„Saftige“ Wanderhure

Gerade bin ich in Frankfurt angekommen, gerade rechtzeitig, um euch noch einen kleinen TV-Tipp zu geben:

Ein „saftiges TV-Epos mit toller Heldin“ ist „Die Wanderhure“, sagt die TV-Spielfilm. Um 20.15 Uhr läuft das Historiendrama mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle bei Sat.1.

Ich bin sicher, meine Blogleser warten seit meinem Artikel vom 22. April sehnsüchtig auf dieses heutige TV-Highlight (auch aus Sicht der TV-Spielfilm), schließlich handelt es sich um die Verfilmung des Bestsellers des sympathischen Autorenehepaares Iny Lorenz.

So, nun muss ich mich bereitmachen, geht ja gleich los. 🙂

Multiple Persönlichkeit zwischen Berg, Goethe und Kafka

Nicht, dass ich glaubte, ihr würdet euch langweilen, nur weil ich mal eine Woche nicht da bin (Buchmesse). Zumal ich ja möglicherweise den ein oder anderen Blogeintrag vom Netbook aus beisteuern werde.

Dennoch will ich euch eine lustige Spielerei offenbaren, auf die ich meinerseits durch einen Eintrag im Forum von Literatopia gestoßen bin (danke, Lars!). Na ja, wenn ich es recht bedenke, ist es keine Spielerei, sondern für jeden Autor die Antwort auf die lang ersehnte Frage (oder umgekehrt): „Von wem habe ich eigentlich meinen Schreibstil geklaut?“

Wenn das mal keine ernste Sache ist! Bevor ihr nun sofort auf einen Link klicken wollt, um zu erfahren, welche(n) bekannten Autor(en) ihr mehr oder weniger erfolgreich kopiert, will ich euch noch offenbaren, was der digitale Experte der FAZ zu einigen meiner Werke sagt:

Nun seid ihr sicher schon ganz aufgeregt, daher nun endlich euer Weg zur Lösung oder zum Beginn all eurer Probleme:

FAZ.NET: Ich schreibe wie …

Kleine Ehre zum BuCon

Wie jedes Jahr findet auch 2010 am Samstag während der Frankfurter Buchmesse der Buchmesse Covent in Dreieich statt. Ich freue mich schon sehr darauf viele bekannte Gesichter wiederzutreffen, neue Leute kennenzulernen, zwischen den Ständen umherzustreifen und die vielen Lesungen zu besuchen.

Natürlich wird auch wieder der Deutsche Phantastik Preis verliehen, zusätzlich diesmal auch die Preise zum Storyolympiade-Wettbewerb „Rache!“. Und natürlich sind auch wieder die Geschichtenweber mit von der Partie.

Dieses Jahr wird mir die besondere Ehre zuteil, den Herausgeber unserer Steampunk-Anthologie „Von Feuer und Dampf“, Stefan Cernohuby, vertreten zu dürfen, um das Buch vorzustellen. Stefan kann nämlich leider selbst nicht anwesend sein.

Heiße Indie-Abstimmung

Die Hotlist 2010 steht an, der Preis der Independent Verlage. Bis zum 10. August könnt ihr an der Publikumsabstimmung teilnehmen und so bestimmen, welche sieben Titel auf die Hotlist kommen, die durch eine Jury um weitere acht Titel ergänzt wird. Der von der Jury aus dieser Hotlist erwählte Gewinner wird dann auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

Hier geht es zur Abstimmung.

Ohne Buch nach Frankfurt

Du bist Autor und hast schon immer davon geträumt, auf der Buchmesse zu lesen? Was dir dazu noch fehlt, ist einzig ein veröffentlichtes Buch? Dann ist der Wettbewerb, den „junge verlags menschen“ ausgeschrieben haben, genau das Richtige für dich. Vorausgesetzt, du bist nicht älter als 35.

Wie es genau funktioniert, kann man hier nachlesen. Der Gewinner des Wettbewerbs darf mit seinen Texten in Frankfurt auf die Bühne. Genauer: er liest „im Rahmen von Open Books, einer Lesungsplattform im Frankfurter Kunstverein während der Frankfurter Buchmesse …“

Ob das den Erwählten hinsichtlich seiner Autorenkarriere großartig nach vorne bringt, wage ich zu bezweifeln. Aber das muss ja nicht bedeuten, dass es nicht ein schönes Erlebnis für ihn werden kann.

Wer sich beeilt (und nicht am Wettbewerb selbst teilnehmen will), kann sich noch bis heute (tja, habe es heute erst gefunden) anmelden, um als Jurymitglied über den zukünftigen Vorleser mitzuentscheiden.

