Entern: In Serie

Entern, Foto: Patryk Kosmider
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© Patryk Kosmider

Nach dem vorhergehenden Artikel dürfte es keine große Überraschung mehr sein: Will man zwischen Reihe und Serie unterscheiden, ist letztere wohl eher diejenige, die über die einzelnen Episoden hinaus eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Mal mehr, mal weniger kann das so weit gehen, dass der Leser oder Zuschauer, der nicht von Beginn an dabei ist oder einzelne Folgen verpasst, Schwierigkeiten bekommt, den Gesamtzusammenhang zu verstehen.

Im Idealfall folgt eine solche Serie also einem übergeordneten Spannungsbogen, der durch einen Konflikt entsteht, der erst mit dem Abschluss der Serie gelöst wird. Jede einzelne Folge stellt einen Schritt auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen, dar, ist also ein Teilstück der großen Spannungsbogens.

Darüber hinaus kann es sein, dass jede Episode außerdem ihre eigene Geschichte erzählt. Ein Konzept, das mir persönlich besonders gut gefällt und für das es ein exzellentes Beispiel gibt: Raumschiff Voyager!

Die Crew, gestrandet in einer fremden Galaxie weit entfernt von der Heimat, folgt in jeder Episode dem großen Ziel, zur Erde zurückzukehren. Dazu kommt der jeweilige Episodenkonflikt, der mit dem übergeordneten Konflikt in direktem Zusammenhang steht (also auch diesen voranbringt), in der Regel Inhalt einer einzelnen Folge ist, sich aber auch hin und wieder über zwei oder drei Folgen entwickeln kann. Auch die Episodenkonflikte können Auswirkungen auf spätere Serienfolgen haben oder sogar erneut aufgenommen werden.

Schließlich fokussiert jede Folge auf einzelne Crewmitglieder, deren individuellen Konflikte somit als Nebenkonflikte wirken. Auch diese können Nebenstränge bilden, die sich über mehrere Episoden entwickeln und/oder wiederaufgenommen werden können.

Ein reizvolles Konzept also, das dem Schreibenden zahlreiche Möglichkeiten bietet, den Konsumenten bestens bei Laune halten kann.

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Entern: In Reihe

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© Patryk Kosmider

Ob eine Reihe eine Serie ist oder eine Serie eine Reihe, ist eine Frage, die unterschiedlich beantwortet werden kann. Ob sich beides überhaupt unterscheidet, auch darüber kann gestritten werden. Aber zum Streiten sind wir ja nicht hier, daher werde ich mich einfach daran halten, was meiner Meinung nach dem landläufigen Verständnis entspricht, sofern man beide Begriffe nicht ohnehin synonym verwendet. Anders gesagt: Das hier ist mein Blog, daher werde ich hier einfach meine Auffassung darlegen!

Dieser entsprechend stehen beide Begriffe zumindest in einem engeren Verständnis nebeneinander. Ob man in einem weiteren Verständnis außerdem einen der beiden als Oberbegriff des anderen ansehen will, ist mir relativ schnurz. Entweder ist also die Reihe im engeren Sinn eine besondere Art der Serie im weiteren Sinn oder umgekehrt. Beide Begriffe sind jedenfalls auch im engeren Sinn nicht eindeutig und fließen obendrein an ihren Grenzen ineinander.

Was aber macht nun in diesem meinen (engeren) Verständnis eine Reihe aus? Dass den einzelnen Teilen einer Reihe ein gemeinsames Konzept zugrunde liegt, jeder Teil aber im Unterschied zur Serie (nahezu) vollständig in sich abgeschlossen ist. Die Reihe erzählt also keine fortlaufende Geschichte.

Das Konzept, auf dem eine Reihe beruht, kann sehr verschiedenartig sein. So entspricht etwa der Tatort als Ganzes einer Reihe, deren Konzept letztlich nur folgende Kriterien umfasst: Krimis, deren Handlungsschwerpunkte im deutschsprachigen Raum liegen, und die von ARD, ORF oder SF produziert oder in Auftrag gegeben werden. Tatort München stellt letztlich eine Reihe innerhalb dieser Reihe dar, deren Konzept zusätzlich beinhaltet, dass das Ermittlerteam aus München stammt.

Ähnlich verhält es sich mit der Reihe Ostseekrimi aus dem Hinstorff Verlag. Innerhalb dieser stellen die Krimis von Frank Goyke eine eigene Reihe dar, weil sie (bisher jedenfalls) Fälle desselben Ermittlerteams behandeln.

