Wie der Schatz in Texte fließt

In einem Schreibforum bin ich über die Frage gestolpert, wie man denn seinen Wortschatz erweitern könne, um etwa ständige Wortwiederholungen zu vermeiden.

Die Antwort, dass häufiges Lesen verschiedener Texte verschiedener Autoren helfen kann, ist so naheliegend, dass sie hier nicht Thema sein soll.

Die Frage erinnerte mich allerdings an ein Problem, das ich beim Lektorieren schon öfter bemerkt habe. Nämlich die persönliche Wortschatzerweiterung im Zuge der Manuskripterstellung. Die wird dem Leser gern mal auf dem Silbertablett serviert.

Da taucht plötzlich auf Seite einhundertsiebenunddreißig ein neu gelerntes Wort auf. Natürlich weiß der Leser noch nicht, dass der Autor an eben jener Stelle seinen Wortschatz erweitert hat. Im besten Fall fällt dem Aufmerksamen schon bei der ersten Verwendung des Wortes auf, dass der Autor bisher im Text noch nie Gebrauch davon gemacht hat. Der Autor hingegen setzt nun all seine Kraft ein, um seinen Fortschritt auch dem Letzten präsent zu machen, indem er das neue Wort fortan für eine Weile mindestens in jedem dritten Satz verwendet.

Ich denke allerdings, ein bisschen Täuschung kann hier nicht schaden. Wer, statt sich gehäuft und an einer Stelle im Manuskript konzentriert über das neue Wort zu freuen, in der Überarbeitung dafür sorgt, dass auch dieses Wort sparsam und angemessen über den gesamten Text gestreut wird, gaukelt damit zwar vor, er habe das Wort schon gekannt, bevor er mit der Arbeit an seinem Werk begonnen hat, sorgt damit aber gleichzeitig für ein mögliches Lesevergnügen, das sich aus dem Text selbst nährt, nicht aus dem Wissenszuwachs des Autors.

Natürlich wäre es nebenbei gesagt außerdem wünschenswert, wenn der Autor vor Gebrauch die Verwendungsmöglichkeiten des neuen Wortes genauestens prüft. Falls nämlich der Leser das Wort ebenfalls kennt, fällt ihm möglicherweise auf, wenn der Autor es auch oder ausschließlich in unmöglichen Zusammanhängen und Verbindungen nutzt.

Das Besondere kommt 2011

Nun ist sie also da, die Bestätigung. 2011 wird ein Buch erscheinen, dass für mich persönlich in gewisser Hinsicht etwas ganz Besonderes ist. Es wird das erste Buch sein, in dem ich quasi Seite an Seite mit meiner lieben Freundin veröffentlicht werde:

Das Anthologieprojekt „Das Haus am Zeilenweise-Platz“ des Autorenforums ZeilenWeise hat einen Partner gefunden: Der Münchner WortKuss Verlag hat sich nach der Sichtung erster Leseproben entschieden, die Anthologie im Jahr 2011 zu verlegen. Momentan werden Texte und Zeitplan abgestimmt, der Erscheinungstermin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Die Anthologie erscheint im Programm „read + care“ innerhalb der Reihe AnthoKuss des WortKuss Verlages, denn das Projekt unterstützt ein Kinderheim in Istrien/Kroatien. In der Anthologie wird ein Mehrfamilienhaus, wie es überall in der Nachbarschaft zu finden ist, durch fantastische, dramatische, spannende und skurrile Texte zum Leben erweckt – ein Lesevergnügen für kurzweilige und anhaltende Unterhaltung.

Der lehrreiche Roman

Mancher Autor kann sich offenbar nicht entscheiden: Will er einen Roman, ein Sachbuch oder gar ein Lexikon schreiben. Ist aber kein Problem, die Lösung ist einfach: Schreib alles zusammen!

Da werden dann munter Begriffe erklärt, während einer eher langweiligen Romanpassage die Wissensvorräte zur Tier- und Pflanzenwelt ausgepackt und in eine vielleicht sogar zu spannende Szene wird ein Exkurs in die Modewelt des 17. Jahrhunderts eingebettet.

Schließlich gilt es, nicht allein eine Geschichte zu erzählen, sondern als Autor mal zu zeigen, was man sonst noch so alles auf dem Kasten hat. Und welcher Leser fühlt sich beim Lesen nicht gern auf die Schulbank zurückversetzt?

Ich vermute, selbst die Leser, die dem Lesen neben einem Unterhaltungswert auch ein bildendes Element zubilligen oder gar abverlangen, werden diesem Gattungskreuzer nicht lange folgen. Es wird ihrem Lesevergnügen allzu abträglich sein, wenn die Geschichte ständig von einem besserwisserischen Autor verdeckt wird. Selbst wenn der sie halbwegs damit amüsieren sollte, dass er mit seinem eitel vorgetragenen Wissen unfreiwillig nur seine Wissenslücken auf den Tisch packt.

Zu einer guten Geschichte gehört auch ein gutes Maß an Recherche. Tatsächlich sind es oft viel mehr Kleinigkeiten, die wir vielleicht zunächst glauben, so nebenbei aus dem Ärmel zu schütteln, die dem Leser ins Auge stechen könnten. In jedem Fall dient aber die Recherche, nebst allem Wissen, das schon vorher in uns steckte, der Geschichte und nicht umgekehrt. All die Fakten, die wir uns angeeignet haben, sind das Fundament der Geschichte, nicht das Wohnzimmer. Der Besucher unserer Geschichte soll ihre sichernde Anwesenheit spüren, sie aber nicht ständig unter die Nase gerieben bekommen.

Andernfalls sollten sich Autor und Leser gleich auf das Sachbuch einigen.