Konflikte im Alltag: Zeitungsklaus

Zeitungsklaus, Foto: Refat
Zeitungsklaus, Foto: Refat
© Refat

Lust, aus einem scheinbar nichtigen Konflikt eine kleine Geschichte entstehen zu lassen? Wie wäre es mit diesem hier?

Seit die hübsche Nachbarin nebenan eingezogen ist, findet Klaus morgens die Tageszeitung nicht mehr im Briefkasten. Was wird er unternehmen? Und wie wird das ausgehen?

Versuche daraus eine interessante, lustige oder sogar spannende Geschichte zu basteln.

Weitere Schreibübungen

Sechser im Motto: Essstörung

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Aufgabe:
Suche dir bitte einen/eine Protagonisten/in aus deinen Werken aus. Er/sie hat riesigen Hunger und bereitet sich gerade eine Mahlzeit zu. Doch er/sie wird durch irgendetwas abgelenkt und das Essen verbrennt. Wie wird er/sie reagieren? Was wird er/sie sagen?

Kerstin Gier

Jeder weiß, dass man Raubtiere nicht beim Fressen stören darf. Nur jemand mit Todessehnsucht wäre so leichtsinnig, einem über eine Gazelle gebeugten Löwen einen Artikel über Frau Harkels Neffen, seine Frau und seine Milchkühe aus der Friesischen Bauernpostille ins Ohr zu brüllen und gleich danach das komplette Angebot von Tchibo runterzubeten. Allerdings würde der Löwe unter diesen Umständen auch nicht ans Telefon gehen. Und ich war wohl kein Raubtier, auch wenn ich Hunger hatte wie ein Bär und meine Mutter gerne angeknurrt hätte.
„…in grün und türkis. Und sehr praktische, emaillierte Töpfe in vier Größen und einen Toaster und Schals mit Blümchenmuster …“
Ein unangenehmer Geruch stach mir in die Nase, und ich stürzte zum Herd. Meine Gazelle! Bitte nicht!
„Mama, ich ruf dich später noch mal an, der Milchreis brennt an!“
„Der Milchreis brennt an?“, wiederholte meine Mutter unverkennbar beleidigt, und mir fiel zu spät ein, dass sie genau das immer sagte, wenn sie ein Gespräch mit Tante Friederike beenden wollte oder mit einem dieser bedauernswerten „Sie haben gewonnen!“-Anrufer.
Bevor ich ihr erklären konnte, dass ich WIRKLICH Milchreis kochte, hatte sie schon aufgelegt. Es würde Monate dauern, bis sie mir das verziehen hatte. Wenigstens war die obere Hälfte des Milchreises noch genießbar. Die untere würde ich mitsamt dem Topf nach dem Essen in die Mülltonne werfen. Und danach konnte ich ja bei Tchibo einen neuen Topf kaufen, einen von diesen praktischen, emaillierten.

Jürgen Seibold

Gottfried Froelich träumte das Rezept in Ruhe zu Ende, und als er wieder erwachte, hatte sich ein beißender Geruch in der Küche ausgebreitet. Auf den Herdplatten schmurgelte eine bräunliche Pampe, rund um den Soßentopf zischte und rauchte es eindrucksvoll. Gottfried tappte schlaftrunken hinüber, griff nach dem Topf, schleuderte ihn sofort fluchend zurück auf den Herd, schlurfte zur Spüle und ließ kaltes Wasser über seine schmerzenden Hände laufen. Während er seiner Haut dabei zusah, wie sie sich rötete und in Blasen warf, kam ihm die Idee: Müssten nicht die Hände den Täter überführen? Müsste der Mörder sich nicht die Finger verbrannt haben, als er den heißen Topf auf Roswitha schleuderte?

Claudia Siegmann

Das Leben an Bord brachte es mit sich, dass gute Manieren früher oder später gegen ein paar deftige Seemannsflüche eingetauscht wurden. Und Biba war schon lange Matrosin auf der Merry Mary May. So blickte also niemand verwundert auf, als die Kombüsentür aufschwang und mit dichtem, schwarzem Qualm auch eine Auswahl Bibas übelster Flüche hervorquoll.

Carsten Steenbergen

Das Telefon klingelte, als die Putenbrust in der Pfanne längst einen karamellbraunen Farbton angenommen hatte. Angemer wischte sich seufzend die Hände an der Schürze sauber.
„Angemer.“
Eine Stimme am anderen Ende der Leitung gab eine Anweisung durch. Er lauschte, ohne zu unterbrechen.
„Verstehe. Treffpunkt Java Eiland. Ich bin in zehn Minuten da.“
Der Duft von Verbranntem, vermischt mit dem aromatisch stechenden Aroma der Lauchzwiebeln, zog durch die Küche. Der Kommissar legte auf und warf einen Blick auf das geschwärzte Fleisch. Nach dem verhinderten Attentat an der Amstel am frühen Abend hatte er gehofft, ein wenig Ruhe zu bekommen. Eine Ruhe, die bitter nötig war. Er spülte den Speichel in seinem Mund mit einem Schluck Bordeaux herunter. Die Flamme unter der Pfanne erlosch.
„Verdammter Job. Irgendwann holen sie mich sogar vom Klo herunter.“
Anscheinend war das große Spiel nicht vorüber. Der Agent vom AIVD, Willem van den Dragt, hatte so etwas angedeutet. Amsterdam sah einem Wirbelsturm entgegen. Und ihm, gottverflucht noch mal, war nicht einmal der stille Moment in dessen Auge vergönnt.