Das Konzept der Reihe stellt die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Teilen her. Diese können etwa das Genre betreffen, den Handlungsort, die Figuren, die  historischen Zusammenhänge und vieles mehr. Und sie können mehr oder weniger lose sein.

Je enger und häufiger die Verknüpfungen werden, je zentraler eine Entwicklung einzelner Faktoren über den Rahmen der einzelnen Teile hinaus eine Rolle spielt und je mehr sich diese Entwicklung einem übergeordneten Spannungsbogen nähert, desto mehr nähert sich die Reihe einem Serienkonzept.

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Minden und Südtirol bis 15.11.11

Bis Mitte November sind junge Autoren gefragt und solche, die einen Bezug zu Südtirol herstellen können:

Einmal schlucken, bitte

Der Nordosten hat gewählt. Auch der Osten im Nordosten. Ganz im Osten, sozusagen. Fast schon dort, wo die Sonne aufgeht. Und was beleuchtet sie? Ostvorpommern zum Beispiel. Und ja, der durchschnittliche Ostvorpommeraner hat sich besonnen, hat den Kopf ein klein wenig von rechts abgewandt. Nur noch 10,4 und 11,3 Prozent erreichte die NPD in den beiden Wahlkreisen.

Im Landkreis Uecker-Randow, der südlich an Ostvorpommern grenzt (beide Landkreise grenzen im Osten an Polen), bleibt man sich dagegen treu. Hier gewannen die Nationalen sogar teilweise noch dazu. In Uecker-Randow I erreichten sie zwölf Prozent, in Uecker-Randow II sogar 15,4 Prozent. Ja, richtig gelesen: Beinahe jeder sechste, der dort am Sonntag zur Wahl gegangen ist, hat sein Kreuz bei der NPD gemacht.

Das ist aber auch ein Kreuz mit dem Osten im Osten. Vielleicht sollte man die Grenze ein bisschen nach Westen verschieben. Aber wir wollen doch nicht ausgrenzen! Wozu auch? Laut einer Umfrage, so erfuhr ich gerade vom NDR-Fernsehen, wünschten sich im gesamten nordöstlichen Bundesland ganze 12 Prozent die NPD im Landtag. Die kann man doch nicht alle wegschicken! Dann wohnt hier oben ja bald keiner mehr.

Und es gibt ja, so zeigt es eben jene Umfrage, auch gute Gründe, ganz, ganz rechts zu wählen. 48 Prozent gaben an, sie glaubten zwar nicht, dass die NPD die Probleme im Land lösen könne, doch sie spreche sie wenigstens an. Und das ist doch schon mal was.

Da schämt man sich ja fast, wenn man wie ich (und ich war überrascht, ist es hier doch eher ländlich) aus einem der 10 von 36 Wahlkreisen kommt, die gegen den Strom schwimmen, indem sie die NPD die Fünf-Prozent-Hürde unterschreiten ließen. Hier scheint man die Augen vor den Problemen zu verschließen.

Vielleicht sollte ich in den Uecker-Randow-Kreis ziehen. Da würde ich dann lernen, mich den Problemen zu stellen. Aber so richtig!

Vom Atmen zählt auf 3sat

In der Themenwoche „Was am Ende zählt“ sendet 3sat am Montag um 20.15 Uhr den Film „Vom Atmen unter Wasser“ mit Andrea Sawatzki nach dem Drehbuch meiner lieben Autorenkollegin Lisa Dickreiter. Im 3sat-Programm heißt es:

Vor einem Jahr wurde die 16-jährige Tochter von Anne und Jo Bergmann ermordet. Nach einem Selbstmordversuch von Anne bittet Jo seinen Sohn Simon, das Medizinstudium zu unterbrechen und wieder zu Hause einzuziehen, um seiner Mutter Halt zu geben. Simon fällt es schwer, diese Aufgabe zu übernehmen. Er litt stets darunter, dass seine jüngere Schwester ihm vorgezogen wurde. Trotzdem lässt er sich überreden. Wieder daheim erlebt er, wie verschieden seine Eltern mit der Trauer umgehen und wie weit sie sich dabei voneinander entfernt haben. Statt weiter passiv zu bleiben, sucht er nach Wegen, seine tief in ihren Schmerz eingekapselte Mutter zu erreichen und sich für den Zusammenhalt der Familie einzusetzen.

Der bewegende Spielfilm „Vom Atmen unter Wasser“ erzählt, wie die Trauer eine Familie aushöhlt und ein Sohn Verantwortung übernimmt, zu der seine Eltern nicht mehr fähig sind. Auf spannende und ergreifende Weise zeigt der Film, wie ein starkes, innerfamiliäres Trauma eine Familie verändern und zerstören kann.

