Preiset sie!

Anna Koschka: Naschmarkt

Anna Koschka: NaschmarktHeute in einer Woche wissen wir schon Bescheid. Denn dann hat sie bereits stattgefunden, die Preisverleihung zum DeLiA 2013, die den (nach Meinung der Jury) besten deutschen Liebesroman des vergangenen Jahres kürt.

Erstmals werde ich anwesend sein. Nein, nicht meinetwegen. Es zieht mich zu den Liebesromantagen, weil auch Anna Koschka zu den Nominierten zählt, der ich (und ihr ja vielleicht auch) ganz  sehr (wie man in ihrer Heimatstadt Wien sagen würde) die Daumen drücke. Nicht zuletzt, weil sie meine pseudonyme Freundin ist (wie die meisten von euch wissen dürften), aber auch und vor allem weil ihr Roman „Naschmarkt“ es meiner Meinung nach verdient hat, bepreist zu werden.

Also, wünscht mir und Anna bitte eine schöne Zeit in Iserlohn und viel Erfolg. Danke!

Der Tod lauert zwischen den Bäumen

Ursula Poznanski: SaeculumWieder ist es ein Spiel. Und wieder eines, das harmlos beginnt und böse endet. Doch diesmal lauert der Tod zwischen den Bäumen. Ursula Poznanskis „Saeculum“ ist noch mörderischer als ihr Megaerfolg „Erebos“.

Mit ihrem Jugendthriller „Erebos“ hat Ursula Poznanski einen Überraschungshit gelandet, der nicht nur Jung, sondern auch Älter und Alt in seinen Bann zog. Vollkommen zu Recht gewann sie dafür im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. In „Erebos“ geriet Nick in die Fänge eines heimtückischen Computerspiels, in „Saeculum“, vom Verlag in ein beeindruckendes Cover gehüllt, ist es Bastian, für den ein Spiel zur bitteren Realität wird. Seine neue Freundin lockt den angehenden Mediziner aus der biederen Enge des Studierzimmers zu einem Live-Rollenspiel in einem Waldstück fernab der Zivilisation. Doch dort wartet nicht nur Mittelalterromantik auf die Spieler, sondern auch der Tod. Ein Serienkiller? Oder doch der jahrhundertealte Fluch, der auf diesem Gebiet lasten soll? Bastian weiß schon bald nicht mehr, was er glauben soll. Zu allem Überfluss scheint es, als treibe auch seine Freundin ein falsches Spiel mit ihm.

Erwartungen nicht enttäuscht

Nach einem Buch wie „Erebos“ kann es keiner Autorin leichtfallen, dem Erwartungsdruck, der sich ohne Zweifel für den Nachfolger aufbaut, standzuhalten. Tatsächlich ist „Saeculum“ ein anderes Buch, das den Leser zunächst sanfter an die Hand nimmt. Die Sogwirkung, die der Vorgänger von der ersten Seite an aufbaute, lässt im direkten Vergleich hier ein wenig auf sich warten. Das ist nicht verwunderlich, braucht die Geschichte doch einfach mehr Zeit, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und sie überhaupt erst an den Handlungsort zu bringen. Mit Iris gibt es außerdem eine zweite Perspektivträgerin, deren Sicht zusätzlichen Raum einnimmt. Dennoch zählt gerade diese zweite Perspektive zu den vielen gelungenen Kniffen der Autorin, die Spannungsschraube schnell anzuziehen. Denn Iris umgibt ein Geheimnis, das gleich weiteren offenen Fragen darauf drängt, gelüftet zu werden, wodurch der Leser auch bei diesem Thriller bald schon die Buchseiten zum Fliegen bringt.

Hat das Spiel erst begonnen, baut Ursula Poznanski meisterhaft eine Spannungskulisse auf, die den Wolkenbergen der immer wieder herannahenden Gewitter am Spielort ähnelt und an Bedrohlichkeit kaum zu überbieten ist. Meisterhaft auch deshalb, weil der Leser zunehmend geneigt ist, am Verstand des Protagonisten zu zweifeln, nicht etwa, weil dieser an einen Fluch glaubt, sondern gerade weil er sich so standhaft dagegen wehrt, das Übernatürliche als real zu akzeptieren. Wenn Tote aus ihren Gräbern steigen, Madenplagen die frischen Vorräte befallen und Schmerzensschreie durch die Nacht gellen, verliert selbst die Fantasie des Lesers den Boden unter den Füßen. Ganz abgesehen davon, dass ein Rollenspieler nach dem anderen verlustigt geht. Bis es schließlich nur noch eine letzte Hoffnung auf Rettung gibt. Für alle außer Bastian!

Besser geht’s nicht

Es scheint kaum vorstellbar, dass einer Autorin gleich zweimal hintereinander der große Wurf gelingt. Der Wienerin Poznanski ist das gelungen. Wenn jemand zwei Bücher schreibt, von denen jedes für sich besser kaum vorstellbar ist, bleibt es schließlich dem persönlichen Geschmack des Lesers überlassen, einem von beiden den Vorzug zu geben. Glücklicherweise gibt es gar keinen Grund dafür, sich zu entscheiden.

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Ursula Poznanski
Saeculum
Jugendthriller

Klappenbroschur
Loewe 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Klappentext:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Verlagsseite
Leseprobe
Homepage der Autorin

Erfolg durch Ignoranz!

Der grösste Fehler, den sie machen können ist es, auf die Angriffe einzugehen. Beschäftigen sie sich damit einfach nicht, lassen sie es. Konzentrieren sie sich auf ihre Texte.