Helene Luise Köppel

Ich stand auf und schlich in die Küche, um mir Milch warm zu machen. Die Standuhr schlug vier. Da kam mir plötzlich ein irrwitziger Gedanke – es fällt mir schwer, genau zu erklären, was in diesem Augenblick in mir vorging: Ich folgte einem inneren Drang, der keinen Aufschub zuließ, eilte in den Keller und suchte den Stapel mit Altpapier, den Henri vor unserer Abfahrt nach Collioure dort deponiert hatte.

Als ich zurückkam, war die Milch übergelaufen. Es stank fürchterlich. Rasch schaltete ich den Herd aus, packte mit bloßen Händen den Topf am Stiel und stellte ihn in den Ausguss, wobei ich mir die Finger verbrannte. Wütend über meine Nachlässigkeit und Dummheit riss ich das Fenster auf …

Imre Török

Der Nomade Traminer reitet allein seit Tagen, ist unterwegs nach Vorderhinterasien, um dort die Prinzessin Gewürzlands zu besuchen und sie zu heilen.
Abends bereitet er am Lagerfeuer, was er tagsüber geangelt hat.
Durch den Duft des gebratenen Fisches wird ein Bär angelockt. Der Nomade hat alle Mühe, mit dem angriffslustigen Tier fertigzuwerden. Als der Kampf vorüber ist, stecken an den Stöcken über der Glut nur noch verkohlte Gräten.
Statt dessen gibt es nun als Nachtmahl in der Glut gebackene Bärentatzen. Gut gesättigt kann er sich wieder jenen zarten und feinsinnigen Geschichten zuwenden, mit denen er die kranke Prinzessin wird heilen wollen.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto: Chalet Nachtigall

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Aufgabe:
Stell dir vor, du wolltest oder solltest in deiner nächsten Geschichte eine Figur verwenden, die den Namen Chalet Nachtigall trägt. Nun stell dir bitte eben diese Figur vor und schreibe die ersten 1-5 Sätze auf, mit denen du diese Figur in deine Geschichte einführen würdest. Es spielt keine Rolle, ob sie deine Protagonistin oder nur eine Randfigur darstellen würde.

Andrea Bottlinger

Der Mann in ihrer Umkleide hätte Chalet Nachtigall nicht gestört. Es kam vor, dass ein Verehrer nach der Vorstellung den Weg dorthin fand. Wenn er gut aussah und ihr Blumen mitbrachte, so wie dieser junge Herr, hatte sie nichts dagegen einzuwenden. Nein, was sie mehr als nur ein wenig pikierte, war die Tatsache, dass er sie nicht beachtete. Stattdessen starrte er etwas hinter ihr an.

Thomas Thiemeyer

Chalet Nachtigall hieß tatsächlich so und zwar nicht, weil sie in der gleichnamigen Almhütte in Saas-Grund gezeugt oder geboren worden wäre, sondern weil ihre Mutter ein ganz unerklärliches Interesse an exotischen französischen Namen hatte. Dabei gab es so schöne Vornamen: Chantale, Yvonne, Berenice oder Claudette – durchaus gebräuchlich und sehr wohlklingend. Aber nein, Chalet musste es sein. Als habe Mutter zwischen den Presswehen an irgendwelche Gebäude gedacht. So gesehen konnte Chalet ja froh sein, dass die Wahl nicht auf Chateau oder Appartement gefallen war.

Berta Berger

„Chalet Nachtigall, bitte melden Sie sich bei der Information“, dröhnte eine Stimme durch den Lautsprecher. Chalet sah sich um. Doch keiner der Anwesenden reagierte. Nein, warum auch. Damit war schließlich sie gemeint. Sie. Chalet Nachtigall. Wie lange es wohl brauchen würde, bis sie sich an ihren neuen Nachnamen gewöhnt hatte? Manchmal wünschte sie, sie hätte einen Mann geheiratet, der einfach nur Schmidt oder Huber hieß.

Gerd Scherm

Chalet Nachtigall verdankte ihre Existenz einer stürmischen, aber einmaligen Begegnung in einer Schweizer Sennhütte. Ein unbekannter Mann mit Sternen in den Augen zeugte mit einer Frau mit Gold in der Kehle im Rausch der Sinne eine Tochter, die später von allen Freunden Charlie genannt wurde. Nachdem ihre Mutter immer noch vom Erfolg ihres Konzertes auf Nightingale Island im Südatlantik vor Millionen von Seevögeln wie Sturmtauchern, Gelbnasenalbatrossen und Felsenpinguinen träumte, gab sie ihrem Kind den Namen Chalet Nachtigall als Erbe und Verpflichtung. Als Taufpaten konnte die Mutter den großen Gelehrten Prof. Abdul Nachtigaller gewinnen.