It’s time to keep on Rowling

Wer die Erstausstrahlung verpasst hat, hat heute um 16.30 Uhr auf Arte noch einmal die Chance, ein Jahr mit Erfolgsautorin J.K. Rowling zu verbringen.

In der Programmvorschau des Senders heißt es:

Mit viel Fantasie und Magie wurden ihre Bücher zu Bestsellern: Was ist das Geheimnis des Erfolges von J.K. Rowling und ihrer Geschichten um den Zauberlehrling Harry Potter? James Runcie hat die Autorin der „Harry Potter“-Bücher ein Jahr lang begleitet, ihr beim Schreiben über die Schulter geschaut und wichtige Orte ihres Lebens aufgesucht. Bei dem Streifzug durch ihr Oeuvre und ihr Leben zeigt sich die Erfolgsautorin aus Großbritannien auch gegenüber sehr persönlichen Fragen überaus offen.

Wiederholungen:

  • 22.11.2010: 10.00 Uhr
  • 27.11.2010: 6.45 Uhr

„Saftige“ Wanderhure

Gerade bin ich in Frankfurt angekommen, gerade rechtzeitig, um euch noch einen kleinen TV-Tipp zu geben:

Ein „saftiges TV-Epos mit toller Heldin“ ist „Die Wanderhure“, sagt die TV-Spielfilm. Um 20.15 Uhr läuft das Historiendrama mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle bei Sat.1.

Ich bin sicher, meine Blogleser warten seit meinem Artikel vom 22. April sehnsüchtig auf dieses heutige TV-Highlight (auch aus Sicht der TV-Spielfilm), schließlich handelt es sich um die Verfilmung des Bestsellers des sympathischen Autorenehepaares Iny Lorenz.

So, nun muss ich mich bereitmachen, geht ja gleich los. 🙂

PB-Plotten 2: Arbeitspitch

„Das Futter geht aus“ ist eine Art James Bond im Zootierreich. Leo Schnee, der Agent unter den Schneeleoparden des Rostocker Zoos, muss die Pläne des fiesen King Löw im Kampf um die Futterreserven vereiteln.

Unter den Schreibern sorgen die Begriffe Pitch, Log Line und Prämisse immer wieder für Verwirrung. Mal werden alle in einen Topf geworfen und möglicherweise noch mit weiteren vermischt, mal versucht man sie sauber zu trennen, obendrein definiert sie beinahe jeder ein bisschen anders.

Klar ist, dass alle drei Begriffe eine radikale Zusammenfassung dessen darstellen, was im Roman (oder dem Drehbuch/Film) passiert. Es würde zu weit und vom eigentlichen Thema wegführen, wollte ich nun jedem Begriff die möglichen Definitionen zukommen lassen, daher will ich versuchen, möglichst praktisch zu bleiben, denn schließlich geht es ja darum, dass sie uns beim Plotten helfen sollen.

Deshalb vergessen wir die Log Line einfach wieder. Wir fassen sie einfach als eine Unterart des Pitches auf, denn sie erfüllt dieselbe Funktion. Wir unterscheiden also nur zwischen Prämisse und Pitch.

Die wichtigste Unterscheidung ist dabei die, dass der Pitch ein Verkaufsargument, die Prämisse ein Werkzeug zur Schreibarbeit des Autors ist. Damit legen wir nun auch die Prämisse beiseite, bis sie in unserer Liste an der Reihe ist, und konzentrieren uns ganz auf den Pitch.

Der Pitch dient also dem Verkauf. Verkauft werden soll entweder ein Manuskript an einen Verlag oder eine Agentur oder aber das fertige Buch an den Leser. Der Pitch vereint dementsprechend Inhaltsangabe und Werbung.

Dabei soll auf das Manuskript oder das Buch mit wenigen Sätzen (ca. 1-3) neugierig gemacht werden. So wie das in dem Beispiel, das ich vorangestellt habe, geschieht.

Häufig nutzt man der Effiziens wegen beim Pitchen den Vergleich mit Bekanntem, in meinem Beispiel etwa mit James Bond. Wir kennen das von vielen Klappentexten, auf denen wir lesen, der Fantasyroman sei ein moderner „Herr der Ringe“, die Heldin des Kinderbuchs eine Pippi Langstrumpf in der Großstadt oder der Detektiv ein Sherlock Holmes des Computerzeitalters.

Der Vergleich ist aber nur eine Möglichkeit, denn im Prinzip geht es einfach darum, die Frage „Worum geht’s?“ so knapp wie möglich zu beantworten. Das ist die nüchterne Basis, die dann appetitlich angerichtet wird.

