Philvent – die zwölfte Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Er vertiefte sich so in sein Tun, dass er erst, als er es fast beendet hatte, bemerkte, welcher dumme Fehler ihm unterlaufen war. Er stand mit seinem Schneefeger und dem Eiskratzer vor dem falschen Auto. Seine Nachbarin würde sich freuen. Wo aber hatte er seinen Wagen geparkt? Und wie um Himmels willen sollte er jetzt noch rechtzeitig zur Prüfung kommen? Frau Hempels Auto freizulegen, hatte ihn eine knappe halbe Stunde gekostet.

Seines musste eines derjenigen sein, die unter dem glitzernden Weiß nicht zu erkennen waren. Während er probehalber mal an diesem ein wenig Schnee herunterfegte, mal an jenem ein bisschen Eis von der Scheibe kratzte, begrüßte ihn Frau Hempel lachend, bedankte sich nicht weniger fröhlich und fragte ihn kichernd, ob er nicht auch einmal unter ihrem Sofa kehren wolle. Die Frage, ob sie ihm nun, da sie ja mit seiner Hilfe Zeit gespart habe, bei der Suche nach seinem Gefährt helfen könne, verneinte sie mit der Begründung, sie habe eben diese Zeit damit verbracht, ihn vom Fenster aus zu beobachten, und sei nun selbst schon spät dran. Die flehentliche Bitte, ihn wenigstens ein Stück mitzunehmen, verhöhnte sie gar vollkommen unbegründet, indem sie ihn nahezu über den Haufen fuhr. Dass er beim Versuch, sich zu retten, stürzte, war allerdings ein Glück, fiel er doch, wie es der Zufall wollte, endlich gegen sein eigenes Auto, derweil ihn der aufkommende Zorn auf Frau Hempel, die ihm nun auch heftige körperliche Schmerzen bereitet hatte, derart beflügelte, dass er dieses in weniger als fünfzehn Minuten fahrtüchtig bekam. Die Prüfung konnte er dennoch nicht mehr absolvieren, da Wut auf glatten Straßen nun einmal ein schlechter Begleiter ist.

Einen Hammer säen

Hammer
© OLJ Studio

Noch einmal schaute Claudia sich um. Nichts! Ben hatte wirklich peinlich genau darauf geachtet, alles zu entfernen, was ihr auch nur die geringste Aussicht darauf gab, sich aus ihrem eigenen Gartenhäuschen zu befreien. Wie lange sollte sie hier schmoren? Wollte er sie möglicherweise hier verhungern lassen? Sie traute es ihm zu. Vor allem aber würde sie nun Lev nicht vor dem sicheren Tod retten können. Sie musste hier raus! Aber …

Sie lächelte. Ben hatte ihre Handtasche nicht kontrolliert. Warum auch? Sie selbst hätte beinahe nicht mehr daran gedacht. Und welche Frau trug schon einen Hammer mit sich herum?

Na, das ist ja noch einmal gut gegangen! Auch der Leser darf aufatmen, denn die Szene, deren Ende wir hier lesen konnten, war für ihn ganz schön spannend. Natürlich nur, weil er nicht daran gedacht hat, dass Claudia einen Hammer in der Handtasche hatte. Gelesen hatte er allerdings schon davon, denn sonst müsste er jetzt dem Autor einen Vogel zeigen: „Ein Hammer! In der Handtasche! Na, so ein Zufall!“

Es muss also schon viel früher eine Szene gegeben haben, in der der Hammer in die Handtasche gekommen ist. Mit einer Begründung, die für den Leser nachvollziehbar war, und auf eine Weise, die weder so aufdringlich war, dass der Leser fortan dauernd an diesen Hammer gedacht hat, noch so nebensächlich, dass der Leser sich jetzt, wo das Werkzeug wieder zum Vorschein kommt, nicht mehr daran erinnern könnte.

