Elektrisiert

Cover: Das Lächeln der Kriegerin

Cover: Das Lächeln der KriegerinZwar schon nicht mehr ganz frisch, aber natürlich gehört diese Information auf mein Blog:

Meinen Roman „Das Lächeln der Kriegerin“, lange Zeit nur als Hardcover erhältlich, gibt es nun endlich auch als E-Book, womit die Geschichte um die naive Lothiel, die nicht ganz freiwillig zur gefürchteten Kriegerin wird, deutlich erschwinglicher zu haben ist. Würde mich freuen, wenn mein Debütroman auf diese Weise ein kleines Comeback erlebt.

Hier noch mal der Verlagstext:

In seinem Fantasy-Roman „Das Lächeln der Kriegerin“ erzählt Phillip Bobrowski die spannende Geschichte des Mädchens Lothiel, das in einer Welt der Mythen und Sagen, in der Übernatürliches, Märchenhaftes und Magisches zu Hause sind, aufwächst, zur Kriegerin wird und mit ihrem selbst bestimmten Handeln dazu beiträgt, die von negativen Kräften bedrohte Welt zu retten. Lothiel ist ein neugieriges, staunendes Mädchen, schutzlos und immer gefährdet in schwierigen Zeiten. Dem Vater will sie beweisen, was in ihr steckt, dass sie ebenso stark sein kann, wie ein kraftvoller Sohn es wäre. Noch ohne Lebenserfahrung missachtet sie den Willen ihres Vaters – dann auch den der Königin. In einer unverbraucht sinnlichen und bildhaften Sprache erleben wir eine junge Frau, die so viele Facetten hat wie das Leben selbst: Sie ist tapfer. Und voller Zweifel. Sie muss Entscheidungen treffen – und fragt sich oft, ob sie recht entschieden hat. Sie findet Weggefährten und Berater – und geht dennoch immer ihren eigenen Weg. Und bald erzählt man sich an allen Lagerfeuern von diesem mutigen Mädchen.

Unter anderem hier gibt es das E-Book:

Amazon
Bol.de
Bücher.de
Hugendubel
Thalia

Gestank

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch
(Foto: © Marko Tomicic)

Ich bastele gerade an einer kleinen Geschichte, in der es zu Beginn mächtig stinkt. Bis zum Abgabetermin Mitte des Monats habe ich noch Zeit, diesen Gestank gegen Ende in etwas sehr Leckeres zu verwandeln, was mir hoffentlich mit einigen Schmunzlern gelingen wird.

Das Schönste: Mit der Geschichte begebe ich mich seit Langem mal wieder nach Laindor, in die Welt aus Das Lächeln der Kriegerin!

Zu Diensten

Autora Auge, Foto: Voronin76
Autora Auge, Foto: Voronin76
© Voronin76

Autora Auge:
Guten Tag, Herr …

Geron:
Geron, Euch zu Diensten.

Autora Auge:
Schön, dass Sie hergefunden haben, Herr Geron. Soweit ich weiß, führen Sie in „Das Lächeln der Kriegerin“ ein Gasthaus.

Geron:
Wenn man es sagt, wird es wohl stimmen.

Autora Auge:
Wenn nun eine Fremde, sagen wir ein junges Mädchen namens Lothiel, in Ihr Haus einkehren und dort die Nacht verbringen würde. Würden Sie sie freundlich behandeln.

Geron:
Sicher. Natürlich. Zu meinen Gästen bin ich immer höflich. Hat sie Geld?

Vatersorge

Autora Auge, Foto: Voronin76
Autora Auge, Foto: Voronin76
© Voronin76

Autora Auge:
Guten Tag, Herr Adar! Schön, dass Sie hergefunden haben. Was mich besonders interessieren würde: Warum haben Sie in „Das Lächeln der Kriegerin“ so lange gezögert, bis Sie ihrer Tochter Lothiel erlaubt haben, die Botschaft aus der Grenzfeste weiterzutragen? Ich meine, Sie waren doch verletzt und Ihre Frau konnte Sie schlecht alleinlassen. War Lothiel da nicht die einzige Alternative?

