Romane schreiben

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch
(Foto: © Marko Tomicic)

Auch hier will ich auf die neue Artikelreihe „Der Romanschreiber“ hinweisen, schließlich folgen diesem und meinem Lektorenblog teilweise unterschiedliche Leute. Mit dieser Reihe bei „Hilfe für Autoren“ möchte ich – weniger theoretisch und überblickend als sonst – näher an die Praxis gehen und anhand von Beispielen jeweils einen von vielen möglichen Weg aufzeigen, der aus meiner Hinsicht für die meisten zielführend sein dürfte.

Der Romanschreiber: Klärung

Möwen gelandet

Regine Kölpin (Hg.): Muscheln Möwen, Morde

Regine Kölpin (Hg.): Muscheln Möwen, MordeSchon gesehen? Die Ostseekrimis sind jetzt bei amazon bestellbar.

Muscheln, Möwen, Morde:

So friedlich die seichten Wellen der Ostsee auch an die Strände rollen, so tödlich sind doch die Geschichten der Autoren dieser Anthologie. Seeglasscherben werden in Grömitz zu einem Hinweis auf ein Verbrechen aus längst vergangener Zeit , eine Bombe lauert in Nienhagen und eine längst vergessen geglaubte Geschichte lässt den Hass in Kühlungsborn erneut hohe Wogen schlagen.
Mit von der mörderischen Partie sind deutsche Krimiautoren wie Tatjana Kruse, Eva Almstädt, Klaus-Peter Wolf, Richart Birkefeld, Regine Kölpin, Conny Kuhnert, Jobst Schlennstedt, Thomas Nommensen und viele andere.

 

Einen Hammer säen

Hammer
© OLJ Studio

Noch einmal schaute Claudia sich um. Nichts! Ben hatte wirklich peinlich genau darauf geachtet, alles zu entfernen, was ihr auch nur die geringste Aussicht darauf gab, sich aus ihrem eigenen Gartenhäuschen zu befreien. Wie lange sollte sie hier schmoren? Wollte er sie möglicherweise hier verhungern lassen? Sie traute es ihm zu. Vor allem aber würde sie nun Lev nicht vor dem sicheren Tod retten können. Sie musste hier raus! Aber …

Sie lächelte. Ben hatte ihre Handtasche nicht kontrolliert. Warum auch? Sie selbst hätte beinahe nicht mehr daran gedacht. Und welche Frau trug schon einen Hammer mit sich herum?

Na, das ist ja noch einmal gut gegangen! Auch der Leser darf aufatmen, denn die Szene, deren Ende wir hier lesen konnten, war für ihn ganz schön spannend. Natürlich nur, weil er nicht daran gedacht hat, dass Claudia einen Hammer in der Handtasche hatte. Gelesen hatte er allerdings schon davon, denn sonst müsste er jetzt dem Autor einen Vogel zeigen: „Ein Hammer! In der Handtasche! Na, so ein Zufall!“

Es muss also schon viel früher eine Szene gegeben haben, in der der Hammer in die Handtasche gekommen ist. Mit einer Begründung, die für den Leser nachvollziehbar war, und auf eine Weise, die weder so aufdringlich war, dass der Leser fortan dauernd an diesen Hammer gedacht hat, noch so nebensächlich, dass der Leser sich jetzt, wo das Werkzeug wieder zum Vorschein kommt, nicht mehr daran erinnern könnte.

Man spricht vom Säen und Ernten, wenn der Autor unauffällig auffällig Hinweise versteckt, die später noch Bedeutung erlangen. Wenn du Lust hast, versuche dich doch einmal an einer Szene, in der der Hammer in die Handtasche gelangt.

Weitere Schreibübungen

Dichter haben’s schwer

Gedichte zu verfassen ist schon nicht leicht, sie an den lesenden Lyrikfreund zu bringen noch viel schwerer. Es gibt nur noch wenige seriöse Verlage, die sich diesem Nischenthema widmen. Lyrik verkauft sich schlecht.

Was soll man also einer jungen Lyrikerin raten, die man in Leipzig auf der Buchmesse trifft (und die ganz zufällig nicht nur wie ich aus Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch noch aus Rostock stammt). Mit einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung arbeitet sie sich durch die Gänge, gierig nach jedem Hinweis, wie sie ihr Dilemma doch noch lösen kann, um eines Tages ihren Namen auf dem Cover einer gedruckten Gedichtesammlung wiederzufinden.