Man spricht vom Säen und Ernten, wenn der Autor unauffällig auffällig Hinweise versteckt, die später noch Bedeutung erlangen. Wenn du Lust hast, versuche dich doch einmal an einer Szene, in der der Hammer in die Handtasche gelangt.

Weitere Schreibübungen

Gustav-Regler-Preis bis 31.12.10

GUSTAV-REGLER-PREIS der Kreisstadt Merzig
&
GUSTAV-REGLER-FÖRDERPREIS des Saarländischen Rundfunks (SR)

Die Kreisstadt Merzig verleiht gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk in Würdigung von Werk und Lebensgeschichte des Schriftstellers Gustav Regler, zur Anerkennung literarischer Verdienste um interkulturelle und internationale Verständigung sowie zur Förderung junger Autoren den Gustav-Regler-Preis der Kreisstadt Merzig und den Gustav-Regler-Förderpreis des SR. Diese Preise werden alle drei Jahre am Geburtstag Reglers in Merzig verliehen.

Der Hauptpreis der Kreisstadt Merzig ist mit 5.000 Euro, der Förderpreis des SR mit 2.500 Euro dotiert.

Mit dem Hauptpreis wird eine bereits erbrachte herausragende literarische Leistung prämiert. Beide Preise dürfen auch Übersetzer auszeichnen und Autoren, die sich reportageliterarischer oder essayistischer Formen bedienen. Das Schwergewicht bei der Beurteilung soll auf der literarischen Qualität liegen.

Eine mehrmalige Auszeichnung derselben Person mit dem selben Preis ist ausgeschlossen, ebenso eine Vergabe an juristische Personen oder Institutionen.

Der Gustav-Regler-Förderpreis des SR ist eine selbständige Auszeichnung im Rahmen des von der Kreisstadt Merzig verliehenen Gustav-Regler-Literaturpreises. Mit dem Förderpreis wird ein „junger“ Autor ausgezeichnet für einen deutschsprachigen Text von max. 20 Seiten Umfang (pro Seite 30 Zeilen à 60 Zeichen), der sich in literarisch überzeugender Weise
– mit dem Werk von Gustav Regler auseinandersetzt oder
– eine eigenständige Arbeit in der Nachfolge des saarländischen Autors und Weltbürgers darstellt.

Für die Nachfolge können thematische, biografische, interkulturelle oder regionalgeografische Kriterien heran gezogen werden. Unter „jung“ sind Autoren zu verstehen, die nicht mehr als drei eigenständige Veröffentlichungen vorweisen sollten.

Der SR hat das Recht, den Text des Förderpreisträgers einmalig zu senden. Autoren, die sich um den Förderpreis bewerben, schicken ihre Texte bis zum jeweiligen angegebenen Einsendetermin an die Stadtbibliothek Merzig, Stichwort „Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks“ (Adresse s. unten).

Über die Vergabe der Preise entscheidet eine Jury, die vom Oberbürgermeister berufen wird. Ein (nicht abstimmungsberechtigter) Moderator, der vom Oberbürgermeister bestimmt wird, leitet die Sitzung.

Der Jury gehören an:
– der vorherige Preisträger (im Vertretungsfall der Förderpreisträger)
– der Oberbürgermeister der Kreisstadt Merzig oder sein Beauftragter
– ein Vertreter des Saarländischen Rundfunks von SR2 Kultur-Radio
– ein Vertreter der Regler-Forschungsstelle der Universität des Saarlandes
– ein Vertreter der saarländischen Schriftstellerverbände
– ein Vertreter aus dem Bereich der Literatur von Elsass oder Lothringen
– ein Vertreter aus dem Bereich der Literatur aus Luxemburg
Die Jury tagt nichtöffentlich. Die Mitglieder der Jury sind zur Verschwiegenheit über den Verlauf der Beratungen verpflichtet. Die Auswahl der Preisträger ist schriftlich zu begründen. Ein Rechtsanspruch auf Verleihung der Preise besteht nicht. Ansprüche aus §§ 657-661 BGB sind nicht ableitbar.