Adar:
Sicher, Frau Auge, aber Sie müssen auch einen Vater verstehen. Ich liebe meine Tochter und will doch nicht, dass ihr etwas zustößt. Sie ist unser einziges Kind! Und sie kennt die Welt noch nicht, ja, ehrlich gesagt ist sie noch sehr naiv, was natürlich nicht ihre Schuld ist. Gut, wenn sie ein Junge wäre …

Gute Aussicht

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

Ja, ja, die gute Aussicht. Jedenfalls am Beginn eines Jahres ist sie immer ziemlich klar. So auch bei mir:

Abschließen will ich zunächst endlich den Ratgeber, der längst fertig sein sollte. Leider hat mich vor allem das Tägliche-Brötchen-Verdienen und der eine oder andere Umstand mehr arg in Zeitverzug gebracht. Jetzt kann es aber nicht mehr lange dauern.

Im Anschluss freue ich mich sehr darauf, „Die Tränen der Gräfin“ (Arbeitstitel) zu meinem Hauptprojekt zu erklären. Beim Nachfolger der „Kriegerin“ will ich so schnell wie möglich ein aussagekräftiges Exposé und eine spannende Leseprobe erarbeiten, um mich damit bei einer Agentur zu bewerben.

Damit sind die wesentlichen Schreibvorhaben für 2012 bereits umrissen. Es sind außerdem zwei Anthologieprojekte in Planung, an denen ich mit jeweils einem Kurzkrimi beteiligt sein werde.

Ob, wie viele und welche Aufgaben dieses Jahr für den pseudonymen Ben Philipp anstehen, ist dagegen noch gar nicht klar. Noch sehr vage zeichnet sich eine größere Sache am Horizont ab, die ein Gemeinschaftsprojekt mit einer von mir sehr geschätzten Autorin sein könnte. Aber diese Eier sind noch nicht gelegt, allenfalls ist ein Nest gebaut.

Außerdem bin ich sehr gespannt darauf, ob sich der Autorenstammtisch M-V, der am 20. Januar zum ersten Mal stattfindet, dauerhaft durchsetzen wird. Ich hoffe es!

Mörder finden ein Zuhause in Rostock

© Maksim Shmeljov
© Maksim Shmeljov

Endlich ist es soweit: Der Rostocker Hinstorff Verlag („Das Lächeln der Kriegerin“ ) sorgt ab August dafür, dass auch die Leser in Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig in den Genuss regionaler Kriminalromane kommen.

Den Start der Reihe „Ostseekrimi“ macht der Roman „Mörder im Zug“ des Rostocker Autors Frank Goykes. Mehr darüber beim Nordkurier oder zusammengefasst beim Spion.

Vorausschau

Im Moment sieht es so aus, dass ich etwa ab Mitte Januar ein bisschen durchschnaufen kann, was bedeutet, dass ein Abgabetermin weniger drängt. Dann rückt das Ratgeberprojekt in den Vordergrund und ich hoffe, mit dem Nachfolger von der Kriegerin voranzukommen.

Mein Pseudonym Ben Philipp macht dann ein bisschen Pause. Es könnte also ein versöhnlicher Jahresbeginn werden.

PB-Plotten 13: Kapitelplanung

Manchem Autor fällt es erstaunlich schwer, den eigenen Roman in Kapitel einzuteilen. Eine Autorin hat mir mal erzählt, sie habe das längst aufgegeben und überlasse die Kapiteleinteilung dem Lektorat.

Ich selbst habe dabei wenig Probleme. Meist habe ich schon vorher in etwa im Kopf, wo ein neues Kapitel beginnt. Gewalt muss ich dem Text dafür nicht antun, möglicherweise habe ich ein recht gutes Gefühl für kleinere und größere Spannungsbögen.

