Bloggen statt plotten

Da hat doch ein Mitglied eines Schreibforums so ganz nebenbei erzählt, dass er seinen Roman mit WordPress entwickelt. Natürlich gab es gleich Bedenken, weil er damit seine Ideen und Daten im unsicheren Internet aufbewahrt. Obendrein wollte er einzelne Textpassagen, Arbeitsschritte und Ideen durchaus auch für seine Blogbesucher öffentlich machen und diskutieren lassen.

Sicherlich bleibt auch ein Restrisiko, wenn man das gesamte Blog oder wenigstens diejenigen Daten, die schützenswert sind, nicht öffentlich macht. Und auf jeden Fall sollte man seine Daten immer n0ch auf dem eigenen Rechner sichern.

Dennoch finde ich den Ansatz interessant, denn mit WordPress oder einer anderen Blogplattform kann man sich etwas ähnliches wie ein Projektwiki anlegen. Man denke nur an die Möglichkeiten der Verlinkung, Vernetzung und Kategorisierung.

Je nach Bedarf lassen sich Seiten oder Artikel anlegen, Charakterbögen, Plotskizzen und Rechercheergebnisse miteinander verbinden sowie Bilder, Karten oder andere externe Materialien einbinden.

Mithilfe der Kategorien kann man auch verschiedene Projekte innerhalb eines Blogs voneinander trennen. Und wählt man ein Theme wie etwa „P2“ kann man auch außerhalb des Dashboards direkt im Blog Notizen, Artikel und Links erstellen oder bearbeiten.

Für besondere Fälle erleichtert das Blog sogar die Teamarbeit, etwa bei einem Gemeinschaftsprojekt von mehreren Autoren oder in der Zusammenarbeit mit Testlesern.

Für denjenigen, der noch nicht die richtige Autorensoftware für sich entdeckt hat, wäre es jedenfalls eine interessante (und kostenlose) Alternative.

Neobooks: Droemer Knaur geht neue Wege

Über eine Diskussion bei Montségur bin ich bei einem Artikel der geschätzten Kollegin Nicole Rensmann gelandet, der sich mit Neobooks auseinandersetzt.

Neobooks ist eine neue Plattform des Droemer Knaur Verlags, die sich noch im Beta-Stadium befindet, und mit der man offenbar Autoren einen neuen Weg ins Verlagslektorat bieten will. Autoren können hier ihre unveröffentlichen Manuskripte hochladen und dort von Lesern bewerten und empfehlen lassen. Zu einem Stichtag gehen die zehn Bestbewerteten den direkten Weg auf den Schreibtisch des Lektors.

Nicole Rensamann äußerte auf ihrem Blog und in einem Feedback an Neobooks zu Recht ihre Bedenken vor allem hinsichtlich der zu übertragenden Veröffentlichungsrechte und bekam umgehend Antwort per Mail und auch in der Kommentardiskussion unter ihrem Artikel, in der Ina Fuchshuber von Neobooks freundlich und umfassend zu den Bedenken Stellung bezog. Also einfach mal nachlesen gehen.

Hier die entsprechenden Links:

Meiner Meinung nach ist es sehr lobenswert, wenn Publikumsverlage nach neuen Wegen suchen, die überfüllten Lektoratsschreibtische zu umgehen, wobei das natürlich auch im Interesse der Verlage selbst ist, Lektoren entlastet und im ungünstigsten Fall teilweise einspart.

Ob man es mit Neobooks versuchen will, sollte man sich genauso gut überlegen, wie jeden Schritt, den man auf dem Weg zur Veröffentlichung tun will. Im Zweifelsfall kann man die Entwicklung von Neobooks ja eine Weile beobachten.

Immerhin wird es jeder Internetplattform schwerfallen, Manipulationen völlig auszuschließen. Außerdem wird der Autor wahrscheinlich mehr Zeit investiern müssen als für die Anmeldung und das Hochladen des Manuskripts, zumindest wenn er sich die Chance bewahren will, zum Stichtag in den Top Ten zu landen. Ob es generell hilfreich ist, wenn Usermeinungen einen entscheidenden Ausschlag geben, bleibt abzuwarten.

Vor allem aber, sollte man sich nicht zurücklehnen und sich einzig auf Neobooks verlassen, denn ein guter Agent dürfte immer noch um ein Vielfaches erfolgversprechender sein. Zumal man ja bisher möglicherweise auch einen anderen Verlag als Wunschverlag hatte.

Dennoch ein sehr interessanter Ansatz, aus dem hoffentlich viel Positives entstehen kann.