Natürlich sagt man ihr, sie solle nicht aufgeben. Und natürlich verweist man auf die wenigen, meist kleineren Verlage, die man sich ergoogeln kann.

Aber vielleicht ist es auch hilfreich, sich an das nächstgelegene Literaturhaus zu wenden. Denn zumindest aus Rostock weiß ich, dass hier auch die Lyrik ein offenes Ohr findet. Die Förderung von Autoren aus der Region wird großgeschrieben. Es gibt Lyrikwettbewerbe, Workshops und andere Veranstaltungen, bei denen man sich austauschen kann.

Und es gibt auch Publikationsmöglichkeiten, etwa in einer regionalen Literaturzeitschrift (in diesem Fall die Risse) oder regionalen Reihen (wie in der Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern) und Verlagen.

Sicherlich sind die Literaturhäuser auch in anderen Städten gute Ansprechpartner um sich beraten zu lassen, möglicherweise eine Einschätzung zu den eigenen Texten zu bekommen und weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Denn Dichter haben’s schwer!

Kreatives Schreiben in Schreibschrift

Ich bin mal wieder auf ein Blog gestoßen, das ich euch nicht vorenthalten will. schreibschrift beschäftigt sich offenbar in vielfältiger Weise mit dem Thema Kreatives Schreiben.

Gleich vorweg: Ich kann und will schreibschrift nicht abschließend hinsichtlich seiner Nützlichkeit oder sonst irgendeiner Qualität beurteilen. Ich habe bestenfalls ein bisschen quergelesen, was einerseits an der mir fehlenden Zeit liegt, andererseits einfach daran, dass meine ganz persönliche Motivation zu schreiben sicherlich ein wenig von der Intention dieses Blogs abweicht.

Generell halte ich aber alle Blogs, die Schreibenden Anregungen geben, wie man sich auf unterschiedliche (kreative) Weise mit seinem Schreiben auseinandersetzen kann, für eine Bereicherung.

Ein wenig verwundert war ich bei einem Blog mit diesem Thema über die konsequente Abkehr von der Großschreibung, die möglicherweise eine kreative Interpretation des Blogtitels darstellt.

Gewundert habe ich mich auch über den Artikel schreibidee (203), der mich überhaupt zu dem Blog geführt hat. Ich habe den Ansatz einfach nicht verstanden, was aber an meiner beschränkten Auffassungsgabe liegen mag. Besonders schwer fiel es mir, die Bedeutung von „nachsetzen“ im Sinne von jagen,  verfolgen, mit der Bedeutung desselben Wortes im Sinne von (in einer Diskussion) noch einen draufsetzen, das letzte Wort haben in Gleichklang zu bringen, wie es der Artikel offenbar versucht. Aber für die Schreibübung ist das sicher nicht nötig.

Ohnehin halte ich die zwei Schreibaufgaben, die ich überflogen habe, für wichtig und gut ausgewählt. Eine hatte zum Inhalt, Tempo in das Geschriebene zu bringen, die andere beschäftigte sich mit den so wichtigen ersten Sätzen.

Daher kann ich Interessierten nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen. Vielleicht tauchen ja hier in den Kommentaren ein paar Erfahrungsberichte oder Hinweise auf ähnliche Seiten auf.

Von Goblins und Einhörnern

Fantasy-Schreiber können sich freuen, denn gleich zwei frische Ausschreibungen widmen sich beliebten Wesen der phantastischen Literatur.

So erfährt man auf Feenfeuer, dass der Verlag Torsten Low Geschichten um die sagenhaften Einhörner sucht, die dieses Jahr in einer Anthologie erscheinen sollen.

Für diejenigen, die sich lieber dem jüngeren Lesepublikum widmen und sich dafür auch gern mal ein bisschen mehr Platz gönnen, bietet Arcanum die Kinderbuch-Ausschreibung zum Thema „Der kleine Goblin“ an.

Beide Ausschreibungen laufen bis zum 30.04.2011. Mehr Informationen gibt es unter den entsprechenden Links. Auf diesem Blog werde ich später noch einmal umfangreicher darauf hinweisen.

Gute Nacht, Miss Marple!

Das Bücherhotel „Gutshotel Groß Breesen“ kannte ich schon. Wirklich sehr empfehlenswert, durfte ich dort doch schon an interessanten Veranstaltungen vom Literaturhaus Rostock teilnehmen.