Wer dabei sehr genau vorgehen will, versucht in seinem Pitch die 6 Ws zu beantworten: wer, was, wann, wo, wie und warum. Nicht immer ist allerdings das Wann, Wo und Wie für die Vorstellung der Geschichte wirklich so bedeutend. Bliebe folgendes übrig: Wer macht was und warum?

Auch müssen die Fragen nun nicht stoisch beantwortet werden, wie ja  unser Beispiel zeigt, in dem es schließlich auch heißen könnte: Leo Schnee bekämpft King Löw, weil der die Futterreserven an sich bringen will.

Alternativ kann man sich auch folgende Fragen stellen:

  1. Wer ist die Hauptfigur?
  2. Welches Ziel verfolgt sie?
  3. Wer oder was steht ihr dabei im Weg?
  4. Was macht diese Geschichte zu etwas Besonderem?

 

In diesem Fall zielen die ersten drei Fragen deutlicher auf den Hauptkonflikt, die vierte sucht nach dem, was neugierig macht, im Idealfall nach dem Alleinstellungsmerkmal. Unser Beispiel beantwortet auch diese Fragen:

  1. Leo Schnee.
  2. Die Zootiere vor King Löws Terrorplänen zu schützen.
  3. King Löw
  4. Es ist eine Agentengeschichte á la James Bond mit tierischen Protagonisten.

Wir sehen nun, dass das Beispiel auch das Genre verrät (in diesem Fall durch den Vergleich mit James Bond). Das ist zwar keine Pflicht, aber es beitet sich in der Regel an.

Gerade als Appetitmacher ist die Frage 4 enorm wichtig, denn der Pitch soll ja Interesse wecken. Würde unser Pitch lediglich von einem Agenten erzählen, der die Welt vor einem Bösewicht retten will, wäre da noch nicht viel Interessantes dabei. Erst das Setting im Zoo und die Tiere als Figuren machen das Besondere aus.

Gleiches gilt auch für den Vergleich. „‚Das Futter geht aus‘ ist eine Art James Bond“, macht noch nicht viel her.

Nun dürften sich die meisten fragen, was denn jetzt eigentlich dieses Werbeinstrument Pitch in der Planungsphase, auch noch ganz am Anfang dieser zu suchen hat. Er soll hier eben nicht Verkaufs-, sondern Arbeitspitch sein.

Als solcher erfüllt er im Wesentlichen zwei Funktionen:

  1. Am Anfang der Planungsphase soll er den Autor zwingen, sich bewusst mit der Essenz seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Der Autor soll sich selbst die Frage stellen, worum es geht. Wer das, speziell bei seinem eigenen Werk, schon einmal versucht hat, wird wissen, dass das schwieriger ist, als man annehmen möchte. Mit dem Arbeitspitch legt man die wichtigten Eckpunkte fest, eben mindestens wer, was und warum. Und ganz gewiss nicht zuletzt prüft man damit schon ein allererstes Mal, ob man überhaupt eine interessante, eine besondere Geschichte erzählen wird. Denn natürlich ist das Alleinstellungsmerkmal nicht immer so offensichtlich wie in meinem Beispiel.
  2. Im weiteren Verlauf der Planung und im späteren Schreibprozess dient der Pitch als Richtschnur, damit man sich nicht verläuft. Jetzt weiß man, worum es eigentlich geht, und wird immer abgleichen können, ob man auch noch richtig geht oder ob man sich verläuft.

Hat man den Pitch erst einmal, ist es durchaus nicht die schlechteste Idee, ihn ein bisschen bei Verwandten und Freunden auszutesten. Wenn er auch diese neugierig macht, ist man wahrscheinlich auf dem richtigen Weg und kann sich das Ding am besten an den Bildschirm pappen.

Zuletzt will ich noch einmal darauf hinweisen, dass das Pitchen alles andere als eine leichte Angelegenheit ist. Es wird manchem nicht auf Anhieb gelingen und braucht durchaus ein bisschen Übung. Daher noch ein paar kleine Hilfestellungen:

Am schwersten dürfte es den meisten fallen, ihre Geschichte (bzw. die Idee davon) auf wenige bis zu einem einzigen Satz einzudampfen. Man kann sich aber nach und nach dahinarbeiten. Vielleicht kommt man zu Beginn noch auf eine halbe Seite. Die lässt man dann ein, zwei Tage ruhen und nimmt sie als Ausgangsbasis um weiter zu streichen. So lange bis am Ende die Essenz in  ein bis maximal drei Sätzen steht.

