Schon überarbeitet? Pausen machen

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Schon überarbeitet?
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Tippi, die ihr vielleicht noch aus früheren „Schon überarbeitet?“-Artikeln kennt, hat im Unterschied zu mir keine Zeit vergehen lassen. Als der ebenfalls bekannte Herr Schultertipper ihr von den möglichen drei Überarbeitungsschritten erzählt hatte, in denen sie sich nacheinander um Inhaltliches, Stilistisches und Grammatikalisches kümmern könnte, wollte sie sich sofort an die Arbeit machen.

„Stopp!“, rief da der Schultertipper. „Warum so eilig?“
Tippi aber wunderte sich, was der Kerl gegen ihren Arbeitseifer haben könnte. Der wiederum erklärte ihr, sie müsse zunächst einmal eine Pause einlegen, den Text, den sie doch gerade erst geschrieben habe, ruhen lassen, Abstand gewinnen. So viel wie möglich (wenigstens ein paar Tage, besser ein paar Monate), falls nicht viel Zwingenderes als die eigene Ungeduld dem im Wege stünde.

Es ginge darum, dem Text mit so fremdem Blick wie nur möglich wiederzubegegnen, damit sie nicht mehr lese, was sie schreibend gemeint habe, sondern nur, was dort tatsächlich stehe. Dieser Schritt, die Pause für den Text, sei wichtiger Bestandteil der Überarbeitung und auf keinen Fall zu vernachlässigen. Tatsächlich könne man ihn im weiteren Verlauf gern noch einige Male wiederholen, etwa vor jedem weiteren Überarbeitungsschritt.

Ihre Ungeduld, sagte er Tippi, als er die Enttäuschung in ihren Augen sah, könne sie am besten dadurch zügeln, indem sie sich inzwischen einem anderen Text widme: einem, der noch geplant, geschrieben oder nach seiner Pause nun überarbeitet werden müsse.

Übersicht

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Schon überarbeitet? Die drei Durchgänge

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Schon überarbeitet?
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Man nimmt sich ja immer so viel vor. Und dann bleibt beinahe noch mehr liegen. So wie die Artikelreihe zum Überarbeiten, deren letzter Artikel vor fast einem Jahr erschienen ist. Immerhin, wie lang her auch immer, ich versuche meist, die Dinge zu Ende zu bringen. Und damit steht hier der dritte Teil der Reihe „Schon überarbeitet?“ an.

In den bisherigen Teilen hatte ich euch Schreiberline Tippi vorgestellt, die sich von dem wunderlichen Herrn Schultertipper einiges hatte sagen lassen müssen, was die abschließende Überarbeitung ihres Manuskriptes anging. Seufzend hatte sie zur Kenntnis genommen, dass es wohl mit ein paar Korrekturen nicht getan wäre, drängte dann aber darauf, zu erfahren, womit sie denn also beginnen solle.

Herr Schultertipper verwies nun darauf, er habe ja bereits einmal von mindestens drei Überarbeitungsdurchgängen gesprochen. Und das aus gutem Grund, ginge es doch im Wesentlichen um drei Aspekte, die bei der Überarbeitung zu prüfen seien:

  1. inhaltliche,
  2. stilistische und
  3. grammatikalische.

Schultertipper schlug vor, sich zuerst um alles Inhaltliche zu kümmern. Erst, wenn es dort nichts mehr zu tun gebe, könne Tippi sich damit beschäftigen, den bestmöglichen Ausdruck dafür zu finden, um schließlich zu kontrollieren, dass dieser fehlerfrei umgesetzt sei. Jeder der drei Aspekte fördere meist noch einiges an Arbeit zutage, weshalb die Bearbeitung möglichst gründlich und in Ruhe durchzuführen sei.

Und dennoch, so wandte er selbst ein, könne sein Rat im besten Falle Richtlinie sein. Und er wiederholte, dass jeder Autor und jede Autorin anders sei. Manchen ginge es etwa besser damit, bei jeder Überarbeitung auf alle Aspekte gleichzeitig zu achten, und sei es nur, weil es ihnen nicht gelänge, einen davon auszuklammern. Auch, ob jemand weniger oder mehr Durchgänge brauche, sei nicht nur von Autor*in zu Autor*in verschieden, sondern hänge natürlich auch von den Erfordernissen des jeweiligen Werkes ab.

Wichtig sei vor allem, offen zu sein. Wer von vornherein die Erwartung mitbringt, es würden sicher nur ein paar Kleinigkeiten auszubessern sein, verschließt seinen Blick womöglich vor dickeren Patzern. Und solche könnten uns schon im nächsten Teil begegnen.

Übersicht

PB-Plotten: 21-23 – Überarbeitung

Den letzten Schritt in der Manuskripterstellung stellt die Überarbeitungsphase dar. Wie viele Durchgänge man dafür benötigt, ist vom Autor, aber auch vom Text abhängig. In meinem Modell sind es drei Arbeitsgänge, was aber nur als Orientierung gelten soll.

Es mag Autoren geben, die schon nach zwei Überarbeitungsschritten ein verlagsreifes Manuskript erreichen, andere müssen sich dagegen deutlich mehr Zeit nehmen.