Bücherschränke auf den Straßen

Hier habe ich von einem sogenannten „Offenen Bücherschrank“ erfahren. Er steht in Frankfurt/Main und jeder, der das möchte, kann sich dort ein Buch mitnehmen und / oder eines hineinstellen. Eine Art zwangloses und offenes Bookcrossing vorort.

Obwohl ich mich nur schwer von Büchern trennen kann, finde ich diese Idee einfach klasse. Leider gibt es das in Rostock nicht, allerdings soll Frankfurt nicht die einzige Heimat einer solchen „Straßenbibliothek“ sein. Gibt es das auch bei euch?

DPP 2010

Es ist wieder so weit! Am 08.05. wurde die Vorrunde zum Deutschen Phantastik Preis 2010 gestartet.

Wieder gibt es etliche Juryvorschläge in den verschiedenen Kategorien. Aber natürlich könnt ihr auch Titel vorschlagen, die von der Jury nicht berücksichtigt wurden. Denn ihr bestimmt, wer in die Hauptrunde kommt.

Die läuft dann vom 10.07.2010 bis zum 31.08.2010 und wieder könnt ihr entscheiden, wer schließlich bei der Preisverleihung am 09.10.2010 auf dem Buchmesse-Con in Dreieich (bei Frankfurt) auf die Bühne darf.

Ich freue mich, dass wieder viele Montségurler, Geschichtenweber und weitere liebe Autorenkollegen von der Jury nominiert wurden und hoffe natürlich, dass sie weit kommen. Mehr verrate ich aber nicht, ich will euch ja nicht beeinflussen.

Der Direktlink zur Vorrunde. Wer zum ersten Mal dabei ist: E-Mail-Adresse eintragen, Bestätigungsmail abwarten und Bestätigungscode in das Feld auf der Webseite kopieren.

Das Über-Ich

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Das Über-Ich“, die in der Geschichtenweber-Anthologie „Optatio Onyx – Wünsche des Verderbens“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Adrian fehlen vor allem zwei Dinge: Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft. Darüber hinaus glänzt er nur durch Schüchternheit. Als er sich durch ein Kaufhaus in Frankfurt schleicht, um die Bedürfnisse seiner geschenksüchtigen Frau zu befriedigen, wird er fast von einem Mann überrannt, der vor einer Rockerbande flüchtet.
Adrian findet einen geheimnisvollen Armreif, den vermutlich der Verfolgte verloren hat. Von nun an wird sich sein Leben gründlich ändern.

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Adrian begann den Haufen nutzlosen Krams zu durchsuchen, der sich zu Schleuderpreisen vor ihm auftürmte: bunte Kämme, grüne und rote Plastikbecher, Haarspangen in allen Farben … Nichts davon taugte auch nur annähernd für den erwarteten Liebesbeweis. Dann sah er diesen schwarzen Stein zwischen der Billigware glänzen. Er griff danach und zog einen Armreif hervor. Das war es wohl, was dem armen Mann vom Handgelenk gefallen war. Er sah ein wenig zu wertvoll aus für einen Wühltisch: ein schwarzer halbmondförmiger Stein mit weißen Verzierungen. Adrian kannte sich mit Schmuck nicht aus und hatte keine Ahnung, um welche Art Stein es sich handeln könnte. Nur wusste er, dass er ihn eigentlich seinem Besitzer zurückbringen müsste. Als er an den Verfolgten dachte, fröstelte ihn.

Er strich mit dem Finger über den Reif und ein leichtes Kribbeln breitete sich in seiner Hand und dann in seinem Arm aus. Vielleicht sollte er erst einmal sicher gehen, ob der Armreif nicht doch schon hier gelegen hatte. Er ging zur nächstgelegenen Kasse und stellte sich ans Ende der Schlange.