Ein guter (und weitverbreiteter) Rat ist, sich vorzustellen, man stünde einem Agenten, Lektor oder Verleger gegenüber und müsse ihn in wenigen Sekunden davon überzeugen, sich das Exposé des Romans anzuschauen. Dann bleibt einem nämlich nur die Möglichkeit, zu pitchen.

Üben kann man das auch in realen Situationen, wenn man zum Beispiel einem Freund auf die Frage, worum es in einem Film oder einem Buch geht, antwortet. Natürlich ebenfalls in aller Kürze.

Beispiele findet man bei den Profis. Oft wird dabei auf Klappentexte verwiesen, allerdings beanspruchen viele davon eben deutlich mehr als ein bis drei Sätze. Dennoch findet man nicht selten einen Einleitungspitch oder einen zusammenfassenden Pitch am Ende des Klappentextes.

Besonders zu empfehlen sind aber Fernsehzeitschriften. Die kurzen (!!!) Texte zu  den Filmen (vorzugsweise zu solchen, die die Zeitschrift als empfehlenswert erachtet) erfüllen in der Regel die Ansprüche an einen guten Pitch zumindest teilweise. Beispiele gefällig (TV Spielfilm 19/10):

„Rennschwein Rudi Rüssel“: Ferkel Rudi stürzt das Leben der Familie Gützkow ins Chaos…

„Abenteuer in Kenia“: Das amerikanische Geschwisterpaar Ted und Susan erleben [sic!] in Afrika tierische Abenteuer mit einem Geparden.

„Barbie und ‚Die drei Musketiere'“: Provinzgöre (Barbie) träumt davon, Musketier am französischen Königshof zu werden…

„Marfouz und die Frauen“: Als der Friseur Marfouz mit einer Braut nach Toulouse zurückkehrt, schwören seine Geliebte Djamila und ihre Freundinnen Rache. – Dieser […] Film schildert satirisch die Konflikte von Einwanderern aus islamischen Ländern.

„Jurassic Park“: Geklonte Dinos laufen auf einer Vergnügungsinsel Amok.

(PB-Plotten: Die Liste)

Klassiker vor Gericht

Der Mörderin fehlt scheinbar jedes Motiv. Ihr Opfer: ein ihr völlig fremder Mann. Des Rätsels Lösung findet sich erst durch eine weitere Frau. Die beiden haben sich bei einer Zugfahrt kennengelernt und sich ihr Leid geklagt. Beide waren ihrer Ehemänner überdrüssig und vereinbarten, jeweils den der anderen zu ermorden, um sich gegenseitig mit dem perfekten Mord ihrer Sorgen zu entledigen.

Ein junger Mann wird von einem reichen Herrn beauftragt, dessen Sohn nach Hause zurückzuholen, der sich auf Kosten des Vaters im Ausland amüsiert, statt sich seinen Verpflichtungen daheim zu stellen. Die Suche gestaltet sich erfolgreich, doch der Gesuchte überzeugt den jungen Mann, es sich gemeinsam mit ihm gut gehen zu lassen und die Jugend zu genießen. Fasziniert von Leben und Wohlstand des Berufssohns, versucht der Mann schließlich den Gesuchten zu ermorden und sich als er auszugeben.

Klar, weiß jeder sofort, von welchen beiden „Fällen“ ich spreche. Letzterer wurde von Fernsehrichter Alexander Holt verhandelt, ersterer ist schon etwas länger her und mein etwas löchriges Gedächtnis erinnert sich nicht mehr, ob auch Holt oder eine(r) seiner Kollegen/innen den Vorsitz hatte.

Wie, ein Roman? Ein Film? Na so was. Das wäre ja seltsam.

Da soll es doch Leute geben, die noch immer glauben, Sat.1 stelle ein paar Kameras in einen echten Gerichtssaal während einer echten Verhandlung. Und die Kameraleute seien zufällig auch immer dabei, wenn etwas Aufregendes im Flur, der Garage oder auf dem Klo passiert. Oder zumindest seien es echte Fälle, die von den Produzenten nachgestellt würden.

Nun müssen also selbst die, die zähneknirschend akzeptiert haben, dass die ach so authentischen Fälle aus der Feder von Skriptautoren stammen, die sich ihrerseits mit der meist diletantischen schauspielerischen Umsetzung ihrer Drehbücher abgefunden haben, mit dem Gedanken leben, dass eben diesen Autoren ihre Ideen manchmal auf seltsamen Kanälen zufliegen und sie sich nicht einmal die Mühe machen, dies nicht allzu offensichtlich werden zu lassen.

