PB-Plotten 9: Grober Plotplan

Zunächst möchte ich noch einmal betonen, dass meine Liste für das Plotten natürlich keine strikten Vorgaben enthält, schon gar nicht die Reihenfolge betreffend. Gerade bei den folgenden Punkten muss jeder selbst die für ihn sinnvollste Vorgehensweise finden. Auch müssen die einzelnen Punkte nicht tatsächlich in dieser Weise voneinander getrennt werden. Dass ich das tue, gilt eher der Übersichtlichkeit.

Wer sich beispielsweise schon während des groben Vorplottens auf die Schlüsselszenen konzentrieren möchte oder wer sich gleichzeitig mit den Nebenkonflikten auch um die direkt mit ihnen verbundenen Nebenfiguren kümmern will, kann das gerne tun. Auch müssen Recherche und Plotten natürlich nicht in voneinander abgetrennten Arbeitsschritten durchgeführt werden. Und natürlich kann man von Beginn an ein ausführlicheres Arbeitsexposé erstellen, dass dann weitgehend dem groben Plotplan entspricht.

Nun will ich aber erklären, an was ich bei dem groben Plotplan gedacht habe.

Man könnte sagen, dass wir uns nun zum ersten Mal die Geschichte, die wir schreiben wollen, in Stichpunkten vor Augen führen. Wir füllen sozusagen die Lücke, die uns die Prämisse auftut. Dabei gehen wir schlicht chronologisch vor. Wir kümmern uns also noch nicht darum, wie wir die Geschichte später arrangieren wollen, was wir als Rückblende erzählen wollen, was als Dialogszene, wo wir zusammenfassen, wo wir szenisch vorgehen wollen.

Manches, was wir uns jetzt noch als Stichpunkt vergegenwärtigen, wird möglicherweise im Manuskript gar nicht auszuführen sein. Andererseits gehen wir bestenfalls ins Detail, wo uns Details schon gegenwärtig sind. Wir beweisen Mut zur Lücke, wo eben noch Lücken sind.

Im Unterschied zum Arbeitsexposé konzentrieren wir uns nicht auf die Eckpunkte des Haupthandlungsstrangs, sondern versuchen uns die Geschichte als Ganzes vor Augen zu führen. Hier werden wir später anknüpfen können, wenn wir mögliche Nebenkonflikte und weitere Handlungsstränge ausarbeiten wollen.

Wir schaffen uns also einen ersten Plotentwurf, der als Basis für die spätere Komposition dient.

Für diejenigen, die nicht ganz ohne Plotten auskommen, die aber auch nicht zu weit gehen wollen, ist der grobe Plotentwurf  ein guter Start für die Manuskriptarbeit, falls da nicht schon das Arbeitsexposé ausreicht.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten 6: Arbeitsexposé

Exposés zu schreiben ist für viele Autoren ein Graus. Das dürfte nur zu einem vergleichsweise geringen Anteil an der so häufig gestellten Frage liegen, was denn nun eigentlich in ein Exposé gehört. Viel schwieriger erscheint es,  den Inhalt eines Wälzers von vielleicht 600 Seiten Umfang in eine Form zu quetschen, die einen Umfang von zwei oder drei Seiten haben soll.

Glücklicherweise haben wir unseren Roman ja bereits gepitcht, den Konflikt herausgearbeitet und eine Prämisse erstellt. Wir sind also schon mit viel weniger Worten ausgekommen, als es uns das Exposé abverlangt.

Außerdem sind wir ja beim Arbeitsexposé, und niemand verlangt von uns, dass wir uns dabei an irgendwelche Vorgaben und Richtlinien halten. Auch hier gilt letztendlich wieder der Grundsatz, dass jeder seine Arbeitswerkzeuge einsetzen kann, wie es sich für ihn richtig anfühlt.

Allerdings ist es sicher kein schlechter Rat, das Arbeitsexposé bereits als gute Übung und gleichzeitig als Ausgangsbasis für das Präsentationsexposé anzusehen, mit dem wir unser Werk dann dem Verlag oder der Agentur vorstellen. Und da spielen die Vorgaben dann wieder eine große Rolle.

Diejenigen, die sich gern intensiver mit dem Exposé auseinandersetzen möchten, verweise ich an dieser Stelle auf Hans Peter Roentgens „Drei Seiten für ein Exposé„. Dass ich das Buch reinen Gewissens empfehlen kann, obwohl ich es selbst noch nicht gelesen habe, liegt nicht nur daran, dass es von so vielen anderen berufenen Mündern empfohlen wird, sondern auch daran, dass ich den Autor unter anderem aus verschiedenen Workshops kenne und dass ich sein „Vier Seiten für ein Halleluja“ gelesen habe.