»Entschuldigung?«
Die Kassiererin hatte sich, als er an der Reihe war, zu einer Kollegin umgedreht und begonnen über ein Telefonat mit ihrem Liebsten zu erzählen. Jetzt drehte sie sich zu ihm um und musterte ihn genervt.
»Entschuldigen Sie bitte, ich will wirklich nicht lange stören. Ich wollte nur fragen, ob dies hier«, er zeigte den Armreif vor, »zu Ihrem Sortiment gehört.«
»Wo haben Sie es denn gefunden?«
»Dort auf dem Wühltisch.«
Die Kassiererin zögerte einen Moment, ließ den Blick ihrer rehbraunen Augen noch einmal an Adrian heruntergleiten, strich dann ihr blond gefärbtes Haar zurück und sagte: »Natürlich gehört das zu unserem Sortiment.«
»Es ist nur, weil kein Preisschild dran war.« Seine Stimme wurde immer leiser. Er fingerte am Gestell seiner Brille herum. »Und dann war da dieser Mann, der …«
»29,99.«
»Wie bitte?«
»Es kostet neunundzwanzig Euro und neunundneunzig Cent.«
Die Kollegin der Kassiererin versuchte ein Kichern zu unterdrücken.
»Sind Sie sicher?«
»Wollen Sie es nun kaufen oder nicht?« Die Verkäuferin machte Anstalten, sich wieder umzudrehen.
»Hier wollen auch noch andere Leute einkaufen«, hörte Adrian eine keifende Stimme hinter sich. Er drehte sich gar nicht erst nach ihrer Besitzerin um, kramte das Portemonnaie aus der Innentasche und zählte dreißig Euro auf den Kassentisch. »Stimmt so, vielen Dank.«

Warum war er nur immer so ein Weichei? Er wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als wenigstens ein bisschen selbstbewusster zu sein. Er blieb stehen, drehte sich um, ging zurück. Diesmal stellte er sich nicht an. Und er sprach so laut, dass es die gesamte untere Etage hören musste.
»Wissen Sie, Sie können das Geld behalten. Kaufen Sie sich etwas Schönes dafür. Aber denken Sie nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass Sie mich verarscht haben. Was sind Sie nur für eine erbärmliche Kreatur. Glücklicherweise komme ich nicht aus Frankfurt, denn bei Ihnen wollte ich sicher nicht noch einmal einkaufen!«

Er fühlte sich gut, fühlte sich … so hatte er sich noch nie gefühlt. Sicher, irgendwie. Stark, ein bisschen. Er störte sich nicht daran, was die Kaufhausangestellte jetzt von ihm dachte. Ihn störten auch die Blicke der anderen Kunden nicht, die ja nicht wissen konnten, warum er gerade so laut geworden war. Ja, er war laut geworden. Wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben. Und er konnte sich gar nicht erklären, warum.

Jedenfalls hatte er jetzt die richtige Kleinigkeit für Isabell. Natürlich wusste er, dass der Armreif eigentlich dem armen Verfolgten gehören musste. Doch selbst um den wollte er sich jetzt nicht weiter kümmern. Was ging ihn das Leid des Fremden an? Adrian hatte keine Lust, weiter durch Frankfurts Einkaufszentren zu latschen. Außerdem war er gerade dreißig Euro für den Armreif des Mannes losgeworden. Er hatte ihn also rechtmäßig erworben. Und er musste zum Bahnhof.

Er hatte eine Platzkarte für einen Sitz im Nichtraucherabteil am Fenster in Fahrtrichtung. Es war nicht ungewöhnlich, dass es Menschen gab, die darauf keine Rücksicht nahmen. Schon auf der Hinfahrt am Freitag hatte er seinen Platz einer dicken Frau überlassen müssen, weil er es einfach nicht übers Herz gebracht hatte, seinen Anspruch geltend zu machen. Diesmal saß ihm ein junger Mann etwa in seinem Alter im Weg und rauchte. Alle anderen Plätze waren noch frei, schließlich fuhr der Zug erst in knapp zwanzig Minuten.
»Guten Tag. Sie sitzen auf meinem Platz.«
Der Raucher blickte ihn amüsiert an. »Das tut mir leid. Aber vielleicht könnten Sie sich woanders hinsetzen? Es ist ja alles frei. Und mir wird schlecht, wenn ich nicht am Fenster sitzen kann«, sagte er, und als er dem Blick Adrians zum zweiten Fensterplatz folgte, fügte er noch hinzu: »In Fahrtrichtung.«
Adrian war ganz ruhig. »Sehen Sie, guter Mann: Eigentlich ist es mir scheißegal, ob Ihnen von Ihrem Platz oder Ihrer Zigarette schlecht wird. Solange es nicht auf dem Platz geschieht, den ich reserviert habe. Da sitze nämlich ich. Sie dürfen also aufstehen, das Fenster öffnen, Ihren Glimmstängel dort hinauswerfen, Ihre Sachen packen und sich einen anderen Fensterplatz in Fahrtrichtung suchen.«
Sein Gegenüber öffnete den Mund, fragte dann aber nicht einmal nach dem Beweis für die Reservierung und tat – in der vorgegebenen Reihenfolge – wie ihm geheißen.
Adrian war selbst verwundert über seine Worte. Doch er fühlte sich dabei sehr wohl. Wie schön wäre es, dachte er, wenn ich das Abteil bis Marburg für mich hätte.

