Ein Date für deine(n) Prota?

© auremar
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Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Flirt in der Bahn

Schreibe deine(n) Prota also in eine Straßenbahn oder einen Zug. Wenn Prota bereits in einer Beziehung lebt und nicht der Typ für ein Abenteuer dieser Art ist (bist du dir da auch ganz sicher?), versetzte die Szene in eine Vergangenheit, in der Prota noch solo war. Vielleicht trifft er/sie ja in dieser Szene zum ersten Mal sene(n) Gegenwärtige(n). Muss aber nicht sein.

Prota sieht in der Bahn jemanden (zusteigen), der/die ihm/ihr den Atem raubt. Prota ist hin und weg! Sein/ihr Herz tanzt Samba mit den Schmetterlingen im Bauch. Doch er hat nur diese eine Chance! Vielleicht gehört es ja zu Protas leichtesten Übungen, Fremde kennenzulernen. Aber bleibt das so, wenn Prota überzeugt ist, gerade den/die zukünftige(n) Herrn/Frau Prota ins Auge gefasst zu haben? Reicht dieses Gefühl, mögliche Hemmungen zu überwinden? Was unternimmt Prota konkret? Wie versucht er/sie zu punkten? Wie stehen Protas Chancen? Wie wird es ausgehen? Und was geht danach in Prota vor?

Anschließend hat Prota erst einmal Ruhe, es sei denn, dir fallen noch weitere Szenen für ihn ein. Nächste Woche geht es hier mit einer anderen Übung weiter. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren  ins Flirtabenteuer in der Straßenbahn zu schicken.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

PB-Plotten 7: Hauptfiguren

Für die Figurenentwicklung trifft das Gleiche zu wie für das Plotten insgesamt: Welches für den Autor die beste Methode ist, muss er schon selbst herausfinden. Für manchen wird sich gar herausstellen, dass er seine Figuren am besten während des Schreibens kennenlernt, selbst wenn er dann im Nachhinein oder währenddessen eventuelle Anpassungen im bereits niedergeschriebenen Teil der Geschichte vornehmen muss.

In jedem Fall trifft aber vor allem für die Hauptfiguren zu, dass der Autor so bald wie möglich alles über sie wissen sollte, dass er sie am besten besser kennen sollte als sich selbst.

In der Phase des Plottens lässt sich das auf verschiedene Arten erreichen, für die man sich ruhig ausreichend Zeit nehmen sollte:

  • schreib einen Lebenslauf zu jeder Hauptfigur, ausformuliert oder in griffigen Stichpunkten,
  • fülle für jede Hauptfigur ein Figurenblatt aus, eine mögliche Vorlage im RTF-Format findest du hier,
  • führe mit jeder Figur ein Interview durch, in dem sie auf alltägliche Fragen, aber auch solche zu Extremsituationen antworten soll (Was würdest du an einem freien Tag unternehmen wollen, was schätzt du an einem Freund am meisten, wie gefällt dir der Song, der gerade im Radio läuft, wie würdest du dich verhalten, wenn du eine Schlägerei beobachtest, was würdest du mit einem Lottogewinn anfangen, …?)
  • nimm deine Figur mit in deinen Alltag und überlege, wie sie sich in den auftretenden Situationen verhalten würde.

Wieder gilt, es gibt keine Vorschriften, welche Methode man bevorzugt, ob man sich vielleicht sogar mit mehreren der Figur annähert. Auch wird manche Geschichte erst aus einer faszinierenden Figur heraus entwickelt, während man bei einer anderen schon weiß, wie die Geschichte verlaufen soll, und man dafür nach den passenden Figuren sucht.

Was aus meiner Sicht für jede Hauptfigur die zentralste Frage ist, die daher möglichst von Beginn an  geklärt sein sollte, ist die nach dem, was sie antreibt, und dem, was sie hemmt. Anders gesagt, die nach ihren bestimmenden Zielen und die nach ihren bestimmenden Ängsten.

