Entern: Band für Band

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© Patryk Kosmider

Ehrlich gesagt, jetzt, da dieser Artikel an der Reihe ist, frage ich mich selbst, was ich dazu schreiben soll. Na, wir werden sehen, ob möglicherweise sogar etwas Brauchbares zusammenkommt.

Über Reihen und Serien haben wir schon gesprochen, weshalb ich sie hier ausklammern will, obwohl man natürlich auch hier bei den einzelnen Teilen von Bänden spricht, sofern wir uns auf verschriftlichte Werke beziehen.

Gleichwohl trennt man gewöhnlich Romane, die als Mehrteiler erscheinen (man nennt sie auch Romanzyklen), deutlich von Reihen oder Serien. Wie sinnvoll das ist, mag jeder selbst entscheiden, denn in Wahrheit lässt sich kaum ein ausschließliches Kriterium finden, das das eine deutlich vom anderen abgrenzt. So gilt auch für die folgende Liste, dass keines ihrer Elemente automatisch bedeutet, wir hätten es mit einem Zyklus zu tun, keinesfalls mit einer Reihe oder Serie (beides könnte man auch einfach als Oberbegriff betrachten). Ebensowenig ist garantiert, ein Werk, das als Zyklus bezeichnet wird, weise all diese Eigenschaften auf.

Als mehr oder weniger typisch für mehrteilige Romane (wie sie uns allen voran die Fantasyliteratur beschert) im Vergleich zu Serien/Reihen kann immerhin betrachtet werden:

  • Romanzyklen stammen in der Regel aus der Feder eines Autors/einer Autorin,
  • Romanzyklen umfassen in der Regel wenige Teile (Zweiteiler [selten: Dilogie], Trilogie, Tetralogie, Pentalogie, …),
  • die einzelnen Teile entsprechen im Umfang vollständigen Romanen.

Wer einen Romanzyklus verfassen will, kann sich ansonsten durchaus an dem orientieren, was ich zur Serie geschrieben habe: Mehrteiler erzählen meist eine fortlaufende Geschichte. Ein Spannungsbogen verläuft also vom Beginn des ersten Teils bis zum Ende des letzten. Je nach Konzept ist jeder einzelne Teil außerdem mehr, weniger oder gar nicht in sich abgeschlossen.

Es kommt allerdings durchaus vor, dass Mehrteiler eher einem Reihenkonzept ähneln. Hier sind es dann nur bestimmte Rahmenbedingungen, die den Zusammenhang der einzelnen Teile begründen, etwa lokale oder personale Übereinstimmngen, während das Erzählte ansonsten vollkommen für sich steht.

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Entern: In Serie

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Nach dem vorhergehenden Artikel dürfte es keine große Überraschung mehr sein: Will man zwischen Reihe und Serie unterscheiden, ist letztere wohl eher diejenige, die über die einzelnen Episoden hinaus eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Mal mehr, mal weniger kann das so weit gehen, dass der Leser oder Zuschauer, der nicht von Beginn an dabei ist oder einzelne Folgen verpasst, Schwierigkeiten bekommt, den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Im Idealfall folgt eine solche Serie also einem übergeordneten Spannungsbogen, der durch einen Konflikt entsteht, der erst mit dem Abschluss der Serie gelöst wird. Jede einzelne Folge stellt einen Schritt auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen, dar, ist also ein Teilstück der großen Spannungsbogens.

Darüber hinaus kann es sein, dass jede Episode außerdem ihre eigene Geschichte erzählt. Ein Konzept, das mir persönlich besonders gut gefällt und für das es ein exzellentes Beispiel gibt: Raumschiff Voyager!

Die Crew, gestrandet in einer fremden Galaxie weit entfernt von der Heimat, folgt in jeder Episode dem großen Ziel, zur Erde zurückzukehren. Dazu kommt der jeweilige Episodenkonflikt, der mit dem übergeordneten Konflikt in direktem Zusammenhang steht (also auch diesen voranbringt), in der Regel Inhalt einer einzelnen Folge ist, sich aber auch hin und wieder über zwei oder drei Folgen entwickeln kann. Auch die Episodenkonflikte können Auswirkungen auf spätere Serienfolgen haben oder sogar erneut aufgenommen werden.

