Ausgesetzt

Seine Werke online zu veröffentlichen ist heutzutage kein Problem mehr. Ob auf dem eigenen Blog oder in mehr oder weniger ansehnlichem Outfit auf einer der aus dem WWW-Boden sprießenden Communitys – jeder kann mit wenigen Klicks seine Texte im Netz publizieren.

Während der Autor einer Printpublikation in der Regel Resonanz eher auf dem indirekten Weg erfährt, kommen Online-Autoren meist in den Genuss der direkten Kommunikation. Das geht so weit, dass der Leser dem Autor eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann. Mehr noch: Erscheint es dem Autor vernünftig, ist er in der Lage, daraufhin Änderungen an seinem Text vorzunehmen. Der Begriff der konstruktiven Kritik erlebt damit einhergehend eine neue Blüte.

Nun bleibt allerdings eine Veröffentlichung eine Veröffentlichung. Publiziere ich einen Text von mir, bringe ihn also in eine uneingeschränkte Öffentlichkeit, dann setze ich ihn aus. Fortan gehört er dem Leser. Als Online-Autor bin ich selbst in der verlegerischen Verantwortung, zu entscheiden, ob der Text tatsächlich veröffentlichungsreif ist oder nicht.

Genauso wenig wie der Autor einer Printpublikation kann sich der Online-Autor seine Leser und Kritiker aussuchen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob er dessen Aussagen zum Text wirklich als sachlich, freundlich, zutreffend, gerecht oder konstruktiv betrachtet.

Übrigens, der Neidfaktor, der hinsichtlich als unsachlich eingestufter Kommentare gern betont wird, mag sicherlich hier und da zutreffen, aber zum einen spielt das letztlich keine Rolle, zum anderen kann er auch schnell zu einer kleinen Selbsttäuschung missbraucht werden.

Frechheit!

Falsch ausgeschrieben? Oder bin ich hier falsch? Das kann doch wohl nicht wahr sein!

Da sucht der engagierte Autor Otto N. nach einer Ausschreibung, bei der er Ruhm und Ehre ernten kann, und findet im Ausschreibungstext, er müsse, um teilnehmen zu können, unter 25 Jahre alt sein. Da heißt es, man suche nach jungen Autoren. Ist er etwa mit seinen 26 Jahren nicht mehr jung? Frechheit!

Aber glücklicherweise gibt es da ja noch andere Ausschreibungen. Die nächste, die ihm ins Auge fällt, wäre so ganz in seinem Sinne. Auch das Thema passt. Aber um einen Beitrag einsenden zu dürfen, müsste er in Hagenow leben oder zumindest dort geboren sein. Was soll das denn? Sind Hagenower etwa die besseren Menschen? Muss Otto aus Redefin sich da nicht diskriminiert fühlen?

Aber Otto hat die Geduld eines Zirkuselefanten. Er sucht einfach nach der nächsten Ausschreibung und schaut, um weiteren Enttäuschungen vorzubeugen, zunächst in die Teilnahmebedingungen. Volltreffer: Jeder darf mitmachen, egal wie alt er ist und wo er herkommt. Das ist doch mal Gleichberechtigung! Doch Ottos Freude währt nicht lange. Das Thema sind Vampwölfe. Die kann er gar nicht leiden, kennt sich auch kaum mit den gefräßigen Dingern aus, und Fantasy ist eh nicht so seine Schiene. Kann er nicht einfach über das schreiben, was ihm Spaß macht?

Was denken sich diese Ausschreiber eigentlich? Ist doch eine Frechheit, die Kreativität dermaßen zu beschränken und nicht selten sogar einem Teil der Kreativen des Landes ganz den Riegel vorzuschieben.

Und Otto hat noch Glück. Sein Kumpel Klaus schreibt gar nicht. Der wird also von nahezu allen Schreibwettbewerben und -ausschreibungen ausgeschlossen. Kein Wunder, dass der sich ärgert.

Das kann Otto wirklich gut nachvollziehen, denn neulich fand er eine Ausschreibung für einen Kochwettbewerb. Sind die jetzt völlig bescheuert? Otto kann gar nicht kochen. Frechheit!