Lehrlinge und so

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

Derzeit beschäftige ich mich mit Zauberlehrlingen, magischen Puppen, Plotentwürfen, Komissaren aus dem Kasperletheater, Bösewichtern, Szenenplänen, Tierschutzaktivisten, Schwarzen Streitern und Hungerleidern. Und bis auf eine dieser Gruppen sind alle ratgebend.

TeVeRo: Ein Test zum Spaß

Ich habe heute ein kleines Spaßprojekt begonnen. Nichts, was mich Arbeitszeit kostet. Dennoch ist es gleich in zweierlei Hinsicht sinnvoll. Zum einen Sinn will ich nichts sagen, ist auch eher privat, zum anderen erprobe ich damit die Autorensoftware TeVeRo und will davon hin und wieder auf diesem Blog berichten.

TeVeRo ist Freeware für Windows und lässt sich zum Beispiel hier und hier kostenlos herunterladen. Leider wartet das Programm gleich mit einem großen Manko auf, das sich im TeVeRo-Forum von kurzgeschichten.de nachlesen lässt. Dort schreibt Entwickler Matthias Kahlow am 17.01.2009:

Die Entwicklung ist momentan eingestellt, ja. Liegt zum Einen daran, dass ich kaum Zeit dafür habe, und zum Anderen, dass mir der Quellcode bei einem Festplattencrash flöten gegangen ist.

Wer sich dennoch für dieses Programm entscheidet, muss also wissen, dass er mit eventuellen Schwächen und Bugs vorraussichtlich langfristig leben muss. Aber möglicherweise überwiegen ja die Stärken.

Auf mich machte das Programm aber heute gleich einen guten Eindruck. Ob sich der bestätigt, werden wir sehen. Ein erster Versuch nach der Installation, in einem neu angelegten Projekt einen Charakter anzulegen, scheiterte leider. War aber kein Problem. Nach der Installation lässt sich das Programm zwar gleich starten, doch ein Windows-Neustart ist empfehlenswert. Danach ging alles glatt.

Anders als yWriter und Storybook ist TeVeRo ein recht schlankes Programm. Das betrifft nicht nur den Speicherbedarf (da unterbietet es yWriter nur unwesentlich), sondern vor allem die Funktionen.

Das mag nach Kritik klingen, ist aber nicht so gemeint.
Zum einen wird mancher Autor die Übersichtlichkeit schätzen. TeVeRo unterscheidet sich in der Ansicht kaum von der gewohnten Textverarbeitung. Die Textverarbeitung stellt auch das Herzstück des Programms dar.
Zum anderen baut TeVeRo im Unterschied zu den genannten Kontrahenten nicht auf Szenen- und Kapitelplanung auf, was je nach Geschmack als Vor- oder Nachteil empfunden werden kann.

 

TeVeRo
TeVeRo Screenshot: Klick für großes Bild

Zum normalen Texteditorfenster gesellt sich auf der rechten Seite einfach eines von vier möglichen Aufgabenfenstern:

  1. zum Ablauf, das neben der Möglichkeit, eine Prämisse zu formulieren, das Plotten und die Übersicht durch frei wählbare Handlungspunkte möglich macht (s. Screenshot), die sich über Lesezeichen mit Textstellen im Manuskript verknüpfen lassen,
  2. zu den Figuren, die in frei wählbare Gruppen aufgeteilt werden können (etwa Hauptfiguren, Nebenfiguren, Familie von Hannah, die Bluthundgang usw.) und deren Charakterblätter man frei ausfüllen kann,
  3. zu den Schauplätzen, die ebenso frei beschrieben werden können und
  4. als Zettelkasten, in dem man alle möglichen Notizen ablegen kann.

Dazu lassen sich jeweils Objekte wie etwa Grafiken oder Fotos einfügen.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung wird von Word eingebunden, was also installiert sein muss. Andernfalls muss man den Text extern mit einer anderen Textverarbeitung prüfen.

Für die Kontrolle des Arbeitspensums gibt man ein tägliches Arbeitsziel in Zeichen ein und kann dann über die Statistik abrufen, ob man noch im Plan liegt. Langfristigere Zielvorgaben (etwa die Eingabe von Abgabeterminen oder des geplanten Gesamtumfangs des Manuskripts) wie zum Beispiel bei yWriter sind nicht möglich.