Ich darf mich hier mal einer Erklärung bedienen, die (in leicht abgewandelter Form) aus einem Vortrag von Lisa-Marie Dickreiter entstammt und wunderbar deutlich macht, worum es geht. Lisa verwendete dazu Techniken aus dem Schauspielunterricht. Die Situation ist eine, die nahezu jeder kennen und nachvollziehen können sollte.

Man stelle sich also vor, man wolle einer anderen Person seine Liebe gestehen. Eine Situation, die durch das Ziel, mit dieser Person eine Beziehung einzugehen, und die Angst vor Zurückweisung bestimmt ist. Einer Angst, die umso existentieller ist, weil wir gezwungen sind, unseren Schutzschild herunterzufahren und uns in all unserer Verletzlichkeit zu präsentieren.

Wir befinden uns in einem inneren Konflikt, der unser Handeln bestimmen wird, der Strategien auslöst, um einen Eindruck nach außen zu tragen, der diesen Konflikt verbirgt. Es werden Gefühle ausgelöst, die wir zum Selbstschutz zu verbergen suchen. Möglicherweise versuchen wir, besonders cool zu wirken, vielleicht versuchen wir, unsere Ängste mit Humor zu überspielen.

So geht es uns aber nicht nur in solchen besonderen Situationen, sondern eigentlich immer. Ob in einem Gespräch, bei einer Party, im Arbeitsprozess – wir befinden uns nahezu immer in einem Zwiespalt zwischen dem, was wir erreichen wollen und entsprechenden Versagensängsten.

Wenn wir unsere Hauptfiguren durch die Geschichte begleiten, werden ihre Handlungen immer auch durch solche gerade aktuellen Konflikte bestimmt sein, vor allem aber verfolgen sie über die gesamte Geschichte ein oder mehrere größere Ziele, die mit entsprechenden (grundlegenden) Ängsten einhergehen, die sie als Charaktere prägen.

Was also unsere Hauptfiguren antreibt und welche Ängste sie hemmen, sollte zu den ersten Fragen gehören, die wir ihnen stellen. Sie werden das Wesentliche unserer Figuren ausmachen und sie außerdem in eine Beziehung zum zentralen Konflikt stellen.

Nicht vergessen wollen wir bei den Hauptfiguren den oder die Antagonisten, so es sie gibt, die  mit gleicher Sorgfalt behandelt werden.

Hinweisen möchte ich außerdem auf die beiden kleinen Artikel, die ich zu dem Thema geschrieben habe:

Von Figuren und Personen

Von Protagonisten und ihren Gegnern

(PB-Plotten: Die Liste)

Wieland und die Risse

Heute und morgen im Literaturhaus Rostock:

Donnerstag, der 05. November 2009

Rayk Wieland ›Ich schlage vor, dass wir uns küssen‹

Lesung

Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Begebenheit. Die DDR hat es wirklich gegeben. – so läutet der Klappentext diesen hinreißend komischen Roman ein, der von den Lesern mit Lachtränen verschlungen wird, die Literaturkritiker handeln ihn schon allein wegen seiner leichtfüßigen Art als einen der besten Romane über die DDR.

Herr W. hat eines Tages eine ominöse Einladung in der Post. Auf einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er Auskunft geben über sein Werk, über die Unterdrückung in der DDR und über seine Erlebnisse als Staatsfeind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? Mit der DDR hat er doch längst abgeschlossen, nachdem sie 1989 wie ein falsch montiertes Chemieklo zusammenklappte. War er je als Dichter auffällig geworden? Als unterdrückter gar?

W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich einer Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund: Tatsächlich sind hier seine lyrischen Gehversuche unter dem Titel „Mögliche Exekution des Konjunktivs“ abgeheftet, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München – alles von einem Oberleutnant Schnatz über Jahre akribisch gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft.

„Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ ist ein Roman über die Absurditäten der Erinnerung, auch der eigenen, über rätselhafte Wirkungen unbeholfener Gedichte und über eine Liebe, wie sie nur in Zeiten der deutschen Teilung blühen konnte. Eine wahre Geschichte, die niemand für möglich gehalten hat. Nicht einmal ihr Verfasser.

Rayk Wieland, geb. 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist bei Hamburg. Einmal im Monat veranstaltet er zusammen mit Gerhard Henschel den „Toten Salon“ im Nachtasyl des Hamburger Thalia Theaters. Letzte Buchveröffentlichung: „Öde Orte“ (Bd. 1–3, zusammen mit Jürgen Roth, Leipzig 2005).

Pressestimmen:
Ganz Deutschland schnieft zum Mauerfall-Jubiläum mit Guido-Knopp-Ergriffenheitsmiene, nur ein einsamer, 1965 in Leipzig geborener Aufständischer leistet tapfer Widerstand: Rayk Wieland hat einen betont satirischen Roman über das Ost-Berlin der achtziger Jahre geschrieben, in dem von Lebenskünstlern und Lyrikern erzählt wird, von Saufgelagen und einer bittersüßen Liebesaffäre des Helden W. mit einer Westbürgerin. Die Vermischung von großer Politik und privater Gefühlsnot ist so etwas wie das poetische Programm des Ich-Erzählers. Das merkt man schon seinen Gedichten an, die seine Beschatter von der Stasi prompt in Aufregung versetzen. „Ringsumher sinkt das Niveau, / Sogar im Politbüro“, heißt es da, und weiter: „An muss ich dich flehen / Nicht von mir zu gehen.“
(Spiegel, 11.04.09)

Termin: Donnerstag, 5. November 2009, 19.30 Uhr
Ort: Literaturhaus Rostock, Kuhtor, Ernst-Barlach-Str. 5, 18055 Rostock
Eintritt: 6,00 € / 4,00 € ermäßigt (für Schüler, Studenten), freier Eintritt für Förderkreismitglieder

Kartenreservierung: (0381) 492 55 81, info ( at ) literaturhaus-rostock.de

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Freitag, der 06. November 2009

Präsentation der Zeitschrift RISSE

Nr. 23 / Herbst 2009/ Lesungen & Eröffnung der Fotoausstellung „Kontraste – Neptun-Werft in Schwarz-Weiß“

Die Literaturzeitschrift gibt einen vielgestaltigen Eindruck von neuer Literatur aus Mecklenburg und Vorpommern. In jeder Ausgabe erscheinen bereits bekannte und auch neu entdeckte Talente aus unserem Bundesland mit Kurzgeschichten, Lyrik, Dramatik oder Essay – gebunden durch eine Grafikstrecke eines Künstlers aus Mecklenburg-Vorpommern. Zum Erscheinen der neuen Ausgabe der Literaturzeitschrift RISSE lesen drei Autorinnen und Autoren eine Auswahl ihrer Texte im Literaturhaus Rostock:

Daniela Boltres (Rostock)

Sonja Voß-Scharfenberg (Schwerin)

Ingo Giertz (Rostock)

In der druckfrischen Herbstausgabe ist eine Auswahl der Fotografien von Reiner Mnich zu sehen. Mit Autorinnen und Autoren, Förderern und Lesern wird das Erscheinen der neuen Ausgabe gefeiert und die Foto-Ausstellung „Kontraste – Neptun-Werft in Schwarz-Weiß“ von Reiner Mnich im Literaturhaus Rostock eröffnet.

Eine gemeinsame Veranstaltung von: Risse e.V. und Literaturhaus Rostock

Termin: Freitag, 6. November 2009
Zeit: 19.30 Uhr
Ort: Literaturhaus Rostock, Kuhtor, Ernst-Barlach-Str. 5, 18055 Rostock
Eintritt frei

Weitere Informationen:

Risse e.V.
c/o Kuhtor
Ernst-Barlach-Str. 5
18055 Rostock
Tel.: (0381) 492 55 81
redaktion ( at ) risse-mv.de
www.risse-mv.de