LesBar: Doppelagent

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Ei in zwei Hälften
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Dass er ein kräftiger Mann war, half ihm in seiner Verzweiflung. Er griff sich mit beiden Händen an den Kopf und zerrte so lange, bis er sich in der Mitte entzweigerissen hatte.

Für eine Weile schien es ihm, als habe er damit seine Probleme gelöst. Er gab sich auch weiterhin Mühe, den Wünschen beider Seiten nachzukommen. Endlich gelang ihm das, ohne entweder diese oder jene zu vernachlässigen.

Leider musste er schon bald feststellen, dass er sowohl in den Augen seiner Frau als auch bei seiner Geliebten zusehends an Ansehen verlor. Er war für beide nur noch eine halbe Portion.

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© Ben Philipp

LesBar: Des Hasen Natur

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LesBar
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Es kam der Tag, an dem musste der Fuchs ein wenig länger auf den Hasen warten. Als dieser schließlich eintraf, keuchte er und ließ die Ohren hängen. “Dieser Wettlauf mit dem Igel bringt mich noch einmal um! Ich glaube, meine Frau hat recht, wenn sie sagt, ich solle mich endlich wieder auf meine Natur besinnen und Fabeln Fabeln sein lassen.” Anschließend sagte er dem Fuchs sogleich gute Nacht.

Der Fuchs aber dachte noch den ganzen Abend und den folgenden Tag über die Worte des Hasen nach, und als der ihm am nächsten Abend wieder gute Nacht sagte, tat er damit zugleich seinen letzten Atemzug.

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LesBar: Raststätte

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Auf dem Weg zu dem Gespräch, das die Wende in meinem Leben bedeuten sollte, hielt ich an einer Raststätte. Mir war nicht danach, mich aus meinen Gedanken wecken zu lassen. Nichts wollte ich an mich heranlassen, es sei denn, es könnte meinen Magen füllen. Ich erstand zwei belegte Brötchen zu einem Kaffee und suchte mir einen Tisch, der dem Trubel so weit als möglich entrückt war.

Längst hatte ich mich wieder in mein Innen zurückgezogen, als mir jemand auf die Schulter tippte. Eine junge Frau, die mir sogleich – lauter als es mir angenehm war – eine Frage stellte. Ob ich glücklich sei, wollte sie wissen. In dem Moment war ich zu überrascht, um umgehend zu reagieren. Später musste ich mir eingestehen, dass ich noch weit länger hätte überlegen müssen, um wahrheitsgemäß zu antworten.

Sie aber nahm sich diese Zeit nicht. Ohne eine Antwort erhalten zu haben, drehte sie sich zu einem jungen Mann um, während sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger hinter sich und damit auf mich deutete. “Siehst du, so wird es dir auch ergehen, wenn du die falsche Entscheidung triffst!”

Sie ließ mich sitzen, ohne mir weitere Beachtung zu schenken. Ob ihre Demonstration bei ihm Wirkung gezeigt hat, weiß ich nicht. Ich aber stieg ins Auto, sagte meinen Termin ab und machte mich auf den Weg nach Hause.

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DeLiA und mehr bis 31.12.11

Bis Ende Dezember dürfen zweimal bereits veröffentlichte Werke eingereicht werden, einmal sind bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten gesucht:

Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2012

Kein Theater um Schauergeschichten bis 15.12.11

Mitte Dezember sind Schauergeschichten, dramatische Texte, Kurzprosa und Theaterstücke gefragt:

LesBar: Auf Nachfrage

Auf einer Party in Chemnitz fragte eine Rostockerin ihren Gesprächspartner, in welchem Ort er denn beheimatet sei. „Oederan“ antwortete dieser mit so starkem sächsischen Akzent, dass die Rostockerin noch einmal nachfragen musste. Daraufhin antwortete sie: „Klingt irgendwie norddeutsch.“

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Impressionen für den Ausdruck

Ich habe die Impression für mich entdeckt. Jetzt erst! Tatsächlich wollte ich lange Zeit nichts von ihr wissen. Als Leser nicht und nicht als Autor. Zu subjektiv, zu ich-bezogen. Eine Impression weist wohl kaum einmal über sich hinaus und weiß auch nicht wirklich zu unterhalten.

Dazu kommt noch, dass es mir bisher alles andere als ein Bedürfnis war, meine persönlichen Eindrücke zu notieren, vielleicht noch über sie zu sinnieren. Was ich dann doch für mein Schreiben brauchte, rief ich aus dem Speicher ab.

