen um den geplanten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) mitbekommen, was vorrangig meiner Abneigung allem Juristischen (nicht den Juristen selbst) gegenüber anzulasten ist.

Eine Diskussion bei Montsegúr hat mich aber nun doch einen Artikel dazu lesen lassen. Denn gerade heute hat Udo Vetter auf seinem law blog seine Meinung zum Thema kundgetan:

Blogger können leidlich gelassen bleiben

Nach dem Lesen kann dann jeder selbst entscheiden, ob er fortan die Gelassenheit des Autors teilen möchte oder nicht. Ich erlaube mir, mit aller fehlenden Fachkompetenz ersteres zu tun.

Jugend hat keinen Sinn für Goethe & Co

Rezitator Lutz Görner: Mit Lyrik lässt sich kein Geld verdienen

Bücherregal: Lyrische Werke lässt die Jugend stehen (Foto: pixelio.de/Siegfried Fries)

Berlin/Weimar (pte/17.09.2010/13:30) – Die Umsätze von Lyrik-Bänden im Buchhandel sinken seit Jahren. „2007 machte der Umsatz im Bereich Lyrik noch 1,8 Prozent vom Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels aus, mittlerweile sind es nur noch rund 1,2 Prozent“, so ein Sprecher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels auf Anfrage von pressetext.

Für Deutschlands bekanntesten Rezitator Lutz Görner liegt der Grund unter anderem an dem Überfluss an Medien: „Die jungen Leute heutzutage haben andere Probleme, als die jungen Leute vor dreißig Jahren. Damals hatten sie noch keinen Computer und Computerspiele, noch kein Handy, keine Klingeltöne, kein Wikipedia, kein Internet. Die hatten nur Fernsehen und LPs.“

Früher sei der Wunsch, sich mit Lyrik auseinanderzusetzen, größer gewesen. „Viele Leute sind in meine Vorstellungen gekommen oder ich bin in die Schulen gegangen. Das wurde mir manchmal schon fast ein bisschen zuviel“, erzählt Görner im pressetext-Interview.

Bewusstsein für Kunst muss sich erst entwickeln

Heutzutage sei kein Platz für Schiller, Goethe und Co meint der Rezitator. „Wenn man so lange Schule hat und dann fünf Stunden im Schnitt vor dem Fernseher oder Computer sitzt, dann ist ja auch nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit. Aber das wird auch mal wieder anders.“ Das Bewusstsein für Kunst müsse sich auch erst entwickeln.

„Was will ein Elfjähriger mit einem Liebeslied von Verdi anfangen? Damit ist sein Gefühlshaushalt überfordert. Der hört sich lieber Tokio Hotel an. Das ändert sich dann mit dem Alter und irgendwann merkt man, dass es noch so etwas wie Kunst gibt“, ist sich Görner sicher.

Als Dichter braucht man die richtige Frau

Görner, der u.a. Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie studiert hat, ist vielen Deutschen und Österreichern bekannt durch seine Fernsehserie ‚Lyrik für alle‘. Über 17 Jahre wurde sie jeden Sonntagmorgen um fünf nach neun in Zusammenarbeit mit dem ORF bei 3sat ausgestrahlt. Mit Lyrik allgemein könne nie jemand wirklich Geld verdienen. Als Rezitator könne er jedoch nicht klagen.

Dichter hätten es schwerer, da die Auflagen von Gedichtbänden zu gering seien. „Von einer 2.000er-Auflage, bei der man auch nur zehn Prozent vom Händlerabgabepreis bekommt, kann man ja nicht mal die Miete zahlen. Wenn man heutzutage Dichter sein will, muss man sich die richtige Frau, mit einem festen Job aussuchen“, scherzt Görner.