Das war freilich sehr unwahrscheinlich, denn an der Reservierungstafel konnte er ablesen, dass auch die anderen fünf Plätze ab Frankfurt belegt waren. Immerhin schienen das auch die Fahrgäste zu akzeptieren, die sich nun in immer kürzeren Abständen an der Abteiltür vorbeischleppten. Doch als der Zug endlich anruckte, selbst als er den Frankfurter Bahnhof schon eine Weile verlassen hatte, waren die anderen Plätze noch immer nicht besetzt. Vielleicht sind meine Mitreisenden krank geworden, mutmaßte Adrian. Oder verstorben. Das nenne ich Glück. So lässt es sich reisen.

Tatsächlich blieb er bis Marburg allein. So ließ es sich auch verschmerzen, dass er überhaupt mit dem Zug fahren musste. Isabell hatte das Auto gebraucht, weil sie gestern Abend ihre Freundin Marla in Cölbe besuchen wollte. Cölbe! Dahin hätte sie auch zu Fuß gehen können. Während er zur Weiterbildung nach Frankfurt in den überfüllten Zug steigen musste, reiste sie die paar Kilometer in seinem Passat. Aber er ließ ihr ja immer ihren Willen, riss sich den Arsch auf für Madame. Doch damit sollte jetzt Schluss sein.

Bisher hatte er sich eingeredet, er könne froh sein, überhaupt eine solche Traumfrau geehelicht zu haben, und müsse ihr, allein um sie zu halten, jeden Wunsch von den Augen ablesen. Er war aus allen Wolken gefallen, als sie ihm – wenn auch ein bisschen beschwipst – vor genau zwei Jahren und zweihunderteinundzwanzig Tagen ihre Liebe eingestanden hatte, war er doch noch einen Tag zuvor im Glauben gewesen, er sei in der Herrenboutique des Lebens der Ladenhüter schlechthin.

Jetzt war er sich sicher, dass er sich bis heute eindeutig unter Wert verkauft hatte. War nicht Isabell der beste Beweis dafür, dass er gar nicht so ein unattraktiver Kerl sein konnte? Musste sie nicht eigentlich froh sein, jemanden wie ihn ergattert zu haben?

Der Zug fuhr auf dem Marburger Bahnhof ein. Adrian wartete nicht wie üblich, bis sich alle anderen Fahrgäste, die hier aussteigen wollten, an seinem Abteil vorbeigedrängt hatten. Als er seine Sachen beisammen hatte, öffnete er die Tür zum Gang und schob sich direkt vor einer älteren Dame hinaus.
»Müssen Sie so drängeln, junger Mann? Haben Sie denn keine Achtung vor dem Alter?«
»Apropos Alter«, antwortete Adrian. »Wo wollen Sie denn in Ihrem Alter noch so eilig hin? Die Endstation erreichen Sie doch noch früh genug.«
Das ungläubige Kopfschütteln der Oma brachte ihn zum Lachen. Überhaupt fühlte er sich prächtig. Er war ein ganz neuer Mensch, seit … ja, seit er diesen merkwürdigen Armreif gekauft hatte.

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Optatio OnyxTimo Bader (Hrsg.)
Geschichtenweber: Optatio Onyx – Wünsche des Verderbens
Hardcover, 240 Seiten
Web-Site-Verlag, 2005

Klappentext:

Ein Armreif aus Onyx, beseelt von einer bösen Macht …

Ruhelos, von einem dunklen Fluch vorangetrieben, wandert er durch die Welt. Weder die Tiefen des Meeres noch der raue Wind in den Bergen werden ihn jemals aufhalten können, einen Träger zu finden, der seinem Bann erliegen wird. Wenn sein dunkler, geheimnisvoller Glanz ruft, kann niemand an ihm vorüber gehen.