Carla Berling

Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel: Üppige Locken bis zur Schulter, das Rot der Lippen vielleicht zu gewagt, ein geheimnisvoller Blick unter dunkel geschminkten Lidern. Das Mieder eng geschnürt, zu eng fast, um sich zu bücken und die 15 Zentimeter hohen Pumps anzuziehen. Jetzt noch die Nerzstola, locker um den Hals drapiert, damit der Adamsapfel nicht auffiel – und bis zum Ende der Nacht war Horst Knaake wieder Chalet Nachtigall.

Andreas Wilhelm

Chalet Nachtigall wartete im Schatten eines Containers in der Nähe der einzigen Lampe am Pier 17. Früher waren es bessere Zeiten gewesen. Früher hatte man solche Treffen in feinen Hotels vereinbart. Heute zehrte das lange Warten an der zunehmenden Körperfülle, die Beine wurden einem schwer. Chalet kratzte seinen Bart. Scheisse, auch die Decknamenvergabe des MI5 war inzwischen miserabel.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto: Kloschüssel

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
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Frage:
Wenn du einen Roman mit einem Satz beginnen müsstest, der das Wort „Kloschüssel“ beinhaltet, wie würde dieser erste Satz lauten?

Zoë Beck

An der ganzen Schule gibt es keine einzige Kloschüssel, in die sie mich noch nicht mit dem Kopf getaucht haben.

oder auch schön:
Man will einfach nicht aufwachen und dabei eine Kloschüssel umarmen.

Wulf Dorn

Fassungslos starrte Anna durchs Schlüsselloch ins Badezimmer, wo sich immer weitere Tentakel aus der Kloschüssel wanden und patschend über den Fliesenboden zur Tür tasteten.

Melanie Lahmer

Er blickte aus dem vierten Stock in den Hinterhof und fragte sich, ob das mit der Kloschüssel wirklich richtig gewesen war.

Robert Herbig

Unser Rechtsmediziner Doktor Jürgens hat festgestellt, dass die Todesursache von Jurkan Dostolski auf einen direkten und sehr heftigen Kontakt seines Hinterkopfes mit der Kloschüssel im Wohncontainer der Serben zurückzuführen ist.

Andrea Koßmann

Mit angehaltenem Atem versuche ich lautlos zu pupsen, während ich auf der Toilette sitze, der bestaussehendste Typ der Stadt im Flur (genau vor der verdammten Badezimmertür) hockt, meine Katze streichelt und auf mich wartet, um mich ins Theater auszuführen, als ich merke, dass das mit dem „lautlos“ eine sehr utopische Idee war und sich diese Idee verwandelt in die, mein iPhone aus der Hosentasche zu ziehen und einen Anrufton zu simulieren, der ein eventuelles Geräusch übertönt, als mir das Gerät aus der Hand rutscht und direkt in der Kloschlüssel landet.

Thomas Plischke

Erschöpft legte Robin die Wange auf den rissigen Rand der Kloschüssel.

Warum fängt man so an? Wegen der Aufmerksamkeitslenkung des Lesers. Ein Weg, um Aufmerksamkeit zu wecken, besteht darin, von Anfang an Fragen aufzuwerfen, die der Leser im Fortgang der Erzählung hoffentlich beantwortet sehen möchte.

Sezieren wir doch also rasch diesen ersten Satz: Wir steigen damit mitten in die Handlung ein (für all die, die es einen Hauch schnöseliger ausgedrückt haben möchten: Wir beginnen in medias res), und die Informationsdichte ist verhältnismäßig hoch. Zunächst stellen wir gleich eine handelnde Figur vor, an deren Schicksal der Leser teilhaben kann: Robin. Allein dieser Name lässt genügend Interpretationsspielraum und Deutungsfreiheiten, die dazu beitragen können, die Neugier des Lesers anzustacheln. Ist Robin eine Frau oder ein Mann? Handelt es sich am Ende gar um den berühmtesten Robin der Kulturgeschichte, Robin Hood, den es auf wundersame Weise aus dem Wald von Sherwood an einen Ort und in eine Zeit verschlagen hat, in der es Kloschüsseln gibt und man sich nicht den Hintern mit Blättern abwischt?

Wir erfahren zudem, dass Robin erschöpft ist. Wovon? Die Tatsache, dass er oder sie die Wange auf den Rand der Kloschüssel legen kann, spricht entweder für ein gewisses artistisches, schlangenmenschartiges Geschick (in Annahme einer üblichen Nutzung der Kloschüssel, vulgo: dem Draufsitzen), oder – und dies dürfte wahrscheinlicher sein – für den Umstand, dass Robin vor der Kloschüssel kauert oder kniet. Dies wiederum führt zu gewissen dumpfen Ahnungen hinsichtlich der körperlichen Verfassung Robins.