Das ist ein Rat für Autoren, wie sie mit Kritik umgehen sollten. Ratgeber ist eine Internetseite, die für sich beansprucht, ein Onlineschreibkurs zu sein. Aus dem Artikel lässt sich entnehmen, dass Kritik nahezu immer als Angriff gemeint ist, vor dem sich jeder Autor, der erfolgreich sein will, schützen sollte. Gern auch mit einem Anwalt:

Wenn sie der Meinung sind, dass ihr Name oder ihr Text “durch den Dreck gezogen wird” und somit ihre Reputation gefährdet ist, dann lassen sie das durch einen Anwalt prüfen. Machen sie nicht den Fehler und gehen ohne Anwalt auf die Anschuldigungen ein!

Wie leidgeprüft muss die arme Betreiberin dieses Internetangebots sein. Apropos Reputation, sollte man sich da nicht gleich für den Kurs anmelden? Immerhin kann man die geballte Kompetenz sogar kostenlos bekommen, vorausgesetzt die viele Werbung auf der Seite stört einen nicht. Die erfolgt ohnehin überwiegend über vollkommen themenfremde Schlüsselbegriffe. Und vermutlich fällt sie gar nicht mehr auf, wenn man sich für den kostenpflichtigen Silber- oder gar Gold-Zugang entscheidet.

Ganz sicher ist: Eine derart kritikresistente Autorin muss ihrer eigenen Theorie zufolge einen weit größeren Erfolg eingefahren haben als all die Kollegen, die noch immer glauben, Kritikfähigkeit sei der Schlüssel zu eben jenem.

Tja, liebe Kollegen, tatsächlich ist es nämlich so:

Erfolgreiche Menschen sind stahlhart

Und wer könnte härter sein, als derjenige, der noch die kleinste Kritik als Angriff wertet, sich eine Mauer baut und dahinter weiter entsprechende Blümchen züchtet?

Daher die Empfehlung, die schließlich noch den letzten Zweifler überzeugen muss:

Schreiben sie unbeirrt weiter, lassen sie Kritiker einfach an sich abprallen und veröffentlichen sie ihren nächsten Text, denn durch Verunsicherung können sie leicht von ihrem Weg abgebracht werden. Und: Das ist das, was ihr Gegner will.
Lassen sie Kritiker einfach abblitzen – auch wenn sie vor Wut schäumen!

Ja, richtig gelesen: So wird Eigenbrödlerei zum fröhlichen Ball… äh, Prallspiel, bei dem die bösen Kritiker (die Gegner! Präg dir das ein!) gehörig in die Ecke gefeuert werden. Kein Wunder, dass die vor Wut schäumen. Denen kommt vermutlich die Galle hoch!

Nun mag der eine oder andere fragen (wenn er sich denn noch traut), was es denn mit der sogenannten konstruktiven Kritik auf sich hat. Keine Sorge, auch dafür hat die werte Dame einen Satz übrig. Mehr noch: sogar zwei! Und wer glaubt, ich hätte beim folgenden Zitat irgendetwas unterschlagen, der irrt:

Kritik hat oft eine positive Seite. Nutzen sie konstruktive Kritiken.
Wenn sie als Autor erfolgreich sein wollen, dann legen sie sich ein dickes Fell zu. Lassen sie ihre Kritiker einfach reden und konzentrieren sie sich auf das Wesentliche – auf das Schreiben ihres nächsten Textes!

Also nicht vergessen: Auch konstruktive Kritik ist zum Ignorieren da! Das schützt am besten vor denjenigen, die eigentlich in Behandlung gehören:

Lassen sie sich nicht unterbuttern – Kritiker sind nicht unfehlbar.
Wer es nötig hat, andere durch verbale Attacken zu erniedrigen, hat mein Mitleid und sollte sich bei einem Psychologen vorstellen.

Und jetzt meine ganz persönliche Empfehlung: Ihr könnt auf der Seite nicht nur das Autorenhandwerk lernen, nein, es gibt dort sogar einen Manuskript-Service! Ein Wunschangebot der vielen, vielen Leser dieser Internetseiten, dem sich die lehrmeisternde Autorin nicht widersetzen wollte.

Und ich bin mir sicher, jeder zahlt gern den nicht weiter spezifizierten Unkostenbeitrag, um dann ein völlig unkommentiertes Manuskript zurückzuerhalten. Kritik bleibt nun mal Kritik! Und sollte sich doch einmal eine kritische Anmerkung eingeschlichen haben – wir wissen ja nun, wie man damit umgeht: Einfach ignorieren. Oder noch besser: Anwalt einschalten!

Die Playlist des Schreibens

Immer wieder begegnet man ihr in Schreibforen, der Frage: Welche Musik hörst du beim Schreiben?

Warum das so interessant ist, weiß ich auch nicht. Die Autorin Kerstin Pflieger jedenfalls kommt dieser Frage auf ihrer noch jungen Homepage entgegen. Sie präsentiert dort all die Lieder, die sie beim Schreiben ihres Romans gehört hat, in einer Playlist.

Damit ist jedenfalls ein für alle mal geklärt: Musik beim Schreiben muss dem Erfolg nicht im Wege stehen!

Tagesziel

Seit ich meine Schreibprojekte gründlicher plane und besser organisiere, setze ich mir Tagesziele. Nicht jeden Tag neu, sondern gleichbleibend für die geplante Dauer des Schreibprojekts.

yWriter ist da sehr hilfreich. Man kann dort den Umfang (Anzahl der Wörter) des geplanten Manuskripts eingeben, dazu den geplanten Schreibzeitraum, das Programm errechnet, welche Wortanzahl man dementsprechend pro Tag bewältigen muss.