Schließlich fokussiert jede Folge auf einzelne Crewmitglieder, deren individuellen Konflikte somit als Nebenkonflikte wirken. Auch diese können Nebenstränge bilden, die sich über mehrere Episoden entwickeln und/oder wiederaufgenommen werden können.

Ein reizvolles Konzept also, das dem Schreibenden zahlreiche Möglichkeiten bietet, den Konsumenten bestens bei Laune halten kann.

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Entern: In Reihe

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Ob eine Reihe eine Serie ist oder eine Serie eine Reihe, ist eine Frage, die unterschiedlich beantwortet werden kann. Ob sich beides überhaupt unterscheidet, auch darüber kann gestritten werden. Aber zum Streiten sind wir ja nicht hier, daher werde ich mich einfach daran halten, was meiner Meinung nach dem landläufigen Verständnis entspricht, sofern man beide Begriffe nicht ohnehin synonym verwendet. Anders gesagt: Das hier ist mein Blog, daher werde ich hier einfach meine Auffassung darlegen!

Dieser entsprechend stehen beide Begriffe zumindest in einem engeren Verständnis nebeneinander. Ob man in einem weiteren Verständnis außerdem einen der beiden als Oberbegriff des anderen ansehen will, ist mir relativ schnurz. Entweder ist also die Reihe im engeren Sinn eine besondere Art der Serie im weiteren Sinn oder umgekehrt. Beide Begriffe sind jedenfalls auch im engeren Sinn nicht eindeutig und fließen obendrein an ihren Grenzen ineinander.

Was aber macht nun in diesem meinen (engeren) Verständnis eine Reihe aus? Dass den einzelnen Teilen einer Reihe ein gemeinsames Konzept zugrunde liegt, jeder Teil aber im Unterschied zur Serie (nahezu) vollständig in sich abgeschlossen ist. Die Reihe erzählt also keine fortlaufende Geschichte.

Das Konzept, auf dem eine Reihe beruht, kann sehr verschiedenartig sein. So entspricht etwa der Tatort als Ganzes einer Reihe, deren Konzept letztlich nur folgende Kriterien umfasst: Krimis, deren Handlungsschwerpunkte im deutschsprachigen Raum liegen, und die von ARD, ORF oder SF produziert oder in Auftrag gegeben werden. Tatort München stellt letztlich eine Reihe innerhalb dieser Reihe dar, deren Konzept zusätzlich beinhaltet, dass das Ermittlerteam aus München stammt.

Ähnlich verhält es sich mit der Reihe Ostseekrimi aus dem Hinstorff Verlag. Innerhalb dieser stellen die Krimis von Frank Goyke eine eigene Reihe dar, weil sie (bisher jedenfalls) Fälle desselben Ermittlerteams behandeln.

Das Konzept der Reihe stellt die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Teilen her. Diese können etwa das Genre betreffen, den Handlungsort, die Figuren, die  historischen Zusammenhänge und vieles mehr. Und sie können mehr oder weniger lose sein.

Je enger und häufiger die Verknüpfungen werden, je zentraler eine Entwicklung einzelner Faktoren über den Rahmen der einzelnen Teile hinaus eine Rolle spielt und je mehr sich diese Entwicklung einem übergeordneten Spannungsbogen nähert, desto mehr nähert sich die Reihe einem Serienkonzept.

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Schlusskapitel ungeschriebener Romane

Die Geschichtenweber schreiben aus:

The End. Schlusskapitel ungeschriebener Romane

Das letzte Kapitel eines Buches ist das entscheidende. Gefällt es uns, bewerten wir den ganzen Roman wohlwollender und empfehlen ihn weiter. Ist es zu knapp, passt es nicht, so blicken wir nicht sehr glücklich darauf zurück.
Auf den letzten Seiten eines Romans erwarten wir das große Finale, den Spannungshöhepunkt, den Showdown, den Lohn für unsere Mühen, nachdem wir hunderte Seiten durchgehalten haben.
In einem guten Schlusskapitel geschieht deshalb sehr viel. Offene Fragen müssen geklärt, Zusammenhänge offenbart, Handlungsstränge zu einem Abschluss geführt werden. Trotzdem darf es nicht völlig vorhersehbar sein und nur längst Bekanntes wieder aufwärmen.
(Auch) am letzten Kapitel zeigt sich die Qualität eines Autors.