Vor vielen Jahrhunderten gerieten Worte in Vergessenheit, die unsere Urahnen einst in ihrem Herzen trugen:

»Sei gewarnt, Fremder, ihn an dich zu nehmen und mit einem unbedachten Wunsch zum Leben zu erwecken! Denn dann beginnt das finstere Spiel … Plötzlich wird das Undenkbare Wirklichkeit, und kein Verlangen ist zu bizarr, als dass du es vor ihm verbergen könntest … Prüfe deinen Wunsch, Unglücksseliger, denn er könnte in Erfüllung gehen! Verflucht ist er und verflucht sei deine Arroganz, ihn für ein Geschenk der Erde zu halten – den Stein der Egoisten. Verlasse dich nicht auf das Glück, das er dir schenken wird – hast du doch ebenso das Unglück heraufbeschworen …«

Dunkel ist der Fluch, den der Armreif birgt. Jeder Wunsch erfährt eine schreckliche Entstellung. Und jeder Traum, den er erfüllt, führt den Träumenden einen Schritt näher zum Abgrund …

Timo Bader: Das Erbe des Schlangenkönigs
Philipp Bobrowski: Das Über-Ich
Marion Charlotte Mainka: Und kein Makel ist an ihr
Claudia Hornung: Im Zeichen des dunklen Herrschers
Joachim Ranc: Die Zeit der schwarzen Tränen
Mandy Schmidt: Im Reich der Tukona
Claudia Donno: Der perfekte Mann
Ruth Borcherding-Witzke: Sisyphus
Marlies Eifert: Till, der Maler
Jörg Olbrich: Der Dicke und das Biest

Weitere Informationen, Leseproben und Rezensionen bei den Geschichtenwebern.
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Zwei der schönsten Bücher 2009 kommen aus Rostock

Morgens früh um sechs
Morgens früh um sechs
Ein Mann geht in die Welt
Ein Mann geht in die Welt

Die Stiftung Buchkunst hat zwei Kinderbücher aus dem Hinstorff Verlag ausgezeichnet: Ann Cathrin Raabs „Ein Mann geht in die Welt“ und „Morgens früh um sechs“ mit Illustrationen von Julia Neuhaus und dem Text von Jens Sparschuh sind unter die 64 schönsten deutschen Bücher 2009 gewählt worden.

„Zwei Auszeichnungen der Stiftung Buchkunst für Kinderbücher eines Verlages in einem Jahr! Das haben wir in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht erlebt – und auch in Deutschland dürfte das sehr selten sein“, freuen sich Hinstorff-Lektor Thomas Gallien und Hinstorff-Herstellungsleiterin Sylvia Raschke über die Würdigung.

In ihrem Buch „Ein Mann geht in die Welt“ erzählt Ann Cathrin Raab von einem zu Beginn sehr einsamen Mann, der mit sich zunächst nichts anzufangen weiß, sich dann aber aufmacht, seine eigenen vier Wände verlässt. In klaren, leichten Bildern, in denen man auch nach dem zweiten Anschauen noch Kurioses und Komisches entdecken kann, nimmt Ann Cathrin Raab Kinder mit auf eine erlebnisreiche Reise in und durch die Welt.

„Morgens früh um sechs / kommt die kleine Hex’“ – viele Kinder
(und Eltern) kennen das Gedicht auswendig. Voller Sprachwitz und mitreißender Lust am Fabulieren hat Jens Sparschuh den Kinderreim fortgeschrieben: Zum Mittagessen betritt unübersehbar der dicke Heinz die Bildfläche und verbringt den Rest des Tages mit der kleinen Hexe. Julia Neuhaus’ Collagen leben bis ins kleinste der vielen Details, ihre Bilder scheinen sich zu bewegen.
Etwa, wenn die giftgrün gekleidete, sich voll auf der Höhe der Zeit befindende Hexe über die einem Laufrad ähnelnde Erde rennt oder sie auf ihrem Besen umschwebt.

Die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt/Main begleitet kritisch die Buchherstellung. „Die schönsten deutschen Bücher“, vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung werden jedes Jahr von einer unabhängigen Jury prämiert. Seit Ende November sind die diesjährigen „Schönsten“ bekannt, die aus über 1000 Einsendungen ausgewählt wurden: 47 Bücher erhalten eine „Prämierung“, 17 Bücher eine „Anerkennung“.

Der Hinstorff Verlag hat bereits in den beiden vergangenen Jahren Prämierungen für seine Kinderbücher erhalten: 2008 wurde Ann Cathrin Raabs Debüt „Zeckengeflüster“ und 2007 „Der Mann, der noch an den Klapperstorch glaubte“ von Thomas Rosenlöcher mit den Illustrationen von Maja Bohn ausgezeichnet.

Der BuCon war zu kurz

Mit etwas Verspätung will ich nun noch vom Samstag in Frankfurt, genauer in Dreieich, berichten.
Im dortigen Bürgerhaus findet alljährlich parallel zur Buchmesse der / die Buchmesse Con statt. Das ist sozusagen eine (stark) verkleinerte Ausgabe der Buchmesse, die sich speziell an Freunde der phantastischen Literatur richtet. Und es ist der jährliche Haupttreffpunkt der Geschichtenweber geworden.