Wer sein Manuskript von Testlesern, sogenannten Betalesern, gegenlesen lässt, wird vor und nach deren Zuarbeit mehrere Überarbeitungsdurchgänge durchführen. Und natürlich wird mindestens ein weiterer Duchgang fällig, wenn das Manuskript mit den Anmerkungen des Lektorats zurückkommt.

Es gibt durchaus die Meinung, dass die Hauptarbeit des Autors erst mit der Überarbeitung beginnt. Manche Autoren nehmen sich mehr Zeit für die Überarbeitung als für den vorhergehenden Schreibprozess.

In jedem Fall steckt in der Überarbeitung weit mehr, als manch angehender Autor offenbar darin vermutet. Denn die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik macht dabei den kleinsten Teil aus.

Wer nicht stets einen Rundumschlag startet und alles, was ihm auffällt, sofort korrigiert, dem würde ich empfehlen, sich die Korrekturen für den Schluss aufzuheben. Schließlich ist es wenig sinnvoll, einen Abschnitt komplett zu korrigieren, der letztlich doch noch stark abgeändert oder gar ganz gestrichen wird.

Eine Überarbeitungsreihenfolge, die zu meinem Modell passt, könnte etwa sein:

  1. Änderungen, die das Gesamtkonzept betreffen oder die sich durch die Abschlussrecherchen ergeben haben, dazu eine gründliche Prüfung auf innere logische Zusammenhänge und Schlüssigkeit. Dabei auch ein besonderes Augenmerk auf stimmige Figuren und eine stimmige Figurenentwicklung, die Entwicklung des Konflikts und die (hoffentlich) bewiesene Prämisse legen. Am Ende dieses Durchgangs sollten alle inhaltlichen Streichungen und Änderungen bezüglich des Plots abgeschlossen sein.
  2. Stilanalyse! Jetzt werden die Formulierungen abgeklopft, Wiederholungen, sofern sie keine Funktion erfüllen und sich sinnvoll (!!!) vermeiden lassen, umschifft, man sucht nach Stilbrüchen und Unsauberkeiten im Ausdruck. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Dialoge, die man schleifen muss. Sie lassen sich fast immer bei der Überarbeitung noch verbessern. Wo es dem Werk angemessen ist, wird auf eine bildhafte Sprache geachtet (Metaphern, Vergleiche, Wortschöpfungen, …). Am Ende dieses Durchgangs sollte  das Manuskript stilistisch nach bestem Wissen und Gewissen in Topform sein.
  3. Prüfung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik (die Korrekturprogramme inkl. Dudenkorrektor können hier immer nur Teilarbeit leisten, sind niemals ausreichend).

Damit ist die Reihe PB-Plotten zu ihrem Ende gelangt. Ich hoffe, sie war ein bisschen hilfreich.

(PB-Plotten: Die Liste)

TeVeRo: Ein Test zum Spaß

Ich habe heute ein kleines Spaßprojekt begonnen. Nichts, was mich Arbeitszeit kostet. Dennoch ist es gleich in zweierlei Hinsicht sinnvoll. Zum einen Sinn will ich nichts sagen, ist auch eher privat, zum anderen erprobe ich damit die Autorensoftware TeVeRo und will davon hin und wieder auf diesem Blog berichten.

TeVeRo ist Freeware für Windows und lässt sich zum Beispiel hier und hier kostenlos herunterladen. Leider wartet das Programm gleich mit einem großen Manko auf, das sich im TeVeRo-Forum von kurzgeschichten.de nachlesen lässt. Dort schreibt Entwickler Matthias Kahlow am 17.01.2009:

Die Entwicklung ist momentan eingestellt, ja. Liegt zum Einen daran, dass ich kaum Zeit dafür habe, und zum Anderen, dass mir der Quellcode bei einem Festplattencrash flöten gegangen ist.

Wer sich dennoch für dieses Programm entscheidet, muss also wissen, dass er mit eventuellen Schwächen und Bugs vorraussichtlich langfristig leben muss. Aber möglicherweise überwiegen ja die Stärken.

Auf mich machte das Programm aber heute gleich einen guten Eindruck. Ob sich der bestätigt, werden wir sehen. Ein erster Versuch nach der Installation, in einem neu angelegten Projekt einen Charakter anzulegen, scheiterte leider. War aber kein Problem. Nach der Installation lässt sich das Programm zwar gleich starten, doch ein Windows-Neustart ist empfehlenswert. Danach ging alles glatt.

Anders als yWriter und Storybook ist TeVeRo ein recht schlankes Programm. Das betrifft nicht nur den Speicherbedarf (da unterbietet es yWriter nur unwesentlich), sondern vor allem die Funktionen.

Das mag nach Kritik klingen, ist aber nicht so gemeint.
Zum einen wird mancher Autor die Übersichtlichkeit schätzen. TeVeRo unterscheidet sich in der Ansicht kaum von der gewohnten Textverarbeitung. Die Textverarbeitung stellt auch das Herzstück des Programms dar.
Zum anderen baut TeVeRo im Unterschied zu den genannten Kontrahenten nicht auf Szenen- und Kapitelplanung auf, was je nach Geschmack als Vor- oder Nachteil empfunden werden kann.

