Erst mal kurz

Foto: Pixabay
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch
(Foto: © Marko Tomicic)

Bis zum Ende des Monats steht erst einmal eine Kurzgeschichte für die Geschichtenweber an. Darauf freue ich mich schon lange. Vor allem, weil das nach langer Zeit überhaupt erst einmal wieder ein bisschen (fiktionales) Schreiben bedeutet. Anschließend schaffe ich hoffentlich den Übergang zu meinem schon lang vor sich hin vegetierenden Romanprojekt.

 

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Viel Glück bis zum 15.05.11

Achter-Autorenwettbewerb

Siehe auch unter: www.achter-verlag.de/

Erzählungen zum Thema „Glück“ gesucht

Im Rahmen seiner Edition „Acht Geschichten“ plant der Achter Verlag eine Anthologie zum Thema „Glück“. Hierzu schreibt der Verlag einen Autorenwettbewerb aus. Gesucht werden Erzählungen, die sich im weitesten Sinne mit dem Begriff „Glück“ auseinandersetzen.

Folgende Preise werden vergeben:
1. Preis: 500 Euro
2. Preis: 300 Euro
3. Preis: 200 Euro

Die besten acht Erzählungen werden als Buch publiziert.

Die Texte sollen mindestens 16 und höchstens 24 Normseiten (Eine Normseite = 1.800 Zeichen) lang und bisher unveröffentlicht sein. Einsendungen, die kürzer oder länger sind, werden nicht berücksichtigt. Die Titelseite soll Namen, Adresse und E-Mail-Adresse der Autorin/des Autors enthalten. Die Geschichten müssen als Word-Format per E-Mail an den achter-verlag@t-online eingesandt werden.

Es werden keine Eingangsbestätigungen und keine Absagen verschickt. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden benachrichtigt.

Einsendeschluss ist der 15. Mai 2011.

Weitere Informationen:
Achter Verlag
Hauptstraße 12
56729 Acht
E-Mail: achter-verlag@t-online.de

Quelle: Uschtrin

Mordlust hat auch Spaß am Bloggen

SEK Mordlust, so heißt seit 2008 eine Unterabteilung der Geschichtenweber, die sich um die Krimisparte der Edition kümmert. Mit „Mord in jeder Beziehung“ legten sie ihre erste Sammlung vor, in der auch ein Beitrag von meiner Wenigkeit abgedruckt ist.

Nun steht der zweite Band unter dem Titel „Killer, Köter und Kleinstadtpaten“ in den Startlöchern. Und um stets über diese und weitere Aktivitäten informiert zu sein, könnt ihr das neue Weblog der SEK besuchen. Man darf gespannt sein, was sich die SEK, ihr Pate (Ernst Wurdack) und die Blog-Autoren für euch einfallen lassen. Auf das neue Buch sowieso.

Geschichtenweber machen weiter von sich reden

Heute will ich mal ein bisschen meinen Stolz auf die wunderbaren Geschichtenweber auf euch loslassen. Denn für mich ist es mit Sicherheit eine der erfolgreichsten Autorengruppen der letzten Jahre.

Geschichtenweber

Eigentlich ist es nur ein Forum für Schreiber und Autoren, wie es unzählige im Internet gibt. Und im Unterschied zu Montsegur, dem zweiten großen Autorenforum, in dem ich mich gern aufhalte, ist es von reinen Hobbyschreibern gegründet worden, die bestenfalls ihre ersten Schritte im Kleinverlagsbereich hinter sich gebracht hatten und damit auch noch mächtig auf die Nase gefallen sind. Denn sie hatten sich kennengelernt im Forum des INTRAG-Verlags, der zwar erfreulicherweise kein DKZV war, aber auf andere Art und Weise für einen kleinen Skandal sorgte (Interessenten mögen googeln).

Einige der Enttäuschten beschlossen mit Hilfe der Lektorin Cassidy Rees ein eigenes Forum zu gründen (Genaueres hier), ursprünglich vor allem, um eine Plattform zu haben, auf der sie sich über die traurigen Erfahrungen austauschen, aber auch selbst etwas auf die Beine stellen konnten.

