Was wäre, wenn …?

Cover Federwelt

Sandra Uschtrin hat mir freundlicherweise ein PDF zur Verfügung gestellt, in dem ihr meinen Artikel „Was wäre, wenn … “ – Die Frage zum Plot(ten) aus der aktuellen Ausgabe (Juni/Juli) der Federwelt nachlesen könnt.

Viele weitere interessante Artikel findet ihr im Heft, das ihr hier bestellen könnt. Als Appetithäppchen gibt es noch eine weitere Leseprobe.

Hier geht es zu meinem Artikel: „Was wäre, wenn …?“

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Entern: Bücher im Buch

Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern, Foto: Patryk Kosmider
© Patryk Kosmider

Zum ersten Mal während dieser Reihe schlüpfen wir zwischen die Buchdeckel. Wir schlagen das Inhaltsverzeichnis auf und finden in manchen Fällen mehrere Bücher im Buch.

Erstes Buch steht dann da. Und zweites Buch. Und manchmal geht es so weiter.

Möglicherweise handelte es sich dabei in einer originaleren Ausgabe tatsächlich einmal um mehrere Bücher, die nun in einem Band zusammengefasst wurden. Oder der Autor (vielleicht auch das Lektorat) hielt es für sinnvoll, den vorzugsweise langen Roman noch oberhalb der Kapitelebene weiter zu unterteilen. Und statt 1. Teil, 2. Teil, … heißt es dann eben 1. Buch, 2. Buch, … Klingt wahrscheinlich besser und gibt obendrein einen epischen Touch.

Aber ob Teile oder Bücher, eine Strukturierung die in irgendeiner Weise sinnvoll, besser noch logisch erscheint, ist natürlich wünschenswert. Die Kriterien hierfür können ähnlich vielfältig sein wie für die Kapiteleinteilung (kommt noch; alternativ hier schon mal schauen: Link), also neben inhaltlichen etwa zeitliche oder örtliche.

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Vertrag dich: Vergriffen

© Franck Boston
© Franck Boston
© Franck Boston

Weiter geht es im Vertragspoker. Vorweg sei gesagt, dass die Artikel von mir nach bestem Wissen und Gewissen verfasst werden. Aber ich bin kein Jurist. Im Streitfall könnt ihr euch also weder auf mich noch auf meine Ausführungen hier berufen.

Ist die Verlagsausgabe des Werkes vergriffen und wird vom Verlag nicht mehr angeboten und ausgeliefert, sieht der Normvertrag Folgendes vor (§ 9 Absatz 1):

  1. Der Verlag muss den Autor über diese Sachlage informieren.
  2. Der Autor kann nun den Verlag schriftlich auffordern, sich innerhalb von drei Monaten nach dieser Aufforderung zu verpflichten, eine ausreichende Anzahl weiterer Exemplare des Werkes herzustellen und zu verbreiten. Das heißt, der Verlag muss sich innerhalb dieser drei Monate für ein Ja oder ein Nein entscheiden.
  3. Im Vertrag wird für den Fall, dass der Verlag diese Verpflichtung eingeht, eine weitere Frist individuell festgelegt, bis zu der der Verlag dieser Verpflichtung nachkommen muss. Diese Frist beginnt mit dem Ablauf der drei Monate, die der Verlag für die Entscheidung Zeit hatte.

Kompliziert? Nehmen wir uns ein Beispiel vor:

Der Verlag informiert den Autor am heutigen 4. Januar, dass sein Buch vergriffen ist. Der Autor reagiert prompt und schickte dem Verlag am 5. Januar die Aufforderung, nachzudrucken. Die Aufforderung geht am 6. Januar beim Verlag ein. Der Verlag hat nun drei Monate Zeit, sich zum Nachdruck zu verpflichten. Am 15. Februar geht der Verlag diese Verpflichtung ein. Er befindet sich damit innerhalb der Dreimonatsfrist, die am 6. April endet. Die Vertragspartner hatten im Vertrag eine Frist zum Nachdrucken von 12 Monaten vereinbart. Diese beginnen mit dem Ende der Dreimonatsfrist, also am 6. April. Der Verlag muss also seiner Verpflichtung bis zum 6. April des Folgejahres nachkommen.