Nach wie vor tourt Görner durch Deutschland und ist im Oktober erstmals mit seinem Schiller-Programm „Opiumschlummer und Champagnerrausch“ auch in Österreich zu Gast (22. Oktober Wien; 24. Oktober Wels). Nächsten Montag, 20. September 2010, widmet er sich ab 19 Uhr im Berliner Café Einstein Unter den Linden, gemeinsam mit Gerald Uhlig und „Deutsch-Rapper“ Curse im Rahmen einer Buchvorstellung der Frage, ob „Deutsche Lyrik – verstaubt oder zeitlos?“ ist. Infos hierzu unter http://www.beingoo.de/lyrik.

(pressetext)

Warum fragst du mich eigentlich?

Nicht der erste, aber ein besonders schöner Fall seiner Art:

Da bekommt man eine Anfrage, ob man sich mal das Exposé und eine Leseprobe eines Romans ansehen könnte, möglicherweise zwecks Endlektorat (der Text sei bereits gründlich vorlektoriert), Beratung, Austausch und Verlagsvermittlung.

Ich nehme beides in Augenschein, verweise in der Antwort jedoch darauf, dass ich (wie auf der Lektoratshomepage ersichtlich) momentan keine Kapazitäten frei habe. Freundlich erläutere ich, dass ich vom Exposé und der Leseprobe ausgehend den Roman noch nicht für veröffentlichungsreif halte, empfehle eine Manuskriptbetreuung (mit entsprechenden Links).

Außerdem erkläre ich, dass die Verlagsvermittlung Sache einer Agentur wäre und gebe auch hier einen Link zur Übersicht bei Uschtrin.

Beinahe erwartungsgemäß werde ich um ein Telefonat gebeten. Und natürlich soll ich die Kritikpunkte nennen, die mich zu dem Urteil gebracht haben, das Manuskript sei noch nicht reif für eine Veröffentlichung.

Ich beginne mit der Kritik am Exposé und bekomme zur Antwort, der eine sage dies, der andere jenes. Also die Leseprobe. Auch hier scheint der „Nicht-Kunde“ nicht mit meinen Ausführungen zufrieden, unterbricht mich recht bald und meint, er habe jetzt eigentlich etwas anderes erwartet.

Ein wenig neugierig frage ich, was er denn erwartet habe. Er bezieht sich auf mein Studium und meint, er habe von mir eine eher literaturwissenschaftliche Analyse erwartet und keine Meinung, wie die vielen , die er schon bekommen habe.

Man könnte es auch anders formulieren und daher bitte ich doch (wiederum höflichst) darum, dass diejenigen, die letztlich nur eine Selbstbestätigung suchen, besser mit ihrem Spiegelbild kommunizieren sollten.

Immer diese Debütanten

Da habe ich gerade erst in einem Forum gegen die gefestigte Meinung anzureden versucht, deutsche Verlage würden praktisch keine deutschen Autoren debütieren lassen, weil sie lieber billig Auslandslizenzen einkaufen würden (die heutzutage im Vergleich gar nicht unbedingt die günstigere Alternative für den Verlag darstellen müssen), schon darf ich auf meinem Blog die nächste deutsche Nachwuchsautorin vorstellen, die den Schritt in die Verlagswelt geschafft hat.

Geschichtenweberin Christiane Lind debütiert am 1. Juni mit ihrem Historischen Roman „Die Geliebte des Sarazenen“ beim Rowohlt Verlag.

Auf der Verlagsseite heißt es zu dem Buch:

Wagnisse der Liebe – eine Frau zwischen Orient und Okzident.

Braunschweig zur Zeit der Kreuzzüge: Die junge Leonore von Calven begibt sich auf Wallfahrt nach Jerusalem. Was niemand weiß: Leonore trägt ihr Pilgergewand nur zum Schein. Der wahre Grund ihrer Reise muss verborgen bleiben.
Viele Gefahren lauern auf dem Weg in die Heilige Stadt. Doch die junge Frau findet hilfsbereite Gefährten – und sie ist nicht die Einzige, die ein Geheimnis hütet …
Als Leonores Leben bedroht wird, rettet sie der Karawanenführer Nadim. Durch ihn taucht sie ein in eine faszinierende fremde Welt. Aber der Friede im Heiligen Land ist zerbrechlich. Und Leonore muss sich der Frage stellen, ob eine Christin einen Sarazenen lieben darf …

Ich gratuliere Christiane auch an dieser Stelle noch einmal zu diesem Erfolg und wünsche ihr viele Leser. Sicher wird sie schon bald keine Debütantin mehr sein, denn die dürfte es ja unter den deutschen Autoren eigentlich ohnehin nicht geben.