Im August ist das sechs Jahre her und das Forum wie auch die Edition sind erstaunlich schnell und erstaunlich erfolgreich gewachsen. Aktuell zählt das Forum 662 Mitglieder, die natürlich nicht alle gleichermaßen aktiv sind. Unter ihnen sind vor allem Autoren, vom blutigen Anfänger bis hin zu jenen, die fleißig publizieren. Aber auch Journalisten, Illustratoren, Verleger und Lektoren finden sich in ihren Reihen.

In dem umfangreichen Forum tauschen sich die Mitglieder über Literatur, Handwerk, ihre Texte und Verlage aus. Oder sie schmökern einfach ein bisschen im „Café“. Der zentrale Bereich des Forums widmet sich aber eigenen Buchprojekten, denn die Geschichtenweber haben mit der Edition Geschichtenweber über die Jahre praktisch eine eigene Marke etabliert, mit der sie Buchideen in Eigenregie vorbereiten und auf den Markt bringen. Erstaunliche dreizehn Bücher sind so seit dem Bestehen der Geschichtenweber unter ihrem Label bei unterschiedlichen Verlagen erschienen. Und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Als wäre das nicht bewundernswert genug, entwickeln sich, sicherlich nicht zuletzt durch die Projektarbeit, die Mitglieder des Forums auch in ihren persönlichen Autorenkarrieren mit teilweise wirklich großen Schritten. So gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen des Forums der Teil, in dem die Geschichtenweber ihre individuellen Veröffentlichungen posten können.

Geheimnisvolle GeschichtenKaum eine Anthologie erscheint mehr, ohne dass mindestens ein Geschichtenweber seinen Beitrag dazu geleistet hat. So ist jüngst Geschichtenweber Michael Buttler mit der Geschichte „Déjà-vu“ in Erik Schreibers Anthologie „Geheimnisvolle Geschichten 1“ eingezogen, in der auch Bestsellerautor Markus Heitz vertreten ist. Eine Rezension zu der Antho gibt es übrigens bereits auf Feenfeuer.

Und auch Einzelpublikationen sind bei den Geschichtenwebern keine Seltenheit mehr. Ganz im Gegenteil! Sei es im Kleinverlagsbereich (ich berichtete gerade erst über „Einhornblut“ von Nathalie Gnann) oder bei den großen Publikumsverlagen. So durfte ich zum Beispiel letzten Mittwoch das Romandebüt von Christiane Lind vorstellen, die mit dem Historischen Roman „Die Geliebte des Sarazenen“ am 1. Juni bei Rowohlt erscheint.

Der AugenschneiderUnd gespannt erwarten die Geschichtenweber den Erscheinungstermin (12. Juli 2010) des Psychothrillers „Der Augenschneider“ , mit dem Berta Berger unter dem Pseudonym Valentina Berger bei Piper debütiert. Noch gespannter, seit die österreichiche Autorin auf ihrer Homepage eine erste und sehr fesselnde Leseprobe online gestellt hat.

Ob kleiner oder großer Verlag, ob Fantasy, Thriller oder Liebesroman, immer mehr der Geschichtenweber dürfen sich zu den Autoren mit eigenständigen Publikationen rechnen. Manche kommen ihrem Traum, die Schriftstellerei zum Beruf zu machen, immer näher, andere haben den Schritt in die Freiberuflichkeit längst vollzogen.

Dennoch bleibt vielen die Zeit, sich weiterhin an den Projekten der Edition zu beteiligen, an der Seite von immer neuem Zuwachs an Autoren und solchen, die es werden wollen. So bleibt auch die Edition erfolgreich und macht weiter von sich reden.

Und das teilweise schon im Vorfeld neuer Publikationen. So wie die heiß ersehnte Steampunk-Anthologie, „Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2“ , die im Juli dieses Jahres erscheinen soll und an der auch ich mit einer Geschichte beteiligt bin.

Schon seit einiger Zeit veröffentlicht die Steampunkwebsite Clockworker Interviews mit den Autoren der Anthologie (zuletzt mit Chrissi Schlicht). Nun wird Herausgeber Stefan Cernohuby am 6. Juni 2010, von 22.05 bis 23 .00 Uhr,  dem Radiosender Bayern 2 in der Sendung „Zündfunk Generator“ zum kommenden Buch Rede und Antwort stehen. Das Interview könnt ihr euch dann auch auf der Homepage des Senders im Live-Stream anhören.

