LesBar: Haufen

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LesBar, Foto: Anneka
LesBar
(Foto: © Anneka)
Er hat schon immer einen Haufen Sachen gemacht. Mancher Haufen Scheiße war darunter. Aber er hatte auch schon immer einen zu laufen. Sagen die anderen. Er läuft einfach. Hier hin und da hin. Mal beides gleichzeitig. Manchmal schnell, manchmal langsam. Er kommt nie irgendwo an. Aber er will auch nicht ausruhen. Die Zeit ist zu kurz, das Neue zu schnell alt. Er wird nicht alt. Sagt er selbst. Das Keuchen gehört dazu.

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© BennoP

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LesBar: fallschirm

Fallschirm
LesBar, Foto: Anneka
LesBar
(Foto: © Anneka)
stürze
die augen weit geöffnet
hoffe
die ohren weit geöffnet
du
die reißleine in der hand

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LesBar: fuß

LesBar, Foto: Anneka
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LesBar
(Foto: © Anneka)

du lebst nicht
auf großem fuß

selbst der zeh
klein und zart

du lebst nicht
in der spur

auch dein schuh
tritt mal fehl

du lebst nicht
auf dem sprung

sogar deine ferse
genießt die pause

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© BennoP

LesBar: Käse

LesBar, Foto: Anneka
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LesBar
(Foto: © Anneka)

Herr P. sagt zu Frau P.: „Dein Gedächtnis ist wie dieser Käse!”

Er tippt mit dem Zeigefinger auf eines der vielen Löcher.
„Ich weiß”, sagt sie.
„Woher weißt du?”, fragt er.
„Du hast es mir schon gestern gesagt.”
Herr P. runzelt die Stirn. „Gestern?”
„Und vorgestern.”
„Vorgestern auch schon?” Herr P. ist überrascht.
„Du sagst es mir jeden Tag.”
„Jeden Tag?”
„Immer wenn du diesen Käse isst.” Nun tippt Frau P. auf den Käse.
Herr P. kratzt sich am Kinn. „Esse ich diesen Käse denn jeden Tag?”
Sie nickt. „Jeden Tag.”
Herr P. schüttelt verwundert den Kopf. Dann fragt er: „Was denkst du, werde ich morgen zu dir sagen?”
„Dein Gedächtnis ist wie dieser Käse.” Frau P.s Antwort klingt sehr überzeugt, wenn auch gelangweilt. Sie räumt den Tisch ab.
Herr P. lächelt plötzlich. „Nun, dir muss man das eben öfter sagen.” Er tippt auf den Löcherkäse. „Denn dein Gedächtnis ist wie dieser Käse.”

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LesBar: Mon(d)tag

LesBar, Foto: Anneka
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© Anneka

Montag, doch der Mond versteckt sich. So sehr ich auch schaue, so sehr ich mich bemühe, an der Sonne vorbeizuschielen, ich kann ihn nicht entdecken. Ist er endgültig untergegangen? Beginnt mit der neuen Woche auch ein neuer Tag? Ist die Nacht nun vorbei?
Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, denn eine Stimme flüstert mir, schon heute Abend überrasche mich die Nacht von Neuem. Dann strahlt ein neuer Mond, Hoffnung verbreitend auf den nächsten Tag. Oder ist es der alte?

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© BennoP

LesBar: Monolog

„Es ist kalt“, sagte er und zog sich aus.
„Ich sehe“, sagte sie.
„Was?“, fragte er.
„Wie, was?“, fragte sie.
„Was siehst du?“, fragte er.
„Nichts“, antwortete sie.
„Aber …“, begann er.
„Ich hab’s vergessen“, unterbrach sie ihn.
„Aha“, sagte er und verstand nicht.
Sie drehte sich um.
Er legte seine abgelegten Kleider ordentlich über die Lehne des Stuhls, zitterte ein wenig vor sich hin und sprang ins Feuer.

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© BennoP

LesBar: Ohne Hut

Herr S. hätte nie gedacht, dass der Tag so enden würde.

Dabei war er ganz sicher mit dem richtigen Bein aufgestanden. Auch hatte er den alltäglichen Weg genommen, vom Bett ins Bad, vom Bad an den Küchentisch, vom Küchentisch ins Arbeitszimmer, vom Arbeitszimmer zur Garderobe. Dort hatte er den Hut aufgesetzt und einen letzten Blick in den Spiegel geworfen, bevor er zur Wohnungstür aufgebrochen war, sie geöffnet und wieder geschlossen hatte, um kurz darauf in seinen Wagen zu steigen und ins Büro zu fahren.

Auch auf der Arbeit war alles gewesen wie immer. Er hatte Akten durchgesehen, telefoniert, geschrieben, telefoniert, Akten durchgesehen und wieder telefoniert.

Pünktlich um 16.00 Uhr wollte er dann in den Feierabend gehen, als ihn eine Kollegin aufhielt. Frau N. nahm ihm den Hut vom Kopf und sagte ihm, es müsse sich in jedem Leben einmal etwas ändern.

Frau N. nahm ihn an die Hand und führte ihn aus. In den Park, in ein Restaurant, dann in eine Kneipe, schließlich zu sich nach Hause.

Nun lag er neben ihr und dachte, dass morgen alles anders sein würde. Er würde aus ihrem Bett aufstehen, mit welchem Bein auch immer. Dann würde er in ihr Badezimmer gehen, um an ihrem Tisch zu frühstücken.

Zwar wusste er nicht, ob es am darauffolgenden Tag noch immer so sein würde, doch er beschloss, sich auf jeden Fall von seinem Hut zu trennen.

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© BennoP