Dennoch habe ich mich beispielsweise bei „Das Lächeln der Kriegerin“ im Schreibprozess noch umentschieden und aus relativ kurzen Kapiteln zwölf längere gemacht, die sich gleichmäßig auf die beiden Teile „Die Botschaft“ und „Der Bote“ verteilen. Ich dachte dabei einfach an den übersichtlicheren und schöneren Eindruck im Inhaltsverzeichnis, setzte aber die neuen Kapitelenden natürlich dennoch nicht einfach willkürlich, sondern inhaltlich begründet.

Wie er seine Kapiteleinteilung begründet, bleibt dem Autor selbst überlassen. Es gibt, allen in Schreibforen auftauchenden Nachfragen zum Trotz, keine Vorgaben oder Regeln. Auch nicht hinsichtlich der Länge oder der Frage, ob man den Kapiteln Überschriften verpasst oder sie einfach durchnummeriert.

Ausnahmen sind vor allem bei Auftragswerken oder Titeln innerhalb einer Reihe oder Serie mögliche Verlagsvorgaben. Auch kann es durchaus sein, dass ein Verlagslektorat die Kapiteleinteilung als zu willkürlich bemängelt.

Hier sollte also der erste Anspruch des Autors liegen: die Kapitel nach einem eigenen, aber nachvollziehbaren Prinzip zu wählen. Am besten ist es oft, wenn jedes Kaptitel einem eigenen Spannungsbogen folgt. Es wird dabei vom Autor abhängen, ob er, um dies optimal zu erreichen, die Kapitelplanung der Szenenplanung vorzieht oder ob er besser fährt, wenn er bereits alle Szenen übersichtlich geplottet hat.

Weitere Kriterien könnten je nach Geschichte zeitliche Faktoren (Montag, Dienstag, …; 1985, 1985, …) oder die Handlungsorte sein (Hamburg, Berlin, Müchen, Wien). Bei Romanen mit mehreren Handlungssträngen werden diese gern streng in Kapitel unterschieden, was dem Leser auch erleichtert, die Wechsel zu erkennen.

Es bleibt also letztlich eine Frage des Geschmacks, aber eine, die man gut begründen können sollte. Und eine, bei der auch Möglichkeiten und Anforderungen der jeweiligen Geschichte geprüft sein wollen.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 11: Schlüsselszenen

Zunächst mal steht wieder die Frage nach der Reihenfolge. Wäre es nicht sinnvoller, sich nach den Nebenkonflikten mit den Nebenfiguren zu beschäftigen? Da spricht nichts dagegen.

Der Grund, warum ich es anders halte, ist der, dass ich nicht Gefahr laufen möchte, mich bei der Entwicklung des Plots zu sehr von Nebenfiguren beeinflussen zu lassen. Bauchschreiber können ein Lied davon singen, dass Figuren jedweder Art gerne mal ein Eigenleben entwickeln. Und auch die eifrigsten Planer sind dagegen nicht völlig gefeit.

Habe ich noch keinen gefestigten Plot und entwickle nun akribisch meine Nebenfiguren, kann es durchaus passieren, dass eine, die mich besonders fasziniert, über sich hinauswächst und mir im wahrsten Sinne des Wortes meine Pläne durchkreuzt. Mein Plot soll aber von den Hauptfiguren getragen, von den Neben- und Randfiguren bestenfalls gestützt werden.

Ich lasse also die Nebenfiguren zunächst einmal links liegen und stürze mich auf die Schlüsselszenen. Das sind all jene Szenen, die entscheidend zur Entwicklung des Konflikts beitragen. Mit „entscheidend“ meine ich, dass sie entweder einen Wendepunkt in der Konfliktentwicklung oder einen sprunghaften Fort- oder Rückschritt darstellen. Auch solche gehören dazu, in denen sich die Bedingungen für den Konflikt grundlegend ändern. Ebenso die, in denen der Protagonist sich in wichtigen Entscheidungssituationen befindet. Und natürlich die Szene, in der sich der Konflikt herausbildet und jene, in der er aufgelöst wird.