Bei den Geschichtenwebern macht es einfach Spaß, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich gleichermaßen über Erfolge der einzelnen Mitglieder wie über die der Edition freuen kann. Einer Gemeinschaft, die von einer Handvoll Schreiberlinge gegründet wurde, deren Schreibereien bei einem Lektor damals oft noch kaum mehr als ein Kopfschütteln erzeugen konnten.

Käuze am Küstrinchen

Eine Leseprobe aus meiner Gerschichte “Käuze am Küstrinchen”, die in der Geschichtenweber-Anthologie “Schatten des Jenseits” im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Es spricht nicht viel dafür, dass zwei Paddler sich richtig entschieden haben, als sie sich vornehmen, den Küstriner Bach des Nachts zu befahren. Bald schon sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. Doch das ist bei Weitem nicht das Schlimmste.

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„Es muss bewölkt sein“, sagte mein Begleiter.
„Oder der Mond hat sich heute Zeit gelassen, über die Baumkronen zu klettern“, antwortete ich.
„Kannst du herausfinden, wie spät es ist? Mein Feuerzeug ist nass geworden. Ich kann die Uhr immer noch nicht erkennen.“
„Klar“, antwortete ich, fingerte mein Feuerzeug aus der Tasche und schaute auf meine Uhr. „Gleich Mitternacht.“
„Kuuuuuhhhwiiiit!“
Mir fuhr der Schreck in die Glieder.
„Kuuuuuhhhwiiiit!“
Jetzt wollte ich es einfach so schnell wie möglich hinter mich bringen. Ich zog mich bis auf die Badehose aus, schaffte es dabei mit ein wenig Geschick, dass die Jeans wenigstens teilweise trocken blieb, und tastete mich wieder bis zum Wehr vor. Das Wasser dahinter war noch immer dunkel, vom Grund nichts zu sehen. In dem Rauschen glaubte ich, ein glucksendes Geräusch zu hören, das mir vorher nicht aufgefallen war. Ich stockte einen Moment und lauschte.
Nichts.
Ich drehte mich vorsichtig um, suchte mit den Händen Halt an der Wehrkante, stemmte mich ein wenig hoch und ließ mich langsam herunter. Meine Füße tauchten ins Wasser ein, die Unterschenkel, die Knie, die Oberschenkel – kein Grund.
Etwas streifte mich am Bein. Mit einem Aufschrei stemmte ich mich wieder hoch, zog die Beine aus dem Wasser.
„Was ist?“, fragte Thomas. Seine Stimme klang besorgt.
„Da ist irgendwas!“
„Was?“
„Ich weiß es doch auch nicht!“, brüllte ich meinen Schreck heraus. Es mochte ein Fisch gewesen sein, eine Wasserpflanze – oder eben ein Untier. Ich musste an die Hand denken. War sie nicht kalt, feucht und glitschig gewesen?
„Kuuuuuhhhwiiiit!“
Der Kauz, von dem ich mir jetzt sicher war, dass er keiner war, wollte mir den Verstand rauben.
„Willst du da jetzt hängen bleiben?“
Thomas hatte gut reden. Er stand auf der sicheren Seite. Doch waren wir hier überhaupt irgendwo in Sicherheit? Ich zitterte am ganzen Körper. Das Zittern in meinen Armen ließ sich aber wenigstens teilweise auf meine schwindenden Kraftreserven zurückführen. Lange könnte ich mich nicht mehr an der Wehrkante halten. Also, entweder zurück oder …
„Ich versuch’s nochmal.“
Egal was da unten war, wenn es mich haben wollte, würde es mich vermutlich sowieso bekommen. Wieder tauchten meine Füße ein. Unterschenkel, Knie, Ober… Meine Füße fanden Halt. Sie setzten einfach auf dem Grund auf. Wie konnte das sein? Eben noch war in dieser Höhe nichts gewesen. Ich versuchte mit meinen Füßen nach links und rechts zu tasten, aber der Boden, auf dem sie standen, ließ es nicht zu. Er bewegte sich mit, krallte sich fest. Er fühlte sich kalt an, tot, fleischig, so wie …
„Kuuuuuhhhwiiiit!“
… Handflächen.
„Was ist das hier bloß für eine Scheiße?“ Meine Stimme überschlug sich. Ich begann wild zu strampeln, kam frei, wurde an der Wade gepackt, stemmte mich nach oben. Es zerrte an meinem Bein! Ich spürte seine Umklammerung. Seinen Atem im Nacken.
„Kuuuuuhhhwiiiit!“
Ich hörte ein Rauschen von allen Seiten, als näherten sich gierige Schwimmer, die ihr Opfer in der Falle wussten. Ich trat um mich, traf etwas, meine Arme knickten ein, das Kinn prallte auf die Wehrkante und ich spürte augenblicklich eine schmerzliche Wärme im Mund. Dann ein lautes Platschen, bevor mein Kopf unter Wasser tauchte. Erneut wurde nach mir gegriffen, etwas versuchte mich zu packen. Ich bäumte mich ein letztes Mal auf. Doch es hatte mich, drehte mich zu sich um.