 

TeVeRo
TeVeRo Screenshot: Klick für großes Bild

Zum normalen Texteditorfenster gesellt sich auf der rechten Seite einfach eines von vier möglichen Aufgabenfenstern:

  1. zum Ablauf, das neben der Möglichkeit, eine Prämisse zu formulieren, das Plotten und die Übersicht durch frei wählbare Handlungspunkte möglich macht (s. Screenshot), die sich über Lesezeichen mit Textstellen im Manuskript verknüpfen lassen,
  2. zu den Figuren, die in frei wählbare Gruppen aufgeteilt werden können (etwa Hauptfiguren, Nebenfiguren, Familie von Hannah, die Bluthundgang usw.) und deren Charakterblätter man frei ausfüllen kann,
  3. zu den Schauplätzen, die ebenso frei beschrieben werden können und
  4. als Zettelkasten, in dem man alle möglichen Notizen ablegen kann.

Dazu lassen sich jeweils Objekte wie etwa Grafiken oder Fotos einfügen.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung wird von Word eingebunden, was also installiert sein muss. Andernfalls muss man den Text extern mit einer anderen Textverarbeitung prüfen.

Für die Kontrolle des Arbeitspensums gibt man ein tägliches Arbeitsziel in Zeichen ein und kann dann über die Statistik abrufen, ob man noch im Plan liegt. Langfristigere Zielvorgaben (etwa die Eingabe von Abgabeterminen oder des geplanten Gesamtumfangs des Manuskripts) wie zum Beispiel bei yWriter sind nicht möglich.

Ob die zusätzlichen Gimmicks zum Vergleichen zweier Charaktere oder gar der Exposéassistent wirklich hilfreich sind, kann ich noch nicht einschätzen, habe da so meine Zweifel.

Dennoch, wenn das Programm hält, was es verspricht, dürfte es vor allem für diejenigen, die entweder weniger umfangreich plotten (denen also die Möglichkeiten der anderen Programme schon zu viel und zu verwirrend sind) oder deren Planung sich nicht an Kapiteln und Szenen orientiert, hilfreich sein.

Damit bietet es sich gerade denjenigen an, die die Möglichkeit zu sehr individueller Planung schätzen. Schließlich steht es jedem völlig frei, nach welchen Kriterien er etwa die Handlungspunkte festlegt (es könnten eben auch Szenen oder Kapitel sein).

Auch Bauchschreiber sind mit dem Programm gut bedient, weil sie die Aufgabenfenster unabhängig vom Fortschritt des Manuskripts für ihre Notizen nutzen können.

Schließlich hilft es auch denjenigen, die ein Manuskript erarbeiten, das ohne Kapiteleinteilung auskommt, etwa kürzere Texte wie Erzählungen und Kurzgeschichten.

Damit dürfte dann auch schon fast alles zu dem kleinen Programm gesagt sein. Nur, ob es sich bewährt, muss ich noch herausfinden.

Komplizierte Sätze

Ich sinniere seit gestern Abend (wenn gerade Zeit ist) über ein Posting in einem Autorenforum. Ein User hatte einen Satz aus seinem aktuellen Projekt gepostet, in dem er sich bei einer grammatischen Frage nicht sicher war. Die Frage selbst war schnell zu klären, doch gab es eine ganze Reihe Anmerkungen, wie man den Satz einerseits übersichtlicher (also verständlicher), andererseits überhaupt sinnvoller gestalten könne.

Tatsächlich war es ein recht langer Satz, der viele Informationen gleichzeitig enthielt und auf jeden Fall den Leser, möglicherweise auch den Autor mit schwierig herstellbaren Bezügen der Satzteile untereinander überforderte.

Nun kenne ich Ähnliches aus meiner Lektoratstätigkeit. Besonder „junge“ Autoren neigen dazu, viel zu wenig Punkte zu setzen, den einzelnen Satz mit Informationen zu überfrachten und Satzstrukturen zu erschaffen, mit denen sie selbst dann nicht mehr klarkommen. Das ist nichts Verwerfliches, aber vielleicht etwas Vermeidbares.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ein Schreibstil, der mit kunstvoll zusammengezauberten Sätzen jongliert, ist etwas Feines, solange er zum Text passt und von seinem Autor beherrscht wird. Es ist aber auch wahr, dass eine spannend erzählte Geschichte auch in einer straffen, einfachen Sprache wirken kann, vor allem dann, wenn sie sich weder Ausrutscher in die eine noch in die andere Richtung erlaubt.

Warum brachte mich nun dieses Posting zum Grübeln? Weil es mir erstmals einen noch etwas vernebelten Weg aufzeigt, wie man Autoren raten könnte, die mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Ich muss noch ein bisschen darüber nachdenken, dann wird das sicherlich ein Thema für mein Lektorenblog. Tipps von eurer Seite nehme ich dabei gern entgegen.