Der Kummer mit den Regeln

Ich sage gern, es gibt keine Regeln, allenfalls Richtlinien, besser noch Ratschläge, sofern es ums Schreiben geht.

Zwei davon, nämlich solche, die den Schreibdiskurs der letzten Jahre ganz entscheidend prägen, stehen in einer Diskussion im Montsegur-Forum derzeit auf dem Prüfstand: Show, don’t tell und szenisch vs. berichtend.

Dabei ist es weniger wichtig, welcher der beiden Lehrsätze durch das Ausgangsposting mehr berührt wird (meiner Meinung nach sind es beide), sondern eben die Erkenntnis, dass die Übertreibung schnell zu Einseitigkeit und Langeweile führt.

Meine Erfahrung aus dem Lektorat besagt außerdem, dass angehende Schreiber schon ohne Regelkenntnis dazu neigen, weniger Wichtiges auszuwalzen und Schlüsselszenen im Eiltempo abzuhandeln.

Federwelt lädt zum Münchner Menü bis 01.03.10

Ausschreibung Münchner-Menü-Wettbewerb + Federwelt-Jurypreis:

Liebe Gäste, liebe Autorinnen und Autoren,

diesmal nehmen wir eine Stadt als Sujet: München. Und wieder sehen wir das Thema sehr frei und freuen uns auf alles, was Euch zu München einfällt: Was für Liebesgeschichten können hier passieren, welche nur hier, wen kann man hassen? Was ist schön, was ist schlimm? Wir freuen uns auf Ausführungen übers Schnösel-München genauso wie über Dramen und Komödien aus dem Hasenbergl. Vielleicht erfahren wir endlich, warum München schlechter ist als Berlin – oder besser. Schickt uns Junkiegeschichten, eine Familiensaga oder was unter den Tischen am Debütantinnenball im Bayrischen Hof passiert. Erzählt uns vom Gasteig, vom P1, aus dem Schellingsalon oder dem Cafe King. Wir werden ein Buch draus machen, eine Bestandsaufnahme von München am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Es werden insgesamt 1.000 Euro Preisgelder vergeben (750 Euro Publikumspreis, 250 Euro Federwelt-Jurypreis), viele der Geschichten werden in unserem Buch veröffentlicht und im RedBulletin (Auflage 1,6 Mio).
Der Sieger/die Siegerin des Publikumspreises bekommt zusätzlich ein Drei-Nächte-Wochenende in einem Tophotel spendiert.
Die Siegergeschichte des Federwelt-Jurypreises wird in der „Federwelt – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren“ veröffentlicht.
Alle Autorinnen und Autoren aus der Endrunde werden von unserem Sponsor Carpe diem zur Menülesung am 20.3.2010 nach München eingeladen.

Die Texte sollen bis 1. März 2010 elektronisch an lesung@hs-veranstaltungen.de eingesandt werden. Unsere Jury wählt aus den Geschichten vier aus. Am Samstag, den 20. März 2010 ab 17:30 Uhr findet die Lesung in München statt – der Ort wird noch bekannt gegeben.
Jeder Text wird erst musikalisch (live) eingeführt, dann von unseren Schauspielern gelesen, darauf von unserem Koch in einem Menügang interpretiert. Vier solcher Gänge gibt es. Das Publikum wählt zum Schluß den Sieger/die Siegerin aus, der/die das Preisgeld gewinnt und weitere Siegprämien.