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Maike Schneider (Hrsg.)
Edition Geschichtenweber: Schatten des Jenseits
Paperback, 180 Seiten
Web-Site-Verlag, 2005
ISBN: 3-935982-06-2

Klappentext:

„Geschichten, wie aus dem Leben gegriffen. Situationen, die jeder von uns erlebt: Eine Einladung zu einem Fest, man hat ein neues Tattoo, ist Nachts auf der Landstraße unterwegs oder geht mit einem Freund aus. Plötzlich ist alles anders – die Grenzen zwischen dem Hier und dem Drüben verschieben sich …“

13 mal Gruselschauer von 13 Autoren der „Edition Geschichtenweber“.

Bernhard Weissbecker: Ein Opfer für die Geister
Birgit Käker: Drei aus der Hand
Dorothea Rake: Erinnerung
Gerti Platzer: Das letzte Tattoo
Jochen Brockmann: Das alte Gasthaus
Jörg Olbrich: Gefährliche Träume
Jürgen K. Brandner: Das Grab der Alten
Maike Schneider: Charlys Nacht
Marion Charlotte Mainka: Das Haus in den Marschen
Martin Skerhut: Mein Vater
Manuela P. Forst: Isabella
Philipp Bobrowski: Käuze am Küstrinchen
Timo Bader: Die Rache der Kellergeister

Weitere Informationen, Leseproben und Rezensionen bei den Geschichtenwebern.
Bestellen beim Verlag
Bestellen bei Amazon

Bernhard Weissbecker Ein Opfer für die Geister
Birgit Käker Drei aus der Hand
Dorothea Rake Erinnerung
Gerti Platzer Das letzte Tattoo
Jochen Brockmann Das alte Gasthaus
Jörg Olbrich Gefährliche Träume
Jürgen K. Brandner Das Grab der Alten
Maike Schneider Charlys Nacht
Marion Charlotte Mainka Das Haus in den Marschen
Martin Skerhut Mein Vater
Manuela P. Forst Isabella
Philipp Bobrowski Käuze am Küstrinchen
Timo Bader Die Rache der Kellergeister

Acht mal Zeit zum 31.05.10

Achter-Autorenwettbewerb

Originalausschreibung: www.achter-verlag.de/

Erzählungen zum Thema „Zeit“ gesucht

Im Rahmen seiner Edition „Acht Geschichten“ plant der Achter Verlag eine Anthologie zum Thema „Zeit“. Hierzu schreibt der Verlag einen Autorenwettbewerb aus. Gesucht werden Erzählungen, die sich im weitesten Sinne mit dem Begriff „Zeit“ auseinandersetzen.

Folgende Preise werden vergeben:

1. Preis: 500 Euro
2. Preis: 300 Euro
3. Preis: 200 Euro

Die besten acht Erzählungen werden als Buch publiziert.

Die Texte sollen mindestens 16 und höchstens 24 Normseiten (1 Normseite =1.800 Zeichen) lang und bisher unveröffentlicht sein. Sie sollen als Word-Format per E-Mail an den achter-verlag@t-online.de eingesandt werden.

Einsendeschluss ist der 31. Mai 2010.