Daraus lässt sich etwas Wichtiges ableiten, was für den nachfolgenden Text insgesamt gilt (bzw. gelten könnte): In Sachen Darstellung sämtlicher und insbesondere auch unangenehmerer Facetten der menschlichen Existenz wird da von Autorenseite voraussichtlich nicht sonderlich zimperlich zu Werke gegangen werden. Oder anders gesagt: Das dürfte nichts für Zartbesaitete werden, und noch kann man wieder aussteigen, falls man nicht so genau wissen möchte, was sich in der Kloschüssel befindet (das ist im Übrigen keine Schwäche dieses ersten Satzes, sondern eher so etwas wie ein Dienst am Leser).

Apropos Kloschüssel: Über sie erfahren wir, dass sie einen rissigen Rand besitzt (es lebe die Alliteration!). Ein unschuldiges Detail, das dennoch eine Erwartungshaltung bezüglich der Atmosphäre aufbaut, denn Robin hält sich offenbar nicht in einer Toilette auf, in der das Porzellan neu ist (und es beschleicht einen womöglich gar das ungute Gefühl, das hier auch nicht zwingend genau auf Hygiene geachtet wird).

Insgesamt betrachtet eignet sich der Satz als Ausgangspunkt für eine Vielzahl möglicher Geschichten. Er ist gewissermaßen eine Knospe, bei der noch nicht feststeht, wozu sie erblühen wird: von der skurrilen Schilderung einer Zeitreise (siehe oben) bis zur knallharten Milieustudie mit gesellschaftspolitischer Attitüde ist hier noch alles im Bereich des Denkbaren, und das ist auch gut so.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Konflikte im Alltag: Hunger

© corepics
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Lust, aus einem scheinbar nichtigen Konflikt eine kleine Geschichte zu basteln? Wie wäre es mit diesem hier?

Dein Protagonist oder deine Protagonistin liegt faul auf der Couch und schaut einen spannenden Film ohne Werbeunterbrechung. Da meldet sich ein kleines Hungergefühl, das rasch zu einem gewaltigen Hunger heranwächst.

Versuche daraus eine interessante, lustige oder sogar spannende Geschichte zu basteln.

Variante 1: Erzähle die Geschichte des inneren Kampfes der Hauptfigur, die den quälenden Hunger am liebsten ignorieren würde. Wird sie bis zum Ende des Films aushalten? Versucht sie das Problem durch ein Telefonat zu lösen? Hofft sie, sich mit den Krümeln vom Frühstück über Wasser zu halten?

Variante 2: Deine Hauptfigur hat dem Hunger schnell nachgegeben. Doch bis zum Sättigungsgefühl ist es noch weit. Denk dir eine Geschichte aus, in der so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Lass dir einfach ein paar schöne Hindernisse einfallen.

Weitere Schreibübungen

Sechser im Motto: Lieblingswort

Sechser im Motto, Foto: javarman
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Frage:
Welches ist dein Lieblingswort und warum?

Susanne Gerdom

Schuttrutsche. Ein unterschätztes, geradezu ausgegrenztes Wort von archaischer Klangschönheit. Herb und dunkel, mystisch und raunend. Einer der Großen Alten könnte so heißen: Cthulhu, Nyarlathotep, Shub-Niggurath, Tsathoggua, Schuttrutsche. Ein sehr deutsches Wort, im Übrigen. Man stelle sich einen Japaner vor, der sich an dieser Konsonantenfreude abmüht: Shuturutushu.

André Wiesler

Mein Lieblingswort ist zzt. Geraffel, weil es einen so originellen Klang hat und eine tolle Beschreibung für all die Dinge ist, die man eigentlich gerne macht, die aber so komplex oder aufwendig sind, dass man davor zurückschreckt. „Na, dieser Roman wird aber ein echtes Geraffel“ oder „Was, ich soll den Garten umgraben? Na, das wird aber ein großes Geraffel“ Vielen Dank an Little Britain für diese Wortschatzergänzung.

Mascha Vassena

Mein liebstes Wort in der deutschen Sprache ist „Welle“, besser noch sein Plural „Wellen“. Vom „W“ voran geschoben, brandet das  erste „e“ an den Doppelkonsonanten in der Mitte, schwappt über, wird zum zweiten „e“ und läuft aus ins „n“. Es ist ein Wort, bei dem ich sofort ruhig werde, das mich hinausträgt und an einen anderen Ort versetzt, weil in ihm außer seiner Bedeutung so viele anderes mitschwingt: Strand, Weite, Unendlichkeit, Langsamkeit, Ewigkeit, Gleichmaß, Zeit, Veränderung.

Stephan R. Bellem

Hmmm. ich fürchte, ich habe kein Lieblingswort. Es wäre zwar interessant, eine Geschichte mit nur einem Wort zu erzählen, aber es gibt wenige Worte, die eine solche Kraft haben. Darum habe ich kein „Lieblingswort“.