Natürlich berechnet das Programm in Abhängikeit des bereits Geschriebenen stetig neu. Ist man also den Zielvorgaben voraus, nimmt die täglich zu schreibende Wortanzahl ab, hängt man hinterher, nimmt sie zu.

Nebenbei zeigt yWriter dem Autor einen Fortschrittsbalken, die Anzahl der insgesamt bereits geschriebenen Wörter, die Anzahl der noch zu schreibenden Wörter und die Anzahl der Tage, die einem dazu noch zur Verfügung stehen. Aber das nur am Rande.

Worum es mir eigentlich geht, ist die persönliche Motivation. Es dürfte jedem klar sein, dass ein großes Projekt, sicher nicht nur, aber eben auch für einen Autor jede Menge tägliche Motivation erfordert. Gerade am Anfang scheint die zu bewältigende Arbeit riesig, der Fortschritt mäßig. Sich kleine, schrittweise Ziele zu setzen, ist nun wirklich kein Rat, der neu erfunden werden müsste.

Was mir aber interessant erscheint, ist die Wahl solcher Tagesziele hinsichtlich des Umfangs. Wenn mein Projekt nicht durch einen Abgabetermin begrenzt ist, der mir klar einen Zeitrahmen und damit auch das notwendige tägliche Arbeitsziel vorgibt, mag ich es lieber, wenn ich mir kleinere Ziele stecken kann, denen ich vorauseilen will. Ich weiß von anderen, dass sie mehr Motivation daraus schöpfen, wenn sie sich selbst drängeln müssen.

Soll heißen, wenn ich die Wahl habe und weiß ich könnte auf die Woche gesehen pro Tag beispielsweise 1000 Wörter schreiben, wenn ich die Schreibarbeit nicht durch Recherchen oder ähnliches unterbrechen muss, würde ich mir lieber ein Tagesziel von 800 Wörtern oder weniger vornehmen und jeden Tag als Erfolg feiern, an dem ich dieses Ziel übertrumpfe.

Wenn ich dagegen des Öfteren mein Tagesziel nicht erreiche (wieder vorausgesetzt, es drückt kein Abgabetermin), dann verliere ich schnell die Motivation.

Mir erscheint das auch vollkommen logisch, aber es gibt eben auch diejenigen, bei denen es sich genau umgekehrt verhält. Wie sieht es bei euch aus?

It’s time to keep on Rowling

Wer die Erstausstrahlung verpasst hat, hat heute um 16.30 Uhr auf Arte noch einmal die Chance, ein Jahr mit Erfolgsautorin J.K. Rowling zu verbringen.

In der Programmvorschau des Senders heißt es:

Mit viel Fantasie und Magie wurden ihre Bücher zu Bestsellern: Was ist das Geheimnis des Erfolges von J.K. Rowling und ihrer Geschichten um den Zauberlehrling Harry Potter? James Runcie hat die Autorin der „Harry Potter“-Bücher ein Jahr lang begleitet, ihr beim Schreiben über die Schulter geschaut und wichtige Orte ihres Lebens aufgesucht. Bei dem Streifzug durch ihr Oeuvre und ihr Leben zeigt sich die Erfolgsautorin aus Großbritannien auch gegenüber sehr persönlichen Fragen überaus offen.

Wiederholungen:

  • 22.11.2010: 10.00 Uhr
  • 27.11.2010: 6.45 Uhr

AUTORitätEN in Oberursel

Es war wieder spannend, inspierierend, lustig, informativ und einfach großartig. Das Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel. Vergangenes Wochenende fand es zum vierten Mal statt und ich möchte es nicht mehr missen.

Oberursel bedeutet für mich natürlich einen weiten Anfahrtsweg und zwar einen, der an einem Freitag mit jeder Menge Verkehr aufwartet. So setzte ich mich bereits frühzeitig hinters Steuer, denn das Abendessen im Parkhotel wollte ich keinesfalls verpassen. Noch weniger den anschließenden großen Leseabend.

Gegen 16.30 Uhr hatte ich die knapp 700 Kilometer hinter mich gebracht und parkte vor dem Veranstaltungsort. Geplant war, mich als erstes etwas frisch zu machen und die Reisebekleidung gegen halbwegs Vorzeigbares auszutauschen, aber dann siegte doch die Neugier und ich warf einen ersten Blick in das Hotelrestaurant, wo sich im Vorraum traditionell die Ankunftlinge sammelten.

Die Ankunftlinge
Die Ankunftlinge

Das war ein Fehler! Es waren nämlich wirklich schon viele da und das Begrüßen, Herzen und Drücken wollte gar kein Ende nehmen. Schon wurden die ersten Neuigkeiten ausgetauscht und ich musste mich schließlich zwingen, mich noch einmal zurückzuziehen.

Das kalte und warme Abendbüfett war gewohnt umfangreich und schmackhaft, die großen Tische taten ihr Übriges, dass man sich unter den über 70 Autoren aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und darüber hinaus sofort wieder heimisch fühlte.

Im Bann der großen Fünf

Nach dem Abendbrot und einer kleinen (Raucher-) Pause hieß es, sich einen guten Platz für die öffentliche Lesung zu organiesieren, bei der ein interessiertes Publikum aus der Umgebung die angereisten Autoren ergänzte.