Kurz nach 11.00 Uhr lenkte ich meine brave Karre auf den Parkplatz des Bürgerhauses. Nachdem ich mir am Einlass das übliche Tütchen mit kleinen Präsenten und Werbeprospekten abgeholt hatte, fand ich mich unter den ersten Frühconventlern, zu denen leider weder ein Geschichtenweber noch eine mir sonst irgendwie bekannte Person gehörte.

Also nach einer kleinen Inforunde erst einmal zurück an die frische Luft und rauchenderweise auf bekannte Ankömmlinge warten. Als erstes tauchte Nina Horvath auf, quasi direkt aus dem Liegewagen des Zugs aus Wien. Wir gingen gemeinsam wieder in den großen Saal, setzten uns mit zwei Käffchen an einen freien Tisch und harrten der Geschichtenweber, die da noch kommen sollten.

Jörg Olbrich: Das Erbe des Antipatros
Jörg Olbrich: Das Erbe des Antipatros

Das wurden schließlich eine ganze Menge. Rund 40 Forenkollegen und -kolleginnen trudelten im Laufe des Tages ein. Unser Stand wurde direkt neben dem des Scratch-Verlags mit Büchern und Naschereien drapiert. Natürlich musste ich mir beim Nachbarn gleich den Debütroman von Geschichtenweberadmin Jörg Olbrich anschauen, „Das Erbe des Antipatros„, von dem ich mir später auch ein signiertes Exemplar mitnehmen durfte.

Sehnsüchtig erwartet wurde Timo Bader, nicht zuletzt, weil er die neuen Geschichtenweber-T-Shirts mit sich führte. Bald darauf wurde es viel leichter, Geschichtenweber von Nicht-Geschichtenweber zu unterscheiden. Dennoch gab es Geschichtenweber in allen Farben zu sehen, ein recht butes Treiben.

Die GW-Shirts (Foto: Nina Horvath)
Die GW-Shirts (Foto: Nina Horvath)

Natürlich gab es nicht nur Geschichtenweber auf der Con. Einige der Conbesucher hatte ich schon am Vortag auf der Buchmesse oder beim Galaktischen Forum getroffen, mit anderen gab es ein exclusives Wiedersehen in Dreieich.

Und natürlich fiel es wieder schwer, sich einerseits zwischen den vielfältigen Programmpunkten, andererseits zwischen Programm und Gesprächen zu entscheiden. Ich besuchte schließlich die Lesungen von Christoph Hardebusch und Thomas Finn und konnte mich freuen, dass ich Markus Heitz stattdessen am gestrigen Mittwoch bei seiner Lesung in Rostock besuchen durfte (dazu mehr an anderer Stelle).
Sehr interessant auch die Podiumsdiskussion zum Thema, ob sich in der Zukunft der Fantasyliteratur die angeblich guten Autoren endgültig gegen den angeblichen Trash des Genres durchsetzen werden.

Schließlich stand noch die Verleihung des Deutschen Phantastikpreises an, der in diversen Kategorien vergeben wurde. Während Markus Heitz in der Kategorie Bester deutschsprachiger Roman gleich mal den zweiten und den ersten Platz belegte, wurde die Anthologie „Die Unterirdischen“ der Geschichtenweber auf Platz 2 in der Kategorie Beste deutschsprachige Anthologie gewebt. Auch in der Anthologie, die es auf Platz 3 schaffte, Drachenkinder: „Geschichten eines Krieges“, bin ich mit einer Geschichte vertreten.

Die beiden Höhepunkte des Tages (jedenmfalls für mich) sollten jedoch erst noch folgen.
Zunächst gleich im Anschluss an die Preisverleihung die Lesung der Geschichtenweber! Trotz vorgerückter Stunde füllte sich das sogenannte Hangardeck, in dem sechs Geschichtenweber von vorn und einer aus dem Publikum die aktuellen Veröffentlichungen vorstellten sowie einen Ausblick auf die Zukunft gaben. Das Alles im fünften Bestehensjahr der Autorengruppe.