In der Regel wird der Autor diese Rechnung nicht machen müssen, weil sich der Verlag frühzeitig für oder gegen eine Neuauflage entscheiden und die Fristen nicht ausreizen wird.

Rechte zurück!

Lässt der Verlag jedoch eine dieser Fristen verstreichen, kann der Autor schriftlich vom Vertrag zurücktreten (und somit die Verwertungsrechte vollumfänglich zurückhalten). Liegt ein Verschulden des Verlags vor, kann der Autor stattdessen Schadenersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Fließen dem Verlag anschließend etwa durch Remission noch Restexemplare zu, ist er wiederum in einer festzulegenden Frist berechtigt, diese noch zu verkaufen. Er ist allerdings verpflichtet, den Autor über die Anzahl der Exemplare zu unterrichten und sie ihm zur Übernahme anzubieten.

Der zweite Absatz des Paragrafen legt außerdem fest, dass es das Recht des Autors ist, das Werk für Folgeauflagen zu überarbeiten. Bei Werken wie Sachbüchern, bei denen eine solche Überarbeitung notwendig wird, ist der Autor zur Überarbeitung sogar verpflichtet. Wesentlichen Veränderungen von Art und Umfang des Werkes muss der Verlag zustimmen.

Lehnt der Autor die Bearbeitung ab, ist dazu nicht in der Lage oder liefert nicht in einer angemessenen Frist, kann der Verlag einen Dritten als Bearbeiter bestellen. In diesem Fall bedarf es hinsichtlich wesentlicher Änderungen der Zustimmung des Autors.

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Vertrag dich: Nebensache?

© Franck Boston
© Franck Boston
© Franck Boston

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Entsprechend dem Normvertrag hat sich der Verlag intensiv um die Verwertung der Nebenrechte zu kümmern. Grundsätzlich kann er das, indem er die Rechte selbst wahrnimmt oder einen Lizenznehmer findet. Ist eine dafür angemessene Frist verstrichen, ohne dass eine Verwertung erfolgt ist, kann der Autor die entsprechenden Nebenrechte zurückfordern.

Für den Autor besonders wichtig: Der Verlag verpflichtet sich mit dem Normvertrag dazu, in dem Fall, da mehrere Möglichkeiten zur Verwertung eines Nebenrechts bestehen, die für den Autor materiell und/oder ideell günstigere zu wählen, also ganz im Interesse des Autors zu handeln. Und zwar auch dann, wenn der Verlag selbst bei dieser Nebenrechtsverwertung konkurriert.

Pech für die Kleinen

Sagen wir zum Beispiel, der Autor hat für sein Werk mit Verlag A einen Verlagsvertrag für eine Hardcoverausgabe abgeschlossen. Die verkauft sich so gut, dass sowohl Verlag A als auch die Verlage B und C das Werk als Taschenbuch herausbringen wollen. Verlag A muss den Autor nicht nur über die Angebote der anderen beiden Verlage informieren, er muss ihm auch das beste Angebot machen, will er das Nebenrecht für die Taschenbuchausgabe selbst wahrnehmen. Eine Regelung, die dem Autor in jeder Hinsicht zugute kommt, während Kleinverlage so in der Regel ihre besten Pferde im Stall verlieren.

Wird ein Nebenrecht durch einen Dritten wahrgenommen, empfiehlt der VS in seinen Vergütungsempfehlungen eine Aufteilung des erzielten Erlöses zwischen Verlag und Autor von 40 : 60 bei buchfernen Nebenrechten (insbesondere Medien- und Bühnenrechten) und 50 : 50 bei buchnahen Nebenrechten (z. B. Recht der Übersetzung in eine andere Sprache, Hörbuch).