Ursula Poznanski
Ursula Poznanski

Leider hatte Nina Blazon ihre Lesung aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Für sie eingesprungen war Ursula Poznanski, die aus ihrem Überaschungserfolg „Erebos„, einem phantastischen Thriller für Jugendliche, las. Mit nur wenigen Sätzen zog die Wiener Autorin ihre (meist eher gefühlt jugendlichen) Zuhörer in den Bann. Ich bin sicher, nach der Lesung war es für niemanden mehr eine Überraschung, dass dieses Buch nicht nur eine Unmenge an Lesern um den Schlaf gebracht hat, sondern auch in den Feuilletons großer Zeitungen wie der Süddeutschen oder der Neuen Züricher bestens besprochen wurde.

Kai Meyer hat sich längst eingerichtet in den Phantastik-Bestsellerlisten und einer riesigen Fangemeinde. Obwohl das sicherlich auch dem Gros des Publikums bekannt war, ging ein ehrfürchtiges Raunen durch den Saal, als Moderatorin Eva Völler, selbst Bestsellerautorin, von den weit über vierzig Romanen sprach, die der 41-Jährige inzwischen veröffentlicht hat, die weltweit in 27 Sprachen erschienen sind und teilweise Vorlage für Hörbücher, Hörspiele, Comics und Filme wurden.
Wir kamen an diesem Abend nicht nur in den Genuss einer sehr humorvollen Hörprobe aus dem im letzten Jahr erschienenen Roman „Arkadien erwacht„, sondern durften auch einer spannenden Szene aus dem frisch erschienen zweiten Band „Arkadien brennt“ lauschen.

Vor der Pause freute ich mich dann auf Wulf Dorn, dessen Romandebüt „Trigger“ ich ja schon mit Begeisterung gelesen und rezensiert habe. Nach dem durchaus nicht unerwarteten Erfolg des Erstlings, war ich nun sehr gespannt auf den zweiten Roman von Wulf, den ich hier ja ebenfalls schon vorgestellt habe. Der Nervenkitzel, den Wulf mit seiner herausragenden Lesestimme hervorrief, machte mir zweierlei klar: Zum einen wird „Kalte Stille“ seinem Vorgänger hinsichtlich des Erfolgs sicher in nichts nachstehen, zum anderen musste ich nach den Lesungen unbedingt an den Büchertisch.

Kai Meyer
Kai Meyer

Nach der Pause konnte ich mir dann endlich einen Eindruck verschaffen von Eva BaronskysHerr Mozart wacht auf„, das ich meinen Bloglesern bereits letztes Jahr allein aufgrund der göttlichen Idee vorgestellt habe. Der Roman, in dem Mozart im Jahre 2006 erwacht und sich von der Idee, sein Requiem zu beenden, getrieben in der neuen Zeit zurechtfinden muss, wird ganz offensichtlich zu recht hoch gelobt. Es war ein großartiges Erlebnis, mitzuerleben, wie Wolfgang beispielsweise die Bedeutung der Buchstabenkombination AC/DC zu ergründen sucht. Ein Erlebnis, das ich auch ohne die wunderbare musikalische Untermalung während der Lesung demnächst vertiefen werde.

Den Abschluss dieses unvergesslichen Leseabends bildete schließlich der Großmeister der deutschen Fantasy, Markus Heitz, womit der neben Kai Meyer und Wolfgang Hohlbein wohl bekannteste Vertreter seiner Zunft die Bühne betrat, um aus seinem im Frühjahr erschienenen Vampirthriller „Judassohn“ zu lesen, dessen Personal so gar nichts mit den weichgespülten Teenie-Idolen unserer Zeit zu tun hat. Die düstere Spannung, die sein Text hervorrufen wollte, wusste der Starautor mit dem ihm eigenen Humor trefflich aufzulockern.

Wulf Dorn
Wulf Dorn

Aufgelockert ging es nach den Lesungen dann in die Hotelbar, denn natürlich ist so ein Wochenende zu kurz, um es schlafend zu verbringen. In lustiger Runde, mehr oder weniger nach Rauchern und Nichtrauchern getrennt, schwatzte man sich so noch vergnüglich in den frühen Morgen.

Psychologie, All Age und Helferlein – rundum gut versichert

Ich hatte es leider im Vorfeld versäumt, mich für einen Workshop anzumelden, was allerdings angesichts der Tatsache, dass zur gleichen Zeit viele interessant Vorträge angeboten wurden, zu verschmerzen war.

Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer
Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer

Der Samstag begann also für mich mit dem Vortrag von Geschichtenweberin Melanie Metzenthin, die als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet und uns daher über das Thema „Figurenentwicklung: Wie entstehen Persönlichkeiten“ aufklären konnte. Besonders amüsant fiel dabei die abschließende Typisierung von Persönlichkeiten wie Superman oder den Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand aus.

In der anschließenden Podiumsdiskussion „Was liest du? – Ein kritischer Blick auf den All-Age-Rummel und die Bedürfnisse junger Leser“ führte Jürgen Bräunlein durch ein interessantes Gespräch über den Jugendroman und den Trend, dass auch Erwachsene vermehrt zum Jugendbuch greifen, den Verlage wiederrum mit dem Label „All Age“ beantworten. Mit von der Partie waren Heike Brillmann-Ede, die als Lektorin im Jugenbuchbereich bei Thienemann arbeitet, die Autorin Brigitte Melzer, Ursula Poznanski (s.o.) und Ole Johan Christiansen in seiner Funktion als Literaturwissenschaftler (ansonsten auch der Co-Autor von Thomas Plischke).

Nach dem Mittagessen beantwortete Fred Janssen von der Künstlersozialkasse in seinem Vortrag Fragen zur Künstlersozialversicherung. Das war sehr informativ und erfreulicherweise auch sehr persönlich.