Gabriele Gfrerer

Das erste Mal bin ich ihr am 5. Mai 2006 begegnet. Wobei – so genau kann ich es heute nicht mehr sagen. Er und ich hatten uns vorher schon immer wieder über sie unterhalten. Genauer: über sie und ihn.
Das Mädchen und der Junge waren dazu ausersehen, die Welt zu retten, sagte er in das halbdunkle Zimmer und in seinen Augen lag dieser Glanz, um den ich ihn beneidete, weil er mit so viel Leidenschaft von ihrer Welt erzählen konnte. Ich verlor mich für ein paar Momente im Anblick seiner erhitzen Wangen und dem melodischen Klang seiner Stimme und hätte darüber beinahe die Geschichte verpasst, um die ich ihn ursprünglich gefragt hatte.
Doch dann hatte sie mich auch schon selbst eingefangen. Die Rebellin. Die Auserwählte. Die sturköpfig Suchende. Die irrwitzig Liebende. Die mit der realen Welt schon aus purer Erwartungshaltung im Clinch lag. Die jeden zurück stieß, der ihr mangelnde Glaubwürdigkeit vorwarf. Und die letztendlich – wie alle wahrhaft Liebenden – ihr Leben einsetzte, um jene zu retten, die gegen jede Vernunft vom ersten Augenblick an sie geglaubt hatten.
„Deine Begabung möchte ich haben!“, seufzte ich, als er fertig war.
„Aber du hast sie doch.“
Ich kann nicht sagen, ob er lächelte, als er – wie immer – beinahe lautlos aus meinem Zimmer verschwand. Auf jeden Fall aber ließ er mir etwas zurück, das ab sofort zu meinem Lieblingswort geworden war.
Was es ist? Fantasie.
Warum? Fragt ihn doch selbst! Ich bin sicher, er kommt, wenn ihr ihn ruft. Und er wird euch ebenso glücklich machen wie mich …

Christoph Lode

Ich habe viele Lieblingswörter. Besonders haben es mir die Bildhaften und Lautmalerischen angetan. „Stapfen“ zum Beispiel – da hört man förmlich den Stiefel im Matsch. Oder „Bollwerk“: nur zwei Silben, in denen aber ganze Türme, Zinnen und abweisende Mauern drinstecken. Es gibt aber auch Wörter, die ich nicht mag, Euphemismen wie „Gleichschaltung“. Und bürokratische Monster. „Umsatzsteuervorauszahlungsbescheid“ ist so eins. So trostlos wie ein Leben im Plattenbau.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto: Lieblingsfrage

Sechser im Motto, Foto: javarman
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© javarman

Aufgabe:
Beantworte bitte deine Lieblingsfrage, die aber hier nicht genannt sein will!

Jutta Wilke

Also Spaghetti. Ganz klar. Spaghetti mit Tomatensoße. Und viel Parmesankäse. Geht immer. Auch am nächsten Tag noch. Kalt aus dem Topf. Also mit ohne Soße geht auch. Hauptsache Spaghetti. Aber al dente müssen sie sein. Und auf gar keinen Fall durchgebrochen. Je länger, desto gut. Koch mir Spaghetti und ich tu (fast) alles für dich. 🙂

Titus Müller

Wenn ein Buch es schafft, mich zum Staunen zu bringen, dazu, dass ich kleine oder große Dinge im Leben neu sehe, dann macht mich das glücklich. Für das eigene Schreiben kann man sich das kaum als Ziel setzen, beim Leser so etwas zu erreichen — man würde nur auf den Effekt hin schreiben. So etwas geht schief. Aber ich kann aufmerksam durch den Alltag gehen, mir Zeit nehmen für Kleinigkeiten. Wenn ich Beobachtungen in meine Romane übernehme, die mich selbst verblüfft haben (wenn ich mir also das Staunen und das Verblüfftsein noch erlaube), dann gerät ein wenig von dem Zauber ganz von selbst mit ins aktuelle Manuskript.

Ursula Poznanski

Am besten, man hat schon beim Eintreten das Gefühl, dass man den Alltag hinter sich lässt. Es muss dunkle Winkel und Ecken geben, gern ein wenig verstaubt, in denen man stöbern und Unerwartetes finden kann. Viel Holz, nur ja kein Chrom oder Plastik. Sessel, in denen man praktisch verschwindet, sobald man sich hineinsetzt. Und Kaffee, vielleicht auch Tee, aus großen Tassen mit altmodischen Mustern.

Axel S. Meyer

Ja, danke – ich nehm‘ noch eins!

Anna Koschka

Ich tue es gerne und oft. Am Liebsten mehrmals pro Tag, in verschiedenen Positionen. Am Rücken, am Bauch, im Sitzen, im Liegen, auch mal stehend oder spontan auf dem Küchentisch. Zuerst langsam, dann immer schneller und mit mehr Druck. Aber gleichmäßig und im Rhythmus. Gerne auch mit der Haarbürste, aber nicht zu fest, sondern ganz zärtlich. Idealerweise jedoch nach dem Essen, mit viel Zeit und Genuss. Der Aspekt des Verwöhnens ist nämlich besonders wichtig, nur dann wird man mit einem heftigen Schnurren belohnt.