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Vertrag dich: Verlagspflicht

© Franck Boston
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In §3 des Normvertrags verpflichtet sich der verlegende Vertragspartner, das Werk zu vervielfältigen,  zu verbreiten und dafür angemessen zu werben.

Dabei gelten die Werbemaßnahmen als angemessen, die dem Vertragszweck (dem Vervielfältigen und Verbreiten des Werkes) und dem Standard vergleichbarer Ausgaben im Verlagsbuchhandel entsprechen. Gleiches gilt für Ausstattung, Buchumschlag, Auflagenhöhe, Auslieferungstermin und Ladenpreis.

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Vertrag dich: Nur mit deiner Zustimmung

© Franck Boston
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In §2 Absatz 5b des Normvertrags wird festgelegt, dass der Verlag die Nebenrechte nur an Dritte abtreten kann, wenn der Autor dem zustimmt. Will also der Verlag etwa statt oder zusätzlich zu einer eigenen Taschenbuchausgabe eine Lizenz an einen anderen Verlag vergeben, braucht er dazu das Einverständnis des Autors.

Es ist demnach keineswegs so, dass der Autor mit der Abgabe der Nebenrechte an seinen Verlag vollkommen entmachtet würde. Ausnahmen sind hier die Einräumung von Sublizenzen gegenüber ausländischen Lizenznehmern in ihrem Sprachgebiet sowie „die branchenübliche Sicherungsabtretung von Verfilmungsrechten zur Produktionsfinanzierung“ (die im Übrigen noch keine tatsächliche Verfilmung bedeutet).

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Vertrag dich: Aufs Nebengleis

© Franck Boston
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In den Absätzen 2 und 3 von §2 des Normvertrags geht es um die verschiedenen Nebenrechte, die der Autor dem Verlag überträgt. Es handelt sich etwa um die Verwertung als Taschenbuch- und Sonderausgaben, um Übersetzungen, um Hörbuch-, Theater und Filmadaptionen, um Vortrags- und Sendungsrechte usw.

Anders als man glauben könnte und als es auch oft postuliert wird, lauern hier vom Prinzip her keine großen Fallen. Die verschiedenen Nebenrechte sind detailliert aufgeführt und verständlich im Vertrag niedergeschrieben.

Natürlich fühlt man sich erst einmal benachteiligt, wenn man dem Verlag diese ganzen Rechte „in den gierigen Rachen schiebt“, doch wie auch beim Hauptrecht könnte der Autor selbst damit meist relativ wenig anfangen.

Der Verlag verpflichtet sich, wie wir noch sehen werden, dazu, sich um die Verwertung dieser Rechte zu bemühen und dabei im Sinne des Autors zu handeln, der (abgesehen von zwei Ausnahmen) auch jeder Verwertung zustimmen muss, letztlich also weiter über die Nutzung der Rechte bestimmen kann.

Tatsächlich muss der Verlag sogar dann im Sinne des Autors handeln, wenn er sich damit selbst Konkurrenz macht. Wenn der Autor, dessen Roman in (Klein-) Verlag A erschienen ist, dem Angebot einer Lizenzausgabe bei (Groß-) Verlag B folgen will, könnte Verlag A dem nur entgegenwirken, wenn er den Autor mit einem besseren Angebot überzeugen könnte.

Ohnehin – das geht aus dem Gesagten schon hervor – werden die Nebenrechte nicht verschenkt. Sobald eines verwertet werden soll, gelten, je nachdem, ob der Verlag selbst verwerten oder eine Lizenz vergeben möchte, die Vereinbarungen zur Vergütung, die im Normvertrag in §4 und §5 getroffen werden.

Ansonsten ist noch wichtig, dass im Normvertrag die Nebenrechte ebenso wie das Hauptrecht vom Autor ausschließlich an den Vertragspartner vergeben werden. Beide Vertragspartner können sich im Übrigen entweder auf das Gesamtpaket an Nebenrechten einigen, die Nebenrechte aber auch einzeln verhandeln.