Mit der Diplom-Pychologin Andrea Lionne Hinz ging es im Anschluss um „Die Psychologie des Schreibprozesses: Von Ideen auf der Straße, komplexem Problemlösen und höchstem Glücksgefühl“. Es ging also um Metastrategien in der Arbeit des Schtiftstellers.

Eva Baronsky
Eva Baronsky

Schließlich wartete Falko Löffler noch mit einem kleinen Schmankerl auf: „Digitale Helfer: Schreibsoftware für Autoren am Beispiel von ‚Scrivener'“. Wie meine Blogleser ja wissen, bin ich sehr interessiert an jeder Art von Autorensoftware und Falko, der auch im Bereich Computerspiele als Autor und Texter sehr erfahren ist, überzeugte mich sofort von „Scrivener„. Da die Software bisher nur für den Mac zu haben ist, hatte ich ihr noch keine Aufmerksamkeit geschenkt. Doch die Aussicht, dass das Programm im nächsten Jahr auch für Windows zu haben sein soll, ließ mich aufhorchen. Und was Falko uns damit alles vorführte, lässt yWriter, mit dem ich bis dato sehr zufrieden war, blass aussehen. Nun beginnt also die ungeduldige Wartezeit (eine Beta-Version soll schon im Oktober zu haben sein).

Nach diesem letzten Vortrag am Samstag ging es zum Abendessen. Derart gestärkt räumten die Autoren ihre Kofferräume leer und schleppten ihre Bücherkisten zur dafür eingerichteten Tauschbörse. Auch ich wurde noch einige Exemplare der Kriegerin los und muss mir dafür wohl wieder mal ein neues Bücherregal kaufen. Gefreut habe ich mich, bei dieser Gelegenheit Sandra Uschtrin endlich einmal persönlich kennenzulernen. Schließlich hat man ja von ihrer Arbeit schon lange profitiert.

Markus Heitz
Markus Heitz

Inzwischen verteilten sich die Teilnehmer ein wenig, um sich schließlich nach und nach wieder in der Hotelbar einzufinden. Ich möchte behaupten, der Abend wurde noch fröhlicher als der davor, zumal sich im Raucherraum bald eine Runde zusammenfand, die fleißig Ideen für ein hochgeheimes, dafür aber umso skurrileres Gemeinschaftsprojekt austauschte. Ein hochgradiger Spaß, dessen Ernst man aber keinesfalls unterschätzen sollte.

Schauspiel, Fernsehen und Grammatik

Am Sonntag habe ich daraufhin verschlafen. Glücklicherweise nur ein bisschen, sodass ich mit nur einer kleinen Verspätung zu Lisa-Marie Dickreiters Vortrag „Figuren zum Leben erwecken – wie sich AutorInnen mit Hilfe von Schauspiel-Techniken besser in Figuren und Szenen hineinversetzen können“ kam. Ein Vortrag, der viel Spaß bereitet hat. Und der mir  ein Mittel an die Hand gegeben hat, mit dem es mir eindringlicher als bisher gelingen sollte, Autoren zu vermitteln, wie sie tatsächlich ihre Figuren zum Leben erwecken können. Was ich oft umständlich zu erklären versuche, wurde in diesem Vortrag auf eine ebenso einfache wie treffende Formel gebracht, die ich mit Lisas Erlaubnis demnächst auf meinem Lektorenblog preisgeben will.

Peter Wohlleben ließ uns anschließend in seinem Vortrag „Hilfe, das Fernsehen kommt! – Erfahrungen, Tipps und Tricks im Umgang mit Medien“ an seinen umfangreichen Erfahrungen mit dem Thema teilhaben. Möglicherweise kommt man ja irgendwann einmal in den Genuss, davon zu profitieren.

Den Abschluss des Vortragswochenendes bildete „Selbst wenn sich der Autor ins Hinterteil bisse – Vom Reflexivpronomen bis zum Konjunktiv: Antworten auf die meist gestellten Fragen zur Grammatik bei Montségur“. Angelika Jodl, Sprachdozentin für die ausländischen Studenten der Uni München, verstand es dabei mit jeder Menge Humor auch die kniffligen Fälle der deutschen Sprache federleicht wirken zu lassen. Ihre Studenten sind jedenfalls zu beneiden.

v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz
v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz

Schließlich traf man sich zum letzten gemeinsamen Mittagessen, um sich dann nach und nach in alle Winde zu zerstreuen.

Wieder einmal nahm ich viel mit auf dem Heimweg: Bücher, Ideen, Inspiration, neue Erkentnisse und jede Menge toller Erfahrungen. Im Namen aller darf ich mich noch einmal ganz herzlich für die Organisation dieses großartigen Treffens besanken, ganz besonders natürlich bei Montségur-Chef Andreas Wilhelm, Programmleiterin Martina Sahler und Kameramann André Wiesler (es wird wieder eine DVD zu dem Treffen geben).