Tom Orgel

Die korrekte Antwort wäre natürlich „42“.
Aber da ich vermutlich nicht der einzige bin, der auf diesen hochintelligenten Scherz gekommen ist (was ihn weit weniger hochintelligent sondern eher ein wenig bemüht macht), überspringen wir diesen Teil besser. Ich beantworte also meine zweitliebste Frage.

Ja. Definitiv.
Wie etwa 99 Prozent aller Romane beziehungsweise Schriftstücke, die sich nicht mit reinen Sachthemen beschäftigen. Wobei ich mir sicher bin, dass die Entstehung einer erstaunlichen Anzahl von Schriftstücken der sogenannten Sachliteratur auf ganz ähnlichen Gründen beruht. Wenn man sich die Themen, denen manche Leute Jahre ihres Lebens opfern, so ansieht, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen.
Aber auch davon abgesehen – welche Form des Romans dient seinem Leser denn nicht dazu? Thriller und Krimi? Ach was! Chick-Lit (oder auch gehobener Frauenroman)? Ein Volltreffer. Zumindest, was die Erfüllung sämtlicher Kriterien angeht. Philosophischer Gegenwartsroman? Nein, hier findet man die besten Beispiele von Realitätsferne. Hm. Bildungsromane? Na gut. Die haben fast so viel mit der Realität zu tun, wie unser Bildungssystem.

Die bessere Frage wäre also eigentlich, nicht ob es so ist, sondern was so schlecht daran sein soll.
Eine der herausragenden Eigenschaften des menschlichen Denkens ist es, sich Dinge vorstellen zu können, die eben nicht der Realität entsprechen. Also in alternative Realitäten eintauchen zu können und daraus Lehren zu ziehen. Aus den Erlebnissen und Fehlern anderer zu lernen – sogar, wenn es nur fiktive andere sind.
Und das ermöglicht phantastische Literatur ganz … na eben ganz phantastisch. Und wenn man aus ihr nur lernt, dass jeder über sich hinauswachsen kann, dass es möglich ist, auch größte Schwierigkeiten zu überwinden, dass Leute, egal wie sie aussehen (oder welcher „Rasse“ sie angehören) letztendlich nur Leute sind, die alle ihre Sorgen, Nöte und Sichtweisen auf die Realität haben und vielleicht auch dass es, ganz nach Shakespeare, mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als es sich Horatios Schulweisheit träumen lässt, dann ist schon eine ganze Menge gewonnen.
Sicher kann man die selben Erkenntnisse auch aus „ernsthafterer“ Literatur gewinnen. Aber diese ernsthaftere Literatur erreicht mit dem selben Anliegen weit weniger Leute, weil sie oft langweilig, trocken und mühsam zu lesen ist, als „profane“ Belletristik. Das ist aber kein Vorwurf, den man der Unterhaltungsliteratur machen sollte, sondern doch besser E-Literatur. Es gibt meines Wissens keine Vorschrift, dass Bildung keinen Spaß machen darf, auch wenn das einige Literaten (vor allem aber Kritiker) zu glauben scheinen.
Für mich spricht absolut nichts dagegen. Der allergrößte Teil der Phantastik-Leser kann, entgegen anders lautender Gerüchte, sehr wohl unterscheiden, was ihre persönliche Lebensrealität und was Fantasy ist. Aber wenn Fantasy ihren Horizont erweitert und noch dazu ihr Leben schöner macht, dann ist es blödsinnig, sich genau darüber aufzuregen. Mir tun die Menschen leid, die mit einer Realität schon so überfordert sind, dass sie es nicht schaffen, wenigstens zeitweise aus ihr zu entkommen und sich noch auf eine Handvoll weiterer einlassen zu können. Das muss ein ausgesprochen armes Leben sein.
Und selbst wenn man alles andere beiseite lässt – jedes einzelne gelesene Wort bildet. Lesen macht nicht dumm. Wenn man nur genug liest.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Sechser im Motto

Sechser im Motto, Foto: javarman
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© javarman

Mit dieser Reihe werde ich (hoffentlich) in den nächsten Tagen starten können. Es könnte gleichermaßen interessant wie lustig werden. Aber mehr will ich noch nicht verraten. Ihr werdet schon sehen!

Tierischer Humor in Zooland

Mein Pseudo-Ben macht schon seltsame Sachen. Neben seinen Printveröffentlichungen füllt er auch gern das Internet mit seinem Geschreibsel. Neben Bloggeschichten, Blogromanen und weiteren Unsinnigkeiten hat er seit einiger Zeit die Zoologie für sich entdeckt. Wer aber auf interessante und lehrreiche Beiträge zu diesem und jenem Bewohner der Tierwelt hofft, wird maßlos enttäuscht.

Zooland nennt er das und fügt dort Fotografien mit tierischen Protagonisten völlig sinnfreie Unterschriften bei, die er für humorvoll hält. Kostprobe gefällig?

