LesBar: Von einem seltsamen Schimpfwort

LesBar, Foto: Anneka
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LesBar
(Foto: © Anneka)

Ist es nicht seltsam, dass derjenige, den alle lieben, über den sich jeder freut, der uns zum Lachen bringt, nur einen Schritt aus der Manege tun muss und zur Witzfigur wird, mit Verachtung gestraft und bestenfalls noch zum Lachen, ja lächerlich.

Publizitiert: Würstchen

Publizitiert, Foto: EDHAR
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© EDHAR

„Hat dich der Meister ausgesperrt, oder was? Hockst vor dem Laden wie ein dummer Köter!“
„Was geht dich das an, du Zwerg?“ Der Geselle widmete sich wieder seinen Staubkritzeleien.
„Ich bin vielleicht klein“, antwortete Max, „aber dafür bin ich frei!“
„Frei, dass ich nicht lache!“ Klaus blickte kaum auf. „Du bist arm, das ist alles. Ein armes Würstchen.“

Aus: „Kesselchen“ in „Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2“

Cover: Von Feuer und Dampf

Philvent – die vierundzwanzigste Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Es war einmal der Prinz. Der kam auf den Hof und rief: „Wo ist die Prinzessin?“
„Welche Prinzessin?“, wollten die Leute wissen.
„Ich bin ihr vom Ball gefolgt, und sie ist hier auf den Hof geritten“, erklärte der Prinz.
Die Leute lachten. „Hier gibt es keine Prinzessinnen!“
Der Prinz überlegte lange. Doch er hatte sie durch das Tor reiten sehen. „Vielleicht ist sie keine Prinzessin. Führt mir alle jungen Frauen vor, die hier auf dem Hof leben!“
Man tat, wie er verlangte. Bald schon sah er sich viel (mehr oder weniger) holder Weiblichkeit gegenüber. Doch konnte er sich nicht entscheiden, welche diejenige war, die er suchte. Er zog den Schuh hervor und rief: „Ich werde sie an ihrem schlanken Fuß erkennen! Diejenige, der dieser Schuh passt, soll meine Frau werden.“
„Welche Größe?“, rief ein vorlautes Mädchen.
Der Prinz schaute nach. „36.“
Doch gleich mehrere der anwesenden Damen behaupteten, sie trügen Schuhe in genau dieser Größe. Und tatsächlich passte der Schuh jeder von ihnen (abgesehen von einer, die wohl geschummelt hatte, und die trotz abgehackter Zehen mit ihre haarigen Hinterpranken nicht in das Tanzschühchen hineinkam).
„Füße werden ohnehin überbewertet“, sagte der Prinz, wählte einfach das Mädchen, das ihm am besten gefiel und fragte: „Willst du meine Frau werden, Prinzessin an meiner Seite und zukünftige Königin?“
Die Erwählte schaute ihn an und antwortete: „Lieber brödel ich mein Leben lang in der Asche!“
Schöne Bescherung!
„Schöne Bescheeeeerung!“, riefen die Leute.

Philvent – die neunzehnte Tür

© Ramona Heim
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Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Ja, ja, ja! Pack es aus! Sabine konnte es kaum erwarten. Längst ärgerte sie sich nicht mehr, dass sie Andrea bewichteln musste. Es war die Chance, ihr alles heimzuzahlen. Jaja, nipp du nur an deinem Orangensaft. Wir wissen alle, du hast ein Alkoholproblem. Und du bist ne blöde Kuh!

Einen Moment hatte Sabine geglaubt, gehofft, sich gewünscht, sie könnten mehr als Kollegen sein, Andrea und sie. Vor ein paar Tagen erst, als Andrea den Finger auf Sabines Armband gelegt und gesagt hatte: „Du sammelst Trollbeads? Ich auch.“ Doch schon einen Wimpernschlag später war da nur wieder das altbekannte fiese Grinsen.

Ja, diese böse Überraschung hast du dir verdient. Und das Lachen der Kollegen. Sabine hatte es sich schon beim Kauf der Schweineleber nicht verkneifen können. Lies den Zettel: „Ersatzleber“! So schnell hatte Andrea sicher noch keine Party verlassen.

Jetzt erst fand Sabine die Ruhe, ihr Wichtelgeschenk auszupacken. Ein Trollbead!