Weitere Informationen:

Achter Verlag
Hauptstraße 12
56729 Acht
Tel.: 0151-50447239
E-Mail: achter-verlag@t-online.de
www.achter-verlag.de

Der Feuerstern

Eine Leseprobe aus meiner Gerschichte „Der Feuerstern“, die in der Geschichtenweber-Anthologie „Wildes Land“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Thoron möchte gern ein Held werden, um seine Doriel zu beeindrucken, ein Held wie Eodor, der Sohn des Fürsten. Und schneller, als er denkt, bekommt er die Gelegenheit dazu. Denn auf einem gemeinsamen Ausritt wird Doriel entführt. Nun begiebt sich der Möchtegern allein auf die Suche, die durch tückische Wälder und Sümpfe führt.

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Weit war er nicht gekommen. Er quälte sich bestimmt schon seit einer halben Stunde durch diesen Urwald, ohne wirklich voranzukommen. Nichts deutete auf einen Weg hin und die Füße sanken tief in den Morast. Die Gegend wirkte bedrohlich. Vielleicht entsprachen die Gerüchte über das Westufer des Rim ja doch der Wahrheit.

Er fühlte sich beobachtet. War da nicht ein Rascheln? Hörte er nicht Schritte hinter sich? Sah er dort nicht eine Gestalt hinter dem Gebüsch? Es wurde erstaunlich schnell dunkel, denn die Bäume waren hoch und das Licht der untergehenden Sonne erreichte den Waldboden kaum noch. Es war nicht mehr möglich, einen Weg zwischen Stämmen und Unterholz zu finden, geschweige denn, die Spuren weiterzuverfolgen, die nun erneut flussabwärts führten. Und wieder stand er vor einem der zahlreichen Bäche, die den Rim speisten. Hoffentlich kamen die Entführer auch nicht schneller voran.

Thoron war müde. Müde und hungrig. Und er fror. Getrockneter und nasser Schlamm verkrustete in dicken Schichten seine Stiefel und Unterschenkel. Aber nur gegen die Müdigkeit konnte er etwas unternehmen. Tastend suchte er sich eine dicke Baumwurzel, auf der er – halbwegs vor dem Morast geschützt – die Nacht verbringen wollte.

Trotzdem konnte er zunächst nicht einschlafen. Die Aufregungen des Tages hielten ihn wach. Und er hörte Geräusche: klagende Rufe und spitze Schreie, die er keinem ihm bekannten Tier oder anderen Wesen zuordnen konnte. Sicher hatte selbst Eodor bei seinen Taten nie solche Qualen durchleben müssen. Nein, der ging los und stach seinen Feinden das Schwert in die Brust. Oder er erlegte damit Drachen und befreite holde Jungfrauen. Was allerdings ihm hier zugemutet wurde …

Nun dachte er an seine Dor. Wieder sah er sie mit dem Feuerstern im Haar. Was würde er darum geben, sie schon jetzt wohlbehalten bei sich zu wissen?

Er zog die Beine an und kauerte sich dichter an den Stamm, an dem er lehnte. Dann holte er sein Schwert aus der Scheide und legte es griffbereit über seine Knie. Er versuchte sich auf die Entführer zu konzentrieren, wie immer sie auch aussahen, stellte sich vor, wie er unter ihnen wüten würde, um endlich Doriel wieder in seinen Armen zu halten, ihrer bewundernden Blicke und der Dankbarkeit ihres Vaters gewiss. Mit diesen Gedanken sank er schließlich in einen unruhigen Schlaf.

Er sah Doriel vor sich. Sie stand nicht weit von ihm entfernt. Thoron ließ den Wald hinter sich und lief auf sie zu. Der weiche Boden versuchte ihn aufzuhalten, gab mehr und mehr nach. Immer tiefer versanken die Füße, immer schwerer wurde es, sie aus dem Sumpf zu befreien. Jetzt steckte sein linkes Bein bis zur Hüfte im Morast. Thoron verlagerte sein Gewicht, stützte sich auf das andere Bein, doch auch hier gab der Boden nach. Schon spürte er die Feuchtigkeit sein Hemd aufweichen, der modrige Geruch kroch ihm in die Nase. Er rief Doriel um Hilfe an, aber er bekam nur Gelächter zur Antwort.