Lesung der Geschichtenweber (Foto: Simone Edelberg)
Lesung der Geschichtenweber (Foto: Simone Edelberg)

Den Anfang machte Timo Bader, der nach der Vorstellung ein paar Worte zu „Darwins Schildkröte“ verlor, um dann einen Ausschnitt  seiner Geschichte daraus vorzutragen. Zur Verstärkung hatte er sich einen zweiten Leser auf die Bühne geholt: mich! Warum er mir den Text nicht vorher schon in die Hand gedrückt hatte, wurde mir allerdings erst jetzt klar: Ich las die Rolle eines überaus hässlichen, haarigen 200-Kilo-Außerirdischen!
Nachdem das sowohl im Publikum als auch am Lesetisch für viel Belustigung gesorgt hatte, stellte Wolfgang Schroeder quasi inkokgnito aus den Reihen der Zuschauer die Krimianthologie „Mord in jeder Beziehung“ vor, aus der Berta Berger (wieder von vorne) mit einer Probe ihres Beitrags sicher auch den ein oder anderen eingefleischten Phantastik-Freak neugierig machen konnte.
Nina Horvaths Begeisterung allein sollte Überzeugung genug gewesen sein, als sie mit strahlendem Lächeln die druckfrischen „Metamorphosen“ präsentierte und mit noch strahlenderem aus ihrer Geschichte las.
Schließlich erfuhren die Anwesenden von Tatjana Stöckler noch alles Wissenswerte zur fast schon erschienenen Anthologie „Spukhaus zu vermieten“ und Maike Schneider bot mit ihrer Geschichte einen eindrucksvollen Vorgeschmack.

Geschmack war auch das Stichwort für den zweiten persönlichen Höhepunkt, das alljährliche gemeinsame Abendessen der Geschichtenweber nach der Con. Das Restaurant Alt Sprendlingen bot beim „Lendchenabend“ auch diesmal wieder leckeres Essen und gemütliche Atmosphäre für einen gelungenen Abschluss der viel zu kurzen Veranstaltung.

Weitere Bilder und Berichte gibt es unter anderem von der großartigen Simone Edelberg hier und hier sowie vom Freund eines Freundes hier.

Ein Tag Buchmesse und zur Con

Dieses Jahr blieb mir nur die Zeit für einen Tag Buchmesse in Frankfurt und die / den BuchmesseCon am Samstag. Trotzdem gab es natürlich viel zu sehen und zu erleben, wobei ich auf der Buchmesse selbst gar nicht viel rumgekommen bin. Dazu habe ich einfach zu viele Leute getroffen und Gespräche geführt, was ja aber durchaus zu den verschiedenen Sinnen und Zwecken einer Buchmesse gehört.

Am Donnerstag bin ich angereist, abends in Frankfurt angekommen und durfte die jährliche Gastfreundschaft meiner lieben Oma genießen. Am Freitag ging es dann gleich früh mit der Bahn zur Buchmesse.
Es gab einige Verlage, deren Stände ich aufsuchen wollte, allen voran natürlich meinen Haus- und Heimverlag Hinstorff. Aber auch den Heyne-Stand hatte ich auf der Liste, weil ich hoffte, dort meinen Kollegen Wulf Dorn zu treffen, mit dem ich schon im Vorjahr einen großen Teil der Messezeit verbracht hatte, als er gerade den Vertrag für seinen Thriller und dessen Nachfolger bei Heyne unterschrieben hatte.

Wulf Dorn: Trigger
Wulf Dorn: Trigger

Wulf selber traf ich zwar nicht gleich an (er solle etwa gegen 10.30 Uhr am Stand  auftauchen, sagte  mir eine freundliche Mitarbeiterin), dafür aber wurde ich von der Präsenz seines Debütromans „Trigger“ geradezu erschlagen. Breit und meterhoch türmten sich seine Bücher als unübersehbarer Stapel in zentraler Position. Auf dem tollen Cover prangten die Empfehlungen von Sebastian Fitzek, Andreas Eschbach und Thomas Thiemeyer.
Kein Wunder also, dass Wulf von Termin zu Termin hetzen musste, und Grund genug, ihm auch an dieser Stelle noch einmal zu seinem großartigen Erfolg zu gratulieren. „Trigger“ liegt nun auch auf meinem Lesestapel ganz oben und ich bin sicher, ich kann mich den Empfehlungen der zuvor genannten Autoren anschließen. Dazu dann später mehr an dieser Stelle.

Mir blieb zunächst einmal, weiter durch die Hallen zu schlendern. Erstaunlich, dass man auf dem riesigen Gelände doch so schnell und häufig auf Bekannte trifft. Barbara Peters freute sich über neue Aussichten, ihre Kindergeschichten an einen weiteren Verlag zu bringen, Geschichtenweber Wolfgang Schroeder suchte auf seinem ersten Messebesuch noch nach Orientierung, Falko Löffler hatte es eilig, zu einem Termin zu kommen, und Claudia Siegmann-Gabriel erzählte von ihrem Piratenabenteuer für Kinder und Jugendliche, das voraussichtlich 2010 beim dtv erscheinen soll.