Vorschlagsberechtigt ist jedermann, allerdings ist eine schriftliche Begründung erforderlich. Vorschläge für den Hauptpreis und Bewerbungen für den Förderpreis sind zu richten an die

Stadtbibliothek der Kreisstadt Merzig
Hochwaldstr. 47
66663 Merzig.

Eigenbewerbungen für den Hauptpreis sind ausgeschlossen.

Die Preisverleihungen finden im Rahmen einer Feierstunde statt. Den Förderpreis überreicht ein Vertreter des Saarländischen Rundfunks.

Einsendeschluss für Vorschläge und Bewerbungen ist der 31.12.2010 (Datum des Poststempels).

Die Personenbezeichnungen in männlicher Form gelten in der weiblichen Form entsprechend.

Für Rückfragen: StadtBibliothek Merzig, Hochwaldstr. 47, 66663 Merzig, Telefon: 06861/85394, stadtbibliothek@merzig.de

Quelle: Uschtrin

PB-Plotten 13: Kapitelplanung

Manchem Autor fällt es erstaunlich schwer, den eigenen Roman in Kapitel einzuteilen. Eine Autorin hat mir mal erzählt, sie habe das längst aufgegeben und überlasse die Kapiteleinteilung dem Lektorat.

Ich selbst habe dabei wenig Probleme. Meist habe ich schon vorher in etwa im Kopf, wo ein neues Kapitel beginnt. Gewalt muss ich dem Text dafür nicht antun, möglicherweise habe ich ein recht gutes Gefühl für kleinere und größere Spannungsbögen.

Dennoch habe ich mich beispielsweise bei „Das Lächeln der Kriegerin“ im Schreibprozess noch umentschieden und aus relativ kurzen Kapiteln zwölf längere gemacht, die sich gleichmäßig auf die beiden Teile „Die Botschaft“ und „Der Bote“ verteilen. Ich dachte dabei einfach an den übersichtlicheren und schöneren Eindruck im Inhaltsverzeichnis, setzte aber die neuen Kapitelenden natürlich dennoch nicht einfach willkürlich, sondern inhaltlich begründet.

Wie er seine Kapiteleinteilung begründet, bleibt dem Autor selbst überlassen. Es gibt, allen in Schreibforen auftauchenden Nachfragen zum Trotz, keine Vorgaben oder Regeln. Auch nicht hinsichtlich der Länge oder der Frage, ob man den Kapiteln Überschriften verpasst oder sie einfach durchnummeriert.

Ausnahmen sind vor allem bei Auftragswerken oder Titeln innerhalb einer Reihe oder Serie mögliche Verlagsvorgaben. Auch kann es durchaus sein, dass ein Verlagslektorat die Kapiteleinteilung als zu willkürlich bemängelt.

Hier sollte also der erste Anspruch des Autors liegen: die Kapitel nach einem eigenen, aber nachvollziehbaren Prinzip zu wählen. Am besten ist es oft, wenn jedes Kaptitel einem eigenen Spannungsbogen folgt. Es wird dabei vom Autor abhängen, ob er, um dies optimal zu erreichen, die Kapitelplanung der Szenenplanung vorzieht oder ob er besser fährt, wenn er bereits alle Szenen übersichtlich geplottet hat.

Weitere Kriterien könnten je nach Geschichte zeitliche Faktoren (Montag, Dienstag, …; 1985, 1985, …) oder die Handlungsorte sein (Hamburg, Berlin, Müchen, Wien). Bei Romanen mit mehreren Handlungssträngen werden diese gern streng in Kapitel unterschieden, was dem Leser auch erleichtert, die Wechsel zu erkennen.

Es bleibt also letztlich eine Frage des Geschmacks, aber eine, die man gut begründen können sollte. Und eine, bei der auch Möglichkeiten und Anforderungen der jeweiligen Geschichte geprüft sein wollen.

(PB-Plotten: Die Liste)