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Vertrag dich: Ausgeschlossen!

© Franck Boston
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Weiter geht es im Vertragspoker. Vorweg sei gesagt, dass die Artikel von mir nach bestem Wissen und Gewissen verfasst werden. Aber ich bin kein Jurist. Im Streitfall könnt ihr euch also weder auf mich noch auf meine Ausführungen hier berufen.

Im Normvertrag heißt es in §2 Absatz 1:

Der Autor überträgt dem Verlag räumlich unbeschränkt für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts das ausschließliche Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung (Verlagsrecht) des Werkes für alle Druck- und körperlichen elektronischen Ausgaben sowie für alle Auflagen ohne Stückzahlbegrenzung für die deutsche Sprache.

Hier geht es also gleich ans Eingemachte. Mit diesem Absatz tritt der Autor dem Verlag das Recht ab, das gelieferte Werk in gedruckter Form zu vervielfältigen und zu verbreiten, es also zu verlegen und zu verkaufen. Gleiches gilt für eventuelle Ausgaben in körperlicher elektronischer Form, also etwa als Hörbuch. Der Autor behält nur das Urheberrecht, das man ihm auch nicht nehmen kann.

Von nun an ist also nur noch der Verlag berechtigt, mit dem Text etwas anzustellen, denn das Recht wird ausschließlich übertragen. Würde der Autor dem Vertragspartner das einfache Verlagsrecht übertragen, wie es etwa bei Beiträgen für Anthologien üblich ist (dazu in einem späteren Artikel mehr), könnte er sein Manuskript beliebig selbst weiterverwerten oder die Rechte  weiteren Partnern anbieten. Klar, dass das bei Einzeltiteln wie Romanen nicht gewünscht ist.

Dieses Hauptrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung wird räumlich unbeschränkt vergeben, gilt also auf der ganzen Welt und theoretisch auch darüber hinaus. Das Hauptrecht bezieht sich dabei allerdings auf die Originalausgabe, nicht auf eventuelle Übersetzungen.

Das Verlagsrecht wird für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts übertragen, das in Deutschland derzeit 70 Jahre über den Tod des Urhebers hinausgeht bzw. bei anonymem Urheber (oder Vewendung eines Pseudonyms) 70 Jahre nach der Veröffentlichung erlischt.

Es muss allerdings dazugesagt werden, dass diese Rechteübertragung an Bedingungen geknüpft ist, die in der Regel dazu führen, dass die Rechte früher oder später an den Autor (oder seine Erben)  zurückfallen. Diese Bedingungen finden sich in §9 des Normvertrags. Wenn nämlich der Verlag seinen verlegerischen Pflichten nicht mehr nachkommt, indem er das Werk nicht mehr für den Markt bereithält (Auflage vergriffen, eine Neuauflage wird nicht hergestellt), ist der Autor nach einer dreimonatigen Frist berechtigt, eine Neuauflage zu verlangen oder die Rechte zurückzufordern, was der üblichen Praxis entspricht.

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Die Prämisse bei TextArt

In meinem Artikel zur Prämisse habe ich darauf hingewiesen, dass eben diese sicher zu den meistdiskutierten Phänomenen unter Autoren gehört. Das zeigt sich auch daran, dass es eben jene Prämisse ist, die inzwischen als Suchbegriff mit am häufigsten zu meinem Blog führt.

So fand ich nun heraus, dass auch TextArt – Magazin für Kreatives Schreiben in  seiner aktuellen Ausgabe 04/2010 einen Artikel zur Prämisse enthält. Wer sich also diesbezüglich noch ein bisschen weiterbilden will …

Des TextArt-Forum diskutiert ebenfalls die Prämisse im Allgemeinen wie auch den Artikel im Speziellen. Eine Verlinkung zu meinem Blog hat mich darauf aufmerksam gemacht.