Die Idee:
Was passiert eigentlich, wenn eine Gruppe von Autoren auf die Idee kommt, die Schlusskapitel von Romanen zu verfassen, die es in Gänze niemals geben wird?
Dabei werden Texte entstehen, die einen Spagat schaffen zwischen einem typischen Ende einer Romangattung/eines Genres und einer eigenen Stimme, zwischen einem echten Schlusskapitel und einer eigenständigen Erzählung.

Gesucht werden:

  • Autoren und Konzepte, keine fertigen Texte.
  • Autoren, die sich in einem Genre bzw. einer Romangattung als Leser und/oder Autor gut auskennen und eine Leidenschaft für diese Sparte mitbringen.
  • Autoren, die als Teamspieler bereit sind, auch über ihren eigenen Text hinauszugucken.

Einer Bewerbung sollen beiliegen:

  • kurze Autorenvita
  • Leseprobe von einem aktuellen belletristischen Text
  • Konzept und Ideensammlung für ein Schlusskapitel. Orientierungsgröße für das Schlusskapitel sind 40.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen). Keine Fanfiction!

Kontaktadresse: felix.woitkowski (at) gmx.de

Einsendeschluss: 31.03.2011

Weitere Informationen:
– Die Anthologie wird im Verlag p.machinery (http://www.pmachinery.de) erscheinen; die Produktion (Druck, Bindung) erfolgt durch Books on Demand, Norderstedt.

  • Jeder beteiligte Autor erhält ein Belegexemplar.
  • Die Autoren können beliebig viele Zusatzexemplare zu einem (durch Rg.kopie) nachgewiesenen Einkaufspreis bestellen. Es gibt keine Mindestabnahmeverpflichtung. (Der Preis ist allerdings abhängig vom Buchumfang, so dass er erst später kalkuliert werden kann; er liegt allerdings unter dem offiziellen Ladenverkaufspreis.)

PB-Plotten: 21-23 – Überarbeitung

Den letzten Schritt in der Manuskripterstellung stellt die Überarbeitungsphase dar. Wie viele Durchgänge man dafür benötigt, ist vom Autor, aber auch vom Text abhängig. In meinem Modell sind es drei Arbeitsgänge, was aber nur als Orientierung gelten soll.

Es mag Autoren geben, die schon nach zwei Überarbeitungsschritten ein verlagsreifes Manuskript erreichen, andere müssen sich dagegen deutlich mehr Zeit nehmen.

Wer sein Manuskript von Testlesern, sogenannten Betalesern, gegenlesen lässt, wird vor und nach deren Zuarbeit mehrere Überarbeitungsdurchgänge durchführen. Und natürlich wird mindestens ein weiterer Duchgang fällig, wenn das Manuskript mit den Anmerkungen des Lektorats zurückkommt.

Es gibt durchaus die Meinung, dass die Hauptarbeit des Autors erst mit der Überarbeitung beginnt. Manche Autoren nehmen sich mehr Zeit für die Überarbeitung als für den vorhergehenden Schreibprozess.

In jedem Fall steckt in der Überarbeitung weit mehr, als manch angehender Autor offenbar darin vermutet. Denn die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik macht dabei den kleinsten Teil aus.

Wer nicht stets einen Rundumschlag startet und alles, was ihm auffällt, sofort korrigiert, dem würde ich empfehlen, sich die Korrekturen für den Schluss aufzuheben. Schließlich ist es wenig sinnvoll, einen Abschnitt komplett zu korrigieren, der letztlich doch noch stark abgeändert oder gar ganz gestrichen wird.