Kleines Unglück

Kleines Unglück

„Also, Herr Storch, wo ist es denn nun? Wir warten doch schon so lange auf das Kleine!“
„Es tut mir wirklich leid, Herr Gans, mir ist da bei der Anlieferung ein kleines Unglück passiert. Aber keine Sorge, meine Mitarbeiter suchen schon danach.“

Online-Autor des Jahres

„Tag des Schreibens“ sucht den Online-Autor des Jahres. Erfahren habe ich davon, weil sich laut meiner Statistik in den letzten Tagen einige Besucher meines Blogs über eben diese Seite zu mir geklickt haben.

Neugierig geworden durfte ich überrascht feststellen, dass auch „Im Auge des Autors“ zu den Nominierten zählt. Ich fühle mich sehr geehrt und danke, wem auch immer ich das zu verdanken habe.

Noch läuft die Nominierungsphase, vom 20. bis zum 26. Juni kann dann abgestimmt werden.

Mich für meinen Teil macht es schon glücklich, in den erlauchten Kreis der Nominierten aufgenommen worden zu sein. Und ich finde es schön, dass es diese Initiative gibt. Schon allein deshalb, weil man so auf ein paar interessante Seiten stoßen kann.

Entwicklungsresistent im Heftroman

Andrea Bottlinger hat letzte Woche die Belegexemplare zu ihrem Larry-Brent-Roman „Gargoyle“ erhalten. Auf ihrem Blog berichtet sie, was für sie den herausragenden Unterschied beim Schreiben dieses Heftromans im Vergleich zu sonstigen Romanen darstellt.

Ich fand das schon in einem Gespräch währende der Leipziger Buchmesse höchst interessant und kann daher nur empfehlen, diesen Blogeintrag zu lesen.

Bloggen statt plotten

Da hat doch ein Mitglied eines Schreibforums so ganz nebenbei erzählt, dass er seinen Roman mit WordPress entwickelt. Natürlich gab es gleich Bedenken, weil er damit seine Ideen und Daten im unsicheren Internet aufbewahrt. Obendrein wollte er einzelne Textpassagen, Arbeitsschritte und Ideen durchaus auch für seine Blogbesucher öffentlich machen und diskutieren lassen.

Sicherlich bleibt auch ein Restrisiko, wenn man das gesamte Blog oder wenigstens diejenigen Daten, die schützenswert sind, nicht öffentlich macht. Und auf jeden Fall sollte man seine Daten immer n0ch auf dem eigenen Rechner sichern.

Dennoch finde ich den Ansatz interessant, denn mit WordPress oder einer anderen Blogplattform kann man sich etwas ähnliches wie ein Projektwiki anlegen. Man denke nur an die Möglichkeiten der Verlinkung, Vernetzung und Kategorisierung.

Je nach Bedarf lassen sich Seiten oder Artikel anlegen, Charakterbögen, Plotskizzen und Rechercheergebnisse miteinander verbinden sowie Bilder, Karten oder andere externe Materialien einbinden.

Mithilfe der Kategorien kann man auch verschiedene Projekte innerhalb eines Blogs voneinander trennen. Und wählt man ein Theme wie etwa „P2“ kann man auch außerhalb des Dashboards direkt im Blog Notizen, Artikel und Links erstellen oder bearbeiten.

Für besondere Fälle erleichtert das Blog sogar die Teamarbeit, etwa bei einem Gemeinschaftsprojekt von mehreren Autoren oder in der Zusammenarbeit mit Testlesern.

Für denjenigen, der noch nicht die richtige Autorensoftware für sich entdeckt hat, wäre es jedenfalls eine interessante (und kostenlose) Alternative.

Biografische Unterstützung in Dialogen

Heute geht es um einen eher speziellen Fall, mit dem ich selbst gerade zu tun hatte, der aber möglicherweise vielen Schreibenden schon untergekommen ist.

Stellen wir uns vor, wir brüten gerade über einer Szene, die eigentlich ein klares Ziel hat und zu der uns dennoch nicht so richtig etwas einfallen will. Das Problem ist der Dialog.

Ein ganz konkretes Beispiel: Sagen wir, wir haben einen Prota, der vor einiger Zeit von seiner Freundin verlassen wurde. Nun hat er ein Date mit einer anderen.

Wir wollen im Verlauf der Szene zeigen, dass der Prota allen guten Vorsätzen zum Trotz noch immer an seiner Ex hängt. Etwa indem er seine Datepartnerin ständig mit ihr vergleicht, im Gespräch immer wieder an vergangene Situationen mit der Ex denken muss usw.

Schön und gut. Klar ist, das Ziel, das wir mit der Szene verfolgen, ist vollkommen losgelöst vom Dialog, den die beiden führen werden. Denn in der Regel wird sich der Prota mit seinem Date nicht über seine Ex unterhalten. Schon gar nicht mit dem Ziel, gemeinsam Klarheit über seine Gefühle zu erhalten. Dieses Ziel ist ein unterschwelliges, das an den Leser gerichtet ist.