Als BewerberIn um den Preis erklärt ihr euch mit der Einsendung bereit, dass euer Text bei Auswahl vorgetragen und in einer Anthologie zur Lesung, im RedBulletin bzw. in der „Federwelt“ sowie auf unserer Homepage (www.hs-veranstaltungen.de, Menüpunkt Lesungen) veröffentlicht wird. Die Texte müssen zwischen 11.000 und 13.000 Zeichen lang sein (ohne Leerzeichen) und sollen als Worddokument bei uns eingereicht werden.

Einsendeschluss ist der 1. März 2010.

Pro TeilnehmerIn kann nur ein Text eingereicht werden. Informationen über bisher stattgefundene Lesungen und die Veranstalter unter http://www.hs-veranstaltungen.de/lesungen.

Reservierende für die Lesung mit Viergangmenü melden sich bitte per E-Mail unter dem Account holleschek@hs-veranstaltungen.de an. Die Anmeldung wird bestätigt. Erst nach Zahlungsaufforderung ist der Betrag fällig.
Wir freuen uns auf euch und eure Geschichten.

Otger Holleschek und Matthias Schlick

Otger Holleschek
h+s veranstaltungen gmbh
Martin-Luther-Straße 2
81539 München
Telefon: 089/890686-66, Mobil 0172-2390398
fax: 089/8906868-88
www.hs-veranstaltungen.de

Pressemeldung 27. Januar 2010:

wir freuen uns, euch die Jurymitglieder für den laufenden Menülesungswettbewerb ankündigen zu können:
Michael Krüger, Chef des Hanser Verlages und ungekrönte Größe des gesamtdeutschen Literaturbetriebes, unterstützt uns mit seiner Meinung ebenso wie Amelie Fried, die mit ihrer Literatursendung „Die Vorleser“ eine wichtige Multiplikatorin für gute Texte ist. Wer jetzt gut schreibt, kann groß rauskommen!
Daneben werden uns Natalie Buchholz, Lektorin bei Randomhouse, Literaturprofessor Manuel Braun und die Akademischen Rätin Dr. Kathrin Bleuler unterstützen.

Das Thema ist „München“, und wir suchen alles, was auch nur ansatzweise mit München zu tun hat. Liebesgeschichten, Lebensgeschichten, Leidensgeschichten.
Also auf geht’s: Texte elektronisch als Worddatei abgeben bis 1. März 2010 unter lesungen@hs-veranstaltungen.de. 11.000 bis 13.000 Zeichen ohne Leerzeichen. Informationen über die aktuelle und bisherige Lesungen unter www.hs-veranstaltungen.de/lesungen
Alle Autoren der Endrunde werden nach München eingeladen.

Mit freundlichen Grüßen,

Otger Holleschek

Warum bin ich kein Künstler?

Andere können mich ja betiteln, wie sie wollen, sofern sie es mit ihren Begrifflichkeiten vereinbaren können (und auch, wenn nicht), ich selbst würde mich nie als Künstler bezeichnen.

Nicht so sehr deshalb, weil ich mich nicht in irgendeiner Form als Künstler sehe, sondern eher deshalb, weil ich ständig die Notwendigkeit sähe, mich zu erklären oder gar zu rechtfertigen. Gerade Autoren (!!!) sehen sich eigentlich bei jedem Begriff, den man für sie verwenden könnte, mit diesem Problem konfrontiert. Vom Schreiberling bis zum Schriftsteller. Und erst recht, wenn sie sich den Künstlern zurechnen.

Nicht anders als die meisten Begrifflichkeiten einer Sprache lässt sich auch „Künstler“ nicht eindeutig definieren, ist von Bedeutungsvarianten geprägt, von denen zeitabhängig manche die Oberhand gewinnen.

Ich bin durchaus der Meinung, dass Schreiben eine kunstvolle Tätigkeit ist. Ich würde sogar weitergehen und die Schriftstellerei als eine Kunst bezeichnen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich noch weitergehen würde und jede Form der kreativen Tätigkeit, unabhängig von Professionalität, Erfolg, allgemeiner oder individueller Anerkennung, als künstlerische Betätigung sehen möchte. Der Künstler als ein Mensch, der sich kreativ betätigt, um etwas zu erschaffen, dessen Sinn zu einem großen Teil in der ästhetischen Betrachtung liegt, ohne dabei von äußeren Bewertungsmaßstäben abhängig zu sein.