In der Regel haben wir wenig Probleme damit, die Schlüsselszenen ausfindig zu machen, zumindest dann nicht, wenn es sich um die Werke anderer handelt. Es sind diejenigen Szenen, an denen wir uns bei der Nacherzählung eines Films oder Buchs entlanghangeln. Ich darf das mal in etwa am Beginn meines Romans „Das Lächeln der Kriegerin“ demonstrieren, ohne allzu viel zu verraten:

  • Lothiels Vater wird in einem Kampf mit Wegelagerern schwer verletzt,
  • Lothiel trifft auf den schwer verletzten Boten Rochon, der die Nachricht vom Überfall auf die Grenzfeste zur Königin bringen soll,
  • Lothiel will die Aufgabe des reituntauglichen Boten übernehmen, doch ihr ebenso hilfloser Vater entscheidet, dass sie nur nach Waldruh reiten darf, um dort einen neuen Boten zu finden,
  • Lothiel muss erkennen, dass der Feind bereits Waldruh eingenommen hat und sieht ihre Aufgabe als gescheitert an,
  • Lothiel ist fast wieder zu Hause, als sie beschließt, die Anweisungen ihres Vaters zu missachten und sich auf den Weg zur Königin zu begeben,
  • in Iden glaubt Lothiel, doch noch den Auftrag loswerden und heimkehren zu können, doch auch der Feind hat Iden erreicht – Lothiel muss ihren Weg fortsetzen,
  • Lothiel gerät mit einem Vorposten des Feindes aneinander und tötet die Männer, was ihr fortan schwer zu schaffen macht,
  • Lothiel erreicht die Königsstadt und kann die Nachricht vom Angriff überbringen; sie hofft, so schnell wie möglich zu ihren Eltern zurückkehren zu können.

Wie auch bei der nachfolgenden Szenenplanung ist es jedem selbst überlassen, wie intensiv er jede einzelne Szene vorplant. Manchem reicht es, jede Szene wie im obigen Beispiel in ein bis zwei aussagekräftigen Sätzen zusammenzufassen oder ihr gar nur einen Titel zu verpassen, es gibt aber auch durchaus diejenigen, die zu jeder Szene eine Art Klappentext oder gar ein Szenenexposé entwickeln.

Autorenprogramme bauen meist auf der Szenenplanung auf und bieten die Möglichkeit, jede Szene einzeln zu betiteln, ihr Stichwörter, Figuren, Werte wie Spannung, Humor, Information usw., Uhrzeit- und Datumsangaben, Inhaltsangaben und vieles mehr beizufügen.

Gleich wie sparsam oder umfangreich man nun die Szenen vorplant, vergessen sollte man nicht, dass auch jede Szene optimalerweise konfliktbasiert ist und einen eigenen Spannungsbogen aufweist. Ein paar Notizen dazu können keinesfalls schaden.

(PB-Plotten: Die Liste)

AUTORitätEN in Oberursel

Es war wieder spannend, inspierierend, lustig, informativ und einfach großartig. Das Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel. Vergangenes Wochenende fand es zum vierten Mal statt und ich möchte es nicht mehr missen.

Oberursel bedeutet für mich natürlich einen weiten Anfahrtsweg und zwar einen, der an einem Freitag mit jeder Menge Verkehr aufwartet. So setzte ich mich bereits frühzeitig hinters Steuer, denn das Abendessen im Parkhotel wollte ich keinesfalls verpassen. Noch weniger den anschließenden großen Leseabend.

Gegen 16.30 Uhr hatte ich die knapp 700 Kilometer hinter mich gebracht und parkte vor dem Veranstaltungsort. Geplant war, mich als erstes etwas frisch zu machen und die Reisebekleidung gegen halbwegs Vorzeigbares auszutauschen, aber dann siegte doch die Neugier und ich warf einen ersten Blick in das Hotelrestaurant, wo sich im Vorraum traditionell die Ankunftlinge sammelten.