Die Metamorphosen gehen in die zweite Runde

Der Erfolg gibt ihnen recht: Das Team, das bereits die erste Geschichtenweberanthologie „Metamorphosen“ auf den Weg gebracht hat, schreibt nun eine zweite Anthologie aus. Und bei bis zu 50.000 Zeichen dürft ihr euch ordentlich austoben! Es folgt der Original-Ausschreibungstext:

Sie finden das Grauen (Arbeitstitel)
Auf den Spuren H. P. Lovecrafts – Band 2

Mit „Metamorphosen“ ist es den Geschichtenwebern gelungen, den Lovecraftschen Kosmos um einige Facetten zu bereichern. Dennoch lauern noch viele Geheimnisse der Großen Alten verborgen in der Vergessenheit und warten darauf, von unbedarften Autoren erweckt zu werden. Grund genug, noch einmal „Auf den Spuren H.P. Lovecrafts“ zu wandeln:

„Sie finden das Grauen“ (Arbeitstitel)

Archäologen graben sich durch uralte Ruinen in den Wüsten dieser Welt, sie durchforsten die tiefsten Dschungel und die blasphemischsten Tempel. Eine Putzfrau zerstört eine antike Statue und findet darin eine alte Karte. Ein Lehrer oder ein Bibliothekar entdeckt in einem alten Buch einen Hinweis, dem er einfach nachgehen muss. Ein Polizist oder ein Detektiv stößt bei seinen Ermittlungen auf Spuren, die unglaublich sind …
Sie alle begeben sich auf die Suche nach Reichtum, Wissen, oder gar sich selbst, aber sie finden … das Grauen!

Alle Geschichten müssen in Lovecraft’s Cthulhu-Universum spielen, es müssen aber keine Großen Alten direkt darin vorkommen (Es reichen auch Diener-Wesen, verbotene Bücher, Kultisten, etc.).
Wir wollen keine Fan-Fiction wie „Der Hexer“ oder „Indiana Jones“, erfindet Eure eigenen Helden (oder Antihelden)! Je Origineller Eure Geschichte ist, desto eher wird sie uns begeistern!“

Jeder Autor darf bis zu 3 Geschichten einreichen. Sie sollen einen Umfang von 5.000 bis 50.000 Zeichen haben, RTF-Format, Times New Roman, Schriftgröße 12, 1,5facher Zeilenabstand.
Bei technischen Verstößen werden wir die Geschichten nicht annehmen.
Bitte schickt die Geschichten an: Siefindendasgrauen@web.de

Einsendeschluss ist: 31. Dezember 2010

Das Buch wird wie Band 1 im Torsten Low Verlag veröffentlicht werden. Jeder Autor erhält 1 Belegexemplar, 30 % Autorenrabatt und 10 % Autorenhonorar (nach Seitenschlüssel auf die Autoren verteilt).

Zur Originalausschreibung im Forum

Aufruf zum Forenmissbrauch

Wer Mitglied in einem oder mehreren Literaturforen ist, wird sie kennen: Die jungen, aufstrebenden Autoren, die durch diese Foren vagbundieren wie Staubsaugervertreter, um ohne anzuklopfen und mit ausgesprochen „kluger und unauffälliger Taktik“ die Werbepostings für ihre Werke fallen lassen, als seien es Pferdeäpfel. Viele von ihnen haben nicht einmal die Zeit, Interesse am sonstigen Forenleben zu heucheln. Zumindest in  den meisten mir bekannten Foren haben sie damit allerdings auch alles andere als Erfolg,  erreichen genauer gesagt genau das Entgegengesetzte ihres Ziels, weshalb ich immer wieder nur dazu raten kann, Foren nicht zuallererst und ausschließlich als billige Marketingplattformen anzusehen.

Immer wieder muss ich jedoch beobachten, dass geradezu zu dieser Strategie aufgerufen wird. Zum Beispiel von PoD-Dienstleistern, die schließlich ihren Autoren irgendwelche „ausgesprochen erfolgreichen“ Selbstvermarktungsmöglichkeiten empfehlen müssen, um nicht klar zuzugeben, dass eben gerade das Marketing der Schwachpunkt ihres Konzepts ist.

So erhielt ich gerade gestern eine Rundmail eines solchen Dienstleisters mit dem viel sagenden Betreff: „Buchvermarktung: Internet-Foren“. Darin heißt es:

Auf der einen Seite gibt es einige Foren speziell für Autoren, in denen das Thema Schreiben und Veröffentlichen von Büchern im Mittelpunkt steht. Dort ist die ausführliche Vorstellung des eigenen Buches selbstverständlicher Bestandteil der Diskussion. Aber auch in den vielen themenbezogenen Foren wird Ihre Teilnahme, die Sie als Buchautor darstellt, willkommen sein. Sie erweisen sich so als interessanter und kenntnisreicher Ansprechpartner. Es ist daher angemessen und sinnvoll bei der Neuanmeldung bzw. Vorstellung in einem Forum die eigene Autorentätigkeit und die bisherigen Veröffentlichungen zu erwähnen.

Glücklicherweise folgt noch der dezente Hinweis:

Die Präsentation eines Buches sollte hierbei sicher nicht im Vordergrund stehen, ein dezenter Hinweis bietet jedoch häufig Gelegenheit zur Diskussion mit den anderen Mitgliedern des Forums.

Da kann man nur hoffen, dass sich die Adressaten vor allem diese Zurückhaltung hinter die Ohren schreiben. Schließlich sollte man von einem guten Forum erwarten, dass es weit mehr ist als eine reine Werbeplattform, zumal zumindest ich sowieso weder das Geld noch die Zeit hätte, all die vielversprechenden Werke Hunderter und Tausender von Mitgliedern zu erwerben.

Augenzwinkernder Bestsellerwunsch

Es wird wirklich Zeit, dass ich einen Bestseller schreibe. Nicht so sehr, weil ich selbst nicht auch mit weniger erfolgreichen Büchern glücklich sein könnte, sondern weil man sich dann nicht mehr ständig rechtfertigen muss.

Gib zurück, das ist meine!