Philvent – die dreizehnte Tür

© Ramona Heim
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Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Ey, krass, Alter. Ich gestern in die City aufn Weihnachtsmarkt. Voll voll da. Und voll Schnee, logisch, ne. Ich mich fast auf die Schnauze gepackt. Konnt mich gerade noch festhalten, am Stock von soner Alten. Hat die sich auf die Fresse gepackt. Ich denk noch, Glück gehabt, springt mich der Hund von der Alten an. War nur son kleiner Baumpisser. Ich den am Genick und voll weggefeuert, die Töle. Voll in sone Bäckerbude in den Ofen rein. Ich voll laut losgelacht, von wegen Hundekuchen und so, da stolper ich rückwärts über die Alte. Scheiß Schnee, hab ich gedacht, als ich die Oma verprügelt hab.

Philvent – die zwölfte Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Er vertiefte sich so in sein Tun, dass er erst, als er es fast beendet hatte, bemerkte, welcher dumme Fehler ihm unterlaufen war. Er stand mit seinem Schneefeger und dem Eiskratzer vor dem falschen Auto. Seine Nachbarin würde sich freuen. Wo aber hatte er seinen Wagen geparkt? Und wie um Himmels willen sollte er jetzt noch rechtzeitig zur Prüfung kommen? Frau Hempels Auto freizulegen, hatte ihn eine knappe halbe Stunde gekostet.

Seines musste eines derjenigen sein, die unter dem glitzernden Weiß nicht zu erkennen waren. Während er probehalber mal an diesem ein wenig Schnee herunterfegte, mal an jenem ein bisschen Eis von der Scheibe kratzte, begrüßte ihn Frau Hempel lachend, bedankte sich nicht weniger fröhlich und fragte ihn kichernd, ob er nicht auch einmal unter ihrem Sofa kehren wolle. Die Frage, ob sie ihm nun, da sie ja mit seiner Hilfe Zeit gespart habe, bei der Suche nach seinem Gefährt helfen könne, verneinte sie mit der Begründung, sie habe eben diese Zeit damit verbracht, ihn vom Fenster aus zu beobachten, und sei nun selbst schon spät dran. Die flehentliche Bitte, ihn wenigstens ein Stück mitzunehmen, verhöhnte sie gar vollkommen unbegründet, indem sie ihn nahezu über den Haufen fuhr. Dass er beim Versuch, sich zu retten, stürzte, war allerdings ein Glück, fiel er doch, wie es der Zufall wollte, endlich gegen sein eigenes Auto, derweil ihn der aufkommende Zorn auf Frau Hempel, die ihm nun auch heftige körperliche Schmerzen bereitet hatte, derart beflügelte, dass er dieses in weniger als fünfzehn Minuten fahrtüchtig bekam. Die Prüfung konnte er dennoch nicht mehr absolvieren, da Wut auf glatten Straßen nun einmal ein schlechter Begleiter ist.

Philvent – die zweite Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Wie schon seit vielen Jahren gab es auch an diesem 1. Advent niemanden, der ihr den Tag zu einem schönen machte. Doch ihre roten Lippen lachten die Freude darüber hinaus, diesmal dafür gesorgt zu haben, dass es auch niemand mehr könnte.

LesBar: gestrüpp

frei von plänen gefangen im gestrüpp der
straßen treibe ich endlos und kopflos
watend im nebel der toten gesichter
suchend im meer auf den lippen das wer

rettet mich der ich schleiche und gehalten
werde von ketten mit trauernden gliedern
schlepp ich mich ziellos bereisend die nächte
dunkeln die stadt des betons und der alten

frei von hoffnung im schimmer ich sehe
reckt zum himmel sich letzte laterne
einsam verlässt mich mein fliehender schatten
sehnsucht verfolgt ihn und aufwärts erspähe

ich aphrodite ihr strahlend gesicht
ich winde und strecke mich zu ihrem licht
mit scharfen dornen ihr grausames lachen
freudig erwachendes leben ersticht

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Lust auf mehr Gedichte?

Wir können auch anders

Diesen Film nicht zu kennen kommt einer Bildungslücke gleich. „Wir können auch anders“ ist Kult! Die Roadmoviekomödie von Detlev Buck („Männerpension“) gehört sicher zu den schrägsten deutschen Filmen aller Zeiten.

Die eher wortkarge Komödie regte die Fans an, bei wiederholten Kinobesuchen die Dialoge mitzusprechen und die Sprüche aus dem Film so oft wie möglich in Alltagssituationen anzuwenden. Dabei sind es nicht nur die naiven Brüder Kipp (Joachim Król) und Most (Horst Krause), die für Lachanfälle sorgen, auch die skurrilen Nebenfiguren, die perfekte Kulisse des Nachwende-Ostens und die grandiosen Hintergrundgeräusche bieten immer Neues zu entdecken.

Also unbedingt am Samstag um 15.30 Uhr den NDR einschalten!