Denn es war nicht sein geliebtes Mädchen, das dort stand. Gelbe verfaulte Zähne steckten vereinzelt in einem breit grinsenden Mund ohne Lippen. Eine schiefe, verbeulte Nase bildete – einer knorrigen Wurzel gleich – nur annähernd die Mitte des vernarbten, ledrigen Gesichts. Zwei kleine, schmale Augen versteckten sich hinter den vollen Wangen und den buschigen Brauen, um sich dort über seine verzweifelte Lage zu belustigen. Dünne graubraune Haarsträhnen flüchteten aus dem viel zu großen Kopf, der auf einem schmächtigen, gekrümmten Körper mit kurzen Beinen saß, dessen hervorstechendstes Merkmal ein mächtiger Buckel war.

Thoron erschrak beim Anblick dieses merkwürdigen Wesens, und unter dessen höhnischem Gelächter versuchte er sich freizukämpfen. Doch da war noch etwas anderes. Er sah ein riesiges Maul auf sich zukommen und …

Er erwachte schreiend und sprang auf die Füße. Gerade rechtzeitig, bevor das Maul zuschnappen konnte. Im ersten Dämmerlicht des neuen Tages erblickte er die furchtbare Bestie, die sich in seinen Traum geschlichen hatte. Sie kroch langsam auf ihn zu und er musste rückwärts ausweichen. Der lang gestreckte Körper – Thoron schätzte ihn auf mindestens fünfzehn Fuß – war bis zur Schwanzspitze mit dicken Panzerplatten bedeckt und endete auf der ihm zugewandten Seite in diesem riesigen Maul, das mit unzähligen dolchartigen Zähnen bewaffnet war. Jetzt schob der Drache seinen mächtigen Leib über Thorons Klinge, die bei seinem Aufspringen im Schlamm gelandet war.

Wie oft hatte er davon geträumt, eines Tages einen Drachen zu töten und als Held in Doriels Arme heimzukehren oder seine Geliebte gar aus den Klauen einer solchen Bestie zu befreien. Aber die Wirklichkeit übertraf seine Vorstellungen bei weitem. Sicher, die Untiere seiner Träume waren viel größer gewesen. Schreckliche Gegner, aus deren Mäulern feuriger Atem und donnerndes Brüllen gekommen war. Doch obwohl das Tier, dem er sich jetzt gegenüber sah, keinen Ton von sich gab und keinerlei Anstalten machte, ihn mit brennendem Odem zu überziehen, war er sich sicher, seinem Ende entgegenzusehen. Die kalte Ruhe, mit der sich das Biest auf ihn zu bewegte, brachte eine tödliche Gewissheit mit sich.

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Wildes LandTimo Bader und Jürgen K. Brandner (Hrsg.)
Edition Geschichtenweber: Wildes Land

Paperback, 240 Seiten
Web-Site-Verlag, 2005

Klappentext:

Ein Krieger aus vergessenen Tagen zieht aus, um sich in den Wäldern seiner größten Herausforderung zu stellen … Auf Rügen droht ein Mädchen in einem Sumpfloch zu versinken, als ein Troll zu ihrer Rettung eilt … Eine Elfin muss in den Bergen eine schwere Prüfung bestehen und wagt sich in die Höhle des Drachen … Beim Meditieren auf einer Lichtung im Wald wird ein junger Mann von Nachtelfen in ihr dunkles Reich entführt … In einer Höhle im Sumpf lebt eine verstörte Frau, bis eines Tages ihr ein Spaziergänger begegnet …

Sümpfe, Höhlen, dunkle Wälder – an diesen drei geheimnisvollen Orten spielen die Geschichten der 14 Autorinnen und Autoren der Edition Geschichtenweber. Die Anthologie bietet eine bunte Vielfalt an verschiedenen Genres der Phantastik: von Fantasy bis Dark Fantasy, leichtem Grusel bis Horror, schillernde Geschichten der High- und Epic-Fantasy, düstere Thriller- und Mystery-Tales, romantischen Liebes-Geschichten bis hin zu knisternden Erotik-Storys – und vieles, vieles mehr!

Um die mystischen und märchenhaften Schauplätze der Geschichten auch noch für unsere Nachkommen zu erhalten, spenden die Autoren und Künstler aus dem Erlös der Anthologie 2 EURO pro verkauftem Exemplar an den World Wide Fund For Nature (WWF). Der Schutz der letzten natürlichen Wälder ist eines der Hauptanliegen des WWF.