Zuerst ist die Idee. Eine eigene natürlich! Und die will gut behütet sein. Das wissen junge Schriftsteller schon, bevor sie den ersten Buchstaben ihres späteren Bestsellers zu Papier gebracht haben. Denn der Ideenklau ist allgegenwärtig! Also muss man zunächst einmal in einem Forum fragen, wie man seine ureigene Idee am besten schützen soll. Die Antwort kann nur lauten: Indem man einen guten Roman daraus entwickelt.

Dafür gibt es schon rein praktische Gründe, denn die Idee lässt sich sowieso nicht schützen. Da kann der junge Autor tun und lassen, was er will, kann Beweise vorlegen noch und nöcher, kein deutscher Richter wird ihm zusprechen, dass diese Idee nur im gehöre. Selbst wenn er sie bei Tausenden von Notaren als seine eigene hätte beglaubigen lassen.

Auch könnte er die Idee unwissentlich selbst gestohlen haben, wie so viele vor ihm und praktisch alle nach ihm. Denn frische und nigelnagelneue Grundideen für Geschichten sind so rar wie Blauwale in der Ostsee.

Aber vergessen wir das mal und stellen uns Autor I.D. Schutz vor, der fürchten muss, die super Idee, die ihn überraschend beim letzten Kinobesuch angefallen hat und die das Versprechen des Erfolgs gleich mit sich trug, könne ihm ein anderer stehlen. Einer, der daraus schneller ein Buch macht als I.D. selbst. Ein Buch, auf dem eigentlich der Name Schutz stehen müsste und an dem dann jener andere verdient.

Pech gehabt, würde ich sagen. Da lässt man mal im Eifer des Gefechts drei Worte zuviel über die eigene Buchidee fallen und schon stürzt sich die Konkurrenz drauf und schreibt genau dieses Buch. Dieses eine, das man aus dieser einen Idee machen konnte.

Allerdings könnte man auch ein bisschen ins Grübeln kommen, denn warum dauert es denn immer so lange von der Idee zum fertigen Buch? Vielleicht gehört zum Buch weit mehr als nur eine gute Idee? Und möglicherweise muss von dem Autor viel mehr in ein Buch hineinfließen als nur diese Idee, damit es wirklich zu seinem Buch wird.

Ich selbst könnte mit Sicherheit aus einer einzigen meiner Ideen mehrere sehr verschiedene Manuskripte entwickeln (von denen höchstwahrscheinlich nicht alle gleich gut wären). Würde ich die Idee einem Kollegen in die Hand drücken, würde der vermutlich dankend ablehnen, weil er selbst am Ende seines Lebens noch so viele eigene Ideen übrig hätte, dass er sie wie ein Bündel Luftballons verschenken könnte. Doch selbst wenn er meine Idee wollte, würde er daraus sein Manuskript machen, nicht meines. Das könnte er gar nicht. Ebensowenig, wie ich sein Buch schreiben könnte.

Und hätte er meine Idee sogar nötig, würde ich bezweifeln, dass er überhaupt in der Lage wäre, ein gutes Buch daraus zu entwickeln.

Also immer mit der Ruhe. Gute Ideen scheinen nur zu Beginn so überaus wertvoll. Den wahren Wert erhalten sie aber erst, wenn man aus ihnen etwas (ganz Eigenes) entwickelt. Und dazu sollte man weniger schützen und mehr schreiben.

Geschichtenweber machen weiter von sich reden

Heute will ich mal ein bisschen meinen Stolz auf die wunderbaren Geschichtenweber auf euch loslassen. Denn für mich ist es mit Sicherheit eine der erfolgreichsten Autorengruppen der letzten Jahre.

Geschichtenweber

Eigentlich ist es nur ein Forum für Schreiber und Autoren, wie es unzählige im Internet gibt. Und im Unterschied zu Montsegur, dem zweiten großen Autorenforum, in dem ich mich gern aufhalte, ist es von reinen Hobbyschreibern gegründet worden, die bestenfalls ihre ersten Schritte im Kleinverlagsbereich hinter sich gebracht hatten und damit auch noch mächtig auf die Nase gefallen sind. Denn sie hatten sich kennengelernt im Forum des INTRAG-Verlags, der zwar erfreulicherweise kein DKZV war, aber auf andere Art und Weise für einen kleinen Skandal sorgte (Interessenten mögen googeln).

Einige der Enttäuschten beschlossen mit Hilfe der Lektorin Cassidy Rees ein eigenes Forum zu gründen (Genaueres hier), ursprünglich vor allem, um eine Plattform zu haben, auf der sie sich über die traurigen Erfahrungen austauschen, aber auch selbst etwas auf die Beine stellen konnten.

Im August ist das sechs Jahre her und das Forum wie auch die Edition sind erstaunlich schnell und erstaunlich erfolgreich gewachsen. Aktuell zählt das Forum 662 Mitglieder, die natürlich nicht alle gleichermaßen aktiv sind. Unter ihnen sind vor allem Autoren, vom blutigen Anfänger bis hin zu jenen, die fleißig publizieren. Aber auch Journalisten, Illustratoren, Verleger und Lektoren finden sich in ihren Reihen.

In dem umfangreichen Forum tauschen sich die Mitglieder über Literatur, Handwerk, ihre Texte und Verlage aus. Oder sie schmökern einfach ein bisschen im „Café“. Der zentrale Bereich des Forums widmet sich aber eigenen Buchprojekten, denn die Geschichtenweber haben mit der Edition Geschichtenweber über die Jahre praktisch eine eigene Marke etabliert, mit der sie Buchideen in Eigenregie vorbereiten und auf den Markt bringen. Erstaunliche dreizehn Bücher sind so seit dem Bestehen der Geschichtenweber unter ihrem Label bei unterschiedlichen Verlagen erschienen. Und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Als wäre das nicht bewundernswert genug, entwickeln sich, sicherlich nicht zuletzt durch die Projektarbeit, die Mitglieder des Forums auch in ihren persönlichen Autorenkarrieren mit teilweise wirklich großen Schritten. So gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen des Forums der Teil, in dem die Geschichtenweber ihre individuellen Veröffentlichungen posten können.