Schließlich gab es ein erstes Treffen mit Wulf Dorn und eine Verabredung für die Mittagspause. Vorher hatte ich mich bereits mit Jacob Nomus fürs „Switzerland“ zusammentelefoniert und es wurde ein gleichermaßen gemütliches wie fröhliches Kennenlernen, bei dem eine Ausgabe seines neuen Romans „Das Armana-Grab“ den Besitzer wechselte.

Jacob Nomus: Das Armana-Grab
Jacob Nomus: Das Armana-Grab

Bis zum Treffen der Montsegurler im Switzerland blieb noch ein bisschen Zeit für eine zweite kleine Runde durch die Messehallen. Die Leute von BookRix hatte ich schon getroffen, Hinstorff einen ersten Besuch abgestattet, also lief ich noch ein paar Stationen ab. Zwischendurch immer mal raus aus der Halle, um der Rauchlust zu frönen.

So etwa ab 13.30 Uhr versammelten sich dann nach und nach viele Montsgurler im „Switzerland“, eine bunte Mischung aus mir bekannten und noch unbekannten Gesichtern, und es gab jede Menge zu erzählen und zu quatschen.

Hier verbrachte ich den größten Teil des restlichen Messetages, um schließlich noch einmal bei Hinstorff vorbeizuschauen und ihn bei einem Gläschen (Becherchen) Sekt ausklingen zu lassen. Die lieben Verlagsdamen spekulierten bereits fröhlich mit Frau Röwekamp von der Thalia-Buchhandlung in Rostock über meine zukünftigen Buchprojekte, während ich mich mit Lektor Florian Ostrop über die Weingummis hermachte.

Auch Katinka Friese vom Literaturhaus Rostock schaute vorbei, was sich sehr gut traf, denn beide suchten wir noch nach einer Möglichkeit, uns die Zeit bis zu unserer jeweiligen Abendgestaltung mit einem leckeren Abendessen zu vertreiben. So landeten wir schließlich bei einem gemütlichen Italiener zu Lasagne und Pizza.

Um 20.00 Uhr erwartete mich dann wiederum Wulf Dorn am Bahnhof, von wo aus wir uns zuerst zur Touristeninformation und dann zum Galaktischen Forum (Perry Rhodan) aufmachten. Wen wir nicht schon auf der Messe getroffen hatten, den trafen wir hier („Montsegur-Chef“ Andreas, z.B.) und es wurde noch eine schöne Party bei Bier, Caipirinha und leckeren Wraps, die erst gegen 1.30 Uhr ihr Ende fand.

Nach dem Heimweg mit dem Nachtbus, einigen wenigen Stunden Schlaf und der Autofahrt nach Dreieich sollte es dann am nächsten Vormittag beim BuchmesseCon weitergehen. Dazu gibt es aber morgen einen gesonderten Artikel.

Grüße aus Frankfurt

Aus einem Internetcafé in Frankfurt sende ich liebe Grüße an meine Blogbesucher. Nach zwei aufregenden Tagen auf der Buchmesse und dem BuCon habe ich heute noch einen Erholungstag bei der Verwandschaft eingelegt und kehre morgen nach Rostock zurück.

Unterwegs

Da ich morgen auf Familienbesuch nach Frankfurt fahre, von wo aus ich am Montsegurtreffen in Oberursel teilnehme und später meine Freundin besuche, bin ich bis zum 7.9. auf Internetcafés angewiesen.
Während des Treffens werde ich wohl gar keine Zeit finden, ins Netz zu schauen, und auch danach ist die Zeit im Internetcafé natürlich im wahrsten Sinne des Wortes kostbar. Da ich mir obendrein Arbeit mitnehme, kann ich also noch nicht versprechen, wie oft ich hier nach dem Rechten schauen kann.
Ich wünsche daher meinen Blogbesuchern bis zu meiner Rückkehr alles Gute und melde mich dann wieder an.

Lyrik durchs Telefon

Seit 19 Jahren gibt es in Frankfurt am Main das Literaturtelefon. Dass es sich trotz aller Widrigkeiten so lange gehalten hat, ist vor allem einer gehörigen Portion Idealismus zuzuschreiben.

Aber auch die Autoren, die ihre Texte für den kulturellen Telefonservice einsprechen, denken dabei eher idealistisch. Doch immerhin, es gibt eine gar nicht so kleine Stammanruferschaft.

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