Gut und teuer

Cover Handbuch für Autorinnen und AutorenSie ist da, die siebte Auflage des Handbuchs für Autorinnen und Autoren aus dem Uschtrin Verlag.

Gewohnt informativ und umfassend ist dieses Standardwerk, in der Jubiläumsausgabe „25 Jahre Handbuch“ , wohl jedem ans Herz zu legen, der sich mit den Themen rund um das Schreiben und Veröffentlichen auseinandersetzen will.

Enthalten sind unter anderem fünfzehn Beispielexposés mit Kommentaren der betreffenden Agenturen, LektorInnen und AutorInnen, viele exklusive Beiträge von Brancheninsidern, Musterverträge, Verlagsadressen und vieles mehr. Mehr Informationen gibt es hier. Spätestens ein Blick ins Inhaltsverzeichnis dürfte das Begehren wecken.

Ob man diesem Begehren nachkommt, wird stark davon abhängen, ob einem das Handbuch 49,90 Euro wert ist. Für das Geld wird eindeutig viel geboten in einem Werk, das den Autor lange Zeit begleiten kann. Allerdings kostet das vergleichbare Jahrbuch für Autoren und Autorinnen vom Autorenhaus-Verlag ganze 20,- Euro weniger. Auch hier kann man sich vorab das Inhaltsverzeichnis ansehen.

Die erste Nacht

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Die erste Nacht“, die in der Zeitschrift „Elfenschrift – Das kleine phantastische Literaturheftchen“, Ausgabe 15 von Herausgeberin Ulrike Stegemann erschienen ist.

Was, wenn man panische Angst vor der Dunkelheit hat und nur noch nicht ahnt, dass man nun ein neues Leben beginnen wird, eines in dem die heutige Nacht nur die erste von unzähligen dunklen Nächten sein wird?

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Ich hob den Kopf nur langsam, um den Bassisten nicht zu stören, der mir hinter meiner Stirn ein exklusives Konzert zelebrierte. Sollte ich die Augen öffnen? „Besser nicht“, wollte ich mir antworten. Aber mir war bewusst, dass der harte Untergrund, auf den ich mich bettete, und die unangenehm erfrischende Kühle, die meinen Körper zwickte, noch eine Überraschung für mich bereithielten. Also, Augen auf und durch. Dunkelheit. Und kein Lichtschalter. Ein Frösteln. Ich war nicht zu Hause. Ich lag auf einer Bank. Voll bekleidet, Schuhe und Jacke inklusive. Ich richtete mich auf, fingerte in der Jackentasche nach dem Handy. Ein Licht in der Finsternis. 23.35 Uhr.

In mir wuchs die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmte. Gegen 3.00 Uhr hatte ich den „Keller“ verlassen. Das wusste ich noch, denn es war ungewöhnlich früh für mich. Allerdings weit später als 23.35 Uhr. Hatte ich einen ganzen Tag verschlafen? Ich war einen Moment ratlos, bis mir einfiel, wie leicht sich auch das mit dem Handy überprüfen ließ. Tatsächlich: Am Samstagabend war ich in die Disko gegangen, jetzt ging es stramm auf den Montag zu.

Ich schob diese Merkwürdigkeiten beiseite. Mein Verstand arbeitete sowieso noch viel zu langsam. Jetzt hatte ich einen ganz anderen Kampf zu bestehen. Einen, der schlimmer war, als alles, was ich über das schwarze Loch in meinem Gedächtnis noch herausfinden mochte. Ich musste durch die Schwärze der Nacht nach Hause finden.

Mein Körper strafte den Versuch, aufzustehen, mit Schmerzen. Ich versuchte sie zu ignorieren. Konnte ein Kater so lange anhalten? Oh ja, er konnte.

Wo war ich?

Ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Ruckartig stellte ich mich auf die Beine. Ihr Zittern griff auf den ganzen Körper über, mir brach der Schweiß aus allen Poren. Oh nein, das war nicht nur der Kater. Ich schaute mich nach allen Seiten um, lauschte in die Dunkelheit. Es war so still. Zu still.

Die ersten Schritte waren zaghaft, tastend. Trotzdem gesellte sich zu dem Bassisten ein Trommler, der von innen meine Brust bearbeitete. Meine Füße passten sich dem Takt an, bewegten sich immer schneller, rissen mich förmlich mit sich, bis ich, die Arme weit vorgestreckt, durch die Nacht stürmte, ein Ohr zur Orientierung auf das Knirschen des Weges unter meinen Füßen gerichtet, das andere gemeinsam mit den angestrengten, aber sinnentleerten Augen zur Kontrolle der Umgebung abgestellt.

So wäre ich beinahe dem unvermeidlichen Ende entgegengerannt. Im letzten Moment erkannte ich die Mauer. Wenigstens wusste ich jetzt, wo ich war: der Park der Wallanlagen an der historischen Stadtmauer. Keine fünf Minuten vom „Keller“ entfernt. Der wahrscheinlich dunkelste Ort der Stadt. Kein Licht der weit entfernten Straßenlaternen reichte hierher. Aber auch nur ein Katzensprung bis zu mir nach Hause. Ich war allerdings keine Katze. Also weiter!

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Ulrike Stegemann (Hrsg.)
Elfenschrift – Das kleine phantastische Literaturheftchen
Ausgabe 15, September 2007

ISSN: 1613-3293

Cover-Bild: Rosi Dombach
Schwerpunkt: Endlose Nacht

Aus dem Inhalt:

  • Nachbericht über den Marburg Con 2007 inkl. Interview mit Uwe Vöhl
  • Textbeiträge von Maike Schneider, Christiane Gref, Philipp Bobrowski, Manuela P. Forst, Oliver Hohlstein, Tanja Thomsen und Christel Scheja
  • Grafiken/Illustrationen von Rosi Dombach, Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Christel Scheja, Manuela P. Forst und Michael Stegemann
  • Bücher-Ecke: „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“, Vampire und mehr. Weitere Infos, Ausschreibungstipps und mehr …

Rezensionen:
Terracom 103
Phantastischer Bücherbrief

Zur Elfenschrift

Wieland und die Risse

Heute und morgen im Literaturhaus Rostock:

Donnerstag, der 05. November 2009

Rayk Wieland ›Ich schlage vor, dass wir uns küssen‹

Lesung

Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Begebenheit. Die DDR hat es wirklich gegeben. – so läutet der Klappentext diesen hinreißend komischen Roman ein, der von den Lesern mit Lachtränen verschlungen wird, die Literaturkritiker handeln ihn schon allein wegen seiner leichtfüßigen Art als einen der besten Romane über die DDR.

Herr W. hat eines Tages eine ominöse Einladung in der Post. Auf einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er Auskunft geben über sein Werk, über die Unterdrückung in der DDR und über seine Erlebnisse als Staatsfeind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? Mit der DDR hat er doch längst abgeschlossen, nachdem sie 1989 wie ein falsch montiertes Chemieklo zusammenklappte. War er je als Dichter auffällig geworden? Als unterdrückter gar?

W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich einer Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund: Tatsächlich sind hier seine lyrischen Gehversuche unter dem Titel „Mögliche Exekution des Konjunktivs“ abgeheftet, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München – alles von einem Oberleutnant Schnatz über Jahre akribisch gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft.

„Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ ist ein Roman über die Absurditäten der Erinnerung, auch der eigenen, über rätselhafte Wirkungen unbeholfener Gedichte und über eine Liebe, wie sie nur in Zeiten der deutschen Teilung blühen konnte. Eine wahre Geschichte, die niemand für möglich gehalten hat. Nicht einmal ihr Verfasser.

