Der Minitipp: Angst

Foto: Pixabay
Der Minitipp, Foto: Pixabay
Der Minitipp, Foto: Pixabay

Wenn du dir nicht sicher bist, wie sich deine Figur verhalten wird, frage sie nach ihren Ängsten.

Advertisements

Der Minitipp: Im Blick

Perspektive im Blick

Perspektive im BlickDie Perspektive im Blick zu behalten, ist nicht leicht. Mach dir immer wieder klar, welche Konsequenzen sich aus dem gewählten Blickwinkel ergeben.

Die verkannte Novelle

Hartnäckig hat sich die Auffassung durchgesetzt, eine Novelle sei eine Erzählform, die im wesentlichen durch ihre Länge bestimmt wird. Sie sei eben ein Zwischending, das zwischen Roman und Kurzgeschichte angesiedelt ist.

Nun liegt man ja so falsch damit nicht, denn tatsächlich ist die Novelle in der Regel weniger umfangreich als ein Roman, doch eben auch länger als die durchschnittliche Kurzgeschichte. Damit überschneidet sie sich mit der Erzählung im engeren Sinn (also nicht als übergeordneter Begriff).

Im ursprünglichen Sinn zeichnet sich die Novelle aber durch eben die namensgebende Neuigkeit aus, die nicht besonders dramatisch sein muss, aber den Protagonisten aus seinem gewohnten Lebensumfeld zieht und eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt.

Während Kurzgeschichten und Romane auf einem zentralen Konflikt basieren und dem Ziel, diesen Konflikt zu lösen, ist die Neuigkeit in der Novelle eher ein Aufhänger, der Anlass für den Prota, an seinem bisherigen Leben etwas zu ändern. Einen echten zentralen Konflikt muss es nicht geben, die Novelle strebt nicht auf eine Lösung zu, sondern von einem Ausgangspunkt weg.

So könnte ein Gespräch mit einem Weltenbummler einen eher sesshaft veranlagten Protagonisten zum Träumen bringen. Immer deutlicher fühlt er in seiner Heimat ein Unwohlsein, bis er schließliche einfach seine Koffer packt, um eine Weltreise zu unternehmen.

Für die Novelle ist also wichtiger, wie das auslösende Ereignis auf den Prota wirkt und welche Folgen es nach sich zieht, als die Frage, ob und wie er ein essentielles Ziel erreicht.

Wenn Peter von seiner Frau verlassen wird, kann das einen Konflikt in ihm auslösen. Er will nicht einsam sein und sie zurückerobern. Die Kurzgeschichte oder der Roman erzählen, wie Peter versucht, diesen Konflikt zu lösen, wie er also seine Frau zurückgewinnen will und ob und wie das funktioniert. Am Ende hat Peter seine Frau entweder zurückerobert oder hat sie endgültig verloren.

In der Novelle aber würde diese Neuigkeit in Peters Leben ihn zum Nachdenken über sein bisheriges Leben anregen und Konsequenzen nach sich ziehen. Er würde sich kein Ziel stellen, sondern einfach etwas verändern. Zum Beispiel all die Träume verwirklichen wollen, die er bisher zugunsten der Ehe nie in Erwägung gezogen hat. Vielleicht kauft er sich endlich das Modellflugzeug, das er immer nur im Geschäft bewundert hat. Je häufiger er damit spielt, desto mehr wünscht er sich, einen echten Flieger zu pilotieren. Er nimmt Flugstunden …

Eine typische Ausgangslage für eine Novelle finden wir recht häufig in Filmen: Der Protagonist erfährt von heute auf morgen, dass er unheilbar an einer tödlichen Krankheit erkrankt ist. Natürlich ist das an sich ein dramatischer Konflikt, aber keiner, der sich als zentraler Konflikt, den es zu lösen gilt, anbietet. Der Tod des Protas ist vorgezeichnet. Die Nachricht davon eignet sich also gerade deshalb sehr gut für eine Novelle.

Besonders fein gesponnen sind meiner Meinung nach aber die Novellen, deren Neuigkeit eine scheinbar unbedeutende ist und bei der die Veränderungen, die sie bewirkt, sich schleichend einstellen.