Worüber aber werden sich die beiden unterhalten? Da sitzt man als Autor dann manchmal, will einen pointierten Dialog schreiben, überlegt, worüber man sich selbst denn so bei ersten Dates unterhalten hat, sucht nach Möglichkeiten, dabei das Ziel der Szene nicht aus den Augen zu verlieren usw.

Der Leser soll sich ja nicht bei irgendeinem belanglosem Flirtgeplänkel langweilen.

Hier (und in anderen Szenen, bei denen man dasselbe Problem hat) ist die Biografie der Figuren ein guter Schlüssel zum Erfolg. Ob es die berufliche Karriere, besondere Erlebnisse, die Familie oder Wünsche und Vorhaben sind – solche Dinge eignen sich hervorragend für ein Gesprächsthema.

Natürlich wählt man solche Dinge aus, die auch für den Leser neu und hoffentlich von Interesse sind. Gut lassen sich hier Infos streuen, die später noch von Bedeutung sind.

Allerdings muss man dennoch vorsichtig sein. Es droht der Infodump! Ein solcher Dialog muss mit viel Fingerspitzengefühl gestaltet werden, damit er einerseits den Anschein der Natürlichkeit wahrt, andererseits im Sinne des Szenenziels von Bedeutung bleibt.

Also immer das eigentliche Ziel im Hinterkopf haben und so weit als möglich mit jedem Satz, jedem Wortwechsel auf dieses Ziel hinarbeiten. Anders gesagt, die Entwicklung des Szenenkonflikts hat weiter absolute Priorität.

Der Sätze-Sammler

Ich bin auf einen lustigen Sammler gestoßen. Martin Clemens sammelt Sätze. Daher nennt er sein Blog auch „Literaturprojekt SätzeSammeln“ . Auf seinem Blog schreibt er dazu:

Dieses Literaturprojekt widmet sich gefundenen Sätzen. Sätze, die uns zufällig begegnen, unerwartet einfallen und nicht aus dem Kopf gehen. Sätze, die wie Aphorismen Teile der Welt beschreiben. Sätze, die eine poetische Kraft haben wie eine rausgerissene Zeile aus einem Gedicht. Sätze, die in ihrer Widersinnigkeit philosophischen Tiefgang haben.

Wer Sätze dazu beitragen will, ist gern gesehen und kann sie in einem Kommentar hinterlassen.

Martin Clemens schreibt übrigens auch an einem Blogroman mit dem Titel „Espresso“ . Ich habe nur kurz reinschnuppern können, aber das war schon interessant.

Wie macht ihr es denn?

Das ist im Prinzip eine in verschiedenen Variationen und zu diversen Themen immer wieder gestellte Frage in Autorenforen.

Welche Musik hört ihr beim Schreiben? Wo nehmt ihr eure Inspiration her? Schreibt ihr morgens, mittags, abends oder vielleicht gar nachts? Wisst ihr, wann eure Figuren Geburtstag haben? Wie macht ihr es denn?

Diese und ähnliche Fragen mögen im Einzelnen tatsächlich ganz interessant sein und den viel gerühmten Blick über die Schulter ermöglichen, aber mit der Zeit beginnt man sie geflissentlich zu überlesen. Zum einen, weil man gelernt hat, dass die Herangehensweisen beinahe so vielfältig sein können wie die Autoren, die sich ihrer bedienen, dass man nur für sich selbst den besten Weg finden kann, zum anderen weil die Häufigkeit solcher Fragen beinahe umgekehrt proportional mit der Erfahrung ihrer Fragesteller steigt.

Vor allem, wenn sie eigentlich nur die äußersten Rahmenbedingungen des Schreibens streifen, kann ich mit derartigen Fragen wenig anfangen. Je mehr sie sich von der Peripherie des Schreibprozesses zentralen Problemen des Handwerks zuwenden, desto eher vermute ich dann doch eine interessante und bereichernde Diskussion.

So wie es gerade bei Montségur geschieht. Hier geht es um die Frage der Vorplanung eines Romans, also des Plottens. Im Besonderen darum, wie viel Vorplanung zu viel ist. Sicher, auch hier gilt, jeder muss das für ihn richtige Maß selber finden, von „ganz ohne“ bis „bis ins kleinste Detail ist alles möglich.

Oder wie es in der Diskussion eine geschätzte Kollegin ausdrückt:

Ich denke, es ist sehr wichtig, den eigenen Erfahrungen zu vertrauen, sich die eigene erprobte Methode zuzugestehen, hier nichts durch Zweifel umzustossen.

Ich denke aber, es ist auch wichtig, offen zu bleiben, Ausschau zu halten und, wenn man etwas entdeckt, das das eigene erweitern, ergaenzen, steigern kann, zuzugreifen.

Der zweite Teil des Zitats nämlich macht die Diskussion im Forum dennoch überaus interessant, wenn teilweise gestandene Autoren ausplaudern, warum sie wie arbeiten, was ihnen hilft und was ihnen im Weg steht.