Rayk Wieland, geb. 1965, lernte Elektriker, studierte Philosophie, war Zeitungs-, Funk- und Fernsehredakteur und lebt als Autor und TV-Journalist bei Hamburg. Einmal im Monat veranstaltet er zusammen mit Gerhard Henschel den „Toten Salon“ im Nachtasyl des Hamburger Thalia Theaters. Letzte Buchveröffentlichung: „Öde Orte“ (Bd. 1–3, zusammen mit Jürgen Roth, Leipzig 2005).

Pressestimmen:
Ganz Deutschland schnieft zum Mauerfall-Jubiläum mit Guido-Knopp-Ergriffenheitsmiene, nur ein einsamer, 1965 in Leipzig geborener Aufständischer leistet tapfer Widerstand: Rayk Wieland hat einen betont satirischen Roman über das Ost-Berlin der achtziger Jahre geschrieben, in dem von Lebenskünstlern und Lyrikern erzählt wird, von Saufgelagen und einer bittersüßen Liebesaffäre des Helden W. mit einer Westbürgerin. Die Vermischung von großer Politik und privater Gefühlsnot ist so etwas wie das poetische Programm des Ich-Erzählers. Das merkt man schon seinen Gedichten an, die seine Beschatter von der Stasi prompt in Aufregung versetzen. „Ringsumher sinkt das Niveau, / Sogar im Politbüro“, heißt es da, und weiter: „An muss ich dich flehen / Nicht von mir zu gehen.“
(Spiegel, 11.04.09)

Termin: Donnerstag, 5. November 2009, 19.30 Uhr
Ort: Literaturhaus Rostock, Kuhtor, Ernst-Barlach-Str. 5, 18055 Rostock
Eintritt: 6,00 € / 4,00 € ermäßigt (für Schüler, Studenten), freier Eintritt für Förderkreismitglieder

Kartenreservierung: (0381) 492 55 81, info ( at ) literaturhaus-rostock.de

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Freitag, der 06. November 2009

Präsentation der Zeitschrift RISSE

Nr. 23 / Herbst 2009/ Lesungen & Eröffnung der Fotoausstellung „Kontraste – Neptun-Werft in Schwarz-Weiß“

Die Literaturzeitschrift gibt einen vielgestaltigen Eindruck von neuer Literatur aus Mecklenburg und Vorpommern. In jeder Ausgabe erscheinen bereits bekannte und auch neu entdeckte Talente aus unserem Bundesland mit Kurzgeschichten, Lyrik, Dramatik oder Essay – gebunden durch eine Grafikstrecke eines Künstlers aus Mecklenburg-Vorpommern. Zum Erscheinen der neuen Ausgabe der Literaturzeitschrift RISSE lesen drei Autorinnen und Autoren eine Auswahl ihrer Texte im Literaturhaus Rostock:

Daniela Boltres (Rostock)

Sonja Voß-Scharfenberg (Schwerin)

Ingo Giertz (Rostock)

In der druckfrischen Herbstausgabe ist eine Auswahl der Fotografien von Reiner Mnich zu sehen. Mit Autorinnen und Autoren, Förderern und Lesern wird das Erscheinen der neuen Ausgabe gefeiert und die Foto-Ausstellung „Kontraste – Neptun-Werft in Schwarz-Weiß“ von Reiner Mnich im Literaturhaus Rostock eröffnet.

Eine gemeinsame Veranstaltung von: Risse e.V. und Literaturhaus Rostock

Termin: Freitag, 6. November 2009
Zeit: 19.30 Uhr
Ort: Literaturhaus Rostock, Kuhtor, Ernst-Barlach-Str. 5, 18055 Rostock
Eintritt frei

Weitere Informationen:

Risse e.V.
c/o Kuhtor
Ernst-Barlach-Str. 5
18055 Rostock
Tel.: (0381) 492 55 81
redaktion ( at ) risse-mv.de
www.risse-mv.de