Damit würde der Begriff ein sehr neutraler und gleichzeitig freier. Ob meine Bilder in großen Galerien ausgestellt werden oder am Kühlschrank hängen, ob mein selbst entworfenes T-Shirt einen Designpreis erhält oder es nur der Enkel durch die Gegend trägt, ob meine Romane bei Suhrkamp erscheinen oder auf BookRix, das alles wäre für den Begriff des Künstlers, der in jeweils dem einen und dem anderen Fall kreativ geworden ist, unerheblich.

Tatsächlich kann man gerade im Internet oft den Eindruck gewinnen, dies sei eine weit verbreitete Meinung. Überall finden sich Plattformen für Künstler, die an ihre User keine weiteren Ansprüche stellen, als dass sie eben kreativ tätig geworden sind. Und nirgends sonst findet man den Begriff Künstler als Eigenbezeichnung häufiger als dort. Mehr noch entwickelt er sich auf solchen Seiten schnell zu einem Begriff der besonderen Gemeinsamkeit. Einem Begriff der Betonung. Einem Begriff der Abgrenzung.

Gerade da, wo die Hürde, sich als Künstler zu bezeichnen, besonders niedrig ist, wächst der Anspruch, sich mit dieser besonderen Leistung von anderen abzuheben. „Wir, die wir ja Künstler sind, …“ „Als Künstler haben wir doch alle …“ „Ein Künstler zeichnet sich doch gerade dadurch aus …“

Gleichzeitig wird der Begriff dadurch erweitert, dass ihm angeblich eine bestimmte Lebensphilosophie innewohnt. Künstler sind nicht mehr normale Menschen, die eine bestimmte Tätigkeit ausüben, sondern sie sind eine besondere Art Mensch.

Natürlich bleibt das alles eine Frage der Begrifflichkeiten. Welche Ansprüche man an jemanden stellt, dem man zugesteht, ein Künstler zu sein, ob man eine bestimmte Lebensphilosophie, eine individuelle oder allgemeine Bewertungsskala, Erfolg (oder gerade fehlenden Erfolg) oder was auch immer als Maßstab setzt, bleibt jedem selbst überlassen.

Das Problem ist eben, dass ein Gegenüber möglicherweise ganz andere Maßstäbe ansetzt. Ob ich mich also überhaupt verständlich machen kann, wenn ich mich als Künstler bezeichne, ist eher fraglich und höchstwahrscheinlich immer von nachgelieferten Erklärungen und Rechtfertigungen abhängig.

Daher verzichte ich darauf, was mir nicht schwerfällt, weil ich mir allein dafür, dass mich andere als Künstler sehen oder nicht, nichts kaufen kann. Ich fühle mich dadurch weder besser noch schlechter. Und wenn jemand der Meinung ist, ich wäre aus diesen und jenen Gründen ein Künstler, sei ihm das ebenso erlaubt wie dem, der meint, ich sei aus jenen oder diesen Gründen eben kein Künstler.

Ich muss mich weder ab- noch ausgrenzen, mich weder größer noch kleiner machen, als ich bin. Ich weiß, was ich tue, ich weiß, warum ich es tue, und ich kann einigermaßen abschätzen, was dabei herauskommt. Mehr muss ich nicht wissen. Ob ich deshalb in anderer Augen ein Künstler bin, Autor, Schriftsteller, Schreiberling, Hobby-Literat oder was auch immer, ist mir ziemlich schnuppe.

Glücklicherweise habe ich damit auch keinerlei Probleme, doch ich wundere mich manches Mal, welche Bedeutung dem von diesem oder jenem zugemessen wird.

Ich muss mich weder ab- noch ausgrenzen, mich weder größer noch kleiner machen, als ich bin.