Nennt man das Inspiration? Nun ja, es reicht jedenfalls, um sich in der Mittagspause die Werbeunterbrechungen bei „Two and a Half Man“ auf ähnlich amüsante Weise zu vertreiben.

Bleibt nur die Frage, ob dieses Phänomen für den Realismus der Vorlagen spricht oder ob sich die Fernsehmacher um eben diesen Realismus einen Dreck scheren.

Die Grenze überschritten?

© SAT.1

Am Montagabend war es also so weit: Der erste Teil des Zweiteilers „Die Grenze“ flimmerte über den Bildschirm. Blieb es ein Flimmern oder hat das „TV-Event“ überzeugt?

Der Spion berichtete bereits am 26. Januar über die seltsamen Ereignisse, die am 15. März Mecklenburg-Vorpommern, ganz Deutschland und die Welt erschüttern sollten. Wenn auch nur im Privatfernsehen im Zweiteiler „Die Grenze“.

Nun stecken wir mittendrin in den Ereignissen, haben aber genug gesehen, um eine erste Einschätzung zu wagen. Schließlich wird das Thema schon seit einer guten Woche auch von den Spionen heftig diskutiert.

Logik ist vorhanden

Trotz der vielfältigen Besprechungen im Vorfeld fragte man sich doch gespannt, wie Regisseur Suso Richter im Film eine Situation schaffen wollte, die die folgenden Vorgänge halbwegs glaubwürdig machen würde.

Zwar hatte man in den Zusammenfassungen von Terroranschlägen, explodierenden Benzinpreisen und Wirtschaftskrise gelesen, dennoch klang das alles noch so, dass man erwarten konnte, die Vorstellung wegen akutem Hirnriss noch weit vor dem Ende zu verlassen.

Doch gerade zu Beginn des Films kann das Gedankenexperiment durchaus fesseln. Reale Ängste in unserer Gesellschaft werden auf die Spitze getrieben, wenn es Terroristen gelingt, die sieben wichtigsten Ölraffinerien der Welt gleichzeitig zu vernichten. Die drastischen Benzinpreiserhöhungen und die folgende Krise erscheinen damit als logische Folge.

Bigger than life

Erste Schwierigkeiten bekommt der Realitätssinn mit der Geschwindikeit der weiteren Entwicklung. Verzeihlich, bedenkt man die filmischen Möglichkeiten des Zweiteilers.

„Es ist ein Programm, das provozieren soll“, sagt Produzent Nico Hofmann. Joachim Kosack, Leiter Deutsche Fiction bei Sat.1 sieht die Eigenproduktion in der „Bigger Than Life“-Tradition von Filmen wie „Ausnahmezustand“ und „Der Staatsfeind Nr. 1“.

Diese Voraussetzungen erlauben dann auch die rasante Entwicklung zum vollständigen und allumfassenden Chaos sowie die offenbar bestens vorbereitete und organisierte Vorgehensweise der fiktiven rechtsextremen Partei DNS unter Führung des Milliardärs Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann), für den der Name Programm ist.

Bürgerkrieg in Mecklenburg-Vorpommern

Schlucken muss man dann doch, wenn mitten in Rostock bewaffnete Kräfte der DNS aufmarschieren und sich mit Linken Straßenschlachten liefern, sogar einen Teil der Hansestadt zum besetzten Gebiet erklären, während sich die Einsatzkräfte der Polizei duldend zurückziehen und die Kämpfenden im Widerspruch zu Grundgesetz und Verfassung ungehindert gewähren lassen.

Überhaupt darf man sich fragen, warum Mecklenburg-Vorpommern, warum Rostock. Der Rest der Welt und Deutschlands spielt im Film trotz der weltweiten Terroramschläge schon bald keine Rolle mehr.

Begründet wird das im Film vor allem durch die vergleichsweise schwache Wirtschaft des Bundeslandes und das angebliche Potential seiner Einwohnerschaft, sich in Krisenzeiten fast ausschließlich radikalen Lagern zuzuwenden.

Auch kann man während des Films schnell den Eindruck gewinnen, in Rostock lebten vor allem solche Menschen, die sich mit ganzem Herzen in die DDR zurückwünschen. (Überhaupt scheint Rostock im Wesentlichen aus Fischern und ihren Kuttern zu bestehen.)

Wenn Schwäche in Gewalt umschlägt

Gerade die wirtschaftliche Abhängigkeit des nordöstlichsten Bundeslands würde aber sowohl bei politischen Führern als auch bei deren anhängigen Bürgern eine gehörige Portion an Naivität voraussetzen, wenn sie glaubten, sie könnten sich von der Bundesrepublik abspalten, um sich auf eigene (sozialistische) Füße stellen.