Geheimnisvolle GeschichtenKaum eine Anthologie erscheint mehr, ohne dass mindestens ein Geschichtenweber seinen Beitrag dazu geleistet hat. So ist jüngst Geschichtenweber Michael Buttler mit der Geschichte „Déjà-vu“ in Erik Schreibers Anthologie „Geheimnisvolle Geschichten 1“ eingezogen, in der auch Bestsellerautor Markus Heitz vertreten ist. Eine Rezension zu der Antho gibt es übrigens bereits auf Feenfeuer.

Und auch Einzelpublikationen sind bei den Geschichtenwebern keine Seltenheit mehr. Ganz im Gegenteil! Sei es im Kleinverlagsbereich (ich berichtete gerade erst über „Einhornblut“ von Nathalie Gnann) oder bei den großen Publikumsverlagen. So durfte ich zum Beispiel letzten Mittwoch das Romandebüt von Christiane Lind vorstellen, die mit dem Historischen Roman „Die Geliebte des Sarazenen“ am 1. Juni bei Rowohlt erscheint.

Der AugenschneiderUnd gespannt erwarten die Geschichtenweber den Erscheinungstermin (12. Juli 2010) des Psychothrillers „Der Augenschneider“ , mit dem Berta Berger unter dem Pseudonym Valentina Berger bei Piper debütiert. Noch gespannter, seit die österreichiche Autorin auf ihrer Homepage eine erste und sehr fesselnde Leseprobe online gestellt hat.

Ob kleiner oder großer Verlag, ob Fantasy, Thriller oder Liebesroman, immer mehr der Geschichtenweber dürfen sich zu den Autoren mit eigenständigen Publikationen rechnen. Manche kommen ihrem Traum, die Schriftstellerei zum Beruf zu machen, immer näher, andere haben den Schritt in die Freiberuflichkeit längst vollzogen.

Dennoch bleibt vielen die Zeit, sich weiterhin an den Projekten der Edition zu beteiligen, an der Seite von immer neuem Zuwachs an Autoren und solchen, die es werden wollen. So bleibt auch die Edition erfolgreich und macht weiter von sich reden.

Und das teilweise schon im Vorfeld neuer Publikationen. So wie die heiß ersehnte Steampunk-Anthologie, „Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2“ , die im Juli dieses Jahres erscheinen soll und an der auch ich mit einer Geschichte beteiligt bin.

Schon seit einiger Zeit veröffentlicht die Steampunkwebsite Clockworker Interviews mit den Autoren der Anthologie (zuletzt mit Chrissi Schlicht). Nun wird Herausgeber Stefan Cernohuby am 6. Juni 2010, von 22.05 bis 23 .00 Uhr,  dem Radiosender Bayern 2 in der Sendung „Zündfunk Generator“ zum kommenden Buch Rede und Antwort stehen. Das Interview könnt ihr euch dann auch auf der Homepage des Senders im Live-Stream anhören.

Bei den Geschichtenwebern macht es einfach Spaß, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich gleichermaßen über Erfolge der einzelnen Mitglieder wie über die der Edition freuen kann. Einer Gemeinschaft, die von einer Handvoll Schreiberlinge gegründet wurde, deren Schreibereien bei einem Lektor damals oft noch kaum mehr als ein Kopfschütteln erzeugen konnten.

Immer diese Debütanten

Da habe ich gerade erst in einem Forum gegen die gefestigte Meinung anzureden versucht, deutsche Verlage würden praktisch keine deutschen Autoren debütieren lassen, weil sie lieber billig Auslandslizenzen einkaufen würden (die heutzutage im Vergleich gar nicht unbedingt die günstigere Alternative für den Verlag darstellen müssen), schon darf ich auf meinem Blog die nächste deutsche Nachwuchsautorin vorstellen, die den Schritt in die Verlagswelt geschafft hat.

Geschichtenweberin Christiane Lind debütiert am 1. Juni mit ihrem Historischen Roman „Die Geliebte des Sarazenen“ beim Rowohlt Verlag.

Auf der Verlagsseite heißt es zu dem Buch:

Wagnisse der Liebe – eine Frau zwischen Orient und Okzident.

Braunschweig zur Zeit der Kreuzzüge: Die junge Leonore von Calven begibt sich auf Wallfahrt nach Jerusalem. Was niemand weiß: Leonore trägt ihr Pilgergewand nur zum Schein. Der wahre Grund ihrer Reise muss verborgen bleiben.
Viele Gefahren lauern auf dem Weg in die Heilige Stadt. Doch die junge Frau findet hilfsbereite Gefährten – und sie ist nicht die Einzige, die ein Geheimnis hütet …
Als Leonores Leben bedroht wird, rettet sie der Karawanenführer Nadim. Durch ihn taucht sie ein in eine faszinierende fremde Welt. Aber der Friede im Heiligen Land ist zerbrechlich. Und Leonore muss sich der Frage stellen, ob eine Christin einen Sarazenen lieben darf …

Ich gratuliere Christiane auch an dieser Stelle noch einmal zu diesem Erfolg und wünsche ihr viele Leser. Sicher wird sie schon bald keine Debütantin mehr sein, denn die dürfte es ja unter den deutschen Autoren eigentlich ohnehin nicht geben.