Auf Pipapofee’s Blog habe ich aber jetzt auch einen interessanten Hinweis auf das erste Krimi-Hotel Deutschlands gefunden. Schönen Dank dafür. Wer also seinen Urlaub noch nicht geplant hat …

Von Arsen bis Zielfahndung

So heißt „Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige“ (Untertitel) von Manfred Büttner und Christine Lehmann, das im Argument Verlag erschienen ist. Mit dem Untetitel ist die Zielgruppe dieses Buchs auch ebensogut umrissen, wie sie sich begeistert zeigen dürfte.

Begeistert, weil sich dieser Leitfaden durch das literarische, filmische und natürlich reale Verbrechen spannend liest und dabei überaus informativ ist. Ob man einfach mal prüfen will, wieviel Realitätsnähe der letzte gelesene oder gesehene Krimi mit sich brachte, oder ob man die Rechercheanforderungen für das eigene Werk bündeln will, mit diesem Handbuch ist man gut beraten.

Gefunden haben sich für dieses Buch mit Manfred Büttner ein Steuerfahnder, der unter anderem als Dozent an der Hochschule der Polizei des Landes Baden-Würtemberg tätig ist, und mit Christine Lehmann eine Politikredakteurin beim SWR, die neben verschiedenen Essays auch hochgelobte Kriminalromane und -hörspiele (Lisa-Nerz-Krimis) geschrieben hat.

„Keineswegs fordern wir, dass Autorinnen sich nun stets von der Wahrscheinlichkeit des Realistischen gängeln lassen und jegliche Fantastik im menschlichen Verhalten aus unseren Krimis verbannt sein muss. Wir denken nur: Die dichterische Freiheit endet dort, wo der Rechtsstaat beginnt, vor allem dann, wenn wir über Unrecht schreiben.“

In diesem Sinne ist es dem Buch wichtig, vor allem dort Unsinn zu deklarieren, wo in der Fiktion gern mal die persönlichen Freiheitsrechte des Einzelnen großzügig ausgelegt oder gar übersehen werden (z.B. in der oft fälschlich als Verhör bezeichneten Vernehmung).

Aber auch sonst lässt es kein Thema aus. Vom Mordmotiv bis zum Mord selbst, von der Leiche bis zu den Ermittlern, von den Ermittlungen bis zur Festnahme wird alles Wichtige angesprochen. Auch die obligatorische Giftkunde fehlt nicht.

Natürlich kann das Buch allein eine gründliche Recherche nicht ersetzen, aber zum einen gibt es dem Autor manchen Hinweis, worauf überhaupt zu achten ist, zum anderen ist es die optimale Basis, um sich ein Grundwissen aufzubauen, von dem man sich bestens spezialisieren kann. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Literaturhinweisen am Ende des Buches.

Ich kann das Buch also jedem empfehlen, der sich als Einsteiger in der Kriminalliteratur versuchen will, aber auch jedem, der seine Krimis möglicherweise zukünftig realitätsnäher gestalten will. Und natürlich bleibt auch nach dem Genuss des Buches Luft für die künstlerische Freiheit.

Von Arsen bis ZielfahndungManfred Büttner und Christine Lehmann
Von Arsen bis Ziehlfahndung
Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
Ariadne[Leit]faden
Argument Verlag, 2009
ISBN 978-3-88619-720-0

Klappentext:

Leichen, Kripo, Asservate …

Wie genau verläuft eigentlich eine Obduktion? Wer stellt Haftbefehle aus? Wofür ist eine Staatsanwältin zuständig? Welches Gift wirkt wie?

Antworten auf solche und viele weitere Fragen liefert dieses aktuelle Handbuch für Schreibende und Wissbegierige. Es enthält unverzichtbares Arbeitsmaterial für Autorinnen und solche, die es werden wollen. Und für Fans morbider Einzelheiten ergibt sich ein spannender Streifzug durch die ermittlerische Wirklichkeit, der keine Neugier ungestillt lässt.

Lisa-Nerz-Schöpferin Christine Lehmann und Fahnder Manfred Büttner vermitteln Sachverstand im kriminalistischen Detail. Von der korrekten Art, Funksprüche abzusetzen, über eine Auflis­tung, welche Abteilung wann am Tatort eintrifft, bis zur Besoldung der einzelnen Dienstränge stellen sie ein einmaliges Arsenal an Fakten zur Verfügung, das den Sinn fürs Realistische gründlich schärft und dabei noch unterhält: Mit Witz und Verve befreien sie die Krimiwelt von Unfug, Märchen und Vorurteilen. Ihr Handbuch bietet zuverlässig recherchierte, griffig aufbereitete Fakten, übersichtlich präsentiert und garniert mit Beispielen aus Buch und Film.

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