Eine Überarbeitungsreihenfolge, die zu meinem Modell passt, könnte etwa sein:

  1. Änderungen, die das Gesamtkonzept betreffen oder die sich durch die Abschlussrecherchen ergeben haben, dazu eine gründliche Prüfung auf innere logische Zusammenhänge und Schlüssigkeit. Dabei auch ein besonderes Augenmerk auf stimmige Figuren und eine stimmige Figurenentwicklung, die Entwicklung des Konflikts und die (hoffentlich) bewiesene Prämisse legen. Am Ende dieses Durchgangs sollten alle inhaltlichen Streichungen und Änderungen bezüglich des Plots abgeschlossen sein.
  2. Stilanalyse! Jetzt werden die Formulierungen abgeklopft, Wiederholungen, sofern sie keine Funktion erfüllen und sich sinnvoll (!!!) vermeiden lassen, umschifft, man sucht nach Stilbrüchen und Unsauberkeiten im Ausdruck. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Dialoge, die man schleifen muss. Sie lassen sich fast immer bei der Überarbeitung noch verbessern. Wo es dem Werk angemessen ist, wird auf eine bildhafte Sprache geachtet (Metaphern, Vergleiche, Wortschöpfungen, …). Am Ende dieses Durchgangs sollte  das Manuskript stilistisch nach bestem Wissen und Gewissen in Topform sein.
  3. Prüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik (die Korrekturprogramme inkl. Dudenkorrektor können hier immer nur Teilarbeit leisten, sind niemals ausreichend).

Damit ist die Reihe PB-Plotten zu ihrem Ende gelangt. Ich hoffe, sie war ein bisschen hilfreich.

(PB-Plotten: Die Liste)

Damit der Funken überspringt

Nicht jedem Autor ist klar, dass der Weg mit dem ersten fertiggestellten Manuskript direkt zum nächstbesten Verlag in der Regel nur zur Enttäuschung führt. Doch glücklicherweise gibt es auch die, denen klar ist, dass sie möglicherweise noch Hilfe brauchen, bevor ihr Text so weit ist, sich einem Verlagslektorat zu stellen.

Einer der meiner Meinung nach besten Wege zur Veröffentlichung ist das Schreibcoaching. Ob schon bei der Entstehung des Manuskripts oder während der Überarbeitung, kaum eine Hilfe ist höher einzuschätzen als die eines/einer erfahreneren Kollegen/Kollegin am eigenen Manuskript.

Mit etwas Glück kennt man so jemanden aus dem eigenen Umfeld oder aus einem Internetforum. Mit noch etwas mehr Glück hat derjenige hin und wieder ein bisschen Zeit übrig.

Wem dieses Glück nicht beschieden ist, der hat die Möglichkeit, in ein solches Coaching Geld zu investieren. Doch bei wem ist es dann richtig angelegt? Nicht jeder, der sich zum Coachen berufen fühlt, ist tatsächlich schon so weit, wertvolle Hilfestellung zu leisten.

Den Federfunken getestet

Die Geschichtenweberin Nadine Muriel hat vor wenigen Tagen ihren neuen Service ins Leben gerufen: Mit „Schreibcoaching Federfunken“ soll Autoren die Möglichkeit gegeben werden, sich und ihrem Manuskript mit den Tipps der Autorin und Lektorin selbst zu helfen.

Nadine hat Germanistik, Soziologie und Indologie studiert und sitzt in der Jury und im Lektoratsteam der Storyolympiade. Ich hatte das Vergnügen von ihr ein kleines Testcoaching zu erhalten, das auf mich einen hervorragenden Eindruck gemacht hat. Nadine ist ganz offensichtlich eine sehr aufmerksame Leserin, die sich gut in einen Text einfühlen kann.

Auf den sehr übersichtlichen und informativen Seiten von „Schreibcoaching Federfunken“ erfährt man alles Wichtige zum Konzept und zur Vorgehensweise, so auch, dass Nadine nicht ausschließlich Autoren betreut, sondern zum auch Beispiel Studenten mit ihren Hausarbeiten sowie jeden, der bei Textarbeit Hilfe benötigt. Eine witzige Idee ist auch das Prämien- und Gutscheinsystem, das „fleißige“ Schreiber belohnt.

Ich will nicht behaupten, mein Testcoaching könne bereits für jeden Text und jeden Autor eine absolute Garantie darstellen. Letztlich wird jeder individuell feststellen müssen, ob ein Coaching beim Federfunken oder überhaupt das Richtige für ihn ist, es zumindest auszuprobieren kann ich aber nur empfehlen.

Schreibcoaching Federfunken