Die Ankunftlinge
Die Ankunftlinge

Das war ein Fehler! Es waren nämlich wirklich schon viele da und das Begrüßen, Herzen und Drücken wollte gar kein Ende nehmen. Schon wurden die ersten Neuigkeiten ausgetauscht und ich musste mich schließlich zwingen, mich noch einmal zurückzuziehen.

Das kalte und warme Abendbüfett war gewohnt umfangreich und schmackhaft, die großen Tische taten ihr Übriges, dass man sich unter den über 70 Autoren aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und darüber hinaus sofort wieder heimisch fühlte.

Im Bann der großen Fünf

Nach dem Abendbrot und einer kleinen (Raucher-) Pause hieß es, sich einen guten Platz für die öffentliche Lesung zu organiesieren, bei der ein interessiertes Publikum aus der Umgebung die angereisten Autoren ergänzte.

Ursula Poznanski
Ursula Poznanski

Leider hatte Nina Blazon ihre Lesung aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Für sie eingesprungen war Ursula Poznanski, die aus ihrem Überaschungserfolg „Erebos„, einem phantastischen Thriller für Jugendliche, las. Mit nur wenigen Sätzen zog die Wiener Autorin ihre (meist eher gefühlt jugendlichen) Zuhörer in den Bann. Ich bin sicher, nach der Lesung war es für niemanden mehr eine Überraschung, dass dieses Buch nicht nur eine Unmenge an Lesern um den Schlaf gebracht hat, sondern auch in den Feuilletons großer Zeitungen wie der Süddeutschen oder der Neuen Züricher bestens besprochen wurde.

Kai Meyer hat sich längst eingerichtet in den Phantastik-Bestsellerlisten und einer riesigen Fangemeinde. Obwohl das sicherlich auch dem Gros des Publikums bekannt war, ging ein ehrfürchtiges Raunen durch den Saal, als Moderatorin Eva Völler, selbst Bestsellerautorin, von den weit über vierzig Romanen sprach, die der 41-Jährige inzwischen veröffentlicht hat, die weltweit in 27 Sprachen erschienen sind und teilweise Vorlage für Hörbücher, Hörspiele, Comics und Filme wurden.
Wir kamen an diesem Abend nicht nur in den Genuss einer sehr humorvollen Hörprobe aus dem im letzten Jahr erschienenen Roman „Arkadien erwacht„, sondern durften auch einer spannenden Szene aus dem frisch erschienen zweiten Band „Arkadien brennt“ lauschen.

Vor der Pause freute ich mich dann auf Wulf Dorn, dessen Romandebüt „Trigger“ ich ja schon mit Begeisterung gelesen und rezensiert habe. Nach dem durchaus nicht unerwarteten Erfolg des Erstlings, war ich nun sehr gespannt auf den zweiten Roman von Wulf, den ich hier ja ebenfalls schon vorgestellt habe. Der Nervenkitzel, den Wulf mit seiner herausragenden Lesestimme hervorrief, machte mir zweierlei klar: Zum einen wird „Kalte Stille“ seinem Vorgänger hinsichtlich des Erfolgs sicher in nichts nachstehen, zum anderen musste ich nach den Lesungen unbedingt an den Büchertisch.

Kai Meyer
Kai Meyer

Nach der Pause konnte ich mir dann endlich einen Eindruck verschaffen von Eva BaronskysHerr Mozart wacht auf„, das ich meinen Bloglesern bereits letztes Jahr allein aufgrund der göttlichen Idee vorgestellt habe. Der Roman, in dem Mozart im Jahre 2006 erwacht und sich von der Idee, sein Requiem zu beenden, getrieben in der neuen Zeit zurechtfinden muss, wird ganz offensichtlich zu recht hoch gelobt. Es war ein großartiges Erlebnis, mitzuerleben, wie Wolfgang beispielsweise die Bedeutung der Buchstabenkombination AC/DC zu ergründen sucht. Ein Erlebnis, das ich auch ohne die wunderbare musikalische Untermalung während der Lesung demnächst vertiefen werde.