Das Wichtigste und Grundlegendste, was man sich für das Exposé jedoch einprägen sollte, ist, dass es sich ganz und ausschließlich an der Entwicklung des zentralen Konflikts orientiert. Dabei verfolgt es natürlich nicht jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt, sondern behandelt nur die wichtigsten Eckpunkte dieser Entwicklung. Nebenhandlungen versucht man so weit wie möglich auszuklammern. Sie finden bestenfalls Erwähnung im Exposé, wenn sie zur Erklärung einer wichtigen Entwicklung im Haupthandlungsstrang notwendig sind.

Daraus ergibt sich auch, dass sich das Exposé so weit wie möglich auf die zentralen Figuren beschränkt und dabei den Fokus auf dem Protagonisten behält.

Hält man sich an diese Vorgaben, sollten die meisten Probleme bei der Exposé-Erstellung bereits umgangen sein. Viele Autoren versuchen nämlich, einfach ihre gesamte Romanhandlung in kürzeren Worten nachzuerzählen und verfransen sich dann im Unwesentlichen. Auch wird das Exposé dadurch vollkommen unübersichtlich, was durch eine hohe Anzahl an Figuren zusätzlich gefördert wird.

Nun wird vielleicht schon deutlich, warum ich das Arbeitsexposé an diese Stelle der Liste gesetzt habe:
Wir haben uns gerade intensiv mit unserem Hauptkonflikt beschäftigt, wir kennen mit der Prämisse den Anfang und das Ende der Geschichte. Davon, wie sich der Plot vom einen zum anderen Ende entwickeln soll, haben wir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nur eine grobe Ahnung, die wichtigsten Eckpunkte wollen wir jetzt mit dem Exposé festlegen.

Nebenhandlungen und Nebenfiguren sind uns bisher noch gar nicht in die Quere gekommen, können uns also auch nicht vom Wesentlichen ablenken. Und selbst zum Protagonisten haben wir vorerst allenfalls eine lockere Beziehung, weshalb wir uns auch bei ihm auf die für den Konflikt wesentlichen Eigenschaften konzentrieren können.

Das Arbeitsexposé erstellen wir demnach auch nicht einfach so aus der hohlen Hand. Punkt 5 umfasst also unser erstes intensiveres Brainstorming, in dem wir die Lücke, die uns unsere Prämisse zwischen Anfangs- und Endpunkt unserer Geschichte lässt, sinnvoll füllen wollen. Das kann im Kopf geschehen, ich empfehle aber, es schriftlich zu tun.

Wir entwickeln also unser Arbeitsexposé, indem wir die Entwicklung des Hauptkonflikts bis zu seiner Lösung hin formulieren. Ist die erste Fassung  des Exposés niedergeschrieben, überprüfen wir sie daraufhin, ob sie sich logisch entwickelt, ob sie dem Ursache-Wirkung-Prinzip entspricht, ob sie Spannung aufbaut, ob sie den Anspruch an einen Spannungsbogen erfüllt und ob sie die Prämisse beweist (was letztlich die Zusammenfassung der vorherigen Punkte ist).

Wenn nötig, überarbeiten wir das Exposé so lange, bis wir damit zufrieden sind. Dann kann es mit den nächsten Schritten weitergehen.

(PB-Plotten: Die Liste)

 

PB-Plotten 5: Arbeitstitel

Vermutlich werden die meisten ihrem zukünftigen Roman zu diesem Zeitpunkt längst einen Titel gegeben haben. Warum ich ihn trotzdem erst auf Punkt 5 der Liste gesetzt habe?

Nun, zum einen ist es ja meine Liste und ich hatte mir eben vorgenommen, spätestens zu diesem Zeitpunkt einen Arbeitstitel zu haben. Mit dem Pitch, dem zentralen Konflikt und der Prämisse sollte man bereits so intensiv über die Geschichte nachgedacht haben, dass man ihr einen Namen geben kann.

Auf der anderen Seite geht es mir so wie sicher auch vielen anderen Autoren, dass ich mein Kind gern frühzeitig benenne. Da scheint es mir gut, einen Titel zu haben, bevor man mit dem richtigen Plotten beginnt. Also wollte ich den Titel vor dem Arbeitsexposé haben.

Natürlich muss sich speziell in diesem Punkt (wie letztlich bei allen Punkten) niemand an meine Reihenfolge halten.

Zum Arbeitstitel gibt es ansonsten nicht viel zu sagen, außer möglicherweise, warum es eben ein Arbeitstitel ist.

Das ist im Prinzip ganz einfach. Bei einem Werk, bei dem man eine Veröffentlichung anstrebt, wird jeder Titel, den sich der Autor wählt, ein vorläufiger sein. Denn welchen Titel das fertige Buch bekommt, ist in der Regel Verlagsangelegenheit.

Wer also darauf zielt, sein Buch einem Verlag anzubieten, der sollte sich ohnehin nicht allzu sehr in den selbst gewählten Titel verlieben.

Aber auch sonst kann es natürlich sein, dass einem zu einem späteren Zeitpunkt noch ein treffenderer Titel einfällt. Ergo, wir haben erst einmal nur einen Arbeitstitel.

(PB-Plotten: Die Liste)