Auch darf man sich fragen, ob die geschilderte Krise ein wirtschaftlich starkes Bundesland mit seiner vom Benzinpreis abhängigen Industrie nicht in ein viel tieferes Loch stürzen würde als das industriearme Mecklenburg-Vorpommern.

Nicht zuletzt sind ernsthafte Zweifel erlaubt, ob das revolutionäre Potential im Norden seit der Wende derart zugenommen hat, dass Rostock plötzlich die Vorreiterrolle in der Republik spielt.

Der Wunsch nach der Mauer

Am Montag berichtete der Spion über Umfrageergebnisse, die die Thesen des Films „Die Grenze“ zu stützen scheinen. Jeder Vierte wünsche sich zumindest manchmal die Mauer zurück. Auch auf der Homepage zum Film fallen die Ergebnisse zu diversen provokanten Fragen so aus, dass man vermuten könnte, die Stimmung in der Bevölkerung nähere sich der des Films an.

Und auch bei der am Montag gestarteten Spion-Umfrage sprechen sich aktuell weniger als die Hälfte der Teilnehmer entschieden gegen eine Wiedererrichtung der Mauer aus.

Will M-V den Sozialismus zurück?

Zeigen die Umfragen also, dass in und um Rostock und Schwerin wirklich lauter ewig Gestrige leben? Wäre dem so, würden die Umfragen dieses Bild für die gesamte Bundesrepublik zeigen.

In Wirklichkeit dürften die Antworten aber aus völlig unterschiedlichen Motivationen heraus geboren sein. Und selbst in den neuen Ländern kann man wohl kaum davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Antwortenden damit ein eindeutiges Bekenntnis zum Sozialismus in seiner Gesamtheit ausdrücken möchte.

Trotzdem gute Unterhaltung

Unabhängig davon, wie realistisch man das Szenario nun einschätzt, in einem Film geht es auch einfach um gute Unterhaltung. Und allein das Gedankenspiel basiert auf spannenden Fragen.

Auch scheinen nach etwa der Hälfte des ersten Teils hinsichtlich der Glaubwürdigkeit die wichtigsten Hürden genommen und die Handlung konzentriert sich von da an vor allem auf rasante Action und individuelle Schicksale.

Damit fühlt man sich wirklich gut unterhalten und kann sich schon auf die Fortsetzung am heutigen Abend freuen.

(Artikel zuerst erschienen auf deutschland-spion.de)

Literarisches Arte im Februar

Quelle

Donnerstag, 04. Februar – 20.15 Uhr
Herbstmilch
Deutschland 1988
Spielfilm von Joseph Vilsmaier nach dem autobiografischen Roman von Anna Wimschneider

Freitag, 05. Februar – 1.15 Uhr
Die Geierwally
Spielfilm, Deutschland 1987
Satire basierend auf dem Heimatroman von Wilhelmine von Hillern

Montag, 08. Februar – 23.20 Uhr
LeseHorizonte: Lissabon
Dokumentationsreihe, Frankreich, ARTE France 2009
Porträt der zeitgenössischen portugiesischen Literaturlandschaft

Mittwoch, 10. Februar – 23.10 Uhr
Pasolinis tolldreiste Geschichten
Frankreich 1971
Spielfilm von Pier Paolo Pasolini nach den Erzählungen „The Canterbury Tales“ von Geoffrey Chaucer

Sonntag, 14. Februar – 20.15 Uhr
Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich
USA 1994
Spielfilm mit Paul Newman nach dem gleichnamigen Roman von Richard Russo

Freitag, 19. Februar – 21.45 Uhr
Wallander: Die falsche Fährte
Fernsehfilm, Schweden/Großbritannien/Deutschland, ARTE France/ARD 2008
Spannender Krimi mit Kenneth Branagh basierend auf dem gleichnamigen Roman des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell

Sonntag, 21. Februar – 17.00 Uhr
Doris Dörrie
Dokumentation, Deutschland, ARTE/NDR 2009
Porträt der vielseitigen Regisseurin und Autorin

Montag, 22. Februar – 22.25 Uhr
Frühlings Erwachen
Theater, Deutschland, ARTE/ZDF 2009
Theaterstück von Frank Wedekind in der Inszenierung von Nuran David Callis im Schauspiel Hannover

Montag, 22. Februar – 20.15 Uhr
Sinn und Sinnlichkeit
Großbritannien/USA 1995
Unterhaltsamer Spielfilm mit Emma Thompson nach dem gleichnamigen Roman von Jane Austen