Den Abschluss dieses unvergesslichen Leseabends bildete schließlich der Großmeister der deutschen Fantasy, Markus Heitz, womit der neben Kai Meyer und Wolfgang Hohlbein wohl bekannteste Vertreter seiner Zunft die Bühne betrat, um aus seinem im Frühjahr erschienenen Vampirthriller „Judassohn“ zu lesen, dessen Personal so gar nichts mit den weichgespülten Teenie-Idolen unserer Zeit zu tun hat. Die düstere Spannung, die sein Text hervorrufen wollte, wusste der Starautor mit dem ihm eigenen Humor trefflich aufzulockern.

Wulf Dorn
Wulf Dorn

Aufgelockert ging es nach den Lesungen dann in die Hotelbar, denn natürlich ist so ein Wochenende zu kurz, um es schlafend zu verbringen. In lustiger Runde, mehr oder weniger nach Rauchern und Nichtrauchern getrennt, schwatzte man sich so noch vergnüglich in den frühen Morgen.

Psychologie, All Age und Helferlein – rundum gut versichert

Ich hatte es leider im Vorfeld versäumt, mich für einen Workshop anzumelden, was allerdings angesichts der Tatsache, dass zur gleichen Zeit viele interessant Vorträge angeboten wurden, zu verschmerzen war.

Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer
Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer

Der Samstag begann also für mich mit dem Vortrag von Geschichtenweberin Melanie Metzenthin, die als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet und uns daher über das Thema „Figurenentwicklung: Wie entstehen Persönlichkeiten“ aufklären konnte. Besonders amüsant fiel dabei die abschließende Typisierung von Persönlichkeiten wie Superman oder den Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand aus.

In der anschließenden Podiumsdiskussion „Was liest du? – Ein kritischer Blick auf den All-Age-Rummel und die Bedürfnisse junger Leser“ führte Jürgen Bräunlein durch ein interessantes Gespräch über den Jugendroman und den Trend, dass auch Erwachsene vermehrt zum Jugendbuch greifen, den Verlage wiederrum mit dem Label „All Age“ beantworten. Mit von der Partie waren Heike Brillmann-Ede, die als Lektorin im Jugenbuchbereich bei Thienemann arbeitet, die Autorin Brigitte Melzer, Ursula Poznanski (s.o.) und Ole Johan Christiansen in seiner Funktion als Literaturwissenschaftler (ansonsten auch der Co-Autor von Thomas Plischke).

Nach dem Mittagessen beantwortete Fred Janssen von der Künstlersozialkasse in seinem Vortrag Fragen zur Künstlersozialversicherung. Das war sehr informativ und erfreulicherweise auch sehr persönlich.

Mit der Diplom-Pychologin Andrea Lionne Hinz ging es im Anschluss um „Die Psychologie des Schreibprozesses: Von Ideen auf der Straße, komplexem Problemlösen und höchstem Glücksgefühl“. Es ging also um Metastrategien in der Arbeit des Schtiftstellers.

Eva Baronsky
Eva Baronsky

Schließlich wartete Falko Löffler noch mit einem kleinen Schmankerl auf: „Digitale Helfer: Schreibsoftware für Autoren am Beispiel von ‚Scrivener'“. Wie meine Blogleser ja wissen, bin ich sehr interessiert an jeder Art von Autorensoftware und Falko, der auch im Bereich Computerspiele als Autor und Texter sehr erfahren ist, überzeugte mich sofort von „Scrivener„. Da die Software bisher nur für den Mac zu haben ist, hatte ich ihr noch keine Aufmerksamkeit geschenkt. Doch die Aussicht, dass das Programm im nächsten Jahr auch für Windows zu haben sein soll, ließ mich aufhorchen. Und was Falko uns damit alles vorführte, lässt yWriter, mit dem ich bis dato sehr zufrieden war, blass aussehen. Nun beginnt also die ungeduldige Wartezeit (eine Beta-Version soll schon im Oktober zu haben sein).