Ob die zusätzlichen Gimmicks zum Vergleichen zweier Charaktere oder gar der Exposéassistent wirklich hilfreich sind, kann ich noch nicht einschätzen, habe da so meine Zweifel.

Dennoch, wenn das Programm hält, was es verspricht, dürfte es vor allem für diejenigen, die entweder weniger umfangreich plotten (denen also die Möglichkeiten der anderen Programme schon zu viel und zu verwirrend sind) oder deren Planung sich nicht an Kapiteln und Szenen orientiert, hilfreich sein.

Damit bietet es sich gerade denjenigen an, die die Möglichkeit zu sehr individueller Planung schätzen. Schließlich steht es jedem völlig frei, nach welchen Kriterien er etwa die Handlungspunkte festlegt (es könnten eben auch Szenen oder Kapitel sein).

Auch Bauchschreiber sind mit dem Programm gut bedient, weil sie die Aufgabenfenster unabhängig vom Fortschritt des Manuskripts für ihre Notizen nutzen können.

Schließlich hilft es auch denjenigen, die ein Manuskript erarbeiten, das ohne Kapiteleinteilung auskommt, etwa kürzere Texte wie Erzählungen und Kurzgeschichten.

Damit dürfte dann auch schon fast alles zu dem kleinen Programm gesagt sein. Nur, ob es sich bewährt, muss ich noch herausfinden.

PB-Plotten 10: Nebenkonflikte

Unter den Nebenkonflikten fasse ich alle Konflikte zusammen, die neben dem Hauptkonflikt noch eine Rolle spielen. Das können einige sein, was deutlich macht, dass man diesen Punkt (auch zeitlich) nicht unterschätzen sollte. Und das obwohl es weder nötig noch möglich sein wird, wirklich bis ins Kleinste jeden Konflikt jetzt schon zu planen. Selbst die wesentlichen Nebenkonflikte werden uns eine Weile beschäftigen.

Mit dem groben Plotplan sollten wir bereits die wichtigsten Konflikte angeschnitten haben. Sie lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  1. diejenigen Konflikte, die mit Protagonisten und/oder dem zentralen Konflikt direkt in Verbindung stehen,
  2. diejenigen Konflikte, die in eventuellen weiteren Handlungssträngen im Mittelpunkt stehen,
  3. diejenigen Konflikte die weitere wichtige (Haupt-) Figuren inklusive des oder der Antagonisten auszutragen haben,
  4. alle weiteren „kleinen“ Konflikte: zunächst diejenigen die sich für die Hauptfiguren im weiteren Handlungsverlauf ergeben, außerdem die Konflikte, die die Neben- und Randfiguren mit sich herumschleppen.

Zwischen diesen vier Gruppen gibt es Überschneidungen. So ist der grundlegende Konflikt, den eine Hauptfigur auszutragen hat (3.), natürlich mit dem zentralen Konflikt eines Nebenstrangs (2.) identisch, wenn die Figur eben Handlungsträger dieses Strangs ist. Auch sind diejenigen Konflikte, die sich im Handlungsverlauf ergeben (4.), in der Regel auf irgendeine Art mit dem zentralen Konflikt des Haupt- oder eines Nebenstrangs verbunden. Zumindest sollte es so sein.

In die erste Gruppe fällt natürlich zuallererst ein mit dem Hauptkonflikt einhergehender innerer Konflikt des Protagonisten oder, falls der innere Konflikt im Zentrum steht, mit ihm verbundene oder durch ihn ausgelöste äußere Konflikte. In der Regel wird jeder zentrale Konflikt weitere Konflikte nach sich ziehen.

Vor allem die unter 4. angeführten Konflikte wird man zu diesem Zeitpunkt noch nicht übersehen können. Manche davon gehören letztlich zur Entwicklung der Nebenfiguren, andere werden erst bei der Szenenplanung oder gar im Schreibprozess deutlich.

Wir beschäftigen uns also zu diesem Zeitpunkt vornehmlich mit den ersten drei Gruppen. Klar sollte sein, dass natürlich auch die Nebenkonflikte jeweils durch das Ziel einer Figur und jemanden oder etwas, der/das diesem Ziel im Wege steht, bestimmt werden. Und natürlich trifft auch ansonsten das meiste, was ich zum Hauptkonflikt geschrieben habe, auch auf Nebenkonflikte zu. Weiterführend könnt ihr gern auch meinen Artikel bei „Hilfe für Autoren“ lesen.

(PB-Plotten: Die Liste)