Mittwoch, 24. Februar – 21.50 Uhr
Hotel Marysol
Frankreich, ARTE France 2003
Spielfilm basierend auf dem Roman „Le Route de Midland“ von Arnaud Cathrine

Donnerstag, 25. Februar – 22.20 Uhr
Twilight-Fieber
Dokumentation, Deutschland/Frankreich/USA, ARTE/ZDF 2009
Einem literarischen Phänomen auf der Spur: die Autorin Stephenie Meyer und ihre „Twilight-Saga“

Freitag, 26. Februar – 21.45 Uhr
Wallander: Die Brandmauer
Fernsehfilm, Schweden/Großbritannien/Deutschland, ARTE France/ARD 2008
Spannender Krimi mit Kenneth Branagh basierend auf dem gleichnamigen Roman des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell

TV braucht kein Niveau

Fast jeder beschwert sich übers Fernsehen. Gerade der stetig wachsende Trend zum Reality-TV und Casting-Shows überall erregen die Gemüter. Doch die Quoten sprechen ihre eigene Sprache.

Auf Spiegel Online kann man die bittere Wahrheit mal wieder nachlesen: DSDS siegte am Mittwochabend in der Primetime mit über 21 Prozent Marktanteil im Rennen um die Quoten. Da konnte selbst die Erstaustrahlung des aufwendig produzierten ARD-Zweiteilers „Gier“ nicht mithalten.

Da fragt man sich doch, ob sich der finanzielle und zeitliche Aufwand, teure und unter Umständen auch hochwertige TV-Unterhaltung zu produzieren, für einen Fernsehsender überhaupt lohnt. Die Leute vor der Glotze geben sich offenbar lieber mit viel weniger zufrieden.

Bei den 14 – 49-Jährigen erreichte Bohlens RTL-Casting sogar einen Marktanteil von fast 34 Prozent. Auch andere Reality-Formate sind immer wieder erstaunlich erfolgreich, teilweise in der xten Staffel. Ist also das Fernsehen nur so gut wie seine Zuschauer?

Kritiker halten immer wieder dagegen, das Angebot bestimme die Nachfrage. Doch die Quoten scheinen das nicht zu bestätigen, denn ist man ehrlich, gäbe es zu den Rennern im Fernsehen nahezu immer auch die Alternativen, die selbst Kritiker nicht als seichte Unterhaltung abtun können.

Angewiderte Gesichter werden jedenfalls wenig helfen. Vielleicht wäre es besser, sich nicht nur verbal vom so verhassten Mainstream zu lösen, sondern auch bei der Suche nach durchaus vorhandenen Alternativprogrammen, damit diese dauerhaft ihre Überlebenschancen wahren.

Genießen kann man dann Umfrageergebnisse wie diese, die nur leider den tatsächlichen Quoten vollkommen widersprechen.

Literarisches Arte im Januar

Zur Quelle

Donnerstag, 07. Januar – 22.35 Uhr
Die Spur des Falken
Spielfilm, USA 1941
Klassiker mit Humphrey Bogart nach dem Roman von Dashiell Hammett

Sonntag, 10. Januar – 17.00 Uhr
Martin Suter – Romancier und Gentleman-Farmer
Dokumentation, Deutschland, ARTE/NDR 2009
Ein Porträt des erfolgreichen Schweizer Autors, der in Guatemala seine zweite Heimat gefunden hat

Sonntag, 17. Januar – 20.15 Uhr
Razzia in Paris
Frankreich 1954
Spannender Gangsterfilm mit Jean Gabin nach einem Roman von Auguste Le Breton

Montag, 25. Januar – 20.15 Uhr
Monpti
Spielfilm, Deutschland 1957
Klassiker mit Romy Schneider und Horst Buchholz nach dem gleichnamigen Roman von Gábor von Vaszary

Buchkultur vs. Internet

Schadet oder nützt das Internet der Literatur, wie wir sie kennen? Dieser Frage widmet sich 3sat in zwei Sondersendungen:

„“Kulturzeit extra“ nutzt die Gelegenheit und fragt im Rahmen der „33. Tage der deutschsprachigen Literatur“ die Beteiligten selbst: am Donnerstag, den 25. Juni 2009, und am Freitag, den 26. Juni 2009, jeweils 30 Minuten lang als Sondersendung live aus Klagenfurt. Mit dabei sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Verleger und Lektoren, die zum Wettlesen um den „Bachmann-Preis“ zum Wörthersee gekommen sind; Roland Reuß, der Initiator des „Heidelberger Appells“; Rüdiger Wischenbart als Kritiker traditioneller Verlagsstrategien und viele andere.“

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