Nach diesem letzten Vortrag am Samstag ging es zum Abendessen. Derart gestärkt räumten die Autoren ihre Kofferräume leer und schleppten ihre Bücherkisten zur dafür eingerichteten Tauschbörse. Auch ich wurde noch einige Exemplare der Kriegerin los und muss mir dafür wohl wieder mal ein neues Bücherregal kaufen. Gefreut habe ich mich, bei dieser Gelegenheit Sandra Uschtrin endlich einmal persönlich kennenzulernen. Schließlich hat man ja von ihrer Arbeit schon lange profitiert.

Markus Heitz
Markus Heitz

Inzwischen verteilten sich die Teilnehmer ein wenig, um sich schließlich nach und nach wieder in der Hotelbar einzufinden. Ich möchte behaupten, der Abend wurde noch fröhlicher als der davor, zumal sich im Raucherraum bald eine Runde zusammenfand, die fleißig Ideen für ein hochgeheimes, dafür aber umso skurrileres Gemeinschaftsprojekt austauschte. Ein hochgradiger Spaß, dessen Ernst man aber keinesfalls unterschätzen sollte.

Schauspiel, Fernsehen und Grammatik

Am Sonntag habe ich daraufhin verschlafen. Glücklicherweise nur ein bisschen, sodass ich mit nur einer kleinen Verspätung zu Lisa-Marie Dickreiters Vortrag „Figuren zum Leben erwecken – wie sich AutorInnen mit Hilfe von Schauspiel-Techniken besser in Figuren und Szenen hineinversetzen können“ kam. Ein Vortrag, der viel Spaß bereitet hat. Und der mir  ein Mittel an die Hand gegeben hat, mit dem es mir eindringlicher als bisher gelingen sollte, Autoren zu vermitteln, wie sie tatsächlich ihre Figuren zum Leben erwecken können. Was ich oft umständlich zu erklären versuche, wurde in diesem Vortrag auf eine ebenso einfache wie treffende Formel gebracht, die ich mit Lisas Erlaubnis demnächst auf meinem Lektorenblog preisgeben will.

Peter Wohlleben ließ uns anschließend in seinem Vortrag „Hilfe, das Fernsehen kommt! – Erfahrungen, Tipps und Tricks im Umgang mit Medien“ an seinen umfangreichen Erfahrungen mit dem Thema teilhaben. Möglicherweise kommt man ja irgendwann einmal in den Genuss, davon zu profitieren.

Den Abschluss des Vortragswochenendes bildete „Selbst wenn sich der Autor ins Hinterteil bisse – Vom Reflexivpronomen bis zum Konjunktiv: Antworten auf die meist gestellten Fragen zur Grammatik bei Montségur“. Angelika Jodl, Sprachdozentin für die ausländischen Studenten der Uni München, verstand es dabei mit jeder Menge Humor auch die kniffligen Fälle der deutschen Sprache federleicht wirken zu lassen. Ihre Studenten sind jedenfalls zu beneiden.

v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz
v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz

Schließlich traf man sich zum letzten gemeinsamen Mittagessen, um sich dann nach und nach in alle Winde zu zerstreuen.

Wieder einmal nahm ich viel mit auf dem Heimweg: Bücher, Ideen, Inspiration, neue Erkentnisse und jede Menge toller Erfahrungen. Im Namen aller darf ich mich noch einmal ganz herzlich für die Organisation dieses großartigen Treffens besanken, ganz besonders natürlich bei Montségur-Chef Andreas Wilhelm, Programmleiterin Martina Sahler und Kameramann André Wiesler (es wird wieder eine DVD zu dem Treffen geben).