J.R. Kron: Der Wolf und der Geist
Irmgard Fliedner-Grandke: Albenkind
Jörg Olbrich: Ein Troll auf Rügen
Maike Schneider: Eine Herzenssache
Jürgen K. Brandner: Moordämonennacht
Mandy Schmidt: Das Lied der Weberin
Christine R. Förster: Die Prüfung
Martin Skerhut: Entführt in eine fremde Welt
Timo Bader: Der Fall der Jane J.
Sabrina Eberl: Das Geheimnis der Höhle
Philipp Bobrowski: Der Feuerstern
Nina Horvath: Das Ding in der Höhle
Birgit Käker: Jäger in der Dämmerung
Marion Charlotte Mainka: Das grüne Leuchten

Weitere Informationen, Leseproben und Rezensionen bei den Geschichtenwebern.
Bestellen beim Verlag
Bestellen bei Amazon

Konrad Reich: Autor, Verleger, Mentor

Wie heute bekannt wurde, ist gestern Konrad Reich mit 81 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Der Verleger, Herausgeber, Buchhändler und Autor, der sich ganz der Literatur verschrieben hatte, der auch mein Mentor war und in dessen Edition mein Debütroman, „Das Lächeln der Kriegerin“ , erschienen ist, hinterlässt eine große Lücke im Literaturbetrieb.

An dieser Stelle möchte ich ihm für alles danken, was er für mich getan hat. Mein herzliches Beileid gilt seiner Frau, Gefährtin und Freundin Lydia Reich.

Besonders möchte ich meinen Bloglesern diesen schönen Artikel aus der heutigen Ausgabe der Ostsee-Zeitung ans Herz legen, der unter dem Titel „Besonnener Verleger mit Haltung und Herzensbildung“ erschienen ist (zum Vergrößern, das Vorschaubild anklicken):

Konrad Reich gestorben

OZ Online

NDR Online

Ostseeblick Nienhagen

Wikipedia

Geschichten gewebte Verwirrung?

GW-LogoIch berichte ja auf meinem Blog immer mal wieder von Autoren, Büchern und Aktionen der Geschichtenweber. Wer sich vielleicht noch immer fragt, was das denn für seltsame Gestalten sein mögen, die sich da Geschichtenweber nennen, was die eigtentlich tun und ob man da vielleicht mitmachen kann, dem möchte ich an dieser Stelle einfach nochmal die Webseite der Edition empfehlen: Hier geht es lang.

Und wer einfach auf den Geschmack gekommen ist und mal eine Übersicht bekommen will, was eben diese Geschichtenweber so alles publiziert haben, der schaue doch einfach hier nach.

Geschichtenweber im Spukhaus

Spukhaus zu verkaufen
Spukhaus zu verkaufen

Die nächste Anthologie der Geschichtenweber steht in den Startlöchern. „Spukhaus zu verkaufen“ wird von zwei Damen herausgegeben: Tatjana Stöckler und Simone Edelberg. Es erscheint im Wortkuss-Verlag.

Auf der Verlags-HP heißt es:

Spukhaus zu verkaufen

Wer glaubt schon an Geister? Immer wieder werden Häuser als verwunschen bezeichnet. Das schreckt potenzielle Käufer ab und drückt leider die Immobilienpreise. Christobal J. Satànchia, ein zwielichtiger Immobilienmakler mit Filialen weltweit, hat da ein besonderes Rezept. Er verkauft jedes Haus, vorzugsweise eine Spukvilla.

Lesen Sie in dreizehn miteinander verwobenen Kurzgeschichten, was den geköderten Käufern in ihrem neuen Heim passiert. Vom Horror-Urlaub bis zur steilen Karriere als Geister-Manager – alles kann geschehen. Mit einem guten Schuss Humor haben die Autoren der »Edition Geschichtenweber« diese Erlebnisse in Herrn Satànchias Reisen von einem Objekt zum nächsten eingebettet. Freuen Sie sich auf den Umzug!

Buch-Info:
Autoren: Diverse
Herausgeber: Tatjana Stöckler, Simone Edelberg
ISBN-13: 978-3-942026017