Aber nun hatte ich mir vorgenommen, alle Formen der Kurzprosa, wie sie Eleonore Wittke in Kurzprosa schreiben aufzählt, einmal zu versuchen. Also ging ich auf den Balkon …

Nun bin ich nicht etwa in dem Sinne geläutert, dass ich die Impression plötzlich als ein rundum verehrenswertes Goldstück empfände. Aber sie kann durchaus Spaß machen. Und sie ist eine gute Schule, weil man auf kreativem Wege versucht, persönliche Eindrücke und das, was sie auslösen, in passender und ansprechender Weise aufs Papier zu bringen. So bietet sie eine tolle Möglichkeit, mit dem Ausdruck (im Sinne von sich ausdrücken, bitteschön!) zu experimentieren.

Bei mir war der Wind in den Baumwipfeln der Auslöser für ein täglich erlebtes Klischee, an das sich erst beim Schreiben persönliche Erinnerungen knüpften. Und das kam dabei raus.

Kurzes 2010

Wie im vergangenen Jahr wird auch 2010 kaum ein Kurzprosatext oder Gedicht von mir das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Das gilt zumindest für den Printbereich und hat natürlich damit zu tun, dass meine Aufmerksamkeit sich seit 2008 hauptsächlich auf längere Texte richtet. Ausschreibungen, an denen ich mich vorher häufig beteiligt habe, sind aus Zeitgründen für mich jetzt weitestgehend tabu.

Immerhin stehen dieses Jahr noch wenigstens 1 – 2 Kurzgeschichtenveröffentlichungen an,  eine weitere bietet sich an. Langfristig hoffe ich, auch zukünftig immer mal wieder mit Kurzem zu überzeugen.

Viel zu tun bis Ende Juli

Heute soll nicht nur eine Ausschreibung im Mittelpunkt stehen, denn es sind so viele, dass ich mit einer pro Woche gar nicht auskommen würde. So will ich an dieser Stelle die wichtigsten Ausschreibungen für diesen Monat in chronologischer Reihenfolge (Einsendeschluss) verlinken:

  1. 11.07.10:  Prinzenraub – Altenburger Stückewettbewerb, 5000 Euro, Theaterstück (Exposé, Treatment + 2 Szenen bzw. 4 – 8 Seiten), Friedrich I. in Altenburg, bei Auswahl Endfassung bis 30.05.11),
  2. 15.07.10: Wettbewerb zum Treffen junger AutorInnen, Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren,
  3. 15.07.10: 18. open mike 1010, 7500 Euro, bis 35 Jahre, ohne eigene Buchpublikation, Text(auszug) von ca. 15 Minuten Lesezeit,
  4. 15.07.10: Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb, Thema: „Es ist, wie es ist“, bis zu 3 Gedichte, Preisträger werden im öffentlichen Nahverkehr Hildesheims präsentiert,
  5. 27.07.10: DailyDeal Schreibwettbewerb: Nimm das Angebot an, Texte, maximal 10 Seiten, Satzvorgabe: „… und er nahm das Angebot an.“, Internetveröffentlichung, eReader, weitere Preise
  6. 31.07.10: „poet / bewegt“, Lyrik, Kurzprosa oder Kurzdrama, Alter: 15-27 Jahre, regionaler Bezug: Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thürigen,
  7. 31.07.10: Post Poetry – Gedichte zum Versenden, Lyrik, regionaler Bezug: Rheinland, Alter: 16-25 Jahre, 9 PreisträgerInnen: jeweils ein Text auf Postkarte in sehr hoher Auflage, 100 Euro Honorar,
  8. 31.07.10: 7. Schreibwettbewerb für junge Menschen der Tübinger Buch- und Kunsthandlung Wekenmann, erzählende Prosatexte, Kurzgeschichten (unveröffentlicht) zum Thema „In virtuellen Welten unterwegs“, Alter: geboren zw. 1984 und 1994 (16-26 J.), Bezug: Baden-Württemberg, Preise im Gesamtwert von 2.000 Euro,
  9. 31.07.10: „Ich und mein iPhone“ – Kurzgeschichten-Wettbewerb, iPhone-Geschichten (unveröffentlicht), die 15 Besten werden als Hörbuch-Anthologie produziert, die Gewinner erhalten jeweils 10 Freiexemplare davon sowie ein Hörbuchpaket im Wert von 200 Euro.

Mehr Ausschreibungen und Wettbewerbe